Kardinal Siri, Männerkleidung, die von Frauen getragen wird (2 von 2)

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Hier der zweite Teil des Aufsatzes von Kardinal Siri und diejenigen der Herren, die sich nach fundierten Hegel-Kritik sehnen statt nach Abhandlung der unmännlichen Rockfrage, werden hier fündig. Ja, ein katholischer Theologe muss vielseitig sein: Rock und Hegel mit Auschluss der hegelianischen Synthese natürlich.

III.

Lassen Sie uns ernsthaft über die Tragweite dessen nachdenken, was bislang gesagt wurde, auch wenn die Erscheinung einer Frau in Männerkleidern nicht sofort die selbe Verstörung hervorruft wie bei schwerer Unanständigkeit.

Die Veränderung der weiblichen Psychologie zeitigt grundlegende und – auf lange Sicht – irreparable Schäden für die Familie, die eheliche Treue, zwischenmenschliche Zuneigung und die menschliche Gesellschaft. Es ist wahr, die Effekte des Tragens unpassender Kleidung werden nicht binnen kurzer Zeit erkennbar. Aber man muss daran denken, was langsam und heimtückisch mürbe gemacht, auseinandergerissen und pervertiert wird.

Ist irgendeine Art von befriedigendem gegenseitigen Geben und nehmen zwischen Ehemann und Ehefrau denkbar, wenn die weibliche Psychologie geändert ist? Oder kann man sich eine wirkliche Erziehung von Kindern vorstellen, die so heikel im Ablauf ist, so verwoben mit unwägbaren Faktoren, in denen die Intuition und der Instinkt der Mutter in diesen empfindlichen Jahren die entscheidende Rolle spielen? Was werden diese Frauen ihren Kindern geben können, wenn sie möglicherweise schon so lange Hosen getragen haben, dass ihre Selbstachtung eher darauf gerichtet ist, mit den Männern zu konkurrieren als zu wirken [handeln] wie eine Frau?

Warum, so fragen wir, warum wurde der Mensch, seit er Mensch war – oder vielmehr seit der Mensch zivilisiert wurde – warum wurde der Mensch zu allen Zeiten und an allen Orten der Welt unwiderstehlich davon getragen, die Funktionen der beiden Geschlechter zu unterscheiden und zu trennen? Ist dies nicht ein klares Zeugnis der Anerkennung einer Wahrheit und eines Gesetzes, die über dem Menschen stehen?

Zusammenfassend ist zu sagen, dass wo immer Frauen Männerkleidung tragen, dies als ein Faktor zu betrachten ist, der über längere Zeit hinweg die menschliche Ordnung zersetzt.

IV.

Die logische Konsequenz all dessen, was bisher gesagt wurde ist, dass jedermann, der in einer verantwortlichen Position ist, einen „Alarmsinn‟haben sollte im Vollsinn des Wortes, sich ernsthaft und entschieden um diese Entwicklung sorgen sollte.

Wir warnen ernsthaft alle Pfarrer, alle Priester im Allgemeinen und Beichtväter im Besonderen, Mitglieder jeglicher Gemeinschaft, alle Ordensleute, alle Nonnen, besonders die lehrenden Schwestern.

Wir bitten Sie, sich dieses Problems ganz klar bewusst zu werden, so dass Maßnahmen folgen werden. Dieses Bewusstsein ist außerordentlich wichhtig. Es wird zur angemessenen Maßnahme zur rechten Zeit führen. Aber lassen Sie nicht zu, dass es dazu führt, dass wir angesichts einer unvermeidbaren Veränderung aufgeben, als seien wir mit einer natürlichen Entwicklung der Menschheit und so weiter konfrontiert!

Menschen mögen kommen und gehen, denn Gott hat viel Raum für die Ebbe und Flut des freien Willens gegeben; aber die wesentlichen Richtlinien der Natur und die nicht minder wesentlichen Richtlinien des Ewigen Gesetzes haben sich nie geändert, ändern sich nicht und werden sich niemals ändern. Es gibt Grenzen, über die man abirren mag, so weit man möchte, aber wenn man dies tut, bedeutet das den Tod. Leere philosophische Fantasien mögen einen dazu führen, sich über diese Begrenzungen lustig zu machen oder sie zu trivialisieren, aber die stellen einen Verbund harter Fakten und der Natur dar, die jeden züchtigt, der sie übertritt. Die Geschichte hat uns ja – mit erschreckenden Beweisen vom Leben und Tod von Nationen – gelehrt, dass die Antwort an alle Verletzer dieses Entwurfs der „Menschlichkeit‟ früher oder später immmer die Katastrophe ist.

Seit der Dialektik von Hegel werden wir mit nichts weiter als Fabeln gefüttert, und da man diese so oft hört, dulden viele Leute sie schließlich, wenn vielleicht auch nur passiv. Aber es ist eine Tatsache, dass Natur und Wahrheit, und das Gesetz, das mit beiden verbunden ist, unbeirrt ihren Weg gehen und die Einfaltspinsel zerstückeln, die ohne jeglichen Grund an radikale und weitreichende Veränderungen in der dem Menschen eigenen Struktur glauben.

Die Konsequenzen solcher Übergriffe auf den Menschen sind nicht ein neues Menschenbild, sondern vielmehr Störungen [kann auch als Erkrankungen übersetzt werden (d. Übs.)], Instabilitäten jeglicher Art, erschreckende Trockenheit der menschliehen Seele, eine schockierende Zunahme menschlicher Schiffbrüchiger, die vertrieben werden, um ihren Abstieg in Langeweile, Traurigkeit und Zurückweisung zu leben. Auf dem Strand des vorsätzlichen Schiffsbruchs der ewigen Normen findet man zerbrochene Familien, Herde und Häuser, die kalt geworden sind, vor der Zeit abgebrochene Leben, zur Seite gestoßene alte Menschen, eine mutwillig degenerierte Jugend und – am Ende all dessen – Seelen in Verzweiflung, die sich selbst das Leben nehmen. All diese menschlichen Wracks geben von der Tatsache Zeugnis, dass die „Grenzlinie Gottes‟ nicht nachgibt noch den wahnbesessenen Träumen der sogenannten Philosophen irgendwelche Anpassungen erlaubt!

V.

Wir haben gesagt, dass jene, an welche diese Bekanntmachunggerichtet ist, sich ernsthaft sorgen sollten angesichts des gegenwärtigen Problems. Danach wissen sie, was sie zu sagen haben, angefangen bei den kleinen Mädchen auf den Knien ihrer Mütter.

Sie wissen das ohne zu übertreiben oder zu Fanatikern zu werden, sie werden streng festsetzen müssen, in wiefern sie es tolerieren, dass Frauen sich wie Männer kleiden (als generelle Regel).

Sie wissen, dass sie niemals so schwach sein dürfen, jemanden glauben zu lassen, dass sie einem Brauch gegenüber die Augen verschließen, der abrutscht und die Moral aller Institutionen untergräbt.

Sie, die Priester, wissen, dass die Grenzlinie, die sie im Beichtstuhl zu ziehen haben – ohne jedoch Frauen, die sich wie Männer kleiden, automatisch für Todsünder halten – scharf und entschieden sein muss.

Ein jeder wird sich freundlicherweise Gedanken darüber machen, dass eine gemeinsame Handlungsweise erforderlich ist, auf allen Seiten gestärkt von der Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens und erleuchteten Verstandes, um so einen regelrechten  Damm zu schaffen, um die Flut zurückzuhalten.

