Tradition und Glauben

Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (9): Acedia ist ein Hauptlaster (vitium capitale)

„Ein gut Ding braucht Weile“ und ein guter Beitrag braucht Muße, um geschrieben zu werden. So sind wir stolz an dieser Stelle den letzten Beitrag unserer Reihe über die Acedia anführen zu können. Er ist wirklich lang, weil der lateinische Originaltext auch beigefügt wurde, da er aber eine Einheit bildet, so wollten wir ihn nicht aufteilen. In den Ostertagen werden wir wahrscheinlich mehr Muße zum Lesen als sonst haben und deswegen wird dieser Beitrag einige Tage lang auf dem Blog bleiben. Viele Inhalte werden hier doppelt erscheinen, was hinsichtlich des Lerneffekts bewußt gemacht wurde. Denn es sind für die meisten neue Inhalte und es heißt ja nicht von ungefähr: repetitio est mater studiorium – „die Wiederholung ist die Mutter der Studierenden“. Dies ist also unser Ostergeschenk an unsere Leser. Was ist ein Hauptlaster? Wie wir bereits bestimmt haben, bedeutet das Wort Laster (vitium) in der Theologie etwas anderes als in der Alltagssprache.[1] Während in der Alltagssprache ein Laster, bspw. die Pornosucht, eine wiederholte Sünde ist, die jemanden in die zweite Natur übergegangen ist, bedeutet in der Theologie Laster (vitium) den Ursprung der Sünde, welche die Möglichkeit zum Sündigen bereitet. Wie ein entzündeter Zahn viele Infektionen bewirken kann, welche ohne die Stilllegung der Infektionsquelle ungeheilt bleiben,[2] so werden die aktuellen Sünden ohne die Stilllegung des Lasters nicht weniger. Die Theologie spricht daher von Hauptlastern (vitia capitalia), aus welchen alle anderen Sünden resultieren. Auch unter Theologen werden sie die Hauptsünden genannt, aber wir wollen hier die Bedeutung von Sünde (peccatum) als Tat und Laster (vitium) als Anlage auseinanderhalten. Thomistisch gesprochen steht das Laster (vitium) die Potenz, die Sünde (peccatum) hingegen den Akt dar. Die recht ausgebaute Lehre von den septem vitia capitalia also von den sieben Hauptlastern, welche auf Evagrius Ponticus und Johannes Cassianus zurückgeht, wollen wir an einer anderen Stelle besprechen. Es genügt an dieser Stelle zu sagen, dass seit der Scholastik sieben Hauptlaster und nicht wie bei Evagrius und Cassianus acht, das diese noch die filodoxia – die Ruhmenssucht als ein eigenes Laster zählten, annehmen. Die Hauptlaster sind: Stolz (superbia), Geiz (avaritia), Wollust (luxuria), Zorn (ira), Völlerei (gula), Neid (invidia), Trägheit (acedia). Liest man die Anfangsbuchstaben der lateinischen Namen, so ergibt sich das Kunstwort saligia, welches dazu dient sich die Namen aller sieben Hauptsünden zu merken. Was ist ein Hauptlaster? Es ist, wie gesagt, eine Quelle anderer Sünden, eine Sündenanlage sozusagen in etwa mit einem leckenden Rohr unter dem Putz oder einem Schimmelbefall vergleichbar. Wenn man die Quelle dieses Übels nicht beseitigt, so ist es müßig die Folgen zu bekämpfen. Ähnlich wie bei Sümpfen und Malaria, keine Sümpfe – keine Malaria, denn bei Sümpfen wird es immer Mücken und somit immer Malaria geben. Obwohl die Hauptlaster manchmal auch Hauptsünden auch Todsünden genannt werden, so ist eine Todsünde theologisch gesehen etwas anderes, denn sie ist eine schwere Sünde, welche das Gnadenleben im Menschen vernichtet. Nach der Lehre der Kirche gelangt man nach dem Tod mit einer aktuellen Todsünde, die nicht gebeichtet oder durch keine Liebesreue, falls die Beichte nicht möglich ist, sofort in die Hölle (DH 780, 839, 858 u.a.) So schreibt der Papst Benedikt XII. in der Konstitution Benedictus Deus (1339), welche eine de fide Glaubensdefinition darstellt, welche den Glaubensgehorsam seitens der Gläubigen nach sich zieht: „Wir definieren zudem, dass nach allgemeiner Anordnung Gottes die Seelen der in einer aktuellen...

