Tradition und Glauben

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln.

Da wir nicht sicher sind, ob dieser Text veröffentlicht wurde, so veröffentlichen wir ihn nochmals. Er gibt Informationen über den Biblizismus des Papstes Franziskus, welcher in der ganzen Amoris laetitia durchscheint. Eine erneute Lektüre dieses Textes wird sicherlich niemanden schaden. Anbei der dritte Teil der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar, Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert. Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so endete dies damit den Launen der Reformatoren nachzugeben, welche als die letzte Instanz nicht nur ausschließlich über den Sinn des Wortes Gottes, sondern auch über den Fakt dieses Wortes entscheiden. So fand Martin Luther, dass Pantheismus, Nutzlosigkeit der guten Werke und Genügsamkeit der Gnade diejenigen Dogmen sind, die in seinem System etabliert werden müssen. Daher erklärte er, dass der Jakobusbrief ein Strohbrief und kein kanonischer Brief sei. Er tat dies einzig und allein deswegen, weil durch eben diesen Brief die Notwendigkeit der guten Werke für das Heil gelehrt wird. In allen Zeiten und unter [der Verwendung] aller Formen wird es dasselbe sein: keine kirchlichen Formeln; die Schrift allein, aber interpretiert, aber ausgewählt, aber präsentiert durch diejenigen, welche darin ihren Nutzen der Neuerung finden. Dieser Falle ist aber für die einfachen Gläubigen gefährlich, die erst nach einer längeren Zeit wahrnehmen, dass sie getäuscht worden sind und dass das Wort Gottes, dieses zweischneidige Schwert, wie der Apostel sagt, ihnen große Wunden zugefügt hat, denn es wurde manipuliert durch die Söhne der Verderbnis. Kommentar Hier sehen wir den eigentlichen Grund des protestantischen, jansenistischen und nachkonziliaren Biblizismus. Denn beschränkt man sich auf die Schrift allein (sola Scriptura) oder vornehmlich auf die Schrift, so kann man sie auslegen, wie es einem gerade passt. Wie man aus der Versuchung Christi ersehen kann, kennt der Widersacher Gottes die Schrift sehr gut und setzt sie auch geschickt ein. Deswegen hat...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 8 von 8. Ohne die Wandlung des Blutes ein unvollkommenes Sakrament?

  Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3 8. Ohne Wandlung des Blutes ein unvollkommenes Sakrament? Über die doppelte Wandlung und ihre Notwendigkeit schreibt der Aquinate (Summ. Theol. III, Q. 76, a.2) folgendes: Zweiter Artikel. Der ganze Christus ist unter einer jeden der zwei Gestalten. [Manche sagen, dass ] a) „Dem steht Folgendes entgegen: I. Das ganze Sakrament dient kraft seines Inhalts dem Nutzen der Gläubigen, nicht kraft der äußeren Gestalten. Ist aber der nämliche Inhalt unter einer jeden von beiden Gestalten, so ist eine völlig überflüssig. II. Unter dem Ausdrucke „Fleisch“ sind hier auch die anderen Teile des Körpers einbegriffen wie die Nerven, Knochen etc. Nun ist das Blut ein solcher Teil des Körpers. Ist also das Blut enthalten auch unter der Gestalt des Brotes, so dürfte es nicht getrennt konsekriert werden, wie auch andere Teile des Körpers nicht getrennt konsekriert werden. III. Was bereits da ist, kann nicht von neuem werden. Der Körper Christi aber ist bereits zugegen nach der Konsekration des Brotes. Also kann er nicht von neuem anfangen, zugegen zu sein bei der Konsekration des Weines. Somit ist unter der Gestalt des Weines nicht der Körper Christi und somit nicht der ganze Christus. [Gegenargument einer Autorität von Thomas zitiert]: Auf der anderen Seite erklärt zu 1. Kor. 1l. (et calicem) die Glosse: „Unter jeder von beiden Gestalten nehmen wir das Nämliche.“ [Thomas eigene Antwort] b) Ich antworte; mit höchster Gewißheit sei festzuhalten, daß unter einer jeden von beiden Gestalten der ganze Christus sei; aber je in anderer Weise (sub utraque specie sacramenti totus est Christus, aliter tamen et aliter). Denn unter der Gestalt des Brotes ist der Leib Christi kraft des Sakramentes, das Blut kraft thatsächlichen Begleitens (Nam sub speciebus panis est quidem corpus Christi ex vi sacramenti, sanguis autem ex reali concomitantia). Unter der Gestalt des Weines aber ist das Blut Christi kraft des Sakramentes, der Leib Christi kraft thatsächlichen Begleitens. (Sub speciebus vero vini est quidem sanguis Christi ex vi sacramenti, corpus autem Christi ex reali concomitantia). Da also jetzt Blut und Leib in Christo thatsächlich geeint sind, ist unter jeder Gestalt der ganze Christus: Fleisch und Blut. Hätten aber die Apostel in den drei Tagen, dass Christi Leib vom Blute getrennt war das Geheimnis gefeiert, so wäre unter der Gestalt des Brotes nur der Leib gewesen, nicht aber das Blut; und unter der Gestalt des...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 7 von 8. Die Wandlung vollzieht sich nach Thomas augenblicklich

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.4.2 7. Die Wandlung vollzieht sich nach Thomas augenblicklich Wie bereits erwähnt erfolgt die Wandlung nach Thomas (Summ. Theol, III, q. 75 a.7) augenblicklich und nicht erst sukzessiv. Der Originalton Thomas von Aquin lautet: Siebenter Artikel. Die Umwandlung in der Eucharistie vollzieht sich im Augenblicke. [Manche sagen, dass] a) Sie vollzieht sich nach und nach. Denn: I. In dieser Wandlung ist die Substanz des Brotes und nachher die Substanz des Leibes Christi. Nicht aber sind sie beide zusammen da im selben Augenblicke. Also sind dies zwei Augenblicke und somit ist dazwischen eine gewisse Zeit, was dasselbe ist wie eine allmähliche Verwandlung. II. Bei jeder Wandlung besteht ein Werden und ein Geschehensein. Dieses Beides aber besteht nicht zugleich. Denn was wird, ist noch nicht geschehen. Also ist da ein Vorher und Nachher und somit eine Entwicklung. III. Dieses Sakrament wird durch die Rede vollbracht (Ambr. 4. Sacr. 4.). Die Rede aber wird nach und nach ausgesprochen. [Gegenargument einer Autorität, von Thomas zitiert] Auf der anderen Seite wird diese Wandlung vollbracht durch unendliche Kraft, der es entspricht, daß ihre Wirkung im Augenblicke da sei und keinerlei Zeit bedürfe. [Thomas eigene Antwort] b) Ich antworte, es gebe eine Veränderung im Augenblicke in dreifacher Weise: Von seiten der Form, welche der Abschlusspunkt ist für die Veränderung. Denn falls eine solche Form oder Eigenschaft ein Mehr oder Minder in sich zuläßt, so wird sie nach und nach vom betreffenden Subjekte erlangt, wie z. B. die Gesundheit. Die substantiale Wesensform aber läßt in sich kein Mehr und Minder zu; es ist z. B. jemand Mensch oder er ist dies nicht. Also erhält der Stoff sie im Augenblicke. Von Seiten des Subjekts oder des Trägers. Bisweilen ist da ein allmähliches Empfangen, wie das Wasser nach und nach warm wird; bisweilen ein plötzliches, wie das Durchscheinende, weil vollständig vorbereitet, auf einmal erleuchtet wird. Von Seiten der wirkenden Kraft, die unendlich ist, so daß sie im Augenblicke den Stoff vorbereitet für das Aufnehmen der Form, nach Mark. 7., wo, nachdem der Herr gesagt: „Ephpheta, was ist, öffne dich,“ sogleich „geöffnet worden sind die Ohren des Menschen und gelöst ward das Band seiner Zunge.“ Nun handelt es sich hier 1. um eine substantiale Form; 2. besteht kein Subjekt oder Träger für diese Wandlung im Sakramente; 3. ist die wirkende Kraft unendlich. Also ist dieselbe im Augenblicke....

