Tradition und Glauben

Gebetserfahrung und Meditatio

Sicherlich würde es sich lohnen bei dem heutigen, inflationären Gebrauch der Begriffe „Meditation“ und „meditieren“ die katholisch-aufgefasste Meditation, sprich Betrachtung, von allen Fällen der östlichen und esoterischen Meditationsarten abzugrenzen. Wahrscheinlich hatte dies schon jemand getan und wir wollen uns auch diesem Thema irgendwann in der Zukunft gründlich widmen. An dieser Stelle soll aber eine wirklich nur grundlegende und verkürzte Sicht der katholischen Auffassung von Meditation erfolgen. Um ganz kurz auf den eventuelle Frage zu antworten, ob Christen nichts von den fernöstlichen Meditation lernen können, antworten wir kurz: „Nein, sie können es nicht.“ Denn diesen, d.h. den östlichen Meditationen, liegt ein ganz anderes Gottesbild und Menschenbild zu Grunde. Ich wähle ja auch andere Reisemittel und Reisekleidung, wenn ich nach Alaska oder nach Tunesien fahre. Da das Ziel eines jeglichen Gebetes der Kontakt mit Gott, der Gottheit, dem Übernatürlichen ist, so hängt die Gebetsweise selbstredend von der Sicht der Gottheit ab. Hätten aber alle Religionen dieselbe Sicht Gottes/Gottheit/des Übernatürlichen so gäbe es nur die eine Religion. Daher ist es nur selbstverständlich, dass verschiedene Gebetspraktiken zu einer verschiedener Sicht Gottes führen oder führen können. Die lange Geschichte der christlichen Spiritualität, Mystik oder Aszetik erzählt diese Geschichte. So wirkt sich sowohl eine häretische Sicht Gottes auf das Gebetsleben aus (Gnostiker, Protestanten, Charismatiker), wie auch eine verkehrte Gebetspraxis (siehe Quietismus) langfristig ein falsches Gottesbild entwickelt. Es stimmt tatsächlich, dass alle Christen, Katholiken oder Ordensleute, die sich längere Zeit mit der fernöstlichen Meditationen befassten und sie einübten, nach und nach ihre christliche, katholische Identität und Ordensidentität sowie ihren Glauben verloren und manche zu Zen-Buddisten, Atheisten, Okkultisten oder Esoteriker wurden. Man könnte in diesem Kontext einige Namen von Ex-oder Noch-Jesuiten oder Dominikanern anführen. Daher ist festzuhalten, dass weder die Definition der Meditation, noch die Meditationspraxis selbst für unser geistliches Leben gleichgültig ist. 2. Meditatio – die Betrachtung Unter der Meditation versteht man grundsätzlich das erwägende Lesen eines Textes, also das Lesen mit Verständnis. Es ist für uns alle, die wir Deutsch können, klar, dass wir auf Deutsch geschriebene Texte, die wir lesen auch verstehen. Wenn man aber eine Sprache nur soweit kann, dass man sie einigermaßen korrekt vorlesen kann, wie die meisten von uns zum Beispiel Finnisch, so wird die Sache schon komplizierter. Wie wir uns erinnern können, konnten auch vor dem Konzil nicht alle so gut Latein, dass sie alle gelesenen Texte tatsächlich verstanden haben. Manchmal waren es einzelne Worte, manchmal mehrere Passagen, manchmal ganze Gebete und Psalmen. Es ist tatsächlich so, dass die sprachlichen Begabungen verschieden ausfallen. Manche sind für Latein mehr als für die gängigen Fremdsprachen begabt, bei manchen ist es umgekehrt. Versetzen wir uns also in die Lage von jemanden, der im Moment ausschließlich den Satz: Deus in adiutorium meum intende – „Herr, komm zu meiner Hilfe“ versteht. Diese Meditation könnte mit der Überlegung über die Person, die Eigenschaften und den Rang Gottes (Deus) beginnen oder mit der Frage: „Wer ist Gott und wer bin ich?“ Man könnte dabei alle 33 Attribute Gottes durchgehen, sie erwägen, in sich die Affekte des Lobes, des Dankes, der Ehrfurcht und der Anbetung erwecken und Gott für seine Anwesenheit im eigenen Leben danken. Danach könnte man sich am Tage bestimmte Zeiten festsetzen, an denen man sich in die Gegenwart Gottes versetzt und sich an ein bestimmtes göttliches Attribut (z.B. der Allgegenwart) erinnert. Wie man sich vorstellen kann,...

