Prof. Plinio Correa de Oliveira: Gut angezogen – Eitelkeit oder Tugend?

 

Leon Bouthilier (1608-52) Comte de Chavigny, after 1643 (oil on canvas)

Mir wurden einige Fragen über die Art und Weise, sich selbst zu präsentieren, gestellt. Diese Fragen will ich alle hiermit beantworten

Frage: Warum sollen wir uns gut kleiden? Spricht es nicht für Eitelkeit, sich darum zu sorgen, sich selbst gut zu präsentieren?

Antwort: Der Hintergrund für diese Frage ist folgender: Der Mensch sollte alles vermeiden, was zur Sünde führt. Nun, sich gut zu kleiden, kann durch Eitelkeit, die eine Form der Sünde ist, motiviert sein. Dann sollte man es vermeiden, sich gut zu kleiden.

Lassen Sie mich diese Argumentation auf das Thema des Studierens anwenden. Studieren kann die Eitelkeit befriedigen. Dann sollte man das Studium meiden.

Das Gleiche könnte auch für die Hygiene gelten. Sich sauber zu halten, kann Eitelkeit befriedigen. Dann sollte man Duschen und Baden vermeiden.

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Mode für Männer oder wie kleide ich mich zur Alten Messe?

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Nachdem wir hier mehr als einmal uns über die Frauenmode im Sinne des Tragens einer Mantilla samt geschmackvollem Zubehör zu Alten Messe verbreitet haben, kommen diesmal die Männer an die Reihe, welche sich auch zur Alten Messe sauber, ordentlich und schick zu kleinen haben. Um die Schlussfolgerung gleich vorweg zu nehmen:

Frage: Wie kleide ich mich zu einer Alten Messe?

Antwort: In einen Anzug! Tracht geht auch!

Frage: Und wenn ich keinen habe?

Antwort: Dann kaufen Sie sich einen!

Frage: Und wenn ich mir keinen leisten kann?

Antwort: Dann gehen Sie zu H&M, C&A, Irgendwas&Irgendwas oder kaufen Sie Second-Hand!

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Kardinal Siri, Männerkleidung, die von Frauen getragen wird (2 von 2)

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Hier der zweite Teil des Aufsatzes von Kardinal Siri und diejenigen der Herren, die sich nach fundierten Hegel-Kritik sehnen statt nach Abhandlung der unmännlichen Rockfrage, werden hier fündig. Ja, ein katholischer Theologe muss vielseitig sein: Rock und Hegel mit Auschluss der hegelianischen Synthese natürlich.

III.

Lassen Sie uns ernsthaft über die Tragweite dessen nachdenken, was bislang gesagt wurde, auch wenn die Erscheinung einer Frau in Männerkleidern nicht sofort die selbe Verstörung hervorruft wie bei schwerer Unanständigkeit.

Die Veränderung der weiblichen Psychologie zeitigt grundlegende und – auf lange Sicht – irreparable Schäden für die Familie, die eheliche Treue, zwischenmenschliche Zuneigung und die menschliche Gesellschaft. Es ist wahr, die Effekte des Tragens unpassender Kleidung werden nicht binnen kurzer Zeit erkennbar. Aber man muss daran denken, was langsam und heimtückisch mürbe gemacht, auseinandergerissen und pervertiert wird.

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Kardinal Siri, Männerkleidung, die von Frauen getragen wird (1 von 2)

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Obwohl das obere Bildnis Kardinal Richelieu und nicht Kardinal Siri abbildet, der so ausgesehen hat, so handelt es sich dennoch, um eine der letzten Aussagen des ordentlichen Lehramtes zur Rockfrage (siehe Podcast Nr. 8), welche kurz vor dem Meteoriteneinschlag, lies: Vat. II, bekannt gegeben wurde. Kardinal Siri schreibt zwar nur zu den Gläubigen seiner eigenen Diözese, aber seine Argumentation ist interessant und kann auch außerhalb von Genua Gehör finden. Unsere Antwort zu dieser Frage lautet:

Sollen also Frauen Hose tragen?

Nein.

 

Warum nicht?

Weil Sie:

a. schrecklich darin aussehen,

b. ihre Weiblichkeit und ihre Würde verlieren,

c. nicht zur Verschönerung der Welt beitragen

d. zusätzliche Testosteron-Ausschüttung riskieren,

e. gegen jegliche Tradition und Ästhetik verstoßen.

