Tradition und Glauben

Roberto de Mattei, Die Wurzeln und geschichtlichen Konsequenzen des Modernismus (5 von 5)

Neo-Modernismus in der heutigen Kirche Wie weitreichend ist die Präsenz des Neo-Modernismus in der Kirche heute? Es ist schwierig, ein Seminar oder eine katholische Universität zu finden, die davor immun ist. Die Frage sollte umgekehrt gestellt werden: Welches Seminar oder welche katholische Universität ist dem Lehramt der Kirche treu? Leider ist es nicht schwierig, diese Frage zu beantworten. Der Modernismus durchdringt die Kirche, auch wenn nur wenige dies explizit behaupten. Unter ihnen ist Kardinal Gianfranco Ravasi, der in einem Artikel in der Zeitung Sole-24 Ore bekräftigte, dass die Idee bei der Grundlegung des Modernismus mit der Notwendigkeit eines kulturellen und systematischen „Aggiornamento der Analyse und Kommunikation der christlichen Botschaft verbunden sei“ und dass dieses Unternehmen „an sich nicht nur legitim, sondern notwendig war.“ In Ravasis Interpretation waren Loisy, Tyrrell und Buonaiuti „Theologen von großer intellektueller Qualität, die von der antimodernistischen Repression der Kirche angegriffen wurden.“[1] Außerdem verfasste Kardinal Ravasi ein Vorwort zu La vita di Antonio Fogazzaro[2], einem Buch von Tommaso Gallarati Scotti (1878-1940), das am 9. Dezember 1920 wegen der Verteidigung eines Autors, der schon mehrfach auf dem Index landete, dem vizentinischen Autor Antonio Fogazzaro (1842-1911), (ebenfalls) auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt wurde. Die Namen von Fogazzaro und Gallarati Scotti begleiten einander in den Seiten Kardinal Ravasis zusammen mit anderen Modernisten, wie Tyrrell, Loisy, Murri, Buonaiuti, von denen alle exkommuniziert wurden und an die Ravasi als Interpreten „des Ferments erinnert, das sich dann in Gesellschaft und Kultur entwickelte.“[3] Kardinal Kasper nimmt den Modernismus nicht so explizit wie Ravasi in Anspruch, aber seine philosophische und theologische Vision ist von denselben Fehlern durchdrungen. Seine Lehrer sind Schelling und Hegel, Heidegger und Rahner. Von diesen Autoren greift er die Idee einer „Erneuerung der theologischen Methode auf, in der das Werden vorherrscht, Zeit über Raum, Geschichte über Natur, Schrift über Tradition, Praxis über Lehre, Leben über Wahrheit.“ In der Präsentation, mit der Kardinal Kasper am 20. Februar 2014 die Arbeit des Außerordentlichen Konsistoriums über die Familie eröffnete, verwandelt sich das Christentum in ein Leben ohne Wahrheit, oder besser noch in ein Leben, das im „Werden“ der Erfahrung die Wahrheit produziert. Die Praxis wird zum Wertmaßstab, und da das Leben vieler Christen heute so tief in der Sünde versunken ist, dass sie sie nicht mehr als Sünde erkennen, sollte die Kirche ihre Lehre an diese gelebten Überzeugungen anpassen und den Begriff der Sünde selbst, der jeglicher ontologischen Bedeutung beraubt ist, negieren. Das ultimative Kriterium der Wahrheit wird zur soziologischen Realität. Die gute Beziehung zwischen Papst Franziskus und Kardinal Kasper ist bekannt, aber trotz der Tatsache, dass Pater Bergoglio eine Zeit in Deutschland verbrachte, ist es schwer vorstellbar, dass er die intellektuellen Mittel hatte, um die kryptischsten Passagen der Rahner-Kasperianischen Theologie zu verstehen. Die Bildung Bergoglios ist weniger seinem Jesuitenbruder Rahner als einem anderen jesuitischen Bruder, Pater de Lubac, zu verdanken, und durch de Lubac ist sie mit Blondel verbunden, wie viele Exegeten des Bergoglianismus uns versichern. Unter denjenigen, die versuchen würden, Papst Franziskus von jedem Fleck der Heterodoxie reinzuwaschen, ist Professor Massimo Borghesi, wie auch immer; er widerspricht sich jedoch selbst, wenn er uns versichert, dass Papst Franziskus „Blondelianer“ ist, durch Pater Gaston Fessard (1897-1978).