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 6 von 8. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.   Kommentar 3.4 6. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre Für die Gültigkeit der Novus Ordo Messe auch beim fehlerhaften Blutwort spricht auch die scholastische Konkomitanzlehre. Laut der Konkomitanzlehre ist durch die Wandlungsworte in jeder heiligen Gestalt der ganze Christus enthalten. Dies bedeutet Jesus Christus von Nazareth, Gott und Mensch, ist mit Leib und Seele, Menschheit und Gottheit sowohl im Wein als auch im Brot wesenhaft unter sakramentalen Gestalten enthalten. Deswegen ist es zulässig nur unter einer Gestalt zu kommunizieren, weil man dadurch die gesamte sakramentale Fülle Christi zu sich nimmt und durch die eine sakramentale Gestalt nichts „verpasst“. So spricht das Konzil von Florenz (1439) im Dekret für die Armenier: „Die Form dieses Sakrament des sind die Worte des Erlösers, mit denen er dieses Sakrament vollzog; der Priester vollzieht dieses Sakrament nämlich, in dem er in der Person Christi spricht. Denn Kraft der Worte selbst wird die Substanz des Brotes in den Leib Christi und die Substanz des Weines in das Blut verwandelt, jedoch so, dass Christus in der Gestalt des Brotes ganz enthalten ist und ganz in der Gestalt des Weines. Auch in jedem beliebigen Teil der konsekrierten Hostie und des konsekrierten Weines ist nach der Teilung Christus ganz.“ (DH 1321) Mit „Teilung“ ist hier die Brotbrechung und die Mischung der Heiligen Gestalten, wie sie in jeder Messe stattfindet, gemeint. Auf dem Konzil von Florenz fußend, kann das Konzil von Trient feststellen: „Kann. 3 Wer leugnet, dass im ehrwürdigen Sakrament der Eucharistie unter jeder der beiden Gestalten und – nach erfolgter Trennung – unter den einzelnen Teilen jeder Gestalt der ganze Christus enthalten ist: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 1653) „Deswegen ist es ganz wahr, dass ebenso viel unter einer der beiden Gestalten wie unter beiden enthalten ist. Ganz und unversehrt ist nämlich Christus unter der Gestalt des Brotes und unter jedwedem Teil ebendieser Gestalt, ganz ebenso unter der Gestalt des Weines und unter seinen Teilen“. (DH 1641) Kurz und gut: nach der erfolgten Konsekration des Brotes und des Weines ist der ganze Christus sowohl im Wein als auch im Brot enthalten. Man könnte aber fragen: Nach welcher Konsekration konkret? Ist damit: die Konsekration des Brotes? die Konsekration des Weines? oder aber die Konsekration des Brotes und des Weines gemeint? Anders formuliert, lässt sich fragen, ob das Sakrament der Eucharistie erst dann stattfindet, wenn...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 5 von 8. Das Blutwort nach Thomas von Aquin

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3.2 5. Das Blutwort nach Thomas von Aquin Ferner behauptet der Aquinate zum Thema Konsekration des Blutes in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[1]: „ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […] Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […] Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorksten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen Messe infrage stellt,[2] unrecht, obwohl sie es, aufgrund der von ihr verlegten Dogmatik von Diekamp-Jüssen, eigentlich besser wissen sollte. Besser wissen sollte es auch Pfr. Cekada,[3] der in der Ungültigkeitsthese Henry Omlor folgt, welcher den berühmten Traktat mit dem Titel Questioning the Validity oft he Masses using the New All-English Canon verfasste.[4] Der Schreiber dieser Zeilen hat Omlor noch nicht gelesen, da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant. Dufgrund der katholischen Dogmatik kann keine Ungültigkeit der Wandlungsworte wegen der fehlerhaften Form „für viele“ behauptet werden. [1] Übersetzung ist hier zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel784-1.htm [2] Diese Schlussfolgerung kann man aus der folgenden Lektüre

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 4 von 8. Hl. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3.1 4. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes Die ganze, in Kommentar 3.3 zitierte Thomas-Passage (Summ. Theol. III, 78, q.3), die als solche lesenswert ist und welche wir deswegen in Originalton Thomas unten anführen, lautet wie folgt: Dritter Artikel. Diese Form: „Dies ist der Kelch meines Blutes“, ist höchst zukömmlich. a) Dagegen spricht Folgendes: Es müßte hier heißen, wie in der anderen Form: „Dies ist mein Leib;“ so: „Dies ist mein Blut.“ Also unzulässigerweise steht als direktes Prädikat da: „der Kelch.“ Die Konsekrationsworte des Blutes sind nicht minder wirksam wie die des Leibes. Sogleich aber nachdem gesagt ist: „Dies ist mein Leib,“ ist der Leib Christi gegenwärtig. Hier aber scheint dies nicht der Fall zu sein, da noch andere Worte hinzugefügt werden; oder diese letzteren sind überflüssig. III. Das Neue Testament gehört zur innerlichen Einsprechung, nach Jerem. 31.: „Vollenden werde ich über das Haus Israel das Neue Testament …, indem ich die Gesetze ihnen ins Herz legen werde.“ Ein Sakrament aber wird in nach außen sichtbarer Weise vollendet. Also steht hier unzulässigerweise: „des Neuen Testamentes.“ „Neu“ wird etwas genannt, weil es nahe am Anfange seines Seins ist; — „ewig“, weil es keinen Anfang hat. Also wird hier unzulässigerweise Beides verbunden, indem es heißt: „des Neuen und ewigen Testamentes.“ Die Gelegenheiten des Irrtums sind dem Volke hinwegzunehmen, nach Isai. 57, 14. Viele aber irrten und meinten, nur in mystischer Weise sei hier Leib und Blut des Herrn gegenwärtig. Also darf man nicht sagen: „Mysterium des Glaubens.“ [S. 190] VI. Wie die Taufe das Sakrament des Glaubens ist, so ist die Eucharistie das Sakrament der Liebe. Also durfte hier nicht der Glaube Erwähnung finden.VII. Das ganze Sakrament der Eucharistie, Leib und Blut, ist ein Andenken des Leidens Christi, nach I. Kor. 11.: „So oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, werdet ihr den Tod des Herrn verkündigen.“ Also durfte nicht vorzugsweise in der sakramentalen Form für das Blut das Leiden Christi erwähnt werden; während doch der Herr sagt (Luk. 22.): „Das ist mein Leib, der für euch wird dahingegeben werden.“VIII. Das Leiden Christi ist hinreichend nützlich für alle; und ist thatsächlich wirksam für viele. Also durfte hier nicht gesetzt werden: „Welches vergossen worden für euch und für viele,“ sondern es mußte einfach heißen „für alle“ oder „für viele“ ohne das „für euch.“IX. Kein Evangelist...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 3 von 8. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentenform unerheblich

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3 3. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentform unerheblich Obwohl die richtige Version der Wandlungsworte „für viele“ und nicht „für alle“ heißt, so ist dennoch diese Änderung für die eigentliche Form des Sakraments unerheblich. Es gilt unter Theologen als eine sententia certa, d.h. eine sichere Meinung,[1] das wesentlich für die gültige Form des Sakraments nur die Worte: Hoc est corpus meum („Dies ist mein Leib“) und Hic est calix sanguinis mei („Dies ist der Kelch meines Blutes“) oder Hic est sanguis meus („Dies ist mein Blut“) sind und nicht das Drumherum.[2] Die Dogmatik von Diekamp-Jüssen stellt die bisherige Lehre zusammenfassend, vgl. Thomas, Summ. Theol. Q. 78, a.1, wie folgt dar: „Diese Worte bezeichnen klar und bestimmt, was durch die Konsekration bewirkt wird. Die vorausgehenden und folgenden Worte auch das enim [„nämlich“ bei der Konsekrationsform der tridentinischen Messe], sind hierfür unerheblich. Es wäre zwar sündhaft, sie auszulassen; aber die Gültigkeit hängt nicht von ihnen ab. Die Worte bei der Konsekration des Kelches: novi et aeterni testamenti [„des neuen und ewigen Bundes“], mysterium fidei [„Geheimnis des Glaubens“], qui pro vobis et pro multis effundetur in remissionem peccatorum [„das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“] zeigen nach Thomas Summ. Theol. III. Q. 73 a.3 drei Wirkungen des beim Leiden Christi vergossenen Blutes an, nämlich (ad 1) die Erlangung der ewigen Erbschaft, (ad 2) die Rechtfertigung durch den Glauben (ad 3) und die Nachlassung der Sünden.“ [3] Der Hl. Thomas von Aquin vertritt zwar die Meinung, dass (1) bis (3) die Worte de substantia formae seien, was in etwa mit „von der Substanz her die Form betreffend“ übersetzt werden kann. Dies ist aber so zu verstehen, dass Thomas, entgegen einigen späteren Thomisten, zwischen der sakramentalen Form im engeren Sinne (sensu stricto) und der sakramentalen Form im weiteren Sinne (sensu lato) unterscheidet. Nur die Erstere, d.h. die Form sensu stricto: „Dies ist mein Leib“, „Dies ist mein Blut“ wesentlich für die Gültigkeit der Form ist. Wohingegen die Letztere, d.h. die Form sensu lato, zwar die Würdigkeit, aber nicht das Wesen des Sakraments selbst betrifft. Dies ist die Auslegung des Schreibers dieser Zeilen, welcher hier mit Diekamp-Jüssen und anderen konform geht.[4] Wie auch bei anderen theologischen Problemen lautet die Lösung ite ad Thomam, d.h. „geht zur Thomas“, der in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 2 von 8. Gültigkeit der Messe beim veränderten Blutwort?