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Gebetserfahrung und Lectio

Wie treffend Augustin Poulain SJ bemerkt, besteht die eigentliche Schwierigkeit bei spirituellen Texten in der Abgrenzung und Feststellung, welchen Zustand und welche Gebetsart der Schreiber eigentlich meint, da viele Autoren für denselben Zustand verschiedene Ausdrücke verwenden. Diese Problematik wird besonders, wie es der französische Jesuit vorbildlich heraus arbeitet, bei den fortgeschrittenen Gebetsstufen prekär. Wir wollen aber an dieser Stelle nicht seinen Ausführungen vorgreifen, die wir auf unserem Blog noch zu genüge vorstellen und kommentieren werden. Wir wollen vielmehr einen Grundriss der ersten beiden Gebetsstufen vorlegen, der an diejenigen gerichtet ist, die sich mit dieser Thematik vielleicht zum ersten Mal befassen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte das Glück schon im Alter von 16 Jahren das Buch „Saal der 1000 Türen: Briefe über das Gebet“ von Pater Henri Caffarel gelesen zu haben, einem französischen Priester, welcher die, der Erneuerung der christlichen Ehe gewidmete Bewegung, Équipes Notre-Dame ins Leben gerufen hat. Sowohl der Autor als auch die Bewegung durften in Deutschland völlig unbekannt sein und es ist nicht das erste Mal, dass die französische Kultur oder Spiritualität über Deutschland hinüber setzend gleich nach Polen kommt, ohne Deutschland in irgendeiner Weise berührt zu haben. Ohne an dieser Stelle auf die Gestalt des Henri Caffarels oder auf seine Bewegung näher eingehen zu wollen, können wir dieses Buch, das auch auf Deutsch erhältlich ist,[1] allen interessierten Anfängern empfehlen. Es ist schön und eingängig geschrieben, arbeitet mit vielen Bildern und ist tatsächlich von jemandem verfasst, der sich im Gebet übte und dessen Seligsprechungsprozess 2006 eröffnet wurde. Durch die Lektüre dieses Buches wird dem Leser sehr schnell klar, dass es zwischen der Stufe (2) – der Betrachtung – und der Stufe (4) – der Beschauung – eine Zwischenstufe (3) geben muss, auf welche Pater Poulain SJ näher eingehen wird. Es stellt sich aber heraus, dass nicht alle geistlichen Schriftsteller diese dritte Stufe (3) des Gebetes der Einfachheit oder des Gebetes der Ruhe annahmen. Fangen wir aber von vorne an. 1. Lectio – die Lesung Die allererste Stufe des christlichen Gebets ist die Lesung (Lectio), bei welcher man einen heiligen, liturgischen Text (a) laut und (b) auf Lateinisch in den früheren Zeiten auch auf Altgriechisch vorliest, natürlich mit der Absicht dadurch zu beten. Wenn man früher im kirchlich-theologischen Rahmen sagte, dass jemand nicht lesen und schreiben kann, so meinte man damit, dass er keine heiligen Sprachen kann, d.h. kein Hebräisch, kein Griechisch und kein Latein. Denn nur diese Sprachen, welche zu unveränderlichen und unveränderbaren sakralen Kunstsprachen mutierten, sie waren die niemals, so wie sie in der Liturgie verwendet wurden die Alltagssprache oder die Sprache der Gosse, nur diese drei wurden zuerst von den Juden, dann vom Christentum der Koiné und schließlich von der lateinischen Kirche des Petrusamtes für würdig erachtet in ihnen Gott anzubeten und zu verehren. Wir sparen uns an dieser Stelle die Polemik oder das Lamento wegen der Einführung der Volkssprachen in der Liturgie. Wir wollen nur feststellen, dass man nicht unbedingt alles Gesagte oder Gehörte verstehen muss, um zu beten oder die heiligenden Früchte des Gebetes zu erfahren. Der Schreiber dieser Zeilen war dieses Jahr wieder einmal auf Kreta und er besuchte die heilige Liturgie, welche auf Altgriechisch mit kretenischer Aussprache zelebriert wurde und deren Zelebration 3 h lang dauerte. Obwohl er das Altgriechische beherrscht, hat er außer dem Kyrie eleison und ein paar anderen Ausdrücken...

