Tradition und Glauben

Priestertum und Zölibat (5 von 12): Untersuchung der Einwände gegen das Zölibat (ii) Sex ist nicht lebensnotwendig.

Sex ist nicht lebensnotwendig und viele Menschen, die keine Priester sind, leben sexlos glücklich. Zölibat ist also machbar und möglich. Sex ist nicht lebensnotwendig Dass eine ausgelebte Sexualität auch in der Welt nicht unbedingt zu einem glücklichen und erfüllten Leben notwendig ist, zeigt das in der neueren Zeit immer öfter auftretendes Phänomen der Asexualität, in welcher Menschen, die auch in Beziehungen leben oder leben möchten,[1] kein Bedürfnis nach einer sexuellen Interaktion verspüren.[2] a. Obwohl die Asexualität oder Anaphrodisie sich vom Zölibat grundsätzlich dadurch unterscheidet, dass ihr entweder gar kein oder ein sehr schwach ausgeprägter Geschlechtstrieb zugrundeliegt, welcher, im Gegensatz zum Zölibat, nicht beherrscht oder sublimiert zu werden braucht, so zeigt doch dieses Phänomen, dass ein Leben ohne ausgelebte Sexualität, für manche Menschen, möglich und erfüllend ist. b. Zwar handelt es sich bei der Asexualität um eine äußerst seltene Erscheinung, welche 1% der Gesamtbevölkerung betreffen kann,[3] dennoch wird die Anaphrodisie neuerdings nicht als eine sexuelle Störung, sondern als eine sexuelle Orientierung betrachtet.[4] Dies zeigt, dass die sexuelle Freiheit auch darin bestehen kann keine Sexualität zu praktizieren. c. Die Tatsache, dass das Priesterzölibat, von manchen „Zwangszölibat“ genannt, so viele Menschen beschäftigt, welche sich zu dieser Lebensweise gar nicht verpflichten müssen, ist vielleicht ein Indiz für eine tiefe Unzufriedenheit mit dem eigenen Sexualleben der Zölibatskritiker und birgt somit den psychologischen Mechanismus der Projektion in sich, wodurch man die eigene innere Ordnung auf die äußere Welt überträgt. Werbeanzeigen Werbeanzeigen __ATA.cmd.push(function() { __ATA.initSlot('atatags-3-5d11ea3616a1b', { collapseEmpty: 'before', sectionId: '915422841', location: 120, width: 300, height: 250 }); }); __ATA.cmd.push(function() { __ATA.initSlot('atatags-4-5d11ea3616a23', { collapseEmpty: 'before', sectionId: '915422844', location: 130, width: 300, height: 250 }); });...

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Priestertum und Zölibat (3 von 12): Die Notwendigkeit des Zölibats.

Ja, Gott ist anders – totum aliud. Er ist transzendent, er ist transmundan (überweltlich), er ist abgehoben und heilig. Und alle, die Gott nahe kommen, werden automatisch anders als die Welt. Deswegen sollen Sie sich keine Sorgen darum machen, dass Sie die Welt verlassen müssen, wenn Sie zu Christus finden. Die Welt wird Sie verlassen, weil Sie mit Ihnen nichts gemein haben wird. Deswegen sind die Priester, die dieses Namens würdig sind, anders. Deswegen sollen sie sich anders kleiden, bewegen und aussehen, was eigentlich automatisch passiert. Denken Sie an Heiliges, so reden Sie anders, bewegen sich anders und sehen anders aus. Der Zölibat hat damit zu tun, dass man als Priester kein weltliches Leben führen kann oder darf mit Frau Kinder, Schulaufgaben, Sonntagsbraten, Schwiegerelternbesuch etc. Denn Sex ist immer ein Gesamtpaket mit „Beziehung“ und letztendlich Familie (Sonntagsbraten). 4.   Die Notwendigkeit des Zölibats Da den primären Gegenstand der priesterlichen Berufung und des daraus resultierenden Priesterberufs der Gotteskult bildet, welcher eine ganzheitliche Lebenshingabe erfordert, daher lässt sich der Priesterberuf mit keinem anderen Beruf vergleichen. So wie sich der Bereich des Göttlichen und Übernatürlichen vom Bereich des Weltlichen und Natürlichen abgrenzt, so muss sich das gesamte Leben des Priesters, in welchem sich sein Priestertum verwirklicht, vom Leben anderer Menschen unterscheiden. Schon im AT bedeutet eine Zugehörigkeit zum Heiligen zugleich ein Getrennt-Sein von der Welt, da das hebräische Wort qadowsh (קָדוֹשׁ) oder qadosh (קָדֹשׁ), welches für „heilig“ steht zugleich auch „abgesondert“ bedeutet. Diese Wechselbeziehung zwischen Heilig-Sein und Abgesondert-Sein ist in den ältesten, alttestamentlichen Texten präsent (vgl. Lev 11,44; Lev 20,24; 1 Sam 2,28; Is 48,8-10 a.): „Seid mir heilig, denn ich der Herr, bin heilig (hagios) und ich habe euch von all diesen Völkern ausgesondert, damit ihr mir gehört“ (Lev 20,26)....

