Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Siebzehnter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des siebzehnten Sonntags nach Pfingsten

Mt 22, 34 – 46 Als die Pharisäer erfuhren, daß er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht habe, kamen sie zusammen. Und einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: „Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetze?“ Er antwortete ihm: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seeele und mit deinem ganzen Gemüte. Das ist das größte und erste Gebot. Das zweite ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ Als dann die Pharisäer beisammen waren, richtete Jesus an sie die Frage: „Was haltet ihr von Christus? Wessen Sohn ist er?“ Sie antworteten ihm: „Davids Sohn.“ Da sprach er zu ihnen: „Wie nennt ihn dann David im Geiste Herr, da er sagt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache (Ps. 109, 1)? Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er dann sein Sohn?“ Darauf konnte ihm niemand Antwort geben. Und von dem Tage wagte niemand mehr, ihm eine Frage vorzulegen.

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Johannes Chrysostomus.
Nachdem die Saddzuäer beschämt worden waren, treten wieder Pharisäer heran; und wo es richtiger gewesen wäre, ruhig zu bleiben, wollten sie einen Streit beginnen; und sie schicken einen, der sich als Gesetzeskundiger ausgab, vor, nicht in der Absicht, etwas zu lernen, sondern ihn auf die Probe zu stellen; und sie fragen also, welches das vornehmste Gebot im Bundesgesetze sei. Denn da das vornehmste das ist: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, waren sie der Meinung, daß er ihnen Anhaltspunkte herbeibringen würde zur Verbesserung dieses Gebotes durch irgend einen Zusatz, weil er sich als Gott ausgab, und stellen eine solche Frage. Was tut also Christus? Um zu zeigen, daß sie deshalb so weit vorgegangen seien, weil in ihnen nichs von der Liebe sei, sondern wei sie von neidischer Eifersucht verzehrt würden, sagt er: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; das ist das erste und größte Gebot. Das zweite aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‟

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr! verleih, das dein Volk allen Ansteckungen des Satans entkomme und Dir als dem einzigen Gott mit reinem Herzen zugethan sey! Amen.

Werbeanzeigen

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – 14. Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des vierzehnten Sonntags nach Pfingsten

Mt 6, 24 – 33 Niemand kan zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. So sage ich euch denn, seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer himmlicher Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Wer von euch kann mit seinen Sorgen seinem Leben auch nur eine Elle zusetzen? Und was seid ihr so ängstlich besorgt um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch, selbst Salomon in all seiner Pracht war nicht so gekleidet wie eine einzige von ihnen. Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Felde steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch Kleinmütige! Seid also nicht ängstlich besorgt und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Womit sollen wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, daß ihr dies alles nötig habt. Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden.

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Bischof Augustin.
Buch 2 über die Bergpredigt, Kap. 14.
„Niemand kann zwei zu Herren haben.“ Auf dieselbe Absicht ist auch das zu beziehen, was er im folgenden erklärt: „Denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich dem einen fügen und den anderen gar nicht beachten.“ Diese Worte sind genau zu beachten; denn wer die zwei Herren sind, zeigt er gleich darauf, wenn er sagt: „Ihr könnt nicht Gott zum Herrn haben und den Mammon.“ Mammon soll bei den Hebräern der große Besitz genannt werden; dazu passt auch das phönizische Wort: denn Gewinn wird im Phönizischen Mammon genannt.
V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr, sey stets ein gnädiger Beschützer deiner Kirche! und weil ohne deine Hilfe der schwache Sterbliche fällt, so zieh ihn durch deinen Beistand von dem zurück, was ihm schädlich ist, und führe ihn zu dem hin, was ihm heilsam ist! Amen.

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Dreizehnter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des dreizehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 17, 11 – 19 Auf der Reise nach Jerusalem zog er zwischen Samaria und Galiläa hin. Als er in einen Flecken hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben von Ferne stehen und riefen laut: „Jesus, Meister, erbarme dich unser!“ Als er sie sah, sprach er zu ihnen: „Geht hin und zeigt euch den Priestern!“ Während sie hingingen, wurden sie rein. Aber nur einer von ihnen kam zurück, als er sich geheilt sah, und lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor ihm nieder auf sein Angesicht und dankte ihm. Und der war ein Samariter. Da sprach Jesus: „Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der zurückkäme und Gott die Ehre gäbe, als dieser Fremdling?“ Und er sprach zu diesem: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gesund gemacht.“