Diejenigen unter Ihnen, die in welcher Position auch immer für Seelen verantwortlich sind verstehen, wie nützlich es ist, als Verbündete in dieser Kampagne Männer der Künste zu haben, der Medien und des Handwerks. Die Position der Modedesigner, der brillanten Designer und der Bekleidungsindustrie ist in der gesamten Frage von entscheidender Bedeutung. Eine künstlerische Ader, Vornehmheit und guter Geschmack, die zusammentreffen, können passende, aber würdige Lösungen für Frauen finden, wenn sie Motorrad fahren oder diese oder jene Arbeit verrichten müssen. Entscheidend ist, Bescheidenheit und den ewigen Sinn für Weiblichkeit zu bewahren, den mehr als alles andere alle alle Kinder weiterhin mit dem Gesicht ihrer Mutter verbinden werden.

Wir bestreiten nicht, dass das moderne Leben Probleme macht und Erfordernisse zeitigt, die unseren Großeltern unbekannt waren. Aber wir stellen fest, dass es Werte gibt, die mehr des Schutzes bedürfen als flüchtige Erfahrungen, und dass es für jeden intelligenten Menschen es immer einen gesunden Menschenverstand und guten Geschmack gibt, um akzeptable und würdige Lösungen für auftretende Probleme zu finden.

Bewegt von Nächstenliebe kämpfen wir gegen eine Abwertung der Menschheit um der Anpassung willen, gegen den Angriff auf diese Unterschiede, auf welchen die complementarity von Mann und Frau beruht.

Wenn wir eine Frau in Hosen sehen, sollten wir nicht so sehr an sie denken, als vielmehr an die gesamte Menschheit: an das was wäre, wenn die Frauen sich vermännlichten. Niemand kann davon profitieren, wenn er dazu beiträgt, ein zukünftiges Zeitalter der Unklarheit, der Zweideutigkeit, der Unvollkommenheit und, mit einem Wort, der Ungeheuerlichkeit herbeizuführen.

Dieser unser Brief ist nicht an die Öffentlichkeit gerichtet, sondern an jene, die für die Seelen verantwortlich sind, für Erziehung, für katholische Gemeinschaften. Lasst sie ihre Pflicht tun und nicht Wachen sein, die schlafend auf ihrem Posten gefunden werden, während der Feind sich einschleicht.

Erzbischof von Genua

Quelle: http://www.national-coalition.org/modesty/modsiri.html

Übersetzer: Eugenie Roth im Auftrag von www.traditionundglauben.wordpress.com

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Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (11 von 21)

Xl. Kapitel

Die Seele ist mit der Bestimmung zu all jener Vollkommenheit erschaffen worden, deren sie fähig war. Sie hätte dahin kommen müssen durch eine Lebensführung, wie sie ihr aufgetragen war, ohne sich mit Sünde zu beflecken. Aber als sie sich dann mit der Erbsünde befleckt hatte und auch noch durch persönliche Tatsünden, da verlor die Seele ihre (außernatürlichen und übernatürlichen) Gnadengaben und war nun tot und konnte jetzt nur noch durch Gott wieder zum Leben erweckt werden.

Als die Seele dann mittels der Taufe wieder zum Leben erweckt worden war, blieb in ihr die Neigung zum Bösen zurück, die zur persönlichen Tatsünde geneigt macht und zu ihr hinführt, wenn nicht Widerstand geleistet wird. Durch die persönliche Tatsünde aber verfällt die Seele auf’s neue dem Tod.

Dann aber erweckt Gott sie noch einmal zum Leben durch eine ganz besondere weitere Gnade. Die Seele bliebe nämlich jetzt so besudelt und in sich gekehrt, daß nun, um sie zu ihrem ersten Zustand zu-rückzubringen, all jene göttlichen Tätigkeiten notwendig sind, ohne die die Seele nie mehr zu jenem ersten Zustand zurückkehren könnte, in welchem Gott sie geschaffen hat.

Wenn sich nun die Seele auf dem Weg befindet, zu jenem ersten Zustand zurückzukehren, so ist der glühende Drang, sich in Gott zu verwandeln, in ihr so groß, daß das ihre Läuterung bewirkt. Nicht als ob die Seele die Läuterung als Läuterung ins Auge fassen könnte, aber jener Drang in ihr, der ungemein glühend und doch zugleich behindert ist, bildet eben ihre Läuterung.

Dieser letzte Akt der Liebe ist es, der dieses Werk ohne die Mitwirkung des Menschen vollbringt. Denn der Mensch fände in der Seele so viele verborgene Unvollkommenheiten vor, daß er, wenn er sie se-hen könnte, in Verzweiflung geriete. Dieser letzte Akt der Liebe aber verzehrt alle Unvollkommenheiten. Und erst dann, wenn sie verzehrt sind, zeigt sie Gott der Seele, damit sie das göttliche Wirken erkenne, das in ihr jenes göttliche Feuer entzündet, durch das all jene Unvollkommenheiten verzehrt werden, die noch zu verzehren sind.

 

Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (10 von 10)

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Wie man es dreht und wendet, die Wahrscheinlichkeit, dass Anno 2018 mehr Menschen verdammt als gerettet werden, ist doch sehr hoch. Wenn man bedenkt, dass Katholizismus der wahre, allein selig machende Glaube ist, dass sich die Anforderungen Gottes nicht geändert haben, gleich, was uns unsere Geistlichen sagen, dann liegt doch die Anzahl der Geretteten im Promillebereich. Geben Sie sich Mühe, dass Sie darunter sind und nehmen Sie gerne die kommenden Heimsuchungen in Kauf, denn das ist der Weg der Reinigung. Amen.

Zusammenfassung

Brüder! Ich möchte euch heute alle getröstet wegschicken. Wenn ihr mich also nach meiner Meinung über die Zahl derer fragt, die gerettet werden, hier ist sie: Ob es viele oder wenige sind, die gerettet werden, ich sage, dass wer immer gerettet werden möchte, gerettet wird; und niemand kann verdammt werden, wenn er das nicht möchte. Und wenn es wahr ist, dass wenige gerettet werden, dann deshalb, weil es nur wenige gibt, die gut leben. Was den Rest betrifft, vergleicht diese zwei Meinungen: die erste stellt fest, dass die größere Anzahl der Katholiken verdammt wird; im Gegensatz dazu gibt die andere vor, dass die größere Anzahl der Katholiken gerettet wird. Stellt euch einen Engel vor, der von Gott gesandt wird, um die erste Meinung zu bekräftigen, um euch zu sagen, dass nicht nur die meisten Katholiken verdammt werden, sondern dass von dieser ganzen Versammlung einer alleine gerettet wird. Wenn du die Gebote Gottes befolgst, wenn du die Verderbtheit dieser Welt verabscheust, wenn du das Kreuz Jesu Christi im Geist der Buße umarmst, wirst du der eine sein, der als einziger gerettet wird.

Nun stellt euch vor, derselbe Engel kommt zu euch zurück und bekräftigt die zweite Meinung. Er sagt euch, dass nicht nur der größere Anteil der Katholiken gerettet wird, sondern dass aus dieser ganzen Versammlung nur ein einziger verdammt wird und alle anderen gerettet. Wenn du danach weiter machst mit deinem Wucher, deiner Rache, deinen kriminellen Handlungen, deiner Unreinheit, dann wirst du der Eine sein, der verdammt wird.

