Nolite obdurare corda vestra – Verhärtet eure Herzen nicht!

 

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Jeder, der das Brevier, hoffentlich auf Lateinisch, betet, wird täglich mit der Aufforderung des Einführungspsalms 94 konfrontiert, welche: nolite obdurare corda vestra – „verhärtet Eure Herzen nicht“ lautet. Da man diesen Psalm täglich betet, so ist es wahrscheinlich, dass man seine Feinheiten übersieht, da die Macht der Gewohnheit überhandnimmt. Der ganze Vers lautet:

Hodie, si vocem ejus audieritis, nolite obdurare corda vestra

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werden, verhärtet Eure Herzen nicht.

Interessanterweise erzieht uns die Tridentinische Liturgie auch durch die Auslassung, denn seit dem Passionssonntag, d.h. seit dem fünften Sonntag der Fastenzeit, wird gerade dieser Vers beim Rezitieren des Psalms ausgelassen, ebenso wie das Gloria Patri am Ende des Psalms. Wahrscheinlich ist auch deswegen dem Schreiber dieser Zeilen dieser Vers aufgefallen, weil er eben fehlt.

Worum handelt es sich eigentlich dabei? Um die Aufforderung die geistlichen Eingebungen, die uns an jedem Tag von Gott zukommen, nicht zu missachten. Es geht also nicht, wie man es vielleicht in der nachkonziliaren Kirche in diesem Kontext hört, sein Herz den Bedürfnissen der Nächsten, sprich in der letzten Zeit gegenüber den „Flüchtlingen“, nicht zu verhärten. Manche Menschen haben viele Bedürfnisse, sehr schlechte darunter auch und es ist manchmal unsere Pflicht sie nicht gewähren zu lassen. Aber dies ist ein anderes Thema. Bei der möglichen Verhärtung geht es vielmehr um unsere Einstellung zu Gott. Denn es steht geschrieben und die Liturgie lügt nicht:

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werden, verhärtet Eure Herzen nicht.

Woraus folgt:

  1. Heute wird Gott zu Euch sprechen.
  2. Ihr werden seine Stimme hören.
  3. Ihr habt die Möglichkeit auf diese Stimme nicht zu hören.
  4. Indem Ihr Euer Herz verhärtet.
  5. Tut dies nicht!

„Dies sind ganz schön viele Annahmen und Voraussetzungen“, könnte man sagen. Aber die Kirche sagt es zu denen, die in ihr zum Gebet verpflichtet sind, also zu den geistlichen Ständen. „Hören die wirklich die Stimme Gottes?“ – wird jetzt ein Laie ganz verwundert fragen. Wenn sie im Gnadenstand sind, dann schon, ansonsten nicht.  Was ist aber mit dem „Hören“ gemeint? Ist es:

  1. Das Vernehmen der äußeren akustischen Signale mit den Ohren?
  2. Das Vernehmen von inneren Eindrücken oder Worte?

Es ist tatsächlich der Fall, dass sowohl a. als auch b. tatsächlich von Gott stammen kann. Der Hl. Johannes vom Kreuz, die wirklich höchste Autorität im Mystischen, schreibt im Buch Empor den Karmelberg (Buch II, 17.4), dass Gott diejenigen Sinne der Menschen, welche schon durch Askese gereinigt sind, selbst vervollkommnen kann und zwar durch:

  • Heiligenvisionen,
  • Visionen von erhabenen Dinge,
  • Angenehme Gerüche,
  • Reden Gottes,
  • Sinnliche Wahrnehmung der himmlischen Freuden.

Gleichzeitig beeilt sich der Hl. Johannes zu versichern, dass man niemals nach diesen Erlebnissen streben sollten, da sie recht einfach vom Teufel nachgeahmt werden können, wenn sie nicht gar krankhaften Ursprungs sind. Es gibt im geistlichen Leben den folgenden Grundsatz: je sinnlicher, desto verdächtiger. Die bedeutet, dass Eindrücke, die unter unsere Sinne fallen (Gesichtssinn, Gehörsinn, Tastsinn, Geruchssinn, Geschmacksinn) einfacher vom Teufel hervorgerufen werden können, als das, was wir nur rein geistlich im Inneren verspüren. Die Einzelheiten der Unterscheidung liefern Kardinal Bona und Pater Poulain SJ, den wir hier veröffentlichen.  Liest man die Erlebnisse auf dem erstbesten Esoterikforum, so wird man sich schnell davon überzeugen, dass auch dort Menschen Visionen und Auditionen erfahren, welche aber sicherlich nicht von Gott kommen, obwohl sie, falls nicht krankhaft und eingebildet, übernatürlichen Ursprungs sind. Es gibt aber nicht nur äußere Phänomene, sondern auch innere Worte oder Eindrücke, von welchen der Hl. Johannes vom Kreuz ebenfalls berichtet (Empor den Karmelberg, Buch II, 29-31). Diese inneren Locutionen und Visionen sind für den Menschen schon sicherer, aber es besteht immer die Möglichkeit, dass man eigene Worte statt der Worte Gottes vernimmt und dass sich der böse Geist auch dort einmischt. Der hl. Johannes legt all diese Thematik samt Kriterien in mehreren Kapiteln recht differenziert dar, was uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren wird. Es bleibt festzuhalten, dass Gott tatsächlich zu uns redet, wir ihm aber nicht zuhören. Warum?

Weil seine Rede im Sinne der inneren geistigen Eindrücke sehr sanft und subtil ist.  Wir erinnern uns, dass der Prophet Elia Gott erst im sanften Windhauch (1 Kön 19,12) vernahm. Deswegen sollte man die äußeren Geräuschquellen abschalten, auch in der Gestalt der anderen Menschen, um Gottes sanftes Säuseln zu vernehmen. Je grober unsere Natur ist, desto weniger werden wir die Stimme Gottes vernehmen können, was an uns und nicht an Gott liegt. Mit dem geistlichen Fortschritt wird unsere Natur weicher und zarter, geistig nicht unbedingt psychisch, gesehen. So schreibt der Hl. Ignatius von Loyola in seiner siebten Regel zur Geistesunterscheidung für die zweite Woche, also für die Zeit nach der Bekehrung und der Loslösung von der schweren Sünde:

DIE SIEBTE. Bei denen, die vom Guten zum je Bessern voranschreiten, berührt der gute Engel die Seele sanft, leicht und lind wie ein Tropfen Wassers, der in einen Schwamm eindringt. Der böse dagegen berührt sie spitz und scharf und mit Gedröhn und Unruhe, wie wenn der Tropfen Wassers auf einen Stein fällt. Jene, die vom Schlechten ins je Schlechtere voranschreiten, werden von den besagten Geistern in entgegen gesetzter Weise berührt. Die Ursache davon ist, dass die Disposition der Seele diesen Engeln entweder entgegengesetzt oder gleich ist. Denn ist sie entgegengesetzt, so treten sie mit Geräusch und Sensation und Fühlbarkeit ein; ist sie gleich, so tritt der Geist schweigend ein wie in sein eigenes Haus bei offener Tür.

