Tradition und Glauben

Peter Kwasniewski, Aus der Kirchengeschichte lernen: Ein kurzer Rückblick auf päpstliche Verfehlungen (5 von 5)

DSDZ wird immer wieder klar, dass er sein Hauptlaster des unmäßigen Zorns nicht überwunden hat, wenn er beispielsweise auf gloria.tv papolatrische Beiträge liest, die meistens Benedikt betreffen. Jemand hält Benedikt „für den einzigen wahren Papst“, was er auch ist, aber er hält ihn deswegen dafür, weil es ihn mag. Weil er ihn aber mag, so ist jeder Unsinn, den Benedikt von sich gibt, zu rechtfertigen und jeder Widerspruch zu akzeptieren, wie bei der letzten Aussage des Papa emeritus, dass Judenmission nicht notwendig sei.  Ein Benedikt-Fan schreibt folgendes: Benedikt hat im Prinzip recht. Auch Juden können das Heil erlangen; das hängt auch vom Grad der Erkenntnis der Wahrheit ab, den jeder einzelne hat. Jesus sagt: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“ (Markus 9,40). Natürlich sollten wir auch versuchen, die Juden für Christus zu gewinnen, was Benedikt überhaupt nicht bestreitet. Nur sollte das eben nicht durch Missionierung im klassischen Sinne geschehen. Wir überlassen die Analyse dem Witz des Lesers, aber beim Katholizismus geht es doch nicht darum, dass man seinen Verstand in der Garderobe lässt und Häresie begünstigende Aussagen eines immer noch amtierenden Papstes nicht als solche erkennen kann, die ja im Gegensatz zur ganzen Kirchengeschichte vor Nostra aetate stehen. Jemand, der einen Papst über jedes Maß hinaus verteidigt und dabei den Satz vom Widerspruch außer Acht lässt, erweist dem Papstamt keinen guten Dienst. Ansonsten wäre alles recht, richtig und moralisch nur deswegen, weil es ein Papst tut. Die Orgien des Alexanders VI. wären keine Orgien, keine Sünden nur deswegen, weil ein amtierender Papst sie veranstaltet. Aber so hat niemand argumentiert! Auf diese Ideen hätten nur die Ultramontanisten des späten 19 Jhds. oder die heutigen Papolatristen/Sedisvakantisten kommen können, denn der Sedisvakantismus kommt von einem falschen und übertriebenen Verständnis des päpstlichen Amtes.  Es ist weder notwendig das Vatikanum I zurückzurufen oder das Papstamt auszuhebeln. Man muss einfach wieder zur katholischen Überzeugung zurückfinden, dass der Papst der Diener der Tradition ist und kein Macher des Neuen wie Paul VI., Johannes Paul II, weniger Benedikt XVI. und schließlich wie der Antipapst Bergoglio. Was bleibt für uns Laien da zu tun? Laut Hilary White: vom Geld abschneiden, sich des weltlichen Armes bedienen und in den Knast stecken. Beides fängt an in den USA zu passieren und in Deutschland fängt etwas an, wenn die Kirchensteuer qua Reichskonkordat von 1933 gekippt wird. Es ist unwahrscheinlich, dass sich eine breite Bewegung „Katholiken für Kirchensteuer“ einfinden wird. Löst man die Kirche vom Staat, dann kann man diesen Staat gegen diese ehemalige Staatskirche einsetzen, wo Verbrechen, Vertuschung und Untreue (alles im Kontext des homosexuellen Mißbrauchs weltweit anzutreffen) stattgefunden hat. Die Caritas kann dann den Bischöfen Pakete in den Knast bringen. Wir können auch Plätzchen backen.  Melchior Cano, ein angesehener Theologe auf dem Konzil von Trient, sagte bekanntermaßen: Nun kann man in Kürze sagen, was [jene tun], die verwegen und ohne Unterscheidung das Urteil des Papstes über alles und jedes verteidigen: diese Leute untergraben die Autorität des Apostolischen Stuhls mehr als sie diese fördern; sie stürzen sie eher als sie zu stützen. Denn – ich lasse jetzt aus, was zuvor in diesem Kapitel erklärt wurde – welchen Nutzen hat er davon, gegen Häretiker zu streiten, die sie [die vermeintlichen Verteidiger des Papsttums Red.] nicht mit Urteilskraft, sondern mit Emotionen als Verteidiger der päpstlichen Autorität wahrnehmen, und auch nicht, um...

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Peter Kwasniewski, Aus der Kirchengeschichte lernen: Ein kurzer Rückblick auf päpstliche Verfehlungen (4 von 5)