Was hat man für einen Nutzen, wenn man weiß, ob viele oder wenige gerettet werden? Der Heilige Petrus sagt uns:

„Brüder! Bestrebt euch darum umso mehr, dass ihr eure Berufung und Auserwählung [durch gute Werke] sicherstellt.“

Als die Schwester des Heiligen Thomas von Aquin ihn fragte, was sie tun müsse, um zum Himmel zu kommen, sagte er: „Du wirst gerettet, wenn du das willst.“ Ich sage euch dasselbe, und hier ist der Beweis für meine Aussage. Niemand wird verdammt, außer er begeht eine Todsünde: das ist eine Glaubenssache. Und niemand begeht eine Todsünde, wenn er das nicht möchte: Das ist eine unleugbare theologische Aussage. Daher kommt niemand in die Hölle, wenn er es nicht möchte; die Konsequenz ist offensichtlich. Genügt dies nicht, euch zu trösten? Weint über vergangene Sünden, legt eine gute Beichte ab, sündigt in Zukunft nicht mehr, und ihr werdet alle gerettet werden. Warum quält ihr euch so? Denn es ist sicher, dass man eine Todsünde begehen muss, um in die Hölle zu kommen, und um eine Todsünde zu begehen muss man das wollen, und daraus folgert logischerweise, dass niemand in die Hölle kommt, wenn er das nicht möchte. Das ist nicht nur eine Meinung, das ist eine unleugbare und sehr tröstende Wahrheit; möge Gott euch geben, dass ihr das versteht, und möge er euch segnen. Amen.

Nachwort

In den ersten Regeln über die Unterscheidung der Geister zeigt Ignatius, dass es typisch für den bösen Geist ist, Sünder zu beruhigen. Daher müssen wir beständig predigen und Anlass für Vertrauen zu geben und die Pflicht der Hoffnung in des Herrn unendliche Verzeihung und Gnade, denn Umkehr ist einfach und Seine Gnade allmächtig. Aber wir müssen uns auch in Erinnerung rufen: „Gott lässt Seiner nicht spotten“ (Gal 6, 7), und jemand, der gewöhnlich im Stand der Todsünde lebt, ist auf dem Weg zur ewigen Verdammnis.

Es gibt Wunder in letzter Minute, aber es sei denn, wir streiten uns darüber, dass Wunder der allgemeine Gang der Dinge sind, sind wir verpflichtet zuzugeben, dass für die Mehrzahl der Menschen, die im Stand der Todsünde leben, Unbußfertigkeit am Ende des Lebens die wahrscheinlichste Möglichkeit ist.

Die Argumente des Heiligen Leonard von Port Maurizius haben uns überzeugt. Sie sind es wert, dass man sie anhört. Mit Beredtsamkeit und Klarheit, entwickeln sie eine Überlegung von Pater Lombardi in seiner öffentlichen Debatte mit dem Führer der italienischen Kommunisten, Velio Spano in Cagliara am 4. Dezember 1948. „Ich werde von Entsetzen gepackt bei dem Gedanken, dass wenn Sie auf diese Weise fortfahren, Sie zur Hölle verdammt werden“, sagte Pater Lombardi zu dem Marxisten Spano. Spano antwortete: „Ich glaube nicht an die Hölle.“ Und Pater Lombardi konterte: „Exakt. Und wenn Sie damit fortfahren, werden Sie verdammt werden; wenn man vermeiden will verdammt zu werden, muss man an die Hölle glauben.“

Wir könnten Pater Lombardis Antwort verallgemeinern. Vielleicht ist es genau ein solcher Mangel an übernatürlichem Glauben, der die Menschen davon abhält, eine tiefe Wertschätzung der pastoralen Transzendenz der Predigt nach Art des Heiligen Leonard von Port Maurizius in seiner Anwendung auf unser tägliches Leben zu erreichen. Jedenfalls ist es nicht deshalb, weil die Moral heute besser ist als zur Zeit des berühmten Missionars. Es könnte keine bessere Gelegenheit für uns geben, diesen Tadel von Kardinal Pie zu zitieren: „Ich sehe überall Bedachtsamkeit; balld werden wir nirgends mehr Mut sehen; seien Sie versichert, wenn wir auf diese Weise fortfahren werden wir an einer Weisheitsattacke sterben.“ Nicht göttliche Weisheit, sicher; denn nur fleischliche und weltiche Bedachtsamkeit erwecken fruchtlose Erkenntnis, die über die Predigt des Heiligen Leonard spottet.

Die Lehre des Heiligen Leonard von Port Maurizius hat zahlreiche Seelen gerettet und wird bis zum Ende der Zeiten zahlreiche Seelen retten. Dies sagt die Kirche in dem Gebet of the Divine Office, Sechste Lesung, die von St. Leonards himmlischer Wortgewandtheit spricht: Wenn man ihn hörte, wurden selbst Herzen aus Eisen und Messing kraftvoll zur Buße geneigt, auf Grund der erstaunlichen Wirkmächtigkeit und des Predigers brennenden Eifers. Und im liturgischen Gebet bitten wir den Herrn: Gib die Macht, die Herzen verhärteter Sünder durch die Werke der Predigt zu beugen.

Diese Predigt des Heiligen Leonard von Port Mauriius wurde während der Amtszeit von Papst Benedikt XIV. behalten, der den großen Missionar so sehr liebte.

www.olrl.org/snt_docs/

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Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (8 von 10)

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Viele werden sich vielleicht denken, dass Gott, da er „so lieb sei“ es nicht übers Herz bringen wird, dass die Menschen in die Hölle gehen. Das ist ein gefährlicher Anthropomorphismus und die Einschränkung Gottes auf sein einziges Attribut: der Liebe. Gott ist aber ein überaus, vollkommenes, heiliges, selbstgenügsames Wesen – Gott eben – der seine Fülle in sich selbst hat und an dieser Fülle uns teilhaben lassen will, falls wir es wollen, denn wir sind frei. Und deswegen braucht Gott weder die Welt noch die Menschen zu seiner eigenen Glückseligkeit. Gott ist keine neurotische Mutter, die dem verzogenen Balg nachläuft und sich selbst für alles die Schuld gibt. Gott ist keine Mutter! Gott ist Vater! Gott ist fordernd, streng, gerecht und auch fördernd, aber Er schmachtet nicht nach Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser. Gottes Seligkeit und der visio beatifica der Seligen wird es keinen Abbruch tun, wenn Sie in der Hölle landen. So ist es eben!

Gott sehnt sich danach, dass alle Menschen gerettet werden

In hundert Stellen in der Heiligen Schrift teilt uns Gott mit, dass es wahrhaft Sein Verlangen ist, alle Menschen zu retten.

„Ist es Mein Wille, dass ein Sünder stirbt, und dass er nicht von seinen Lebenswegen bekehrt werde? … Ich lebe, sagt Gott der Herr. Ich begehre nicht den Tod des Sünders. Sei bekehrt und lebe.“ (vgl. Ez 18, 23 14)

Wenn jemand etwas sehr stark wünscht sagt man, er stirbt vor Verlangen; das ist eine Überspitzung. Aber Gott wollte und will immer noch unsere Rettung so sehr, dass Er vor Verlangen starb, und Er litt den Tod, um uns das Leben zu geben. Dieser Wille alle Menschen zu retten, ist daher nicht ein heuchlerischer, oberflächlicher und augenscheinlicher Wille in Gott; es ist ein realer, wirkmächtiger und heilbringender Wille; denn Er bietet uns all die Mittel, die am besten geeignet sind, uns zu retten. Er gibt sie uns nicht, damit sie es nicht erreichen werden; Er gibt sie uns mit einem ernsthaften Willen, mit der Intention, dass sie ihren Zweck erfüllen. Und wenn sie ihn nicht erfüllen, zeigt Er sich betroffen und beleidigt darüber. Er befiehlt sogar den Verdammten, sie zu nutzen, damit sie gerettet werden (vgl. 2 Petr 1, 10 15); Er ermahnt sie dazu; Er nötigt sie dazu. Und wenn sie es nicht tun, sündigen sie. Daher können sie es tun und so gerettet werden.