[4] Maurice Blondel war in der Tat ein Modernist, weil er seine philosophische Methode aus dem Prinzip der Immanenz schuf, wie die Patres Tonquédec,[5] Réginald Garrigou Lagrange[6] und Cornelio Fabro[7] in zahlreichen Schriften gezeigt haben. Im Jahre 1924 verurteilte das Heilige Offizium zwölf aus der Philosophie Blondels stammende Sätze, von denen einer seine Auffassung der Wahrheit als „Übereinstimmung von Geist und Leben“ und nicht mehr als rationale Übereinstimmung des Intellekts mit dem seienden Ding darstellt (adaequatio rei et intellectus). Die Verwandtschaft zwischen Blondel und Papst Bergoglio wurde durch einen weiteren seiner argentinischen Jesuitenbrüder, Pater Juan Carlos Scannone, ans Licht gebracht, der in seinem Buch François philosophe[8] viele Seiten der Parallele zwischen der Philosophie Bergoglio`s und der „dialektique blondélienne de l‘àction “ widmet[9] Francis und Blondel sind vereint in ihrer anti-intellektuellen Auffassung von Wissen und in der Reduktion der Wahrheit auf Methode oder Sprache. Die Formel „Gott ist keine [mathematische (Anm. d. Übers.)] Gleichung“[10] drückt diese Auffassung aus, die Professor Gian Enrico Rusconi als „narrative Theologie“ definiert.[11] Rusconi erkennt an, dass Papst Franziskus den Anspruch erhebt, das Paradigma der katholischen Theologie von der systematischen zur Erzählungs – Theologie zu verschieben, von der Argumentation zur Erzählung, in dem Versuch, die Identität des Katholizismus mit neuen mythischen oder metaphorischen semantischen Codes neu zu definieren. Papst Franziskus bekräftigt in „Evangelii gaudium“ (Nr. 231-233) und in „Laudato si“ (Nr. 201), dass „die Realität wichtiger ist als die Idee.“ Pater Scalese hat beobachtet, dass das Postulat „die Realität ist wichtiger als die Idee“ nichts mit der ‚adaequatio intellectus ad rem‘ zu tun hat“ Es bedeutet vielmehr, dass wir die Realität als solche akzeptieren müssen, ohne zu versuchen, sie auf der Grundlage absoluter Prinzipien, zum...

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Roberto de Mattei, Die Wurzeln und geschichtlichen Konsequenzen des Modernismus (4 von 5)

Die anthropologische Verschiebung des Zweiten Vatikanischen Konzils  Kardinal Ernesto Ruffini (1888-1967), der am 9. Mai 1961 Kardinal Ottaviani schrieb, drückte sich ohne Zweideutigkeiten aus: „Ich habe es schon früher gesagt, und ich wiederhole es: Der vom heiligen Pius X. verurteilte Modernismus hat sich heute verbreitet, noch schlimmer und schädlicher als damals!“[1]  Derselbe Kardinal Ruffini hatte zusammen mit Kardinal Ottaviani Johannes XXIII., dem Nachfolger von Pius XII. im Jahre 1958, vorgeschlagen, ein Ökumenisches Konzil einzuberufen, weil er dachte, dass ein solches die Irrtümer der Zeit in definitiver Art und Weise verurteilen würde. Aber Johannes XXIII. erklärte in seiner Ansprache, die das Vatikanum II am 11. Oktober 1962 eröffnete, dass das Konzil nicht dazu einberufen worden war, um Fehler zu verurteilen oder neue Dogmen zu formulieren, sondern die immerwährende Lehre der Kirche mit einer an die neuen Zeiten angepassten Sprache vorzustellen[2]. Was tatsächlich geschah, war, dass der der pastoralen Dimension zugeschriebene Primat eine Revolution in Sprache und Mentalität hervorrief. Es war diese neue Ausdrucksweise, die laut dem jesuitischen Historiker Pater John W. O. Malley „einen endgültigen Bruch mit den vorhergehenden Konzilen signalisierte.“[3] Die Konzilsväter waren von „Experten“ oder „Periti“ umgeben, die damit betraut waren, die Schemata zu überarbeiten und neu auszuarbeiten und oft die Interventionen der Konzilsväter vorbereiteten. Viele dieser Theologen waren während des Pontifikats von Pius XII. der Heterodoxie verdächtigt worden. Das erste Ziel, das sie erreichten, war die Ablehnung der Konzilsschemata der Vorbereitungskommissionen. Die Ablehnung dieser Schemata, die laut Konzilsregulatorien die Grundlage für die Diskussion bilden sollten, signalisierte einen Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils[4]. Ein italienischer Bischof, Mons. Luigi Borromeo (1893-1975) schrieb schon während der allerersten Konzilssitzung in sein Tagebuch: „Wir sind voll und ganz im Modernismus. Nicht der naive, offene, aggressive und kämpferische Modernismus der Zeit Pius X., nein. Der heutige Modernismus ist subtiler, verschleierter, eindringlicher und heuchlerischer. Er will keinen weiteren Sturm entfachen, und ersehnt, dass die gesamte Kirche feststellt, dass sie modernistisch geworden ist, ohne es selbst zu bemerken.(…) So bewahrt der heutige Modernismus alles vom Christentum, seine Dogmen und seine Organisation, aber er entleert es vollständig und hebt es auf. Es ist nicht mehr eine Religion, die von Gott kommt, sondern eine Religion, die direkt vom Menschen und indirekt vom Göttlichen kommt, das im Menschen ist.