J. S. Bach, Et resurrexit aus der h-moll Messe

Ausführende: The Sixteen Choir & Orchestra

Leitung: Harry Christophers

 

Wie Christus auferstanden ist, so wird auch die Kirche auferstehen. Warum? Weil Er es selbst gesagt hat.

„Ich werde auferstehen“

und er ist auferstanden,

„die Höllenpforten werden sie nicht überwinden“

– so werden sie sie nicht überwinden. Irgendwo steckt doch immer der heilige Rest, der sich in der harten Zeiten bewähren kann und einen Samen darstellt, der irgendwann einmal aufblühen kann. Die Krisen dauern meistens 70 Jahre, die ersten 50 haben wir schon hinter uns gebracht, so bleiben uns nur noch weiter 20 Jahre und einige Päpste. Und das im schlimmsten Falle.

Und deswegen wünschen wir all unseren Lesern ein gesegnetes und zuversichtliches Osterfest.

Alleluja!

 

Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I. Responsorium I.

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Auch diese ganz kurzen Responsorien zeigen uns den Sühnecharakter des Todes Christi, also etwas wovon wir zurzeit in der Kirche auch nicht hören. Die Sündenlast, welche von Anfang der Welt bis zu ihrem Ende die göttliche Gerechtigkeit beleidigt hat und den Menschen wie eine Smogwolke die Sicht zu Gott versperrt hatte, wurde mit dem Erlösungswerk Christi, mit seinem Leiden und Tod, abgetragen. Die Menschheit startet nicht einmal wieder beim Null, sondern kann sich die Verdienste Christi (merita Christi) anrechnen, wenn man getauft, katholisch und im Gnadenstand ist.

„Ein einziger Tropfen des Blutes Christi hätte genügt, um die ganze Welt zu erlösen“,

sagt der hl. Thomas von Aquin in seinem Hymnus Adoro devote. Welch eine Freigiebigkeit, welch eine Gnade! Wir haben für Christus nichts bis wenig getan, er für uns alles, bis zum Tod, bis zur Höllenfahrt. Würden unsere Priester dies wissen und daran glauben wie anders würden sie doch leben und die Hl. Messe feiern, welche ja die direkte Vergegenwärtigung des Kreuzopfers Christi ist. Man klinkt sich zeitgleich bei Golgatha ein! Dies ist die Lehre der Kirche und darum werden uns durch jede gültige Messe, auch im Novus Ordo, die Erlösungsfrüchte Christi zuteil. Christus hat also nicht nur die Väter im Scheol insofern „lebendig gemacht“, dass sie in den Himmel kamen, sondern er macht auch uns heute mit seiner sakramentalen Gnade lebendig, falls wir (a) im Gnadenstand sind und (b) die Messe (i) gültig und (ii) würdig ist. Der Schreiber dieser Zeilen ist sich nicht sicher, ob alle Gnaden der Messe auch durch einen unwürdigen, also in Todsünde sich befindlichen Priester, ausströmen, aber er hält es für unwahrscheinlich oder für sehr reduziert. Ein Priester, der unwürdig ein Sakrament spendet begeht eine Todsünde, obwohl das Sakrament gültig ist, der Gläubige ist aber nicht dazu gehalten es von diesem Priester ohne Not zu empfangen, wenn er andere zur Auswahl hat. In manchen Diözesen ist diese Auswahl sehr klein und die Not sehr groß. Aber zwischen der (i) Gültigkeit eines Sakraments, seiner (ii) Würdigkeit und seinem (iii) Gnadenreichtum, welches ja ex opere operantis wirkt, bestehen ja Unterschiede. Christus hat aber all seine Erlösungswerk der Kirche übertragen und den konkreten Priestern, welche so mit ihm verfahren, wie wir sehen. Sie werden sicherlich all ihre Taten zu verantworten haben, denn Christus wollte „sein Volk lebendig machen“ (ut vivificaret populum suum), was jedoch bei den vielen ungültigen und bei den noch zahlreicheren unwürdigen Sakramenten wirklich schwierig ist.

Beten wir doch alle und vielleicht wird sich Gott erbarmen und uns gläubige und würdige Priester schicken:

Ich danke dir, Herr Jesus Christ, dass du für mich gestorben bist. Ach, lass dein Blut und deine Pein an mir doch nicht verloren sein.