Päpste, die etwas Häretisches, nach Häresie Schmeckendes oder für die Gläubigen Schädliches lehrten Ja, Päpste irrten auch vor Bergoglio, aber er – da Antipapst – sprengt wirklich alle Grenzen. Man kann sicherlich sagen. dass er wöchentlich mehr Häresien verbreitet als in manchen Jahrhunderten zusammengenommen. Bergoglio, dem Antipapst Franziskus, geht es um die systematische Zerstörung der Kirche als einer übernatürlichen Institution. Es ist eine programmatische Zerstörung, was man von seinen irrenden Vorgängern nicht behaupten kann.  Warum ist es so? Weil er als Antipapst über keine Assistenia negativa verfügt, welche ihn vom Schlimmsten schützt. Wenn wir das Versprechen Christi bezüglich der Kirche und des Papstamtes ernst nehmen, dann muss es irgendeine Notvorrichtung geben, eine Notbremse also, welche den gültigen Papst  davor bewahrt die Kirche vollends zu zerstören. Nichts bewahrt Bergoglio, etwas bewahrte Alexander VI. oder Paschalis II.  Und warum sagt es keiner der Kardinäle oder Bischöfe? Weil sie alle zu feige und erpressbar sind, siehe die letzte Aussage von Kardinal Müller. Hier treten wir in ein umstrittenes Gebiet ein, aber es kann keinen Zweifel geben, dass die unten aufgeführten Fälle echte Probleme für einen päpstlichen Positivisten oder Ultramontanisten sind, in dem Sinn, dass der letzte Begriff kürzlich geschaffen wurde: jemand, der die Autorität der Worte des regierenden Pontifex überbeansprucht, als ob sie sie der einzige oder wesentliche Standard dessen seien, was den katholischen Glauben begründet.  Papst Paschalis II (1099-1118). In seinem Wunsch, die Mitarbeit Kaiser Heinrichs V zu gewinnen, kehrte Papst Paschalis II die Politik all seiner Vorgänger um, indem er dem Kaiser das Privileg gewährte, Bischöfe in mit [der Verleihung von] Ring und Bischofsstab in ihr Amt einzusetzen, was sowohl zeitliche als auch geistliche Macht bedeutete. Dieses Zugeständnis rief einen Proteststurm im gesamten Christentum hervor. In einem Brief nannte St. Bruno von Segni (c. 1047-1123) die Position Papst Paschalis „Häresie‟, da sie den Entscheidungen vieler kirchlicher Konzile widersprach, und behauptete, dass wer auch immer die Position des Papstes verteidigte, hierdurch ebenfalls ein Häretiker werde. Obwohl der Papst sich rächte, indem er St. Bruno von seinem Amt als Abt von Monte Cassino entfernte, siegte schließlich das Argument Brunos und der Papst widerrief seine frühere Entscheidung[1].  Papst Johannes XXII (1316-1334). In seinen öffentlichen Predigten vom 1. November 1331 bis zum 5. Januar 1332 verneinte Papst Johannes XXII die Lehre, dass die Seelen der Gerechten in die beseligende Anschauung [Gottes] aufgenommen werden, indem er behauptete, dass diese Anschauung bis zur Allgemeinen Auferstehung am Ende der Zeiten aufgeschoben werde. Dieser Irrtum war bereits vom Heiligen Thomas von Aquin und vielen anderen Theologen widerlegt worden, aber sein Wiederaufleben auf den Lippen eben dieses Papstes brachte die leidenschaftliche Opposition einer Vielzahl von Bischöfen und Theologen hervor, unter ihnen Guillaume Durand de Saint Pourçain, Bischof von Meaux; der Englische Dominikaner Thomas Waleys, der als Ergebnis seines öffentlichen Widerstandes Gerichtsverhandlung und Gefängnis durchmachte; der Franziskaner Nicholas von Lyra; und Kardinal Jacques Fournier. Als der Papst versuchte, diese Irrlehre der Theologischen Fakultät in Paris aufzuzwingen, verbot der König Frankreichs, Philip VI von Valois, diese Lehre und, den Angaben des Kanzlers der Sorbonne zufolge stand Jean Gerson sogar kurz davor, Johannes XXII damit zu drohen ihn auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, für den Fall, dass er diesen Irrtum nicht widerrief. Am Tag vor seinem Tod nahm Johannes XXII seine Irrlehre zurück. Sein Nachfolger, Kardinal Fournier fuhr als Benedikt XII damit fort, die...

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Peter Kwasniewski, Aus der Kirchengeschichte lernen: Ein kurzer Rückblick auf päpstliche Verfehlungen (3 von 5)

