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Carol Byrne, Progressivistische „Vereinfachung“ der Messe, inspiriert von Luther (37 von 94)

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Was sind die Glaubensinhalte? Ammenmärchen. Was ist die praktizierte Religion? Aberglaube. Wer sagt es? Prof. Jungmann der Überliturgist und der Übervater des Konzils. Wessen Sicht ist das? Eines Atheisten. Was ist also der „Progressivismus“? Es ist eine Version des Katholizismus, die es einem atheistischen Geistlichen das Leben einfacher macht. Er braucht nicht nicht zu glauben, weil es nichts mehr zu glauben gibt. Kard. Kasper nennt es die „Demythologisierung“. Raffiniert nicht?

Wenn wir die Geschichte der liturgischen Bewegung studieren, die stark von Pater Dr. Josef Jungmann beeinflusst wurde, müssen wir uns wundern, mit welcher Leichtigkeit die Progressivisten des 20. Jahrhunderts dazu gebracht wurden, fast alles zu glauben, was Schlechtes über die auf die Kirche des Mittelalters verbreitet wurde. Sein Mitjesuit, Pater Dr. (der bald Kardinal werden sollte) Avery Dulles hat den Kern von Jungmanns üblichen Reden über die mittelalterlichen Katholiken in wenigen Worten zusammengefasst:

„Im Mittelalter wurde der Kult der Heiligen so üppig, dass er in Exzesse fiel [d.h. Aberglaube]. Ein korrupter Klerus bot in Kombination mit einer leichtgläubigen und weitgehend des Lesens unkundigen Bevölkerung einen Nährboden für phantasievolle Legenden über Erscheinungen, himmlische Botschaften und wundersame Heilmittel… Die Feuer der Hölle und des Fegefeuers wurden lebhaft vorgestellt. Ablässe, Pilgerfahrten, Reliquien und Votivmessen wurden zu Objekten eines florierenden Geschäfts.“ (1)

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Progressivist Card. Avery Dulles teilt Luthers Meinung und nennt die Katholische Lehre „Legenden“

Kein protestantischer Propagandist des 16. Jahrhunderts hätte es giftiger oder unfairer ausdrücken können. Und da die Geschichte der „Reformation“ größtenteils von Protestanten geschrieben wurde, bleibt bis heute die Idee bestehen, dass die katholischen Gläubigen von einem Klerus, dessen Hauptmotiv die Anhäufung von Reichtum war, ihres Geldes beraubt wurden. Für Jungmann war es leicht, aus diesen polemischen Karikaturen Kapital zu schlagen – schließlich war auch er stark motiviert, das Gedankengut und die Errungenschaften des Mittelalters abzulehnen.

Nachdem Jungmann den Wert der Elevation [der konsekrierten Gestalten von Brot und Wein] zur Unterhaltung moderner liturgischer Reformer (hier und hier) herabgesetzt hatte, wandte er sich als nächstes einer weiteren Säule der katholischen Liturgie zu, der ehrwürdigen Tradition der Votivmessen. (2) Diese wurden am häufigsten auf Ersuchen der Gläubigen für ihre eigenen besonderen Absichten (insbesondere für die Seelen verstorbener Angehöriger) gelesen (3) und wurden häufig von der freiwilligen Zahlung eines Stipendiums an den Priester als Geschenk an die Kirche begleitet.

Jungmann und Luther verleumden die mitteralterlichen Gläubigen

Die mittelalterliche Votivmesse wurde sowohl von Protestanten des 16. Jahrhunderts als auch von Liturgikern des 20. Jahrhunderts aus den gleichen falschen Gründen denunziert: Aberglaube, Unwissenheit und Gier der Geistlichen. Dieser Ansicht nach schröpfte der Klerus die leichtgläubigen Laien, indem er ihre Köpfe mit abergläubischen Vorstellungen über die Auswirkungen der Messe füllte, die sie als Gegenleistung für die erforderliche Geldsumme erhalten würden. Jungmann erklärte:

„Die von den Reformatoren, insbesondere von Luther, vorgebrachten Klagen richteten sich genau und unerbittlich gegen fragwürdige Punkte in der kirchlichen Praxis in Bezug auf die Messe; die Früchte der Messe, die Votivmessen mit ihren verschiedenen Werten, der Handel mit [Mess-] Stipendien. “ (4)

Während niemand bestreitet, dass es in jeder Epoche der Kirchengeschichte Missbräuche gibt und dass es im Mittelalter Geistliche gab, die ihrer Berufung nicht gerecht wurden und Laien mit fragwürdiger Rechtgläubigkeit, war Jungmann nicht berechtigt, Luthers Kritik als bare Münze zu betrachten. Denn solche Meinungen stellten im 16. Jahrhundert einen wesentlichen Aspekt der antiklerikalen Klagen dar und wurden weniger durch Tatsachen als vielmehr durch protestantische Opposition gegen katholische Doktrin und Liturgie gespeist.