Responsorium:

R. Sicut ovis ad occisionem ductus est, et dum male tractaretur, non aperuit os suum: traditus est ad mortem,
* Ut vivificaret populum suum.
V. Tradidit in mortem animam suam, et inter sceleratos reputatus est.
R. Ut vivificaret populum suum.

Responsorium:

R. Wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wurde und während er schlecht behandelt wurde, öffnete er seinen Mund nicht: er wurde dem Tod übergeben.
* Damit er sein Volk lebendig macht.
V. Er hat seine Seele dem Tode übergeben und zu den Verbrechern wurde er gezählt.
R. Damit er sein Volk lebendig macht.

Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I.

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Das Wort Barmherzigkeit (misericordia) kommt im Lateinischen, im Gegensatz zum Deutschen, auch in der Mehrzahl vor. Es sind also die „Barmherzigkeiten“, die vielen Gunst-und Gnadenerweise Gottes, die uns in unserem Leben begleiten. Da es diese gibt, so kann Jeremias sagen: non sumus consumpti – „wir sind noch nicht am Ende, wird sind noch nicht vollendet“, im Sinne von: „Es geht noch für uns weiter“. Auch im Fegefeuer, denn in der Hölle geht es nicht zum Besseren, sondern es gibt eine gleichbleibende und ewige Qual. Die Glaubenswahrheit von der Höllenfahrt Christi, wobei hier „Hölle“ für descendit ad inferos – „Er stieg hinab in die Unterwelt“ steht, wo die Seelen der Gerechten, seit Anfang der Welt auf Christus harrten, ist in der heutigen Verkündigung absolut abwesend. Aber diese Seelen non sunt consumpti – „waren noch nicht am Ende“, da sie auf der Erlöser warteten. Die Kirchenväter beschreiben in freudigen Tönen das Treffen von Adam und Eva mit Christus. Die Ureltern mit ihrem Nachkommen und Erlöser. Schöne, bewegende Bilder, welche uns, wie vielen andere auch, seit dem Konzil nicht berühren können, weil man davon nirgends hört. Wir haben diese Worte hier, in der Vertonung von Palestrina, also können uns wirklich nicht beklagen, finden wir.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 3:22-30
22 Heth. Misericordiae Domini, quia non sumus consumpti; quia non defecerunt miserationes ejus.
23 Heth. Novi diluculo, multa est fides tua.
24 Heth. Pars mea Dominus, dixit anima mea; propterea exspectabo eum.
25 Teth. Bonus est Dominus sperantibus in eum, animae quaerenti illum.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Aus den Wehklagen des Propheten Jeremias.
Lam 3:22-30
22 Heth. Die Barmherzigkeiten des Herrn, denn wir sind noch nicht am Ende; denn seine Barmherzigkeiten hörten nicht auf.
23 Heth. Ich habe am Morgen erkannt, groß ist Deine Treue.
24 Heth. Mein Teil ist der Herr, sagte meine Seele; daher werde ich Ihn erwarten.
25 Teth. Gut ist der Herr zu denen, die auf Ihn hoffen, zu der Seele, die ihn sucht.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zum Herrn, Deinem Gott zurück.

Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I. Responsorium I

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2000 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Während die Lesung der ersten Nokturn das Objektive der Geschichte und der Prophetie darstellt, denn oft schon ist es der Kirche wie Israel ergangen, stellt das Responsorium das objektivierte Subjektive des Leidens Christi und des Gläubigen dar. Wir können versichert sein, dass bei der richtigen Christusnachfolge uns auch die Nachfolge im Leiden nicht erspart bleibt. Verrat, Einsamkeit, Qual, Verleumdung etc. etc. Die Texte der dunklen Responsorien sind sehr emotional, literarisch schön und schlicht und so wundert es nicht, dass sie durch die vielen Jahrhunderte verschiedene Komponisten inspirierten. Interessanterweise komponiert Palestrina dieses Responsorium nicht aus, sondern belässt es gregorianisch, wahrscheinlich aus Zeitgründen und als Kontrapunkt zu der auskomponierten Lectio. Da sie nach dem letzten Konzil, wie eigentlich alles Schöne, abgeschafft wurden, so werden sie heute kaum vertont. Erst wenn man diese alte Musik und die alte Liturgie kennt, wird man sich der heutigen, nachkonziliaren Barbarei erst bewusst. Die Pferdedecken, die Pastoralassistentin, das Bla-Bla-Bla. Früher hielt die Liturgie die Menschen auch ästhetisch bei der Stange, was sie ja heute nicht tut. Das alte Lied dieses Blogs, aber hören wir uns die Schönheit der Vergangenheit an, welche sicherlich früher oder später zur Schönheit der Zukunft wird.