“[5] Msgr. Borromeo hat die „anthropologische Verschiebung“ des Zweiten Vatikanischen Konzils intuitiv erkannt, der das philosophische Immanenzprinzip des Modernismus auf die theologische Ebene übertrug. Der Hauptinterpret dieses Wandels war der Jesuit Karl Rahner (1904-1984)[6], der Theologe, der den größten Einfluss auf das Zweite Vatikanische Konzil und die nachkonziliare Zeit ausübte. Die konservativen Konzilsväter hatten ein klares Bewusstsein für die Irrtümer, die sich in das Herz der Kirche eingeschlichen hatten, aber sie überschätzten ihre eigene Stärke und unterschätzten die Stärke ihrer Gegner. Die Nouvelle Théologie war nicht nur eine theologische Schule, sondern eine organisierte Partei mit einer genauen Zielsetzung und Strategie. Die Stimme von Msgr. Antonino Romeo (1902-1979), der Anfang Januar 1960 in der Zeitschrift „Divinitas“ einen tiefen Angriff gegen das Biblische Institut eingeleitet hatte[7] und der die Existenz einer deutlichen Verschwörung seitens der Neomodernisten anprangerte, die innerhalb der Kirche arbeiteten, blieb (schließlich) isoliert.[8] Die Epoche des Konzils war auch die Epoche der größten Verbreitung des Kommunismus, der prinzipiellen Verirrung des 20. Jahrhunderts, die vom II. Vatikanum ignoriert wurde. Es ist nicht schwer, in dem „Primat der Pastoral“, der in jenen Jahren große Fortschritte machte, die theologische Umsetzung des „Primats der Praxis“ zu sehen, die Marx in seiner Feuerbach – These mit diesen Worten formuliert hat: „In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, i.e. die Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen.“[9] und „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt drauf an, sie zu verändern“.[10] Die Befreiungstheologie Lateinamerikas in ihren verschiedenen Versionen war der Schritt der Zusammenführung zwischen progressiver Theologie und dem marxistischen Denken des zwanzigsten Jahrhunderts[11]. Die Begegnung beider Strömungen geschah präzise in der Bestätigung des Primats der Praxis, das heißt in der Vorstellung, dass das, was wichtiger als die Wahrheit, die Erfahrung ist, die aus dem Handeln gezogen wird. So schrieb ein kommunistischer Theoretiker der 1980er Jahre, Lucio Lombardo Radice (1916-1992), dass das Wesen der Befreiungstheologie in einer „Umkehrung der Beziehung zwischen Theologie und Praxis“ liegt. Nicht eine Praxis der Theologie, sondern eine Theologie aus der Glaubenspraxis heraus.“ [12] In Übereinstimmung mit dieser Perspektive vertraut Giuseppe Alberigo, der die Schule von Bologna zur Nachfolgerin von Le Saulchoir machen wollte, dem Bereich der Geschichte die Aufgabe der „kirchlichen Reform“ an, die von der Nouvelle Théologie vertreten wurde, und davor, vom Modernismus. In der nachkonziliaren Periode wurde die historische Praxis zum „locus theologicus„.[13] Die wahrheitsgeschichtliche Beziehung wurde nach dem Gedanken Kardinal Kaspers in Form einer „kritischen Theorie der christlichen und kirchlichen Praxis“[14] neu formuliert. Die Theologie, die sich in der Rezeption des II. Vatikanischen Konzils entwickelte, ist somit durch ihre besondere Geschichtlichkeit gekennzeichnet“[15]  schrieb Mons....

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Roberto de Mattei, Die Wurzeln und geschichtlichen Konsequenzen des Modernismus (3 von 5)

Vom Modernismus zur Nouvelle théologie Der heilige Pius X. verstand, dass er nicht mit einer  philosophische Schule verhandelte, sondern mit einer [politischen] Partei, und im Motu Proprio Sacrorum Antistitum[1] vom 1. September 1910, mit dem er den Antimodernisteneid anordnete, vertrat er auch die Hypothese, dass der Modernismus innerhalb der Kirche eine wahre und echte „Geheimgesellschaft“ bildete[2]. Ein Zeuge von „innerhalb“ der Bewegung, wie Albert Houtin, der das Ausmaß des Modernismus beschreibt, sah voraus, dass die Erneuerer die Kirche nicht verlassen würden, nicht einmal dann, wenn sie ihren Glauben verlieren würden, sondern dass sie vielmehr so lange wie möglich innerhalb der Kirche verbleiben würden, um ihre Ideen zu verbreiten.