Man vernimmt also die Rede Gottes, wenn man zart ist und sein Herz nicht verhärtet. Was bedeutet dies? Clemens von Alexandrien (gest. 215), ein kirchlicher Schriftsteller der Alten Kirche, unterschied drei Klassen der Gläubigen:

  1. Die Herzverhärteten (sklerokardioi),
  2. Die Gläubigen (pistoi)
  3. Die Gnostiker (gnostikoi)

Ad 1.

Diese Menschen leben in der Todsünde und werden von Gott durch äußere Züchtigung erzogen, also ausschließlich durch Strafe.

Ad 2.

Diese Menschen nähren sich schon von der guten Hoffnung, führen ein ethisches Leben mit den Werken der Liebe.

Ad 3.

Diese höchste Klasse der Gläubigen, werden durch „die Inhalte der Mysterien genährt“, sie können also das schon Schauen, was die Pistiker erst glauben.

Bei all diesen Unterscheidungen bleibt zu bedenken, dass Klemens rechtgläubig war und zu seiner Zeit der Begriff „Gnostiker“, wie bei Irenäus von Lyon (gest. 220), wertneutral war. Es ist aber Klemens, der von den Sündern als von den Herzverhärteten spricht. Denn was verhärtet das Herz? Die Sünde, je schwerer, desto mehr. Was erweicht das Herz? Die Werke der Liebe, zuerst zu Gott und dann zu den Menschen. Denn nach einer Weile des sündigen Lebens ist man überhaupt nicht in der Lage Gottes Stimme zu vernehmen. Von den wirklich seltenen Beispielen der mystischen Nacht abgesehen, sind solche Zustände der geistigen Ertaubung dies Konsequenzen unserer Sünden. Die Sünden ummauern das Herz, es verletzt sich ja selbst und wie bei der Narbenbildung verhärtet es sich. Seine Elastizität und sein Gespür schwinden und es wird schwärzer bis es der Kohle gleicht, welche im ewigen Feuer verbrennen wird. Bei der Höllenvision des ersten Geheimnisses von Fatima sahen die Kinder Menschen wie Kohlen:

„Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.“ [1]

Dies ist das endgültige, denn ewige Los der Herzverhärteten. Wie sieht der Weg bis dorthin aus?

  1. Nichtbeachtung der täglichen geistigen Eingebungen.
  2. Geringschätzung der täglichen geistigen Eingebungen.
  3. Widerstand gegen die täglichen geistigen Eingebungen.
  4. Lässliche Sünde, welche bei Wiederholung, Nichtbeachtung und Geringschätzung zur
  5. Schweren Sünde führt und diese endet schließlich als der
  6. Geistiger Tod.

Also „verhärtet Eure Herzen nicht“!

[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Geheimnisse_von_F%C3%A1tima#Das_erste_Geheimnis

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Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (8) Exegese Vers 7

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1:7 Quóniam novit Dóminus viam justórum: * et iter impiórum períbit.

1:7 Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten: * und der Pfad der Unfrommen wird vergehen.

Im letzten Vers finden wir die Gegenüberstellung vom Weg (via) und Pfad (iter), der Erstere ist fest und übersichtlich, der Letztere kann vergehen, wie die Trampelpfade in den Bergen oder im Wald, welche unerwartet enden und uns zum Rückzug bewegen. Bei dieser Gegenüberstellung kommt ein anderer Bibeltext in den Sinn:

Mt 7,13 Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm.

Mt 7,13 intrate per angustam portam quia lata porta et spatiosa via quae ducit ad perditionem et multi sunt qui intrant per eam.

Ja, der Weg ins Verderben (via quae ducit ad perditionem) ist auch „weit und breit“, aber der Mann des ersten Psalms geht ihn gerade nicht. Er sucht nicht das Bequeme, sondern das Enge und Harte. Wie wir alle es schon wohl erfahren haben, führt das Bequeme dazu, dass man noch mehr Arbeit und Mühsal hat, die Abkürzung zu noch mehr Fahrweg, kurz und gut: alles, was die Anstrengung scheut, kehrt sich mit der Zeit in sein Gegenteil um. Die neuere Glücks-Forschung hat etwas in Erfahrung gebracht, was Philosophie und Theologie schon lange wussten, dass Selbstdisziplin glücklich macht.[1] Es ist wie mit Bildung, Kochen, Sporttreiben, Aufräumen, Beten etc., es ist zwar ein wenig mühselig es tun zu müssen, aber man hat dann mehr vom Leben, weil man gebildet, gut ernährt, sportlich, gesund und fromm ist. Der enge Weg wird dann zu einem weiten Weg und der weite Weg wird zu einem engen Trampelpfad, der in die Hölle führt. Ein Gläubiger beschreitet zwar selbstständig seinen Weg, aber er weiß, dass Gott über ihn wacht und „seinen Weg kennt“, der selbstzentrierte, subjektive Unfromme realisiert nur seine Ziele und ist auf sich selbst gestellt. Viele Menschen, die irgendwann einmal in einem Sumpf sitzen, in den sie sich hineinmanövriert haben: „Warum hat mir Gott nicht geholfen?“ „Weil Du Gott mit Deiner ersten Todsünde von Dir gewiesen hast!“, lautet die Antwort. Denn mit der Todsünde übergibt sich der Mensch unter die Herrschaft Satans, der ihn auch leitet, um ihn zu verderben. Und deswegen „wird der Weg der Unfrommen vergehen“, weil ihnen nichts zum Heil gereichen wird. Die in der Todsünde vollbrachten guten Werke, bleiben gut, sie gereichen aber nicht vor Gott als Verdienst (non sunt meritoria). Denn aus dem Glauben muss man noch die Werke vollbringen. Hat man aber den richtigen Weg verlassen, so werden die Werke immer schlechter, weil man glaubt immer mehr Kompromisse mit der Welt schließen zu müssen bis sie nicht einmal nominal mehr gut zu nennen sind. Dann folgt das Verderben. Dann antwortet Christus: „Ich kenne Euch nicht“ (Mt 7, 23).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der erste Psalm, welcher wohl das Fundament aller Psalmen bildet, im eklatanten Widerspruch zu der nachkonziliaren Dialogkultur und Weltoffenheit steht. Dem Satz vom Widerspruch folgend, kann entweder der Psalm recht haben oder die nachkonziliare Pastoral, aber nicht beide zugleich. Und all die Hermeneutik, d.h. das unklare, geschlängelte sowohl-als-auch-Reden ändert es auch nicht. Man soll sich von den Sündern absondern und ihre Nähe meiden, Gottes Wort erwägen, welches immer anders sein wird als das Gerede der Welt. Bis 1962 hat man es so gehalten und ist gut damit gefahren, falls man es gehalten hat. Zu der Welt kann man reden, aber von einer nicht weltlichen Warte aus, denn sonst sagen die Menschen: „Er ist nicht anders als wir, was will er uns belehren?“ Und deswegen gibt es bei den dialogbereiten Priestern auch keine Bekehrungen. Warum auch? „Ich bin ok und Du bist ok.“ Aber nicht nur der erste Psalm ist mit der nachkonziliaren Lehre nicht kompatibel, sondern das Erste Gebot auch: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ „Wie borniert, unökumenisch, fundamentalistisch“, würden manche sagen, „wo ist die kulturelle Vielfalt“, welche uns, so unsere Kardinäle, der Islam bringen wird. Nein, der Psalm redet Klartext und schlängelt nicht. Das ist das Wort Gottes und alles Reden, dass „man in der Moderne und nach dem Vatikanum II es nicht mehr so sagen kann“, bedeutet, dass:

  1. die Kirche bis 1962 geirrt hat und es ab 1962 nicht mehr tut,
  2. die Kirche bis 1962 nicht geirrt hat und ab 1962 es tut,
  3. oder die Unterscheidung von wahr und falsch und jede zweiwertige Logik ohne Belang ist.

Ad (3).

Dies ist zu verwerfen ist, da ansonsten jedes Denken, Argumentieren, jede Wissenschaft in sich selbst zusammenfallen würde. Denn der Satz von Widerspruchsfreiheit muss herrschen, damit eine Rationalität gegeben sein kann. Zwar haben wir seit J. Łukasiewicz und E. Post auch sogenannte mehrwertige Systeme der Logik, welche sich von der klassischen, d.h. der zweiwertigen Logik dadurch unterscheiden, dass sie mehr als zwei Werte („wahr“ und „falsch“) aufweisen, aber auch sie sind widerspruchsfrei und vollständig.[2] Außerdem werden diese Systeme der mehrwertigen Logik nur auf solchen Gebieten angewandt, auf denen den logischen Zeichen kein eidetischer Sinn zukommen, also wo sie keine äußere Wirklichkeit abbilden. „Wo immer die Wissenschaft mit eidetisch sinnvollen Zeichen operiert, zieht man die klassische Logik heran“, so weiter der Logiker Bocheński.[3] Die bedeutet, dass nirgend, nie und nimmer etwas zugleich falsch und richtig sein kann und kein logisches System, welches diesen Namen verdient, dafür herhalten kann. Ist etwas wahr, dann ist es immer wahr, ist etwas falsch, dann ist es ebenfalls falsch. Und deswegen beleidigt all das nachkonziliare Gerede: „für damalige Zeiten war es wahr, für unsere ist es falsch“ den gesunden Menschenverstand, weil Theologie ebenfalls einen eidetischen Sinn hat. Natürlich trauen sich diese Leute gar nicht an Logik heran, sondern verwerfen sie, wie Luther völlig, und sprechen dann von der pastoralen Ebene des Sowohl-als-Auch.

Ad (1)

Punkt (1) ist anzunehmen, weil das vorkonziliare Lehramt in sich konsistent ist und keine Widersprüche bietet, im Gegensatz zum nachkonziliaren Lehramt, siehe Papst Franziskus. Ist etwas in sich widersprüchlich, so ist es nicht wahr. So einfach ist das.

Ad (2)

Würde man tatsächlich annehmen, dass die Kirche erst seit 1962 recht hat mit all den „ökumenischen Unternehmungen“, „Dialog“ etc., so müsste man wirklich nicht nur die gesamte Kirchengeschichte hinterfragen, was man ja tut, sondern die Schrift und die Zehn Gebote selbst, was man ebenfalls tut, besuchen Sie doch die katholische Akademie um die Ecke.

So sehen wir leider, wie sich unsere Kirche von den Geboten Gottes entfernt hat und weswegen sie zugrunde geht. Wir lesen im Buch des Propheten Jeremiah:

Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten.

Und genauso ist es gekommen und es wird noch schlimmer. Da aber jeder für seine eigene Seele Sorge zu tragen hat, so denken wir an uns selbst und beten die Psalmen, angefangen mit dem ersten Psalm: Beatus vir.

[1] http://healthland.time.com/2013/06/24/self-disciplined-people-are-happier-and-not-as-deprived-as-you-think/

[2] Bocheński, I. M., Die zeitgenössischen Denkmethoden, UTB: Tübingen u. Basel 199310, 86-87.

[3] Ebd., 87-88.

Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (7) Exegese Vers 6

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1,6 Ideo non resúrgent ímpii in judício: * neque peccatóres in concílio justórum.

1,6 Daher werden die Unfrommen beim Gericht nicht auferstehen, noch die Sünder beim Rat der Gerechten.

Welches Gericht (judicium) ist wohl hier gemeint? Sicherlich auch das Jüngste. Denn es gibt eine Auferstehung zum Leben und eine Auferstehung zum Tode. Der Text sagt ja: resurgent, also „auferstehen“. Wie wir wissen, stehen beim Jüngsten Gericht zwar alle Toten auf, aber bei den Verdammten folgt ein „zweiter Tod“. Somit haben die Unfrommen buchstäblich nichts vom Leben und zwar auch nichts vom ewigen Leben, denn es erwartet sie die ewige Pein für das bisschen sündiges, irdisches Leben, welches ja, im Gegensatz zur Ewigkeit, zeitlich begrenzt ist.

Die Kirche lehrt in ihrer Dogmatik, dass die Leiber der Gottlosen zwar in Unsterblichkeit auferstehen werden, dies ist eine Sententia de fide, jedoch diese Leiber an den Vorzügen der Leiber der Seligen keinen Anteil haben werden. Das Letztere ist eine sententia certa, also eine Wahrheit, die im inneren Zusammenhang mit einer Offenbarungswahrheit steht, aber nicht als aufgrund göttlicher Autorität selbst anzunehmen ist.[1] Kurz und gut: es ist eine wahrscheinliche, theologische Schlussfolgerung. Nach Diekamp-Jüssen

„lehrt die Kirche die leibliche Unsterblichkeit der auferstandenen Gottlosen, da sie in Verbindung mit der Lehre von ihrer leiblichen Auferstehung auch die Ewigkeit ihrer Strafe ausspricht (Denz. 40/76. 429/801). Dasselbe bezeugen […] die Schrifttexte: Dan 12,12; Mit 5,29 f. 10,18; 18,8), welche als Beweisstellen für die Ewigkeit der Hölle angegeben werden.