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Sex, Verhütung, Vat. II und malum intrinsecum (1 von 3)

Der Grabenkrieg: neokonservativ gegen traditionalistisch Es gibt eine Debatte, die vorwiegend in den USA stattfindet und bei der die Fronten recht verhärtet sind. Es ist ein Graben-, ein Bürgerkrieg, ja eigentlich ein Krieg unter Brüdern, der Krieg nämlich zwischen den Neokonservativen (Generation JP2) und den Traditionalisten. In den deutschsprachigen Ländern kann er überhaupt nicht stattfinden, da wir zu wenig von den ersten und kaum welche von den letzteren zur Verfügung haben. Es gibt wirklich wenige Traditionalisten, die dazu in der Lage wären überhaupt eine Diskussion führen wollen. Im traditionellen Lager wird entweder nur verdammt, gerichtet oder andächtig darauf gehört, was der (Pius-)Pater sagt. Das ist natürlich sehr schade, weil man sich nur darin üben kann, wozu man Übung hat, um gut diskutieren zu können, müssen Sie Mitdiskutanten finden. Auf den Veranstaltungen der katholischen Akademien in D, A und CH treffen sich jedoch fast immer ein atheistischer Theologieprofessor, der mit einem agnostischen Theologieprofessor in klar abgesteckten Rahmen diskutiert. Sie reden meistens dasselbe, manchmal aneinander vorbei, sie tun es für alle Zuhörer so unverständlich, dass Gott sei Dank wenig bis gar nichts von deren Inhalten übrig bleibt. Es ist ja eine Scheinveranstaltung, Kayfabe wie im Wrestling, wo die Gegner zu vorgeben zu kämpfen. Da die von der Kirchensteuer (letztes Jahr 6 Milliarden Euro) lebende katholische Akademie etwas veranstalten muss, die von der Kirchensteuer finanzierten Professoren ebenso etwas vortragen müssen und da niemand von ihnen, außer der eigenen Einkommenssicherung, an etwas glaubt, so tut man sich bei diesen Diskussionen nicht weh, da es ja um nichts geht....

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Don Pietro Leone, Die Kirche und Asmodeus. (5 von 7) „Überhöhung der ehelichen Liebe“.

B. Die Überhöhung der ehelichen Liebe  1. Vergöttlichung und Zielsetzung        Wir haben erklärt, wie die eheliche Liebe durch ihre Vergöttlichung erhöht wurde, durch ihre Angleichung an die göttliche Liebe der Barmherzigkeit.         Durch die Angleichung der ehelichen Liebe an die Nächstenliebe, vergöttlicht sie der Papst nicht nur, sondern legt sie auch dadurch fest, dass er sie als einen Weg zur Verwirklichung des Sinns des menschlichen Lebens präsentiert. Denn da Gott die Summe alles Guten und Vollkommenen ist, ist die raison d’être (die Daseinsberechtigung) jedes gegebenen Dinges durch die Nachahmung des Gutseins und der Vollkommenheit Gottes selbst bestimmt. Die Vollkommenheit Gottes, zu deren Nachahmung der Mensch imstande ist, ist sein (Gottes) Wissen über und vor allem die Liebe zu sich selbst. Diese Liebe, wie wir oben erklärt haben, ist eine totale sich selbst hingebende Liebe. Indem er behauptet, dass die eheliche Liebe einer total sich selbst hingebenden Liebe gleich kommt, behauptet der Papst dann, dass der Mensch seine raison d’être, Daseinsberechtigung,  durch die eheliche Liebe (einschließlich des dazugehörigen Aktes) erfüllen kann. Tatsächlich behauptet der Papst ausdrücklich, dass die totale Selbsthingabe in der Ehe (dem Menschen (Anm. d. Übers.) die „Verwirklichung des eigentlichen Sinns seines Seins und seiner Existenz“ (16 Jan. 1980) ermöglicht....

