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Carol Byrne, Progressivistische Opposition gegen das Pfründesystem (38 von 94)

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Dr. Carol Byrne, Großbritannien

Das gute deutsche Wort „Pfründe“ wird dermaßen falsch verwendet und verstanden, dass nicht mal die Wikipedia oder andere Lexika seine richtige Bedeutung wiedergeben. Was ist eine Pfründe (chantry)? Es ist ein festes Messstipendium. Sie wollen, dass für Ihre verstorbenen Familienangehörigen Seelenmessen gelesen werden oder dass man ständig für Ihre Belange Messen liest? Was tun Sie? Sie stiften eine Pfründe, d.h. Sie stellen eine bestimmte Geldsumme zur Verfügung, sodass an einem bestimmten Altar täglich für Ihre Familienangehörigen oder für andere Belange Messen gelesen werden. Nehmen wir an Sie sind finanziell so gut gestellt, dass Sie z.B. einen Teil Ihres Vermögens dafür geben oder jemand setzt das in seine Testament fest. Nach den heutigen Preisen von Fontgombault 17 EUR die Messe, wäre das sagen wir täglich für 10 Jahre 17 x 365 x 10 = 62.050 €. Ja, das ist ein Batzen Geld, aber das Fegefeuer ist hart und was tut man nicht alles für die Familie! Wenn die lieben Verwandten aus dem Fegefeuer herauskommen, dann tun sie auch etwas für Sie, so ist es eine Win-Win-Situation, wie der Amerikaner sagt. Wenn jemand ein Hilfspriester war, also kein Pfarrer, dann konnte er davon leben, dass er an einem bestimmten Altar seine Pfründe verrichtete. Das Kirchenrecht sah vor, dass für eine Messe dem Priester soviel zu steht, wieviel ein Tagesverdienst beträgt. Wenn man die heutigen Hartz-IV-Sätze heranziehen würde, so wären es mindestens 30 € pro Tag und Messe, denn man darf nur eine Messe am Tag lesen. So würde der o.a. Betrag nicht 62.050 €, sondern 30 x 365 x 10 = 109.500 € betragen, was 900 € im Monat für diese Pfründe beträgt. Da es nicht gerade wahnsinnig viel ist, daher kam es zur der oft kritisierten „Pfründenhäufung“ oder dem Umschauen nach einer „fetten Pfründe“, sagen wir mal 50 € pro Messe und Tag, d.h. 1500 € im Monat. Da man nicht öfters als einmal pro Tag zelebrieren konnte, so häufte man die Pfründen, um über die Runden zu kommen. Es kam einfach darauf an, welche Pfründen, wo zur Verfügung standen. Und was war der spirituelle Gewinn? Dass durch die vielen Messen mehr Gnade auf die ganze Welt, nicht nur auf die Arme Seelen der Familie des Stifters, strömte. DSDZ war in Fontgombault während in den Seitenaltären 21 Messen gleichzeitig gelesen wurden. Dies fand zwischen 7.00 Uhr und 8.00 Uhr statt, in zwei Touren, sodass insgesamt 42 Privatmessen täglich gefeiert wurden. Es war als würden 21 Sonnen auf einmal leuchten und diese Atmosphäre der Gnade war danach den ganzen Tag innerhalb der Kirche und außerhalb zu spüren. Stellen Sie sich aber vor, dass in einer Dorfkirche oder Kathedrale täglich von 6.00 bis 11.00 ständig Messen zelebriert wurden und das mehrere Jahrhunderte lange. Wieviel Gnade erhielt doch die Kirche und die Welt! Daher inspirierte der Teufel die seinen all das abzuschaffen, was durch das letzte Konzil und den Verbot der Privatmessen vollendet wurde. Konzelebration ist geboten, unter Bergoglio erst recht, damit die Kirche und die Welt weniger Gnade haben.