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.2 2. Gültigkeit der Messe beim veränderten Blutwort? Das Blutwort „für alle“ ist also biblisch, theologisch und von der Logik und gesunden Menschenverstand her schlichtweg falsch. Es stellt sich daher die Frage, ob die Sakramentenform durch das neue Blutwort („für alle“) dermaßen stark verändert worden ist, dass das Sakrament selbst und somit die ganze Neue Messe ungültig ist? Denn wie wir hoffentlich aus der Sakramententheologie wissen, muss die Form und Materie des Sakraments unverändert beibehalten werden, damit ein Sakrament stattfindet. Obwohl das Blutwort verändert worden ist, so betrifft dennoch diese Änderung nicht die sakramentale Form sensu stricto. Dies bedeutet, dass auch bei verändertem Blutwort die Neue Messe gültig ist. Diese These lässt sich ausschließlich aufgrund der vorkonziliaren Theologie beweisen. Worin besteht eigentlich die Form der heiligen Eucharistie? Sie besteht, nach der Meinung der Theologen, in den Worten, durch die Christus selbst konsekriert hat. Er tat dies durch die Worte: „Dies ist mein Leib“, „Dies ist der Kelch meines Blutes“. Diese Auffassung ist eine sententia certa, d.h. eine sichere theologische Meinung, wie es die meisten vorkonziliaren Dogmatiker darlegen[1] und welche explizit beim Hl. Thomas von Aquin zu finden ist (Summ. Theol. III q. 68). Dies ist zweifelslos auch der Sinn der Aussage des Konzils von Trient (DH 1636, 1637): „ […] dass unser Erlöser dieses so wunderbare Sakrament beim letzten Abendmahl eingesetzt hat, als er nach der Segnung von Brot und Wein mit klaren und deutlichen Worten bezeugte, dass er ihnen seinen eigenen Leib und sein Blut hingebe; da diese Worte, die von den heiligen Evangelisten berichtet [vgl. Mt 26, 26-29; Mk 14, 22-25; Lk 22, 19 f.] und später vom göttlichen Paulus wiederholt wurden [vgl. 1 Kor 11, 24 f.] jene eigentümliche und ganz offensichtliche Bedeutung an den Tag legen, in der sie von den Vätern verstanden wurden […]“. (DH 1637) Liest man die oben genannten Bibelstellen nach, so kann man interessanterweise feststellen, dass genau dort der nachkonziliare Biblizismus aufhört, wo es den Reformern gerade passt. Denn nirgendwo können wir im Neuen Testament die Formulierung „für alle“, sondern ausschließlich „für viele“ nachlesen. Natürlich wurde von manchen Theologen viel Tinte vergossen, um zu beweisen, dass für viele gleichbedeutend mit für alle ist. Ein pseudoakademisches Diktat, leider kein dictatus papae, dem sich sogar Benedikt XVI als Papst verpflichtet sah, wie man seinem Schreiben vom 24.04.2012 an die deutsche...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 1 von 8. „Für alle“ statt „für viele“ als Beispiel einer neuen Formulierung

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.1 Die Aussage von Dom Guéranger stimmt. Die Heilige Schrift selbst stellt die „Reformer“ bloß und deswegen wurden die Schriftlesungen in der Novus Ordo Messe dermaßen stark zensiert, dass manche Passagen wegfielen und andere nur optional zu lesen sind. 1. „Für alle“ statt „für viele“ als Beispiel einer neuen Formulierung Die Einführung neuer Formulierungen lässt sich sehr deutlich am Kelchwort darstellen, welches im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz trotz Anweisungen aus Rom wieder einmal nicht verbessert worden ist. Denn es heißt ja im normativen, lateinischen Original: „Dies ist mein Blut, das für euch und für viele (pro multis) vergossen wird.“ Im deutschsprachigen Raum heißt es aber seit wohl 1969: „Dies ist mein Blut, das für euch und für alle (pro omnibus) vergossen wird.“ Das Letztere ist nicht biblisch, es steht entgegen jeder kirchlichen Tradition und ist häretisch, denn es legt den Allerlösungsgedanken nahe, wonach alle unterschiedslos in den Himmel kommen werden. Die Allerlösungslehre ist aber falsch und sie wurde als sog. Origenismus mehrmals von der Kirche verurteilt und verworfen (DH 411). Aus der Verurteilung der Lehre des Origenes, welcher eine Aufhebung des Strafortes am Ende der Zeiten annahm, wodurch die ehemals Bestraften, d.h. die gottlosen Menschen, auch in den Himmel eingehen konnten, resultiert die ewige Wirklichkeit der Hölle, welche natürlich nicht leer ist. Die Hölle ist also keine Möglichkeit, sondern eine Wirklichkeit für die jene, die in einer aktuellen Todsünde sterben (DH 338, 342, 1002, 1306). Natürlich kann man sagen, dass die Formulierung „für alle“ nicht direkt gegen die Wirklichkeit der Hölle und für die Allerlösungslehre steht. Da aber Liturgie als gefeiertes Dogma das theologische Denken prägt, so ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland und in denjenigen Ländern, wo es „für alle“ heißt, der Glaube an die Hölle und die Möglichkeit der ewigen Verdammnis schwindet, besonders bei Priestern, die diese Messen zelebrieren. Bei der Untersuchung der Unterscheidung zwischen „für viele“ und „für alle“ muss festgestellt werden, dass die wahre katholische Theologie zwischen redemptio (Erlösung) und salus (ewiges Heil) unterscheidet. Christus hat zwar – und dies ist die Erlösung (redemptio) – für alle Menschen sein Blut vergossen und ihnen die Möglichkeit gegeben, wenn sie wollen, sich zu bekehren, nach seinen Geboten zu leben und zum ewigen Heil (salus) zu gelangen. Da aber nicht alle dieses Angebot angenommen haben oder annehmen werden, denn man hat ja einen freien...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln

Anbei der dritte Teil der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar, Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert. Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so endete dies damit den Launen der Reformatoren nachzugeben, welche als die letzte Instanz nicht nur ausschließlich über den Sinn des Wortes Gottes, sondern auch über den Fakt dieses Wortes entscheiden. So fand Martin Luther, dass Pantheismus, Nutzlosigkeit der guten Werke und Genügsamkeit der Gnade diejenigen Dogmen sind, die in seinem System etabliert werden müssen. Daher erklärte er, dass der Jakobusbrief ein Strohbrief und kein kanonischer Brief sei. Er tat dies einzig und allein deswegen, weil durch eben diesen Brief die Notwendigkeit der guten Werke für das Heil gelehrt wird. In allen Zeiten und unter [der Verwendung] aller Formen wird es dasselbe sein: keine kirchlichen Formeln; die Schrift allein, aber interpretiert, aber ausgewählt, aber präsentiert durch diejenigen, welche darin ihren Nutzen der Neuerung finden. Dieser Falle ist aber für die einfachen Gläubigen gefährlich, die erst nach einer längeren Zeit wahrnehmen, dass sie getäuscht worden sind und dass das Wort Gottes, dieses zweischneidige Schwert, wie der Apostel sagt, ihnen große Wunden zugefügt hat, denn es wurde manipuliert durch die Söhne der Verderbnis. Kommentar Hier sehen wir den eigentlichen Grund des protestantischen, jansenistischen und nachkonziliaren Biblizismus. Denn beschränkt man sich auf die Schrift allein (sola Scriptura) oder vornehmlich auf die Schrift, so kann man sie auslegen, wie es einem gerade passt. Wie man aus der Versuchung Christi ersehen kann, kennt der Widersacher Gottes die Schrift sehr gut und setzt sie auch geschickt ein. Deswegen hat die Kirche immer zwischen dem kultischen Schriftgebrauch, in welchem nicht alle Passagen verwendet wurden und dem persönlichen Gebrauch der Heiligen Schrift, welcher dem Studium oder der Frömmigkeit diente, unterschieden. Bis zum Konzil war man der Meinung, dass nicht jede Schriftlesung...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (2). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln

Anbei der zweite Text der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar, der die Gefahren des reinen Biblizismus ein wenig beleuchtet. Die lehramtlichen Texte sind der neuesten Ausgabe des Denzinger-Hünermann (DH, 43. Auflage) entnommen. Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert. Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so endete dies damit den Launen der Reformatoren nachzugeben, welche als die letzte Instanz nicht nur ausschließlich über den Sinn des Wortes Gottes, sondern auch über den Fakt dieses Wortes entscheiden. So fand Martin Luther, dass Pantheismus, Nutzlosigkeit der guten Werke und Genügsamkeit der Gnade diejenigen Dogmen sind, die in seinem System etabliert werden müssen. Daher erklärte er, dass der Jakobusbrief ein Strohbrief und kein kanonischer Brief sei. Er tat dies einzig und allein deswegen, weil durch eben diesen Brief die Notwendigkeit der guten Werke für das Heil gelehrt wird. In allen Zeiten und unter [der Verwendung] aller Formen wird es dasselbe sein: keine kirchlichen Formeln; die Schrift allein, aber interpretiert, aber ausgewählt, aber präsentiert durch diejenigen, welche darin ihren Nutzen der Neuerung finden. Dieser Falle ist aber für die einfachen Gläubigen gefährlich, die erst nach einer längeren Zeit wahrnehmen, dass sie getäuscht worden sind und dass das Wort Gottes, dieses zweischneidige Schwert, wie der Apostel sagt, ihnen große Wunden zugefügt hat, denn es wurde manipuliert durch die Söhne der Verderbnis. Kommentar Hier sehen wir den eigentlichen Grund des protestantischen, jansenistischen und nachkonziliaren Biblizismus. Denn beschränkt man sich auf die Schrift allein (sola Scriptura) oder vornehmlich auf die Schrift, so kann man sie auslegen, wie es einem gerade passt. Wie man aus der Versuchung Christi ersehen kann, kennt der Widersacher Gottes die Schrift sehr gut und setzt sie auch geschickt ein. Deswegen hat die Kirche immer zwischen dem kultischen Schriftgebrauch, in welchem nicht alle Passagen verwendet wurden und dem persönlichen Gebrauch...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (1). Hass gegen vorformulierte, liturgische Formen

Da nicht alle unserer Leser ein Hochschulstudium im Allgemeinen und ein Theologiestudium im Besonderen absolviert haben, so werden wir die weniger bekannten Begriffe mit Fußnoten erläutern, die mit arabischen Ziffern angegeben sind. Die mit römischen Ziffern hingegen zeichnen die Fußnoten des Originaltextes aus. Alle kursiv geschriebenen Sätze sowie Sätze IN GROSSBUCHSTABEN stammen im nachfolgenden Text von Dom Guéranger O.S.B. selbst. Das erste Kennzeichen der antiliturgischen Häresie ist der Hass gegen die Tradition, welche in den [vorformulierten] Formeln des göttlichen Kultes [ihren Ausdruck findet]. Es lässt sich nicht leugnen, dass dies das Spezialmerkmal aller Häretiker ist, die wir genannt haben: vom Vigilantius[1] bis zum Calvin und der Grund dafür ist einfach zu nennen. Jeder Sektierer, der eine neue Doktrin einführen will, findet sich untrüglich angesichts der Liturgie wieder, welche die Tradition in ihrer höchsten Vollmacht verkörpert und er wird nicht eher ruhen bis er diese Stimme verstummen lässt, bis er die Seiten, welche an den Glauben der vergangenen Jahrhunderte erinnern in Stücke zerreißt. Wie haben es denn der Lutheranismus, der Calvinismus und der Anglikanismus geschafft über die Maßen [der Gläubigen] die Oberhand zu gewinnen und diese zu erhalten? Alles was sie zu tun brauchten, war es die alten [liturgischen] Bücher und die alten [liturgischen] Formeln mit neuen [liturgischen] Büchern und mit neuem [liturgischen] Formeln zu ersetzen und alles war vollendet. Es gab nichts mehr, was die neuen Lehrer peinlich berühren konnte; sie konnten nunmehr nach ihrem Gutdünken predigen: der Glaube des Kirchenvolkes lag von nun an ohne Verteidigung dar. Luther Begriff diese Vorgehensweise mit einer Scharfsinnlichkeit, die unserer Jansenisten[2] würdig war, als er in der ersten Periode seiner Neuerungen, in einer Epoche, in welcher er sich gezwungen sah noch einen Teil der äußeren Formen des lateinischen Kultes zu wahren, damals schon setzte er die nachfolgende Bestimmung für die reformierte Messe ein: „Wir befürworten und bewahren die Introitus[3] der Sonntage und der Herrenfeste, d.h. Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Wir sollen aber darauf Wert legen, dass die gesamten Psalmen in diesen Introitus gesungen werden, wie es früher der Fall war; wir wollen aber uns an den jetzigen Brauch anpassen. Wir verurteilen nicht diejenigen, welche die Introitus auch an Apostelfesten, an Festen der Gottesmutter Maria und an anderen Heiligenfesten beibehalten wollen, WENN DIESE DREI INTROITUS DEN PSALMEN UND ANDEREN FRAGMENTEN DER SCHRIFT ENTNOMMEN WERDEN.[i] Er [Luther] verabscheute die heiligen Gesänge, welche die Kirche selbst als Ausdruck ihres Glaubens komponierte. Er spürte in ihnen die Lebenskraft der Tradition, welche er verbannen wollte. Würde er der Kirche das Recht zugestehen ihre Stimme auf den [protestantischen] Gebetsversammlungen mit den Sprüchen der Heiligen Schrift zu vermischen, so würde er hören, wie Tausende [singende] Münder [der Gläubigen] die neuen Dogmen mit einem Anathema belegen. Daher sein Hass gegen all das in der Liturgie, was nicht ausschließlich aus der Heiligen Schrift extrahiert wurde. [1] Vigilantius (gest. ca. 400) trat in seinen Schriften u.a. gegen das Zölibat, den Reliquienkult und die Heiligenverehrung auf. Er wurde schriftlich und polemisch vom Hl. Hieronymus bekämpft, hauptsächlich in der Schrift Contra Vigilantium (Gegen Vigilantius). [2] Eine theologisch-religiös-politische Strömung die Ende des XVII Jhds. von Frankreich ausging und eigentlich bis zum Vatikanum II nachwirkte. Man kann sie sicherlich als den Versuch der Protestantisierung der Kirche von innen heraus bezeichnen. Die Jansenisten empfahlen eine seltene Kommunion und eine noch seltenere Beichte, um sich der eigenen Sündigkeit und...