V. Omnes amici mei dereliquerunt me, et praevaluerunt insidiantes mihi: tradidit me quem diligebam:
* Et terribilibus oculis plaga crudeli percutientes, aceto potabant me.
V. Inter iniquos projecerunt me, et non pepercerunt animae meae.
R. Et terribilibus oculis plaga crudeli percutientes, aceto potabant me.

R. Alle meine Freunde haben mich verlassen und meine Verfolger nahmen Überhand: derjenige, den ich liebte, hat mich verraten.

* Und mit schrecklichen Blicken schlugen sie mir grausame Wunden, mit Essig tränkten sie mich.

V. Unter Verbrecher haben sie mich geworfen, und sie schonten meine Seele nicht.

R. Und mit schrecklichen Blicken schlugen sie mir grausame Wunden, mit Essig tränkten sie mich.

Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I: Heth und Teth.

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2000 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Da wir in der Karwoche wahrscheinlich alle wenig erbauliche Liturgien über uns ergehen lassen werden, es sei denn jemand hat das Glück sie im Alten Ritus und würdig zu feiern, so wollen wir uns auf das Triduum ein wenig einstimmen, indem wir uns die Tenebrae von Palestrina anhören. Beim vorgestellten Stück handelt es sich um die erste Lesung des ersten Nokturns der Matutin von Karfreitag, welche zwar schon auf Lateinisch, aber noch nicht auf Deutsch beim divinum officium eingesehen werden kann. Unserer Meinung nach stellt Palestrina, neben Victoria, die katholischste Musik dar, welche die göttliche Vollkommenheit und Schönheit am besten vermittelt. Obwohl das Leid und die Zerstörung beklagt werden, so geschieht es, anders als bspw. beim vorgestellten Thomas Tallis, auf eine harmonische Art und Weise. Diese Musik ist wirklich ein Träger des Sakralen und deswegen wird sie so selten in der heutigen Kirche aufgeführt. Wir stellen eine eigene Übersetzung vor, da wir die Allioli-Bibel, die ebenfalls aus der Vulgata übersetzt, nicht zur Hand haben.

Die Kirche erkannte bis zum letzten Konzil im zerstörten Jerusalem sich selbst. Man hielt sich einmal im Jahr, bei den dunklen Laudes, also bei den Tenebrae, die mögliche göttliche Strafe für die eigenen Sünden vor Augen. Wahrscheinlich hat es ein wenig geholfen, da man es zurzeit ja nicht macht und die Folgen sieht. Die Kirche ist zwar der Neue Israel, aber Gott ändert seine Vorgehensweise nicht. Er fordert von der Kirche und ihren Vertretern viel mehr, als er von Israel forderte. Wenn man all das realisiert und sich die heutige Lage der Kirche und der Kleriker in den deutschsprachigen Ländern ansieht, so kann die Strafe Gottes, auch in diesem Leben, wirklich nicht weit sein und erst nach dem Tod. Wir alle, die wir noch leben, können uns bekehren, beichten, sühnen und Buße tun. Auch für andere.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 2:8-11
8 Heth. Cogitavit Dominus dissipare murum filiae Sion; tetendit funiculum suum, et non avertit manum suam a perditione: luxitque antemurale, et murus pariter dissipatus est.
9 Teth. Defixae sunt in terra portae ejus, perdidit et contrivit vectes ejus; regem ejus et principes ejus in Gentibus: non est lex, et prophetae ejus non invenerunt visionem a Domino.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Die Wehklages des Propheten Jeremias.
Lam 2:8-11
8 Heth. Der Herr beschloss die Mauer der Tochter Zion zu zerstreuen; er nahm ein Richtmaß und zog seine Hand von der Zerstörung nicht zurück: er brachte die Vormauer in eine Schieflage und gleichzeitig wurde die Hauptmauer auseinander geworfen.

9 Teth. Eingeschlagen sind ihre Tore, er hat zerstört und zermahlt ihre Türriegel; ihren König und ihre Fürsten zerstreute er unter die Heidenvölker: es gibt kein Gesetz und ihre Propheten haben bei Gott keine Vision gefunden.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zu Gott, Deinem Herrn, zurück.

