Tradition und Glauben

Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (4) Was ist Phänomenologie?

Nachdem wir Personalismus als Unsinn abgestempelt haben oder akademisch ausgedrückt als eine Philosophie, welche der Wiedergabe der katholischen Lehre wenig zuträglich ist, so wenden wir uns nun  der Phänomenologie zu, welche – ja, wir ahnen es – ebenfalls Unsinn ist. Auf den eventuellen Einwand antwortend, dass wir allzu inflationär mit der Bezeichnung „Unsinn“ umgehen und ihn auf alles anwenden, was nicht thomistisch ist oder was wir selbst nicht verstehen, stellen wir fest, dass wir doch annehmen den phänomenologischen Ansatz verstehen zu können und uns hier nicht mit Sinn oder Unsinn (Was ist das?) verschiedener philosophischen Schulen befassen, sondern ihrer Brauchbarkeit für die katholische Theologie.  Und Phänomenologie, auch auf die Gefahr hin, dass sich jetzt Johannes Paul II im Grabe umdreht, ist unbrauchbar! Was ist aber, einfach formuliert, diese ganze Phänomenologie? Es ist Personalismus erkenntnistheoretisch gewendet. Und das bedeutet? Man hat nur den Zugang zu den Phänomenen seines eigenen Bewusstseins und von dort konstruiert man das übrige, z. B. Gott, die Welt, die anderen Menschen, von dem man nicht weiß, dass es existiert. Die gute Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt die Grundannahme der Phänomenologie wie folgt: Phenomenology is the study of structures of consciousness as experienced from the first-person point of view. The central structure of an experience is its intentionality, its being directed toward something, as it is an experience of or about some object. An experience is directed toward an object by virtue of its content or meaning (which represents the object) together with appropriate enabling conditions. Phänomenologie ist das Studium der Strukturen des Bewusstseins wie es in der Ersten-Person-Perspektive erfahren wird. Die zentrale Struktur der Erfahrung ist seine Intentionalität als auf etwas [anderes] gerichtet und als solche [stellt sie die] Erfahrung eines Objekts dar. Eine Erfahrung ist auf ein Objekt mittels der Kraft seines Inhalts oder Bedeutung (welche...

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Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (3) Was ist Personalismus?

Was ist Personalismus? Nach der längeren Einführung zum katholischen Verständnis der Philosophie und zum Vorteil des Thomismus und der scholastischen Methode kann man sich wohl an dieser Stelle denken, dass die Wahl der Personalismus und Phänomenologie seitens Karol Wojtylas und des späteren Johannes Paul II keine gute Wahl war, welche die exakte Wiedergabe der traditionellen Inhalte der katholischen Lehre garantieren konnte. Dies ist tatsächlich auch der Fall. Was ist aber, in einfachen Worten ausgedrückt, eigentlich Personalismus und Phänomenologie? Um es ganz einfach auszudrücken: Es ist ein ständiges Kreisen um sich selbst und um die eigenen Bewusstseinsinhalte.   Die mehr philosophische Definition des Personalismus geben wir hier nach Stanford Encyclopedia of Philosophy an, da es die Amerikaner, im Gegensatz zu anderen Völkern, tatsächlich fertigbringen sowohl gelehrt als auch verständlich zu schreiben.[1] Personalismus von Lateinisch persona – die Person, ist eine philosophische Richtung des frühen XX Jahrhunderts, welche von Frankreich ausging und sich in Europa und den USA ausbreitete.[2] In Deutschland war der Personalismus aufgrund des unseligen kantischen und idealistischen Erbes Personalismus nicht so populär wie beispielsweise er in Polen war, wohin er über französische Vermittlung kam.  Personalismus sieht sein Hauptanliegen darin den Wert der menschlichen Person zu betonen, hochzuhalten und die menschliche Person als den Anfang aller philosophischen Untersuchungen anzusehen. Lesen wir die Kerndefinition des Personalismus nach der Stanford Encyklopedia of Philosophy: Personalists regard personhood (or “personality”) as the fundamental notion, as that which gives meaning to all of reality and constitutes its supreme value. Personhood carries with it an inviolable dignity that merits unconditional respect. Die Personalisten betrachten das Personen-Sein (oder die “Persönlichkeit”) als eine fundamentale Idee, welche als solche aller Wirklichkeit ihre Bedeutung gibt und welche ihren obersten Wert konstituiert. Das Personen-Sein beinhaltet eine unverletzliche Würde, welchem ein bedingungsloser Respekt gebührt.[3] Da wir hier an keine Fachphilosophen schreiben und...