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Antiliturgische Häresie – Einführung des Übersetzers

Wenn jemand, musiktheoretisch gesprochen, mit dem Vordersatz: „Do it yourself“ beginnt, so lautet der Nachsatz oft: „Weil es außer dir niemand tut“. Diese Lehre wurde auch uns zuteil, da wir ursprünglich vorhatten die fertige Übersetzung der Antiliturgischen Häresie von Prof. Fiedrowicz zu übernehmen und hier einfach einzufügen.[1] Doch bei der näheren Betrachtung stellte sich heraus, dass Prof. Fiedrowicz ein so großes Ausmaß an Autozensur vornahm, dass vom tatsächlichen Text von Dom Prosper Guéranger manchmal wenig übrig bleibt. Wir können uns nur fragen, wovor sich ein gestandener, verbeamteter Wissenschaftler und katholischer Priester so fürchtet, um einen Autor des mittleren 19. Jahrhunderts dermaßen zensieren zu müssen. Wie es immer auch sei, wir stellen den Text des Abtes von Solesmes in einer eigenen Übersetzung und in einer ungekürzten Fassung dar. Diejenigen unserer Leser, welche das Französische gut beherrschen, können es selbst hier nachlesen.[2] Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Antiliturgische Häresie als Bestandteil des ersten Bandes der Institutions liturgiques bereits 1854 auf Deutsch übersetzt wurde, da eben in diesem Jahre dieses erste Band als Liturgische Unterweisungen herausgegeben worden ist.[3] Man könnte also in eine Stadt fahren, in deren Universitätsbibliothek sich ein Exemplar dieses Buches befindet oder es durch die Fernleihe bestellen. Doch dieser Aufwand erscheint uns zu groß. Wir wollen auch der Versuchung zur Faulheit nicht nachgeben, denn macht man es sich immer zu bequem und zu einfach, so läuft man mit der Zeit vor jeder sprachlichen oder anders gearteten Herausforderung Versuchung davon. Ferner stellt sich auch die Frage, inwieweit die deutsche Sprache von 1854 heute noch auch für den deutschen Muttersprachler verständlich sein würde. An dieser Stelle sei angefügt, dass der Abt von Solesmes eine äußerst kunstvolle Literatursprache des mittleren 19. Jahrhunderts verwendet, deren Eleganz, Doppelbödigkeit und manchmal auch Malice wohl am Treffendsten von einem großen deutschen Romancier des 19. oder des frühen 20. Jahrhunderts wiedergegeben werden könnte. Da aber Theodor Storm, Theodor Fontane und Thomas Mann mittlerweile verstorben sind, so muss der Schreiber dieser Zeilen sich selbst mit dem französischen Original messen. Wie man an den vorhandenen Übersetzungen ersehen kann, denn auf Englisch, Polnisch und unter Auslassungen auch auf Deutsch ist dieser Text bereits erschienen, tendieren alle Übersetzer dazu manches zu vereinfachen und zu verkürzen oder gar auszulassen, was leider dem Genie und der Wortkraft des Abtes von Solesmes nicht gerecht wird. Sollen unseren französisch sprechenden Lesern irgendwelche sprachlichen Ungenauigkeiten auffallen, so mögen sie diese mit Verbesserungsvorschlägen an uns schicken. Vielleicht entsteht auf diesem Wege eine gute deutsche, sprachlich zeitgemäße Fassung dieses so wichtigen Textes. Der heutige Leser der Antiliturgischen Häresie kann leicht den Verdacht schöpfen, dass es sich bei diesem Text um ein Pseudoepigraph[4] oder um vaticinium ex eventu[5] handelt, in welchem ein heutiger Traditionalist, Anhänger der Piusbruderschaft oder ein Sedivakantist, um die nachkonziliaren Reformen zu desavouieren einen Benediktinerabt des mittleren 19. Jahrhunderts erfindet und ihm bestimmte Aussagen in den Mund legt. Dies ist jedoch wirklich nicht der Fall. Wir haben es hier tatsächlich mit einem Text zu tun, der ungefähr 100 Jahre vor dem letzten Konzil verfasst wurde.[6] Tatsächlich sind alle von Dom Prosper Guéranger beschriebenen Mängel und liturgischen Fehlentwicklungen, die er in der Vergangenheit beobachtet hat und auf den Punkt bringt, in der nachkonziliaren Zeit eingetreten. Sie traten innerhalb der kürzesten Zeit, denn was sind schon 50 Jahre an den 2000 Jahren der gesamten Kirchengeschichte gemessen, mit einer...

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Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (7)

Dom Prosper Guéranger – ein wahrer Liebhaber der Liturgie Da es sich mit der Liturgie so verhält, dass nur derjenige sie verstehen kann, der sie liebt und lebt und nur derjenige sie leben und lieben kann, der sie versteht, so ist niemand mehr dafür qualifiziert über Liturgie lehren und zu schreiben als ein Benediktinermönch für den Liturgie alles ist und alles zur Liturgie wird. Sehr treffend schreibt Martin Mosebach über seinen Aufenthalt in der Abtei Fontgombault, welche auf Dom Guéranger zurückgeht, dass es dort kaum zu unterscheiden ist, wo Liturgie anfängt und wo sie endet. Interessanterweise war Prosper Guéranger (1805-1875) ein liturgischer Autodidakt.[1] Sein Leben viel auf das Trümmerfeld des nachrevolutionären Frankreichs, wo er 1827 zum Diözesanpriester geweiht wurde. 1833 beschloss er mit fünf Gefährten die Abtei Solesmes anhand der Regel des St. Benedikt zu erneuern.[2] Ab 1830 entfaltete er eine reiche schriftstellerische Tätigkeit, bald darauf wurde er zum Abt von Solesmes und 1837 zum Generalsoberen der künftigen, noch zu reformierenden französischen Benediktinerkongregation, ernannt. Er führte also ein Leben eines liturgischen und monastischen Pioniers und es scheint, dass derjenige, der den Geist der benediktinischen Liturgie in Frankreich wieder auferweckte sich das meiste selbst beibringen musste, da er keine Meister fand, die ihn bildeten oder aber ihn verbilden konnten. Sein literarisches Werk ist absolut imposant, was sein Ausmaß und seine Gelehrsamkeit anbelangt. Zwei seiner Werke Institutions liturgiques – „Liturgische Vorschriften“ (3 Bände, le Mans/Paris 1840-1851, erweiterte Neuauflage, 4 Bände, Paris 1878-1885) und L’Année liturgique – „Das Kirchenjahr“ in 15 Bänden (autorisierte Übersetzung, Mainz [Franz Kirchheim & Co.] 1874-1902) gehören zu den Klassikern der Liturgiewissenschaft und bleiben bis heute wohl unübertroffen. In der deutschen Sprache erschienen neu in der letzten Zeit: „Die gaben des Heiligen Geistes“ (Les dons du Saint Esprit, Übersetzung von Ludwig Reuter, Solesmes [La Frodfontaine, Éd. De Solesmes,] 2003); „Die Erklärung der Gebete und Zeremonien in der heiligen Messe“ (Explication des prières et des cérémonies de la sainte messe, Stuttgart [Sarto] 2004); „Anmerkungen zum Ordens- und Klosterleben“ (Notions sur la vie réligieuse et monastique, hrsg. Von Cyrill Schäfer, Sankt Ottilien [EOS] 2009); „Einführung in das liturgische Jahr“ (Introducion à l’année liturgique, übers. von Wilhelm Hellmann, Sankt Ottilien [EOS] 2014); außerdem liegt vor die deutschsprachige Übersetzung seiner Biografie von Guy-Marie Oury (Dom Prosper Guéranger – moine au coeur de l‘Église) unter dem Titel „Dom Proster Gueranger 1808-1875 – ein Mönch im Dienst für die Erneuerung der Kirche“, übers. von W. Hellmann, Heiligenkreuz im Wienerwald (Be&Be) 2013.[3] Viele seiner Werke sind außerdem auf Englisch und Französisch im Internet zu finden.[4] Dom Guéranger bekämpfte jeglichen antiliturgischen Geist, besonders jenen jansenistischen Ursprungs. Seine Schriften haben nicht nur zu einer wahren liturgischen Erneuerung in Frankreich und eigentlich in ganz Europa des 19 Jhtds. beigetragen, sie stellten auch die Fundamente für die liturgische Reform des Pius X dar. Wie wir wissen haben sich leider seine Ansichten auf die Dauer nicht durchsetzen können, da die liturgische „Linke“ vom Schlage Jungmanns, Casels und ihrer Schüler überhandnahm und die Päpste angefangen vom Pius XII. (vielleicht auch früher) beeinflusste. Was macht aber eigentlich den Unterschied zwischen Dom Prosper Guéranger und Jungmann et alia. aus? Guéranger kämpfte für mehre Liturgie, die anderen für weniger. Für Dom Guéranger ist Liturgie ein wahrhafter Kult Gottes, in welchem der Mensch Gott das wiedergibt, was Gott rechtens zusteht. Die Religion ist also, wie die...