[3] „Bis jetzt“, erklärte Buonaiuti, „wollten sie Rom ohne Rom oder vielleicht gegen Rom reformieren. Es besteht die Notwendigkeit, Rom mit Rom zu reformieren; um die Reform durch die Hände derer zu führen, die reformiert werden müssen. Siehe, dies ist die wahre und unfehlbare Methode; aber es ist schwierig. Hic opus, hic labor[4]“. Aus dieser Perspektive schlug der Modernismus vor, den Katholizismus von innen her zu transformieren und das äußere Erscheinungsbild der Kirche soweit wie möglich intakt zu lassen. Scheint es möglich, sich vorzustellen, dass sich solch eine große und komplexe Bewegung ausgeliefert hätte, nachdem sie verurteilt wurde? In den Jahren nach dem Tod Pius X. war die Strategie der Modernisten, den Modernismus für inexistent zu erklären und die antimodernistische Bewegung streng zu verurteilen. Die Tendenzen der Erneuerer auf biblischem, liturgischem, theologischem und ökumenischem Gebiet entwickelten sich innerhalb der Kirche offenbar auf spontane Art und Weise, ohne irgendeine Ordnung oder Richtung, wie es bereits unter Leo XIII. geschehen war. In Wirklichkeit kursierte der Modernismus nicht nur in Büchern, sondern im ganzen Körper der Kirche und vergiftete jeden Aspekt. Dies ermöglichte der neu entstehenden „Nouvelle Théologie“, sich als eine „lebendige“ Theologie und Philosophie zu präsentieren, die mit der Geschichte verbunden, im Gegensatz zur buchstäblichen Abstraktion der neuscholastischen Schule steht. In Belgien, in Tournai, stand das dominikanische Kloster Le Saulchoir, wo beginnend ab 1932 Pere Marie-Dominique Chenu (1895-1990) „der Regens der Studien“ war. 1937 erschien sein kluges Proto-Manuskript mit dem Titel Une école de théologie, Le Saulchoir,[5] das ein „methodisches“ Programm für die Ausbildung dominikanischer Studenten sein wollte. Chenu kritisierte die antimodernistische Theologie im Namen eines „Christus des Glaubens“, der (wie es die Modernisten wollten) im „Christus der Geschichte“ erkannt werden kann. In dem Maß, in dem die Geschichtlichkeit die Bedingung des Glaubens und der Kirche ist, sollten die Theologen in der Lage versetzt werden, „die Zeichen der Zeit“ zu lesen, oder die Manifestation des Glaubens in der Geschichte. Das „Manifest“ des französischen Dominikaners wurde am 4. Februar 1942 durch ein Dekret des Heiligen Offiziums auf den Index gesetzt und Chenu wurde aus seiner Position entfernt. Aber seine Jünger, wie Pater Yves Congar (1904-1995), waren mehr denn je davon überzeugt, dass ihre Generation „jedes Wertelement, das aus der Übernahme des Modernismus hervorgehen könnte,“ wiedergewinnen und in das Erbe der Kirche übertragen sollte.“[6] Was die Schule von Le Saulchoir für die Dominikaner war, war das Universitätsinstitut von Fourvière bei Lyon für die Jesuiten. Diese Schule war vor allem durch die Lehre von Pater Auguste Valensin (1879-1953) beeinflusst, einem Schüler Blondel`s und engen Freund einer anderen führenden Persönlichkeit, des Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955), der von seiner Lehrstelle suspendiert, 1926 verurteilt und 1939 vom Heiligen Offizium verurteilt wurde. Der direkte Ausgestalter der Arbeiten von Blondel und Teilhard war Pater Henri de Lubac (1896-1991), der seit Anfang der 1920er Jahre Teilhard kannte und zutiefst von ihm beeinflusst war. Der „Nouvelle Théologie“ (neuen Theologie Anm. d. Übers.) entsprach die Idee einer „nouvelle chrétienté“ (neuen Christenheit, Anm. d. Übers), die in denselben Jahren vom französischen Philosophen Jacques Maritain (1882-1973) entwickelt wurde. Seine Arbeit Humanisme intégral[7] (1936) wirkte sich nicht weniger als Blondels Action vor allem auf die Laien aus[8]. Trotz Maritains erklärter Treue zu den Prinzipien des Thomismus konvergierten seine Geschichtsphilosophie und seine Soziologie mit dem Neo-Modernismus, der unter den jungen Ordensleuten der Jesuiten und Dominikanerinnen blühte. Im Jahr 1946 erschien ein wichtiger Artikel von Pere Réginald Garrigou-Lagrange (1877-1964), einem der wichtigsten theologischen Köpfe seiner Zeit, zum Thema La Nouvelle Théologie ou va-telle? (Die neue Theologie, wohin sie führt. Anm. d. Übers.)[9]. Der dominikanische Theologe bekräftigte, dass die Nouvelle Théologie vom Modernismus herrührt und zum völligen Glaubensverlust führt. Anstelle der Seins- oder Ontologiephilosophie tritt die Handlungsphilosophie an die Stelle, die die Wahrheit als Funktion, nicht als Sein, sondern als Handeln definiert. So kehrt man zur modernistischen Position zurück: „Die Wahrheit ist nicht unwandelbarer als der Mensch, denn sie entwickelt sich mit ihm, in ihm und durch ihn“ (Denz. 2058). Aus diesem Grund sagte der heilige Pius X. von den Modernisten: „Sie verdrehen den ewigen Begriff der Wahrheit“ (Denz. 2080). „ Die Nouvelle Théologie wurde von Pius XII. am 12. August 1950 mit der Enzyklika Humani Generis verurteilt.[10]. Der Papst...