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Bischof Augustin.
Buch 2 über Fragen aus dem Evang.
Betreffs der zehn Aussätzigen, die der Herr dadurch rein machte, dass er sagte „Geht und zeigt euch den Priestern“, kann man fragen, weshalb er sie zu den Priestern sandte, damit sie auf dem Wege rein würden. Es wird nämlich bei keinem von solchen, denen er leibliche Wohltaten spendete, betont, dass er ihn zu den Priestern gesandt habe, mit Ausnahme der Aussätzigen. Denn auch jenen hatte er vom Aussatz gereinigt, dem er sagte „Geh, zeig dich den Priestern und bring für dich das von Moses vorgeschriebene Opfer, um dich bei ihnen auszuweisen.“ Man muss deshalb fragen, was der Aussatz selbst zu bedeuten habe; denn nicht Geheilte, sondern Gereinigte werden diejenigen genannt, die von ihm frei wurden. Er gilt also als ein Gebrechen an der Hautfarbe, nicht an deren Gesundheitszustand oder an der Unversehrtheit der Sinne oder Glieder.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig. R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Allmächtiger Gott, vermehre in uns den Glauben, die Hoffnung und Liebe, und damit wir deiner Verheißungen theilhaftig werden, so laß uns deine Gebote von Herzen lieben! Amen.

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Zwölfter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des zwölften Sonntags nach Pfingsten

Lk 10, 23 – 37 (Nachdem Jesus gebetet hatte) wandte er sich an seine Jünger besonders und sprach: „Selig die Augen, die sehen, was ihr seht! Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und sahen es nicht, wollten hören, was ihr hört, und hörten es nicht.“ Und siehe, ein Gesetzeslehrer erhob sich, um ihn auf die Probe zu stellen. Er fragte: „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ Er sprach zu ihm: „Was steht im Gesetze geschrieben? Wie liest du?“ Jener antwortete: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit allen deinen Kräften und mit deinem ganzen Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Er sprach zu ihm: „Du hast recht geantwortet. Du das, wo wirst du das Leben haben.“ Jener aber wollte sich rechtfertigen und fragte Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“ Da nahm Jesus das Wort und sprach: „Ein Mann ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber. Diese plünderten ihn aus, schlugen ihn wund ließen ihn halbtot liegen und gingen davon. Zufällig zog ein Priester denselben Weg hinab. Er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam auch ein Levit dorthin, sah ihn und ging vorüber. Auch ein Samariter kam auf seiner Reise in seine Nähe. Als er ihn sah, ward er von Mitleid gerührt. Er trat zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Lasttier, brachte ihn in eine Herberge und sorgte für ihn. Am andern Tage zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Write mit den Worten: Sorge für ihn; was du noch darüber aufwendest, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme. Wer von den dreien hat wohl als Nächster gehandelt an dem, der unter die Räuber gefallen war?“ Jener antwortete: „Der ihm Barmherzigkeit erwiesen hat.“ Und Jesus sprach zu ihm: „Geh hin und tu desgleichen!“

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Priester Beda dem Ehrwürdigen.

Nicht die Augen der Schriftgelehrten und Pharisäer, die nur den Leib des Herrn sehen, sondern jene Augen sind selig, die seine verhüllten Schätze sehen können, von denen es heißt: „Und du hat sie den Kleinen enthüllt“. Selig sind die Augen der Kleinen, denen der Sohn in seiner Herablassung den Vater und sich enthüllt. „Abraham hüpfte auf, als er den Tag, an dem Christus sich offenbart, zu sehen bekam; und er sah ihn und hatte große Freude.“ Auch Isaias und Michäas und viele andere Propheten sahen die Herrlichkeit des Herrn, die deshalb auch Seher genannt wurden; aber alle diese, die ihn aus der Ferne schauten und grüßten, sahen ihn durch einen Schleier und in einem Rätsel.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig. R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Barmherziger Gott, durch dessen Gnade deine Gläubigen Dir würdig und wohlgefällig dienen; wir bitten Dich, verleih, daß wir nach deinen Verheissungen eifrig streben und die aufstossenden Hindernisse überwinden! Amen.

