Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (15 von 21)

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DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] war heute beim Workshop eines Versicherungsmaklers mit 20 Jahren Berufserfahrung, der überzeugt darlegte, dass 90% aller Versicherungen unsinnig seien, gezielt zum Schaden des Versicherungsnehmers mit arglistiger Täuschung abgeschlossen werden, weil man darauf spekuliert, dass der Versicherungsfall nicht eintreten wird und falls doch die Versicherung dann nicht zu zahlen braucht, da er Vertrag entsprechend aufgesetzt wurde und der Kunde ihn meist ungelesen unterschrieben hat. DSDZ fühlte sich nach diesen Ausführungen in seiner Überzeugung bestätigt, dass die allgemeine und spezielle Vorsehung sich um uns kümmert, wenn wir uns um die Angelegenheiten Gottes kümmern und diese ganze deutsche „Versicherungerei“ Unsinn sei. Es tut gut seine theologischen Überzeugungen vom Fachmann bestätigt zu sehen. Manche Versicherungen sind leider notwendig, dann muss man sich die Verträge ganz genau lesen und zwar unter der Prämisse: Omnis homo mendax (Ps 115) – „Jeder Mensch ist ein Lügner“, wobei der Psalmist sicherlich die Versicherungsvertreter im Auge hatte, da nur 20% aller Versicherungsverträge wirklich ordnungsgemäß abgeschlossen wird, so der heutige Fachreferent.

Was hat das mit dem Fegefeuer zu tun?

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Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (14 von 21)

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Völlig übereinstimmend mit Gottes Urteil zu sein – tja, das erlebt man erst im Fegefeuer. Will wollen ja „unser Ding“ durchziehen und Gott soll sich da angleichen und es uns möglich machen. Aber das geistliche Leben ist gerade der Gegenteil davon: wir sollen einmütig mit Gottes Willen werden, indem wir ihn erkennen. Die Wirklichkeit des Fegefeuers wird auf einer gewissen Ebene – der Passivität- im kanadischen Film The Cube dargestellt [Achtung: Spoleralarm]. Verschiedene Menschen befinden sich im Innenraum eines beweglichen Würfels und sie wären alle raus gekommen, wenn sie bloß an der Ausgangsstelle gewartet hätten. Und so ist es auch bei Gott, sowohl im Fegefeuer als auch auf Erden, wenn er bestimmte seine Handlungen, unter unserer Mitwirkung natürlich, an uns vollbracht hat, dann lässt er uns weiter. Wir aber müssen geduldig sein, da wir ohnehin nichts beschleunigen können.

XIV. Kapitel

So stehen die genannten Seelen in der Läuterung des Fegfeuers unbewegt all dem gegenüber, was Gott ihnen gibt an freudiger Zufriedenheit oder an schmerzlicher Pein. Sie können sich nie mehr auf sich selber zurückwenden, so sehr ist in ihnen ihr Wille zu innerst umgeformt in den Willen Gottes; seine Anordnung befriedigt sie.

Und würde eine solche Seele, die noch eine Stunde der Läuterung vor sich hätte, bereits in die Anschauung Gottes versetzt, so würde ihr damit eine größere Pein als die von zehn Fegfeuern zugefügt. Denn sie könnte jene höchste Gerechtigkeit und reinste Güte, die Gott ist, noch nicht ertragen; es wäre auch auf seiten Gottes unpassend. Für jene Seele aber wäre es ganz unerträglich, wenn sie sehen müßte, daß Gott noch nicht voll Genugtuung geleistet wäre, auch wenn nur so viel wie das geringste Zucken mit der Augenwimper zur genugtuenden Läuterung fehlen würde. Um diesen letzten Rostfleck loszuwerden, ginge die Seele lieber noch in tausend Höllen, wenn sie die Wahl hätte, als in der Gegenwart Gottes noch nicht ganz und gar gereinigt und geläutert zu erscheinen.