Die Früchte der Messe

Die Lehre, dass die Messe „Früchte“ hervorbringt – dass sie sowohl den Gläubigen als auch denen, für die sie beten, sowohl geistliche als auch zeitliche Vorteile bringt – wurde von den protestantischen Ketzern als abergläubische Fabel abgelehnt. Auf diese Weise griffen sie die Rolle der Kirche bei der Ausspendung von Gnadengaben an. Anstatt den fürbittenden Wert der Messe mit der Begründung aufrechtzuerhalten, dass es Christus ist, der darin handelt und vom Vater stets gehört wird, hat Jungmann sich mit den Protestanten zusammengetan, um sie lächerlich zu machen.

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Jungmann macht sich über den effektiven Wert der Messe lustig

Ein ganzer Abschnitt seiner Geschichte der Heiligen Messe ist einer Reihe mittelalterlicher Karikaturen in Form einer anekdotischen Satire gewidmet, d. h. „lustigen Geschichten“, die auf Kosten der traditionellen katholischen Frömmigkeit ein paar Lacher hervorrufen sollen. (5) Jungmann zufolge wurde im Volksmund angenommen, dass „während der Zeit, in der man die Messe hört, man nicht älter wird … nach dem Hören der Messe schmeckt das Essen besser“ usw. (6)

Er unternahm jedoch keinen Versuch, irgendetwas davon in den richtigen Kontext zu stellen, und ignorierte die jahrhundertealte Tradition der katholischen Frömmigkeit, die seit der Zeit der frühen Väter in der Kirche besteht, aber von der liturgischen Bewegung verworfen wurde. Zum Beispiel wurde die Erwähnung, nicht älter zu werden, von St. Leonard von Port Maurice als Hinweis auf eine Art spiritueller Jugendlichkeit erklärt, die diejenigen erfahren, die die Messe fromm hören. (7)

Kurz gesagt, Jungmann verstand die innere Logik und den intellektuellen Zusammenhang des mittelalterlichen Katholizismus’ nicht.

Und er beklagte sich darüber, dass sich das System der Votivmesse mit seiner Betonung auf festgelegte Tage, Anzahl der Kerzen und vorab vereinbarten Stipendien der Ausbeutung der Katholiken als eine Art Zauberformel bot:

„Was bei dieser Praxis von Messreihen und Votivmessen wirklich fragwürdig war, war die immer wiederkehrende Zusicherung unfehlbarer Ergebnisse.“ (8)

Nach Jungmann waren diese Ideen „in der Lage, ungehindert in der homiletischen und religiösen Literatur des Tages zu gedeihen“ (9) und wurden von den Leuten geglaubt, weil sie „zu ihrer eigenen Manie für Wunder passten.” (10)

Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass Aberglaube ein bestimmendes Element im Wesen des mittelalterlichen Glaubens und der mittelalterlichen Glaubenspraxis war oder dass die Gläubigen versuchten Gott zu manipulieren, um ihnen eine sofortige Gunst zu garantieren. Bei Jungmanns Bemerkungen ist jedoch offensichtlich, daß die Progressivisiten kaum auf Wunder achten und mit Unverständnis auf den Glauben unserer mittelalterlichen Vorfahren sehen.

Jungmann wies die Votivmesse verächtlich als Produkt einer vorwissenschaftlichen Mentalität zurück, die nur für Menschen geeignet ist, die im „dunklen Zeitalter“ leben: (11)

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Ein protestantischer Holzschnitt, der sich über den Verkauf von Ablässen lustig macht

„Der niedrige [Wissens-] Stand in Medizin und Hygiene und im Allgemeinen das geringe Wissen über natürliche Heilmittel sowie die weit verbreitete Unsicherheit der gesetzlichen Rechte in den frühmittelalterlichen Staaten erklären zum Teil die große Anzahl [auf das] Äußere [gerichteter] Bitten in diesen Votivmessen und die starke Anziehungskraft, die sie für die Menschen hatten.“ (12)

Dies ist nur ein Beispiel für reduktionistisches Denken; Ein umfassenderes Verständnis der mittelalterlichen Gläubigen würde zeigen, dass ihre Motive, Votivmessen zu bestellen, in erster Linie spirituell und die Anbetung betreffend waren, selbst in Zeiten von Krisen und Epidemien wie dem Schwarzen Tod.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum diese Messen von Protestanten abgelehnt wurden, die nicht glaubten, dass die Messe die höchste Form der christlichen Anbetung ist, die Gott unendlich gefällt, oder dass die Verdienste des Heiligen Opfers auf die Lebenden und die Toten angewendet werden können.