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Elfter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des elften Sonntags nach Pfingsten

Mk 7, 31 – 37 Jesus zog aus dem Gebiete von Tyrus wieder weg und kam über Sidon an den Galiläischen See, mitten durch das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu ihm und bat, ihm die Hand aufzulegen. Er nahm in vom Volke abseits, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte sein Zunge mit Speichel. Dann blickte er seufzend zum Himmel auf und sprach zu ihm: „Effetha“, das heißt: „Tu dich auf!“ Sogleich öffneten sich seine Ohren, und das Band seiner Zunge löste sich, und er konnte richtig sprechen. Er verbot ihnen aber, irgend jemand eitwas davon zu sagen. Doch je strenger er es ihnen verbot, desto eifriger erzählten sie es. Aus höchste erstaunt, sagten sie: „Er macht alles aut: Die Tauben macht er hören und die Stummen reden.“

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Papste Gregor. Was ist der Grund, dass Gott, der Schöpfer des Alls, als er einen Taubstummen heilen, wollten, in dessen Ohre seine Finger hineinlegte und mit Speichel seine Zunge berührte? Was wird durch die Finger des Heilands anders bezeichnet als die Gaben des Heiligen Geistes? Deshalb sagt er, als er bei einer anderen Gelegenheit einen Teufel ausgetrieben hatte: „Wenn ich durch den Finger Gottes die Teufel austreibe, dann ist ja wahrhaftig zu euch das Gottesreich gekommen.“ Über diesen Vorgang hat der Herr nach Aufzeichnung eines anderen Evangelisten gesagt: „Wenn ich im Geiste Gottes die Teufel austreibe, ist also unter euch das Gottesreich gekommen“. Aus diesen beiden Stellen erkennt man, dass als Finger der Geist bezeichnet wird. Die Finger also in das Ohr hineinlegen, heißt: die die Gaben des heiligen Geistes den Sinn des Tauben zum Gehorchen wecken.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig. R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Allmächtiger ewiger Gott! der Du mit deiner Güte Fülle der Bittenden Verdienste und Wünsche übertriffst: gieße aus über uns deine Barmherzigkeit, um uns nachzulassen, was unser Gewissen fürchtet, und zu ertheilen, was wir zu begehren uns nicht getrauen! Amen.

 

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Zehnter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des zehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 18, 9 – 14 Zu einigen, die sich für gerecht hielten und die andern verachteten, sprach Jesus folgendes Gleichnis: „Zwei Menschen gingen in den Tempel um zu beten. Der eine war ein Parisäer, der andere ein Zöllner. Der Parisäer stellte sich hin und betete bei sich: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder wie der Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, was ich besitze. Der Zöllner aber blieb von ferne stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an sene Brust und betete: Gott sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch, dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht. Denn wer sich erhöht, wird erniedrigt, wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.“

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Bischof Augustin:

Wenn doch der Pharisäer wenigstens sagen wollte: Ich bin nicht wie viele Menschen. Was heißt das: „Die übrigen Menschen“ anders als alle mit der Ausnahme von ihm selbst? Ich, sagt er, bin ein Rechtschaffener, die übrigen sind Sünder. „Ich bin nicht wie die übrigen Menschen, die Ungerechten, die Räuber, die Eheschänder.“ Und man kann’s sehen: von dem in der Nähe anwesenden Zöllner kommt die Veranlassung zu noch weiterer Überhebung. „So wie“, sagt er, „dieser Zöllner dort.“ Ich, sagt er, bin allein; er ist von den übrigen. Ich bin nicht so, sagt er, wie dieser, auf Grund meines gerechten Handelns, demgemäß ich kein Sünder bin.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig. R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

O Gott! der Du deine Allmacht am herrlichsten dadurch offenbarst, daß Du der Sünder schonest, und gegen sie barmherzig bist: laß uns deine Barmherzigkeit immer mehr zufließen, damit wir dem, was Du uns versprochen hast, stets eifrig nachstreben und der himmlischen Güter durch Deine Hilfe theilhaftig werden! Amen.

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Achter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des achten Sonntags nach Pfingsten

Lk 16, 1 – 9 Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm angeschuldigt, er verschleudere sein Vermögen. Er rief ihn zu sich und sprach zu ihm: Was muss ich von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung; du kannst nicht länger mein Verwalter bleiben. Da dachte der Verwalter bei sich: Was soll ich anfangen, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tue, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich der Verwaltung enthoben bin. Er ließ nun die Schuldner seines Herrn einzeln zu sich kommen. Den ersten fragte er: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Der antwortete: Hundert Krüge Öl. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schein und schreibe schnell: fünfzig. Einen anderen fragte er: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Malter Weizen. Zu dem sprach er: Nimm deinen Schein und schreibe: Achtzig. Der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil der klug gehandelt habe. – Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Auch ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon. Sie werden euch dann, wenn er zu Ende geht, in die ewigen Wohnungen aufnehmen.

Predigttext des Kirchenvaters

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig. R. Gott sei Dank gesagt.