Aber weil die Beschaffenheit der Leiber den Zustand der Seelen entsprechen muss, fehlt den Leibern der Gottlosen die Vergeistigung, das heißt das gänzliche Unterworfensein unter den Geist; denn ihre Seelen, in alle Ewigkeit von Gott abgewandt, sind dem Affekt nach eher fleischlich, als dass sie die Leiber vollständig beherrschten. Statt behend zu sein, sind die Leiber schwerfällig und verweigern den Seelen gewissermaßen den Dienst, wie diese Gott den Gehorsam aufgekündigt haben. Die Leiber sind leidensfähig und empfinden furchtbare Schmerzen, ohne von den Qualen aufgezehrt zu werden, wie ihre Seelen das natürlich, aber in ihnen stets vergebliche Verlangen nach der Seligkeit zu ihrer höchsten Qual für immer bewahren. Sie sind dunkel und finster, wie ihre Seelen von Licht der Anschauung Gottes ausgeschlossen sind (C. gent. IV, 89; vlg. Supp. Q. 86 a. 2 et 3)“.[2]

Einfacher ausgedrückt kann man sagen, dass genauso wie die Leiber der Seligen auf die ewige Seligkeit hin gearbeitet haben, denn man lebt ja im irdischen Leben im Leibe, so haben die Leiber der Verdammten auf ihre ewige Verdammnis hingearbeitet, weil sie ja im Leib und im Fleisch gesündigt haben. Vor der Auferstehung der Toten wird zuerst die Seele selbst belohnt oder bestraft, nach der Auferstehung auch der Leib. Somit werden die Unfrommen im eigentlichen Sinne „nicht im Gericht auferstehen“ (non resurgent in judicio), denn die eigentliche Auferstehung ist zur Glückseligkeit und nicht zur Pein. Wie sehr sollten wird auf unsere Handlungen achten. Man lebt zwar nur einmal, trägt aber die Konsequenzen ewig: entweder in der Glückseligkeit oder in der Verdammnis. Memento mori – „gedenke des Todes“ – lautet ein Grundsatz des geistlichen Lebens. Man soll den Augenblick des Todes sich immer vor Augen halten, um richtig zu vollständig zu beurteilen, ob das worum wir hier und jetzt so viel Geschrei machen, es wirklich wert ist. Meistens ist es dies nicht. Ein anderer Grundsatz lautet: respice finem – „achte auf das Ende/den Ausgang“. Bringt mich diese Entscheidung näher an die Glückseligkeit oder die Verdammnis?

Wie zerstörerisch und verfänglich ist der nachkonziliare Horizontalismus, welcher nur auf das Hier und Jetzt konzentriert und später wird es durch die Allerlösung schon werden. Natürlich gibt es keine Allerlösung und schon platt materialistisch durch die Energieerhaltungssatz ausgedrückt, der ja immer gilt, kann man sehen, dass alles seine Konsequenzen haben muss. Wenn nicht im beobachtbaren Rahmen, dann im nicht beobachtbaren. Wenn alles Böse nicht in diesem Leben geahndet wird, dann wohl später, was vor von hier auf nicht sehen. Die meisten Menschen denken aber:

„Man lebt nur einmal, ich will nichts verpassen und dann kommt das Nichts – also der Tod.“

Der Tod kommt zwar todsicher, aber dann die Bestrafung. Denn gäbe es keine, dann gäbe es auch keine Angst vor dem Tod, von welcher wirklich die Wenigsten frei sind.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gewissheitsgrade_der_Dogmatik

[2] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 1171.

Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (6) Exegese Vers 5

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1,5 Non sic ímpii, non sic: * sed tamquam pulvis, quem prójicit ventus a fácie terræ.
1,5 Nicht so die Unfrommen, nicht so, aber wie ein Staub, welchen der Wind vom Angesicht der Erde wegfegt.

 

Bei diesem Vers kommt einem die Staubwolke in den Sinn, wie sie des Öfteren im Mittelmeerraum entsteht. Eine kleine Windrose, die den Sand und Staub herumwirbelt und in die Augen streut. Das Letztere tun auch die Sünder. Sie sind ruhelos, ohne Halt, von der Erde weggefegt und plötzlich niedergelassen. Zuerst folgt der große Höhenflug, dann der abgrundtiefe Fall. Der Teufel erhöht auch seine Diener, um sie dann fallenzulassen. Manchmal zu Lebzeiten, manchmal nach dem Tod, als die ganze Wahrheit offenbart wird. Die Ruhelosigkeit der Unfrommen. Ein bisschen dies, ein bisschen das. Selbstfindung, auf der Reise sein, etc. Natürlich muss man auch diese Phase in der Jugend durchmachen, obwohl es manche nicht tun. Aber der ständige Aktionismus, Aktivismus, dieses „Nach vorne“, „Aufbruch“, „die Kirche erfindet sich selbst“ etc. ist zerstörend. Das geistliche Leben gibt Stabilität und Stabilität fördert das geistliche Leben. Das Irrende, Wirrende, Windhafte ist dämonisch. Dieses hat keinen Halt seit dem Engelssturz und irrt seitdem umher. Gott aber ist ewig, unveränderlich und stabil und je mehr man sich Gott nähert, umso Gott ähnlicher wird man. Natürlich durch das Abbild und die Vermittlung Christi, aber das Ziel ist die ganze Dreifaltigkeit. Daher halten Sie sich von unsteten und herumreisenden Menschen fern. Sie haben keinen Halt und kein geistliches Leben.

Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (5) Exegese Vers 4

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1,4 Et fólium ejus non défluet: * et ómnia quæcúmque fáciet, prosperabúntur.

1,4 Und sein Blatt verwelkt nicht und alles, was immer er machen wird, wird gelingen.