Thomas Tallis, Lamentatio Jeremiae (He): Deller Consort

De Lamentatione Jeremiae Prophetae

Lam 1:5

5 He. Facti sunt hostes eius in capite; inimici eius locupletati sunt: quia Dominus locutus est super eam propter multitudinem iniquitatum eius; parvuli eius ducti sunt in captivitatem ante faciem tribulantis.
Ierusalem, Ierusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

 

Lam 1:5

5 He. Zum Haupt geworden sind ihre Angreifer; ihre Feinde haben sich bereichert: denn der Herr hat [ein Urteil] über sie gesprochen wegen der [großen] Menge ihrer Sünden; ihre Kinder wurden in Gefangenschaft geführt vor dem Angesicht, das sich grämte.

 

Jerusalem, Jerusalem, kehrte zum Herrn, Deinem Gott zurück.

Tenebrae des Gründonnerstags – Nachtrag

 

Wie tiefgehend sind doch diese Texte. Wie sehr fallen sie ins Gedächtnis, wenn man sie entweder vor Sonnenaufgang am Gründonnerstag betet oder in der Nacht von Karmittwoch auf Gründonnerstag. Diese Fülle des Schmerzen, der desolate Zustand von Jerusalem und die Strafe Gottes. Die Kirche hat diese Texte jahrhundertlang gebetet und sich einen Spiegel vorzuhalten. Denn als das neue Jerusalem, denn es gilt weiter die Substitutionslehre, wonach die Kirche Israel in seiner Heilsmission ablöste, ungeachtet Nostra aetate und der neuere Ausführungen von Kardinal Koch, wußte die Kirche, dass die Strafe Gottes auch sie ereilen wird, falls sie Gott untreut wird.  Das oben angeführte Bild stellt Sacco di Roma dar, das Strafgericht Gottes über das Renaissance-Rom, welches genau 10 Jahre nach dem Auftritt Luthers, also im Jahre 1527 stattfand. All die bei Jeremias beschreibenen Umstände fanden in Rom im Jahre 1527 buchstäblich statt und die Kleriker, die danach ihr Brevier beteten, wußten Bescheid. Warum straft Gott die heutige Kirche nicht? Er wird es sicherlich tun, weil der Verfall wirklich viel mehr fortgeschritten ist als in der Renaissance-Zeit. Wir können nur Sühne leisten, Fürbitte tun, damit es nicht so schlimm ausfällt und uns selbst im Gnadenstand halten, damit wir jederzeit sterben können.  Sollten die 500-jährigen Jubileen zur Ketzerei Luthers tatsächlich auch in der katholischen Kirche stattfinden, wie geplant, dann bleibt dabei zu bedenken, dass das 500-jährige Jubiläum von Sacco di Roma ebenfalls nicht weit entfernt ist. Vielleicht wird es sich das auch jähren?  Ist es realistisch? Hat jemand vor einem Jahr damit gerechnet, dass „Mutti Merkel“ 1 Million, wenn nicht mehr zumeist islamische „Flüchtlinge“ und darunter sicherlich einige Terroristen ins Land lässt? Bis zum Jahr 2027 kann also noch einiges passieren. Deswegen häufig beichten, Ablässe für sich selbst erwirken (wir werden noch schreiben wie) und bereit sein, denn wir wissen weder Tag noch Stunde. Die Römer sollten sich gleich ganz warm anziehen, denn Gott ändert sein modus operandi nicht und es wird uns allen wie Israel in den Wehklagen Jeremias ergehen.

Thomas Tallis, Lamentatio Jeremiae (Dhalet): Deller Consort

De Lamentatione Jeremiae Prophetae

Lam 1:4

4 Daleth. Viae Sion lugent, eo quod non sint qui veniant ad solemnitatem: omnes portae eius destructae, sacerdotes eius gementes; virgines eius squalidae, et ipsa oppressa amaritudine.

Lam 1:4

4 Daleth. Die Wege Sions weinen, denn es gibt keine, die zum Fest komment würden: zerstört sind all ihre Tore, ihre Priester weinen; ihre Jungfrauen sind beschmutzt und sie selbst [die Stadt Jerusalem] durch die Bitterkeit unterdrückt.