Im Mittelalter war eine Pfründe (chantry) im Wesentlichen eine Einrichtung, um eine Stiftung eines oder mehrerer Wohltäter für einen Priester zu verwalten, um an einem bestimmten Altar Messen für die Seelen bestimmter Personen zu feiern. Dies geschah in Form eines Geschenks an den Priester als Beitrag zu seinem Unterhalt oder an Land, das er bewirtschaften oder vermieten konnte, um Einkommen zu erzielen.1

Jeder der Gläubigen könnte Gründer einer Pfründe werden, die auch oft als Stiftskapelle bezeichnet wird, da die Pfründe an die Mittel aller Gesellschaftsschichten angepasst wurden, einschließlich der Menschen mit sehr unterschiedlichem Status und Besitz.2 Ihre Popularität war so groß, dass es kaum eine Kirche ohne mindestens eine Pfründe gab,3 während Kathedralen und Stiftskirchen oft eine beträchtliche Anzahl von ihnen hatten.4 Es gab auch zahlreiche eigens errichtete Kapellen in den Ländern Europas, die jeweils mehrere Pfarrer unterstützen konnten.

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Pfründekapelle St. Mary auf der Mittelalterlichen Brücke in Wakefield, England

An dieser Stelle ist anzumerken, wie unverzichtbar Pfründe für die Vitalität des mittelalterlichen Ordenslebens waren. Sie mögen den meisten Menschen heute unwichtig erscheinen (wenn sie überhaupt von ihrer Existenz wissen), aber für die liturgische Bewegung stellen sie eine peinliche Verirrung dar. Zu ihrer Zeit waren sie buchstäblich Angelegenheiten von Leben und Tod.

Da ihre Grundlage auf der Zelebration von Messen für die Toten beruhte, waren sie ein Werk der christlichen Nächstenliebe, ein geistliches Werk der Barmherzigkeit zur Linderung der im Fegefeuer leidenden Seelen. Welchen passenderen Kontext könnte es geben, um den Übergang der Seelen von dieser Welt in die Ewigkeit zu unterstützen, als das heilige Messopfer, in dem sich Himmel und Erde treffen? Da die meisten Menschen, ob arm oder reich, nach dem Tod um das Wohlergehen der Seele der Verstorbenen besorgt waren, kann man sagen, dass Pfründe eine Verbindung zwischen Lebenden und Toten bildeten, ein spirituelles Netzwerk, das dazu beigetragen hat, der mittelalterlichen Gesellschaft ein Gefühl katholischer Identität zu geben.

Bezüglich des praktischen Nutzens war die finanzielle Vorsorge für die Pfründe ein Segen für die gesamte Kirche. Es finanzierte eine reichliche Versorgung mit Priestern, Gewändern, Altären, Kapellen und Wohnungen für die Priester, kostenlose Schulbildung und Armenhäuser für die Armen, den Bau von Straßen und Brücken und trug sogar zur Erweiterung der örtlichen Pfarrkirchen bei.

Nach ihrer Auflösung durch das Second Chantry Act von 1547 [Zweites Pfründegesetz] unter Edward VI.5 wurden ihre Stiftungen von der Krone beschlagnahmt, die Priester entlassen, Gebete für die Toten durch königliches Dekret verboten und unzählige Seelen der Fürsprache der Kirche beraubt. Daraufhin begannen der Abriss von Kapellen und die Zerstörung von Kirchenbesitz einschließlich Altären, Kreuzgittern, Statuen und Glasmalereien. Wandgemälde wurden weiß getüncht, und mit Edelsteinen besetzte Missale wurden wegen ihrer Edelsteine, Blattvergoldungen und silbernen Scharniere und Verschlüsse zerstört. Pründeland wurde verkauft oder für weltliche Zwecke umgeleitet.6

Es ging aber nicht nur um den Geldwert von Pfründe-Stiftungen. Grundsätzlich bestand das Ziel der protestantischen „Reformation“ darin, die Messe anzugreifen und das Dogma vom Fegefeuer aus der lebendigen Erinnerung zu streichen. Pfründe waren daher das Ziel von Protestanten, die sich gegen den Reichtum der Kirche wehrten und [sie] beschuldigten, dass das Beten für die Verstorbenen als Gegenleistung für Geld gleichbedeutend mit dem Kauf eines Weges in den Himmel sei.

Jungmanns Hass gegen Pfründe

Jungmann war ebenso intolerant gegenüber der Existenz von Pfründen wie jeder Protestant des 16. Jahrhunderts, der sie als „papistische Denkmäler“ anprangerte. Als sie als „abergläubisches Werk“ verboten und ihre Schätze vom Staat beschlagnahmt wurden, vergoss er keine Träne für ihr Verschwinden. Er zeigte auch kein Mitgefühl für die entlassenen Priester, die Wohltäter, deren Willen aufgehoben wurde, oder die Seelen der verstorbenen Gläubigen, die keine Gebete mehr für ihre Freilassung aus dem Fegefeuer haben würden. Es war, als wollte auch er sich von einem „papistischen Makel“ reinigen.