Weitere Bilder der Fruchtbarkeit. Die ewig grünen Blätter, die eigentlich nur Tropenpflanzen vorweisen können, weil sie immer in der Feuchtigkeit verwurzelt sind. Wie „das Holz an den Wasserbächen“. „Und alles, was er machen wird, wird gelingen (prosperabuntur)“. Wir haben zweimal hier das Futur und das Wort prosperare, von welchem die englische prosperity herrührt. Es gibt auch die sog. Prosperity gospel, also das Wohlstandsevangelium, welche meistens in den pfingstlerischen Freikirchen aber auch in der charismatischen Bewegung gepredigt wird. „Mit der richtigen Religion wird Dir alles Weltliche gelingen“, so verspricht man. Dies ist grundfalsch, denn das Weltliche ist ohne Belang und es rührt meisten vom Teufel her, der er besitzt und geben kann, wem er will, siehe die Versuchung Christi. Gott fordert jedoch nicht von jedem Armut, denn Armut oder Reichtum sind für das Heil irrelevant, obwohl Armut für Gott freimachen kann. Aber niemand kann erwarten, dass ihm alles Weltliche immer gelingen wird. Tut es das, so ist es verdächtig. Irgendwo schreibt der hl. Thomas von Aquin, dass das weltliche Wohlergehen ein Zeichen von Reprobation sein kann, da Gott, wenn er jemanden nicht in der Ewigkeit belohnen kann, er dies im Diesseits tut. Manchmal steckt hinter einem dauernden Wohlergehen ein Teufelspakt, wörtlich und metaphorisch gesehen. Wenn es aber so ist, wie kann der Psalm sagen, dass alles „gelingen wird“ (prosperabuntur)? Weil alles richtig Aufgenommen uns zum Verdienst vor Gott gereichen kann und auf die lange Sicht der Ewigkeit es uns tatsächlich gelingen wird. Nehmen wir an, dass jemand arbeitslos und krank wird, sowie sein Hab und Gut verkaufen muss. Durch die Krankheit lernt er Geduld, durch die Arbeitslosigkeit wird er vom Weltlichen frei, hat mehr Zeit zum Lesen und Beten und durch den Verkauf wird er von der Habsucht und vom Geiz frei. Gereicht es ihm zum Guten? Ja, wenn er es für sein Seelenheil verwendet. Andersrum kann jeder, der gut in einer Schlüsselposition verdient mehr Almosen geben, weitreichende Entscheidungen treffen und auf mehr Menschen Einfluss haben. Was ist vorzuziehen? Das, was Gottes Wille ist und unserem Seelenheil nicht schadet. Man kann sich kein Heil kaufen und alles Unrecht muss abgebüßt werden, entweder hier auf Erden oder im Fegefeuer. Deswegen ist die Lösung: „Jetzt sündigen, weil es der Job fordert, später aber im Alter Buße tun“ immer verfänglich und falsch, weil wir erstens nicht wissen, ob wir das Alter überhaupt erleben und zweitens gewöhnt man sich an das Böse recht schnell und verformt sein Gewissen. Die moderne Theologie tut das ihre noch dazu und man landet auch mit diesem guten Vorsatz in der Hölle.

Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (4) Exegese Vers 3

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Tut man das nicht, was im ersten Vers beschrieben wird, also hört man nicht auf die Sünder und geht nicht zu ihnen, sondern meditiert das Gesetz Gottes, so zeigt uns der dritte Vers die schönen Konsequenzen, welche wie folgt lauten:

1,3 Et erit tamquam lignum, quod plantátum est secus decúrsus aquárum, * quod fructum suum dabit in témpore suo:

1,3 Und er wird sein wie ein Holz, welches gepflanzt ist am Strom der Gewässer, welches seine Frucht bringen wird zu seiner Zeit.

Der lateinische Text spricht von lignum, erste Bedeutung „Holz“, danach erst „Baum“ und „Pfropfreis“. Denn „Baum“ ist auf Lateinisch arbor. Warum aber kein Baum? Nun ja, vielleicht muss man irgendwann zu einem Baum werden und ein „Holz“ ist ein Baum in statu nascendi? Es ist also etwas, was sich durch das Hölzerne zu einem Baum entwickelt. Man würde jetzt gerne im hebräischen oder griechischen Text nachschauen wollen, ob vielleicht dort eine botanische Bezeichnung angegeben ist. Aber wir wollen es uns verkneifen und beim „Holz“ bleiben. Es ist gepflanzt an den Quellen, der Text spricht wörtlich von „der Strömung der Wässer“, so bleibt der künftige Baum und das jetzige Holz gut bewässert. Der Text spricht von den Wässern (aquarum) im Plural. Es scheint also als wäre unser Holz an einem Ort, an dem mehrere Flüsse zusammenkommen. Es hat also verschiedene Ströme, aus denen es schöpfen kann. Wir haben das Alte Testament, das Neue Testament als mögliche Ströme, die beste Mischung der geistlichen Strömungen finden wir im Tridentinischen Brevier zwischen den Bibeltexten des AT und des NT, der Kommentare der Kirchenväter, die Responsorien der Kirche etc. Womit man sich tränkt, so wird man. Welche Inhalte lasse ich zu mir rein? Fernsehen, Radio, Internet, Presse, Gespräche? Bin ich deswegen so verdorrt? Der Schreiber dieser Zeilen hat manchmal das Gefühl, dass er bei bestimmten Menschen und Gesprächen, auf die er tatsächlich angewiesen ist, austrocknet und zwar tatsächlich und nicht metaphorisch. Wahrscheinlich ist der Grund rein natürlich, da er dummes Geschwätz als Stress empfindet, sein Körper Stresshormone freisetzt, er hyperventiliert und auf diese Art und Weise austrocknet. Jeder Leser soll es selbst prüfen. Andererseits setzt das Gebet andere Hormone frei, welche für das Wohlbefinden sorgen und auch für eine bessere Haut, was die Frauenmagazine schon länger wissen.[1] Wahrscheinlich wird dadurch der Wasserhaushalt der Haut positiv geregelt. Daher sehen auch die betenden Mönche und Nonnen so jung aus. Also auch hier hat der Psalm recht. Man wird im wörtlichen und übertragenen Sinne gewässert. Bleibt man als Holz an dem Zufluss der vielen Bäche, so gibt man Frucht „zu seiner Zeit“. Zu wessen Zeit? Gottes Zeit. Viele Neubekehrte wollen gleich missionieren, aber es ist meistens immer zu früh. Sogar der hl. Paulus zog sich für drei Jahre in die Wüste zurück, bevor er tätig wurde. Gott bestimmt die Zeit und Art der Fruchtbringung. Man soll nicht drängen und ungeduldig sein. Gott weiß schon wo und wann er uns einsetzen wird. Manchmal erst nach dem Tode durch unsere Gebete. Viele Heilige, insbesondere Märtyrer wurden erst nach dem Tode durch ihre Fürbitte oder ihre Reliquien aktiv. Vielmehr als sie es zu Lebenszeiten waren. Man muss sein eigenes Leben im Zeitraum der Ewigkeit sehen und von dieser Perspektive her die Ereignisse betrachten. Durch die nachkonziliare Horizontalisierung und Diesseitigkeit denkt man nur an das Hier und Jetzt, Stichwort: Flüchtlinge, Wale, Umwelt und Bla-Bla-Bla der Politik. Aber die Frage ist, ob es mir für und in der Ewigkeit nützlich sein wird, weil es meine Seele zum Guten verformt.

