Tradition und Glauben

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln.

Da wir nicht sicher sind, ob dieser Text veröffentlicht wurde, so veröffentlichen wir ihn nochmals. Er gibt Informationen über den Biblizismus des Papstes Franziskus, welcher in der ganzen Amoris laetitia durchscheint. Eine erneute Lektüre dieses Textes wird sicherlich niemanden schaden. Anbei der dritte Teil der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar, Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert. Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so endete dies damit den Launen der Reformatoren nachzugeben, welche als die letzte Instanz nicht nur ausschließlich über den Sinn des Wortes Gottes, sondern auch über den Fakt dieses Wortes entscheiden. So fand Martin Luther, dass Pantheismus, Nutzlosigkeit der guten Werke und Genügsamkeit der Gnade diejenigen Dogmen sind, die in seinem System etabliert werden müssen. Daher erklärte er, dass der Jakobusbrief ein Strohbrief und kein kanonischer Brief sei. Er tat dies einzig und allein deswegen, weil durch eben diesen Brief die Notwendigkeit der guten Werke für das Heil gelehrt wird. In allen Zeiten und unter [der Verwendung] aller Formen wird es dasselbe sein: keine kirchlichen Formeln; die Schrift allein, aber interpretiert, aber ausgewählt, aber präsentiert durch diejenigen, welche darin ihren Nutzen der Neuerung finden. Dieser Falle ist aber für die einfachen Gläubigen gefährlich, die erst nach einer längeren Zeit wahrnehmen, dass sie getäuscht worden sind und dass das Wort Gottes, dieses zweischneidige Schwert, wie der Apostel sagt, ihnen große Wunden zugefügt hat, denn es wurde manipuliert durch die Söhne der Verderbnis. Kommentar Hier sehen wir den eigentlichen Grund des protestantischen, jansenistischen und nachkonziliaren Biblizismus. Denn beschränkt man sich auf die Schrift allein (sola Scriptura) oder vornehmlich auf die Schrift, so kann man sie auslegen, wie es einem gerade passt. Wie man aus der Versuchung Christi ersehen kann, kennt der Widersacher Gottes die Schrift sehr gut und setzt sie auch geschickt ein. Deswegen hat die Kirche immer zwischen dem kultischen Schriftgebrauch, in welchem nicht alle Passagen verwendet wurden und dem persönlichen Gebrauch der Heiligen Schrift, welcher dem Studium oder der Frömmigkeit diente, unterschieden. Bis zum Konzil war man der Meinung, dass nicht jede Schriftlesung in den öffentlichen Kult der Kirche gehörte, da nicht alles frommt. Und daher die ausgewählten Schriften im Missale romanum und daher nur ein Jahreszyklus einer Schriftlesung und eines Evangeliums in Vetus Ordo. Das nachkonziliare Durcheinander des Dreijahreszyklus der Sonntagslesungen bringt den Gläubigen nur dazu zu erkennen, dass es Unterschiede und Widersprüche in der Bibel gibt, die weder er, noch der predigende Pfarrer lösen kann. Die Perikopen der Wochentagslesungen, welche nicht selten aus überaus blutrünstigen Passagen des Alten Testaments bestehen, welche vor dem Konzil höchstens im Matutin des Breviers, aber niemals in der Messe gelesen wurden, lassen ebenfalls manch eine Frage offen, warum das soeben dargestellte das Wort Gottes ist. Daher hat das vorkonziliare Lehramt niemals die reine Schriftlesung allen empfohlen, da solch eine Lesung den theologisch Ungebildeten vor Probleme stellt, die er selbst nicht lösen kann und an denen er früher oder später verzweifeln wird. Denn es gibt tatsächlich manche Passagen, die wirklich schwierig und widersprüchlich bleiben, auch für Fachleute. Dies hat auch, zwar in einer boshaften Absicht, der, in anderem Kontext verurteilte Peter Abelard (1079-1142) in seinem Werk Sic et non dargelegt, in welchem er widersprüchliche Texte der Kirchenväter zu verschiedenen theologischen, auch biblischen, Problemen auflistet. Seine Lösung war vom Ansatz her eigentlich relativistisch, was ihn natürlich für viele...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 8 von 8. Ohne die Wandlung des Blutes ein unvollkommenes Sakrament?

  Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3 8. Ohne Wandlung des Blutes ein unvollkommenes Sakrament? Über die doppelte Wandlung und ihre Notwendigkeit schreibt der Aquinate (Summ. Theol. III, Q. 76, a.2) folgendes: Zweiter Artikel. Der ganze Christus ist unter einer jeden der zwei Gestalten. [Manche sagen, dass ] a) „Dem steht Folgendes entgegen: I. Das ganze Sakrament dient kraft seines Inhalts dem Nutzen der Gläubigen, nicht kraft der äußeren Gestalten. Ist aber der nämliche Inhalt unter einer jeden von beiden Gestalten, so ist eine völlig überflüssig. II. Unter dem Ausdrucke „Fleisch“ sind hier auch die anderen Teile des Körpers einbegriffen wie die Nerven, Knochen etc. Nun ist das Blut ein solcher Teil des Körpers. Ist also das Blut enthalten auch unter der Gestalt des Brotes, so dürfte es nicht getrennt konsekriert werden, wie auch andere Teile des Körpers nicht getrennt konsekriert werden. III. Was bereits da ist, kann nicht von neuem werden. Der Körper Christi aber ist bereits zugegen nach der Konsekration des Brotes. Also kann er nicht von neuem anfangen, zugegen zu sein bei der Konsekration des Weines. Somit ist unter der Gestalt des Weines nicht der Körper Christi und somit nicht der ganze Christus. [Gegenargument einer Autorität von Thomas zitiert]: Auf der anderen Seite erklärt zu 1. Kor. 1l. (et calicem) die Glosse: „Unter jeder von beiden Gestalten nehmen wir das Nämliche.“ [Thomas eigene Antwort] b) Ich antworte; mit höchster Gewißheit sei festzuhalten, daß unter einer jeden von beiden Gestalten der ganze Christus sei; aber je in anderer Weise (sub utraque specie sacramenti totus est Christus, aliter tamen et aliter). Denn unter der Gestalt des Brotes ist der Leib Christi kraft des Sakramentes, das Blut kraft thatsächlichen Begleitens (Nam sub speciebus panis est quidem corpus Christi ex vi sacramenti, sanguis autem ex reali concomitantia). Unter der Gestalt des Weines aber ist das Blut Christi kraft des Sakramentes, der Leib Christi kraft thatsächlichen Begleitens. (Sub speciebus vero vini est quidem sanguis Christi ex vi sacramenti, corpus autem Christi ex reali concomitantia). Da also jetzt Blut und Leib in Christo thatsächlich geeint sind, ist unter jeder Gestalt der ganze Christus: Fleisch und Blut. Hätten aber die Apostel in den drei Tagen, dass Christi Leib vom Blute getrennt war das Geheimnis gefeiert, so wäre unter der Gestalt des Brotes nur der Leib gewesen, nicht aber das Blut; und unter der Gestalt des Weines wäre nur das Blut gewesen und nicht der Leib. [Die im Teil a vorgebrachten Argumente werden von Thomas entkräftet] c) ad I. Nicht unnütz sind die beiden Gestalten. Denn 1. wird dadurch das Leiden Christi dargestellt, in welchem getrennt ward der Leib vom Blute, wonach in der Form der Konsekration des Weines auch Erwähnung geschieht des Ausgießens des Blutes. Es ist 2. diese Trennung zukömmlich wegen des Genusses der Gläubigen, denen getrennt dargeboten wird der Leib Christi als Speise und sein Blut als Trank. Es ist 3. zukömmlich der Wirkung des Sakramentes, wonach der Leib Christi dargeboten wird für das Heil des Körpers, sein Blut für das Heil der Seele. Im Leiden Christi, dessen Andenken das heilige Sakrament ist, wurde nur das Blut vom Leibe getrennt und kein anderer Teil, nach Exod. 12.: „Seine Knochen sollt ihr nicht brechen.“ III. Nur das Blut ist unter der Gestalt des Weines kraft des Sakramentes, und sonach wird nicht unnützerweise konsekriert das Blut des Herrn, nachdem der Leib konsekriert worden. Soweit Thomas von Aquin. Kurz und gut: die Konsekration des Blutes erfolgt nicht „unnützerweise“, aber die Konsekration des Brotes scheint bei Thomas Vorrang zu haben. Wir lassen uns diesbezügliche gerne korrigieren und belehren, aber unserer Meinung nach, wäre nach der Konsekration des Brotes allein das Brot sicherlich der Leib Christi und eine Kommunion unter einer Gestalt, d.h. des Brotes zulässig. Das Sakrament der Eucharistie, wäre unserer Meinung nach gültig, wenn auch unvollkommen (invalidum). Natürlich wollen wir hier keine Häresien verbreiten, sondern nur...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 7 von 8. Die Wandlung vollzieht sich nach Thomas augenblicklich