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (8). Acedia ist eine Todsünde (von der Gattung her)

Die Reihe über die Acedia ist recht arbeitsaufwendig und daher man darf der Acedia nicht verfallen sein. Die Redaktion freut sich über die jede Herausforderung und arbeitet der geistlichen und jeglicher Trägheit entgegen. Wie jemand treffend sagte „sogar über die Langeweile muss man interessant schreiben“ und bei der Acedia sehr fleißig sein. Hier also ein weiterer Abschnitt. Acedia als eine schwere Sünde. Nachdem wir geklärt haben, was eine schwere Sünde überhaupt ist, wollen wir dazu übergehen die Quaestio nach Thomas von Aquin zu erläutern, ob Acedia eine schwere Sünde sei. Obwohl wir uns bisher einer fertigen Übersetzung bedient haben, so ist leider zu sagen, dass die Bibliothek der Kirchenväter (BKV) doch nicht so fehlerlos ist, wie man annehmen könnte. Denn von der teilweise gewöhnungsbedürftigen Thomas-Übersetzung abgesehen, sind manche Teile der Summe überhaupt nicht übersetzt worden. Ob das am Übersetzer oder am „Eintipper“ liegt, sei dahingestellt, aber gerade bei der nächsten Quaestio liegen dermaßen große Mängel vor, dass wir sie fast gänzlich neu übersetzen müssen. Tja, entweder man macht alles selbst oder es macht keiner. Wir sparen uns den direkten Vergleich mit der BKV, wer möchte, kann die vorhandene Übersetzung oder eher Teilübersetzung dort einsehen.[1] Wir behalten den lateinischen Text bei, denn für alle die auch nur schwach Latein können, ist der hl. Thomas in der Originalsprache viel einfacher zu lesen als in jeder Übersetzung, weil fast jedes Wort ein Fachtermin ist. Dritter Artikel. Die geistige Trauer ist eine schwere Sünde. IIª-IIae q. 35 a. 3 arg. 1 Ad tertium sic proceditur. Videtur quod acedia non sit peccatum mortale. Omne enim peccatum mortale contrariatur praecepto legis Dei. Sed acedia nulli praecepto contrariari videtur, ut patet discurrenti per singula praecepta Decalogi. Ergo acedia non est peccatum mortale. Zum dritten (Artikel der Quaestio) ist Folgendes zu sagen. Es scheint, dass Acedia keine Todsünde sei. Jede Todsünde nämlich widersetzt sich dem Gebot des göttlichen Gesetzes (lex divina). Aber Acedia scheint sich keinem Gebot zu widersetzen, was man daraus ersehen kann, wenn man alle Gebote des Dekalogs einzeln durchstreift. Also ist die Acedia keine Todsünde. Dieser erste Einwand ist ganz rechtspositivistisch aufgehängt. Dies bedeutet z. B. im Strafrecht: „Keine Definition des Verbrechens“ – „Kein Verbrechen“ ganz einfach für Nichtjuristen ausgedrückt. In der Juristensprache spricht man von „Tatbestandsmäßigkeit“, also etwas ist dann eine Straftat, wenn es nach dem und dem Paragraphen des Strafgesetzbuches definiert wurde. Denn „Tatbestandsmäßigkeit setzt voraus, dass der Täter die Merkmale eines gesetzlichen Tatbestandes erfüllt hat,“[2] sagt man. Das göttliche Recht ist aber auch ein positives Recht und auch ein Gesetz. Dies bedeutet, dass es vorgelegt (von pono, ponere, positus – „legen“) wurde und zwar durch Moses am Berge Sinai und durch Jesus Christus. Um das katholische Rechtsverständnis hier ganz kurz darzustellen, so muss man wissen, dass es zuerst das: Ius divinum, dass es göttliche Gesetz im Sinne einer lex aeterna, eines ewigen Rechtsbeschlusses gibt. Dieses ist schlicht und einfach der göttliche Wille. In dieses Recht ist das natürliche Recht (ius naturalis) verankert, also dieses Recht, welches der Natur eines jeden Wesens zukommt. Wie alle anderen Entitäten ihre eigene Natur (natura) haben (Neutronen, Sterne, Pantoffeltierchen), nach der sie sich richten, so haben auch die Menschen ihre Natur, welcher manche Handlungen zuträglich, z. B. Schutz des Eigentums, andere wiederum abträglich (Mord, Ehebruch) sind. Natur bedeutet also nicht unter den Vögeln, Affen, Walen ist es...