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Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (6)

Nachkonziliare Liturgie als die Umkehrung der heilsbringenden Routine (2) Da es sich aber in Deutschland, entgegen den liturgischen Vorschriften eingebürgert hat,[1] statt die vorgeschriebenen Texte des Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei zu beten oder zu singen verschiedene Lieder, je kürzer desto besser, zu verwenden, so kann man die oben genannte Zahl von 516.096.000 wirklich beliebig nach oben erweitern, um das Ganze wirklich ad absurdum zu führen. Man kann aber wirklich sagen, dass den deutschen Priestern die Liturgie wirklich ganz gleichgültig ist. Hauptsache sie selbst stehen im Mittelpunkt, die Pastoralassistentinnen und die engagierten Laien und vor allem die Kinder sind beschäftigt und das Restpublikum „macht mit“, d.h. ist gut unterhalten. Die Liturgie wird also zu einer Art Mannschaftssportart, bei der niemand ausgeschlossen werden darf, da sie ein „Gemeinschaftserlebnis“ darstellt. Das Argument auch bei den frommsten Priestern lautet: „Wenn ich es mache, dann ist es richtig“. Es lautet niemals: „Weil es richtig ist, darum mache ich es richtig.“ Natürlich hat diese narzisstisch-subjektive Sicht der Liturgie weder etwas mit der vorkonziliaren noch mit der nachkonziliaren Sicht der Liturgie zu tun, was man auch anhand der nachkonziliaren Enzyklika und Vorschriften leicht beweisen kann. Aber es interessiert hier niemanden, es geht um das „Miteinander“. Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass ein Gläubiger bei der Neuen Messe niemals die segensreiche Routine, welche erst einen Tiefgang ermöglicht, erleben kann, da die liturgischen Vorschriften sie einfach nicht vorsehen. Geht man auch in die Messe zu einem Priester, der immer auf die gleiche Art und Weise zelebriert, so hat man auch nicht den Jahresrhythmus, da die Sonntags- und die Wochentagslesungen zyklisch wechseln. Es ist wirklich eher unwahrscheinlich, dass man einem Priester oder eine Ordensschwester treffen kann, welche, obgleich sie seit 1970 die neue Messe täglich erleben, auswendig sagen können, welche Lesungen beispielsweise am vierten Sonntag im Jahreskreis des Zyklus B vorgesehen sind. Und an diesen ständigen Änderungen kann man, will man und muss man nach den Novus Ordo Rubriken zelebrieren, wirklich nichts machen. Denn es gibt keine Rubriken! Das letzte Mal wurden die liturgischen Vorschriften unter Johannes XXIII. Im Jahre 1960 für die Alte Messe kodifiziert und stellten ein geltendes Kirchenrecht dar.[2] Während das alte Kirchenrecht (1917) recht umfangreich auch liturgische Vorschriften enthielt, so sind diese im neuen Kirchenrecht (1983) kaum vorhanden. Man muss einfach feststellen, dass von Rom aus kein Wille besteht die Neue Messe verbindlich zu kodifizieren und liturgische Vorschriften verbindlich und eindeutig festzusetzen, woran die Enzykliken Ecclesia de Eucharistia und Redemptoris sacramentum auch nichts ändern. Da keine Sanktionen drohen, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Priester im Allgemeinen und die deutschen Priestern im Besonderen sich an keine liturgischen Vorschriften halten. Ein Pfarrer in einer deutschen Diözese gab im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen seinem Erstaunen Ausdruck, dass es schon die dritte normative Einführung in das Messbuch gibt. Dann erinnerte er sich dunkel daran, dass irgendetwas bei der Priesterfortbildung darüber gesagt wurde, er fand aber die römischen Argumente dermaßen „wenig überzeugen“, dass er zu der Entscheidung kam sich an sie nicht halten zu müssen. Wie es bei „seinen“ Messen aussieht, können wir uns alle denken. An diesem Beispiel sieht man die Konsequenzen der pastoralen und subjekttheoretischen Wende in der Theologie und der Priesterausbildung, welche dazu geführt hat, dass jeder das macht, was er für richtig hält und was am bequemsten für ihn ist....

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Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (5)

Nachkonziliare Liturgie als die Umkehrung der heilbringenden Routine (1) Da also die Liturgie ein subjektiv-objektives Eintauchen in eine objektive göttliche Wirklichkeit darstellt, daher ist im liturgischen Vollzug, welcher den Übergang vom Subjektiven ins persönlich Objektive darstellt, alles wichtig. Da der Mensch kein reiner Geist ist, so braucht er bestimmte, in einer langen Tradition erprobte, Hilfsmittel. Dies ist auch die Sicht des tridentinischen Konzils, welches über die Zeremonien beim Meßopfer folgendes schreibt: „Und da die Natur des Menschen so beschaffen ist, dass sie sich nicht leicht ohne äußere Hilfsmittel zur Betrachtung der göttlichen Dinge erheben kann, deswegen hat die gütige Mutter Kirche bestimmte Riten eingeführt, nämlich dass in der Messe einiges mit leiser, anderes mit lauter Stimme gesprochen werden soll; desgleichen verwandte sie aufgrund der apostolischen Lehre und Überlieferung Zeremonien, die geheimnisvolle Segnungen, Lichter, Weihrauch, Gewänder und viele der andere Derartige; einerseits sollte dadurch die Erhabenheit dieses so großen Opfers hervorgehoben werden, andererseits sollten die Gemüter der Gläubigen durch diese sichtbaren Zeichen der Religion und Frömmigkeit zur Betrachtung der höchsten Dinge, die in diesem Opfer verborgen liegen, angeregt werden.“ [1] (DH 1746) Darum ist es nicht verwunderlich, dass in der Neuen Messe, besonders wie sie in Deutschland zelebriert, bzw. nicht zelebriert wird, das Gefühl der Erhabenheit sich nicht einstellen will. Dieses will sich deswegen nicht einstellen, weil die legitimen, liturgischen Mittel weggenommen worden sind und neue Mittel, sprich die Pastoralassistentin auf der Ambo oder die kreativen Miteinander-Kindergottesdienste, ausschließlich Aggression und Frustration hervorbringen. Leider muss man, bei aller Liebe zu der real existierenden Kirche und dem real existierenden Lehramt, sagen, dass dieses liturgische Chaos, von der höchsten Stelle nicht nur toleriert, sondern gewollt ist. Denn die neue Messe kann man, aufgrund der vielen vorgesehenen Optionen, ganz legal auf ganz verschiedene Art und Weise zelebrieren. Auf wie viele Weisen genau? Ein Blogger aus Polen hat es ausgerechnet und ist zu der imposanten Zahl von 516.096.000 (516 Millionen 96 Tausend!) für die Messen in Polen gekommen.[2] Diese Zahl ergibt sich aus den folgenden Optionen, wie sie in Polen gelten: Begrüßung – 5 Varianten Bußakt – 4 Varianten Die dritte Variante des Bußaktes – 11 Anrufungen frei wählbar Insgesamt: 11 Varianten Bußaktes Kyrie – 2 Varianten (sogar 3, da bei der Verwendung des dritten und vierten Bußaktes das Kyrie entfällt) Credo – 2 Varianten (sogar 3, wenn in der Messe die Taufe gespendet wird) Fürbitten – 4 Varianten (angeblich gibt es mehr) Gabenbereitung – 2 Varianten Präfation – 10 Varianten Eucharistische Hochgebet – 18 Varianten (in Polen, woanders mehr oder weniger) Doxologie – 2 Varianten Einführung zum Vater Unser – 8 Varianten Domine, qui dixisti (Herr, der Du gesagt hast, meinen Frieden) – 5 Varianten Gebet vor der Kommunion – 2 Varianten Aussendung – 2 Varianten Die Neue Messe kann man also in Polen (grob geschätzt) legal auf 5x4x14x2x2x4x2x10x18x2x8x5x2x2 = 516.096.000 Weisen zelebrieren. Für Deutschland muss diese Zahl noch weiter erhöht werden, da man hierzulande legal über zwölf Hochgebete (Polen 18) und 78 Präfationen verfügt. Siehe die nachfolgenden Tabellen: Die „antideutschen“ Untertöne, die hier vielleicht herauszuhören sind, sind nicht antideutsch, sondern theologisch-katholisch motiviert. Die Katholische Kirche in Deutschland ist theologisch und moralisch in solch einem desolaten Zustand, welchen die Vorbereitungen der DBK zur Herbstsynode zweifelsfrei offenlegen, dass man wirklich die deutschen Katholiken nur bemitleiden kann. Denn sie haben nicht mehr eine konservativ-tragende Volksfrömmigkeit, von welcher...