[1] http://stylecaster.com/beauty/meditation-good-for-skin/ http://www.womenshealthmag.com/beauty/beauty-benefits-of-meditation

Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (3) Exegese Vers 2

Beatus vir 3

Der zweite Vers stellt das Gegenprogramm zum Leben der Gottlosen dar:

1,2 Sed in lege Dómini volúntas ejus, * et in lege ejus meditábitur die ac nocte.

1,2 Aber im Gesetze des Herrn ist sein Wille und über sein Gesetz denkt er Tag und Nacht nach.

Der Wille richtet sich also nicht nur nach dem göttlichen Gesetz. Der Wille wird gleichförmig mit dem Gesetz des Herrn. Warum ? Weil man Kontakt mit ihm hat, sowohl mit dem Gesetz als auch mit dem Herrn. Weil man es Tag und Nacht meditiert also über es nachdenkt. Am Tage schon, denken wir, aber bei Nacht? Durch die Nachwachen. Die nachkonziliare Krise fing damit an, dass die Orden aufhörten nachts zum Gebet aufzustehen, dann folgte das Fernsehen und dann kamen die Austritte. Dem weiblichen Zweig der Franziskanerinnen der Immaculata wurde ja von der Komissarin vorgehalten, dass sie nachts zum Gebet aufstehen.[1] Dem männlichen Zweig wohl auch. Ja wo kämen wir da noch hin? Zur Heiligkeit. Allen Lesern, die unter Schlaflosigkeit oder Schlafunterbrechung leiden oder aber auch aufgrund von schlimmen Alpträumen nachts aufwachen, sei an dieser Stelle empfohlen in solchen Situationen einfach aufzustehen und wenigstens 45 Minuten oder auch die ganze Nacht zu beten. Denn man kann sowieso nicht schlafen und verliert nichts. Es ist besser als sich im Bett herumzuwälzen. Handelt es sich um natürliche Ursachen, so setzt eine durchwachte oder teilweise durchwachte Nacht am nächsten Morgen Adrenalin frei, Sie werden aufgeputscht sein und aufgrund des Schlafmangels die nachfolgende Nacht sicherlich durchschlafen. Kommen diese Angriffe aber vom Feind, scil. von dem Teufel, was recht häufig der Fall ist, so lässt er Sie recht schnell in Ruhe, wenn Sie diese Angriffe gegen ihn wenden. Man soll den Vorsatz fassen für die Kirche, für die Bischöfe, für alle, die in dieser Nacht sündigen zu beten und als Gebet wähle man am besten die Matutin eines lateinischen Breviers, denn dies ist das eigentlichen Nachtgebet oder man bete nacheinander halblaut oder laut die Psalmen oder ebenfalls halblaut den Rosenkranz. Und so kann man die Schlaflosigkeit effizient nutzen, anstatt zu irgendwelchen Mitteln zu greifen. Das Gesetz Gottes wird dadurch meditiert.

[1] http://www.katholisches.info/2015/11/09/keine-barmherzigkeit-paepstliche-kommissarin-fuer-franziskanerinnen-der-immakulata/

Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (2) Exegese Vers 1

beatus vir 2

Exegese: Beátus vir, qui non ábiit in consílio impiórum

Aber widmen wir uns der Exegese des ersten Psalms übersetzt aus der Vulgata-Fassung des Breviers:

Beátus vir, qui non ábiit in consílio impiórum

Glücklich ist der Mann, die nicht weggeht in den Rat der Unfrommen.

Wir haben hier das Lateinische vir – was „Mann“ bedeutet und nicht „Mensch“ oder „Person“. Bevor sich die Pastoralreferentinnen, die uns eventuell lesen über diese „total frauenfeindliche Bemerkung, echt, jetzt“ empören, wollen wir etwas klären. Die Heilige Schrift handelt in erster Linie vom Geistlichen, nicht vom Geschlechtlichen und demnach nicht vom Irdischen. Der Schreiber dieser Zeilen hat sich tatsächlich eine längere Zeit lang mit der feministischen Exegese beschäftigt, um zu erfahren „wie sie ticken“. Das Fazit lautet: Bei der feministischen Theologie geht es ausschließlich um Frauen und nicht um Theologie! Es ist eine narzisstische, Selbstbezogenheit und Selbstzentriertheit im Sinne „Frau und XYZ“. Kein Gott, kein Christus, kein gar nichts. Viele der ehemals katholischen Theologinnen, diesmal nicht TheologInnen, wurden zu irgendwelchen Gaia oder Wicca-Priesterinnen, da dort das Weibliche oder das Ewig-Weibliche noch mehr wuchert und weil das Christentum mit Gott Vater dem Sohn und dem Heiligen Geist für Frauen angeblich nicht annehmbar ist. Doch das ist ein anderes Problem, dem wir uns woanders widmen werden. Dennoch ist die Heilige in Bildern und Metaphern verfasst und wo, so lehrte schon ganz früh Origenes in seiner Exegese zum Exodus-Buch, das Weibliche für das Schwache, Weimerliche, Emotionale, das Männliche hingegen für das Verstandesmäßige, Kämpferische und Geistige steht. Das geistliche Leben ist ein Kampf und daher sollen wir, geistig gesehen, alle Männer (viri) werden. Dies hat jedoch nichts mit Transgenderismus und anderen Unsinn zu tun, auch nicht mit der Verleugnung des eigenen Geschlechts, sondern mit der geistigen Entwicklung. Gott ist Vater und Christus war und ist ein Mann. Wenn Gott als Mann Mensch wurde und nicht als Frau, dann hat er sich etwas dabei gedacht.

Warum muss man denn ein Mann nach dem ersten Psalm (vir) sein? Um nicht „in den Rat der Unfrommen vom Weg abzuirren“. Das Lateinische abire bedeutet „vom Weg abgehen“, „weggehen“, „sich vom richtigen Weg abwenden“, denn ab ist „weg“ und íre – „gehen“. Man wechselt die Richtung, um der Gruppe anzugehören, eine Neigung, die bei Frauen wirklich viel stärker als bei Männern ausgeprägt ist. Die Gruppendynamik, der Gruppenzwang, Mitgegangen, Mitgefangen, Mitgehangen. Ja, wir ahnen es schon das Wort „Miteinander“ muss in diesem Kontext auch fallen. Der französische Mathematiker, Philosoph, Schriftsteller und leider auch Jansenist Blaise Pascal schrieb einmal, dass Problem des Menschen darin besteht nicht alleine in seinem Zimmer bleiben zu können. [1]

„Tout le malheur des hommes vient d’une seule chose, qui est de ne savoir pas demeurer en repos dans une chambre“.