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (7). Was ist eine Todsünde?

Die definitionsarme Zeit Wir stellen hier fest, dass diejenigen Beiträge, welche aus dem Herzen geschrieben werden und sich durch eine geringe Latein- und Zitatdichte auszeichnen häufiger gelesen werden, vielleicht auch deswegen, weil sie Emotionen beinhalten, die bewegen oder leichter zu verstehen sind. Theologie ist aber eine Wissenschaft, mit einer eigenen Sprache, die der Umgangssprache zum Verwechseln ähnlich ist, aber dennoch eine Fachsprache ist. Die weitgehende Aufgabe der scholastisch-lateinischen Fachsprache nach dem Konzil führte zu den heutigen kirchlich-theologischen Irrungen und Wirrungen, weil niemand weiß, was gemeint ist. Den Schreiber dieser Zeilen zeichnete seit eh und je ein Hunger nach Definitionen aus, sodass er immer wissen wollte, was eigentlich damit gemeint sei. Er scheint tatsächlich ein natural born scholastic zu sein, um sich an dieser Stelle einen Anglizismus zu erlauben oder ihn gar zu erfinden. Er steht weitgehend mit dieser Einstellung in der heutigen Theologie allein, obwohl er recht schnell eine gemeinsame Sprache mit Naturwissenschaftlern, Mathematikern und Juristen findet, die genauso denken. Warum? Weil dies die natürliche wissenschaftliche Einstellung ist. Man muss zuerst die Termini definieren, die man verwendet. Sonst redet man aneinander vorbei. „Das ist doch sonnenklar und banal“, kann manch ein Leser denken. Nicht in den Geisteswissenschaften leider und vor allem nicht in der heutigen akademischen Theologie, von dem thomistischen Ur-oder Neugestein abgesehen. Durch die ganze dumme Theologie des Dialogs, die Dialogstruktur von Bla-Bla-Bla, durch die Aufgabe der Adäquationstheorie der Wahrheit, wonach dem Wahrheitsbegriff eine äußere Realität entspricht, durch die damit zusammenhängende Aufgabe des katholischen Wahrheitsanspruchs und der Mission redet man, redet und redet, aneinander vorbei, ohne zu irgendwelchen Schlüssen zu kommen. Die deutschsprachige Pädagogik und Didaktik nach 1968 macht es uns vor und die PastoralreferentInnen machen es uns auch vor. Der Stuhlkreis, der Hagebuttentee, das Einander-Nicht-Beurteilen. Derjenige Vortrag ist am besten, welcher den Erwartungen der Zuhörer entspricht, siehe unsere Weltfrieden-Metapher bei den Misswahlen[1] und vielleicht auch der Vortrag, der am besten unterhält. Die Theologieprofessoren sagen dazu: Es ist die Moderne. Es muss so sein. Was übersetzt heißt: Ich bin ein armer Tropf ohne jegliche Struktur in meinem Denken und habe nichts zu sagen, will aber reden. Frauenquote, Dialogbereitschaft und der ewige Diskurs Es geht darum „den Diskurs“ am Leben zu halten. Eigentlich ist es sehr typisch für Frauen einander permanent ihre Gefühle, Erlebnisse oder den stream of consciousness, den ja bekanntlich James Joyce in die Literatur einführte, mitzuteilen, ohne einander dabei wirklich zuzuhören. Je niedriger die Schicht und die Bildung desto öfters erlebt man das Phänomen der polyphonen Frauengespräche, ohne jegliche Pause, ohne Momente des Nachdenkens oder einer Antwort. Warum können Männer angeblich nicht zuhören, was nicht stimmt? Weil diese Art der Kommunikation irrelevant für sie ist, keine richtigen Informationen beinhaltet und weil sie irgendwann einmal abschalten. Die Frauen sagen dann, wenn sie ausgeglichen und gut gelaunt sind: Du brauchst das nicht ernst zu nehmen, was ich sage. Ich sage es nur so. Sind sie übellaunig, so wird dieselbe Reaktion zum Vorwurf gemacht. Was hat das alles mit Theologie und der Todsünde zu tun? Das, dass nach dem Konzil durch die immer mehr geförderte Verweiblichung der Kirche, durch die diversen Frauenquoten die Definitionen immer mehr verschwinden, weil Frauen notgedrungen eine weibliche und auch feministische Theologie betreiben. Wir werden dazu noch etwas schreiben, aber selbst Feministinnen geben es zu: wir sind anders, wir denken anders, wir reden anders, wir arbeiten...