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Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (4)

Liturgie wirkt Spricht man aber von der Wirkung der Liturgie, welche über eine psychologische, eine soziologische oder eine katechetische Wirkung hinausreicht, so wird man schnell eines ‚magischen Denkens‘ bezichtigt. Der Vorwurf des magischen Verständnisses der Sakramente stammt zwar aus der Schatztruhe der Reformatoren, lebte leider in der nachkonziliaren Theologie wieder auf. Wir wollen diese Thematik an einer anderen Stelle behandeln. An dieser Stelle lässt sich dazu so viel sagen, dass Magie tatsächlich Liturgie mit umgekehrten, denn dämonischen, Vorzeichen ist. In der Magie glaubt man durch die präzise Einhaltung der „magischen Rubrizistik“ mithilfe der dämonischen Wesenheiten, die von den Magiern und Esoterikern als real existent angenommen werden, etwas präzise und technisch bewirken zu können und damit die Wirklichkeit zu beeinflussen. In der wahren Liturgie jedoch hofft man durch die präzise Einhaltung der liturgischen Rubrizistik auf diese Weise Gott den gottgewollten Kult darzubringen und auf diese Art und Weise von Gott etwas zu erbitten. Man hat aber, nach dem katholischen Verständnis, auch durch die wahre Liturgie auf Gott keinen Einfluss. Gott bleibt Gott und Mensch bleibt Mensch. In der Magie hingegen ist der Mensch Gott, wozu er sich zuerst unwissentlich, dann aber wissentlich der Dämonen bedient, während sie sich in Wahrheit seiner bedienen. Die Beiträge auf vielen esoterischen Foren sowie auf Seiten über katholische Exorzismen[24] lehren uns, dass diese Begebenheiten durchaus real sind. Verrichtet man also die gottgewollte Liturgie nicht oder man tut es nachlässig, so beleidigt man Gott, weil man ihm den gebührenden Kult verweigert, man erbittet viel weniger Gnadengabe für die Kirche und die Welt, und man heiligt schließlich viel weniger sich selbst, indem man sich selbst um viele Gnadengaben bringt. Erst aus diesem Hintergrund heraus wird verständlich, warum Liturgie so wichtig ist. Sie ist deswegen wichtig, weil sie die geistige Speise, im spirituellen, moralischen aber auch intellektuellen Sinne, darstellt, da wir erst mit ihrer Hilfe zum Verständnis und Ansicht der göttlichen Dinge kommen. Daher die Notwendigkeit des liturgischen Gebetes bei den geistlichen Ständen, damit sie den übrigen das weitergeben können, was sie „dort geschaut haben“, um es ein wenig platonisch auszudrücken. Und deswegen hatte die letzte Liturgiereform eine dermaßen verheerende Wirkung gerade auf die Geistlichen und die Ordensleute.[25] Andererseits weiß man aber, dass diejenigen, die am meisten sündigen und sich somit im Reich der Dunkelheit aufhalten, auch am meisten das Heilige und das Liturgische scheuen. Von einer immer größer werdenden Anzahl der Besessenen weiß man, dass diese Menschen wirklich die größten und ungewollten Probleme damit haben überhaupt die Schwelle einer Kirche zu betreten, geschweige denn dort längere Zeit auszuhalten. Psychiatrie ist in diesen Fällen machtlos, da die Betroffenen psychisch gesund sind. Helfen können dabei nur Exorzismen, wie sie beispielsweise in Italien aber auch in Polen immer selbstverständlicher praktiziert werden. Auch von normalen Menschen weiß man, dass sie nach der Sünde das Liturgische scheuen und meistens ein Taedium (Unwille, Abscheu) der religiösen Praxis gegenüber von einer lang anhaltenden, unmoralischen Lebensweise herrührt. Man braucht sich bloß die offene liturgische Haltung unserer Priester anzuschauen, so weiß man auch gleich um ihr verborgenes Privatleben. Denn das Innere kommt nach außen und das Äußere kommt nach innen. Wenn man also Liturgie lebt, dann liebt man sie, wenn man sie aber nicht lebt, dann beginnt man sie zu hassen. Eigentlich ist diese oben dargestellte Sichtweise des liturgischen Objektivismus gar nicht so lebensfern und durchaus leicht...

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Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (3)

Liturgie als Objektivität bei Ratzinger Die Sicht von der Objektivität der Liturgie ist auch bei Kardinal Ratzinger bzw. bei  Benedikt XVI zu finden.[23] Wir wollen diese Zitate sozusagen als Hommage an die „gute, alte Zeit“ (2005-2013), ja, man muss auch für das Bisschen dankbar sein, die jäh mit seinem Rücktritt endete, hier zur Herzenserwärmung darstellen. „Aber wo Liturgie nur selbstgemacht ist, da eben schenkt sie uns nicht mehr, was ihre eigentliche Gabe sein sollte: die Begegnung mit dem Mysterium, das nicht unser Produkt, sondern unser Ursprung und die Quelle unseres Lebens ist.“ (Aus meinem Leben, Stuttgart 1998, 172) „Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder sie ist opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht.“ (Benedikt XVI, Rede in Heiligenkreuz 2007) „Ich bin überzeugt, dass die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der  Liturgie beruht, die mitunter sogar so konzipiert wird, ‘etsi Deus non daretur’: daß es in ihr gar nicht mehr darauf ankommt, ob es Gott gibt und ob er uns anredet und  erhört.” (Aus meinem Leben, Stuttgart 1998, S. 174) „Die Kritik an der derzeitigen Liturgie ist unüberhörbar geworden. Vielen ist sie nicht mehr heilig genug. Braucht man eine Reform der Reform, um sie wieder heiliger zu machen? Zumindest braucht man wieder ein neues liturgisches Bewusstsein, damit dieser macherische Geist verschwindet. Es ist ja auch soweit gekommen, daß sich Liturgiekrise für den Sonntag selber die Liturgie zurechtbasteln. Was hier geboten wird, ist sicher das Produkt von ein paar gescheiten, tüchtigen Leuten, die sich etwas ausgedacht haben. Aber damit begegne ich eben nicht mehr dem ganz Anderen, dem Heiligen, das sich mir schenkt, sondern der Tüchtigkeit von ein paar Leuten. Und ich merke, das ist es nicht, was ich suche. Das ist zu wenig, und ist etwas anderes. Das Wichtigste ist heute, daß wir wieder Respekt vor der Liturgie und ihrer Unmanipulierbarkeit haben. Dass wir sie wieder als das lebendig Gewachsene und Geschenkte erkennen lernen, in dem wir an der himmlischen Liturgie teilnehmen, Daß wir in ihr nicht die Selbstverwirklichung suchen, sondern die Gabe, die uns zukommt. Das, glaube ich, ist das erste, daß dieses eigentümliche oder eigenmächtige Machen wieder verschwinden und der innere Sinn für das Heilige erwachen muß. In einem zweiten Schritt wird man dann sehen können, in welchem Bereich sozusagen zuviel weggestrichen wurde, so daß der Zusammenhang mit der ganzen Geschichte wieder deutlicher und lebendiger werden muß. Ich selber habe in diesem Sinn von der Reform der Reform gesprochen. Dies sollte meiner Meinung nach aber zunächst einmal vor allem ein erzieherischer Prozeß sein, der Einhalt gebietet gegenüber einem Zertrampeln der Liturgie mit Selbsterfundenem.“ (Gott und die Welt, S. 447 – 449) Angeblich sind im frühen Ouevre von Ratzinger auch andere Passagen zu finden, aber man wird ja mit der Zeit weiser, zumal man auch die Auswirkungen seiner eigenen Theologie betrachten kann. Seien wir aber Papst Benedikt XVI vor allem für Summorum pontificum dankbar, welches auf der berühmt-berüchtigten praktisch-pastoralen Ebene eine Aushebelung und Umgehung des Vatikanum II darstellt. Dies haben viele Konservative gar nicht erkannt, die Liberalen umso mehr. Man kann aber wirklich nicht in den deutschsprachigen Ländern behaupten, dass das Summorum pontificum enthusiastisch umgesetzt wird. Denn gerät jemand zufällig in eine Alte Messe und...