Schwer zu verstehen ist, dass Jungmann als katholischer Priester die beiden Hauptthemen der Feindseligkeit der Protestanten gegenüber der mittelalterlichen Votivmesse hätte übernehmen sollen: die angebliche Gier der Geistlichen nach finanziellem Gewinn (der sogenannte „Messhandel“ und Aberglaube der Gläubigen (ihr angeblicher Glaube an die „magischen“ Wirkungen der Messe).

Luther inspirierte die progressivistische ‘Vereinfachung’

Er ging sogar so weit zu behaupten, dass der Status quo in der mittelalterlichen Kirche – wie er von den Protestanten gemalt wurde – ganze Nationen zum Aufstand gegen die Messe veranlasste und so Luther und die anderen Heresiarchen, die ihn unterstützten, effektiv bestätigte:

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Eine boshafte Karikatur des Teufels, der Ablassgelder sammelt

„Im Allgemeinen blühte das Böse [die Messe] weiter auf… wurde zu einem Gegenstand der Verachtung und Lächerlichkeit und wurde von ganzen Völkern als schrecklicher Götzendienst abgelehnt… Der Hinweis auf Eigennutz und Aberglauben hatte Eindruck gemacht. Und angesichts des geringen Standes der religiösen Ausbildung drohte diese negative Kritik in den Köpfen der Menschen nicht nur das überschüssige Laub, sondern auch den Zweig und die Wurzel zu zerstören. Die Messe wurde missachtet und verachtet. “ (13)

Die Schuld dafür war jedoch nach Jungmanns Einschätzung nicht Luther zuzuschreiben, sondern der mittelalterlichen Liturgie, insbesondere der Elevation, dem stillen Kanon, dem Gebrauch des Lateinischen, der Betonung von Priestertum und Opfer, der „Nichtteilnahme“ der Laien usw.:

„Es war nicht schwer für Luther, einem solchen System einen zerstörerischen Schlag zu versetzen. Zumindest zu Beginn waren er und die anderen bereits in der Kirche wirkenden reformatorischen Einflüsse zweifellos von echten religiösen Bedenken bewegt. Luther forderte die Rückkehr zu einem einfacheren Christentum.“ (14) [Hervorhebung vom Verfasser]


Diese Worte sind erhellend. Sie zeigen uns, dass die viel gepriesene „Vereinfachung“ der Liturgie, die von Papst Pius XII. begonnen und der Kirche schrittweise auferlegt wurde, nicht nur von Luther, sondern auch von Jungmann und anderen einflussreichen Liturgikern sehr gewünscht wurde, um alles, was unverwechselbar katholisch war, in der traditionellen Messe wegzufegen.