Päpste, die über Häresien hinweg sahen oder sich schädlichen Schweigens oder Mehrdeutigkeit schuldig machten Aber Päpste haben sich nicht nur moralisch, sondern auch doktrinell geirrt. Zwei sind der Häresie angeklagt, einer gar verurteilt worden.  Sie haben bisher nicht geirrt, als sie ex cathedra sprachen und zwar in den engen Rahmen, welche Vat. I aufweist. Ja, Päpste irrten auch vor Vatikanum II, obgleich selten und nicht als Norm. Papst St. Peter (gest. ca. 64). Es mag gewagt erscheinen, mit dem Heiligen Petrus anzufangen, aber tatsächlich machte er schändliche Kompromisse mit der Anwendung eines Glaubensartikels, nämlich die Gleichheit der jüdischen und heidnischen Christen und die Abschaffung des jüdischen Zeremonialgesetzes – ein Fehler, für den er vom Heiligen Paulus zurechtgewiesen wurde (vgl. Gal 2:11). Dies wurde so ausführlich von den Kirchenvätern und den Kirchenlehrern und auch von jüngeren Autoren kommentiert, dass man das hier nicht gesondert behandeln muss. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Unser Herr in Seiner Vorsehung zuließ, dass sein erster Vikar mehr als einmal versagte, damit wir nicht empört würden, wenn es mit seinen Nachfolgern wieder passierte. Das ist auch der Grund, warum er Judas erwählte: damit der Hochverrat von Bischöfen uns nicht Ursache werde, den Glauben zu verlieren, dass Er weiterhin über die Kirche und die Geschichte der Menschheit herrscht.  Papst Liberius (352-366). Die Geschichte ist kompliziert, aber das Wesentliche kann einfach erzählt werden. Der Arianische Kaiser Konstantin hatte im Jahr 355, mit typisch byzantinischer Arroganz, Liberius „abgesetzt‟, weil er dem Arianismus nicht beigepflichtet hatte. Nach zwei Jahren Exil kam Liberius zu einer Art Übereinkunft mit dem immer noch arianischen Kaiser, der ihm dann erlaubte, nach Rom zurückzukehren. Welchen Kompromiss einer Lehrformel er unterschrieb, oder gar ob er sie unterschrieb, ist unbekannt (der Hl. Hilarius von Poitiers behauptete, er habe unterschrieben), aber es ist sicherlich nicht ohne Bedeutung, dass Liberius, der 36. Papst der einzige von 54 Päpsten vom Hl. Petrus bis St. Gelasius I. ist, der im Westen nicht als Heiliger verehrt wird. Zumindest damals wurden Päpste nicht automatisch heiliggesprochen, besonders, wenn sie ihren Job vermasselten und es nicht schafften, die herausragenden Hirten zu sein, die sie hätten sein sollen.   Papst Vigilius (537-555). Es gibt vier Anklagen gegen Vigilius. Erstens intrigierte er mit der Kaiserin Theodora die ihm anbot, ihn zum Papst ernennen zu lassen, wenn er den abgesetzten Anthimus in Konstantinopel wieder in sein Amt einsetzt.[1] Zweitens bemächtigte er sich des Papstamtes. Drittens änderte er seine Position in der Angelegenheit der Drei Kapitel (Schreiben, die von den Bischöfen des Ostens verdammt wurden, da sie ihnen in ihrer anti-Monophysitischen Haltung zu weit gingen). Vigilius weigerte sich zunächst, der Verurteilung zuzustimmen, aber als das Zweite Konzil von Konstantinopel sie bekräftigte, wurde Vigilius durch Druck des Kaisers überredet, das Konzilsdekret zu ratifizieren. Es scheint, dass Vigilius die Verurteilung der Drei Kapitel als problematisch erkannte, da sie im Westen als Unterminierung der Lehre des Konzils von Chalzedon wahrgenommen wurden, es nichtsdestotrotz aber zuließen, dass er dazu verleitet wurde, dies zu tun. Viertens waren sein Schwanken bezüglich dieser Frage und seine endgültige Entscheidung verantwortlich für ein Schisma, das im Westen folgte, denn einige der Bischöfe von Italien weigerten sich, das Dekret von Konstantinopel anzunehmen. Ihr Schisma gegen sowohl Rom als auch den Osten sollte viele Jahre andauern.[2]  Papst Honorius I (625-638). In ihren Bemühungen, die Monophysiten von Ägypten und Asien zu versöhnen, nahmen die Kaiser des...

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Peter Kwasniewski, Aus der Kirchengeschichte lernen: Ein kurzer Rückblick auf päpstliche Verfehlungen (2 von 5)

Päpste, die schwerer persönlicher Unmoral schuldig wurden Die frommen Seelen werden durch die unten angeführte Zusammenstellung sicherlich schockiert sein, aber fromm bedeutet nicht naiv. Eigentlich ist die Skandalchronik ein Beweis für die göttliche Gründung und göttlichen Beistand der Katholischen Kirche, denn welche andere Organisation hätte bei solcher Führungsebene schon 2000 Jahre lang überlebt? Dies ist traurigerweise eine Kategorie, die leicht zu füllen ist, und wir brauchen uns nicht lange damit aufhalten. Man könnte als Beispiele sechs Gestalten nehmen, über die E.R. Chamberlin sein Buch The Bad Popes schrieb.[1] Johannes XII (955-964) überließ einer Geliebten Land [des Kirchenstaates], ermordete mehrere Leute und wurde von einem Mann getötet, der ihn mit seiner Frau im Bett erwischte. Benedikt IX (1032-1044, 1045, 1047–1048) schaffte es, dreimal Papst zu sein, nachdem er das Papstamt verkauft und wieder zurückgekauft hatte. Urban VI (1378-1389) klagte, dass er nicht genügend Geschrei hörte, als die Kardinäle, die sich wider ihn verschworen hatten, gemartert wurden. Alexander VI (1492-1503), erlangte den Thron durch Schmiergelder und förderte mit allen Mitteln das Fortkommen seiner illegitimen Kinder, wie z. B. Lucrezia, die er einmal zur Regentin der Päpstlichen Staates machte, und Cesare, der von Machiavelli wegen seiner blutigen Rücksichtslosigkeit verehrt wurde. Während seiner Regierungszeit erreichte die Ausschweifung einen nie dagewesenen Tiefpunkt: zu einem bestimmten Bankett brachte Alexander VI fünfzig römische Prostituierte, die zwecks einer öffentlichen Orgie beschäftigt wurden, als Augenweide für die geladenen Gäste. So groß war das Ärgernis über sein Pontifikat, dass sein Klerus sich weigerte, ihn nach seinem Tod in St. Peter zu begraben. Leo X (1513-1521) war ein verschwenderischer Medici, der einmal ein Siebtel der Rücklagen seiner Vorgänger für eine einzige Zeremonie verwendete. Zu seiner Ehre ist zu sagen, dass er die päpstliche Bulle Exsurge Domine (1520) gegen die Irrtümer Martin Luthers veröffentlichte, in der er unter anderem folgende Behauptung verurteilte: „Dass Häretiker verbrannt werden, ist gegen den Willen des Heiligen Geistes‟ (n. 33). Clemens VII (1523-1534), auch ein Medici, schaffte es durch seine Machtpolitik gegen Frankreich, Spanien und Deutschland, dass Rom geplündert wurde. Es gibt noch andere, die man erwähnen könnte. Stephan VII (896-897) hasste seinen Vorgänger, Papst Formosus, so sehr, dass er ihn exhumieren und vor Gericht stellen, ihm die Finger abschneiden und in den Tiber werfen ließ, während er (fälschlicherweise) erklärte, dass Ordinationen, die man aus seinen Händen empfangen hatte ungültig gewesen seien. Hätte diese Deklaration Bestand gehabt (- zu der man ihn schlecht beraten hatte -), hätte es das geistliche Leben Vieler betroffen, da die Priester die Eucharistie nicht gefeiert oder von Sünden freigesprochen hätten. Pius II (1458-1464) schrieb einen erotischen Roman, bevor er Papst wurde. Innozenz VIII (1484-1492) war der erste Papst, der offiziell seine Bastarde anerkannte; er überhäufte sie mit Gunst. Paul III (1534-1549), der sein Kardinalsamt seiner Schwester verdankte, der Mätresse Alexanders VI., und selbst Vater von Bastarden, machte zwei seiner Söhne im Alter von 14 und 16 Jahren zu Kardinälen und führte Krieg, um das Herzogtum Parma für seine Nachkommen zu bekommen. Urban VIII (1623-1644) beschäftigte sich reichlich mit Vetternwirtschft und unterstützte die Kastration von Jungen, so dass sie in seinem päpstlichen Chor als castrati singen konnten. Kardinäle beschuldigten ihn, und Kardinal Ludovisi drohte ihm tatsächlich, ihn als Schützer von Häresien abzusetzen. Es gibt Debatten über das Ausmaß des Fehlverhaltens einiger dieser Päpste, aber bei aller Nachsicht müssen wir doch zugeben, dass es eine päpstliche Hall of Shame...