Weit mehr, weil Gott sieht, dass wir nicht einmal ohne Seine Hilfe von Seiner Gnade Gebrauch machen könnten, gibt Er uns andere Hilfen; und wenn sie manchmal wirkungslos bleiben, ist es unsere Schuld; denn mit diesen selben Hilfen mag der eine sie missbrauchen und mit ihnen verdammt werden, und ein anderer mag recht tun und gerettet werden; er mag sogar mit weniger wirksamen Hilfen gerettet werden. Ja, es kann passieren, dass wir eine größere Gnade missbrauchen und verdammt werden, wohingegen ein anderer mit einer geringeren Gnade mitwirkt und gerettet wird.

Der Heilige Augustinus ruft aus:

„Wenn daher jemand von der Gerechtigkeit abweicht, ist er getragen von seinem eigenen Willen, geführt von seiner Begierde, betrogen von seiner eigenen Überzeugung.“

Aber jenen, welche die Theologie nicht verstehen, habe ich Folgendes zu sagen: Gott ist so gut, dass wenn Er einen Sünder in sein Verderben rennen sieht, Er ihm nachläuft, ihn ruft, anfleht und ihn sogar bis zu den Pforten der Hölle begleitet; was wird Er nicht tun, um ihn zu bekehren? Er sendet ihm gute Eingebungen und heilige Gedanken, und wenn er von diesen keinen Nutzen zieht, wird Er ärgerlich und zornig, Er jagt ihm nach. Wird Er ihn schlagen? Nein. Er schlägt die Luft und vergibt ihm. Aber der Sünder ist noch nicht bekehrt. Gott sendet ihm eine tödliche Krankheit. Es ist sicher vorbei mit ihm. Nein Brüder, Gott heilt ihn; der Sünder wird hartnäckig im Bösen, und Gott in Seinem Erbarmen sucht einen anderen Weg; Er gibt ihm noch ein Jahr, und wenn das Jahr zu Ende ist, gewährt Er ihm sogar ein weiteres.

Aber wenn der Sünder sich trotz alledem noch immer in die Hölle werfen möchte, was tut Gott? Verlässt Er ihn? Nein. Er nimmt ihn bei der Hand; und während er noch einen Fuß in der Hölle hat und den anderen draußen, predigt Er ihm immer noch, Er fleht ihn an, Seine Gnaden nicht zu missbrauchen. Nun frage ich euch, wenn dieser Mensch verdammt wird, ist es [dann] nicht wahr, dass er gegen den Willen Gottes verdammt ist und weil er verdammt werden möchte? Kommt nun und fragt mich: Wenn Gott mich verdammen wollte, warum hat Er mich geschaffen?

Undankbarer Sünder, merke dir heute, dass wenn du verdammt wirst, es nicht Gott ist, der zu beschuldigen ist, sondern du und dein Eigenwille. Um dich selbst davon zu überzeugen, gehe hinunter, sogar bis in den Abgrund der Hölle, und dort werde ich dir einen dieser erbärmlichen verdammten Seelen bringen, die in der Hölle brennen, damit sie dir diese Wahrheit erklären kann. Hier ist nun eine: „Sage mir, wer bist du?“ „Ich bin ein armer Götzenanbeter, geboren in einem unbekannten Land; ich habe niemals etwas vom Himmel oder der Hölle gehört, noch davon, was ich nun leide.“ „Armer Kerl! Geh weg, du bist nicht der, den ich suche.“ Ein anderer kommt; da ist er. „Wer bist du?“ „Ich bin ein Schismatiker vom Ende Tatarstans. Ich lebte immer in einem unzivilisierten Land und wusste kaum, dass es einen Gott gibt.“ „Du bist nicht der, den ich möchte; geh zurück in die Hölle.“ Hier ist ein weiterer. „Und wer bist du?“ Ich bin ein armer Häretiker aus dem Norden. Ich wurde am Pol geboren und sah niemals das Licht der Sonne oder das Licht des Glaubens.“ „Auch du bist nicht der, nach dem ich suche, geh zurück in die Hölle.“ Brüder, mein Herz ist zerrüttet, wenn ich diese Kerle sehe, die niemals je den wahren Glauben unter den Verdammten kannten. Dennoch, wisset, dass das Urteil der Verdammung über sie gesprochen wurde und man ihnen sagte: „Deine Verdammnis kommt von dir.“ Sie wurden verdammt, weil sie es so wollten. Sie erhielten so viele Hilfen von Gott, um gerettet zu werden! Wir wissen nicht, was sie waren, aber sie kennen sich  gut, und nun rufen sie aus: „O Herr, Du bist gerecht … und Deine Gerichte sind gerecht [unparteiisch].“

14 Ez, 18, 23. „Sollte ich denn Wohlgefallen am Tode des Gottlosen haben“, – Spruch des Herrn – „und nicht vielmehr daran, daß er sich von seinem Wandel bekehre und lebe?“

15  2 Petr 1, 10. Brüder, bestrebt euch darum um so mehr, daß ihr eure Berufung und Auserwählung [durch gute Werke] sicherstellt.

          Die Bibelstellen sind zitiert aus Henne/Rösch

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (10 von 21)

X. Kapitel

Ich sehe auch, daß von jener göttlichen Liebe zur Seele hin gewisse Strahlen und Blitze ausgehen, die so feurig und durchdringend sind, daß es scheint, sie müßten nicht nur den Leib, sondern auch die Seele, wenn das möglich wäre, vernichten.

Diese Strahlen bringen zwei Wirkungen in der Seele hervor: Die eine besteht darin, daß sie reinigt, die andere, das sie vernichtet.

Das Gold wird, je mehr man es einschmilzt, umso edler; du könntest es so lange schmelzen, bis in ihm gar jede Unvollkommenheit vernichtet wäre. Das Feuer ist jene Kraft, die in den materiellen Dingen diese Wirkung hervorbringt. Aber die Seele kann man nicht in Gold vernichten, sondern nur in sich selbst; und je mehr du sie reinigst, desto mehr wird sie in sich selbst vernichtet; und in Gott bleibt die Seele gereinigt.

Wenn das Gold bis zu 24 Karat gereinigt ist, wird es durch das Feuer nicht mehr weiter verzehrt, so sehr du es auch steigern magst, denn das Feuer kann das Gold nicht mehr verzehren, nur die Unvollkommenheit des Goldes verzehrt es.

So macht es auch das göttliche Feuer in der Seele. Gott hält sie so lange in das läuternde Feuer, bis dieses jede Unvollkommenheit in ihr aufgezehrt und sie zur Vollkommenheit geführt hat, jede Seele nach ihrer Weise.