Auslegung vom heiligen Priester Hieronymus:

Wenn der Verwalter des ihm nicht recht gehörenden Mammons in den Worten des Herrn Anerkennung findet, daß er durch jenes unrechte Tun sich ein rechtes Dasein verschafft hat, und wenn der geschädigte Herr den Zukunftsblick des Verwalters hervorhebt, daß er wohl gegen den Herrn in trügerischer Weise, aber für sich vorsorgend gehandelt habe, um wieviel mehr wird Christus, der keinen Schaden erleiden kann und zur Güte geneigt ist, seine Jünger loben, wenn sie denen gegenüber, die an ihn glauben, barmherzig sind?

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr! gib uns deinen Geist, damit wir allezeit nur das denken und thun, was recht ist, damit wir, die wir ohne Dich nicht seyn können, nach deinem Wohlgefallen leben mögen! Amen.

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Siebter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des siebten Sonntags nach Pfingsten

Mt 7, 15 – 21 Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen in Schafskleidern zu euch, innen aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen. Sammelt man von Dornbüschen Trauben oder von Disteln Feigen? So trägt jeder gute Baum gute Früchte; ein schlechter Baum aber trägt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte tragen und ein schlechter Baum nicht gute Früchte. Jeder Baum, der nicht gute Frucht trägt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also könnt ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! Wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist (wird in das Himmelreich eingehen).

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Bischof Hilarius:

Die lockenden Worte und die geheuchelte Sanftmut muß seiner Mahnung gemäß nach den Früchten ihrer Tätigkeit abgewogen werden, so daß wir nicht drauf achten, wie sich einer in den Worten darstellt, sondern wie er sich in den Werken gibt; denn bei vielen wird durch die Schafskleidung die Raubgier eines Wolfes verdeckt. Also wie die Dornen keine Trauben, wie die Disteln keine Feigen hervorbringen, und wie schlechte Bäume keine nützlichen Früchte tragen, so lehrt er, kann in solchen nicht einmal die Möglichkeit eines guten Werkes bestehen, und deshalb sind alle nach ihren Früchten zu beurteilen. Das Himmelreich erreicht nämlich nicht der Dienst mit bloßen Worten; und es wird auch nicht derjenige, der da sagt: Herr, Herr, dessen Besitzer.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig. R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Gott! dessen Vorsehung, ohne je zu irren, in allem, was sie ordnet, zum Ziele kömmt; wir bitten Dich demüthig, wende alles von uns ab. was uns schädlich ist, und verleih, was zu unserm wahren Nutzen gereicht! Amen.

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – Sechster Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des sechsten Sonntags nach Pfingsten

Mk 8, 1 – 9 In jenen Tagen war wieder eine große Volksschar zusammen und hatte nichts zu essen. Da rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen. „Mich erbarmt des Volkes; schon drei Tage harren sei bei mir aus und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause gehen lasse, so brechen sie unterwegs zusammen; denn manche von ihnen sind weit hergekommen.“ Seine Jünger erwiderten ihm: „Woher soll jemand hier in der Wüste Brot nehmen, um sie zu sättigen?“ Er fragte sie: „Wieviel Brote habt ihr?“ Sie antworteten: „Sieben.“ Nun hieß er das Volk sich auf dem Boden lagern. Dannn nahm er die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, sie sollten sie dem Volke vorsetzen. Und sie setzten sie vor. Sie hatten auch einige Fischlein. Er segnete sie und ließ sie vorsetzen. Und sie aßen und wurden satt. Von den Stücklein, die übriggeblieben waren, hoben sie noch sieben Körbe auf. Es waren gegen viertausend (die gegessen hatten). Und er entließ sie.

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Bischof Ambrosius:

Nachdem die Frau, die das Bild der Kirche in sich trägt, von dem Blutfluss gereinigt worden war, und nachdem die Apostel zur Verkündigung der Botschaft vom Gottesreich bestimmt worden waren, wird Versorgung mit Brot, das himmlische Gnade bezeichnet, gewährt. Aber man beachte, wem sie gewährt wird. Nicht den Müßigen, nicht den in den Städten wie in einer Volksversammlung oder wie in der Ausübung eines weltlichen Amtes Sitzenden, sondern denen, die Christus außerhalb der Städte suchen. Die nämlich vor ihm keine Abneigung haben, die werden von Christus aufgenommen, und mit ihnen redet er, der Gottes Wort ist, nicht von weltlichen Dingen, sondern vom Reiche Gottes. Und die am Leibe Leidenswunden tragen, diesen gewährt er gerne seine Arznei.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig. R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

O Gott! von dem alle Kraft und alles Gute herkommt, flöße unsern Herzen die Liebe deines Namens ein; laß alles Gute an deiner Gnade Nahrung und an unserm Eifer Haltung finden! Amen.