Aber Menschenmassen oder Gruppen richten sich immer nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Das Mittelmaß kann sehr hoch sein, aber es ist immer ein Mittelmaß. „Der Rat der Unfrommen“, sie wollen uns beraten. Aber bevor man einen Rat empfängt, sollte man überlegen: Wer rät es mir? Ein Frommer oder ein Unfrommer. Der Schreiber dieser Zeilen hat sich von einem unfrommen, windigen Anwalt in einer schwierigen Angelegenheit beraten lassen, las diesen Psalm und tat genau das Gegenteil von dem, wozu man ihm geraten hatte und ist sehr glücklich mit seiner Entscheidung. Auch wenn es jetzt melodramatisch klingen mag: durch die Sünder spricht der Teufel und er will uns mit ihrem Rat verderben. Denn die Unfrommen oder die Frevler gehen ja den teuflischen Inspirationen nach, sonst wären sie ja gerecht und fromm. Also wirklich bei der Beraterwahl zweimal hinschauen oder per Umkehrschluss handeln.

et in via peccatórum non stetit, * et in cáthedra pestiléntiæ non sedit

der auf dem Weg der Sünder nicht steht und auf dem Lehrstuhl der Seuche nicht sitzt.

Während der Anfang des ersten Verses den Mann lobte, der nicht nach dem Rat der Unfrommen von seinem Weg abirrt, steigern die weiteren Aussagen sich, indem man vom fehlenden Stehen und Sitzen spricht. Denn, wenn er schon nicht abgeirrt ist (non abiit), dann kann er „auf dem Weg der Sünder nicht stehen“ (non stetit) und auf dem Lehrstuhl der Pest nicht sitzen (non sedit). Die Sünde liebt das Bequeme: zuerst das Stehen, dann das Sitzen. Er steht wohlgemerkt nicht „den Sündern im Wege“, sondern „er steht auf ihrem Wege“. Er hat also die Fronten gewechselt. Schon Clemens von Alexandrien (Stromata II 67,4) identifizierte cathedra pestilentiae als „das Katheder oder den Lehrstuhl der Seuche“ mit Häresien. Er besetzt keine häretischen Lehrstuhl sozusagen, also keinen in den deutschsprachigen Ländern, obwohl wir nicht ausschließen wollen, dass es auch ein paar orthodoxe katholische Lehrstuhlinhaber gibt. Und wie fing es an? Mit dem Rat der Frevler und es endet mit einem häretischen Lehrstuhl. So einfach geht das.

[1] http://www.wildmind.org/blogs/quote-of-the-month/blaise-pascal-solitude

Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (1)

beatus vir

In unserer kleinen, nicht direkt angekündigten Reihe: „Was Sie schon immer über das Tridentinische Brevier wissen wollten, aber niemals zu fragen wagten“, antworteten wir auf die Frage: Welche Psalmen man dort am häufigsten betet, warum und warum gerade diese?

Welche Psalmen kommen am häufigsten vor?

Am häufigsten bei den häufigen Duplex-Festen und noch höheren Festen werden die Psalmen der Sonntagslaudes gebetet und zwar:

  1. Ps 99
  2. Ps 92
  3. Ps 62
  4. Ps 66
  5. Canticum der drei Jünglinge Dan 3, 57-75,56
  6. Ps 148
  7. Ps 149
  8. Ps 150

Warum gerade diese? Wahrscheinlich, weil diese die schönsten und die festlichsten Psalmen sind, sozusagen das Beste vom Besten. Natürlich wird täglich der Psalm 94, als Einführung zum Officium gebetet, ebenso wie täglich Psalm 118 und der Psalm 53 vorgesehen sind. Da aber die Feste in der Regel immer nur bis zur Non dauern, so hat man bei der Vesper viel weniger Wiederholung als bei den Laudes, da man die Vesper vom Folgefest oder Folgetag betet. Sollte sich jemand ein älteres, benutztes tridentinisches Brevier kaufen, so wird er sehen, dass gerade die Sonntagslaudes viel benutzt worden sind. Andere Teile weniger oder kaum. Natürlich sollte uns der Umstand freuen, dass ein Brevier, welches, wie das Tridentinische, im Jahre 1912 seine Gültigkeit verlor, uns bis heute erhalten geblieben ist, weil es eben wenig verwendet wurde. Aber bei evidenter Wenig-Benutzung von Teilen des erstandenen Breviers denkt man anfänglich entweder an die Acedia des Vorbeters oder an irgendwelche liturgischen Optionen. Kurz und gut: „die haben sich das Kürzeste und Leichteste ausgesucht, wie unsere Priester das zweite Hochgebet“. Aber diesen Gedanken sollte man sogleich verwerfen, da es beim Tridentinischen Brevier keine Optionen gibt. Es gibt nur Vorschriften und Gott sei Dank, dass es diese gibt. Um zu wissen, was von den Optionen kommt, brauchen sich nur Ihren Herrn Pfarrer anzuschauen, falls er sein Amt noch nicht aufgegeben hat. Dennoch werden im Tridentinischen Brevier manche Psalmen tatsächlich sehr oft uns manche sehr selten gebetet.

Der erste Psalm als die Grundlage des geistlichen Lebens

Obwohl der Psalm 94 täglich als Eingangspsalm gebetet wird und die o.a. Psalmen der Sonntagslaudes bei allen Festen vorkommen, so bleibt dem Schreiber dieser Zeilen und vielleicht nicht nur ihm der erste Psalm stark im Gedächtnis, der bei den Bekenner- und Märtyrer-Festen gebetet wird. Vielleicht geschieht es deswegen, weil es tatsächlich der erste „richtige“ Psalm nach dem Einführungspsalm ist. Wie bereits erwähnt, stellen die Psalmen der jeweiligen Feste das Heiligungsprogramm oder die Spiritualität des jeweiligen Standes dar. Denn andere Psalmen haben die Aposteln, andere Bekenner oder die Jungfrauen.[1]

Aber der erste Psalm ist auch der erste Psalm des Psalteriums überhaupt. Wir wissen im Moment nicht, wann, warum und wie die Psalmen nummeriert oder zusammengelegt worden sind, aber dies ist sicherlich vor der Übersetzung der LXX geschehen, also sicherlich vor 250 v. Chr. Liest man die Psalmen hintereinander, was tatsächlich, wie wir es in der „Geschichte des Breviers“ lesen werden, früher bei den Wüstenvätern und den frühen Klöstern täglich und zwar im Stehen stattfand, so entdeckt man bestimmte Themenblöcke, die mehrere Psalmen hintereinander andauern. Diese Erfahrung wird einem auch ein wenig beim Beten des Tridentinischen Breviers im Simplex-Modus zuteil, weil dort auch systematisch, gleichsam nummerisch gebetet wird.