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.4.2 7. Die Wandlung vollzieht sich nach Thomas augenblicklich Wie bereits erwähnt erfolgt die Wandlung nach Thomas (Summ. Theol, III, q. 75 a.7) augenblicklich und nicht erst sukzessiv. Der Originalton Thomas von Aquin lautet: Siebenter Artikel. Die Umwandlung in der Eucharistie vollzieht sich im Augenblicke. [Manche sagen, dass] a) Sie vollzieht sich nach und nach. Denn: I. In dieser Wandlung ist die Substanz des Brotes und nachher die Substanz des Leibes Christi. Nicht aber sind sie beide zusammen da im selben Augenblicke. Also sind dies zwei Augenblicke und somit ist dazwischen eine gewisse Zeit, was dasselbe ist wie eine allmähliche Verwandlung. II. Bei jeder Wandlung besteht ein Werden und ein Geschehensein. Dieses Beides aber besteht nicht zugleich. Denn was wird, ist noch nicht geschehen. Also ist da ein Vorher und Nachher und somit eine Entwicklung. III. Dieses Sakrament wird durch die Rede vollbracht (Ambr. 4. Sacr. 4.). Die Rede aber wird nach und nach ausgesprochen. [Gegenargument einer Autorität, von Thomas zitiert] Auf der anderen Seite wird diese Wandlung vollbracht durch unendliche Kraft, der es entspricht, daß ihre Wirkung im Augenblicke da sei und keinerlei Zeit bedürfe. [Thomas eigene Antwort] b) Ich antworte, es gebe eine Veränderung im Augenblicke in dreifacher Weise: Von seiten der Form, welche der Abschlusspunkt ist für die Veränderung. Denn falls eine solche Form oder Eigenschaft ein Mehr oder Minder in sich zuläßt, so wird sie nach und nach vom betreffenden Subjekte erlangt, wie z. B. die Gesundheit. Die substantiale Wesensform aber läßt in sich kein Mehr und Minder zu; es ist z. B. jemand Mensch oder er ist dies nicht. Also erhält der Stoff sie im Augenblicke. Von Seiten des Subjekts oder des Trägers. Bisweilen ist da ein allmähliches Empfangen, wie das Wasser nach und nach warm wird; bisweilen ein plötzliches, wie das Durchscheinende, weil vollständig vorbereitet, auf einmal erleuchtet wird. Von Seiten der wirkenden Kraft, die unendlich ist, so daß sie im Augenblicke den Stoff vorbereitet für das Aufnehmen der Form, nach Mark. 7., wo, nachdem der Herr gesagt: „Ephpheta, was ist, öffne dich,“ sogleich „geöffnet worden sind die Ohren des Menschen und gelöst ward das Band seiner Zunge.“ Nun handelt es sich hier 1. um eine substantiale Form; 2. besteht kein Subjekt oder Träger für diese Wandlung im Sakramente; 3. ist die wirkende Kraft unendlich. Also ist dieselbe im Augenblicke. [Die im Teil a) vorgebrachten Argumente werden von Thomas entkräftet] c) ad I. Manche gestehen das nicht zu, daß zwischen zwei Augenblicken es eine Zwischenzeit gibt; das sei wohl der Fall mit Bezug auf ein und dieselbe Bewegung, aber nicht wenn die zwei Augenblicke sich auf verschiedene Bewegungen beziehen. So wäre zwischen dem Augenblicke, welcher mißt den Endpunkt der Ruhe für die eine Bewegung, und dem Augenblicke, der da mißt den Anfang der anderen Bewegung, keine  Zwischenzeit. Darin aber täuschen sie sich. Denn die Einheit der Zeit und des Augenblicks oder die betreffende Vielheit wird nicht beurteilt nach irgendwelchen Bewegungen, sondern nach der ersten Bewegung des Zentralkörpers, welche ist das Maß für alle Bewegung und für alle Ruhe. Die anderen gestehen deshalb eine solche Zwischenzeit zu für alle Bewegung und Ruhe, die von der Bewegung der Himmelskörper abhängig ist. Es gibt jedoch Bewegungen, welche von den Himmelskörpern nicht abhängig sind, wie z. B. die der Engel (I. Kap. 53, Art. 3.). Also zwischen zwei Augenblicken in solchen Bewegungen bestehe keine Zwischenzeit. Jedoch hat dies hiermit nichts zu thun. Denn allerdings ist diese Wandlung nicht abhängig von der Beziehung zu den Himmelskörpern, sie folgt aber dem Aussprechen der Worte; und dieses wird gemessen durch den Einfluß der Himmelskörper auf die irdische Zeit und Bewegung. Danach also wäre eine Zwischenzeit zwischen zwei bestimmt gekennzeichneten Augenblicken in dieser Wandlung. Andere also wieder sagen, der Augenblick, in dem zuerst da ist der Leib Christi, und der Augenblick, in dem zuletzt da ist das Brot,...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 6 von 8. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.   Kommentar 3.4 6. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre Für die Gültigkeit der Novus Ordo Messe auch beim fehlerhaften Blutwort spricht auch die scholastische Konkomitanzlehre. Laut der Konkomitanzlehre ist durch die Wandlungsworte in jeder heiligen Gestalt der ganze Christus enthalten. Dies bedeutet Jesus Christus von Nazareth, Gott und Mensch, ist mit Leib und Seele, Menschheit und Gottheit sowohl im Wein als auch im Brot wesenhaft unter sakramentalen Gestalten enthalten. Deswegen ist es zulässig nur unter einer Gestalt zu kommunizieren, weil man dadurch die gesamte sakramentale Fülle Christi zu sich nimmt und durch die eine sakramentale Gestalt nichts „verpasst“. So spricht das Konzil von Florenz (1439) im Dekret für die Armenier: „Die Form dieses Sakrament des sind die Worte des Erlösers, mit denen er dieses Sakrament vollzog; der Priester vollzieht dieses Sakrament nämlich, in dem er in der Person Christi spricht. Denn Kraft der Worte selbst wird die Substanz des Brotes in den Leib Christi und die Substanz des Weines in das Blut verwandelt, jedoch so, dass Christus in der Gestalt des Brotes ganz enthalten ist und ganz in der Gestalt des Weines. Auch in jedem beliebigen Teil der konsekrierten Hostie und des konsekrierten Weines ist nach der Teilung Christus ganz.“ (DH 1321) Mit „Teilung“ ist hier die Brotbrechung und die Mischung der Heiligen Gestalten, wie sie in jeder Messe stattfindet, gemeint. Auf dem Konzil von Florenz fußend, kann das Konzil von Trient feststellen: „Kann. 3 Wer leugnet, dass im ehrwürdigen Sakrament der Eucharistie unter jeder der beiden Gestalten und – nach erfolgter Trennung – unter den einzelnen Teilen jeder Gestalt der ganze Christus enthalten ist: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 1653) „Deswegen ist es ganz wahr, dass ebenso viel unter einer der beiden Gestalten wie unter beiden enthalten ist. Ganz und unversehrt ist nämlich Christus unter der Gestalt des Brotes und unter jedwedem Teil ebendieser Gestalt, ganz ebenso unter der Gestalt des Weines und unter seinen Teilen“. (DH 1641) Kurz und gut: nach der erfolgten Konsekration des Brotes und des Weines ist der ganze Christus sowohl im Wein als auch im Brot enthalten. Man könnte aber fragen: Nach welcher Konsekration konkret? Ist damit: die Konsekration des Brotes? die Konsekration des Weines? oder aber die Konsekration des Brotes und des Weines gemeint? Anders formuliert, lässt sich fragen, ob das Sakrament der Eucharistie erst dann stattfindet, wenn sowohl die Konsekration des Brotes als auch die des Weines ohne jegliche Mängel erfolgt ist. Anders gefragt, würde ein Priester nur das Brot ohne den Wein konsekrieren, wäre dann das Sakrament gültig? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Denn erstens behaupten zwar alle Autoren, dass die Vollkommenheit, Vollendung oder Verwirklichung (perfectio) dieses Sakraments in der Konsekration der beiden (utraque) Gestalten besteht.[1] Die Kirche hat immer angenommen, dass zur Gültigkeit des Sakraments die Konsekration der Materie des Sakraments, in diesem Falle von Brot und Wein, erforderlich ist. Es scheint aber, dass der Konsekration des Brotes eine größere Bedeutung als der Konsekration des Weines beigemessen wird. So schreibt der Aquinate (Summ. Theol. III, q. 74, a.1 ad 2.) „Es darf aber nicht das eine ohne das andere konsekriert werden; sonst wäre das Sakrament nicht vollendet (non esset perfectum sacramentum).“[2] Bedeutet aber die Vollendung (perfectio) des Sakraments dasselbe wie seine Gültigkeit? Vielleicht kann ein Thomas-Kenner unter unseren Lesern weiterhelfen. Anders gefragt, angenommen, dass ein Priester nach der Konsekration des Brotes vom Blitz getroffen wird und augenblicklich stirbt, ohne den Wein konsekriert zu haben. Ist dann das Brot der Leib Christi? Unserer Meinung nach schon, da die Konsekration augenblicklich erfolgt und das konsekrierte Brot, als der Leib Christi, gleich nach seiner Wandlung und vor Wandlung des Blutes angebetet wird, ohne das die Konsekration des Blutes nicht abgewartet wird. Nach Thomas (Summ. Theol., III, q. 75 a.7) erfolgt die Wandlung, wie sein Text im nächsten Beitrag beweist, ja augenblicklich und nicht erst sukzessiv....