Würde dies nicht gegen die persönliche Würde und Persönlichkeitsrechte verstoßen, so würde DSDZ ein paar Bilder seiner jetzigen Arbeitskolleginnen veröffentlichen, welche dem Spiegelbild und BMI zum Trotz natürlich Hosen tragen, damit alle sehen könnten, warum man es zu unterlassen hat. Kardinal Siri argumentiert anders, weniger ästhetisch und mehr philosophisch und ist als Lektüre zu empfehlen. 

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Maria von Spanien oder „die katholische Luft atmen“

Monasterio_de_las_Descalzas_Reales_(Madrid)_06Das Kloster der Barfüssigen Schwester von der Hl. Klara

Da unsere Redaktion in der Vorweihnachtszeit bis Neujahr seltener dazu kommen wird neue Beiträge zu verfassen, so wollen wir musikalisch ein wenig vorsorgen, um diesen Blog am Leben zu halten.

In der Weihnachtszeit soll die Messe Alma redemptoris mater von Tomas Luis da Victoria abschnittsweise vorgestellt werden. Bevor wir uns aber dem Stück selbst widmen werden, ist es recht und billig diejenige katholische Monarchin zu nennen, welcher wir eigentlich Victoria verdanken. Es handelt sich um die Kaiserin Maria von Spanien. Weiterlesen

Ad te levavi von Palestrina oder gegen den Horizontalismus

Schönheit inspiriert Schönheit, das Gute – die Gutheit, das Wahre – die Wahrheit. Gott macht uns heilig, gut, wahr und schön und der Teufel möchte das Gegenteil also auch sein Ebenbild in uns einzeichnen. Im Heimatland des Schreibers dieser Zeilen gibt es einen Priester, der über 80 Jahre alt ist und seit etwa 10 Jahren als Exorzist wirkt. Er lässt seine „Patienten“ nach ihrer „Heilung“ Zeugnisse schreiben, welche sehr tiefgründig sind und welche dieser Priester bei seinen Konferenzen vorliest. Eine ehemals besessene Frau schrieb:

„Er, d.h. der Teufel, ist unfruchtbar. Er kann nichts hervorbringen. Er entführt die Seele, wie es manchmal Frauen tun, die keine eigenen Kinder haben können. Er beraubt die Seele ihrer Würde und ihrer eigentlichen Identität und möchte sie zu seinem Kind machen.“

Sehr tiefgründig, theologische korrekt und gut beobachtet. Eigentlich ist der Teufel wirklich arm dran, da er sozusagen „nichts vom Leben hat“ außer, dass er die Menschen quält und versucht seine Eigenschaften ihnen aufzudrücken. Also etwas Fremdes, denn ein Geschöpf Gottes, nehmen, entführen und nach seinem Abbild zu verändern versuchen. Je schöner und wertvoller eine Seele ist oder sein kann, desto mehr Interesse zeigt er an ihr, besonders in der Jugendzeit, denn so kann man einen Menschen für sein Leben ausrichten. Deswegen hasst der Teufel und die Welt als seine, von ihm inspirierte Wirkungsstätte, im Sinne der johanneischen Schriften, alles was eine Ähnlichkeit Gottes in sich trägt:

  • die Perfektion,
  • die Harmonie,
  • die Schönheit,
  • die Struktur und Anderes.

Seit den 1960-gern (Vatikanum II 1962-1965) gibt es tatsächlich zum ersten Male in der Menschheitsgeschichte eine dauernde Jugendkultur, die langfristig destruktiv ist, weil von ihr infizierten niemals davon frei werden, siehe Altrocker. Es geht in ihr nicht darum an bestimmte Werte der Erwachsenenwelt heranzuwachsen, sondern diese von vornherein abzulehnen. Daher die Rockmusik mit ihrem Primitivismus, daher dieses Obszöne, diese Formlosigkeit, dieses Ungepflegte und Flegelhafte. Daher dieser Hass gegen die Schönheit, weil sie auf Gott hinweist. Die wahre Liturgie wirkte inspirierend, auch auf Sünder, siehe Liszt oder Caravaggio, denn sie brachten Kunstwerke von einem Ewigkeitswert hervor, trotz ihres Lebenswandels. Und was haben wir heute? Werbung und Mode, wo wirklich ästhetisch Hochbegabte ihr Talent verschwenden, weil es nichts Höheres gibt. Die Welt, vom Teufel inspiriert, beraubt auch die Künstler ihrer wahren Identität. Sie könnten von der Schönheit Gottes langfristig zeugen und dadurch ihre zeitlichen Sündenstrafen auch tilgen, natürlich nach Bekehrung und Beichte. Aber das sagt ihnen ja keiner, weil man „dialogbereit und offen“ sein will. Alles horizontal, flach und platt. Dabei sagt der Introitus des ersten Adventssontags:

Ad te, Domine, levavi animam meam:
Deus meus, in te confido; non erubescam.
Neque irrideant me inimici mei : etenim universi qui sustinent te, non confundentur. 