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Roberto de Mattei, Die Wurzeln und geschichtlichen Konsequenzen des Modernismus (2 von 5)

Der Heilige Pius X. und der Modernismus         Der Funke, der die Modernismus-Kontroverse auslösen sollte, war die Polemik, die durch das 1902 erschienene Essay von Abbé Alfred Loisy L’Evangile et l’Église ausgelöst wurde[1], das als Antwort auf die Interpretation des Christentums des protestantischen Exegeten Adolf von Harnack (1851-1930) die er in seinen Vorlesungen an der Universität Berlin vorstellt, verfasst wurde. Loisy, der die neue „historisch-kritische“ Methode auf das exegetische Feld anwendete, leugnete oder negierte den Offenbarungscharakter des Alten und Neuen Testaments, die Göttlichkeit Christi, die Einsetzung der Kirche, der Hierarchie und der Sakramente. In einer retrospektiven Analyse seiner Arbeit erklärte er, dass er „eine wesentliche Reform der biblischen Exegese, der gesamten Theologie und schließlich des Katholizismus im Allgemeinen gewollt“ habe.[2] Die Debatte wurde vom Oratorianer Lucien Laberthonnière (1862-1932), Direktor der „Annales de philosophie chrétienne“, mit dem Argument für die Notwendigkeit der Trennung des Christentums vom thomistischen Aristotelismus auf das philosophische Feld ausgedehnt, und auch von Edouard Le Roy (1870-1954), dem Nachfolger von Bergson am College de France, für den die dogmatische Wahrheit nur ein Element war, das der Praxis Orientierung gab und an sich nicht bewiesen werden konnte, sondern nur in ethisches Handeln übersetzt werden konnte. Die beiden wichtigsten Theologen der Bewegung waren zwei Priester, George Tyrrell aus Irland (1861-1909) und Ernesto Buonaiuti aus Italien (1881-1946). Tyrrell konvertierte vom Calvinismus zum Anglikanismus und dann zum Katholizismus (1879) und trat dann in die Gesellschaft Jesu ein und identifizierte die Offenbarung mit „religiöser Erfahrung“, die sich in jedem einzelnen Gewissen verwirklicht, durch welche die lex orandi die Normen der lex credendi diktiert, und nicht umgekehrt. Tatsächlich kann diese Offenbarungserfahrung „nicht von außen zu uns kommen; die Lehre kann der Anlass sein, nicht aber die Ursache.“[3] Buonaiuti war Professor für Kirchengeschichte am Seminario dell’Apollinare und Autor der Programma dei modernisti, die im Oktober 1907 anonym in Rom erschien. Diese Arbeit stellte einen Versuch dar, eine organische Antwort auf Pascendi zu geben, und wurde von dem Hauptbefürwortern der Modernistischen Bewegung wie (z.B.) Tyrrel gepriesen, der sie ins Englische übersetzte. Der Modernismus fand schließlich, in der Ausdrucksweise von Loisy, in der Figur des Barons Friedrich von Hügel (1852-1925) einen wichtigen „Vermittlungsagenten“. Als Sohn eines österreichischen Vaters und einer schottischen Mutter war von Hügel durch sein soziales Prestige und seinen kosmopolitischen Status „das Bindeglied zwischen der deutsch-englischen und der italienischen Gesellschaft, zwischen den Ideen der Philosophie der Aktion und denen der historischen Immanenz“[4] Paul Sabatier (1858-1928) definierte Hügel als „Laienbischof des Modernismus“,[5] aber Tyrrell stellte ihn Abbé Henri Brémond (1865-1933) als ihren „Laienpapst“ vor. Unser Programm, schrieb er mit Sarkasmus, „sei eine völlig akzeptable Religion, die vom größten Teil der anglikanischen und protestantischen Konfessionen mit offenen Armen empfangen werden wird; und nachdem das Papsttum völlig verwirrt und diskreditiert sein wird, werden wir zum Vatikan marschieren, und wir werden den Baron [von Hügel] auf dem Stuhl Petri als den ersten Laienpapst inthronisieren.“ [6] Angesichts dieser aggressiven Untergrundbewegung reagierte Pius X. mit der Veröffentlichung eines prophetischen Dokuments, der Enzyklika Pascendi. Der Kern des Modernismus bestand für Pius X. nicht nur im Gegensatz zu dem einen oder anderen der geoffenbarten Wahrheiten, sondern in der radikalen Umwandlung des gesamten Begriffes der „Wahrheit“ selbst, durch die Annahme des „Prinzips der Immanenz“, das die Grundlage des modernen Denkens ist, wie es in dem vom Dekret Lamentabili verurteilten Satz 58 zusammengefasst wird: „Die Wahrheit ist nicht unwandelbarer als der Mensch selbst, denn sie entwickelt sich mit ihm und für ihn.