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (6). Was ist Sünde? Unterteilung der Sünden.

Bevor wir uns dem Thomas-Text widmen, welcher darstellt, dass die Acedia eine schwere Sünde, sprich eine Todsünde, ist, wollen wir ganz kurz darlegen, was man eigentlich unter einer Todsünde versteht, denn die „Jugend“, also alle nach dem Konzil geborenen und religiös sozialisierten, uns eingeschlossen, weiß es nicht mehr, weil es ihr niemand vermittelt hat. Die Darlegung soll nach dem Manuale Theologiae moralis von Hermes Peeters O.F.M. aus dem Jahre 1961,[1] ein kurzes Buch, welches sozusagen kurz vor dem Untergang erschien. Es stellt recht kurz und prägnant die thomistische und katholische Lehre dar, denn besser als thomistisch geht es nicht. Es stellt somit die katholische Morallehre dar, welche noch nicht vom Personalismus, Existentialismus, Pragmatismus, Subjektivismus und Relativismus angekränkelt und anschließen zerfressen wurde. Was wirklich vielen Menschen unklar ist: ohne das richtige philosophische Gerüst, zuerst das metaphysische natürlich, kann man zu keiner guten, im Sinne der göttlichen Ordnung entsprechenden Ethik und Morallehre kommen. Ohne Metaphysik geht es nicht. Man wirft sie durch die Tür raus und sie kommt uns durch das Fenster herein. Und deswegen war die angebliche Zerstetzung aller Metaphysik durch Kant,  den „Schutzheiligen“ der meist deutschsprachigen Häretiker, für die Theologie dermaßen zersetzend. Weil die objektive, also sich außerhalb des Subjekts befindende Welt, das berühmte Ding an sich, aufgehoben wurde. Jeder hat angeblich nur seine Kategorien, wir haben ähnliche und daher ist Erkenntnis überhaupt möglich. Sie ist aber nicht objektiv, sondern inter-subjektiv. So lautet die kantische Devise. Was natürlich kompletter Unsinn ist. Denn: gäbe es nichts „Draußen“, so würden wir nichts erkennen, jegliche Sprache und Kommunikation wäre aufgehoben, denn dem Satz: „Der Bus fährt vom Hauptbahnhof um 12.35 ab“ müsste die Frage folgen: „Nach deinen oder meinen Kategorien, denn ich sehe es anders“, es gäbe überhaupt keine Wahrheit und zwar in keinem Bereich, auch nicht im mathematischen oder logischen, denn wir erkennen die Formeln ja auch durch unsere Kategorien, es gäbe überhaupt keine moralische Ordnung mit Sollen und Verbieten, und wir wären wo? Genau: bei hier und jetzt und der Political Correctness. Deswegen hat die Kirche Kant schon sehr früh verurteilt, denn seine „Kritik der reinen Vernunft“, wurde mit dem Dekret vom 11.Juni 1827 auf den Index librorum prohibitorum gesetzt. Die katholische Kant-Kritik sparen wir uns für einen anderen Beitrag auf. An dieser Stelle bleibt zu sagen, dass ohne eine objektive, denn Gott gesetzte Ordnung bleibt der Begriff der Sünde sinnleer, denn diese hört dann auf ein objektiver Verstoß gegen objektive Normen zu sein, sondern bleibt nur im psychologischen „Sich-Schlecht-Fühlen“ behaftet. Es bleibt nur zu fragen: Und wie fühlst Du Dich dabei? Fühlt er sich gut, weil er als Crack-Raucher Crack geraucht hat, dann ist ja alles gut. Er schadet zwar der Gesundheit oder Was-Gott-verhüten-möge „der Umwelt“, aber es ist für ihn „wichtig“. So in etwa lautet die „nachkonziliare Seelsorge“, die keine ist. Aber es geht um die Ewigkeit, das ewige Seelenheil, welches spätestens im Augenblick des Todes nach der ewigen, göttlichen Ordnung gerichtet wird. Spätestens dann werden wir es wissen und zwar sicher. Und dann kann sich herausstellen Sicherlich gibt es noch genauere Moraltheologien, wie bspw. die von Ernest Müller, aber wir wollen hier nur ganz kurz eine Einleitung liefern und nicht die ganze katholische Sündenlehre darlegen. An dieser Stelle soll die Unterteilung der Sünden und die Definition schematisch dargestellt werden, daher bitten wir diese Verkürzung zu entschuldigen. Wir werden...