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Peter Kwasniewski, Aus der Kirchengeschichte lernen: Ein kurzer Rückblick auf päpstliche Verfehlungen (1 von 5)

Anbei der angekündigte Aufsatz von Peter Kwasniewski, der historische Fakten aufzählt, welche beweisen, dass die Standesgnade Päpste weder vor Sünde, noch vor Dummheit oder vor Häresien schützt. Wovor schützt sie denn überhaupt? Davor, dass man irrt, wenn man ex cathedra spricht. Der Fehler des Sedisvakantismus, wie sehr prägnant Robert J. Siscoe darlegt, besteht darin, dass die guten, lieben Sedis die Unfehlbarkeit des ordentlichen und außerordentlichen Lehramtes viel zu weit ausdehnen. Dazu werden wir auch etwas publizieren, vorerst aber die historische Darlegung, welche darlegt: gültig gewählte, echte Päpste, keine Antipäpste können schwer irren, was noch keine Sedisvakanz auf den Plan ruft. Sedisvakantismus kommt von einer spiritualistischen Frömmigkeit, nach welcher nach bestimmten, natürlich vorkonziliaren „richtigen“ Weihen und Sakramentalien man gleichsam Superkräfte erhält, sodass man niemals fallen kann und das Leben nur heller Sonnenschein ist. Dies stimmt aber nicht, weil der freie Wille erhalten bleibt, wie Fleisch, Welt und Teufel auch. Mehr Gnade bedeutet immer mehr Aufgaben und mehr Versuchungen, damit alles schön proportional bleibt, denn Gott ist die Gerechtigkeit selbst.  Also lernen wir aus der Geschichte.  Peter Kwasniewski 6. August 2018 Anmerkung des Herausgebers: Eine frühere Version dieses Artikels wurde zunächst im Oktober 2015 bei OnePeterFive unter dem Pseudonym „Benedict Constable‟ veröffentlicht. Wegen einiger Kontroversen (deren Natur hier nicht von Belang ist), wurde der Artikel wieder vom Netz genommen, jedoch erst, als er eine große Anzahl von Lesern erreicht hatte; der Artikel erfuhr Lob als einer der hilfreichsten Antworten, die bis dahin bezüglich der gegenwärtigen Krise in der Amtskirche geschrieben wurden. Der Autor hat den Artikel zwecks erneuter Veröffentlichung umfassend überarbeitet und dabei vom Feedback einer Anzahl von Lesern profitiert, einschließlich Kirchenhistorikern und Dogmatikern. Der Artikel wird nun auch unter dem Eigennamen des Autors veröffentlicht. Es gibt Leute in der Kirche, die es nicht ertragen können, dass ein Papst aus irgendeinem Grund kritisiert wird – als ob der gesamte katholische Glaube einstürzte, sollten wir zeigen, dass ein bestimmter Nachfolger des Heiligen Petrus ein Schuft, Mörder, Hurenbock, Feigling, Kompromissler, Zweideutiger, Unterstützer von Häresien oder Förderer falschen Kirchendisziplin war. Aber es ist völlig falsch, dass der Glaube zum Einsturz käme; er ist weitaus stärker, stabiler und fester als zuvor, weil es nicht von einem bestimmten Amtsinhaber des Papstamtes abhängt. Vielmehr geht er diesen Amtsinhabern voraus; überdauert sie; und, tatsächlich, richtet sie, ob sie gute oder schlechte Vikare Christi waren. Der Glaube ist den Päpsten anvertraut, ebenso wie den Bischöfen, aber er ist nicht abhängig von ihrer Kontrolle. Der katholische Glaube kommt von Gott zu uns, von Unserem Herrn Jesus Christus, der das Haupt der Kirche ist, sein unverrückbarer Grundstein, seine beständige Garantie der Wahrheit und Heiligkeit[1]. Der Inhalt dieses Glaubens wird nicht vom Papst bestimmt. Er wird von Christus bestimmt und in der Heiligen Schrift, der Heiligen Tradition und durch das Lehramt weitergegeben – wenn man das Lehramt NICHT versteht als alles und jedes, das von Bischöfen oder Päpsten ausgeht, sondern als die gesamte, öffentliche, offiziele, definitive und universelle Lehre der Kirche, die in lehramtlichen Kanons und Erlassen, Anathemas, Bullen, Enzykliken und anderen Instrumenten der Lehre in Übereinstimmung mit den vorangehenden [Dokumenten] verankert und bewahrt wird. Ein ernsthaftes Problem, mit dem wir uns konfrontiert sehen, ist ein „Papalismus‟, der Katholiken blind macht für die Wahrheit, dass Päpste sündige und fehlbare Menschen sind wie wir alle, und dass ihre Äußerungen nur unter streng abgegrenzten Bedingungen garantiert frei von Irrtum sind.[2]...