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Vier Stufen des Gebetes als Ppt-Präsentation

Wie man aus der unten angeführten Ppt-Präsentation ersehen kann, werden die zwei ersten Gebetsstufen, d.h. der (1) Lectio und der (2) Meditatio durch die menschliche Anstrengung, natürlich unter dem Beistand der göttlichen Gnade, erreicht, während die letzten zwei, d.h. die (3) Oratio und (4) Contemplatio von Gott kommen. Nicht nur Pater Poulain SJ ist der Meinung, dass fast alle mit Übung und unter Anleitung die Stufe der (3) Oratio erreichen können. Dies war auch die Erfahrung der Heiligen Margarethe Maria Alacoque mit ihrem Orden der Heimsuchung. Die letzte Stufe, der Contemplatio, ist nur wenigen vorbehalten und die heilige Theresia von Avila meint, dass dies an Menschen und nicht an Gott liegt. Da der Autor von „Die Fülle der Gnade“ gleich bei der Stufe (Oratio) ansetzt, so wollen wir ganz kurz die zwei vorhergehenden Stufen besprechen. Einfach klicken und nach dem Download F5 drücken.  Stufen des Gebetes...

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Augustin Poulain SJ- Ein Leben mit Mystik im Hintergrund. (5)

Pater Poulain SJ – ein unauffälliges Leben (2) Die weitere Laufbahn innerhalb des Jesuitenordens verlief für Pater Poulain SJ recht ruhig und ohne nennenswerte Karrieresprünge. Er war der stellvertretende Leiter eines Jesuiteninternats, Professor der Mathematik, Bibliothekar, Seelsorger der Pariser Artisten und vieles mehr. Liest man in seinem Werk ein wenig zwischen den Zeilen, so wird ein gewisser Überdruss wegen der fehlenden äußeren Karriere durchaus sichtbar, ebenso wie manch eine depressive Stimmung, Vereinsamung und fehlende Möglichkeit sich mit jemanden über geistliche Themen auszutauschen. Und dies schreibt ein Jesuit des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in der goldenen Vergangenheit manch eines Traditionalisten. Es war also auch vor dem Konzil nicht alles so golden. Da Pater Poulain SJ durch nichts äußerlich auffiel, so nahm man seine Publikationen zum Thema Mystik mit Erstaunen zur Kenntnis, da man bei ihm diese Kenntnisse und Erlebnisse niemals vermutet hätte. Pater Poulain veröffentlichte anfangs zwar hauptsächlich geometrische Traktate: Traité de géométrie élémentaire. 1re partie, Cours du baccalauréat-ès-lettres (1885), L‚unification des heures et les fuseaux horaires (1890), Principes de la nouvelle géométrie du triangle (1892), Recherches sur la nouvelle géométrie du triangle (1895), aber erst seine Mystik des Johannes vom Kreuz (1893) und sein Hauptwerk Des Grâces d’oraison – Die Fülle der Gnaden (1901) brachten ihm aufgrund der hohen Kompetenzen in diesem Bereich viel Lob und Anerkennung....

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Augustin Poulain SJ- Ein Leben mit Mystik im Hintergrund. (4)