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Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (13 von 21)

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Die Reue läutert, die Sühne auch. Zu der letzteren ist man im Fegefeuer nicht mehr fähig, weil man dort völlig passiv ist. Nützen wir jede Gelegenheit Sühne zu tun, auch im Alltag, bei all dem was das Leben bringt. Vor etwas Unangenehmen erwecken wir die Intention: „Als Sühne für meines Sünden …“ und es wirkt, Sie werden geläutert und erlangen ein immer tiefer gehendes Wissen über Ihre eigentlichen Sünden. Durch eine kluge Investition in Sühne spart man sich viel Fegefeuer. Es ist möglich, dass wenn wir ins Fegefeuer kommen, so Gott es will, es keine Katholiken mehr geben wird, weil sie sich alle in die Einheitsreligion, ohne Fegefeuer, aufgelöst haben werden. Was Sie also selbst für Ihr Heil auf Erden tun, dass ist Ihnen sicher.

XIII. Kapitel
Wenn die Seelen mittels der Reue sich läutern und reinigen könnten, so würden sie in einem einzigen Augenblick von all ihrer Sündenschuld gereinigt; solche Glut der Reue entstünde in ihnen durch jene Erkenntnis, die sie von der Bedeutung jenes Widerstandes haben, der sie noch nicht mit ihrem letzten Ziel, mit Gott, der die Liebe ist, eins werden läßt. Und das sollst du als gewiß annehmen: Von der Abzahlung der Schuld wird jenen Seelen auch nicht die kleinste Kleinigkeit erlassen, da es so von der göttlichen Gerechtigkeit verfügt worden ist. So sieht dies von seiten Gottes her aus. Von seiten der Seele aber ist es so, daß sie keine freie Willensentscheidung mehr treffen kann und daß sie nichts anderes mehr sehen kann als nur das, was Gott will; sie möchte auch gar nichts anderes mehr sehen, denn sie ist so festgelegt.

Und wenn den Seelen von jenen Menschen, die noch in der Welt sind, ein Almosen gemacht würde, um ihre Zeit (der Läuterung) abzukürzen, so können sie sich nicht mehr mit Affekt umwenden, um das zu sehen, sondern sie überlassen es Gott, was auf seine Art bezahlt wird. Wenn sie sich dem noch zuwenden könnten, so wäre das ein Eigensein, das ihnen die Sicht auf das göttliche Wollen entziehen würde; das aber wäre die Hölle.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (12 von 21)

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Worum geht es hier? Dass man selbst von sich selbst freiwerden muss. 

[…] wenn eine Tätigkeit vollkommen sein soll, muß sie gewirkt werden in uns ohne uns,“

Und wann gelingt es? Durch die Reinigung Gottes, spätestens im Fegefeuer. Und daher ist die sog. „subjekttheoretische Wende“ in der Theologie, die wir dem deutschen Idealismus und Rahner verdanken solch ein Unsinn. Weil der Mensch permanent um sich selbst kreist (Wie geht es mir denn heute?) und so niemals von sich selbst frei werden kann. Er denkt noch dies sei religiös und Gott gewollt. Nochmals zum Mitschreiben: in der Religion geht es um Gott, im Novus Ordo geht es um den Menschen. Der Teufel ist ein guter Verführer. Er schmeichelt zuerst dem Menschen sehr, um ihn dann später zu verderben. Seien wir klüger, werden wir frei von uns selbst.

XII. Kapitel

Wisse, daß das, was der Mensch in sich für Vollkommenheit hält, vor Gott ein Mangel (Defekt) ist. Mit all dem, was der Mensch unter dem Schein der Vollkommenheit tut, wie immer er es sieht, hört, versteht, will oder im Gedächtnis hat, in all dem befleckt er sich. Denn wenn eine Tätigkeit vollkommen sein soll, muß sie gewirkt werden in uns ohne uns, was den innersten Beweggrund betrifft; und die Tätigkeit Gottes muß in Gott ohne den Menschen sein.