Thomas Tallis, Lamentatio Jeremiae (Ghimel): Deller Consort

 

De Lamentatione Jeremiae Prophetae

Lam 1:3

3 Ghimel. Migravit Iudas propter afflictionem, et multitudinem servitutis; habitavit inter Gentes, nec invenit requiem.

 

3 Ghimel. Es wanderte Juda wegen der Bedrängnis und der Vielheit des Frondienstes; er wohnte unter den Heidenvölker und fand die Ruhe nicht.

Septem Dolorum Beatae Mariae Virginis – Sieben Schmerzen Mariä

Maria ist die Morgenröte, sie leuchtet vor dem Aufgang der Sonne, welche Christus ist. So wie sie vor der menschlichen Geburt Christi geboren wurde, welcher als Gott der Eingeborene (unigenitus) Vaters als Gott ewig ist, so gedenkt die Kirche ihres Leidens eine Woche vor Karfreitag mit dem Fest Sieben Schmerzen Mariae. Man müsste richtigerweise sagen, dass die Kirche der Schmerzen Mariä bis zur unseligen Rubrikenreform von 1955 gedachte, denn leider wird dieses Fest seit diesem Jahr nicht mehr begangen. Wen hat es gestört? Die Dämonen und diejenigen, welche von ihnen inspiriert wurden. Es ist natürlich sehr schade, denn außer der Konzertaufführung von Stabat mater, des Brevierhymnus dieses Festes, werden wir nirgends mit dem Leiden der Gottesmutter konfrontiert. Das Erlösungswerk des Leidens Christi, welches sich vornehmlich an Karfreitag vollzog, birgt solch eine Fülle in sich, dass man bestimmte Ereignisse vorverlegen oder nachverlegen musste, um ihrer liturgisch und paraliturgisch zu gedenken. Natürlich vor dem Konzil, denn das Gedenken des Leidens Christi scheint natürlich mit der „Mentalität des modernen Menschen“ nicht vereinbar zu sein. Im Gegensatz zur Sünde – die ist vereinbar.

Schauen wir uns den liturgischen Kalender des Tridentinischen Breviers an, welches wenigstens auf diesem Blog hochgehalten wird, so finden wir die folgenden Feste, welche mit Karfreitag inhaltlich verbunden sind:

  1. Am Freitag nach der ersten Fastenwoche: Lanceae et Clavorum Domini Nostri Jesu Christi – Der hl. Lanze und Nägel unseres Herrn Jesus Christus.
  2. Am Freitag nach der zweiten Fastenwoche: Sindonis D.N.J.C. – des hl. Schweißtuches unseres Herrn Jesus Christus.
  3. Am Freitag nach der dritten Fastenwoche: Quinque Vulnerum D.N.J.C. – der hl. Fünf Wunden unseres Herrn Jesus Christus.
  4. Am Freitag nach der vierten Fastenwoche: Pretiosissimi Sanguinis D.N.J.C. – des kostbarsten Blutes unseres Herrn Jesus Christus.
  5. Am Freitag der fünften Fastenwoche, der Passionswoche: Septem Dolorum B. Mariae Virginis – Sieben Schmerzen der Seligen Jungfrau Maria.
  6. Am Freitag nach dem Weißen Sonntag: Spineae Coronae D.N.J.C. – der hl. Dornenkrone unseres Herrn Jesus Christus.
  7. Am 14. September – Exaltationis S. Crucis – der Kreuzeserhöhung.
  8. Dritter Sonntag in September – Septem Dolorum B. Mariae Virginis – Sieben Schmerzen der Seligen Jungfrau Maria.

Es ist tatsächlich allerhand, wobei manche Feste auch nach Ostern fallen. Das Siebenschmerzen Fest in der Fastenzeit hat ein ganz anderes Officium als das Fest in September, sodass nichts wiederholt wird. Besonders in der Fastenzeit wird der Brevierbeter langsam in das Karfreitagsmysterium geführt, durch die Betrachtung der einzelnen Geheimnisse. Und wem hat es geschadet? Den Dämonen und der Welt. Nun, ja.

Bevor wir die Überlegungen von Dom Prosper Guéranger auf Englisch zu diesem Fest veröffentlichen, ein paar eigene Bemerkungen. Das heutige Brevier präsentiert eine interessante Mischung aus Brautmystik des Hoheliedes und der Passionsgeschichte. Denn Maria war auch eine Liebende. Sie liebte Christus als ihren Sohn und als ihren göttlichen Bräutigam. Die Liturgie scheut sich nicht diese beiden Aspekte zu vermischen und so lesen wir im ersten Responsorium des ersten Nokturns:

R. Dilectus meus candidus, et rubicundus, et totus desiderabilis:
* Omnis enim figura ejus amorem spirat, et ad redamandum provocat caput inclinatum, manus expansae, pectus apertum.
V. Piis, o Virgo, spectas eum oculis, contemplans in eo non tam vulnerum livorem, quam mundi salutem.
R. Omnis enim figura ejus amorem spirat, et ad redamandum provocat caput inclinatum, manus expansae, pectus apertum.