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (5). Acedia ist ein spezielles Laster.

Was Neues oder Umbenennung? Nachdem wir geklärt haben, was ein Laster (vitium) ist, kommen wir zur Frage, ob die Acedia ein spezielles Laster ist oder eine allgemeine Traurigkeit oder Faulheit. Wir ahnen schon, dass die Antwort negativ ausfallen wird, denn wäre die Acedia mit Traurigkeit (tristitia) oder Faulheit (pigritia) identisch, so würden die auf ihre eigene Sprache stolzen Lateiner kein griechisches Lehnwort übernehmen, um etwas Spezielles speziell zu bezeichnen. Wir haben auch auf massenweise Anglizismen, welche in manchen Fällen etwas bezeichnen, was es bisher nicht gab, z. B. Burn-Out, Event etc. Im Japanischen gibt es den Ausdruck Karōshi, welcher für „Tod durch Überarbeitung“ steht[1] und wohl in Japan häufiger als woanders vorkommt. Man kann sich natürlich fragen, ob es vorher keine Burn-Outs, Events oder Karōshis gab, bevor sie auf diese Art und Weise semantisch spezifiziert wurden. Wohl schon, aber wie im Falle der Medizin, brauchte man länger um eine Differentialdiagnose zu erstellen, um dieses Krankheitsbild von einem anderen abzusondern. Die Mediziner unter unseren Lesern wissen, dass bestimmte Krankheiten als solche erst durch die ICD-Klassifikation bestimmt wurden.[2] Ganz positivistisch gewendet, bedeutet dies, dass das eine Krankheit ist, was eine ICD-Nummer hat und umgekehrt, damit man all das schön bei der Krankenkasse abrechnen kann. Acedia führt vom Inneren zum Äußeren Wenn also das Wort Acedia übernommen wurde, dann auch für ein neues Krankheitsbild und zwar: die Trägheit im Geistlichen. Im Deutschen gibt es diese schönen Adjektive „schreibfaul“, „sportfaul“, „denkfaul“, „kochfaul“ etc. und man kann durchaus sagen, dass Acedia für Gott-Faulheit steht. Das Objekt, also der Gegenstand wonach sich diese Trägheit richtet, ist ein anderes und deswegen ist es ein spezielles Laster (vitium). Wie wir schon geschrieben haben, sind Faule überhaupt sicherlich auch der Acedia anhänglich, aber man kann durchaus Hyperaktiv sein und durch die Acedia sündigen. Warum? Weil der religiöse Akt ein innerlicher ist. Die christliche religio ist etwas anderes als die römische pietas – d.h. die Pflichterfüllung im öffentlichen Leben oder die jüdische Gesetzlichkeit. Es ist eine Angelegenheit des inneren Lebens, denn es zählt die Intention. Sie führt vom Inneren zum Äußeren. Natürlich ohne den äußeren Kult geht es auch nicht, da der Mensch ein körperlich-geistiges Wesen ist und das Körperliche braucht, was sehr schön das Konzil von Trident klarmachte: „Da die Natur des Menschen so beschaffen ist, dass sie sich nicht leicht ohne äußere Hilfsmittel zur Betrachtung der göttlichen Dinge erheben kann, deswegen hat die gütige Mutter Kirche bestimmte Riten eingeführt, nämlich dass in der Messe einiges mit leiser, anderes mit lauter Stimme gesprochen werden soll; desgleichen verwandte sie aufgrund der apostolischen Lehre und Überlieferung Zeremonien, wie geheimnisvolle Segnungen, Lichter, Weihrauch, Gewänder und vieles andere Derartige; einerseits sollte dadurch die Erhabenheit dieses so großes Opfers hervorgehoben werden, andererseits sollten die Gemüter der Gläubigen durch diese sichtbaren Zeichen der Religion und Frömmigkeit zur Betrachtung der höchsten Dinge, die in diesem Opfer verborgen liegen, angeregt werden.“ (Konzil von Trient, Lehre und Kanones über das Meßopfer, sess. 22, cap. 5, DH 1746) Und deswegen war der Bildersturm nach dem letzten Konzil so für die Frömmigkeit verheerend, weil Kirchen so eingerichtet wurden, dass sich wirklich niemand dort gerne aufhält. Neue Kirchen werden so gebaut, dass sich niemand dort aufhalten möchte, siehe die neue Probsteikirche in Leipzig,[3] wo wir ein jeglicher christlichen Tradition entgegengesetztes, umgedrehtes Kreuz, natürlich sehr horizontal ausgerichtet, finden, sowie recht viel freimaurerisch-ägyptische...