Und wenn die Seele so geläutert ist, bleibt sie ganz in Gott, ohne irgendetwas noch weiter für sich selbst zu sein, denn die Läuterung der Seele besteht in der Entäußerung von uns in uns; unser wahres Sein ist ja Gott, der die Seele zur Läuterung von 24 Karat führt. Von da an ist die Seele dann leidensunfähig, weil es in ihr nichts mehr gibt, das aufgezehrt werden könnte. Selbst wenn die geläuterte Seele weiter in das Feuer hineingehalten würde, so wäre das für sie nicht mehr schmerzlich, es wäre vielmehr nur noch das Feuer der göttlichen Liebe, das für die Seele nichts anderes mehr bedeutet als das ewige Leben. Die Seele wäre nun frei von jeder Gegensätzlichkeit, wie das bei den zur Heiligkeit gelangten Seelen der Fall ist, und zwar schon im diesseitigen Leben, sofern es in diesem Zustand überhaupt noch möglich wäre, im Leibe zu verbleiben. Ich glaube nämlich nicht, daß Gott solche Seelen noch auf Erden belassen würde; nur durch ganz große göttliche Einwirkung wäre dies möglich.

Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (7 von 10)

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Ist es Gottes Schuld, dass jemand verloren geht? Nein, es ist immer die eigene Schuld. In der Zeit der Apostasie hat er uns das Internet gegeben. Sie können lesen, sich bilden, Menschen kennenlernen, die Sie niemals kennengelernt hätten. Man hat doch irgendwo immer eine Alte Messe, eine Neue Messe tut es zur Not auch, denn manche sind gültig. Sie können getrost sein, dass Gott Ihnen jede mögliche Gnadenhilfe gibt. Je größer die Anfechtungen von Außen, desto mehr Gnadenhilfen von Innen. Der Schreiber dieser Zeilen hat im Bergoglio-Pontifikat überhaupt keine Glaubenskrise. Er hat im richtigen, also traditionellen Katholizismus ein konsistentes System gefunden, weiß, was alles falsch läuft und ist trotz aller Probleme sehr glücklich, weil ihm endlich die Lösung aufgeht, nach der er sehr lange gefahndet hat. Er ist kein Neukonservativer mehr und braucht sich mit der Quadratur der Kreises (Hermeneutik der Kontinuität, der gute „konservative“ Johannes Paul II, der gute, „konservative“ und so liebe Benedikt XVI etc.) nicht herumzuschlagen. Wenn man die falschen Konstanten des Nachkonziliarismus aus der Gleichung streicht, hat man ein schönes und funktionierendes System, von dem leider kaum jemand weiß. Die Wahrheit befreit, die Wahrheit macht stark, die Wahrheit macht opferbereit und rettet Seelen.

Die Güte Gottes

Vielleicht glaubt ihr die schrecklichen Wahrheiten noch nicht, die ich euch eben gelehrt habe. Aber es sind die höchstangesehenen Theologen, die berühmtesten Väter, die durch mich zu euch gesprochen haben. Wie könnt ihr aber Gründen widerstehen, die von so zahlreichen Beispielen und Worten aus der Schrift gestützt werden? Wenn ihr dennoch zögert und wenn eure Seele der gegenteiligen Meinung zugeneigt ist, wird diese Betrachtung nicht genügen, euch erschauernd zu machen? Oh, es zeigt, dass ihr euch nicht sehr um euer Heil kümmert! In dieser wichtigen Frage wird ein vernünftiger Mensch beim geringsten Zweifel über das Risiko das er eingeht sprachloser werden als bei dem Beweis des absoluten Bankrotts in anderen Angelegenheiten, an denen die Seele nicht beteiligt ist. Einer unserer Brüder, der selige Ägidius, sagte für gewöhnlich, dass wenn nur ein Mensch verdammt werden würde, er alles tun würde, dass er nicht dieser Mensch sei.

Was müssen also wir tun, die wir wissen, dass die größere Anzahl verdammt werden wird, und nicht nur außerhalb der Christenheit? Was müssen wir tun? Den Entschluss fassen, zu der kleinen Anzahl derer zu gehören, die gerettet werden. Zu sagen: Wenn Christus mich verdammen wollte, warum hat er mich dann erschaffen? Still, unbedachte Zunge! Gott hat niemanden geschaffen, um ihn zu verdammen; sondern wer auch immer verdammt wird, wird verdammt, weil er das möchte (vgl. Hos 13, 9 11).  Deshalb werde ich mich nun bemühen, die Güte meines Gottes zu verteidigen und von allem Vorwurf freizusprechen (vgl. Ez 18, 23 12): das wird das Thema des zweiten Punktes sein.

Bevor wir fortfahren, lasst uns auf der einen Seite all die Bücher und all die Häresien von Luther und Calvin, und auf der anderen Seite die Bücher und Häresien der Pelagianer und Semi-Pelagianer sammeln und sie alle verbrennen. Einige zerstören Gnade, andere die Freiheit, und alle sind mit Irrtümern angefüllt; also lasst sie uns in das Feuer werfen. All die Verdammten tragen auf ihrer Stirn den Orakelspruch des Propheten Hosea (Osee): „Deine Verdammnis kommt von dir“, so dass sie verstehen können, dass wer auch immer verdammt wird, durch seine eigene Bosheit verdammt wird, und weil er verdammt werden möchte.

Zunächst lasst uns diese beiden unleugbaren Wahrheiten als Grundlage nehmen:

„Gott möchte, dass alle Menschen gerettet werden“, „Alle brauchen die Gnade Gottes“.

Wenn ich euch nun zeige, dass Gott alle Menschen retten möchte, und dass Er zu diesem Zweck ihnen Allen Seine Gnade und alle anderen notwendigen Mittel gibt, um dieses erhabene Ziel zu erreichen, werdet ihr zustimmen müssen, dass wer auch immer verdammt wird, dies seiner eigenen Bosheit zuschreiben muss, und dass wenn die größere Anzahl der Christen verdammt wird, es deshalb ist, weil sie verdammt werden wollen.

„Deine Verdammnis kommt von dir; deine Hilfe ist nur in Mir.“ (vgl. Hos 13, 913).

11  Hos 13, 9. Das ist dein Unheil, o Israel: Wer kann dich schützen vor mir?

12  Ez, 18, 23. „Sollte ich denn Wohlgefallen am Tode des Gottlosen haben“, – Spruch des Herrn – „und nicht vielmehr daran, daß er sich von seinem Wandel bekehre und lebe?“

13  Hos 13, 9. Das ist dein Unheil, o Israel: Wer kann dich schützen vor mir?

Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (6 von 10)

boschlastjudgementvicent

Warum haben wir solche Probleme mit dieser Predigt? Weil wir erstens glauben selbst zur den Verworfenen zu gehören, da wir nicht ausreichend viel tun und zweitens sind wir durch das dumme, demokratische Denken verzogen. Dieser Egalitarismus, diese Gleichmacherei. Alles ist für jeden, jeder ist gleich gut, jeder ist jedem unter jedem Gesichtspunkt ebenbürtig. Das ist doch blanker Unsinn! Schauen Sie sich um! Es gibt überall Hierarchien, nach der Gauß-Kurve angeordnet.  Wenn also die Natur und das Natürliche so angeordet ist, warum sollte denn das Übernatürliche anders angeordet sein. Bis Amoris Laetitia war Ehebruch Todsünde, Homosexualität himmelschreiende Todsünde. Glauben Sie wirklich, dass sich das durch die Federzüge von Bergoglio geändert hat? Mitnichten. Wer soll denn aus der heutigen Schar noch gerettet werden?