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (5 von 5)

Praktische Gründe für den päpstlichen Positivismus Natürlich hat die katholische „Papstgläubigkeit“, um es so zu formulieren, ganz praktische Gründe. Fast niemand ist theologisch gebildet. Fast niemand hat die Zeit, die Aussagen eines jeden Papstes mit der Lehre der Kirche abzugleichen. Bisher, d.h. bis Benedikt XVI. haben die Päpste keine offensichtlichen Häresien verbreitet. Wären es wirklich Häresien, so sagen sich Viele, dann würden „unsere guten, katholischen Bischöfe und Kardinäle, die so lieb sind und es so schwer haben“ einspringen, es uns sagen und den Papst ermahnen oder gar absetzen. Durch den nachkonziliaren Zusammenbruch der Katechese hat wirklich kaum ein Katholik irgendwo auf der Welt, nicht nur in D, A und CH, ein ausreichendes Glaubenswissen, um seinen Glauben verteidigen zu können. Fast kein ausgebildeter Theologe, es sei denn er kann gut Latein und betreibt sehr viel Selbststudium, kennt die überlieferte Lehre der Kirche. Praktisch gesehen, gibt es verschiedene Kongregationen in Rom, z.B. die Glaubenskongregation (wenn sie nicht gerade Homo-Orgien feiert, denn es war ihr Gebäude), welche die öffentlichen Aussagen des Papstes auf Rechtgläubigkeit überprüfen, sodass es ein Einzelner nicht zu machen braucht. Bis Benedikt XVI. ist keine sententia haeretica aus dem Munde eines nachkonziliaren Papstes gefallen, obwohl lehramtlich und theologisch zwischen Johannes XXIII. und Benedikt XVI. die Weichen so gestellt wurden, dass die Kirche unter Bergoglio entgleist. Die Bischöfe und Kardinäle haben meist keine Ahnung von Theologie und kein Interesse am geistlichen Leben, diejenigen aber, welche die Häresien sehen, sind einfach zu feige irgendetwas dagegen zu unternehmen. So sieht es nun mal aus. Stellen Sie sich vor, irgendwo würde Feuer ausbrechen, aber die Feuerwehrmänner wären: Zu blind, Zu betrunken, Zu verkokst, Zu sehr in sodomitischen Akten gefangen, Zu faul, Zu feige, Zu dick und unbeweglich um das Feuer zu sehen und dagegen vorzugehen, diejenigen aber, die ausreichend sehen und fit wären, wären Zu bösartig, um es löschen zu wollen. Warum? Weil sie sich den Untergang der Menschen durch dieses Feuer wünschen. Die ersten Punkte zeigen „unsere lieben Geistlichen“, die von uns bezahlten „Feuerwehrmänner des Glaubens“, die eigentlich die Ausbildung und die Ausrüstung zur Feuerbekämpfung der Häresie haben sollten. Der letzte Punkt zeigt die diabolischen Narzissten, die Satanisten, die Geheimbündler, diejenigen also, die wirklich wissen, worum es geht, welche uns verderben möchten und zurzeit im Vatikan regieren. DSDZ hörte sich gestern den langatmigen Bericht über die Vorgänge der Jugend-Synode von Diane Montagna, einer Journalistin von Lifesitenews an. Sie sprach zu gleichgesinnten, traditionellen Katholiken, welche, im Gegensatz zu den Synodenvätern, den Glauben ernst nehmen. DSDZ dachte sich, dass es eigentlich Wahnsinn sei, dass die Laien, wie er selbst, den Glauben viel wichtiger als die Geistlichen nehmen, obwohl es die Aufgabe und Beruf der Letzteren ist diesen zu verteidigen und zu verbreiten. Interessanterweise haben die meisten Bischöfe dermaßen wenig Ahnung von den Glaubensinhalten, was Diane Montagna und ihre vatikanischen Quellen, die manchmal auch gläubig sind, bestätigen, dass es ein Leichtes ist den Hirten etwas unterzujubeln. Aber wie ist es möglich, dass ein Laie, der ein paar Bücher gelesen hat, wir sprechen hier von Journalisten und keinen Theologieprofessoren, mehr Ahnung vom Glauben hat, als depositum fidei verstanden, als ein Bischof? Wo ist es hin? All die Seminarzeit, all das Theologiestudium, all die Priester- und Bischofsweihen? Das Kirchenrecht schreibt vor, dass ein künftiger Bischof mindestens ein Lizentiat (der theologische Grad zwischen Magister und Doktor) in Theologie und...