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Priesterhilfe aber wie? (1) Die Lage.

[Einführung aus einem aktuellen Anlass: Alle Leser, die zu uns über den Blog „Nur ein Kreuzknappe“ gekommen sind, machen wir darüber aufmerksam, dass der „Kreuzknappe“ den Inhalt dieses Artikels nicht korrekt wiedergibt. In Polen gaben ca. 60% der 1063 in der Studie befragten Priester (auch Ex-Priester) zu gegen das Zölibat/die Keuschheit verstoßen zu haben, unser Autor, der in einer deutschen Diözese lebt, mutmaßt, dass in seiner Diözese dieser Prozentsatz 90% beträgt. Also Polen 60%, Deutschland 90%, andere deutschsprachigen Länder sicherlich auch zwischen 80% und 90% Prozent. Wir sind traditionalistisch! Wir setzen Textverständnis voraus! Keine „nachkonziliare Hermeneutik“ im Sinne Jedoch-aber-wenn-pastorale-Gründe-dafür-sprechen-dann-retten-wir-die-Wale, sondern Logik und Fakten. Sorry, falls es jemanden überfordert.] Wir haben versucht uns in der letzten Zeit in die Lage eines Priesters zu versetzen, der diesen Blog besucht und wahrscheinlich sich verstört und verletzt zurückzieht. Warum? Weil wir hier wirklich nicht mit der Kritik des geistlichen Standes  in deutschsprachigen Ländern sparen. Er wird sich fühlen, wie einer der noch zusätzlich von einem traditionalistisch-konservativen Blog „auf den Deckel“ kriegt, statt betuttelt und behudelt zu werden,  frei nach dem Motto:  Beten wir für heilige Priester … sie haben es soooo schwer! Natürlich ist die ersten Annahme wichtig, da es aber ausreichend viele „betuttelnde“ Blogs und Internetseiten gibt, so wollen wir hier zuerst die richtige Diagnose stellen, von welcher die weitere Behandlung abhängt. Denn die nettesten Ärzte sind nur selten die Besten. Wahrheit ist manchmal bitter und hart, dafür aber hilfreich.  Es stellt sich aber vorrangig die Frage, ob wir mit unserer harten Kritik des Priesterstandes in den deutschsprachigen Ländern überhaupt recht haben oder vielleicht die ganze Lage viel zu pessimistisch sehen. Wir glauben es nicht und hier kommen ein paar Fakten. Statistische Fakten über das Priesterleben Die Deutsche Bischofskonferenz hatte 2015 eine Untersuchung  „Sorge für die Seelsorgenden“  über das religiöse Leben der Priester und aller in der Pastoral arbeitenden in Auftrag gegeben,[1] welche sich als so verheerend erwiesen hatte, dass der volle Bericht und in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert wurde[2] und die DBK selbst nur Auszüge davon veröffentlichte. Wir werden uns dieser Studie noch ausführlich widmen, was aber schon aus dem veröffentlichten Material ersichtlich erscheint,[3] ist wie Wechselbeziehung zwischen dem Mangel am eigenen spirituellen Leben und dem Burnout-Syndrom, womit natürlich  Frustrationen einhergehen. Unsere Geistlichen und die Laien, die in der Seelsorge arbeiten, führen also kein geistliches Leben und sind konsequenterweise frustriert, was nur