Als der Heilige Johannes Chrysostomus eines Tages in der Kathedrale von Konstantinopel predigte und diese Verhältnisse bedachte, konnte er nicht anders als vor Entsetzen schaudern und fragen:

„Was glauben Sie, wie viele aus dieser großen Anzahl von Menschen gerettet werden?“

Und ohne auf eine Antwort zu warten, fügte er hinzu:

„Unter so vielen tausenden Menschen würden wir keine hundert finden, die gerettet werden, und ich zweifle sogar, dass diese hundert [gerettet werden].“

Was für eine entsetzliche Sache! Der große Heilige glaubte, dass von so vielen Menschen, kaum einhundert gerettet würden; und selbst dann war er sich der Anzahl nicht sicher. Was wird mit euch geschehen, die ihr mir zuhört? Großer Gott, ich kann nicht ohne Schaudern daran denken! Brüder, das Problem der Errettung ist eine sehr schwierige Sache; denn nach den Leitsätzen der Theologen erreichen nur wenige ein Ziel, wenn es große Anstrengungen erfordert.

Deshalb folgert der Heilige Thomas [von Aquin, gest. 1274], der Doctor Angelicus, nachdem er in seiner großen Belesenheit alle Für und Wider abgewogen hat, letztendlich, dass die größere Anzahl der erwachsenen Katholiken verdammt werden. Er sagt:

„Weil die ewige Seligkeit das Stadium des Natürlichen übersteigt, besonders seit ihm die ursprüngliche Gnade entzogen wurde, wird nur diese kleine Anzahl gerettet werden.“

Also nimm die Binde von deinen Augen, die dich mit Eigenliebe blendet, die dich davon abhält so eine offensichtliche Wahrheit zu glauben, indem sie dir sehr falsche Ideen über die Gerechtigkeit Gottes vermittelt. „Gerechter Vater, die Welt hat Dich nicht erkannt“, (vgl. Joh 17, 257) sagt Unser Herr Jesus Christus. Er sagt nicht „Allmächtiger Vater, bester und barmherziger Vater.“ Er sagt „gerechter Vater“ (vgl. Ps 119/118, 1378), so dass wir verstehen können, dass aus all den Attributen Gottes keines weniger bekannt ist als Seine Gerechtigkeit, weil die Menschen sich weigern zu glauben, weil sie sich fürchten, dem unterzogen zu werden. Deshalb, nimm die Binde von deinen Augen weg und sage tränenreich: Ach! Die größere Anzahl der Katholiken, die größere Anzahl derer, die hier leben, vielleicht sogar jene, die in dieser Versammlung sind, werden verdammt! Welches Thema könnte deine Tränen mehr verdienen?

König Xerxes, der auf einem Hügel stand und auf seine Armee von einhundert tausend Soldaten in Schlachtordnung sah, und dabei erwägte, dass von all diesen in hundert Jahren kein einziger Mann leben würde, war nicht in der Lage, seine Tränen zurückzuhalten. Haben wir nicht mehr Grund zu weinen, wenn wir daran denken, dass von so vielen Katholiken die größere Anzahl verdammt wird? Sollte dies unseren Augen nicht Flüsse von Tränen entlocken, oder zumindest in unserem Herzen das Gefühl des Mitleids hervorbringen, wie es ein Augustinerbruder, der ehrwürdige Bruder Marcellus vom Hl. Dominikus gefühlt hat? Eines Tages, als er über die ewigen Qualen meditierte, zeigte ihm der Herr, wie viele Seelen in diesem Moment in die Hölle kamen und ließ ihn eine sehr breite Straße sehen, auf der zweiundzwanzigtausend Verdammte in Richtung Hölle rannten und dabei aneinander prallten. Der Diener Gottes war bei dem Anblick bestürzt und rief aus: „Oh, welch eine Menge! Welch eine Menge! Und es kommen noch mehr! O Jesus! O Jesus! Welch ein Wahnsinn!“ Lass mich mit Jeremia wiederholen:

„Wer wird meinem Kopf Wasser geben und eine Tränenquelle meinen Augen? Und ich werde Tag und Nacht weinen um die Geschlachteten der Tochter meines Volkes.“ (vgl. Jer 9, 1, bei Henne Rösch Jer 8, 239).

Arme Seelen! Wie könnt ihr so eilig Richtung Hölle rennen? Um der Barmherzigkeit willen, haltet an und hört mir einen Moment zu! Entweder versteht ihr was es bedeutet, gerettet zu sein und [was es bedeutet] in alle Ewigkeit verdammt zu sein, oder nicht. Wenn ihr versteht und euch dennoch nicht  entscheidet, heute euer Leben zu ändern, eine gute Beichte abzulegen und die Welt [mit ihren Verlockungen] niederzutrampeln, in einem Wort, alle Anstrengungen zu unternehmen, zu der kleinen Zahl derer gezählt zu werden, die gerettet werden, dann sage ich, dass ihr nicht den Glauben habt. Ihr seid mehr entschuldbar, wenn ihr das nicht versteht, denn dann muss man sagen, dass ihr den Verstand verloren habt. [Zu wissen, was es bedeutet:] Für alle Ewigkeit gerettet zu sein, für alle Ewigkeit verdammt zu sein, und nicht alle Anstrengungen zu unternehmen, das eine zu vermeiden und das andere sicherzustellen, ist etwas Unvorstellbares. (vgl. Hos 13, 910)

7    Joh 17, 25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt. Ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast.

8    Ps 119/118, 137. Gerecht bist du, o Herr, und dein Gericht ist gerade.

9    Jer 9, 1 (bei Henne/Rösch: Jer 8, 23) O daß doch ganz Wasser wäre mein Haupt, mein Auge ein Tränenquell! Weinen wollte ich Tag und Nacht um der Tocher, meines Volkes, Erschlagene!

10  Hos 13, 9. Das ist dein Unheil, o Israel: Wer kann dich schützen vor mir?

Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (5 von 10)

boschlastjudgementvicent

In diesem Teil der Predigt wird das Thema der Buße und der Bekehrung auf dem Totenbett besprochen. Es ist sehr illusorisch zu glauben, dass man jetzt sündigen kann und irgendwann einmal mit der Buße anfangen oder durch irgendeine Frömmigkeitsform verdächtigen Ursprungs alles „herausreißen“ wird. Die nachkonziliare Kirche sagt uns, dass wir sowieso alle in den Himmel kommen, da Gott barmherzig sei. Wir können also per Umkehrschluss sicher sein, dass wirklich die allermeisten unserer Zeitgenossen in die Hölle kommen, die Geistlichen zuerst, und Gott seine schonungslose Gerechtigkeit wird walten lassen. Ja, wahrscheinlich zu unseren Lebzeiten. Der Schreiber dieser Zeilen (DSDZ) ist immer wieder beeindruckt, wie selbstgefällig, selbstgerecht und mit sich zufrieden die Menschen doch sind und zwar umso mehr, je weniger sie etwas geschafft haben und je weniger sie die objektiven Normen der Heiligkeit erfüllen. Die Besten sind immer diejenigen, die am meisten selbstkritisch sind und zwar in jedem Bereich. DSDZ traf einmal einen über 70-jährigen Frührentner, der mit 55 pensioniert wurde, der in seiner beruflichen Laufbahn Papiere von links nach recht legte, was auch jemand anderes hätte tun können, verheiratet, kinderlos, weil er immer Angst hatte. Dieser Mann war im Moment des Kennenlernens schon das 15. Jahr mit Nichtstun beschäftigt und von DSDZ gefragt, ob er mehr bete, antwortete er, dass er an die Andacht der drei Ave Maria glaube, die ihn vor etwas retten soll, aber für drei Ave Maria habe er keine Zeit, ein Ave Maria kann er beten. 24 Stunden am Tag, nichts zu tun und keine Zeit für drei Ave Maria. Er tat im Alter genauso wenig, wie er früher auch nichts getan hat, hatte kaum Interessen außer sich selbst und war ausschließlich damit beschäftigt viel über sich selbst zu reden. Traditioneller Katholik, Alte Messe. Nein, wenn Sie sich jetzt nicht bekehren, werden Sie sich auch im Alter nicht bekehren. Wenn Sie jetzt keine Buße tun, werden Sie auch im Alter keine Buße tun. Wie Sie jetzt leben, so werden Sie auch sterben, denn einen guten Tod, bei dem man mit den Sterbesakramenten ausgerüstet ist, muss man sich durch ein gutes Leben verdienen. 