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (4). Acedia als Laster. Was ist ein Laster?

Man kann sich die Frage, welche Rolle es spielt, ob die Acedia ein eigenes Laster (vitium) bildet oder von einem anderen Laster herrührt oder in ihm aufgeht. Es spielt schon eine Rolle, um eine treffende Diagnose und ein Heilverfahren zu ermöglichen. Wie in der Medizin man feststellen muss, von welchem Organ die Symptome resultieren und ob es sich um ein eigenes Krankheitsbild oder um die Nebenwirkungen eines anderen handelt. Ebenso in der Moraltheologie: bene docet, qui bene distinquit – „derjenige lehrt gut, der gut unterscheidet“, im Sinne von „gut diagnostiziert“. Wir haben bereits die Definition eines Lasters (vitium) angegeben.[1] Sie lautet: „Das Laster eine jeden Dinges scheint dies zu sein, wodurch es nicht dazu disponiert wird, was seiner Natur entspricht (Vitium uniuscujusque rei videtur esse, quod non sit disposita secundum quod convenit suae naturae)“ (Ia IIae q. 71 a. 1 2 c.) Grundzüge der thomistischen Ethik Man muss aber ein wenig der thomasianischen Lasterlehre tiefer schürfen, um sie auf die Lehre von der Acedia richtig anwenden zu können. Das Ziel der menschlichen Handlung ist ein Gut (bonum), denn man strebt nach dem Guten und flieht das Schlechte (malum). Auch die Natur als solche und die menschliche Natur streben nach etwas Gutem, wie Ernährung, Fortpflanzung, Nachkommenschaft etc. Jegliches naturgemäße Streben nach etwas Gutem (appetitus boni) nennt der hl. Thomas, hier Aristoteles folgende, Liebe (amor). Diese Art der Liebe wird „die natürliche Liebe“ (amor naturalis) genannt und sie wird sehr rudimentär, gar physikalisch aufgefasst. Der Stein fällt zum Boden seiner natürlichen Inklination folgend, weil er die Erde „liebt“. Die Bewegung der Gestirne wird durch die Liebe (amor) verursacht, da die Bewegung der Gestirne ihre Natur ausmacht, sodass man sagen kann, dass „die Liebe die Himmelssphären bewegt“ (amor movet spheras). In der Philosophie der Antike und des Mittelalters gab es einen graduellen Aufstieg und keinen Bruch zwischen Natur und Mensch, welchen erst die Neuzeit mit Descartes einführte. Dieser graduelle Aufstieg ist aber nicht mit Pantheismus zu verwechseln, denn die Welt bleibt ein Geschöpf eines transzendenten Gottes und der Mensch unterscheidet sich von den Tieren durch seine unsterbliche Seele und durch seine Gottesebenbildlichkeit. Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass die von Gott eingepflanzte menschliche Natur im Biologischen nach einem Gut (bonum) strebt, im Moralischen und Geistlichen natürlich auch. Wie die Nahrung und Fortpflanzung etwas an sich Gutes ist, weil es der biologischen Natur entspricht, so ist das tugendhafte Leben oder die Tugend das Naturgemäße des Menschen. Die Tugend qua das Streben nach Gut (bonum) ist etwas für den Menschen Natürliches, obwohl uns die Erbsünde und die daraus resultierende Konkupiszenz hindert. Die Tugend ist also natürlich, obwohl mit Mühe verbunden. Sie ist nichts künstlich Aufgepfropftes, wie uns die Neuzeit und die Moderne, vom Teufel inspiriert, klarmachen möchten. Wie der Stein naturgemäß zum Boden fällt, so strebt der Mensch naturgemäß nach Tugend, obwohl durch Verfehlung oder Unwissen er diese verschieden definieren kann, oft zu seinem Leidwesen. Laster steht der Tugend entgegen Die naturgemäße Veranlagung entwickelt sich nach hl. Thomas auf einem quasi Kontinuum. Sie geht also in die positive, natürliche oder in die negative, widernatürliche Richtung. Deswegen stellt er in seiner Moraltheologie den Tugenden (virtutes) die Laster (vitia) entgegen, welche einen Mangel darstellen. Der Aquinate sagt es selbst, indem er darlegt, dass das Laster (vitium) der Tugend entgegensteht (Summ. Theol. Ia IIae Q. 71, a.1).[2]...