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Bischof Henry Beauforts Pfründe und Grab in der Kathedrale von Winchester

In der Tat sah er das Pfründesystem nur in negativen, abfälligen Begriffen als einen unglücklichen Makel im Gesicht der Kirche an:

„Und so entstand in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters eine unnatürliche Vermehrung der Messen und damit auch eine unnatürliche Zunahme der Geistlichkeit.“7

„Viele der Protestanten hatten dasselbe beklagt. Luther zum Beispiel schimpfte gegen „ganze Schwärme von Messe lesenden Priestern“, die von den Gläubigen finanziell unterstützt wurden8, während Thomas Fuller, ein anderer protestantischer Führer, Pfarrer als „Bienenstock von Drohnen (nicht von Bienen, die fleißig in Lernen und Religion vorankommen“) beschrieb.9


Jungmann stimmte dem offenbar zu, denn er wandte die Drohnenmetapher auf Stiftspfarrer an, was implizierte, dass sie keine wirkliche Arbeit leisteten (als ob die Messe unproduktiv oder nicht von unendlichem Wert wäre), sondern von dem von anderen gesammelten „Nektar“ lebten:

„Gegen Ende des Mittelalters hatte jede Stadt unzählige„ Altaristen” („Altar-Thanes“ [„thane” im Engl. früher gebraucht für freie Bauern auf vom Adligen überlassenem Land, Anm. d. Übs.]), die keine andere Pflicht hatten, als die Messe und das Amt zu lesen… von denen zumindest ein Teil ihr gesamtes Einkommen aus den Messen bezog durch Stiftungen (Stiftungen oder Pfründe) oder durch Messstipendien.“10


Es ist nicht ohne Bedeutung, dass Jungmann die starke Zunahme an Geistlichen – mit der damit einhergehenden Verbreitung stiller Messen und Seitenaltären – bedauerte und es als „ein Element” ansah, „das nicht zuletzt zur kirchlichen Krise des 16. Jahrhunderts beitrug”.11

Wie wir weiter unten sehen werden, ist alles in seinem Bericht entweder tendenziös oder historisch falsch – zwei Attribute, die in Jungmanns Schriften häufig vorkommen – und es hat wenig Bezug zu den Realitäten des mittelalterlichen Lebens als Ganzes.

Lassen Sie uns jede von Jungmanns Anschuldigungen untersuchen:

Die Einwände gegen die mehr werdenden Messen

Jungmanns Verwendung des Wortes „unnatürlich“ zur Beschreibung der Rolle der Stiftspfarrer sowie ihrer Ordination impliziert, dass sie sich im Allgemeinen in Scharen dem Priestertum angeschlossen haben, um eine lukrative Karriere zu machen, indem sie jeden Tag so viele Messen wie möglich halten. Das ist immer noch die progressivistische Interpretation des mittelalterlichen Pfarrsystems.12

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Jungmann wiederholt Luthers Lügen bezüglich „zu vieler Messen“

Die Kirche hat immer dazu ermutigt, mehr Messen zu feiern, jedoch nicht vom selben Priester am selben Tag. Wie jeder andere Aspekt der Liturgie, der sonst unhandlich werden könnte, unterlag das Pfründesystem einer Regulierung. Papst Innozenz III. regelte 1206 gesetzlich, dass jeder Priester nur eine Messe täglich halten darf, außer im Notfall,13 und dies wurde allgemein beobachtet.

Das häufigere Lesen von Messen und die Schaffung einer besonderen Klasse sogenannter „Messpriester“, die keineswegs unnatürlich war, war eine Notwendigkeit in einer Zeit, in der vermehrte Messbestellungen in dieser Größenordnung nicht durch die vorhandenen Klosterpatres und Gemeindepfarrer erfüllt werden konnten. Es gibt daher keinen Grund zu der Annahme, dass die Erbringung solcher Dienste vergeblich oder überflüssig war.