“ Die Immanenz ist eine philosophische Konzeption, die Erfahrung als ein Absolutum voraussetzt und alle transzendenten Realitäten ausschließt. Für die Modernisten ist aus einem religiösen Gefühl heraus geboren, was, während es jede rationale Grundlegung negiert, in Wirklichkeit Fideismus. Der Glaube ist also keine Einwilligung des Verstandes an eine von Gott geoffenbarte Wahrheit, sondern eine religiöse Notwendigkeit, die aus der obskuren Grundlage (dem Unterbewußtsein) der menschlichen Seele entspringt. Die Darstellungen der göttlichen Wirklichkeiten sind auf „Symbole“ reduziert, deren „intellektuelle Formeln“ sich entsprechend der „inneren Erfahrung“ des Gläubigen verändern. Die Formeln des Dogmas enthalten für die Modernisten keine absoluten Wahrheiten; sie sind Bilder der Wahrheit, die sich dem religiösen Gefühl anpassen sollten. Letztlich löst sich die religiöse Wahrheit in der Selbstvergewisserung des Individuums auf, das mit den individuellen Glaubensproblemen konfrontiert ist. In diesem Sinne kehrt die Tendenz des Gnostizismus zurück, alle Wahrheiten durch ein Prinzip, die Subjektivität der Wahrheit und die Relativität aller ihrer Formeln, zu umfassen.[7] Für den Hl. Pius X. „ersehnt und erlaubt die Immanenz den Modernisten, dass das Phänomen des Gewissens des Menschen in jedem Menschen geboren wird. Als eine legitime Folgerung können wir schließen, dass Gott und der Mensch das Selbe sind: daher ist es schlicht Pantheismus“.[8] Pascendi kann als ein grundlegendes Dokument des Lehramtes der Kirche angesehen werden, und unter allen Taten Pius X. bleibt es, wie Padre Cornelio Fabro schrieb, „das bedeutendste Monument seines Pontifikats“.[9] Sinngemäß betont der Historiker Emile...

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Roberto de Mattei, Die Wurzeln und geschichtlichen Konsequenzen des Modernismus (1 von 5)

Von Prof. Roberto de Mattei bei der Konferenz anlässlich des Studientages über „Alten und Neuen Modernismus: Die Wurzeln der Kirchenkrise“ Rom – 23. Juni 2018 Inhalt: Der Ursprung des Begriffs „Modernismus“ Der Heilige Pius X. und der Modernismus Vom Modernismus zur Nouvelle théologie Die anthropologische Verschiebung des Zweiten Vatikanischen Konzils “  Neo-Modernismus in der heutigen Kirche Der Ursprung des Begriffs „Modernismus“ Es scheint, dass der Begriff „Modernismus“ von dem belgischen katholischen Ökonom Charles Périn in seinem Werk geprägt wurde, das dem „Le modernisme dans l’Eglise“[1] gewidmet war, um unter diesem Namen einen Komplex von Fehlern zu bezeichnen, die durch den liberalen Katholizismus von Lamennais in die Kirche eindrang. 1883 entwickelte Padre Matteo Liberatore dieses Thema in einer Reihe von Artikeln in „Civiltà Cattolica“ weiter[2] . Derjenige jedoch, der dem Wort „Modernismus“ seine historische Bedeutung in dem Sinne gab, in dem wir es immer noch benutzen, war der Heilige Pius X., der den Begriff zuerst im Dekret Lamentabili[3]  vom 3. Juli 1907 und dann in der Enzyklika Pascendi[4] vom 8. September 1907 verwendete. Mit dieser Bezeichnung  wollte Pius X. die Einheit der theologischen, philosophischen und exegetischen Fehler definieren, die sich in den Jahrzehnten vor seinem Pontifikat in der katholischen Kirche verbreitet hatten. Als er Pascendi veröffentlichte, war Pius X. seit nunmehr vier Jahren im Amt, während der Modernismus schon seit einer langen Zeit ausgebrütet wurde. Um dessen Ursprung ausfindig zu machen, muss man einem ganzen „Stammbaum“ von Irrtümern  nachgehen, der vor allem in der deutschen Philosophie im 19. Jahrhundert Wurzeln geschlagen hatte. Tatsächlich leitet sich der Modernismus aus zwei Gedankenlinien ab, die dem Luthertum entstammen: dem Rationalismus von Kant und Hegel, der die Religion auf die Philosophie reduzierte, und dem Irrationalismus der „Gefühlsphilosophen“ Jacobi und Schleiermacher, der die Religion mit einem Gefühl (Empfindung) des Göttlichen identifizierten. Aber der Modernismus ist mehr als eine Doktrin: Er ist eine neue psychologische Haltung gegenüber der modernen Welt, die mit dem Amerikanismus in Verbindung gebracht werden kann, einem Komplex neuer Theorien,  die von Isaac Hecker (1819-1888) aufgestellt wurden, einem protestantischen Konvertiten, der zum Gründer der Paulisten wurde, welcher die Idee einer allgemeinen Glaubensentwicklung und einer Anpassung der Kirche an die Erfordernisse der Moderne vorschlug. Dieser Wandel der Mentalität entwickelte sich vor allem während des Pontifikats von Leo XIII. Auf der philosophischen Ebene