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Festtage I

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
Lk 1:57-69

Für Elisabeth erfüllten sich ihre Tage, und sie gebar einen Sohn. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr ihr große Huld erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. am achten Tage kamen sie, das Kind zu beschneiden, und wollten es nach seines Vaters Namen Zacharias nennen. Doch seine Mutter entgegnete: „Nein, Johannes soll es heißen.“ Sie sagten zu ihr: „Es trägt doch niemand in deiner Verwandtschaft diesen Namen.“ Nun winkten sie seinem Vater, wie er es genannt wissen wollte. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf die Worte: „Johannes ist sein Name.“ Alle wunderten sich darüber. In demselben Augenblicke ward sein Mund geöffnet und seine Zunge gelöst. Er konnte sprechen und pries Gott. Da kam Furcht über alle, die in der Nähe wohnten, und im ganzen Gebirge von Judäa sprach man von all diesen Begebenheiten. Alle, die davon hörten, überdachten sie im Herzen und sagten: „Was wird wohl aus diesem Kinde werden?“ Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Zacharias, sein Vater, wurde vom Heiligen Geiste erfüllt und sprach die prophetischen Worte:

Gepriesen sei der Herr, Israels Gott!

Heimgesucht hat er sein Volk,

Ihm Erlösung bereitet.

Ein Horn des Heils hat er errichtet für uns

Im Hause seines Knechtes David.

4. Lesung, Predigt vom Heiligen Bischof Augustin:

Nach jenem hochheiligen Geburtstag des Herrn lesen wir von keinem Menschen, daß seine Geburt gefeiert wird, als allein vom heiligen Johannes dem Täufer. Von anderen Heiligen und von Gott auserwählten Personen wissen wir, daß der Tag gefeiert wird, an dem sie dieses Leben nach Beendigung der Mühen und nach siegreichem Triumph über die Welt zum nie endenden Ewigkeitsleben einziehen läßt. Bei anderen werden die am letzten Tage beendeten Verdienste gefeiert; bei diesem ist auch der erste Tag und selbst der Anfang des menschlichen Daseins geheiligt, zweifellos aus dem Grunde, weil der Herr wollte, daß seine Ankunft beglaubigt würde durch ihn, damit ihm die Leute bei einem plötzlichen und unerhofften Kommen die Anerkennung nicht versagten. Johannes war aber ein Bild des Alten Testamentes und trug an sich ein Nachbild des altbundlichen Gesetzes. Und darum kündigte Johannes den Heiland an, wie der Alte Bund dem Bund der Gnade voranging.

5. Lesung:

Wenn er aber noch vor der Geburt aus der Verborgenheit im Mutterschoße göttliches Wissen zeigte, und ohne das Licht zu sehen, ein Zeuge für die Wahrheit ist, so ist das in dem Sinne zu verstehen, daß der unter der Hülle und unter dem leblosen Buchstaben Verborgene uns sowohl den Heiland mit reinem Geist geoffenbart, als auch unseren Herrn uns aus dem altbundlichen Gesetz gleichsam wie aus einem Schoß bekannt gemacht hat. Weil also die Juden vom Mutterschoße abirrten, d. h. vom Gesetze, welches mit Christus angefüllt war, irrten sie auch ab vom Schoße und redeten Falsches; und darum kam dieser zur Beglaubigung, um denjenigen zu beglaubigen, der das Licht war.

6. Lesung:

Wenn aber der im Kerker weilende Johannes seine Jünger zum Herrn gehen läßt, so ist er gleichsam der Alte Bund, der auf das Evangelium hinweist. Dieser Alte Bund war gemäß dem Bilde in Johannes gleichsam im Kerker der Unwissenheit gefangen und lag im Dunkeln und im Verborgenen, und durch die Blindheit der Juden wurde der Sinn innerhalb des Buchstabens eingeschlossen gehalten. Davon redet der heilige Evangelist: Er wear eine leuchtende Fackel, d. h. angezündet vom Feuer durch den Heiligen Geist, damit er der von der Nacht der Unwissenheit festgehaltenen Welt das heilbringende Licht zeigte und gleichsam bei der  dichtesten Finsternis des Sünden auf die gar glanzvolle richtige Sonne mit seinem Lichtstrahl hinwies; und so sagte er auch von sich selbst: „Ich bin die Stimme des Rufers in der Wüste.“

Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet Band II, S. 903 ff.