 Zu Dir, o Herr, erhebe ich meine Seele: Mein Gott, auf Dich vertraue ich; ich werden nicht erröten.

Meine Feinde mögen mich nicht verlachen: denn alle, die Dich hochhalten, werden nicht erschüttert werden.

Wenn es kein oben gibt, dann gibt es bald auch kein rechts und links, denn ohne die Vertikale, verschwindet die Horizontale. Ohne die Gottesliebe, keine Nächstenliebe, ihr lieben Herrn Pfarrer, die ihr wieder in der Predigt etwas anderes sagtet.

Wir stellen hier das Motett Ad te levavi nach den Worten des Introitus des ersten Adentsonntags von Palestrina gesungen in einer Live-Aufnahme von Cappella Musicale della Cattedrale di Fiesole und hoffen, dass durch diese Musik sich auch unsere Seelen zu Gott erheben, aus diesem postkonziliaren Jammertal. Vergleichen wir doch das Ad te levavi von Palestrina mit dem bekannten „Zu Gott, o Herr erheben wir, die Seele mit Vertrauen“. Wie armselig erscheint doch das Letztere gegen diese Fülle an Form und Ausdruck. Und dabei ist das „Zu Gott“ noch eines der singbareren Gotteslob-Lieder. Schlimm, was man alles mitmachen muss. Aber gäbe es keine von der Schönheit faszinierte Menschen, so würde man den Palestrina überhaupt nicht singen, nicht einmal in Konzersälen, denn aus Kirchen ist er, als vorkonziliar, praktisch verbannt. Da herrscht die Klampfenmusik der Pastoralssistentin. Ach weh! Diese ganzen Pastoralassistentinnen-Tross wird aussterben müssen, denn die nachkonziliare Kirche ist leider, wie der Teufel, größtenteils unfruchtbar: keine Berufungen, denn keine lebendige Tradition. Man überliefert ja keinen katholischen Glauben, sondern untergräbt ihn. Es geht um das „Miteinander“, was man in jedam Fussballstadion haben kann. Aber erheben wir unsere Seelen zu Gott – in altum – in die Höhe und lassen uns nicht von diesem Horizontalismus einfangen. Diejenigen, die für die Bischofkonferenz tatsächlich auf den Knien gebetet haben, können hoffen, dass sie zur dieser Wende beigetragen haben. So können wir uns an der Schönheit laben.

Gott als Schönheit – Schönheit als theologisches Wahrheitskriterium

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All unsere bisherigen Überlegungen betrachtend, könnte man fragen, ob die Überlegungen zur Schönheit nicht einer allzu weltlichen Natur seien. Dies ist aber nicht der Fall, da die Schönheit eine der Eigenschaften Gottes (attributa divina) ist und zu den Eigenschaften des göttlichen Seins (attributa essendi) gezählt wird.[1] Da die Welt sehr schön ist und sie ein Geschöpf aber auch ein Abglanz der eigentlichen, denn geistlichen Vollkommenheit Gottes ist, so muss Gott sehr schön sein.

Gott ist im höchsten Maße wahr, gut und schön und in ihm fallen das Wahre, das Gute und das Schöne in eins zusammen: bonum, verum et pulchrum convertuntur. Daher ist es für einen Katholiken gottgegeben und legitim hinter dem Schönen das Wahre und Gute zu vermuten und hinter dem Hässlichen das Gegenteil davon. Man braucht sich dafür nicht zu entschuldigen, wie Martin Mosebach es tut. Mathematiker und Physiker wissen auch, dass das ästhetische Kriterium gleichzeitig das wahre Kriterium ist. Denn eine wahre Formel ist schön, kurz und übersichtlich, wie die mathematische Erfahrung zeigt: a2 + b2 = c2 oder e = mc2 alles schön, kurz, wahr und prägnant. Natürlich erreicht man diese Schönheit und Kürze nach recht vielen Rechenwegen und Kürzungen, aber sie ist das Ziel. Geschwülstiges, kompliziertes Reden oder der nachkonziliare Jargon in der Kirche ist niemals wahr, wie man aus den Haus-der-Martha-Statements, denn Predigten sind es wirklich nicht mehr, des jetzigen Papstes ersehen können.