war das Denken Leo XIII. der Moderne kategorisch entgegengesetzt. In diesem Sinne war die Enzyklika Aeterni Patris vom 4. August 1879 ein wahres Manifest gegen die Irrtümer der modernen Philosophie, in der der Papst bekräftigte, dass der große Weg zur Wiederherstellung der verlorenen Wahrheit eine Rückkehr zur Philosophie des Hl. Thomas von Aquin sei. Es war kein Zufall, dass Pius X. in einem Apostolischen Schreiben an die Römische Akademie des Heiligen Thomas bekräftigte, dass einer der hauptsächlichen Gründe des Ruhms von Leo XIII. darin bestand, „in erster Linie und mit aller Kraft die Wiederherstellung der Lehre des heiligen Thomas von Aquin anzustreben“.[5] Auf politischer und pastoraler Ebene versuchte Leo XIII sich mit der modernen Welt, die er auf der philosophischen Ebene bekämpfte, abzustimmen. Dieser Geist des Kompromisses drückte sich vor allem in der Idee des Ralliement[6]  oder [anders gesagt Anm. d. Übers.] in der Politik der Annäherung an die freimaurerische und säkularistische Dritte Republik in Frankreich aus, wie sie in der Enzyklika Au milieu des sollicitudes[7] vom 16. Februar 1892 bekräftigt wurde. Der Modernismus stellte sich, rein gedanklich, als die Übertragung des Ralliement von der politischen auf die theologische und philosophische Ebene dar. Der Ralliement ermutigte tatsächlich zahlreiche Mitglieder des Klerus (nicht nur in Frankreich), die Öffnung gegenüber der modernen Welt über die politische Ebene hinaus auf die theologische Ebene hin zu erweitern. Leo XIII., wie gesagt, hat den Weg zu einer moderneren und wissenschaftlicheren Lehre geebnet, in der Exegese und Geschichte die theologische und philosophische Forschung begleiten sollten[8]. Das Institut Catholique von Paris erwies sich als „Laboratorium“ für neue Tendenzen. Hier war es, wo Mons. Louis Duchesne (1843-1922) Kirchengeschichte lehrte und unter seiner Leitung Alfred Loisy (1857-1940) als Dozent der Exegese ausgebildet wurde. Es war Loisy, der die „historisch-kritische“ Methode seines Lehrers zu extremen Konsequenzen führte. Eine dritte Persönlichkeit, Abbé Marcel Hébert (1851-1916), übertrug die Ideen von Loisy und Duchesne in den philosophischen Bereich. Laut Abbé Barbier übten diese drei Priester, von denen zwei in Apostasie fielen, einen entscheidenden Einfluss auf die Orientierung junger Geistlicher und junger katholischer Laien in den Jahren 1880-1893 aus.[9] Dieses „Neo-Christentum“ verbreitete sich auch schnell außerhalb der Mauern des Institut Catholique. Am 7. Juni 1893 verteidigte der junge Maurice Blondel (1861-1949) seine Doktorarbeit an der Sorbonne mit dem Titel L’Action: Essai d’une critique de la vie et d’une science de la pratique.[10] In dieser Arbeit, die dazu bestimmt war, breite Anerkennung zu finden, schlug er vor, dass der menschliche Geist von einer inneren Dynamik geleitet wird, Gott in der Immanenz des Handelns zu suchen. Blondels neue „Philosophie...

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„Modernismus ist an allem schuld“ oder ein Kommentar zu Roberto de Mattei

Wir wollen hier in Abschnitten einen absolut herausragenden Aufsatz von Roberto de Mattei Die Wurzeln und geschichtlichen Konsequenzen des Modernismus vorstellen, welcher als Vortrag bei der Konferenz „Alter und neuer Modernismus: Die Wurzeln der Kirchenkrise“ abgehalten wurde, welche am 23. Juni in Rom stattfand. Dieser Aufsatz wurde auf Englisch bei onepeterfive.com veröffentlicht und hervorragend von unserem davillatollkuehn übersetzt, dem wir herzlich danken. Wir haben noch gewartet, ob vielleicht katholisches.info sich diese Mühe machen wird, welches einen viel weniger interessanten Aufsatz von Bischof Fellay von der SPPX veröffentlichte, aber wir mussten uns doch selbst die Mühe machen.  