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (3). Acedia ist Sünde.

In der nachkonziliaren Kirche herrscht eine Verweiblichung und Verweichlichung von allen, so dass jeder jammert und sich auf jegliche Art und Weise entschuldigt. Es ist aber keine Entschuldigung im Sinne: „Ich habe etwas falsch gemacht, ich werde mich bessern.“ Sondern eine Entschuldigung im Sinne: Ich bin ein Opfer, ich kann nichts dafür. Und außerdem bin ich ja so süß. (Augenaufschlag nach oben) So verfahren kleine und größere Mädchen, manchmal auch sehr große und sehr alte. Bei Männern ist es tatsächlich von Nachteil, denn obwohl man mit dem wachsenden spirituellen Leben tatsächlich immer sensibler wird, so wird man nicht wehleidiger, sondern härter. Die Sensibilität betrifft ja das Übernatürliche, das Göttliche. Ohne eine bestimmte Reinheit, Geistigkeit und Sensibilität, die ja vom sensus fidei, dem Glaubenssinn, kommt, können wir das göttliche Licht nicht einsehen oder empfangen. Aber geistliches Leben ist auch Kampf und zwar wirklich buchstäblich. Gegen die Welt, das Fleisch und den Dämon. Die Konzilsdokumente verwenden nicht ein einziges Mal den Begriff „kämpfende Kirche“ (Ecclesia militans), was dazu geführt hat, dass man diese Wahrheit nicht mehr kennt. Durch diese Feminisierung der Kirche ziehen immer mehr Homosexuelle in den Klerikerstand ein oder sie werden nach dem Eintritt homosexuell, was auch passieren kann. Die Geistlichen jammern, beschweren sich, fühlen sich permanent als Opfer oder Betroffene, manchmal von einer Depression. Ist erst einmal die Depression diagnostiziert, dann lässt man die Hände im Schoß ruhen, denn man ist entschuldigt: Es ist eine Krankheit und man hat es schriftlich! Da der Schreiber dieser Zeile viele depressive oder schwer depressive Menschen kannte, so weiß er, dass man durch ein diszipliniertes Leben vor allem aber ein Gebetsleben dieser Schwermut Abhilfe schaffen kann, sodass die Selbstdisziplin tatsächlich besser hilft als es Medikamente tun. Aber man muss es wollen, denn eine verkehrte, sprich sündige Lebensweise führt ja zu einer dauernden Traurigkeit oder Depression. Alle Psychiater oder Psychologen wissen, dass eine Depression die Folge von: Alkoholismus, Drogensucht, Pornosucht, Ausschweifung, Abtreibung, anderen Süchten Faulheit ist. Alle harten und weichen Süchte verändern die „Gehirnchemie“ so, dass Depressionen auftreten und zwar durch den Serotoninmangel. Es ist eine Sache von Ursache und Wirkung. Ebenfalls der Lebenswandel: keine Anstrengung, keine Belohnung im Gehirn. So einfach ist das. Ob man dies seinen Patienten tatsächlich sagt, die ja den eigenen Unterhalt sichern, steht auch einem anderen Blatt....