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 5 von 8. Das Blutwort nach Thomas von Aquin

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3.2 5. Das Blutwort nach Thomas von Aquin Ferner behauptet der Aquinate zum Thema Konsekration des Blutes in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[1]: „ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […] Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […] Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorksten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen Messe infrage stellt,[2] unrecht, obwohl sie es, aufgrund der von ihr verlegten Dogmatik von Diekamp-Jüssen, eigentlich besser wissen sollte. Besser wissen sollte es auch Pfr. Cekada,[3] der in der Ungültigkeitsthese Henry Omlor folgt, welcher den berühmten Traktat mit dem Titel Questioning the Validity oft he Masses using the New All-English Canon verfasste.[4] Der Schreiber dieser Zeilen hat Omlor noch nicht gelesen, da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant. Dufgrund der katholischen Dogmatik kann keine Ungültigkeit der Wandlungsworte wegen der fehlerhaften Form „für viele“ behauptet werden. [1] Übersetzung ist hier zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel784-1.htm [2] Diese Schlussfolgerung kann man aus der folgenden Lektüre ziehen. Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Jaidhof 2012, 127-129. Es handelt sich um Punkt 65. Ist die neue Messe gültig? S. 129: „Somit haben wir den Wandlungsworten tatsächlich einen Irrtum! Diese mussten zwar die Wandlung nicht unbedingt ungültig machen, vor allem dann nicht, wenn der Priester dass „für alle“ in einem Gläubigen sind versteht, nämlich an als Angebot des Heils für alle. Trotzdem bleibt das Anführungszeichen „für alle“ falsch und begünstigt die Häresie.“ Leider hegen die meisten der Gläubigen der Piusbruderschaft aufgrund solcher Lehren, seien es nur Anspielungen, ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit der Neuen Messe und aller Sakramente des Novus Ordo. [3] Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Ohio 2010, 320-324. [4] Nachzulesen http://www.the-pope.com/qtv.html