Der Einwand gegen die Grüdnung von Pfründen

Jungmanns Karikatur einer Armee müßiger und parasitärer Priester, die auf Kosten der Gläubigen weitgehend frei waren für ein faules Leben in Wohlstand, beruhte auf Unwissenheit. Um den Ruf, den diese Priester zu Unrecht durch Vorurteile und Bosheit erlangt haben, wiederherzustellen, müssen wir uns nicht der liturgischen Bewegung zuwenden, sondern dem säkularen Feld der wissenschaftlichen Forschung (14),14 das umfangreiche Dokumentationsquellen für die Pfründe hervorgebracht hat.15

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Wissenschaftliche Studien widerlegen die protestantischen Lügen bezüglich der Pfründe

Daraus geht hervor, dass es eine große Vielfalt und Komplexität von Pfründen gab und dass die Priester, die ihnen dienten, aufgefordert wurden, eine Vielzahl von Rollen zu übernehmen. Laut Pfründeurkunden und anderen erhaltenen Beweisen wurde in ihren Gründungsverordnungen häufig festgelegt, dass ihre Mitglieder zusätzlich zu ihrer Hauptpflicht zum Lesen der Messe regelmäßig an Gottesdiensten im Chor teilnehmen, den Pfarrer bei der Spendung der Sakramente unterstützen und als Lehrer für arme Kinder der Gemeinde und als Kapläne in Krankenhäusern oder Gefängnissen arbeiten mußten. Sie waren auch nützlich, um den Gläubigen in abgelegenen Gebieten zu dienen, denen geografische oder klimatische Bedingungen den Zugang zur Pfarrkirche unmöglich machten.

Es wurde festgestellt, dass ohne die treue Arbeit dieser Priester in ihren dunklen Kapellen der Erleichterung [für die Gläubigen] „die Heilung der Seelen im vorreformatorischen England stark beeinträchtigt worden wäre”.16

Und in Zeiten der Pest waren die Kirchen häufig und heldenhaft mit Pfründepfarrern besetzt, die als wahre Hirten inmitten der Gläubigen lebten und starben, denen sie dienten.

Was das Einkommen betrifft, so zeigen dokumentarische Beweise, dass im Allgemeinen mehr als die Hälfte des erhaltenen Geldes an die Armen gespendet wurde.17 Und während einige Pfründepfarrer die Empfänger großer Wohltaten von wohlhabenden Personen waren, wurde geschätzt, dass ihr Durchschnittseinkommen „ausreichte, um eine Einzelperson am Leben zu erhalten und sich einigermaßen wohl zu fühlen“, und dass „viele per definitionem tatsächlich arm waren“.18

Als nächstes werden wir die Gründe untersuchen, die Jungmanns Hass auf die Pfründe zugrunde liegen.