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Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (2) Die Wahl der richtigen Philosophie.

Die wahre und richtige Philosophie als das theologische Gefährt Warum ist aber die Theologie des Leibes so schlecht? Erstens darum, weil sie ihr philosophisches Fundament Personalismus und Phänomenologie bilden. Die richtige oder falsche Philosophie macht eben was aus. Obwohl die von Gott geoffenbarten Inhalte des Glaubens übernatürlich sind und daher geoffenbart werden, d.h. sie befinden sich in der Heiligen Schrift, so bedient sich der Mensch, um die Glaubenswahrheiten darzulegen einer menschlichen Sprache, welche als Sprache der Philosophie die letzten Gründe der Welt und seiner Existenz im Lichte des Verstandes darlegt. Diejenigen von uns, die keine Philosophie studiert haben oder Fachphilosophen sind (denn es gibt auch diese) sind sich wahrscheinlich nicht darüber im Klaren, wie sehr Philosophie unser Lebensbild prägt, denn solche Begriffe wie Materie, Ursprung, Natur, Seele, Zweck etc. sind philosophische Begriffe, welche verschieden in verschiedenen philosophischen Systemen definiert werden. So bedeutet „Materie“ im Neuplatonismus ein beinahe Nichts, beim Aristoteles den ungeordneten Stoff (hyle), der auf die ihn prägende Form wartet, im Positivismus oder Materialismus bedeutet sie ein dreidimensionales, messbares Etwas.  So wie man nach der Uhrzeit gefragt: „Wie viel Uhr ist es?“  mit der Frage: „Wo denn?“ antworten sollte, so kann man ebenso die Sinnfrage mit dem Gegenfrage nach dem jeweiligen philosophischen System beantworten. Welche Philosophie ist denn die beste? Diejenige, die am besten und mit den wenigsten Widersprüchen die Wirklichkeit abbildet. Was ist die Wirklichkeit? Das, was die jeweilige Philosophie dafür hält. Ist das nicht ein Teufelskreis? Ja und daher braucht man die Offenbarung und nicht jede Philosophie ist mit der göttlichen Offenbarung und dem katholischen Glauben kompatibel, was schon der erste christliche Philosoph, Justin der Märtyrer herausstellte.[1] Philosophie war schon immer pluralistisch, ist es immer noch und wird es immer sein. Dies war schon Platon klar, welcher sich in der Zeit der widersprüchlichen, philosophischen Meinungen nach einem...

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Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (1) Nebulöse Sprache ist nicht katholisch.