Das ist jene Tätigkeit, die Gott in jenem letzten Stadium der Einwirkung auf die Seele durch die reine, lautere Liebe aus sich allein wirkt. Diese Einwirkung Gottes auf die Seele ist so durchdringend und glühend, daß der Leib, der die Seele umschließt,

zu vergehen scheint; es ist, wie wenn die Seele in einem gewaltigen Feuer stünde und bis zum Tod nie mehr Ruhe bekäme. Die Liebe Gottes, die in die Seele über-strömt, gibt ihr aber (nach dem, wie ich es sehe) eine solche Zufriedenheit ein, wie man dies gar nicht schildern kann. Diese Zufriedenheit aber nimmt den Seelen, die im Fegfeuer sind, nicht einen Funken der schmerzlichen Pein. Gerade dadurch, daß die Liebe in ihnen noch behindert ist, entsteht ja in ihnen die schmerzliche Pein. Und diese Pein ist um so schmerzlicher, je vollkommener die Liebe ist, zu der Gott die Seele fähig macht. So haben die Seelen in der Läuterung des Fegfeuers zugleich allergrößte Zufriedenheit (und Freude) und allergrößte Pein, und das eine hebt das andere nicht auf.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (11 von 21)

Xl. Kapitel

Die Seele ist mit der Bestimmung zu all jener Vollkommenheit erschaffen worden, deren sie fähig war. Sie hätte dahin kommen müssen durch eine Lebensführung, wie sie ihr aufgetragen war, ohne sich mit Sünde zu beflecken. Aber als sie sich dann mit der Erbsünde befleckt hatte und auch noch durch persönliche Tatsünden, da verlor die Seele ihre (außernatürlichen und übernatürlichen) Gnadengaben und war nun tot und konnte jetzt nur noch durch Gott wieder zum Leben erweckt werden.

Als die Seele dann mittels der Taufe wieder zum Leben erweckt worden war, blieb in ihr die Neigung zum Bösen zurück, die zur persönlichen Tatsünde geneigt macht und zu ihr hinführt, wenn nicht Widerstand geleistet wird. Durch die persönliche Tatsünde aber verfällt die Seele auf’s neue dem Tod.

Dann aber erweckt Gott sie noch einmal zum Leben durch eine ganz besondere weitere Gnade. Die Seele bliebe nämlich jetzt so besudelt und in sich gekehrt, daß nun, um sie zu ihrem ersten Zustand zu-rückzubringen, all jene göttlichen Tätigkeiten notwendig sind, ohne die die Seele nie mehr zu jenem ersten Zustand zurückkehren könnte, in welchem Gott sie geschaffen hat.

Wenn sich nun die Seele auf dem Weg befindet, zu jenem ersten Zustand zurückzukehren, so ist der glühende Drang, sich in Gott zu verwandeln, in ihr so groß, daß das ihre Läuterung bewirkt. Nicht als ob die Seele die Läuterung als Läuterung ins Auge fassen könnte, aber jener Drang in ihr, der ungemein glühend und doch zugleich behindert ist, bildet eben ihre Läuterung.

Dieser letzte Akt der Liebe ist es, der dieses Werk ohne die Mitwirkung des Menschen vollbringt. Denn der Mensch fände in der Seele so viele verborgene Unvollkommenheiten vor, daß er, wenn er sie se-hen könnte, in Verzweiflung geriete. Dieser letzte Akt der Liebe aber verzehrt alle Unvollkommenheiten. Und erst dann, wenn sie verzehrt sind, zeigt sie Gott der Seele, damit sie das göttliche Wirken erkenne, das in ihr jenes göttliche Feuer entzündet, durch das all jene Unvollkommenheiten verzehrt werden, die noch zu verzehren sind.

 

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (10 von 21)

X. Kapitel

Ich sehe auch, daß von jener göttlichen Liebe zur Seele hin gewisse Strahlen und Blitze ausgehen, die so feurig und durchdringend sind, daß es scheint, sie müßten nicht nur den Leib, sondern auch die Seele, wenn das möglich wäre, vernichten.

Diese Strahlen bringen zwei Wirkungen in der Seele hervor: Die eine besteht darin, daß sie reinigt, die andere, das sie vernichtet.