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (4 von 5)

Der Papst – ipse dixit Aber kommen wir an den Anfang unserer Überlegungen zurück. Die Überzeugung, dass der Papst die Lehre der Kirche ausmacht. Kommt von der Überzeugung, dass alles wandelbar ist (Mobilismus). Welche von Prozesstheologie und letztendlich von Hegel herrührt. Wenn es heutzutage überhaupt ein weltliches Dogma gibt, dass ist es dieses, dass „die Zeiten sich ändern“ und „alles den Bedürfnissen des heutigen Menschen angepasst werden muss, der ganz anders als der gestrige Mensch war“. Punkt. Als Beweis gilt, dass man mindestens alle zwei Jahre ein neues Handy kaufen und ein neues Betriebssystem laden muss. Wenn das kein Argument ist, dann gibt es keine! Romano Amerio schreibt im Jahre 1985 dazu: Die Vorstellung, dass Wandelbarkeit etwas Positives sei, dem man sich öffnen müsse, ist aber auch in die Kirche eingedrungen und hat sich dort verbreitet, hat überwunden, was man mit Stabilität und Unerschütterlichkeit verband, obwohl die Glaubensvorschrift klar ist: „Seid standhaft und unerschütterlich“ (1 Kor 15,58). So stellte der Bischof von Metz fest: „Der Stand der Zivilisation, den wir miterleben, bringt Veränderungen nicht nur in unserem äußeren Verhalten, sondern in dem Begriff selbst mit sich, den wir uns von der Schöpfung machen wie auch von dem Heil, das Jesus Christus uns gebracht hat.“ Am 18. August 1976 erklärte dieser Bischof am Mikrophon von France-Inter: „Die vorkonziliare Theologie, die Theologie von Trient, ist nunmehr vorbei.“ Dass „die Kirche sich einbezogen hat in den Gang der Geschichte, die sich fortentwickelt und verändert“ (Osservatore Romano, 29. September 1971) vertrat übrigens sogar Paul VI., was nicht im Einklang mit seinen energischen Erklärungen über die Unwandelbarkeit der Kirche steht. Bergoglio setzt also jetzt konsequent Häresien aus den 1970-gern um. Jedoch hatte die Zivilisation niemals die Kirche verändert, sondern die Kirche die Zivilisation. Die Barbarenhorden, die in das Imperium Romanum einfielen, wurden missioniert und zivilisiert. Man empfand die Zerstörung der Hunnen und Vandalen nicht als „Kulturbereicherung“ (sorry, Frau Merkel!), sondern als das, was es war: als Barbarei. Die Kirche hat die Völker gewandelt, nicht die Völker die Kirche und das, was die Bergoglianer „Primat der Kultur“ nennen, hat es niemals gegeben. Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «.[3] (Amoris Laetitia 3) Die Unterschiede zwischen einem Katholiken in Finnland anno 1320 und einem Indianer in den Jesuitenreduktionen im Jahre 1713 waren kaum feststellbar. Sie glaubten dasselbe und hatten dieselbe, lateinische Liturgie. Jeder hätte sich in der Welt des Anderen, vom Sprachunterschied abgesehen, wiedergefunden, so nahmen die beiden an der Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes teil durch die Ewigkeit und Unveränderlichkeit der Lehre und der Liturgie seiner Kirche. Weil leider durch das Konzil die Wandelbarkeit als die Grundprämisse akzeptiert wurde, natürlich unter den üblichen „Jedoch-aber-Wenn“-Einschränkungen, so gab es kein unwandelbares Maß der katholischen Lehre, wie sie im Denzinger steht, sondern man hörte darauf, was der jeweilige Papst sagte. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) hat sein Theologiestudium in der Höhe des Pontifikats von Johannes Paul II und dazu noch in Polen absolviert. Der Satz: Der Papst Johannes Paul II hat gesagt…. klingt DSDZ immer noch in den Ohren und provoziert einen Anfall von Übelkeit und Langeweile. Die Professoren von DSDZ, fast allesamt Priester, hatten...

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (3 von 5)