Der Teufel kann einfach keine Schönheit hervorbringen, genauso wenig wie die Wahrheit. Er stellt alles Mögliche zusammen, was jedoch sowohl der Harmonie als auch der Stringenz entbehrt. Wenn wir im Internet nach guten katholischen Seiten fanden, so können wir, auch theologisch ungebildet, nach der Ästhetik richten. Je schöner, desto katholischer. Katholisch ist nicht hässlich oder übertrieben. Ein gotterfüllter Mensch, versteht, ungeachtet seiner sonstigen Bildung, etwas von Schönheit. Dies ist auch der Grund, warum früher, vor dem Konzil, auch die einfachsten Dorfkirchen, von Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten entworfen, schön waren. Bäuerlich aber schön. Man fand die richtigen Proportionen, Harmonien und Verbindungen. Weil man Gott kannte.

Was ist aber schön? Der hl. Thomas von Aquin antwortet: „dasjenige, dessen Anschauung geistigen Genuss gewährt (pulchra dicuntur, quae visa placent)“.[2] Natürlich muss die Anschauung breiter als das reine Sehen gefasst werden. Damit ist ein jeder vernehmender Akt gemeint, da es auch schöne Musik oder schöne Literatur gibt. Vornehmlich ist es tatsächlich das Sehen. Aber durch die Schönheit, werden wir wirklich „in eine bessre‘ Welt entrückt“, wie das berühmte Lied von Schubert „An die Musik“ sagt. Im Anschluss an Summ. Theol. I 1. 39 a. 8 lassen sich, so Diekamp-Jüssen, den wir an dieser Stelle zitieren,[3] drei Erfordernisse der Schönheit aufstellen:

  1. Integritas sive perfectio, d.i. die Unversehrtheit des Gegenstandes,
  2. Debita proportio sive consonantia, d.i. das rechte Verhältnis der Teile zueinander, ihre Einheit in der Mannigfaltigkeit oder ihre Ordnung,
  3. Claritas, d.i. Klarheit und Helligkeit, welche die Vollkommenheit und harmonische Einheit in glanzvoller Weise vor Augen führt.

Ad 1. Integritas sive perfectio

Die Schönheit setzt eine Ganzheit voraus. Etwas Zerbrochenes, Unvollendetes wird als Unvollkommen und nicht als Schön wahrgenommen.

Ad 2. Debita proportio sive consonantia

Dies führt dazu, dass bei fehlender Symmetrie es kein rechtes Verhältnis der Teile zueinander entstehen kann. Denn Schönheit ist Mathematik und hinter allem steckt der goldene Schnitt. [4] Musik ist ja mehr Konsonanz als Dissonanz, da unser Ohr und Gehirn auf langandauernde Dissonanzen empfindlich reagiert. Die Pop-Musik, die uns berieselt und auch zurecht auf der harmonischen Stufe der Frühklassik geblieben. Nicht nur deswegen, weil die allermeisten Menschen nur dies aufnehmen können, sondern weil diese Harmonien sich durch die besten und eifachsten Proportionen auszeichen.

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Ad 3. Claritas

Ja, Schönheit hat etwas Lichtvolles (siehe das obere Bild), etwas Schimmerndes und gute Musik endet mit einem D-Dur-Akkord, der, wie Bach und Hindemith schon ahnten, gottgewollt ist. Der heilige Augustinus sprach in diesem Kontext von „Glanz der Ordnung“ (splendor ordinis), wie man ja auch vom Glanz der Wahrheit (splendor veritatis) spricht.

Liest man Bücher oder Traktate der Kirchenväter oder der großen Theologen, so wird man nicht nur von der sprachlichen Schönheit angerührt, von dem Rhythmus der Sprache, ihrer Kürze und Präzision, sondern aus diesen Texten strahlt wirklich etwas Lichtvolles hervor. Man freut sich, dass die Kirche einmal solche Literaten und Heilige zugleich hatte. Was sich schlecht liest, siehe Karl Rahner et alia, ist auch unwahr. Der Heilige Geist gibt tatsächlich den Rhythmus ein, indem er die sprachlichen Proportionen ordnet. Daher gibt es im alten Brevier also dem bis 1962 kein Kitsch. Die Hymnen und Lesungen sind kurz, prägnant und schön. Die Vulgata-Psalmen eine schöne, anschauliche Poesie und natürlich gutes Latein. Vor dem Konzil wurde der Klerus durch das Gebet und die Liturgie gleichzeitig ästhetisch gebildet und dort, wo schon Hässlichkeit herrschte, war kein Geist mehr.