Das Gold wird, je mehr man es einschmilzt, umso edler; du könntest es so lange schmelzen, bis in ihm gar jede Unvollkommenheit vernichtet wäre. Das Feuer ist jene Kraft, die in den materiellen Dingen diese Wirkung hervorbringt. Aber die Seele kann man nicht in Gold vernichten, sondern nur in sich selbst; und je mehr du sie reinigst, desto mehr wird sie in sich selbst vernichtet; und in Gott bleibt die Seele gereinigt.

Wenn das Gold bis zu 24 Karat gereinigt ist, wird es durch das Feuer nicht mehr weiter verzehrt, so sehr du es auch steigern magst, denn das Feuer kann das Gold nicht mehr verzehren, nur die Unvollkommenheit des Goldes verzehrt es.

So macht es auch das göttliche Feuer in der Seele. Gott hält sie so lange in das läuternde Feuer, bis dieses jede Unvollkommenheit in ihr aufgezehrt und sie zur Vollkommenheit geführt hat, jede Seele nach ihrer Weise.

Und wenn die Seele so geläutert ist, bleibt sie ganz in Gott, ohne irgendetwas noch weiter für sich selbst zu sein, denn die Läuterung der Seele besteht in der Entäußerung von uns in uns; unser wahres Sein ist ja Gott, der die Seele zur Läuterung von 24 Karat führt. Von da an ist die Seele dann leidensunfähig, weil es in ihr nichts mehr gibt, das aufgezehrt werden könnte. Selbst wenn die geläuterte Seele weiter in das Feuer hineingehalten würde, so wäre das für sie nicht mehr schmerzlich, es wäre vielmehr nur noch das Feuer der göttlichen Liebe, das für die Seele nichts anderes mehr bedeutet als das ewige Leben. Die Seele wäre nun frei von jeder Gegensätzlichkeit, wie das bei den zur Heiligkeit gelangten Seelen der Fall ist, und zwar schon im diesseitigen Leben, sofern es in diesem Zustand überhaupt noch möglich wäre, im Leibe zu verbleiben. Ich glaube nämlich nicht, daß Gott solche Seelen noch auf Erden belassen würde; nur durch ganz große göttliche Einwirkung wäre dies möglich.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (9 von 21)

Was ist das Ziel des geistlichen Lebens? Gleichförmig mit Gott zu werden auch gleichförmig, was den Verstand anbelangt. Die griechischen Kirchenväter nannten es homónoia katà ton nóon. Und wo erfährt man es? Im Fegefeuer spätestens, falls man es dorthin schafft. Da ist man gar nicht in der Lage anders zu denken, als Gott denkt und anders zu urteilen als Gott urteilt. Da fällt endlich der Schleier von unserer Seele, womit wir uns ein X für ein U vormachen. Nein, nicht nur uns gegenüber, um sich zu entschuldigen, sondern um auch andere zu entschuldigen, damit das Leben überhaupt erträglich ist.

Unsere guten Priester, die sooo fromm sind und es sooo schwer haben ..

Die guten konservativen Päpste Johannes XIII., Paul VI, Johannes Paul II, Benedikt XVI, sie sooo viel  Gutes für die Kirche taten ….

Der gute, arme Benedikt….der will gaaanz anders, aber die lassen ihn nicht ….

Erkennen Sie diese Argumentation? So argumentieren die Frommen. Sie biegen sich die Wirklichkeit zurecht, z.B. Bergoglio ist ein guter Papst, welche dadurch absolut unverständlich wird, weil sie von der falschen Prämisse ausgehen. Ist es Lüge? Nicht unbedingt. Es ist mehr Selbstschutz. Aber spätestens im Fegefeuer werden die Schuppen vor Augen fallen und wird werden für alle Notlügen zur Rechenschaft gezogen. Ja, es ist schwierig wirklich in der Wirklichkeit zu leben.

 

IX. Kapitel

Alle diese Dinge, von denen bisher die Rede war, sind so, wie ich ihrer in meinem Geiste versichert worden bin, soweit ich es in diesem Leben verstehen kann, so überwältigend, daß jede Sicht dieses Lebens, jedes Wort, jedes Gefühl, jede Vorstellung, jede Gerechtigkeit, jede Wahrheit mir mehr Lüge als Wahrheit zu sein scheint. Ich bin von den Worten darüber, an deren Stelle ich keine kräftigeren finde, eher verwirrt als befriedigt und sage darum lieber nichts weiter mehr.