Quelle

  1. Das 4. Lateran Konzil (1215) erklärte die Vernunftgründe der Unterstützung der Priester: „Derjenige, der am Altar dient, sollte davon leben.”
  2. Reiche Personen – Könige, Barone, Ritter, erfolgreiche Händler etc. – konnten auf ihren eigenen Namen eine Pfründe gründen; Arme und andere mit eingeschränkten Mitteln konnten sich zusammenschließen, indem jeder eine kleine Spende gab in Form von Geld oder Sachleistungen für einer Gilde oder Bruderschaft, die eine Pfründe gründen würde, die dann Messen für ihre Seelen lesen sollten.
  3. Dies geschah entweder durch einzelne Wohltäter, die in ihrem eigenen Namen handelten, oder durch eine Gruppe von Gemeindemitgliedern, die sich zusammenschlossen, um einen Altar in ihrer eigenen Gemeinde zu stiften und die Unterstützung eines Pfründepfarrers zu gewährleisten.
  4. Z. B. die ursprüngliche St Paul’s Cathedral (die später durch das Große Feuer in London 1666 zerstört wurde) hatte nicht weniger als 84 Pfründe, was den Bau und Gebrauch vieler Seitenaltäre erforderte. (Für Einzelheiten siehe Kapitel 3 von Marie-Hélène Rousseau, Saving the Souls of Medieval London. Perpetual Chantries at St. Paul’s Cathedral, c.1200-1548, London, Ashgate, 2011).
  5. Jungmann stellte fest, dass „Henry VIII. in England 2.374 Pfründe vor seinem Tod auflöste (J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite, [Die Messe des römischen Ritus] Band. 1, S. 130, Fußnote 20) Dies ist historisch nicht korrekt. Henry VIII. Pfründegesetz (1545) schuf nur das formale Recht des Königs, die Stiftungen der Pfründe zu kontrollieren, ordnete jedoch nicht ihre gesamte Auflösung an. Es war das zweite Pfründegesetz von 1547, unterzeichnet von seinem Nachfolger, dem Kinderkönig Edward VI., das 2,374 Pfründe vollständig auflöste und Unterhändler anwies, ihre Vermögen für die Krone einzuziehen.
  6. 1514 gründete Edmund Daundy, einer der reichsten Händler seiner Tage eine ewige Pfründe am Altar von St. Thomas à Beckett in der Kirche St. Lawrence, Ipswich, in Suffolk. Er ernannte Fr. James Crawford als ersten einer Reihe von Pfründepriestern, die auf ewig täglich für seine Seele die Messe lesen sollten, auch für die Seelen seiner Verwandten (unter denen namentlich Thomas ‒ später Kardinal ‒ Wolsey, Dekan der Lincoln Cathedral genannt wird.) Seine Spende enthielt ein Haus für die Priester, Geld und Ländereien als ihre Einnahmequelle, ebenso wie Armenhäuser und Spenden für die Armen. Nach seinem Tod jedoch (er wurde im Boden der Kirche begraben), wurde Fr. Crawford entlassen und seine Stelle (vermutlich aus Pfründe) an Thomas Becon gegeben, (dem künftigen Kaplan von Thomas Cranmer); die Kirche wurde ihrer Schätze beraubt (Kreuz, Tabernakel, Kelche, Gewänder aus goldverziertem Stoff etc.); die Buntglasfenster wurden zerstört und die Wandgemälde überstrichen, sogar das Grab von Daundy wurde seiner Messingornamente beraubt, und der Ort wurde unkenntlich gemacht.
    Heute existiert keine sichtbare Erinnerung an den frommen und wohltätigen Edmund Daundy. Die Kirche St. Lawrence, Ipswich, die lange leer, ist heute Gemeindezentrum. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden auf seinem Pfründegrundstück Sozialwohnungen errichtet und mit höchst bitterer Ironie Pfründehaus genannt. Aber wer wird nn für seine Seele beten? Die meisten dieser Informationen sind Edmund Daundys Testament und Gründungstaten entnommen, wie sie in John Wodderspoon, Memorials of the Ancient of Ipswich, in the County of Suffolk, Longmans; and J. R. Smith, pp. 348-353.) berichtet sind. Siehe hier.
  7. J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite [Die Messe des Römischen Ritus], Band. 1, S. 130.
  8. Martin Luther, A commentary on Saint Paul’s Epistle to the Galatians, [Kommentar zum Brief des Heiligen Paulus an die Galater] Philadelphia, John Highlands, 1891, p. 115
  9. Thomas Fuller, The Church History of Britain, from the Birth of Jesus Christ Until the Year 1648, [Die Kirchengeschichte Britanniens, von der Geburt Jesu Christi bis zum Jahr 1648] London, T. Tegg, 1837, 3 Bämde. Band. 2, S. 269. Fuller (1608–1661), war protestantischer Kleriker und Prediger. Sein Vergleich mit dem Bienenstock voller Drohnen war als Analogie mit den Pfründen gedacht, die für die Toten beteten.
  10. J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite [Die Messe des Römischen Ritus]S. 130, Fußnote 20.
  11. Ibid., S. 223-224.
  12. Fr. Thomas Bokenkotter z. B. beklagte sich über „die Zunahme von privaten Messen – Messen, die ohne Gemeinde gelesen wurden – von Priestern, die hungrig auf Messstipendien waren und diese rafften … und viele Messen an einem Tag lasen.” (Dynamic Catholicism [Dynamischer Katholizismus]Crown Publishing Group, 2010, S. 214).
  13. Dieses Dekret findet man in den Decretals of Gregory IX (1234) [Dekreten Gregors IX.] Kapitel 3, Buch 41, Überschrift 3. The Decretals of Gregory IX sind eine Zusammenstellung vorheriger Sammlungen päpstlicher Dekrete und wurden zum offiziellen Gesetzbuch der Kirche (heute CIC).
  14. Katherine Wood-Leghs Perpetual Chantries in Britain [Ewige Pfründe in Britannien], veröffentlicht 1965, war die erste große tiefergehende Studie der Pfründe als Institution.
  15. Diese Studien haben einen Großteil des historischen Hintergrund der Pfründe/Stiftungen aufgedeckt: ihre Gründung, Orte und Verwaltung; die vielfältigen Pflichten der Pfründepriester; ihre Wohnung, Bezahlung, Leitung, Arbeitsbedingungen und schließlich ihre Auflösung.
  16. Alan Kreider, English Chantries, The Road to Dissolution [Englische Pfründe, Der Weg zur Auflösung], Cambridge, Mass., 1979, S. 57.
  17. Zitat von den Pfründezertifikaten, die im ersten Jahr der Regierung von Edward VI. von den Kommissaren aufgeschrrieben wurden. Francis Gasquet gibt einige Beispiele dieser Praxis. Siehe Francis Gasquet, Parish Life in Medieval England [Gemeindeleben im mittelalterlichen England], Methuen and Co. Ltd., London, 1922, S. 96. Diese Erkenntnisse werden in vielen anderen Studien zitiert.
  18. Alan Kreider, English Chantries, The Road to Dissolution [Englische Pfründe, Der Weg zur Auflösung], S. 61.