normal ist. Dieses Problem betrifft nicht nur die Priester in den deutschsprachigen Landen, denn über diese wird hier gesprochen werden, sondern auch leider Priester auf der ganzen Welt. Wir wollen hier eine statistische Studie zur priesterlichen Identität aus Polen vorstellen, aus einem Land also, welches als das katholische Land schlechthin gilt und seit vielen Jahrzehnten als Priesterlieferant für die Welt fungiert. Bei der zu besprechenden polnischen Untersuchung handelt es sich um die Forschungsergebnisse von Prof. Józef Baniak, welche im Jahre 2007 sowohl in Aufsatz- als auch in Buchform publiziert wurden. [1] Prof. Baniak hat die bisher, unserem Wissen nach, die höchste Anzahl an Priestern und Ex-Priestern hinsichtlich ihrer priesterlichen Identität weltweit befragt, denn insgesamt handelte es sich um 1063 Personen, welche sich in den Jahren 1986-1989, 1991-1994, sowie in der Zeit 1995-1999 sich einer Befragung freiwillig und anonym unterzogen. [2] Ein Teil der Befragten hatte zum Zeitpunkt der Befragung ihren Priesterdienst bereits aufgegeben, andere waren noch seelsorglich tätig. Die Ergebnisse dieser Befragung, der methodologisch wirklich nichts vorzuwerfen ist, sind dermaßen erschütternd, dass Prof. Baniak die theologische Fakultät der Universität Posen, auf der er angestellt war, verlassen und sich einer anderen Fakultät derselben Universität anschließen musste. Wenn man bedenkt, dass ein Teil der Befragung am Höhepunkt des polnischen Johannes-Paulismus stattfand und Priester, die gegen das Zölibat verstießen, davon ausgehen konnten und mussten, dass der Geheimdienst sie damit erpressen wird, so ist die Lage wirklich aller Priester der nachkonziliaren Kirche mehr als verheerend, wenn die Dinge in einem Land mit der höchsten „Priesterdichte“ Europas oder gar der Welt so schlecht stehen. Es wäre natürlich interessant exakt dieselbe Fragen derselben Zahl der Respondenten in den deutschsprachigen Ländern zu stellen, um die Ergebnisse einigermaßen zu vergleichen, obwohl die Lage unter Franziskus sicherlich schlechter sein wird als die Lage unter Johannes Paul II in seiner eigenen Heimat. Der Schreiber dieser Zeilen glaubt aber, dass man die polnischen Ergebnisse um mindestens 20% erhöhen kann, um auf diesem Wege den Spiegel der priesterlichen Identität in den deutschsprachigen Ländern widerzugeben. Wir werden hier wörtlich die tabellarischen Ergebnisse, der Untersuchung von Prof. Baniak wiedergeben, welche uns alle leider sehr traurig stimmen werden.[4] Die Schadenfreude sollte sich dennoch in Grenzen halten, denn in Polen ist es zwar schlimm, aber woanders leider noch viel, viel schlimmer. Gründe für die priesterliche Identitätskrise Weltklerus % Ordensklerus % Ex-Priester Priester Ex-Priester Priester 1. Krise des Zölibatspriestertums 86,6 65,7 78 64,2 2. Verstoß gegen die Keuschheit 84,5 63,2 76 61,4 3. Fehlende Beichtpraxis 75,4 70,5...