Pater Poulain SJ – ein unauffälliges Leben (1) Augustin Poulain wurde im Jahre 1863 in Cherbourg geboren. Er begann seine Schulbildung im Jesuitenkolleg in Brugellete, wo er mit einem schwachen Ergebnis Latein lernte, mit einem besseren Philosophie, was ihm erlaubte ein mittleres baccalauréat en lettres zu erhalten, was in etwa mit Abitur mit Leistungsfächern Philosophie und Latein vergleichbar ist.[10] Die Wiedergabe der französischen akademischen Grade des 19. Jahrhunderts in den Begriffen der gegenwärtigen, deutschen Bildung ist recht schwierig. Denn das französische Baccalauréat ist bis heute etwas mehr als das deutsche Abitur, da es zugleich der erste akademische Grad ist, was in Deutschland zur Zeit dem Bachelor entspricht. Das Baccalauréat ermöglicht in Frankreich wird das Abitur in Deutschland, einerseits ein Hochschulstudium, andererseits steht in Frankreich den zentralgesteuerten und gefürchteten Prüfungen des Baccalauréats ein Universitätsprofessor vor, was in Deutschland beim Abitur nicht der Fall ist. Wie in Deutschland die Abiturnote, so bestimmt auch die Note des Baccalauréats die Möglichkeit an bestimmten Hochschulen zu studieren. Sehr begehrt und angesehen ist bei dieser Wahl immer eine École centrale. In der Zeit von Pater Poulain, welche in die Zeit nach der napoleonischen Schulreform fiel, trat das Baccalauréat als...

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Augustin Poulain SJ- Ein Leben mit Mystik im Hintergrund. (3)

Gnostizismus als Traditionsstrang der falschen Mystik in Frankreich (2) Zwar erlebte Frankreich im 16. Jahrhundert die Wirren des Protestantismus, nicht der Gnosis, welcher durch die kalvinistischen Hugenotten verbreitet und von den französischen Königen durch die Brachialgewalt mehr oder weniger bekämpft wurde. Aber die gnostische Tiefenströmung, welche die Notwendigkeit einer speziellen Initiation, einen Sonderweg, die Ablehnung des Sinnfälligen und Körperlichen verkündete, wirkte weiter und lebte im 17. Jahrhundert in Jansenismus zur Zeit des Ludwigs des XIV., der wohlgemerkt die Hugenotten aus Frankreich vertrieb, wieder auf. Der protestantische Einfluss auf den Jansenismus wurde sicherlich mehr als einmal gründlich untersucht, der gnostische wohl weniger. Jansenismus, obwohl mehrmals vom Lehramt verurteilt und von Teilen der Hierarchie vor allem aber von den Jesuiten heftig bekämpft wurde, stellte für die nachfolgenden Jahrhunderte, eigentlich bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, als andere Probleme aufkamen, das Gift jeglicher Spiritualität dar. Die giftige Wurzel des Jansenismus brachte weitere Häresien des inneren Lebens, solche wie Quietismus und Semi-Quietismus, hervor, welche die katholische Spiritualität nachhaltig prägten. Es ist schwierig Gebetbücher oder fromme, an Laien gerichtete Traktate vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu finden, welche von diesem Einfluss frei sind, was nicht nur für Frankreich, sondern auch für das recht frankophone und frankophile Polen gilt....

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Augustin Poulain SJ- Ein Leben mit Mystik im Hintergrund. (2)

Gnostizismus als Traditionsstrang der falschen Mystik in Frankreich (1)  Wo aber viel Licht ist, da ist auch viel Schatten, wie zu Recht Goethe sagte. Zu Recht gibt es auch den Begriff des genius locii also des „Lokaldämons“, falls diese Übersetzung zulässig ist, denn jeder Mentalität entspringt auch eine bestimmte Spiritualität, die auch ihre Schattenseiten hat. Obwohl die kommende Behauptung sicherlich durch viele Forschungsprojekte quellenmäßig untermauert werden müsste, so ist die Schattenseite der deutschen Spiritualität sicherlich der Subjektivismus und Rationalismus, der slawischen der die chiliastische Apokalyptik, der französischen aber der Gnostizismus. Sicherlich stellt der Gnostizismus die Abwege jeglicher christlichen Spiritualität dar, was wir zurzeit am Beispiel der Esoterik und des New Age erleben....