Alle diese Dinge, von denen ich gesprochen habe, sind im Vergleich zu dem, was ich in meinem Geist fühle, nichts, weil ich eine so große Gleichförmigkeit Gottes mit der Seele sehe, daß er ihr, wenn er sie in jener Reinheit sieht, in der er sie geschaffen hat, eine bestimmte Anziehungskraft verleiht, und einen solch verbindenden Liebesblick auf sie wirft und sie an sich bindet und an sich zieht in einem solchen Feuer der Liebe, das genügen würde, die Seele, die doch unsterblich ist, aufzulösen. Und diese göttliche Anziehungs-kraft bewirkt, daß die Seele so in ihren Gott umgestaltet wird, daß man meinen könnte, sie sei überhaupt nichts anderes als Gott. Er zieht sie beständig an sich und entflammt sie immer mehr und läßt darin nicht nach, bis er sie zu jenem Seinszustand gebracht hat, von dem sie ihren Ausgang genommen hat, das heißt zu jener lauteren Reinheit, in der sie geschaffen worden ist. Wenn die Seele kraft der inneren Schau sich von Gott durch ein so großes Feuer der Liebe angezogen fühlt, so zerfließt sie ganz in der Glut dieser feurigen Liebe ihres süßen Gottes, die sie in ihren Geist einströmen fühlt. Wenn sie dann in jenem göttlichen Licht sieht, wie Gott nie aufhört, sie an sich zu ziehen und sie liebevoll zu ihrer totalen Vollendung zu führen, und zwar mit so viel Sorge und Umsicht, und das alles nur aus lauter Liebe, wenn also die Seele das sieht und ihr Gott in seinem Lichte zeigt, daß sie sich in jenem Hindernis befindet, auf Grund dessen sie noch nicht dieser Anziehungskraft der einigenden Liebe Gottes, die er ihr zuwendet, folgen kann; und wenn die Seele dann auch noch einsieht, was es für sie bedeutet, noch zurückgehalten zu werden und das göttliche Licht noch nicht schauen zu können; und wenn dazu noch jener Drang in der Seele kommt, die ohne Hindernis sein möchte, um sich von dieser einigenden Liebe anziehen zu lassen, so sage ich, daß die Erkenntnis all dieser vorhin genannten Dinge das ist, was jene schmerzliche Qual erzeugt, die die Seelen im Fegfeuer erleiden.

Nicht als ob diese Seelen ihrer schmerzlichen Strafe, auch wenn sie überaus groß ist, besonderes Gewicht beimessen würden, es hat für sie viel mehr zu bedeuten, daß sie in sich noch jene Gegensätzlichkeit zum Willen Gottes vorfinden, den sie doch ganz klar von jener äußersten lauteren Liebe gegen sie entflammt sehen, die sie so stark mit jenem verbindenden Liebesblick anzieht, als habe sie überhaupt nichts anderes zu tun.

Darum würde die Seele, wenn sie noch ein weiteres Fegfeuer über diesem vorfände, in welchem sie noch schneller von diesem Hindernis befreit werden könnte sich sogleich mit dem Ungestüm jener Liebe, die zwischen Gott und der Seele Gleichförmigkeit herstellt, da hineinstürzen.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (8 von 21)

Was ist die wahre Barmherzigkeit? Die Qual des Fegefeuers. Stellen Sie sich vor: Es gäbe nur den Himmel mit seinen objektiven Anforderungen und darunter die Hölle. Die meisten von uns würden wohl in der Hölle landen. Wo erlebt man die reine Objektivität? Ebenfalls im Fegefeuer, denn die Seele sieht selbst:

„Ich bin noch nicht rein, ich bin noch nicht würdig, ich gehe nicht rein“.

Ist das nicht schön? Weil wir die objektive Wahrheit spätestens in unserer Todesstunde erleben werden, daher sollen wir uns darauf vorbereiten und das hilft kein Franziskus und keine Amoris Laetitia. Objektiv ist objektiv, Sünde ist Sünde und die Hölle ist sehr heiß.