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Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (4) „Eheliche Bedeutung des Leibes“ und Jungfräulichkeit.

3. Die eheliche Bedeutung des Leibes Nach der Theologie des Leibes ist die eheliche Bedeutung des Leibes die “Fähigkeit des Leibes, Liebe auszudrücken: genau diese Liebe, in der die Person zum Geschenk wird …” (Päpstliche Ansprache vom 16 Januar 1980, West S.29). In anderen Worten: die eheliche Bedeutung des Leibes ist eine Tatsache, dass er die sich völlig selbst hingebende Liebe ausdrückt. Der Papst fährt fort: “… und – durch diese Gabe – erfüllt [der Leib] genau die Bedeutung seines Seins und seiner Existenz.” An anderer Stelle im selben Diskurs beschreibt er die eheliche Bedeutung des Leibes als “das grundlegende Element menschlicher Existenz in der Welt.”[1] In einer späteren Ansprache (28. April 1982, West S.74) fügt er hinzu: “Auf der Grundlage derselben ehelichen Bedeutung des Leibes … kann diejenige Liebe gestaltet werden, die den Menschen der Ehe für die Dauer seines gesamten Lebens überantwortet, aber es kann auch diejenige Liebe gestaltet werden, welche zu einem Leben der Enthaltsamkeit »um des Himmelsreiches willen« beiträgt.” Überdies werden jene, die zum ewigen Leben auferstehen, “die absolute und ewige Bedeutung des verherrlichten Leibes in Vereinigung mit Gott selbst” erfahren. (24. März 1982, West S. 61.) Vom Naturrecht darauf antwortend, lässt sich dazu sagen, dass sich die Bedeutung des Leibes für die Sexualität von dem, was der Papst vorschlägt, unterscheidet, denn dem Naturrecht nachz (siehe Anfang des Kapitels 4) ist alles, was man über den menschlichen Leib diesbezüglich sagen kann, dass 1) die sexuelle Verschiedenheit von Mann und Frau auf die sexuelle Vereinigung hin geordnet ist; und 2) die natürliche Folge dieser sexuellen Vereinigung die Zeugung von Kindern ist.  Bezüglich der ersten Tatsache haben wir keinen Beweis auf der körperlichen Ebene, d.h. auf der rein natürlichen Ebene, dass dieser Akt der Vereinigung durch Geben, Nehmen oder beides charakterisiert wird. Bezüglich der zweiten Tatsache lässt sich feststellen, dass die Theologie des Leibes, wie auch der Personalismus, dessen Teils sie ist, in seiner Betonung des Subjektiven, d.h. des zweiten und mittelbaren Zweckes der Sexualität und Ehe, welcher die Liebe ist, dass [die subjektiv-personalistische Einstellung Red.] das Objektive vernachlässigt, und zwar den vorrangigen und endgültigen Zweck der Sexualität und Ehe, welchen die Fortpflanzung darstellt. Was die Behauptung des Papstes betrifft, dass die eheliche Bedeutung Leibes die Grundlage sowohl für die Ehe als auch für ein Leben der vollkommenen Keuschheit bildet, so muss gesagt werden, dass falls – was wir verneint haben – der Leib auf die sich selbst schenkende Liebe hin geordnet ist, so wäre dies beim Leib von jemand, der sich für ein Leben in der vollkommenen Keuschheit entschieden hat eben nicht der Fall. In diesem Falle wäre die sich selbst hingebende Liebe die Grundlage. Und deswegen umfasst das Leben in der vollkommenen Keuschheit nicht die Liebe, die durch den Leib ausgedrückt, sondern vielmehr den Verzicht auf ebensolche Liebe. Was die Behauptung des Papstes anbelangt, dass die eheliche Bedeutung des Leibes im Himmel erfahren werden wird, erinnern wir, dass die eheliche Vereinigung ein Zeichen der Einheit Christi mit der Kirche ist, hinsichtlich der Innigkeit, des Wohlwollens und der Heiligkeit der ehelichen Liebe, und nicht hinsichtlich der körperlichen Vereinigung; tatsächlich, da der Akt der körperlichen Vereinigung der Zeugung zugeordnet ist, existiert er nur für diese Welt und nicht für die andere, weshalb “bei der Auferstehung [werden] sie nicht heiraten, noch verheiratet werden; sondern sein, wie die Engel Gottes im Himmel.” (Mt 22,30 Allioli) Letztendlich die Annahme, dass die Theologie des Leibes im Allgemeinen und die eheliche Bedeutung des Leibes im Besonderen gleichsam den Sinn des Lebens ausmacht, beantworten wir wie wir es oben bei der Betrachtung der vollkommenen Keuschheit getan haben. Gesetzt den Fall, was wir verneinen, dass der Leib eine Hinordnung zur gänzlichen sich selbst schenkenden Liebe ausdrücken würde, so ist dies, was den Sinne des Lebens ausmacht nicht die Theologie des Leibes, nicht die eheliche Bedeutung des Leibes oder  gar etwas, das mit dem Leib wesentlich verbunden ist, sondern vielmehr die totale, sich selbst gebende Liebe selbst. 4. Die Berufung zu Ehe oder zur Jungfräulichkeit/ zum Zölibat In Familiaris Consortio 11 (West S.65) schreibt der Papst: “Die christliche Offenbarung kennt zwei besondere Wege der Berufung der menschlichen Person, in ihrer Ganzheit, zur Liebe: Ehe und Jungfräulichkeit oder Ehelosigkeit.” Wieder hat der Papst die gänzlich sich selbst schenkende Liebe im Sinn, hier als wesentlichen Bestandteil sowohl für die Ehe als auch Jungfräulichkeit/ das Zölibat. Wir beobachten, dass er hier nicht konkretisiert, wie er woanders tut, dass diese Jungfräulichkeit/ das Zölibat für das Reich Gottes ist und daher auf das geweihte Leben hinausläuft. Diese Auslassung ermöglicht die Interpretation seiner Aussage im Sinne des Naturalismus. Während aber die Liebe der Ehegatten nicht als völlig selbstschenkende Liebe bezeichnet werden kann, kann die Liebe zu Gott bei denen, die ein geweihtes Leben führen, so bezeichnet werden, weil sie eine Liebe eines ungeteilten Herzens darstellt (cf. 1 Kor 7, 33 wie von...

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