Der hegelianisch-metaphysische Unterbau des päpstlichen Positivismus Da ist der gute Jesuit, der sich die Angleichung der Kirche an die weltliche Schwulenbewegung wünscht, indem er sagt: Reese: Mir hätte es gefallen, wenn das Dokument das Wort „Gay“ wie auch den Audruck LGBT gebraucht hätte: Das sind Begriffe, die von den homosexuellen Gruppen gebraucht werden, die direkt von diesem Paragraphen betroffen sind. Dennoch finde ich die Einladung zur Annahme und pastoralen Begleitung der Homosex-Menschen positiv. […] Reese: Bevor sie sich umfassend mit dem Sex befassen, wäre es gut, wenn die Bischöfenstudieren würden, was die heutigen Moraltheologen sagen. Zudem sollten sie sich mehr mit der gelebten Erfahrung der Familien, der Paare und der Singles in Verbindung bringen. ganz hegelianisch-nachkonziliar, weil, wie schön Romano Amerio darlegt: Die systematische theoretische Darstellung des Mobilismus enthält die Philosophie Hegels. Das Daseiende ist das in der Zeit unendlich wechselhafte Werdende. Das Werden geht auf Gott über, womit es ihm die Attribute der absoluten Unwandelbarkeit und Zeitlosigkeit nimmt.[1] Und was bedeutet das? Dass die Wirklichkeit sich ständig verändert und die Veränderung unendlich ist. Weil, nach Hegel, Gott nicht die Welt schafft, sondern in ihr wird und die Welt gleichsam den Leib Gottes darstellt, daher geht die Veränderung der Welt auf Gott über. Man kann also von der notwendigen Veränderung der Welt auf die notwendige Veränderung Gottes schließen, wie wir woanders geschrieben haben. Weil also die Welt 1:1 Gott abbildet, so findet eine jede Veränderung in der Welt ihren Niederschlag in der Veränderung Gottes. Sie heben den Fuß nach oben – Veränderung – Gott verändert sich. Sie heben den Fuß nach unten – Veränderung – Gott verändert sich. Denken Sie sich dieses Viereck, ein Parallelogramm, wobei die untere Seite für die Welt und die obere für Gott steht: Jede Veränderung der Welt resultiert in einer Veränderung Gottes, weil Welt und Gott innerhalb dieses Welt- Gott- Parallelogramms eine Einheit bilden: Niederschlag findet und/oder die Welt sich so verändert, dass ihre Veränderung in der Veränderung Gottes ihren Niederschlag findet, so muss Gott konsequenterweise seine Offenbarung ändern, um diese natürlich „den Bedürfnissen des modernen Menschen“ anzupassen. Und wenn der moderne Mensch homosexuell ist und Kokain schnupft, siehe die berühmte Homo-Orgie mit Kardinal „Cocco“ im Gebäude der Glaubenskongregation (sic!), dann hat Gott sogleich seine Offenbarung danach zu schreiben und seinen göttlichen Willen danach auszurichten. Kardinal Coccopalmiero ist aber der Präsident des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte, dies bedeutet, dass alle offiziellen Gesetzestexte des Vatikans durch seine Hände gehen und er weiß sie schon so zu schreiben, dass ein „Sowohl-als-Auch-Jedoch-aber-Wenn“ dabei herauskommt. Wie die Internetseite lifesitenews angibt, soll Kardinal „Cocco“ der Orgie „präsidiert“ oder ihr „vorgestanden“ haben („ […] in fact, that he ‘was presiding’ over it when the Vatican Gendarmes broke in […]“), was den Rückschluss zulässt, dass es sich bei dieser Orgie um etwas „Liturgisch-Geordnetes“ gehandelt haben kann. Ann Barnhardt bringt es wieder auf den Punkt: es war eine schwarze Messe, da es normalerweise bei Orgien recht ungeordnet zugeht und es keine Vorsitzende gibt, die „präsidieren“. Kurz und gut: Menschen, die so leben kommen auf solche Gedanken Gott ihrem „Lebensstil“ anzupassen, was die Popularität den nachkonziliaren Mobilismus ganz praktisch erklärt. Denn unter dem hegelianischen Schutzmantel der Prozesstheologie geht es eigentlich darum noch mehr Stricher und Kokain in den Vatikan zu schmuggeln. Wenn jetzt jemand fragen wird, Wie es denn möglich sein, dass jemand auf solche eine...

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (2 von 5)

Was ist Mobilismus? Dass der Papst der höchste Diener der Kirche ist und ihre unveränderliche Lehre wiedergibt, war auch bis ca. 1962 klar, als durch das unselige Konzil (ja, ja, es ist langweilig immer davon zu sprechen, aber leider notwendig) die unveränderliche und größtenteils statische Lehre der Kirche auf einmal dynamisch und veränderlich wurde. Dadurch wurden die Aussagen des Papsten zum einzigen Bezugspunkt, was den päpstlichen Positivismus gründete. Der Mobilismus, wie ihn Romano Amerio nennt,[1] hielt in die Kirche den Einzug. Was ist Mobilismus? Es ist eine philosophische Ansicht, dass alles beweglich (mobile) ist und nichts ruhig bleibt: nihil quietum in causa. Ein völliger Heraklitismus also, durch Hegel modern aufgepeppt und aufgefrischt. Es ist eine weltliche Sicht der Dinge, die ihren Niederschlag im UNESCO-Bericht aus dem Jahre 1972 mit dem Titel Apprendre à être – „Lerne zu sein“ fand. Aber, wie richtigerweise Amerio deutet, „être -»sein« wird gleichbedeutend mit »devenir« – werden – oder »se développer« – sich entwickeln- betrachtet. Ziel der Pädagogik und der Politik sei, dafür zu sorgen, dass „der Geist nicht bei endgültigen Überzeugungen stehen bleibt“, sondern im Gegenteil, „in hohem Maße bereit wird, sich umzustellen“. Betont wird dementsprechend »die Notwendigkeit, das Denken so zu bilden, dass es darauf eingestellt ist, eine Vielzahl von Lösungen als Hypothesen ins Auge zu fassen«, die in verschiedene – nicht die gleiche Richtungen gehen (Osservatore Romano, 10. Januar 1973).[2] Wie kommt es aber, dass l’Osservatore Romano, die Zeitung des Papstes, welche Romano Amerio zitiert, fast buchstäblich die Ansichten eines UNESCO-Dokuments wiederholt? Die einfache Antwort lautet: Weil die Freimaurer außerhalb des Vatikans die Vorgaben den Freimaurern innerhalb des Vatikans geliefert haben. Sollte sich jemand am Wort „Freimaurer“ stören, dann möge er/sie das Wort „weltliche Agenda“ dafür einsetzen. Die Ansichten des Mobilismus sind ja überhaupt nicht katholisch, da Katholizismus von der Seins-Metaphysik, also einer unwandelbaren göttlichen Wirklichkeit ausgeht, welche das Hier und Jetzt abbildet beziehungsweise abbilden sollte. Kurz und gut: je ruhiger und unwandelbarer, desto besser. Aber leider hat der Mobilismus den Einzug in die Konzilsdokumente gehalten[3].  Zunächst scheint dieser Einzug noch deskriptiv – beschreibend – dargestellt zu werden: So vollzieht die Menschheit einen Übergang von einem mehr statischen Verständnis der Ordnung der Gesamtwirklichkeit zu einem mehr dynamischen und evolutiven Verständnis. Die Folge davon ist eine neue, denkbar große Komplexität der Probleme, die wiederum nach neuen Analysen und Synthesen ruft. (Gaudium et Spes 5) Aber schon in GS 41 wird diese Entwicklung hochgeschätzt: Kraft des ihr anvertrauten Evangeliums verkündet also die Kirche die Rechte des Menschen, und sie anerkennt und schätzt die Dynamik der Gegenwart, die diese Rechte überall fördert. (Gaudium et Spes 41) Aber warum „verkündet die Kirche die Rechte des Menschen“ und das „Kraft des ihr anvertrauten Evangeliums“? Das Ziel des Evangeliums ist doch die Bekehrung der Menschen zu Gott durch Jesus Christus, sodass der Mensch einen Teil seiner Rechte, beispielsweise das Recht zum Sündigen, einbüßt. Man kann diesen Satz zwar für die Orthodoxie retten, indem man sagt, dass das Evangelium die wahre Würde des Menschen verkündet und hochschätzt. Aber sogar dann würde das Evangelium im Dienste des Menschen, wie unermüdlich Johannes Paul II unterstrich, stehen und nicht der Mensch im Dienste des Evangeliums. So lesen wir beispielsweise in Christifideles laici 36  Im Dienst am Menschen 36 Weil sie in der Kraft des Geistes das Evangelium aufnimmt und verkündet, wird die Kirche […] zur Dienerin...