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Augustin Poulain SJ- Ein Leben mit Mystik im Hintergrund. (1) Deutsche und französische Mystik

Obwohl im Falle eines mystischen Werkes die Persönlichkeit und die Biografie des Verfassers immer wieder durch die Seiten und durch die Ratschläge durchscheinen, die bei einem anderen Autor gar nicht gegeben worden wären, so wollen wir an dieser Stelle kurz den äußeren Rahmen des Lebens von Pater Augustin Poulain SJ (1836-1919) angeben. Die genaueren Angaben zu seiner Person können hier nachgelesen werden.[1] Pater Poulain SJ war in seinem langen Leben ein Zeitgenosse von Dom Guéranger, Adolphe Tanqueray sowie von vielen französischen Heiligen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zwar fällt es uns bei dem fast völlig atheistischen Frankreich von heute schwer zu glauben, dass dieses Land im Jahre 1910 eine katholische Großmacht war. Und dies nicht nur an der Anzahl der Katholiken gemessen, 1910 tatsächlich die größte der Welt war,[2] sondern auch gemessen an dem Einfluss der französischen Spiritualität, insbesondere der systematisch dargelegten Aszetik. Es ist bekannt, dass Französisch die Sprache der Spiritualität ist. Das berühmte Dictionnaire de spiritualité. Ascétique et mystique. Doctrine et histoire, welches mehr 60.000 Seiten, in 17 Bänden (45 Teilbänden) mit mehr als 100 Millionen Zeichen umfasst und das von 1932-1995 von den Jesuiten herausgegeben wurde,[3] ist für jeden, der sich mit diesem Fachgebiet befasst, eine Pflichtlektüre. Sicherlich gibt es auch dort einen Paradigmenwechsel zwischen den vorkonziliaren und den nachkonziliaren Beiträgen, welcher wohl vom objektiven Gottbezug in Richtung subjektives Wohlbefinden geht. Zwar müsste diese These durch Zitate belegt werden, da aber ein Paradigmenwechsel in allen katholischen Lexika nach dem Konzil stattgefunden hat, so kann es bei einem Werk, welche von der progressiven Gesellschaft Jesu herausgegeben wurde, auch nicht anders sein. Nichtsdestotrotz sind die vorkonziliaren Beiträge im Dictionnaire de spiritualité sehr empfehlenswert und beweisen den hohen Grad der französischen spirituellen Theologie....

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Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (7 von 7): Die Fülle der Gnaden von Augustin Poulain SJ – eine Empfehlung

Die Fülle der Gnaden von Augustin Poulain SJ – eine Empfehlung Der Hunger nach Gott und Gebet, was man auch unter dem Letzteren verstehen mag, ist im Westen groß, was die esoterisch-gnostische Entwicklung der letzten 30-40 Jahre überaus deutlich macht. Der Leiter einer evangelischen Akademie erzählte einmal in trauter Runde, dass er zu einem Meditations-Retreat bei einem Yogi gewesen ist, bei dem er 10 h am Tag meditiert habe. Dies schien für diesen Mann ein einschneidendes Erlebnis gewesen zu sein. Er sagte dann beinah mit Tränen in den Augen: „Und ich dachte: Vielleicht ist er anders? Vielleicht ist es echt? Vielleicht steckt etwas dahinter? Vielleicht geht es ihm nicht darum möglichst viele Bücher zu verkaufen?“ Dieser Akademieleiter hätte auch ein katholischer sein können, denn die Wahrscheinlichkeit im deutschsprachigen Raum einen Geistlichen zu treffen, der auch tatsächlich ein geistliches Leben führt, ist wie bereits erwähnt, sehr gering. Aber es ist gerade dieses eine, was Not tut und nicht all das andere. Ohne ein Gebetsleben kommt es, wie man seit Langem weiß, zuerst zum Aktivismus und danach zur geistigen Verödung, welche den Namen der Acedia trägt. Wie sieht aber dieser Gebetsweg aus? Was ist zu tun und was ist zu lassen? Welche Gefahren drohen dort? Worauf hat man gefasst zu sein? All das legt Pater Poulain SJ auf 602 Seiten der englischen Ausgabe Titel The Graces of Interior Prayer. A Treatise on Mystical Theology bzw. auf 878 Seiten in zwei Bänden der deutschen Ausgabe Die Fülle der Gnaden. Ein Handbuch der Mystik klar, systematisch, katholisch, theologisch fundierten und auf Kirchenlehrer und Heiligen Lebensläufe gestützt. In einem Buch, welches Sie sich hier systematisch ins Scans präsentieren werden....