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 4 von 8. Hl. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3.1 4. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes Die ganze, in Kommentar 3.3 zitierte Thomas-Passage (Summ. Theol. III, 78, q.3), die als solche lesenswert ist und welche wir deswegen in Originalton Thomas unten anführen, lautet wie folgt: Dritter Artikel. Diese Form: „Dies ist der Kelch meines Blutes“, ist höchst zukömmlich. a) Dagegen spricht Folgendes: Es müßte hier heißen, wie in der anderen Form: „Dies ist mein Leib;“ so: „Dies ist mein Blut.“ Also unzulässigerweise steht als direktes Prädikat da: „der Kelch.“ Die Konsekrationsworte des Blutes sind nicht minder wirksam wie die des Leibes. Sogleich aber nachdem gesagt ist: „Dies ist mein Leib,“ ist der Leib Christi gegenwärtig. Hier aber scheint dies nicht der Fall zu sein, da noch andere Worte hinzugefügt werden; oder diese letzteren sind überflüssig. III. Das Neue Testament gehört zur innerlichen Einsprechung, nach Jerem. 31.: „Vollenden werde ich über das Haus Israel das Neue Testament …, indem ich die Gesetze ihnen ins Herz legen werde.“ Ein Sakrament aber wird in nach außen sichtbarer Weise vollendet. Also steht hier unzulässigerweise: „des Neuen Testamentes.“ „Neu“ wird etwas genannt, weil es nahe am Anfange seines Seins ist; — „ewig“, weil es keinen Anfang hat. Also wird hier unzulässigerweise Beides verbunden, indem es heißt: „des Neuen und ewigen Testamentes.“ Die Gelegenheiten des Irrtums sind dem Volke hinwegzunehmen, nach Isai. 57, 14. Viele aber irrten und meinten, nur in mystischer Weise sei hier Leib und Blut des Herrn gegenwärtig. Also darf man nicht sagen: „Mysterium des Glaubens.“ [S. 190] VI. Wie die Taufe das Sakrament des Glaubens ist, so ist die Eucharistie das Sakrament der Liebe. Also durfte hier nicht der Glaube Erwähnung finden.VII. Das ganze Sakrament der Eucharistie, Leib und Blut, ist ein Andenken des Leidens Christi, nach I. Kor. 11.: „So oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, werdet ihr den Tod des Herrn verkündigen.“ Also durfte nicht vorzugsweise in der sakramentalen Form für das Blut das Leiden Christi erwähnt werden; während doch der Herr sagt (Luk. 22.): „Das ist mein Leib, der für euch wird dahingegeben werden.“VIII. Das Leiden Christi ist hinreichend nützlich für alle; und ist thatsächlich wirksam für viele. Also durfte hier nicht gesetzt werden: „Welches vergossen worden für euch und für viele,“ sondern es mußte einfach heißen „für alle“ oder „für viele“ ohne das „für euch.“IX. Kein Evangelist hat berichtet, daß Christus diese Form gebraucht habe; und doch hat sie nur Kraft auf Grund der Einsetzung Christi. Auf der anderen Seite ist diese Form im Gebrauche in der Kirche, die von den Aposteln unterrichtet ist: „Dies ist der Kelch meines Blutes, des Neuen und ewigen Testamentes, das Mysterium des Glaubens, welches für euch und für viele vergossen werden wird zur Vergebung der Sünden.“ b) Ich antworte, rücksichtlich dieser Form herrsche eine doppelte Meinung. Denn die einen sind der Ansicht, zum Wesen derselben gehören nur die ersten Worte: „Dies ist der Kelch meines Blutes;“ nicht aber die folgenden. Dies scheint aber unzulässig. Denn die Worte, welche folgen, sind nähere Bestimmungen des Prädikats: „des Blutes Christi“; gehören somit zur Vollständigkeit der Redeweise. Deshalb meinen andere, alle diese Worte gehören zum Wesen der Form bis zu dem Satze: „So oft ihr dies thun werdet . . .;“ welcher den Gebrauch dieses Sakramentes betrifft. Und deshalb spricht der Priester unter demselben Ritus und in derselben Weise, indem er nämlich den Kelch in den Händen hält, diese Worte aus. Luk. 22. werden ebenfalls Worte, die hier folgen, dazwischengeschoben zwischen jene, die hier vorhergehen: „Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blute.“ Es ist also zu sagen, daß alle diese Worte zur Substanz oder zum Wesen der Form gehören. Jedoch wird durch die ersten Worte: „Dieses ist der Kelch meines Blutes“ bezeichnet die Umwandlung selber des Weines in Blut, in der Weise wie es eben gesagt worden ist rücksichtlich der Konsekrationsform des Brotes....

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 3 von 8. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentenform unerheblich

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.3 3. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentform unerheblich Obwohl die richtige Version der Wandlungsworte „für viele“ und nicht „für alle“ heißt, so ist dennoch diese Änderung für die eigentliche Form des Sakraments unerheblich. Es gilt unter Theologen als eine sententia certa, d.h. eine sichere Meinung,[1] das wesentlich für die gültige Form des Sakraments nur die Worte: Hoc est corpus meum („Dies ist mein Leib“) und Hic est calix sanguinis mei („Dies ist der Kelch meines Blutes“) oder Hic est sanguis meus („Dies ist mein Blut“) sind und nicht das Drumherum.[2] Die Dogmatik von Diekamp-Jüssen stellt die bisherige Lehre zusammenfassend, vgl. Thomas, Summ. Theol. Q. 78, a.1, wie folgt dar: „Diese Worte bezeichnen klar und bestimmt, was durch die Konsekration bewirkt wird. Die vorausgehenden und folgenden Worte auch das enim [„nämlich“ bei der Konsekrationsform der tridentinischen Messe], sind hierfür unerheblich. Es wäre zwar sündhaft, sie auszulassen; aber die Gültigkeit hängt nicht von ihnen ab. Die Worte bei der Konsekration des Kelches: novi et aeterni testamenti [„des neuen und ewigen Bundes“], mysterium fidei [„Geheimnis des Glaubens“], qui pro vobis et pro multis effundetur in remissionem peccatorum [„das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“] zeigen nach Thomas Summ. Theol. III. Q. 73 a.3 drei Wirkungen des beim Leiden Christi vergossenen Blutes an, nämlich (ad 1) die Erlangung der ewigen Erbschaft, (ad 2) die Rechtfertigung durch den Glauben (ad 3) und die Nachlassung der Sünden.“ [3] Der Hl. Thomas von Aquin vertritt zwar die Meinung, dass (1) bis (3) die Worte de substantia formae seien, was in etwa mit „von der Substanz her die Form betreffend“ übersetzt werden kann. Dies ist aber so zu verstehen, dass Thomas, entgegen einigen späteren Thomisten, zwischen der sakramentalen Form im engeren Sinne (sensu stricto) und der sakramentalen Form im weiteren Sinne (sensu lato) unterscheidet. Nur die Erstere, d.h. die Form sensu stricto: „Dies ist mein Leib“, „Dies ist mein Blut“ wesentlich für die Gültigkeit der Form ist. Wohingegen die Letztere, d.h. die Form sensu lato, zwar die Würdigkeit, aber nicht das Wesen des Sakraments selbst betrifft. Dies ist die Auslegung des Schreibers dieser Zeilen, welcher hier mit Diekamp-Jüssen und anderen konform geht.[4] Wie auch bei anderen theologischen Problemen lautet die Lösung ite ad Thomam, d.h. „geht zur Thomas“, der in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[5] wie folgt schreibt:  „ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […]  Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […]“ Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorsten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 2 von 8. Gültigkeit der Messe beim veränderten Blutwort?