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (2). Acedia als fehlende Liebe und Freude

Aktivismus als geistliche faking moves Die geistige Trägheit, leider ein Standard in der heutigen Kirche, denn wir reden hier vor der geistigen Trägheit, nicht von der intellektuellen oder der organisatorischen. Die geistige Trägheit muss nicht unbedingt zum Einstellen jeglicher Aktivität führen, oft führt sie gerade zum Aktionismus und Hyperaktivität. In der Bodybuildersprache gibt es den Ausdruck der faking moves – der Täuschbewegungen. Dies bedeutet, dass man eine Übung, wie z.B. das Bankdrücken nicht mit der vorgesehenen Technik ausführt, sondern man gibt, meist unbewusst, viele Nebenbewegungen dazu, um sich die Sache zu erleichtern oder auch mehr zu stemmen. Man kann diese faking moves sehr oft in den Sportstudios beobachten, wenn viele sehr viel „Lärm um nichts“ machen, sehr beschäftigt wirken, ohne eigentlich zu trainieren. Meistens führen diese Täuschbewegungen zu Sportverletzungen, da es anatomisch gesehen nur die eine Möglichkeit gibt etwas korrekt auszuführen, auch unter der Berücksichtigung der eigenen anatomischen Gegebenheiten....

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (1) Einführung.

Ad Deum qui laetificat iuventutem meam – Zu Gott, der meine Jugend erfreut Der Schreiber dieser Zeilen traf unlängst Mitglieder eines ihm bekannten Frauenordens, welche zum Krippenspiel fuhren, allersamt aber einen recht depressiven Eindruck machten. Der Orden, wie viele andere auch, hat nichts zu lachen. Der letzte Neueintritt ist über 25 Jahre her, der Altersdurchschnitt geht gegen 80 und zwei bis drei Schwestern sterben pro Jahr. Das Ende ist also absehbar. Da außerdem, gelinde formuliert, weder eine Frömmigkeit noch der Eifer des frühen Cluny herrscht, so kommt der Zustand der Schwestern nicht von ungefähr. Die Liturgie der Alten Messe, welche (1) immer Recht hat und sollte sie einmal (2) Unrecht haben, dann hat sie auch Recht, siehe Punkt (1), sagt uns in den Stufengebeten: Zum Altar Gottes will ich treten, der meine Jugend erfreut. Et introibo ad altare Dei, ad Deum, qui laetificat iuventutem meam. Es stellt sich natürlich die Frage, was der Altar mit der Jugend zu tun hat, warum er sie erfreut und was Menschen sagen können, die nicht mehr jung sind. Bei diesem Stufengebet handelt es sich um einen Auszug aus dem Psalm 42,4 (Vulgata-Nummerierung) dessen nächste Zeile Ps 42,5 wie folgt lautet: quare tristis es anima mea et quare conturbas me spera in Deum quoniam adhuc confitebor illi salutare vultus mei et Deus meus Warum bist du traurig, meine Seele, und warum beunruhigst du mich? Hoffe auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, Dem Heil meines Angesichtes und meinem Gott....

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