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Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (6 von 7): Das geistliche Leben tut Not, besonders bei fehlender Anleitung

Das geistliche Leben tut Not, besonders bei fehlender Anleitung Wie sagt doch ein Choral von Johann H. Schröder aus dem Jahre 1697 (so viel Ökumenismus darf auf dieser Seite sein), Eins ist not, ach Herr, dies eine Eins ist not, ach Herr, dies eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie’s auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang‘ ich dies eine, das alles ersetzt, So werd‘ ich mit einem in allem ergötzt.[1] Tatsächlich weiß jeder, dass „das Herze sich naget und plaget“, wenn man das tägliche Gebetspensum nicht einhält. Der Schreiber dieser Zeilen hat vor über 20 Jahren aufgehört mit Geistlichen geistliche Gespräche führen zu wollen, denn, um es mit A. A. Milne’s Winnie Puh der Bär zu formulieren: „je mehr man nachschaut, desto weniger ist drin.“ Die panisch- ängstlich-aggressiven Reaktionen der Befragten machten einem immer klar, dass man nach etwas Unangenehmen, denn Nicht-Vorhandenen fragt. So ungefähr als würde man ein Kind fragen: „Hast du schon die Hausaufgaben gemacht? Vokabeln gelernt? Dich auf die Matheklausur vorbereitet?“ Die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens eine Antwort darauf „Nein“ lautet, ist groß. Es stellt sich wirklich die Frage, wie jemand ohne ein regelmäßiges Gebetsleben auskommen kann. Man kann es nicht. Denn die Theologie, die er betreibt oder der Priesterdienst, den er leistet, sieht dann auch entsprechend nach gar nichts aus. Man hofft dann, dass es keiner merkt. Man merkt es aber doch. Die Frage bleibt dennoch bestehen, wie man über Gott lehren, schreiben, unterrichten und predigen kann, ohne mit der Person Gottes in irgendeiner, wenn dieser Ausdruck gestattet sein möge, „Liebesbeziehung“ zu stehen. Denn das ist eigentlich das Gebetsleben. Die Antwort ist recht einfach: man steht in keiner Beziehung und man redet auch nicht über Gott, sondern über irgendwelche politisch- korrekten Konstrukte oder über rein gar nichts. [1] Die restlichen Strophen finden sich hier http://www.lutheran-hymnal.com/german/tlh366g.htm...

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Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (5 von 7): Jungfräulichkeit und Zölibat über der Ehe

  Jungfräulichkeit und Zölibat über der Ehe Besonders Ansichten, welche der Auffassung widersprechen, dass die Jungfräulichkeit über der Ehe steht, sind eindeutig verurteilt worden. So spricht das Konzil von Trient in seinem Dekret Tametsi (11. Nov. 1563) zur Reform der Ehe: Kan. 10 „Wer sagt, der Ehestand seit dem Stand der Jungfräulichkeit oder des Zölibat es vorzuziehen, und es sei nicht besser oder seeliger, in der Jungfräulichkeit und dem Zölibat zu bleiben, als sich in der Ehe zu verbinden [vgl. Mt 19, 11 f.; 1 Kor 7, 25 f. 39, 40]: der sei mit dem Anathema belegt.“ (Denz. = DH 1810) Dieser Kanon sagt natürlich nicht aus, dass jeder im Stand der Jungfräulichkeit oder des Zölibats zu leben habe oder dazu berufen worden sei, denn erstens, wie bereits vorangestellt, ruft Gott nicht jeden zu diesem Stand und zweitens stellt er an diese viel höhere Ansprüche, welche er beruft. Es ist wichtig sich darüber klar zu werden, dass Gott nicht von jedem exakt dieselbe Vollkommenheit verlangt, sondern nur diejenige Vollkommenheit, die jedem Stand, aber auch jedem Menschen, eigen ist. Dies ist kein Relativismus. Um wieder auf ein sportliches Beispiel zurückzugreifen, stellt das maximale Gewicht beim Bankdrücken für den einen 120 Kilo, für den anderen nur 80 kg dar, obwohl alle beide 100 % ihrer Maximalkraft pressen. Nicht jeder sollte mit 120 kg trainieren, nicht jeder sollte es mit 80 kg tun. Es kommt auf den jeweiligen Sportler an. Wenn also Gott jemanden zum kontemplativen Leben oder zum kontemplativen Ordensleben beruft, dann stellt er auch höhere Ansprüche an ihn oder an sie.  Auch die Sünden derjenigen, die dem geistlichen Stand angehören, werde viel schwerer bewertet, was nicht unbedingt überraschend ist, da wir alle bei der Beichte unseren Stand und unser Alter nennen müssen, um dem Beichtvater die Einordnung der Verfehlungen an den Standespflichten gemessen zu ermöglichen. Nach dem Lehrsatz von gratia sufficiens, wonach Gott jedem Menschen ausreichend viel Gnade, darunter auch Standesgnade gibt, um Gottes  Ansprüche an uns erfüllen zu können. Wenn wir es willentlich unterlassen und das Verlangte nicht verwirklichen, so liegt es an uns selbst....