Quelle: https://www.traditioninaction.org/HotTopics/f119_Dialogue_38.htm

  1. 1Das 4. Lateran Konzil (1215) erklärte die Vernunftgründe der Unterstützung der Priester: „Derjenige, der am Altar dient, sollte davon leben.”
  1. 2Reiche Personen – Könige, Barone, Ritter, erfolgreiche Händler etc. – konnten auf ihren eigenen Namen eine Pfründe gründen; Arme und andere mit eingeschränkten Mitteln konnten sich zusammenschließen, indem jeder eine kleine Spende gab in Form von Geld oder Sachleistungen für einer Gilde oder Bruderschaft, die eine Pfründe gründen würde, die dann Messen für ihre Seelen lesen sollten.
  1. 3Dies geschah entweder durch einzelne Wohltäter, die in ihrem eigenen Namen handelten, oder durch eine Gruppe von Gemeindemitgliedern, die sich zusammenschlossen, um einen Altar in ihrer eigenen Gemeinde zu stiften und die Unterstützung eines Pfründepfarrers zu gewährleisten.
  1. 4Z. B. die ursprüngliche St Paul’s Cathedral (die später durch das Große Feuer in London 1666 zerstört wurde) hatte nicht weniger als 84 Pfründe, was den Bau und Gebrauch vieler Seitenaltäre erforderte. (Für Einzelheiten siehe Kapitel 3 von Marie-Hélène Rousseau, Saving the Souls of Medieval London. Perpetual Chantries at St. Paul’s Cathedral, c.1200-1548, London, Ashgate, 2011).
  1. 5Jungmann stellte fest, dass „Henry VIII. in England 2.374 Pfründe vor seinem Tod auflöste (J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite, [Die Messe des römischen Ritus] Band. 1, S. 130, Fußnote 20) Dies ist historisch nicht korrekt. Henry VIII. Pfründegesetz (1545) schuf nur das formale Recht des Königs, die Stiftungen der Pfründe zu kontrollieren, ordnete jedoch nicht ihre gesamte Auflösung an. Es war das zweite Pfründegesetz von 1547, unterzeichnet von seinem Nachfolger, dem Kinderkönig Edward VI., das 2,374 Pfründe vollständig auflöste und Unterhändler anwies, ihre Vermögen für die Krone einzuziehen.
  1. 61514 gründete Edmund Daundy, einer der reichsten Händler seiner Tage eine ewige Pfründe am Altar von St. Thomas à Beckett in der Kirche St. Lawrence, Ipswich, in Suffolk. Er ernannte Fr. James Crawford als ersten einer Reihe von Pfründepriestern, die auf ewig täglich für seine Seele die Messe lesen sollten, auch für die Seelen seiner Verwandten (unter denen namentlich Thomas ‒ später Kardinal ‒ Wolsey, Dekan der Lincoln Cathedral genannt wird.) Seine Spende enthielt ein Haus für die Priester, Geld und Ländereien als ihre Einnahmequelle, ebenso wie Armenhäuser und Spenden für die Armen. Nach seinem Tod jedoch (er wurde im Boden der Kirche begraben), wurde Fr. Crawford entlassen und seine Stelle (vermutlich aus Pfründe) an Thomas Becon gegeben, (dem künftigen Kaplan von Thomas Cranmer); die Kirche wurde ihrer Schätze beraubt (Kreuz, Tabernakel, Kelche, Gewänder aus goldverziertem Stoff etc.); die Buntglasfenster wurden zerstört und die Wandgemälde überstrichen, sogar das Grab von Daundy wurde seiner Messingornamente beraubt, und der Ort wurde unkenntlich gemacht.