[1] https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/10/01/augustin-poulain-sj-die-fulle-der-gnaden-10-kapitel-2-vorstufen-der-mystik-1-gebet-der-affekte/

[2] Thomas von Aquin, Summ. Theol. I, q. 6 a. 5 ad 1.

[3] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will 2013, 166.

[4] http://www.spektrum.de/news/wie-berechnet-man-schoenheit/793179 https://www.youtube.com/watch?v=2I7dbgXfNh8 http://www.welt.de/welt_print/vermischtes/article8826484/Geometrie-der-Schoenheit-Der-Goldene-Schnitt.html

Gott als Schönheit oder warum sind sie so ungepflegt?

st peters up 2Wann hat es angefangen? Wann begann man das Hässliche, Ungepflegte, Proletenhafte, Stümperhafte und Billige zu etwas Gutem zu stilisieren? Wann wurden die ungewaschenen Massen zu eigentlichen Helden und zwar aufgrund ihrer Beliebigkeit? Eigentlich wollten und wollen sich alle Diener wie die Herren kleiden, sodass im Spätmittelalter das Tragen von nicht standesgemäßer Kleidung bestraft wurde. Wahrscheinlich auch aus dem Grund, damit sich die Menschen für die Kleidung nicht ruinieren. Manch eine kreditkartenverschuldete junge Frau, die sich selbst als Fashion Victim sieht, würde solche Gesetze zu schätzen wissen. Aber irgendwann begann das Hässliche und Beliebige als das Gute und Schöne durchzugehen. Wann begannen denn die Künstler, die ja Handwerker des Schönen sind, ex definitione abgeschabt und abgewrackt zu gehen? Und zwar nicht aus Armut, sondern aus Prinzip. War es die französische l’art pour l’art Bewegung? Waren es die absinthverklebten Tische, wo langhaarigen Jünglinge über Dadaismus diskutierten? Es begann wohl schon am Ende des XIX Jahrhunderts, als sich die meisten Menschen noch für die eigene Stillosigkeit schämten. Denn der Dandy Oskar Wilde, der ungefähr in dieser Zeit lebte, war wirklich nicht abgeschabt. Eher das Gegenteil, wenigstens am Anfang. Vielleicht war es der Erste Krieg, die Jugendbewegung, welche dazu beitrugen, aber sicherlich geht es ästhetisch gesehen seit den 1968 alles den Bach runter. Die Menschen sind seitdem zur ewigen Jugendlichkeit aber auch Nonchalance verdammt, nicht zur ewigen Jugend. 60 Jährige kleiden sich wie 20 Jährige und wenn sie sogar die Figur dazu haben. Das macht sie aber schrecklich alt und verkleidet. Dieses aufgezwungene Dynamische und gezwungen Lebensfrohe. Diese Farbenpracht, die auf sich aufmerksam machen möchte. Bei der Jugend ist es verständlich, aber später doch nur lächerlich.

Woher kommt es? Durch den Niedergang der Liturgie. Die Menschen haben einfach keine Vorbilder mehr. Sie richten sich nach dem Fernsehen, welches sich nach ihnen richtet. Ebenso tun es die Modezeitschriften. Und der Teufelskreis schließt sich. Lassen wir an dieser Stelle Marin Mosebach, in seiner Häresie der Formlosigkeit zur Wort kommen:

„Ich bekenne mich offen zu der naiven Schar, die aus der Oberfläche, der äußeren Erscheinung auf die innere Beschaffenheit und womöglich Wahrheit oder Verlogenheit einer Sache schließt. Die Lehre von den »inneren Werten«, die sich in schmutziger, verkommener Schale verbergen, kommt mir nicht geheuer vor. Dass die Seele dem Körper die Form und das Gesicht, seine Oberfläche verleiht, glaubte ich schon, als noch nicht wusste, dass dieser Satz eine Definition des kirchlichen Lehramtes war. Mit mediterraner Primitivität glaube ich, dass eine unwahre, verlogene, gefühllose Sprache keinen Gedanken von Wert enthalten kann. Was für die Kunst gilt, muss in noch viel höherem Maß jedoch das öffentlich Gebet der Kirche treffen; wo das Hässliche sonst nur auf das Unwahre schließen lässt, bedeutet es im Bereich der Religion die Anwesenheit des Satanischen“.[1]