R. Mein Geliebter ist weiß und rot und als ganzer begehrenswert: * All seine Gestalt haucht Liebe aus und zur Gegenliebe ruft sein gebeugtes Haupt auf, seine Hände sind ausgestreckt, seine Brust offen.

V. Mit frommen, oh Jungfrau, schaust Du ihn Augen an, beschaust in ihm nicht sosehr die bleifarbige Farbe der Wunde, als das Heil der Welt.

R. All seine Gestalt haucht Liebe aus und zur Gegenliebe ruft sein gebeugtes Haupt auf, seine Hände sind ausgestreckt, seine Brust offen.

Ähnliche Verknüpfung stellt der hl. Bernhard von Clairveaux in seiner Predigt, welche die vierte Lesung des zweiten Nokturns darstellt. Indem er auf die Weissagung des Simeons und das Martyrium anspielt, sagt er:

Vere tuam, o beata Mater, animam pertransivit. Alioquin non nisi eam pertransiens, carnem Filii tui penetraret.

Wahrlich hat es [das Schwert], o selige Maria, deine Seele durchbohrt. Denn nichts hätte Deine Seele durchbohren können, was nichts auch das Fleisch Deines Sohnes durchbohrt hat.

Wie Maria in der Schwangerschaft mit Christus, dem Eingeborenen Sohn Gottes verbunden war, so war sie doch zeitlebens mit ihm auch geistlich verbunden. Wie sehr muss sie doch gelitten haben als sie ihren gemarterten Sohn sah! All diese Geheimnisse des Leidens, Mitleidens, der Übergabe Johannes an Maria an Sohnes statt, werden im heutigen Fest betrachtet. Der heutige Hymnus ist Stabat mater, welches so oft und gerne vertont wurde. Es lautet wie folgt:

Stabat mater dolorosa
Iuxta crucem lacrimosa,
Dum pendebat filius;

Cuius animam gementem,
Contristantem et dolentem
Pertransivit gladius.

O quam tristis et afflicta
Fuit illa benedicta
Mater Unigeniti!

Quæ maerebat et dolebat,
Et tremebat, dum videbat
Nati pœnas incliti.

Quis est homo qui non fleret,
Matrem Christi si videret
In tanto supplicio?

Quis non posset contristari,
Piam matrem contemplari
Dolentem cum filio?

Pro peccatis suæ gentis
Vidit Iesum in tormentis
Et flagellis subditum;

Vidit suum dulcem natum
Morientem desolatum
Dum emisit spiritum.

Pia mater, fons amoris,
Me sentire vim doloris
Fac, ut tecum lugeam.

Fac, ut ardeat cor meum
In amando Christum Deum,
Ut sibi complaceam.

Sancta mater, istud agas,
Crucifixi fige plagas
Cordi meo valide;

Tui nati vulnerati
Tam dignati pro me pati,
Pœnas mecum divide.

Fac me vere tecum flere,
Crucifixo condolere,
Donec ego vixero;

Iuxta crucem tecum stare
Et me tibi sociare
In planctu desidero.

Virgo virginum præclara,
Mihi iam non sis amara,
Fac me tecum plangere

Fac, ut portem Christi mortem,
Passionis fac consortem
Et plagas recolere.

Fac me plagis vulnerari,
Cruce fac inebriari
Et cruore filii.

Flammis ne urar succensus,
Per te, virgo, sim defensus
In die iudicii.

Fac me cruce custodire,
Morte Christi præmuniri,
Confoveri gratia.

Quando corpus morietur,
Fac ut animæ donetur
Paradisi gloria.

 

Christi Mutter stand mit Schmerzen
bei dem Kreuz und weint von Herzen,
als ihr lieber Sohn da hing.

Durch die Seele voller Trauer,
scheidend unter Todesschauer,
jetzt das Schwert des Leidens ging.

Welch ein Schmerz der Auserkornen,
da sie sah den Eingebornen,
wie er mit dem Tode rang.