Aber man fängt am Anfang, also bei der eins ein. Stellt denn der erste Psalm das Fundament des Psalters und damit des geistlichen Lebens dar? Wohl schon. Und was ist dieses Fundament? Die Weltflucht und die Isolation – am einfachsten ausgedrückt. Lesen wir uns den ersten Psalm zuerst auf Lateinisch und dann in der deutschen Übersetzung, wie sie auf divinum officium zu finden ist, durch:

Psalmus 1 [1]

1:1 Beátus vir, qui non ábiit in consílio impiórum, et in via peccatórum non stetit, * et in cáthedra pestiléntiæ non sedit:
1:2 Sed in lege Dómini volúntas ejus, * et in lege ejus meditábitur die ac nocte.
1:3 Et erit tamquam lignum, quod plantátum est secus decúrsus aquárum, * quod fructum suum dabit in témpore suo:
1:4 Et fólium ejus non défluet: * et ómnia quæcúmque fáciet, prosperabúntur.
1:5 Non sic ímpii, non sic: * sed tamquam pulvis, quem prójicit ventus a fácie terræ.
1:6 Ideo non resúrgent ímpii in judício: * neque peccatóres in concílio justórum.
1:7 Quóniam novit Dóminus viam justórum: * et iter impiórum períbit.

 

Psalm 1 [1]

1:1 Wie glücklich ist der Mensch, † der niemals mitläuft mit dem Frevlerhaufen und nicht stehen bleibt am Sünderwege, * sich auch nicht niederläßt, wo Missetäter sich versammeln,
1:2 Der aber Freude hat an dem Gesetze Gottes * und allezeit um sein Gesetz besorgt ist.
1:3 Ja, der wird wie ein Baum, der seine Wurzeln hat an Wasserbächen, * der reiche Frucht zur richt’gen Zeit hervorbringt,
1:4 Und dem kein Blättchen abfällt; * und alles, was er unternimmt, hat guten Fortgang.
1:5 Nicht also kann’s den Frevlern gehen, nicht also, * sie sind im Gegenteil wie Spreu, die überm Boden vor sich her der Wind davontreibt.
1:6 Nein, Frevler können doch zum Glück empor nicht kommen, * und Sünder werden nicht zusammen bleiben mit den Gottesdienern.
1:7 Denn segnend anerkennt der Herr das Tun der Guten, * der Weg der Bösen aber endigt im Verderben.

Die hebräische, griechische und lateinische Fassung der Psalmen

Der Psalm ist wirklich kurz. Es ist leicht ihn schnell auf Lateinisch auswendig zu lernen, da er recht rhythmisch ist. Schauen wir uns die Zeilen, in eigener Übersetzung, genauer an. Wir wollen hier ein paar Bemerkungen zum geistlichen Leben niederschreiben und keine Exegese dieses Textes bewerkstelligen. Vielleicht ist nicht allen unseren Lesern bekannt, dass die Vulgata, die vom Hl. Hieronymus im IV Jhd. übersetzt wurde und fast unverändert, nur ein wenig rhythmisiert, bis zum Vaticanum II den Weg in die Liturgie fand, aus der Psalmenversion der LXX (Septuaginta), also der griechischen Übersetzung der hebräischen Psalmen, vom Kirchenvater ins Lateinische übertragen wurde. Der Text der LXX stellte die Bibelsprache der jüdischen Diaspora seit mindestens 250 v. Chr. dar, da schon um die Jahrtausendwende immer weniger Juden hebräisch konnten, sondern in Palästina aramäisch sprachen, woanders aber das Alltagsgriechisch der Koine benutzten. Die LXX diente also nicht vornehmlich dazu die nichtjüdischen Heiden zu missionieren, sondern den Juden das Schriftverständnis zu erleichtern. Hebräisch bliebt die heilige Sprache der Liturgie und sogar Philo von Alexandrien (gest. 40 n. Chr.), einer der größten Mittelplatoniker und jüdischer Philosophen konnte um die Jahrtausendwende kein Hebräisch. Die Hebraisierung des Judentums oder die Rückhebraisierung der Schriften fand erst durch die Synode von Jamne/Jabne oder von Jamnia (um 95) statt,[2] als die Synagoge, wegen der Abgrenzung zu den Christen, beschloss nur solche Bücher des AT als kanonisch anzuerkennen, die auf Hebräisch verfasst wurden. Somit fielen einige Bücher des AT weg, sodass die Juden und die Protestanten denselben Kanon haben. Was die Psalmen aber anbelangt, so haben die Hebräischen und die LXX ganz andere Texte. Ebenso gibt es manche Passagen des AT, die ganz anders in der griechischen und in der hebräischen Fassung lauten und manchmal gibt es noch eine altsyrische Version dazu. Auch der hl. Hieronymus konnte dieses Problem der zwei verschiedenen Originaltexte nicht lösen und übersetzte einfach doppelt: die eine Psalmenenübersetzung aus dem Hebräischen und die anderen aus der LXX, sodass man bei der kritischen Vulgata-Ausgabe, der Biblia Sacra Vulgata von Weber-Gryson, tatsächlich parallel zwei Psalmenversionen hat und zwar Psalmi iuxta LXX (Psalmen nach der LXX) und Psalmi iuxta Hebr. (Psalmen nach der hebräischen Fassung). Aber die Bibel der Kirche war immer die LXX und niemals das Hebräische. Der Schreiber dieser Zeilen weiß nicht, ob die hebräische Psalmenversion in eine vorjamnische und eine nachjamnische Epoche zerfällt, denn er ist, was er verraten kann, kein Alttestamentler. Es bleibt aber festzuhalten, dass die ganze nachkonziliare „Übersetzung aus den Originalsprachen“, d.h. die Hebraisierung des Katholizismus absolut ohne Präzedenz ist. Die Kirche betete, wie vor ihr die jüdische Diaspora der Jahrtausendwende wohl auch auf Griechisch. Wie es um die Hebräischkenntnisse des Judentums vor der Tempelzerstörung im Mittelmeerraum stand, können wir nur mutmaßen. Philons von Alexandrien Beispiel nach zu urteilen wahrscheinlich nicht allzu gut und wahrscheinlich hat schon jemand darüber geforscht und etwas geschrieben. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass die Unterschiede, die man zwischen der Übersetzung der Einheitsübersetzung und beispielsweise unserer Übersetzung feststellen kann, daraus resultieren, dass die Einheitsübersetzung ebenfalls, natürlich politisch-nachkonziliar-korrekt aus dem Hebräischen übersetzt wurde und weder das Griechische der LXX noch das Lateinische der Vulgata wiedergibt. Und so kommen Unterschiede auf und der Teufel freut sich über die Verwirrung, zu der natürlich ein jeder Übersetzer mit seiner Fassung beiträgt.

[1] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/02/16/die-fastenzeit-das-abreichern-des-breviers/

[2] http://www.katholisches.info/2016/01/16/woher-kommen-die-aelteren-brueder-papst-franziskus-besucht-die-hauptsynagoge-von-rom/