Der Schreiber dieser Zeilen glaubt dies auch und vertritt es energischer als Martin Mosebach es wohl tut. Warum denn um die Schönheit verlegen sein? Warum um die Wahrheit? Warum sich dafür entschuldigen, dass man keinen Schmutz und keine Ungepflegtheit duldet? Es gibt leider keine Ästhetik mehr in der Kirche. Diese Pferdedecken (früher auch Ornat genannt), diese ad populum Altäre, dieser Kitsch wirklich aller päpstlichen Reisen. Wozu soll es gut sein? Um die Menschen von der Religion abzuschrecken. Warum diese abgeschabten „Krawattenpriester“, die sich für ihr Priestersein schämen, sonst würden sie wohl eine Sutane tragen? Warum diese ewig 1968, langhaarigen Soziologie- und Theologieprofessoren? Dieses Aussehen ist doch ein Statement. Ebenso wie die schwarzen Schuhe von Papst Franziskus. Der Mensch reagiert zuerst mit Gefühl, auch mit einem ästhetischen Gefühl, wovon die Kleidungsvorschriften für ein Vorstellungsgespräch zeugen, bevor er etwas mit Verstand und Willen aufnehmen kann. Bin ich von etwas verstört oder angewidert, dann bleibe ich fern.

The Baldachin Altar - Bronze & Gold Altar in St. Peter's Cathedral located directly above the tomb of St. Peter - it was built between 1624 & 1633
The Baldachin Altar – Bronze & Gold Altar in St. Peter’s Cathedral located directly above the tomb of St. Peter – it was built between 1624 & 1633

Da leider die jetzige Liturgie keine Schönheit verströmt, daher können wir an keiner Schönheit an sich, die es ja gibt, Anteil haben. Wir begegnen dem Alltag überall auch in der Kirche. Interessanterweise ist die reichste Kirche der Welt, d.h. die deutsche Kirche, am wenigsten um die Schönheit der Gotteshäuser oder gar der katholischen Bildungsstätten bemüht. Von der Schönheit der Liturgie ganz zu schweigen. Aber bei Atheisten am Altar ist es so. Hauptsache man bringt es schnell hinter sich und ist dann „ganz Mensch“. Die früheren vorkonziliaren Moraltheologien geben tatsächlich an, dass man sich zum Kommunionempfang und zum Kirchenbesuch gut oder bei den Armen wenigstens reinlich zu kleiden hat. Ein gutes Kleidungsstück hatte wirklich jeder. So entschwand man dem Alltag, es war Sonntag, man ging elegant in die Kirche, man war wer und fühlte sich besser. Wenigstens an einem Tag. Die Straßen wurden schöner. Jetzt gibt es in der Wohnstätte des Schreibers dieser Zeilen keine Sonntagseleganz mehr, im Alltag leider auch nicht, vielleicht weil er in ehemals protestantischen Gebieten wohnt, wo es lange schon keine Sonntagspflicht gab. Die einzig Eleganten sind die ausländischen Touristen, aus den Mittelmeerländern. Also aus den ehemals katholischen Gebieten.

Lange hat die Kirche, die Lehrmeisterin der Völker, die Menschen zur Schönheit erzogen. Dann kam das Konzil und seitdem ist es nicht mehr so. Denn je unwohler, auch ästhetisch unwohl, sich die Menschen in den hässlichen Kirchen fühlen werden, umso weniger werde sie diese aufsuchen. Die Rechnung ging auf. Leider.

[1] Martin Mosebach, Häresie der Formlosigkeit, München 2012, 9.

Gott als Schönheit oder warum sind sie alle so hässlich?