Quelle

  1. J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite, [Die Messe des Römischen Ritus’] Band. 1, S. 132
  2. Votivmessen gibt es seit den frühen Jahrhunderten der Kirche, und Beispiele dafür sind in den frühesten Quellen des Römischen Ritus enthalten, d.h. im Leoninischen Sakramentar (4. Jahrhundert) und auch im Gelasianischen Sakramentar, das davon eine große Sammlung enthält. (Vgl. Adrian Fortescue, The Mass: a Study of the Roman Liturgy [Die Messe: eine Studie der römischen Liturgie], Longmans, Green, 1922, S. 120). Die Intentionen für diese Messen spiegelten die große Vielfalt menschlicher Bedürfnisse wider, für die die Gläubigen göttliche Hilfe suchten und sowohl privaten als auch öffentlichen Charakter hatten: für eine Steigerung der Nächstenliebe, eine sichere Reise, zum Dank für eine Hochzeit, einen Geburtstag oder einen Jahrestag der Ordination, für Hilfe bei verschiedenen Leiden wie Krankheit oder Ungerechtigkeit, zum Schutz vor Pest, Dürre oder Krieg etc.
  3. Ein anderer Gebrauch der Votivmesse ist es, eines der Göttlichen Geheimnisse zu feiern, z. B. die Heiligste Dreieinigkeit, oder zu Ehren Unserer Lieben Frau und der Heiligen.
  4. Avery Dulles, The New World of Faith [Die Neue Welt des Glaubens], Huntington, IN.: Our Sunday Visitor Publishing, 200 0, S. 71.
  5. Es ist bemerkenswert, dass die Satire der Votivmesse in der Zeit der Pseudo-Reformation ein etabliertes Genre war und einen Präzedenzfall für Jungmanns Parodien darstellte. Ein Paradebeispiel ist ein Werk des deutschen protestantischen Theologen und Predigers Naogeorgius aus dem 16. Jahrhundert (Pseudonym von Thomas Kirchmayer). Sein satirischer Sketch über die Votivmesse wurde ursprünglich in lateinischen Doggerel-Versen mit dem Titel Regnum Papisticum geschrieben, bevor er vom englischen Dichter Barnaby Googe übersetzt und 1570 unter dem Titel The Popish Kingdom oder Reign of Antichrist [Das Papistische Königreich oder Herrschaft des Antichrist] veröffentlicht wurde. Interessanterweise – man dies in der Einleitung zu Fr. F.X. Lasances New Roman Missal [Neues Römisches Missale] (Ausgabe 1945) lesen; es wird hier mit einer ironischen Wendung präsentiert. Wie Fr. Lasance bemerkte, deutet das Gedicht, obwohl es den katholischen Glauben und die katholische Praxis lächerlich machen sollte, unwissentlich darauf hin, wie wichtig die Messe für mittelalterliche Katholiken war und jeden Aspekt ihres Lebens in dieser und der nächsten Welt abdeckte.
  6. J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite [Die Messe des Römischen Ritus’], Band. 1, S. 129.
  7. „Man wird in der Sünde nicht älter.“ Siehe The hidden treasure: or the Immense Excellence of the Holy Sacrifice of the Mass [Der verborgene Schatz: oder die immense Vorzüglichkeit des heiligen Messopfers], Dublin, James Duffy, 1861, S. 33. Diese Idee wird zu Beginn der Messe bekräftigt, wenn der Priester seine Absicht erklärt, sich dem Altar Gottes zu nähern. “ qui laetificat juventutem meam “ [der mich von Jugend auf erfreut]. Da der Punkt von modernen Liturgikern als wertlos angesehen wurde, wurde er zusammen mit allen Gebeten am Fuße des Altars [Stufengebet] gestrichen.
  8. J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite [Die Messe des Römischen Ritus], Band. 1, S. 130. Aber er unterließ es, den wesentlichen Vorbehalt zu erwähnen – der allen Katholiken des Mittelalters bekannt war – dass das Ergebnis unserer Gebete vollkommen Gottes Willen und Urteil unterworfen ist. St. Leonard, stellt, indem er St. Hieronymus zitiert, mit Sicherheit fest, dass „der Herr jede Gunst gewährt, um die wir Ihn in der Messe bitten vorausgesetzt, się ist für uns geeignet.” (Ibid., S. 31)
  9. Ibid., S. 129
  10. Ibid., S. 130. Hier verwechselte Jungmann Wunder mit Aberglauben. Er versäumte es, darauf hinzuweisen, dass die mittelalterlichen Gläubigen zu Recht an die wundersamen Wirkungen der Messe glaubten. Ein Beispiel gab der heilige Augustinus, der die Heilung eines seiner Nachbarn als Ergebnis einer Votivmesse erzählte: „Hesperius, einer tribunitischen Familie und unser Nachbar, hat eine Farm namens Zubedi im fussalischen Bezirk; Als er feststellte, dass seine Familie, sein Vieh und seine Diener unter der Bosheit böser Geister litten, bat er unsere Presbyter während meiner Abwesenheit, dass einer von ihnen mit ihm gehen und die Geister durch seine Gebete verbannen möge. Einer ging, feierte dort das Opfer des Leibes Christi und betete mit aller Kraft, dass dieser Fluch aufhören möge. Es hörte sofort auf, durch Gottes Barmherzigkeit. “ St. Augustine, Die Stadt Gottes, Buch 22, Kapitel 8 „Von Wundern, die gewirkt wurden, dass die Welt an Christus glauben möge und die nicht aufgehört haben, seit die Welt glaubt.“
  11. Der Begriff „Dunkles Zeitalter” wurde von dem italienischen Gelehrten der Renaissance Petrarch (1304-1374) geprägt. Aus der Perspektive der Moderne, wird das Mittelalter als „dunkel” beschrieen, wegen eines angeblichen Mangels an wissenschaftlichem Fortschritt.
  12. J. Jungmann, The Mass of the Roman Rite [Die Messe des Römischen Ritus], Band 1, S. 220.
  13. Ibid., Band 1, S. 132.
  14. J. Jungmann, J., ‘Liturgy on the Eve of the Reformation [Liturgie am Vorabend der Reformation],’ Worship, 33, 1959, pp. 514

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