Aber ihr werdet sagen: Kann Buße nicht den Verlust der Unschuld gewinnbringend wiedergutmachen? Ich gebe zu, das ist wahr. Aber ich weiß auch, dass Buße in der Praxis so schwer ist, wir haben diese Gepflogenheit so ganz und gar verloren, und sie wird von den Sündern so schwer missbraucht, dass dies alleine genügen müsste um euch zu überzeugen, dass auf diesem Weg nur sehr wenige gerettet werden. Oh, wie steil, eng, dornig, schrecklich anzusehen und schwer zu erklimmen er ist! Überall, wo wir hinschauen, sehen wir Spuren von Blut und Dinge, die schlimme Erinnerungen wachrufen. Manche werden alleine vom Anblick dessen schon schwach. Viele weichen gleich bei Beginn zurück. Viele fallen vor Erschöpfung in der Mitte, und viele geben am Ende jammervoll auf. Und wie wenige sind es, die bis zum Tode standhalten! Der Heilige Ambrosius [von Mailand, Heiliger, Theologe, Lehrer des hl. Augustinus, Kirchenvater, gest. 397] sagt, es ist leichter Menschen zu finden, die ihre Unschuld bewahrt haben als solche, die rechte Buße getan haben.

Wenn ihr das Sakrament der Buße betrachtet, da gibt es so viele verfälschte Bekenntnisse, so viele durchdachte Entschuldigungen, so viele betrügerische Reue, so viele ungültige Absolutionen! Würdet ihr die Beichte von jemand als gültig betrachten, der sich selbst der Sünden der Unreinheit beschuldigt und an der Möglichkeit festhält? Oder jemand, der sich offensichtlicher Ungerechtigkeiten beschuldigt, ohne den Vorsatz, irgendeine Wiedergutmachung dafür zu leisten? Oder jemand, der wieder in dieselben Ungerechtigkeiten fällt, nachdem er sie gerade gebeichtet hat? Oh, abscheuliche Missbräuche eines so großen Sakraments! Einer beichtet, um die Exkommunikation zu vermeiden, ein anderer, um den Ruf des Büßers zu erlangen. Einer befreit sich von seinen Sünden, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, ein anderer verheimlicht sie aus Scham. Einer beschuldigt sich vorsätzlich unvollständig, ein anderer [beichtet] aus Gewohnheit. Einer hat nicht den wahren Zweck des Sakramentes im Sinn, anderen fehlt es an der nötigen Reue, wieder einem am festen Vorsatz. Arme Beichtväter, welche Anstrengungen macht ihr, um die Mehrheit der Sünder zu diesen Vorsätzen und Taten zu bringen, ohne welche die Beichte ein Sakrileg ist, die Absolution eine Verdammung und Reue eine Illusion?

Wo sind sie nun, jene, die glauben, dass die Anzahl der Geretteten unter den Christen größer ist als die der Verdammten und die, um ihre Meinung zu rechtfertigen, folgendermaßen argumentieren: der größere Teil der erwachsenen Katholiken sterben in ihren Betten, gewappnet mit den Sakramenten der Kirche, daher werden die meisten erwachsenen Katholiken gerettet? Oh, was für eine feine Begründung! Man muss genau das Gegenteil sagen. Die meisten erwachsenen Katholiken beichten beim Tod schlecht, daher werden die meisten verdammt. Ich sage „um so sicherer“, weil ein Sterbender, der bei guter Gesundheit nicht gut gebeichtet hat, es umso schwerer haben wird, wenn er mit einem schweren Herzen, einem unbeständigen Kopf, einem verworrenen Verstand im Bette liegt; wenn auf vielerlei Weise noch lebende Objekte gegen ihn sind, noch frische Gelegenheiten, angenommene Gewohnheiten, und über alldem die Teufel, die alle Mittel suchen, ihn in die Hölle zu werfen. Wenn man nun zu all diesen falschen Büßern jene hinzuzählt, die unerwartet in Sünde sterben, aufgrund der Unkenntnis der Ärzte oder der Fehler ihrer Verwandten, die durch eine Vergiftung sterben oder in Erdbeben beerdigt werden, die durch einen Schlaganfall sterben oder durch einen Sturz, oder auf dem Schlachtfeld, in einem Kampf, gefangen in einer Falle, vom Blitz erschlagen, verbrannt oder ertränkt, muss man nicht daraus schließen, dass die meisten erwachsenen Christen verdammt werden? Das ist das Argument des Heiligen Chrysostomus. Dieser Heilige sagt, dass die meisten Christen während ihres ganzen Lebens auf dem Weg zur Hölle gehen. Warum bist du also so überrascht, dass die größere Anzahl in die Hölle geht? Um an eine Tür zu kommen musst du auf der Straße gehen, die dorthin führt. Was kannst du gegen eine solch kraftvolle Begründung antworten?

Die Antwort, wirst du mir sagen, ist, dass Gottes Barmherzigkeit groß ist (vgl. Ps 103/102, 17 -183). Ja, für jene, die Ihn fürchten, sagt der Prophet; aber groß ist Seine Gerechtigkeit für den, der Ihn nicht fürchtet, und diese verdammt alle hartnäckigen Sünder (vgl. Lk 13, 274).

Also wirst du zu mir sagen: Also gut, für wen ist das Paradies, wenn nicht für Christen? Es ist für Christen, gewiss, aber für jene, die ihr Merkmal nicht entehren und die als Christen leben. Außerdem, wenn man zu der Anzahl der erwachsenen Christen, die in der Gnade Gottes sterben, die zahllose Menge der Kinder hinzuzählt, die nach der Taufe und vor Erreichen des Vernunftalters sterben, wirst du nicht überrascht sein, dass der Heilige Apostel Johannes, als er über jene spricht, die gerettet werden, sagt: „Darauf sah ich eine große Schar, die niemand zu zählen vermochte.“ (Apk 7, 95).

Und das ist es, was jene betrügt, die vorgeben, dass die Anzahl der Geretteten unter den Katholiken größer ist als die der Verdammten … Wenn man zu dieser Zahl die Anzahl der Erwachsenen addiert, die das Gewand der Reinheit bewahrt haben, oder die, nachdem sie es befleckt haben, es in den Tränen der Buße gewaschen haben, ist es sicher, dass die größere Anzahl gerettet wird; und das erklärt die Worte des Heiligen Johannes: „Ich sah eine große Schar“ (vgl. Apk 7, 9), und diese anderen Worte Unseres Herrn: „Viele werden kommen von Osten und Westen, und werden mit Abraham und Isaak und Jakob im Reich des Himmels feiern“ (Vgl Mt 8, 116), wie auch die anderen Zahlen, die üblicherweise zugunsten dieser Meinung zitiert werden. Aber wenn man von erwachsenen Christen spricht, stimmen Erfahrung, Verstand, Lehrautorität, Korrektheit und die Schrift im Beweis darin überein, dass die größere Anzahl verdammt wird. Glaube nicht, dass deshalb das Paradies leer ist; im Gegenteil, ist dies ein sehr dicht besiedeltes Reich. Und wenn die Verdammten „so zahlreich wie der Sand im Meer“ sind, so sind die Geretteten „so zahlreich wie die Sterne am Himmel“, das heißt, sowohl die einen als auch die anderen sind unzählbar, wenn auch in sehr verschiedenen Verhältnissen.