Nebulöse Sprache ist nicht katholisch. Da während und nach der Veröffentlichung der Aufsatzreihe von Don Pietro Leone über die Theologie des Leibes  von Karol Wojtyla/Johannes Paul II die Entrüstung ausgeblieben ist, so ist anzunehmen, dass  die eigentlichen und wirklichen Inhalte dieser Theologie unverstanden geblieben sind. Weil die Leser so unverständig sind? Nein, weil die Sprache dermaßen nebulös und verklausuliert ist. Wir müssen einfach wissen, dass erstens ein Geistlicher, ein Bischof, ein Kardinal und ein Papst und zwar Johannes Paul II über ehelichen Sex schreibt und zweitens – Don Pietro Leone – ein ebenfalls Geistlicher, der unter eigenem Namen veröffentlicht, weiterhin sein Priesteramt ausübt und irgendwo Theologie unterrichtet den heiliggesprochenen Papst – Johannes Paul II – kritisiert.  Bei so viel „Geistlichkeit“ und Diplomentensprache wird natürlich nicht Tacheles geredet, sodass kaum ein Leser versteht, worum es sich tatsächlich handelt, hauptsächlich deswegen, weil sich der Autor der Theologie des Leibes Johannes Paul II einer Sprache bedient, die zwar X auszusagen scheint, aber leider Y meint. Der Schreiber dieser Zeilen hat die Inhalte der Theologie des Leibes von Karol Wojtyla während seines Theologiestudiums durchgenommen und kann aus der jetzigen Perspektive sagen, dass er sie nicht verstanden hatte oder er hat sie anders verstanden als sie eigentlich gemeint war. Er ist sich auch sicher, dass keiner seiner Dozenten oder Professoren sie verstanden hatte oder sie wussten diesen Umstand gut zu verbergen, was er allerdings bezweifelt. Die Theologie des Leibes galt allen als schwierig, hochgeistlich, irgendwie romantisch verklärt, dem Schreiber dieser Zeilen und einigen anderen auch als äußerst nebulös, ungenau, irgendwie schwülstig und wenig konkret. Er erinnert sich noch an das Seminar, bei welchem diese Texte gelesen wurden, an die lähmende Langeweile und eine Atmosphäre irgendeiner Sinnlichkeit als  würde man in einem aufgeheiztem Raum ein süßliches, schlechtes Parfüm riechen, von dem es einem schlecht wird. Um...

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Don Pietro Leone: Johannes Paul II, „Theologie des Leibes“ – eine Kritik. Einführung.

Einführung Amoris Laetitia fiel nicht vom Himmel. Diese Adhortation stellt leider den bisherigen Höhepunkt, im Sinne des objektiven Tiefpunkts, der nachkonziliaren Entwicklung dar, welche die Person von Papst Franziskus am deutlichsten darstellt. Es begann mit schwarzen Schuhen, „Nehmen Sie das Zeug weg, Karneval ist vorbei“, sagte er zu den Pontifikalgewändern,[1] „Wer bin ich, um zu urteilen?“, meinte er zur Homosexualität[2] und dann folgte vieles, vieles mehr. Mit dem Pontifikat des Papstes befassen sich mehr oder weniger hasserfühlt verschiedene Blogger,[3] so wollen wir diese Thematik anderen überlassen. Aber die Ideen, welche Amoris laetitia vorbringt, waren in der nachkonziliaren Lehre, auch des ordentlichen Lehramtes, d.h. in den offiziellen Aussagen der Päpste, in nuce schon vorhanden. War es schon damals Häresie? Nein, denn nicht jeder Unsinn ist gleich eine Häresie, sondern nur das, was der dogmatischen Aussage direkt widerspricht. Aber auch bei Johannes Paul II finden sich Aussagen, welche mit der kirchlichen Tradition nicht übereinstimmen und zumindest verwirrend sind. Wir stellen dazu eine eigene Übersetzung, welche von der Bloggerin Eugenie Roth angefertigt wurde, des Aufsatzes, welcher von Don Pietro Leones, einem traditionalistischen Priester, auf Rorate Caeli verfasst wurde. Um diesen wirklich ausgezeichneten Aufsatz verstehen und würdigen zu können, muss man aber vorher entweder mit der Theologie des Leibes von Johannes Paul II / Karol Wojtyla auf dem Laufenden sein oder die Darstellung dieser Theologie auf Englisch Theology of the Body for Beginners von Christopher West (Ascension Press, 2004), auf welche sich Leone bezieht, durchlesen.[4] Wahrscheinlich gibt es auch solche Darstellungen dieser Lehre von Johannes Paul II auch auf Deutsch, da wir aber von dieser Theologie des polnischen Papstes wenig halten, werden wir hierzu nichts empfehlen. Da Buch von Don Pietro Leone The Family Under Attack scheint hingegen wirklich ausgezeichnet zu sein, was man der dargestellten Zusammenfassung entnehmen kann und diese wollen wir wärmstens empfehlen....

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