Angst und Jammer, Qual und Bangen,
alles Leid hielt sie umfangen,
das nur je ein Herz durchdrang.

Ist ein Mensch auf aller Erden,
der nicht muss erweichet werden,
wenn er Christi Mutter denkt,

wie sie, ganz von Weh zerschlagen,
bleich da steht, ohn alles Klagen,
nur ins Leid des Sohns versenkt?

Ach, für seiner Brüder Schulden
sah sie ihn die Marter dulden,
Geißeln, Dornen, Spott und Hohn;

sah ihn trostlos und verlassen
an dem blutgen Kreuz erblassen,
ihren lieben einzgen Sohn.

O du Mutter, Brunn der Liebe,
mich erfüll mit gleichem Triebe,
dass ich fühl die Schmerzen dein;

dass mein Herz, im Leid entzündet,
sich mit deiner Lieb verbindet,
um zu lieben Gott allein.

Drücke deines Sohnes Wunden,
so wie du sie selbst empfunden,
heilge Mutter, in mein Herz!

Dass ich weiß, was ich verschuldet,
was dein Sohn für mich erduldet,
gib mir Teil an seinem Schmerz!

Lass mich wahrhaft mit dir weinen,
mich mit Christi Leid vereinen,
so lang mir das Leben währt!

An dem Kreuz mit dir zu stehen,
unverwandt hinaufzusehen,
ist’s, wonach mein Herz begehrt.

O du Jungfrau der Jungfrauen,
woll auf mich in Liebe schauen,
dass ich teile deinen Schmerz,

dass ich Christi Tod und Leiden,
Marter, Angst und bittres Scheiden
fühle wie dein Mutterherz!

Alle Wunden, ihm geschlagen,
Schmach und Kreuz mit ihm zu tragen,
das sei fortan mein Gewinn!

Dass mein Herz, von Lieb entzündet,
Gnade im Gerichte findet,
sei du meine Schützerin!

Mach, dass mich sein Kreuz bewache,
dass sein Tod mich selig mache,
mich erwärm sein Gnadenlicht,

dass die Seel sich mög erheben
frei zu Gott im ewgem Leben,
wann mein sterbend Auge bricht! [1]

 

Wir präsentieren hier das Stabat mater von Pergolesi in einer sehr schönen Aufnahme, bei der richtigerweise die romantische Opernästhetik fehlt, sodass diese Sequenz wirklich hörbar wird, weil man auf die Worte statt auf die Sopranistin oder Altistin achtet. Die schöne Montage, die wir im Internet gefunden haben, soll uns die Inhalte dieser Sequenz nahebringen auch ästhetisch, denn Gott ist die Schönheit schlechthin. Auch die Passionsbilder mussten vor dem Konzil schön sein, bei all dem Leiden das sie darstellten und nicht allzu blutrünstig. Es ist wirklich ein Jammer, was wir schon seit 1955 alles verloren haben, aber wenigstens auf diesem Blog können wir dessen gedenken und zwar frei von jeglichen Kirchenstrafen wegen „vorkonziliaren Abtrünnigkeit“. Aber freuen wir uns darüber, was wir dennoch haben:

  • Die Möglichkeit wenigstens unter divinum officium.com das Tridentinische Brevier zu beten,
  • Die Ausführungen von Dom Prosper Guéranger,
  • Die Musik von Pergolesi samt der youtube-Animation

Ist das nicht schön?

[1] Nach http://hymnarium.de/hymni-breviarii/diversa/146-stabat-mater

Hier die Worte zum Fest vom französischen Benediktiner, entnommen Abbot Prosper Guéranger O.S.B., The Liturgical Year, Vol. 6 Passiontide and Holy Week, Loreto Publications 2000, 165-177.

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Thomas Tallis, Lamentatio Jeremiae (Beth): Deller Consort

 

Lam 1:2

2 Beth. Plorans ploravit in nocte, et lacrimae ejus in maxillis ejus: non est qui consoletur eam ex omnibus caris ejus; omnes amici ejus spreverunt eam, et facti sunt ei inimici.

 Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lam 1:2

2 Beth. Weinend weinte sie nachts und ihre Tränen auf ihren Wangen: es gibt niemanden, der sie trösten könnten von all ihren Lieben; all ihre Freunde haben sie verachtet und wurden ihr zu Feinden.

Jerusalem, Jerusalem, kehrte zu Deinem Herrn zurück.