3        Ps 103/102, 17 Doch des Herren Erbarmen währt immer und ewig für die, die ihn fürchten. Seine Güte reicht bis auf Kindeskinder 18 für jene, die Seinen Bund bewahren und Seine Befehle sorgsam erfüllen.

4    Lk 13, 27 Er aber wird [euch] erklären: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Hinweg von mir, all ihr Übeltäter!

5    Apk 7, 9 Darauf sah ich eine große Schar, die niemand zu zählen vermochte, aus allen Völkern, Stämmen, Geschlechtern und Sprachen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamme, angetan mit weißen Gewändern und mit Palmen in ihren Händen.

6    Mt 8, 11 Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen.

Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (4 von 10)

boschlastjudgementvicent

Warum ist es so schwierig gerettet zu werden? Weil die Welt schlecht ist. Der Schreiber dieser Zeilen hat in vielen Branchen gearbeitet und hat kaum jemanden kennengelernt, den er als einen „einigermaßen anständigen Menschen“ hätte bezeichnen können. Die Interessen sind wie folgt gestaffelt:

(1) Sex,

(2) Geld,

(3) andere übers Ohr zu hauen,

(4) sich für den Größten zu halten.

Ja, wirklich überall, international, auch in der Akademie, auch in der Kirche. Der Mensch ist ein soziales Wesen und entschuldigt sich dadurch, dass „alle es so machen“. Das ist aber keine Entschuldigung. In der Hölle wird man auch allein, obwohl in der Gesellschaft sein. Dass die Anzahl der verdammten Priester sehr groß ist und ihnen die Dämonen sehr dankbar sind, braucht uns anno 2018 wirklich nicht zu verwundern. Wenn der hl. Johannes Chrysostomus (gest. 407) solch eine schlechte Meinung  über seine Amtsbrüder hatte, was sollen wir erst sagen?

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Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (9 von 21)

Was ist das Ziel des geistlichen Lebens? Gleichförmig mit Gott zu werden auch gleichförmig, was den Verstand anbelangt. Die griechischen Kirchenväter nannten es homónoia katà ton nóon. Und wo erfährt man es? Im Fegefeuer spätestens, falls man es dorthin schafft. Da ist man gar nicht in der Lage anders zu denken, als Gott denkt und anders zu urteilen als Gott urteilt. Da fällt endlich der Schleier von unserer Seele, womit wir uns ein X für ein U vormachen. Nein, nicht nur uns gegenüber, um sich zu entschuldigen, sondern um auch andere zu entschuldigen, damit das Leben überhaupt erträglich ist.

Unsere guten Priester, die sooo fromm sind und es sooo schwer haben ..

Die guten konservativen Päpste Johannes XIII., Paul VI, Johannes Paul II, Benedikt XVI, sie sooo viel  Gutes für die Kirche taten ….

Der gute, arme Benedikt….der will gaaanz anders, aber die lassen ihn nicht ….

Erkennen Sie diese Argumentation? So argumentieren die Frommen. Sie biegen sich die Wirklichkeit zurecht, z.B. Bergoglio ist ein guter Papst, welche dadurch absolut unverständlich wird, weil sie von der falschen Prämisse ausgehen. Ist es Lüge? Nicht unbedingt. Es ist mehr Selbstschutz. Aber spätestens im Fegefeuer werden die Schuppen vor Augen fallen und wird werden für alle Notlügen zur Rechenschaft gezogen. Ja, es ist schwierig wirklich in der Wirklichkeit zu leben.

 

IX. Kapitel

Alle diese Dinge, von denen bisher die Rede war, sind so, wie ich ihrer in meinem Geiste versichert worden bin, soweit ich es in diesem Leben verstehen kann, so überwältigend, daß jede Sicht dieses Lebens, jedes Wort, jedes Gefühl, jede Vorstellung, jede Gerechtigkeit, jede Wahrheit mir mehr Lüge als Wahrheit zu sein scheint. Ich bin von den Worten darüber, an deren Stelle ich keine kräftigeren finde, eher verwirrt als befriedigt und sage darum lieber nichts weiter mehr.

Alle diese Dinge, von denen ich gesprochen habe, sind im Vergleich zu dem, was ich in meinem Geist fühle, nichts, weil ich eine so große Gleichförmigkeit Gottes mit der Seele sehe, daß er ihr, wenn er sie in jener Reinheit sieht, in der er sie geschaffen hat, eine bestimmte Anziehungskraft verleiht, und einen solch verbindenden Liebesblick auf sie wirft und sie an sich bindet und an sich zieht in einem solchen Feuer der Liebe, das genügen würde, die Seele, die doch unsterblich ist, aufzulösen. Und diese göttliche Anziehungs-kraft bewirkt, daß die Seele so in ihren Gott umgestaltet wird, daß man meinen könnte, sie sei überhaupt nichts anderes als Gott. Er zieht sie beständig an sich und entflammt sie immer mehr und läßt darin nicht nach, bis er sie zu jenem Seinszustand gebracht hat, von dem sie ihren Ausgang genommen hat, das heißt zu jener lauteren Reinheit, in der sie geschaffen worden ist. Wenn die Seele kraft der inneren Schau sich von Gott durch ein so großes Feuer der Liebe angezogen fühlt, so zerfließt sie ganz in der Glut dieser feurigen Liebe ihres süßen Gottes, die sie in ihren Geist einströmen fühlt. Wenn sie dann in jenem göttlichen Licht sieht, wie Gott nie aufhört, sie an sich zu ziehen und sie liebevoll zu ihrer totalen Vollendung zu führen, und zwar mit so viel Sorge und Umsicht, und das alles nur aus lauter Liebe, wenn also die Seele das sieht und ihr Gott in seinem Lichte zeigt, daß sie sich in jenem Hindernis befindet, auf Grund dessen sie noch nicht dieser Anziehungskraft der einigenden Liebe Gottes, die er ihr zuwendet, folgen kann; und wenn die Seele dann auch noch einsieht, was es für sie bedeutet, noch zurückgehalten zu werden und das göttliche Licht noch nicht schauen zu können; und wenn dazu noch jener Drang in der Seele kommt, die ohne Hindernis sein möchte, um sich von dieser einigenden Liebe anziehen zu lassen, so sage ich, daß die Erkenntnis all dieser vorhin genannten Dinge das ist, was jene schmerzliche Qual erzeugt, die die Seelen im Fegfeuer erleiden.

Nicht als ob diese Seelen ihrer schmerzlichen Strafe, auch wenn sie überaus groß ist, besonderes Gewicht beimessen würden, es hat für sie viel mehr zu bedeuten, daß sie in sich noch jene Gegensätzlichkeit zum Willen Gottes vorfinden, den sie doch ganz klar von jener äußersten lauteren Liebe gegen sie entflammt sehen, die sie so stark mit jenem verbindenden Liebesblick anzieht, als habe sie überhaupt nichts anderes zu tun.

Darum würde die Seele, wenn sie noch ein weiteres Fegfeuer über diesem vorfände, in welchem sie noch schneller von diesem Hindernis befreit werden könnte sich sogleich mit dem Ungestüm jener Liebe, die zwischen Gott und der Seele Gleichförmigkeit herstellt, da hineinstürzen.