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Der Schreiber dieser Zeilen hat in der letzten Zeit, zwar sehr formell und oberflächlich, dennoch mit Unmengen von Menschen zu tun, so in etwa zwei bis dreihundert am Tag. Er wird auf diese Art und Weise mit mehr Menschen täglich konfrontiert als er es in der Vergangenheit in mehreren Jahren zusammengenommen zu tun hatte. Da es sich um sehr kurze Begegnungen handelt und er schon immer ein guter Beobachter war, so bleibt er notwendigerweise am Äußeren hängen, welches selbstredend das Innere wiederspiegelt. Äußeres ist aber nicht gelogen. Äußeres ist wahr. Es gibt keinen Anschein, der trügt, es gibt nur die äußere Form, welche den inneren Inhalt wiederspiegelt. Daher stellt sich der Schreiber dieser Zeilen mehrmals am Tage dieselbe Frage: „Warum sind all diese Menschen so hässlich?“ Schön sind eigentlich nur die Kinder oder Jugendliche, welche den Weg des Verfalls noch nicht allzu sehr beschritten haben. Die Sünde macht halt hässlich, Hass kommt von hässlich und von hässlich kommt der Hass. Der höchste Hass ist der Hass gegen Gott, wie ihn die Dämonen wohl verspüren und an welchem sie die Menschen, die sie inspirieren (von in-spiritus) teilhaben lassen.

Manche Menschen, die naturschön waren, weil sie tatsächlich über vollkommene Gesichts- und Körperproportionen verfügten, werden auch mit der zunehmenden Sünde, nicht unbedingt mit dem zunehmenden Alter, hässlich, obwohl gerade sie die besten Ausgangsbedingungen hatten, lange schön zu bleiben. Arme wie reiche, gut angezogene und schlecht angezogene, gebildete und ungebildete, Männer wie Frauen. Die zunehmende Hässlichkeit macht vor niemanden halt. Es wird wohl an dem fehlenden Kontakt mit Gott – dem Schönen an sich und dem Urschönen liegen. Kein Gebetsleben, kein sittliches Leben, keine Liturgieteilnahme, keine Abtötung und keine Werke der Barmherzigkeit. Und dann sieht man so aus, wie man aussieht.

Die hässliche Novus Ordo Liturgie ergießt sich in und aus unseren Kirchen, die aufgrund eben dieser Hässlichkeit immer weniger besucht werden. Die neuen Kirchen sind hässlich, die alten werden aufgrund der „Modernisierung“ immer hässlicher. Nur die alten, vorkonziliaren und denkmalgeschützten strahlen noch die alte Pracht und Schönheit aus. Schade.

Der Dämon ist urhässlich und die Hl. Theresa von Avila, die ihn gesehen hat, schrieb, dass sie beinahe vom Entsetzen gestorben wären. Daher gibt er den Seinen keine Teilnahme an der wahren Schönheit, siehe Dorian Grey. Oskar Wilde schrieb ja über sich selbst und wusste Bescheid. Die Menschen, welche nach der wahren Schönheit dürsten, werden zu unerlösten Ästheten wie Oskar Wilde, die meisten Modeschöpfer oder die sog. Fashion Victims. Sie werden genuß- und goldsüchtig, wie die neureichen Russen, deren Faible für Schmuck wirklich wahr und sprichwörtlich ist.

theresajesu4Dennoch ist unser Streben nach Schönheit etwas Gutes und Gottgewolltes, da die visio beatifica – die glückselige Anschauung Gotte die höchste Schönheit ist und wir teilweise an der göttlichen Fülle und seiner Schönheit auch in diesem Leben teilnehmen können. Durch das Leben der Gnade. Wie schön verklärt sahen manche Heilige im Moment des Todes aus. (Siehe das obere Bild von der Hl. Therese von Lisieux). Wie schön sind manche alte Geistliche oder Ordensschwestern. Sie waren ihr ganzes Leben lang bei dem schönen Bräutigam, der sie mit der Zeit verklärte und an dessen Schönheit sie teil hatten.

michel_pieta_virginMaria muss sehr schön gewesen sein als diejenige die wirklich und buchstäblich „voll der Gnade“ (gratia plena) war. Daher hat auch Leonardo da Vinci seiner Pieta also der Muttergottes mit dem toten Sohn auf dem Schoß schöne und jugendliche Züge gegeben (siehe linkes Bild). Da sogar in dieser Trauer ihr die Hässlichkeit nichts anhaben konnte. Lassen wir uns nicht beirren: hässlich ist niemals gut, hässlich ist niemals gottgewollt und wie man lebt, so sieht man leider oder zum Glück auch aus. Also bitte in den Spiegel schauen, beichten, mehr beten, sich bekehren und falls möglich zu einer Tridentinischen Messe gehen. Rosenkranz hilft auch, besonders im Marienmonat Oktober.