    Heute existiert keine sichtbare Erinnerung an den frommen und wohltätigen Edmund Daundy. Die Kirche St. Lawrence, Ipswich, die lange leer, ist heute Gemeindezentrum. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden auf seinem Pfründegrundstück Sozialwohnungen errichtet und mit höchst bitterer Ironie Pfründehaus genannt. Aber wer wird nn für seine Seele beten? Die meisten dieser Informationen sind Edmund Daundys Testament und Gründungstaten entnommen, wie sie in John Wodderspoon, Memorials of the Ancient of Ipswich, in the County of Suffolk, Longmans; and J. R. Smith, pp. 348-353.) berichtet sind. Siehe hier.
  1. 7J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite [Die Messe des Römischen Ritus], Band. 1, S. 130.
  1. 8Martin Luther, A commentary on Saint Paul’s Epistle to the Galatians, [Kommentar zum Brief des Heiligen Paulus an die Galater] Philadelphia, John Highlands, 1891, p. 115
  1. 9Thomas Fuller, The Church History of Britain, from the Birth of Jesus Christ Until the Year 1648, [Die Kirchengeschichte Britanniens, von der Geburt Jesu Christi bis zum Jahr 1648] London, T. Tegg, 1837, 3 Bämde. Band. 2, S. 269. Fuller (1608–1661), war protestantischer Kleriker und Prediger. Sein Vergleich mit dem Bienenstock voller Drohnen war als Analogie mit den Pfründen gedacht, die für die Toten beteten.
  1. 10J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite [Die Messe des Römischen Ritus]S. 130, Fußnote 20.
  1. 11Ibid., S. 223-224.
  1. 12Fr. Thomas Bokenkotter z. B. beklagte sich über „die Zunahme von privaten Messen – Messen, die ohne Gemeinde gelesen wurden – von Priestern, die hungrig auf Messstipendien waren und diese rafften … und viele Messen an einem Tag lasen.” (Dynamic Catholicism [Dynamischer Katholizismus]Crown Publishing Group, 2010, S. 214).
  1. 13Dieses Dekret findet man in den Decretals of Gregory IX (1234) [Dekreten Gregors IX.] Kapitel 3, Buch 41, Überschrift 3. The Decretals of Gregory IX sind eine Zusammenstellung vorheriger Sammlungen päpstlicher Dekrete und wurden zum offiziellen Gesetzbuch der Kirche (heute CIC).
  1. 14Katherine Wood-Leghs Perpetual Chantries in Britain [Ewige Pfründe in Britannien], veröffentlicht 1965, war die erste große tiefergehende Studie der Pfründe als Institution.
  1. 15Diese Studien haben einen Großteil des historischen Hintergrund der Pfründe/Stiftungen aufgedeckt: ihre Gründung, Orte und Verwaltung; die vielfältigen Pflichten der Pfründepriester; ihre Wohnung, Bezahlung, Leitung, Arbeitsbedingungen und schließlich ihre Auflösung.
  1. 16Alan Kreider, English Chantries, The Road to Dissolution [Englische Pfründe, Der Weg zur Auflösung], Cambridge, Mass., 1979, S. 57.
  1. 17Zitat von den Pfründezertifikaten, die im ersten Jahr der Regierung von Edward VI. von den Kommissaren aufgeschrrieben wurden. Francis Gasquet gibt einige Beispiele dieser Praxis. Siehe Francis Gasquet, Parish Life in Medieval England [Gemeindeleben im mittelalterlichen England], Methuen and Co. Ltd., London, 1922, S. 96. Diese Erkenntnisse werden in vielen anderen Studien zitiert.
  1. 18Alan Kreider, English Chantries, The Road to Dissolution [Englische Pfründe, Der Weg zur Auflösung], S. 61.

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