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Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (4 von 7): Ordensleben über dem Laienstand

Ordensleben über dem Laienstand Zur Verwirklichung der Punkte (7) bis (9) sind nur manche von Gott berufen, denn das geistliche Leben, was nicht genug betont werden kann, stellt aus der katholischen Sicht keine Selbstverwirklichung dar, sondern ist eine Berufung Gottes, von welchem die Initiative ausgeht. Manche Menschen ruft Gott zu diesem Weg, manche nicht. Der Weg der evangelischen Räte ist ein Weg, wie wir noch zeigen werden, der höheren Vollkommenheit, da er eine größere Ähnlichkeit mit dem Endzustand hat als das weltliche Leben. Auch das neuere Kirchenrecht (1983) bringt diesen Gedanken zum Ausdruck: Can. 573 § 1. „Das durch die Profeß der evangelischen Räte geweihte Leben besteht in einer auf Dauer angelegten Lebensweise, in der Gläubige unter Leitung des Heiligen Geistes in besonders enger Nachfolge Christi sich Gott, dem höchstgeliebten, gänzlich hingeben und zu seiner Verherrlichung wie auch zur Auferbauung der Kirche und zum Heil der Welt eine neue und besondere Bindung eingehen, um im Dienste am Reich Gottes zur vollkommenen Liebe zu gelangen und, ein strahlendes Zeichen in der Kirche geworden, die himmlische Herrlichkeit anzukündigen.“ Can. 574 § 2. „Zu diesem Stand werden bestimmte Gläubige in besonderer Weise von Gott berufen, um im Leben der Kirche an der besonderen Gabe Anteil zu haben und zu deren Heilssendung gemäß Zielsetzung und Geist des Instituts beizutragen.“ Das alte Kirchenrecht (CIC 1917) tut es dennoch viel klarer, indem es bestimmt:             Can. 491 § 1. (CIC 1917):            „Religiosi praecedunt laicis […].“ Also „die Ordensleute gehen den Laien vor“, wobei, nach can. 490 (CIC 1917) natürlich Ordensleute beiderlei Geschlechts gemeint sind und das Verb praecedere – „vorangehen“ wahrscheinlich auch einen kirchenrechtlichen terminus technicus darstellt, welcher sich unserer Kenntnis in diesem Moment entzieht....

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Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (3 von 7): Der Weg der christlichen Vollkommenheit

Der Weg der christlichen Vollkommenheit Allen Katholiken, denn katholisch muss man schon sein, um bspw. in den Vorzug des sakramentalen und sonstigen Gnadenlebens zu kommen, welche nur in ihrer Fülle innerhalb der Kirche und durch die Kirche vermittelt werden, stehen die nachfolgenden Mittel der Heiligung des Weges der christlichen Vollkommenheit (via perfectionis christianae) offen. Diese wollen wir hier anhand der Indices des Denzingers 196535 (K 6a- 6b) summarisch darstellen:[1]...