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.2 2. Gültigkeit der Messe beim veränderten Blutwort? Das Blutwort „für alle“ ist also biblisch, theologisch und von der Logik und gesunden Menschenverstand her schlichtweg falsch. Es stellt sich daher die Frage, ob die Sakramentenform durch das neue Blutwort („für alle“) dermaßen stark verändert worden ist, dass das Sakrament selbst und somit die ganze Neue Messe ungültig ist? Denn wie wir hoffentlich aus der Sakramententheologie wissen, muss die Form und Materie des Sakraments unverändert beibehalten werden, damit ein Sakrament stattfindet. Obwohl das Blutwort verändert worden ist, so betrifft dennoch diese Änderung nicht die sakramentale Form sensu stricto. Dies bedeutet, dass auch bei verändertem Blutwort die Neue Messe gültig ist. Diese These lässt sich ausschließlich aufgrund der vorkonziliaren Theologie beweisen. Worin besteht eigentlich die Form der heiligen Eucharistie? Sie besteht, nach der Meinung der Theologen, in den Worten, durch die Christus selbst konsekriert hat. Er tat dies durch die Worte: „Dies ist mein Leib“, „Dies ist der Kelch meines Blutes“. Diese Auffassung ist eine sententia certa, d.h. eine sichere theologische Meinung, wie es die meisten vorkonziliaren Dogmatiker darlegen[1] und welche explizit beim Hl. Thomas von Aquin zu finden ist (Summ. Theol. III q. 68). Dies ist zweifelslos auch der Sinn der Aussage des Konzils von Trient (DH 1636, 1637): „ […] dass unser Erlöser dieses so wunderbare Sakrament beim letzten Abendmahl eingesetzt hat, als er nach der Segnung von Brot und Wein mit klaren und deutlichen Worten bezeugte, dass er ihnen seinen eigenen Leib und sein Blut hingebe; da diese Worte, die von den heiligen Evangelisten berichtet [vgl. Mt 26, 26-29; Mk 14, 22-25; Lk 22, 19 f.] und später vom göttlichen Paulus wiederholt wurden [vgl. 1 Kor 11, 24 f.] jene eigentümliche und ganz offensichtliche Bedeutung an den Tag legen, in der sie von den Vätern verstanden wurden […]“. (DH 1637) Liest man die oben genannten Bibelstellen nach, so kann man interessanterweise feststellen, dass genau dort der nachkonziliare Biblizismus aufhört, wo es den Reformern gerade passt. Denn nirgendwo können wir im Neuen Testament die Formulierung „für alle“, sondern ausschließlich „für viele“ nachlesen. Natürlich wurde von manchen Theologen viel Tinte vergossen, um zu beweisen, dass für viele gleichbedeutend mit für alle ist. Ein pseudoakademisches Diktat, leider kein dictatus papae, dem sich sogar Benedikt XVI als Papst verpflichtet sah, wie man seinem Schreiben vom 24.04.2012 an die deutsche Bischofskonferenz entnehmen kann: „Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen. Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden. Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei. Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.“[2] Es ist wirklich bedauernswert, dass ein amtierender Papst und höchster Vertreter des ordentlichen Lehramtes es sich mit den deutschen, akademischen Kreisen nicht verderben möchte und daher in seiner Stellungnahme sich gezwungen sieht zur längst überholten Exegese der 1960er Stellung zu nehmen. Welch ein abstruses Denken! Die deutschen und anderen Bischöfe sahen sich bei der Übersetzung des Missale einem damals modernen „exegetischen Konsens“ verpflichtet,...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 1 von 8. „Für alle“ statt „für viele“ als Beispiel einer neuen Formulierung

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein. [Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird. Kommentar 3.1 Die Aussage von Dom Guéranger stimmt. Die Heilige Schrift selbst stellt die „Reformer“ bloß und deswegen wurden die Schriftlesungen in der Novus Ordo Messe dermaßen stark zensiert, dass manche Passagen wegfielen und andere nur optional zu lesen sind. 1. „Für alle“ statt „für viele“ als Beispiel einer neuen Formulierung Die Einführung neuer Formulierungen lässt sich sehr deutlich am Kelchwort darstellen, welches im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz trotz Anweisungen aus Rom wieder einmal nicht verbessert worden ist. Denn es heißt ja im normativen, lateinischen Original: „Dies ist mein Blut, das für euch und für viele (pro multis) vergossen wird.“ Im deutschsprachigen Raum heißt es aber seit wohl 1969: „Dies ist mein Blut, das für euch und für alle (pro omnibus) vergossen wird.“ Das Letztere ist nicht biblisch, es steht entgegen jeder kirchlichen Tradition und ist häretisch, denn es legt den Allerlösungsgedanken nahe, wonach alle unterschiedslos in den Himmel kommen werden. Die Allerlösungslehre ist aber falsch und sie wurde als sog. Origenismus mehrmals von der Kirche verurteilt und verworfen (DH 411). Aus der Verurteilung der Lehre des Origenes, welcher eine Aufhebung des Strafortes am Ende der Zeiten annahm, wodurch die ehemals Bestraften, d.h. die gottlosen Menschen, auch in den Himmel eingehen konnten, resultiert die ewige Wirklichkeit der Hölle, welche natürlich nicht leer ist. Die Hölle ist also keine Möglichkeit, sondern eine Wirklichkeit für die jene, die in einer aktuellen Todsünde sterben (DH 338, 342, 1002, 1306). Natürlich kann man sagen, dass die Formulierung „für alle“ nicht direkt gegen die Wirklichkeit der Hölle und für die Allerlösungslehre steht. Da aber Liturgie als gefeiertes Dogma das theologische Denken prägt, so ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland und in denjenigen Ländern, wo es „für alle“ heißt, der Glaube an die Hölle und die Möglichkeit der ewigen Verdammnis schwindet, besonders bei Priestern, die diese Messen zelebrieren. Bei der Untersuchung der Unterscheidung zwischen „für viele“ und „für alle“ muss festgestellt werden, dass die wahre katholische Theologie zwischen redemptio (Erlösung) und salus (ewiges Heil) unterscheidet. Christus hat zwar – und dies ist die Erlösung (redemptio) – für alle Menschen sein Blut vergossen und ihnen die Möglichkeit gegeben, wenn sie wollen, sich zu bekehren, nach seinen Geboten zu leben und zum ewigen Heil (salus) zu gelangen. Da aber nicht alle dieses Angebot angenommen haben oder annehmen werden, denn man hat ja einen freien Willen auch zum Sündigen und Gott zu widerstehen, so wurde das Blut Christi nicht für absolut alle, sondern faktisch für euch, d.h. für die Apostel und für viele, d.h. für künftige Christen vergossen. Es wurde jedoch nicht für alle vergossen, da nicht absolut alle Menschen bis zum Jüngsten Gericht die Früchte der Erlösungstat Christi annehmen werden. Daher ist Rahners Lehre von den „anonymen Christen“, welche überall unter Atheisten, Agnostiker und andere Religionen existieren, ohne bewusst zu wissen dass sie Christen sind, schwer häretisch. Sie ist eigentlich auch für die Vertreter anderer Religionen beleidigend. So sagte angeblich zu Rahner ein buddhistischer Mönch: „Ich bin kein anonymer Christ. Sie sind auch kein anonymer Buddhist“. Natürlich führt diese rahnerische Lehre dazu, dass sich viele, wenn nicht alle, Kirchenbeamten und Gremienkatholiken in ihren Sesseln tiefenentspannen, denn da alle sind anonyme Christen sind und alle in den Himmel kommen werden, so brauchen wir wirklich nichts zu tun. Scholastisch und katholisch gesprochen stehen aber die Früchte der Erlösung in potentia (der Möglichkeit nach) allen offen, in actu (der Verwirklichung nach) aber werden sie nur von manchen, nicht von allen, angenommen. Und da beim letzten Abendmahl Christus Gott war und es immer noch ist, so wusste er bei der Einsetzung des Blutwortes wie die Zukunft der Menschheit sich bis zur Ende der Zeiten gestalten wird. Es werden viele, aber nicht alle gerettet werden und zum ewigen Heil (salus) gelangen. Dies zu verneinen würde nicht nur die gesamte kirchliche Tradition infrage stellen, sondern auch den menschlichen freien Willen,...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln

Anbei der dritte Teil der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar, Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert. Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so endete dies damit den Launen der Reformatoren nachzugeben, welche als die letzte Instanz nicht nur ausschließlich über den Sinn des Wortes Gottes, sondern auch über den Fakt dieses Wortes entscheiden. So fand Martin Luther, dass Pantheismus, Nutzlosigkeit der guten Werke und Genügsamkeit der Gnade diejenigen Dogmen sind, die in seinem System etabliert werden müssen. Daher erklärte er, dass der Jakobusbrief ein Strohbrief und kein kanonischer Brief sei. Er tat dies einzig und allein deswegen, weil durch eben diesen Brief die Notwendigkeit der guten Werke für das Heil gelehrt wird. In allen Zeiten und unter [der Verwendung] aller Formen wird es dasselbe sein: keine kirchlichen Formeln; die Schrift allein, aber interpretiert, aber ausgewählt, aber präsentiert durch diejenigen, welche darin ihren Nutzen der Neuerung finden. Dieser Falle ist aber für die einfachen Gläubigen gefährlich, die erst nach einer längeren Zeit wahrnehmen, dass sie getäuscht worden sind und dass das Wort Gottes, dieses zweischneidige Schwert, wie der Apostel sagt, ihnen große Wunden zugefügt hat, denn es wurde manipuliert durch die Söhne der Verderbnis. Kommentar Hier sehen wir den eigentlichen Grund des protestantischen, jansenistischen und nachkonziliaren Biblizismus. Denn beschränkt man sich auf die Schrift allein (sola Scriptura) oder vornehmlich auf die Schrift, so kann man sie auslegen, wie es einem gerade passt. Wie man aus der Versuchung Christi ersehen kann, kennt der Widersacher Gottes die Schrift sehr gut und setzt sie auch geschickt ein. Deswegen hat die Kirche immer zwischen dem kultischen Schriftgebrauch, in welchem nicht alle Passagen verwendet wurden und dem persönlichen Gebrauch der Heiligen Schrift, welcher dem Studium oder der Frömmigkeit diente, unterschieden. Bis zum Konzil war man der Meinung, dass nicht jede Schriftlesung in den öffentlichen Kult der Kirche gehörte, da nicht alles frommt. Und daher die ausgewählten Schriften im Missale romanum und daher nur ein Jahreszyklus einer Schriftlesung und eines Evangeliums in Vetus Ordo. Das nachkonziliare Durcheinander des Dreijahreszyklus der Sonntagslesungen bringt den Gläubigen nur dazu zu erkennen, dass es Unterschiede und Widersprüche in der Bibel gibt, die weder er, noch der predigende Pfarrer lösen kann. Die Perikopen der Wochentagslesungen, welche nicht selten aus überaus blutrünstigen Passagen des Alten Testaments bestehen, welche vor dem Konzil höchstens im Matutin des Breviers, aber niemals in der Messe gelesen wurden, lassen ebenfalls manch eine Frage offen, warum das soeben dargestellte das Wort Gottes ist. Daher hat das vorkonziliare Lehramt niemals die reine Schriftlesung allen empfohlen, da solch eine Lesung den theologisch Ungebildeten vor Probleme stellt, die er selbst nicht lösen kann und an denen er früher oder später verzweifeln wird. Denn es gibt tatsächlich manche Passagen, die wirklich schwierig und widersprüchlich bleiben, auch für Fachleute. Dies hat auch, zwar in einer boshaften Absicht, der, in anderem Kontext verurteilte Peter Abelard (1079-1142) in seinem Werk Sic et non dargelegt, in welchem er widersprüchliche Texte der Kirchenväter zu verschiedenen theologischen, auch biblischen, Problemen auflistet. Seine Lösung war vom Ansatz her eigentlich relativistisch, was ihn natürlich für viele heutigen Theologen zum modernen Vordenker machte. Im Gegensatz dazu wollte die Kirche bis zum letzten Konzil gerade den Glauben der einfachen, sprich der ungelernten und der theologisch ungebildeten Leute durch die Liturgie schützen und nicht aushöhlen. Daher wurde auch die...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (2). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln

Anbei der zweite Text der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar, der die Gefahren des reinen Biblizismus ein wenig beleuchtet. Die lehramtlichen Texte sind der neuesten Ausgabe des Denzinger-Hünermann (DH, 43. Auflage) entnommen. Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert. Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so endete dies damit den Launen der Reformatoren nachzugeben, welche als die letzte Instanz nicht nur ausschließlich über den Sinn des Wortes Gottes, sondern auch über den Fakt dieses Wortes entscheiden. So fand Martin Luther, dass Pantheismus, Nutzlosigkeit der guten Werke und Genügsamkeit der Gnade diejenigen Dogmen sind, die in seinem System etabliert werden müssen. Daher erklärte er, dass der Jakobusbrief ein Strohbrief und kein kanonischer Brief sei. Er tat dies einzig und allein deswegen, weil durch eben diesen Brief die Notwendigkeit der guten Werke für das Heil gelehrt wird. In allen Zeiten und unter [der Verwendung] aller Formen wird es dasselbe sein: keine kirchlichen Formeln; die Schrift allein, aber interpretiert, aber ausgewählt, aber präsentiert durch diejenigen, welche darin ihren Nutzen der Neuerung finden. Dieser Falle ist aber für die einfachen Gläubigen gefährlich, die erst nach einer längeren Zeit wahrnehmen, dass sie getäuscht worden sind und dass das Wort Gottes, dieses zweischneidige Schwert, wie der Apostel sagt, ihnen große Wunden zugefügt hat, denn es wurde manipuliert durch die Söhne der Verderbnis. Kommentar Hier sehen wir den eigentlichen Grund des protestantischen, jansenistischen und nachkonziliaren Biblizismus. Denn beschränkt man sich auf die Schrift allein (sola Scriptura) oder vornehmlich auf die Schrift, so kann man sie auslegen, wie es einem gerade passt. Wie man aus der Versuchung Christi ersehen kann, kennt der Widersacher Gottes die Schrift sehr gut und setzt sie auch geschickt ein. Deswegen hat die Kirche immer zwischen dem kultischen Schriftgebrauch, in welchem nicht alle Passagen verwendet wurden und dem persönlichen Gebrauch der Heiligen Schrift, welcher dem Studium oder der Frömmigkeit diente, unterschieden. Bis zum Konzil war man der Meinung, dass nicht jede Schriftlesung in den öffentlichen Kult der Kirche gehörte, da nicht alles frommt. Und daher die ausgewählten Schriften im Missale romanum und daher nur ein Jahreszyklus einer Schriftlesung und eines Evangeliums in Vetus Ordo. Das nachkonziliare Durcheinander des Dreijahreszyklus der Sonntagslesungen bringt den Gläubigen nur dazu zu erkennen, dass es Unterschiede und Widersprüche in der Bibel gibt, die weder er, noch der predigende Pfarrer lösen kann. Die Perikopen der Wochentagslesungen, welche nicht selten aus überaus blutrünstigen Passagen des Alten Testaments bestehen, welche vor dem Konzil höchstens im Matutin des Breviers, aber niemals in der Messe gelesen wurden, lassen ebenfalls manch eine Frage offen, warum das soeben dargestellte das Wort Gottes ist. Daher hat das vorkonziliare Lehramt niemals die reine Schriftlesung allen empfohlen, da solch eine Lesung den theologisch Ungebildeten vor Probleme stellt, die er selbst nicht lösen kann und an denen er früher oder später verzweifeln wird. Denn es gibt tatsächlich manche Passagen, die wirklich schwierig und widersprüchlich bleiben, auch für Fachleute. Dies hat auch, zwar in einer boshaften Absicht, der, in anderem Kontext verurteilte Peter Abelard (1079-1142) in seinem Werk Sic et non dargelegt, in welchem er widersprüchliche Texte der Kirchenväter zu verschiedenen theologischen, auch biblischen, Problemen auflistet. Seine Lösung war vom Ansatz her eigentlich relativistisch, was ihn natürlich für viele heutigen Theologen zum modernen Vordenker machte. Im Gegensatz dazu wollte die Kirche bis zum letzten Konzil gerade den...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (1). Hass gegen vorformulierte, liturgische Formen