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Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (2)

Liturgie etwas Objektives für wahre Liebhaber Wenn Plotin, in der Nachfolge Platos, diejenigen benennt, welche sich sozusagen von Haus aus für die Schau des Göttlichen qualifizieren, so nennt er den Philosophen, den Musiker und Liebhaber.[1] denn nur diese drei Menschenarten müssen aus sich heraus gehen, um mit dem Gegenstand ihrer Erkenntnis aber auch ihre Liebe eins zu werden. Dieser Gegenstand ist darüber hinaus unkörperlich oder wenig körperlich, so wie es mit der Philosophie und mit der Musik der Fall ist. Aber auch der wahre Liebhaber liebt vor allem die psychischen oder geistigen Eigenschaften der geliebten Person und nicht ihre körperlichen Vorzüge. So wenigstens ist der platonische Ansatz, wie er im Symposion dargestellt wird. Es lässt sich also sagen, dass der Philosoph, der Musiker und der Liebhaber in eine Wirklichkeit treten, die sie selbst nicht schaffen, welche aber insofern zu ihrer eigenen Wirklichkeit wird, indem sie an ihr, als an einer objektiven Über-Wirklichkeit, teilnehmen. Und dies ist die eigentlich katholische Sicht der Liturgie. Dies ist die Sicht von Dom Prosper Guéranger. Liturgie ist vor allem das Werk Gottes (opus Dei), sie ist gleichsam eine Leiter, die Gott zu uns herunter lässt, damit wir an ihren Stufen zu Ihm emporklettern können. Diese Sicht der Liturgie enthält die Enzyklika Mediator Dei (vgl. I, 1), die Spuren davon sind auch in der Liturgiekonstitution des Vatikanum II zu finden (vgl. Sacrosanctum concilium 2). „In der Liturgie, besonders im heiligen Opfer der Eucharistie, „vollzieht sich“ „das Werk unserer Erlösung“[2], und so trägt sie in höchstem Maße dazu bei, daß das Leben der Gläubigen Ausdruck und Offenbarung des Mysteriums Christi und des eigentlichen Wesens der wahren Kirche wird, der es eigen ist, zugleich göttlich und menschlich zu sein, sichtbar und mit unsichtbaren Gütern ausgestattet, voll Eifer der Tätigkeit hingegeben und doch frei für die Beschauung, in der Welt zugegen und doch unterwegs; und zwar so, daß dabei das Menschliche auf das Göttliche hingeordnet und ihm untergeordnet ist, das Sichtbare auf das Unsichtbare, die Tätigkeit auf die Beschauung, das Gegenwärtige auf die künftige Stadt, die wir suchen[3]. Dabei baut die Liturgie täglich die, welche drinnen sind, zum heiligen Tempel im Herrn auf, zur Wohnung Gottes im Geist[4] bis zum Maße des Vollalters Christi[5]. Zugleich stärkt sie wunderbar deren Kräfte, daß sie Christus verkünden. So stellt sie denen, die draußen sind, die Kirche vor Augen als Zeichen, das aufgerichtet ist unter den Völkern[6]. Unter diesem sollen sich die zerstreuten Söhne Gottes zur Einheit sammeln[7], bis eine Herde und ein Hirt wird[8].“ Liturgie ist also der heilige Raum der Gegenwart Gottes und daher der Raum der Gottesbegegnung. Diese Einstellung liegt nicht nur dem Stufengebet zugrunde, in welchem der Priester stellvertretend aber auch sich selbst meinend seiner Unwürdigkeit Ausdruck gibt, bevor er die heiligen Geheimnisse, an Christi statt (in persona Christi), im heiligen Raum der Liturgie und durch die Liturgie verrichtet. Interessanterweise ist die Intuition, dass es sich bei der Liturgie um einen, objektiv aufgefassten, heiligen Raum handelt auch bei Protestanten zu finden und zwar bei den Freikirchen, welche, um es ein wenig pauschal auszudrücken, ihre eigene Tradition ab ovo errichtet haben. So sagt das Kirchenlied von Jack Hayford, welches im Liederbuch von Jugend mit einer Mission zu finden ist folgendes:             „Darf ich stehen, o Herr, in dem heil‘gen Raum,             möcht anbeten Dich und Dein Antlitz schaun.             Herr,...

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Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk

Abwechselnd mit anderen unseren Materialien wollen wir hier in Abschnitten die Schrift „Antiliturgische Häresie“ von Abt (=Dom) Prosper Guéranger (1805-1875) vorstellen. Dies soll teilweise in der Übersetzung von Prof. Michael Fiedrowicz[1] und teilweise in unserer eigenen Übersetzung erfolgen, da die vorliegende deutsche Übersetzung den letzten, gleichsam krönenden, Teil nicht enthält. Prosper Guéranger, der als der eigentliche Begründer der liturgischen Bewegung gilt, ist wahrscheinlich dem deutschsprachigen Leser bekannt. Da man aber einerseits das Vorwissen des Lesers nicht überschätzen, andererseits aber es auch nicht unterschätzen sollte, so wollen wir das Leben und Werk des französischen Abtes hier kurz darstellen. Die Liturgische Bewegung – ihre „Rechte“, ihre „Linke“ und die Jugendbewegung Vorangehend sei angeführt, dass wenn man heutzutage in den deutschsprachigen Landen den Begriff „liturgische Bewegung“ liest, so empfindet man als ein traditionell eingestellter und romtreuer Katholik bei diesem Begriff zumindest Abneigung, wenn nicht gar Aggression oder Ekel. Denn, so denkt mancher, hätte es die liturgische Bewegung nicht gegeben, so hätten wir nicht in unseren Kirchen das, was wir haben und wovor man am liebsten davonlaufen würde. Dennoch war die liturgische Bewegung in ihren Anfängen etwas Gutes. Erst in den 1920er Jahren nahm sie eine Wendung, welche sich auf die lange Sicht dermaßen verheerend erwiesen hat.[2] Es lässt sich durchaus die Meinung vertreten, dass so wie die Hegelianer in die hegelsche Rechte[3] und die hegelsche Linke[4] zerfielen, wovon die Letztere schließlich in den Marxismus-Leninismus mündete, so zerfiel auch die liturgische Bewegung in die Rechte, von welcher man kaum noch etwas weiß, und in die Linke, welche sich schließlich beim letzten Konzil und in der nachfolgenden Zeit kräftig durchsetzte. Dieser „liturgischen Linken“, auf die wir an dieser Stelle nicht näher eingehen wollen, gehörten solche Leute an wie: Dom (Abt) Lambert Beaudauin (1884-1960), Abt Ildefons Herwegen (1874-1946) und sein Schüler Abt Odo Casel (1886-1948), Romano Guardini (1885-1968), Pius Parsch (1884-1954),[5] ferner die späteren berühmten Joseph A. Jungmann SJ (1889-1975), Louis Bouyer (1913-20014)[6], Giovanni Battista Montini (1889-1978)[7], der spätere Papst Paul VI., und schließlich Annibale Bungini (1912-1982), der all diese theoretischen Vorüberlegungen praktisch zum Abschluss brachte. Es ist natürlich schwierig zu beurteilen, inwieweit all diese vorher genannten Männer mit der jetzigen liturgischen Situation einverstanden gewesen wären und inwieweit sie diese von der Intention her tatsächlich gewollt haben. Aber den einen oder den anderen Grundstein, soviel steht fest, haben sie doch tatsächlich dazu gelegt. Dennoch hätte die liturgischen Theorien keinen so großen Einfluss auf die Kirche gehabt, wäre die liturgische Linke in den 1920er Jahren nicht mit der Jugendbewegung verschmolzen. Es entstand dabei eine Spezies der ewig-reformfreudigen, jugendlichen Alten, eine Art Vor-1968er, welche Martin Mosebach als die Generation seiner Eltern beschreibt. Lassen wir ihn zu Wort kommen: „Ich bin nach dem Krieg, 1951, geboren. Als Kind erlebte ich bei meinen Eltern ältere Herrschaften, intellektuelle mit schlohweißem Haar, die Männer hatten einen so genannten Cäsarschnitt, die Frauen Pony, und sie trugen unförmige Bernsteinketten zum Sackkleid. Die Moderne hatte für mich ein greisenhaftes Antlitz. Die prägende Erfahrung dieser Menschen war die Jugendbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. Sie ist der große Ideenkochtopf des Jahrhunderts. Politische Bewegungen, die Todfeinde wurden, haben Pate gestanden, man denke an den Kommunismus und Nationalsozialismus. Und nicht nur Nacktkultur, Feminismus, Vegetarianismus, Lebensreform, Neuheidentum, pseudoindische Meditation, Gay Liberation, Klampfenmusik und das Bauhaus haben hier Wurzeln und Ursprünge, sondern auch die Liturgiereform. Dass am Grund all diese Bewegungen...

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