Nur jemand, der sich mit der intellektuellen Seite der jetzigen Apostasie längere Zeit befasst, wie DSDZ zum Beispiel, ist in der Lage die Einfachheit, Stringenz, Tiefgründigkeit und noch einmal Einfachheit des Aufsatzes zu würdigen. DSDZ ist wirklich begeistert, denn ähnliche Qualität, die einen späteren Zeitraum abdeckt, ist nur bei Msgr. Spadafora und seinem Werk Die „neue Theologie“ oder „Sie glauben gewonnen zu haben“ zu finden. Danken wir Gott für Roberto de Mattei! Dennoch wird sein Aufsatz nur für eine Minderheit unserer Leser verständlich sein, weil er eine gewisse Vorbildung benötigt. DSDZ wurde sehr oft vorgeworfen, dass er mit Absicht unverständlich redet oder schreibt, damit „dieser einfache arbeitende Mann oder das einfache Mütterchen, welches den Rosenkranz betet“ ihn nicht versteht. Als hätte DSDZ einen Leckerbissen, den er einem springenden Hund vorhält jedoch so, dass dieser Hund ihn nicht zu fassen bekommt. Ja, Wissen ist Macht und Bildung ist es auch. DSDZ hat es niemals mit Absicht getan und er dachte immer, sich unterhalb eines gewissen Niveaus zu befinden, während er wohl immer zu hoch war. Bei dieser Thematik ist Folgendes zu berücksichtigen: Nicht jeder kann alles verstehen. Nicht alles ist auch einer einfacheren Ebene 1:1 wiederzugeben. Bildung ist eine Sportart, einfach für diejenigen, die es können.   Ad 1. Obwohl es sich sehr hart und undemokratisch anhören wird: Intelligenzverteilung ist nicht gleich. Es wird immer Menschen geben, die bestimmte zu hohe abstrakte Inhalte nicht verstehen werden, gleich wie sehr sie sich anstrengen werden und wie genial ihr Lehrer ist. Punkt.   Ad 2. Jede Auslegung oder Vereinfachung ist eine kleine Verfälschung, da bestimmte Begriffe Fachbegriffe sind, welche angewandt werden müssen, um wirklich ihren Inhalt wiederzugeben. Bei Vereinfachung, Umschreibung oder Paraphrasierung verlieren die Begriffe an Inhalt.   Ad 3. Ein Balletttänzer kann deswegen in einer Leichtigkeit eine Pirouette drehen, eine Ballerina hochheben, weil er entsprechende Muskelgruppen wenigstens seit seinem 8 Lebenjahr täglich, mehrere Stunden lang, mehrere Tage in der Woche trainierte. Für einen Untrainierten sind diese Bewegungen nicht möglich, sowenig wie ein Untrainierter nicht beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel teilnehmen kann ohne sich umzubringen, da hier Abfahrtsgeschwindigkeiten bis zu 150 km/h erreicht werden. Genauso ist es mit der Bildung. Sie können bestimmte Zusammenhänge mit z.B. Anfang 40 deswegen verstehen, weil Sie seit Ihrer Kindheit, durch die Bildung und das Studium bestimmte Gehirnareale und Synapsenverbindungen entwickelt haben. Da diese Synapsenverbindungen sich recht langsam und mühevoll bilden, deswegen dauert das Studium einige Jahre und die akademische Karriere ja auch, weil man permanent Neues lernt oder es sollte. Deswegen kann ein und derselbe Text für jemanden sehr einfach und für jemand anderes völlig unverständlich sein. Sie brauchen sich bloß einen trainierten Ballettänzer oder eine trainierte Ballerina und einen übergewichtigen Untrainierten oder  eine übergewichtige Untrainierte  vorzustellen. Für die letzteren sind bestimmte Bewegungsabläufe gar nicht machbar, sie müssten ihre gesamte Lebensenergie darauf richten diese nach und nach ausführen zu können. DSDZ versucht sich in die Lage des sprichwörtlichen „einfachen Mütterchens“ zu versetzen, das es eigentlich nicht gibt, welches aber noch die Wäsche hereinholen muss, kochen, putzen und den Hasen zu spicken hat und welches auch verstehen will, was „Modernismus“ eigentlich ist und warum er so gefährlich ist. Aber auch ein fachfremder, gebildeter Mensch, der den Hasen zufällig nicht spickt, wird über kein Vorwissen verfügen, um de Mattei verstehen zu können. Mit der Modernismus-Keule wird gerne bei der FSSPX gearbeitet, aber auch in den anderen traditionellen Kreisen, dennoch scheint die Vorstellung, was der Modernismus tatsächlich ist, sehr vage. Deswegen wird DSDZ jedem Teil von Roberto de Mattei seinen eigenen Kommentar voranstellen, damit unser „Mütterchen“ es auch versteht. -Ist denn Modernismus wirklich an allem schuld? -Jawohl, an allem! In der Heimat von DSDZ wurde während des Kriegsrechts (1981-1984) der Kommunismus als ein malum physicum – „natürliches Übel“ gesehen, welche wirklich für alles verantwortlich war. Kein Fleisch in den Geschäften – Kommunismus war schuld, Bus verspätet – Kommunismus war schuld, Lebensmittelvergiftung – Kommunismus war schuld, hässliche Verpackung – Kommunismus war schuld, Menschen saßen im Gefängnis – Kommunismus war schuld etc. Wenn Sie aber irgendetwas sehen, was Sie in der Kirche stört, so können Sie getrost davon ausgehen, dass der Modernismus schuld ist. Bürstenschnittige Pastoralassistentin – Modernismus ist schuld Schlechte Kirchenmusik – Modernismus ist schuld Ungläubiger alt-1968 Pfarrer mit Ziegenbart und „Miteinander“ – Modernismus ist schuld Kein Blumenschmuck...

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