Da nicht alle unserer Leser ein Hochschulstudium im Allgemeinen und ein Theologiestudium im Besonderen absolviert haben, so werden wir die weniger bekannten Begriffe mit Fußnoten erläutern, die mit arabischen Ziffern angegeben sind. Die mit römischen Ziffern hingegen zeichnen die Fußnoten des Originaltextes aus. Alle kursiv geschriebenen Sätze sowie Sätze IN GROSSBUCHSTABEN stammen im nachfolgenden Text von Dom Guéranger O.S.B. selbst. Das erste Kennzeichen der antiliturgischen Häresie ist der Hass gegen die Tradition, welche in den [vorformulierten] Formeln des göttlichen Kultes [ihren Ausdruck findet]. Es lässt sich nicht leugnen, dass dies das Spezialmerkmal aller Häretiker ist, die wir genannt haben: vom Vigilantius[1] bis zum Calvin und der Grund dafür ist einfach zu nennen. Jeder Sektierer, der eine neue Doktrin einführen will, findet sich untrüglich angesichts der Liturgie wieder, welche die Tradition in ihrer höchsten Vollmacht verkörpert und er wird nicht eher ruhen bis er diese Stimme verstummen lässt, bis er die Seiten, welche an den Glauben der vergangenen Jahrhunderte erinnern in Stücke zerreißt. Wie haben es denn der Lutheranismus, der Calvinismus und der Anglikanismus geschafft über die Maßen [der Gläubigen] die Oberhand zu gewinnen und diese zu erhalten? Alles was sie zu tun brauchten, war es die alten [liturgischen] Bücher und die alten [liturgischen] Formeln mit neuen [liturgischen] Büchern und mit neuem [liturgischen] Formeln zu ersetzen und alles war vollendet. Es gab nichts mehr, was die neuen Lehrer peinlich berühren konnte; sie konnten nunmehr nach ihrem Gutdünken predigen: der Glaube des Kirchenvolkes lag von nun an ohne Verteidigung dar. Luther Begriff diese Vorgehensweise mit einer Scharfsinnlichkeit, die unserer Jansenisten[2] würdig war, als er in der ersten Periode seiner Neuerungen, in einer Epoche, in welcher er sich gezwungen sah noch einen Teil der äußeren Formen des lateinischen Kultes zu wahren, damals schon setzte er die nachfolgende Bestimmung für die reformierte Messe ein: „Wir befürworten und bewahren die Introitus[3] der Sonntage und der Herrenfeste, d.h. Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Wir sollen aber darauf Wert legen, dass die gesamten Psalmen in diesen Introitus gesungen werden, wie es früher der Fall war; wir wollen aber uns an den jetzigen Brauch anpassen. Wir verurteilen nicht diejenigen, welche die Introitus auch an Apostelfesten, an Festen der Gottesmutter Maria und an anderen Heiligenfesten beibehalten wollen, WENN DIESE DREI INTROITUS DEN PSALMEN UND ANDEREN FRAGMENTEN DER SCHRIFT ENTNOMMEN WERDEN.[i] Er [Luther] verabscheute die heiligen Gesänge, welche die Kirche selbst als Ausdruck ihres Glaubens komponierte. Er spürte in ihnen die Lebenskraft der Tradition, welche er verbannen wollte. Würde er der Kirche das Recht zugestehen ihre Stimme auf den [protestantischen] Gebetsversammlungen mit den Sprüchen der Heiligen Schrift zu vermischen, so würde er hören, wie Tausende [singende] Münder [der Gläubigen] die neuen Dogmen mit einem Anathema belegen. Daher sein Hass gegen all das in der Liturgie, was nicht ausschließlich aus der Heiligen Schrift extrahiert wurde. [1] Vigilantius (gest. ca. 400) trat in seinen Schriften u.a. gegen das Zölibat, den Reliquienkult und die Heiligenverehrung auf. Er wurde schriftlich und polemisch vom Hl. Hieronymus bekämpft, hauptsächlich in der Schrift Contra Vigilantium (Gegen Vigilantius). [2] Eine theologisch-religiös-politische Strömung die Ende des XVII Jhds. von Frankreich ausging und eigentlich bis zum Vatikanum II nachwirkte. Man kann sie sicherlich als den Versuch der Protestantisierung der Kirche von innen heraus bezeichnen. Die Jansenisten empfahlen eine seltene Kommunion und eine noch seltenere Beichte, um sich der eigenen Sündigkeit und Unwürdigkeit bewusst zu werden. Sie unterstrichen das Ausmaß der Konsequenzen der Erbsünde so sehr, dass sich viele von Gott verworfen sahen. Sie traten gegen den Kult der Heiligen und der Reliquien auf und forderten mehr Biblizismus. Interessanterweise wurden sehr viele der jansenistischen Forderungen, welche die Kirche über drei Jahrhunderte bekämpfte, nicht nur durch das Vatikanum II und die nachfolgende Liturgie verwirklicht aber eigentlich schon durch die Brevierreform des Pius X. [3] Eingangsgesang in der Liturgie der Tridentinischen Messe. Es besteht aus vereinzelten Psalmenversen, aber nicht aus einem ganzen Psalm, aus Gloria Patri und der Wiederholung des Vorderteils. So sieht der Introitus zum Siebten Sonntag nach Pfingsten wie folgt aus: [Ps. 46,2] Omnes gentes, plaudite manibus: jubilate Deo in voce exsultationis. [Ps. 46, 3] Quoniam Dominus excelsus, terribilis: Rex maguns super omnem terram. Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto. Omnes gentes, plaudite manibus: jubilate Deo in voce exsultationis. Die deutsche Übersetzung lautet wie folgt: „Ihr Völker alle, klatschet in die Hände; jubelt zu Gott mit lautem Jauchzen. Denn hocherhaben und gewaltig ist der Herr: der große König über alle Welt. Ehre sei dem Vater und dem Sohn etc. Ihr Völker alle, klatschet in die Hände; jubelt zu Gott mit lautem Jauchzen.“ Der Grund für die Auswahl der Psalmenverse liegt, von der Länge z.B des Psalms 119 abgesehen, darin, dass die Kirche mit dieser Auswahl eine liturgisch-dogmatische Aussage trifft. [i] Lebrun, Explication de la Messe, tom. IV, pag. 13. Kommentar Der o.a. Text zeigt überdeutliche Parallelen aller heterodoxen Liturgiereformen mit den...