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Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (2 von 7): Eschatologie in sportlichen Bildern

Eschatologie in sportlichen Bildern Warum steht aber das kontemplative Leben höher? Weil das irdische Leben in der katholischen Sicht lediglich als eine Vorbereitung und Vorstufe auf das ewige Leben gesehen wird. Da aber die Ewigkeit länger – da ewig – als sogar ein recht langes Leben dauert, daher sollte man in diesem Leben, soweit man kann, das anvisieren, womit man seine Ewigkeit verbringen wird. Die Ewigkeit in ewiger Qual und Verdammnis der Hölle ist natürlich auch eine reale Möglichkeit und Konsequenz eines sündigen und gottfernen Lebens auf Erden. Wir wollen aber im Moment nicht näher darauf eingehen, da wir hoffen, dass diese Möglichkeit keinen unserer Leser im Moment des Todes betreffen wird. (Und bis dahin ist ja noch immer Zeit und unser Blog möge auch das Seine dazu beitragen.) Erreicht jedoch jemand wenigstens das Fegefeuer, was wir uns selbst und allen unseren Lesern wünschen, so verbringt er, nachdem er die notwendige Läuterung in diesem Zwischenstand durchschritten hat, die Ewigkeit, welche in der Anschauung, d.h. in der Kontemplation, Gottes besteht. Daher steht also das kontemplative Leben höher als das aktive, weil die Kontemplation auf die Ewigkeit verrechnet einfach länger dauert....

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Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (1 von 7): Das aktive und kontemplative Leben

Die Auswertung der Leserumfrage machte uns klar, dass unser deutschsprachige Leser, über den wir uns sehr freuen, vielmehr am geistlichen Leben als an der Kirchenkrise interessiert ist, da er die Letztere auch ohne uns ständig vor Augen hat. Wir wollen also das Eine tun, ohne das Andere lassen zu wollen, d.h. die katholische Theologie in ihren verschiedenen Fachgebieten, so gut es uns möglich ist, präsentieren, sozusagen als das Gegengift gegen die Kirchenkrise, über die wir auch ab und zu berichten werden. Es ist auch recht mühevoll ständig, wie der Prophet Jeremias, rufen zu müssen: „Iniquitas et vastitas – Sünde und Ruin! “ (vgl. Jer 20,8) Daher wollen wir hier neben der notwendigen Einleitung ein weiteres Meisterwerk des Geistlichen Lebens und zwar Die Fülle der Gnaden von Pater Augustin Poulain SJ aus dem Jahre 1901 Lesern abschnittsweise unseren Lesern vorstellen. Die Einleitung, der Text von Pater Poulain SJ, die Fragmente von Kard. Bona und eventuell andere Beiträge sollen abwechselnd erfolgen. Da wir leider nicht in der Lage sind diesem Blog mehr Zeit zu opfern, daher werden wir mehrere kleinere Einträge veröffentlichen, um innerhalb der nächsten Zeit wenigstens einen Eintrag am Tag präsentieren zu können. Fürwahr alles ist Stückwerk. Das kontemplative und das tätige Leben oder Maria und Martha Liest man die mystische Literatur, derer metaphysisches Gerüst der Neuplatonismus bildet, eine Philosophie, die logisch und theologisch das herausgehen der Vielheit aus der Einheit deutet, so trifft man darin oft die Exegese der Geschichte von Maria und Martha (Lk 10, 38-42). Maria hat ja im Gegensatz zu Martha „das Eine“ (unum) gewählt (Lk 10, 42), wobei das Eine (unum) für Gott – die absolute Einheit (Unum) – steht, welche die Existenzgrundlage und die Möglichkeit für alle nachfolgende Vielheit bietet. Diese Gedankengänge der nicht pantheistisch gemeinten „Vereinheitlichung mit Gott“ sind nicht nur bei den griechischen Kirchenvätern und bei dem nachfolgenden Maximus Confessor zu finden. Sie wurden auch von Eriugena, Meister Eckhardt und Johannes Tauler übernommen, wobei leider Eriugena und Meister Eckhardt die Pfade der Orthodoxie verlassen haben. Alle aber der genannten Autoren gehen darin zurecht und rechtgläubig überein, dass das Eine (unum), das Maria gewählt hat, für das geistliche, das kontemplative Leben steht, während Martha das tätige Leben und somit für das Viele (multum) repräsentiert. Somit „tut das Eine Not“, was bedeutet, dass das geistliche Leben, im Sinne eines Gebetslebens und eines asketischen Lebens, Not tut....

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