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (1 von 5)

Macht der Papst die Kirche aus? Was ist „päpstlicher Positivismus“? Es ist die Ansicht, dass das, was ein Papst sagt immer katholisch ist, weil ein Papst es sagt. Das Papst-Sein (P) ist hier, mengentheoretisch gesehen, die übergreifende Menge und die katholische Lehre (L) die Teilmenge.Und wie ist es richtig? Der Papst sagt etwas Katholisches, weil es katholisch ist und es ist nicht deswegen katholisch, weil er es sagt. In diesem Fall ist das Papst-Sein (P), mengentheoretisch betrachtet, die Teilmenge und die katholische Lehre (L) ist die übergreifende Menge zu betrachten. Die zweite Ansicht ist katholisch, die erstere wäre mit einer Papolatrie also der Vergöttlichung des Papstes gleichzusetzen oder mit der Rückführung des katholischen Glaubens auf die Person des gegenwärtig herrschenden Papstes. Dies ist aber falsch, denn der Papst ist der höchste Diener der Kirche, ihrer Tradition und Traditionen. So legt es die dogmatische Konstitution Pastor aeternus des Vat. I dar: Den Nachfolgern des Petrus wurde der Heilige Geist nämlich nicht verheißen, damit sie durch seine Offenbarung eine neue Lehre ans Licht brächten, sondern damit sie mit seinem Beistand die durch die Apostel überlieferte Offenbarung bzw. die Hinterlassenschaft des Glaubens heilig bewahrten und getreu auslegten. Ihre apostolische Lehre haben ja alle ehrwürdigen Väter angenommen und die heiligen rechtgläubigen Lehrer verehrt und befolgt; denn sie wußten voll und ganz, daß dieser Stuhl des heiligen Petrus von jedem Irrtum immer unberührt bleibt, gemäß dem an den Fürsten seiner Jünger ergangenen göttlichen Versprechen unseres Herrn und Erlösers: »Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht versage: und du, wenn du einmal bekehrt bist, stärke deine Brüder« [Lk 22,32] (DH 3070) Nix da – „Gott der Überraschungen“! Weil Christus selbst Petrus zur Spitze des Apostelkollegiums machte, deswegen bildet der Papst die Spitze Apostelnachfolger, d.h. der Bischöfe, wie weiter Pastor aeternus bestimmt: Damit aber der Episkopat selbst eins und  ungeteilt sei und durch die untereinander eng verbundenen Priester die gesamte Menge der Gläubigen in der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft bewahrt werde, errichtete er, indem er den seligen Petrus an die Spitze der übrigen Apostel stellte, in ihm ein dauerhaftes Prinzip dieser zweifachen Einheit und ein sichtbares Fundament (in ipso instituit perpetuum utriusque unitatis principium ac visibile fundamentum), auf dessen Stärke der ewige Tempel erbaut werden sollte; und die bis zum Himmel ragende Erhabenheit der Kirche sollte sich in der Kraft seines Glaubens aufrichten. (DH 3051) Man kann demnach sagen, dass der Papst der höchste Repräsentant etwas Besseren und Höheren ist als er selbst – nämlich der Kirche. Während Ludwig XIV. in seinem Absolutismus sagen konnte: L’état c’est moi – der Staat, das bin ich so kann dies natürlich kein katholischer Papst sagen. Der Papst ist nicht die Kirche, er ist der höchste Diener der Kirche – ein Diener der Diener Gottes (servus servorum Dei). Das ist natürlich nichts Neues, was wir hier schreiben, sondern die überlieferte Lehre der Kirche, an der sich ein jeder Papst auszurichten hat. Unterstützen Sie uns! Falls Sie diesen Beitrag wertvoll fanden und einen Gegenwert Ihrerseits beisteuern möchten, so können Sie uns etwas spenden....

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