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Antiliturgische Häresie – Einführung des Übersetzers

Wenn jemand, musiktheoretisch gesprochen, mit dem Vordersatz: „Do it yourself“ beginnt, so lautet der Nachsatz oft: „Weil es außer dir niemand tut“. Diese Lehre wurde auch uns zuteil, da wir ursprünglich vorhatten die fertige Übersetzung der Antiliturgischen Häresie von Prof. Fiedrowicz zu übernehmen und hier einfach einzufügen.[1] Doch bei der näheren Betrachtung stellte sich heraus, dass Prof. Fiedrowicz ein so großes Ausmaß an Autozensur vornahm, dass vom tatsächlichen Text von Dom Prosper Guéranger manchmal wenig übrig bleibt. Wir können uns nur fragen, wovor sich ein gestandener, verbeamteter Wissenschaftler und katholischer Priester so fürchtet, um einen Autor des mittleren 19. Jahrhunderts dermaßen zensieren zu müssen. Wie es immer auch sei, wir stellen den Text des Abtes von Solesmes in einer eigenen Übersetzung und in einer ungekürzten Fassung dar. Diejenigen unserer Leser, welche das Französische gut beherrschen, können es selbst hier nachlesen.[2] Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Antiliturgische Häresie als Bestandteil des ersten Bandes der Institutions liturgiques bereits 1854 auf Deutsch übersetzt wurde, da eben in diesem Jahre dieses erste Band als Liturgische Unterweisungen herausgegeben worden ist.[3] Man könnte also in eine Stadt fahren, in deren Universitätsbibliothek sich ein Exemplar dieses Buches befindet oder es durch die Fernleihe bestellen. Doch dieser Aufwand erscheint uns zu groß. Wir wollen auch der Versuchung zur Faulheit nicht nachgeben, denn macht man es sich immer zu bequem und zu einfach, so läuft man mit der Zeit vor jeder sprachlichen oder anders gearteten Herausforderung Versuchung davon. Ferner stellt sich auch die Frage, inwieweit die deutsche Sprache von 1854 heute noch auch für den deutschen Muttersprachler verständlich sein würde. An dieser Stelle sei angefügt, dass der Abt von Solesmes eine äußerst kunstvolle Literatursprache des mittleren 19. Jahrhunderts verwendet, deren Eleganz, Doppelbödigkeit und manchmal auch Malice wohl am Treffendsten von einem großen deutschen Romancier des 19. oder des frühen 20. Jahrhunderts wiedergegeben werden könnte. Da aber Theodor Storm, Theodor Fontane und Thomas Mann mittlerweile verstorben sind, so muss der Schreiber dieser Zeilen sich selbst mit dem französischen Original messen. Wie man an den vorhandenen Übersetzungen ersehen kann, denn auf Englisch, Polnisch und unter Auslassungen auch auf Deutsch ist dieser Text bereits erschienen, tendieren alle Übersetzer dazu manches zu vereinfachen und zu verkürzen oder gar auszulassen, was leider dem Genie und der Wortkraft des Abtes von Solesmes nicht gerecht wird. Sollen unseren französisch sprechenden Lesern irgendwelche sprachlichen Ungenauigkeiten auffallen, so mögen sie diese mit Verbesserungsvorschlägen an uns schicken. Vielleicht entsteht auf diesem Wege eine gute deutsche, sprachlich zeitgemäße Fassung dieses so wichtigen Textes. Der heutige Leser der Antiliturgischen Häresie kann leicht den Verdacht schöpfen, dass es sich bei diesem Text um ein Pseudoepigraph[4] oder um vaticinium ex eventu[5] handelt, in welchem ein heutiger Traditionalist, Anhänger der Piusbruderschaft oder ein Sedivakantist, um die nachkonziliaren Reformen zu desavouieren einen Benediktinerabt des mittleren 19. Jahrhunderts erfindet und ihm bestimmte Aussagen in den Mund legt. Dies ist jedoch wirklich nicht der Fall. Wir haben es hier tatsächlich mit einem Text zu tun, der ungefähr 100 Jahre vor dem letzten Konzil verfasst wurde.[6] Tatsächlich sind alle von Dom Prosper Guéranger beschriebenen Mängel und liturgischen Fehlentwicklungen, die er in der Vergangenheit beobachtet hat und auf den Punkt bringt, in der nachkonziliaren Zeit eingetreten. Sie traten innerhalb der kürzesten Zeit, denn was sind schon 50 Jahre an den 2000 Jahren der gesamten Kirchengeschichte gemessen, mit einer solchen Vehemenz auf, die in der bisherigen Kirchengeschichte beispiellos ist. Da der Abt von Solesmes die Reihenfolge des Verfalls genau vorausgesehen hat, so kommt man nicht umhin ihm außer den hervorragenden analytischen Fähigkeiten, auch den tatsächlichen Geist der Prophetie zugestehen zu müssen. Wir hoffen, dass diese Lektüre zum weiteren Verständnis der nachkonziliaren Entwicklung beiträgt. [1] Enthalten in Una Voce Korrespondenz 3 (2010) 33-36. http://www.una-voce.de/uploads/1/2/8/3/12837883/10_h_3.pdf [2] http://www.abbaye-saint-benoit.ch/gueranger/institutions/volume01/volume0114.htm#_Toc126113301 http://www.liberius.net/livres/Institutions_liturgiques_%28tome_1%29_000000253.pdf Auf Englisch ohne Kapitel 12 findet es sich hier: http://www.catholicapologetics.info/modernproblems/newmass/antigy.htm [3] Prosper Guéranger. Aus dem französ. übersetzt von Jakob Fluck, Bd. 1: Die Geschichte der Lithurgie von Christus bis zum Ende des 16. Jahrhunderts enthaltend, Regensburg, 1854. [4] Als Pseudoephigraph bezeichnet man das Phänomen, dass ein Text bewusst im Namen einer bekannten Persönlichkeit abgefasst oder fälschlicherweise einer solchen zugeschrieben wird. [5] Eine „Prophetie“, die im Nachhinein von jemanden geschrieben wird, der die Ereignisse in der Vergangenheit schon kannte. So verfasst jemand z.B im Jahre 1000 einen Text, welchen er jemanden im III Jhd. zuschreibt, welcher den Untergang Westroms im Jahre 476 voraussagt. [6] Guéranger, Prosper Dom O.S. B., Institutions liturgiques, Tom.1, Paris-Bruxelles 187820, 397-407. Die Erstausgabe stammt aus dem Jahre 1840....

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