VIII. Kapitel

Ich behaupte auch noch dies: Ich sehe, wie vonseiten Gottes das Paradies kein verschlossenes Tor mehr hat, denn wer eintreten will, der tritt auch wirklich ein, Gott ist ja lauter Barmherzigkeit und steht mit seinen uns entgegengestreckten Armen da, um uns in seine Herrlichkeit aufzunehmen.

Aber ich sehe auch, daß die göttliche Wesenheit von solcher Reinheit und Lauterkeit ist, und zwar weit mehr, als sich der Mensch überhaupt vorstellen kann, so daß die Seele, die eine so minimale Unvollkommenheit an sich hätte, als der kleinwinzigste Splitter groß ist, sich so schnell als möglich in tausend Höllen stürzen würde, um ja nicht mit diesem ganz minimalen Makel in seiner Gegenwart zu erscheinen.

Da sie aber sieht, daß das Fegfeuer dazu bestimmt ist, diese Makel zu beheben, so stürzt sie sich da hinein und es scheint ihr, große Barmherzigkeit darin anzutreffen, sich von dem in ihr vorhandenen Hindernis auf diese Weise befreien zu können. Von welcher Bedeutung die Läuterung im Fegfeuer ist, kann eigentlich keine Zunge schildern und kein Herz erfassen außer der Tatsache, daß das Fegfeuer eine ähnlich schmerzliche Strafe ist wie die Hölle; und doch sehe ich zugleich, das die Seele, die in sich eine solche Makel verspürt, die Qual des Fegfeuers als Barmherzigkeit Gottes entgegennehmen würde im Vergleich zu jener Makel, die sie in ihrer Liebe behindert.

Es scheint mir auch, daß die schmerzliche Strafe jener die im Fegfeuer sind, eigentlich mehr darin besteht, zu sehen, daß die Seele noch etwas an sich hat, das Gott mißfällt und das sie freiwillig gegen eine so große Güte Gottes begangen hat, als in irgendeinem anderen Schmerz, den sie im Fegfeuer zu erleiden hat. Und das kommt, wie ich sage, daher, daß die Seele im Gnadenstand ist und die wahre Bedeutung erkennt, die dem Hindernis zukommt, das sie noch nicht Gott nahekommen läßt.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (7 von 21)

VII. Kapitel

Außerdem sehe ich auch dies noch ganz klar: wie die reine Geistseele keinen anderen Ort für Ruhe findet als nur in Gott, das sie ja dafür geschaffen worden ist, so gibt es für jene Seele, die im Zustand der Sünde ist, keinen anderen Ort als nur die Hölle, weil Gott diesen Ort für sie bestimmt hat. Darum geht die Seele in jenem Augenblick, da sie vom Leib getretrennt worden ist, an den für sie bestimmten Ort, und zwar ohne einen anderen Führer zu haben als nur die Natur der Sünde; das ergibt sich für die Seele, die sich für die Seele, die sich im Augenblick ihrer Trennung vom Leib im Zustand der Todsünde befindet.

Und ich sage so: Wenn eine solche Seele bei jenem Schritt (aus dem Diesseits ins Jenseits) nicht von dieser göttlichen Anordnung getroffen würde, die aus Gottes Gerechtigkeit kommt, so würde sie in eine noch viel schmerzlichere Hölle geraten, denn sie würde sich dann außerhalb jener Anordnung befinden, die an der Barmherzigkeit Gottes Anteil hat, durch die verfügt wird, daß die Seele keine so schmerzliche Strafe erleidet, als sie tatsächlich verdienen würde. Da diese Seelen demnach keinen passenderen und keinen für sie weniger schmerzlichen Ort finden, stürzen sie sich gemäß der Anordnung Gottes, wie schon gesagt worden ist, dort hinab als an den für sie verfügten Ort.

So ist es nun auch bezüglich des Fegfeuers: Die vom Leib getrennte Seele, die sich noch nicht in jener Reinheit befindet, in der sie erschaffen worden war, stürzt sich, da sie das Hindernis, das sie in sich hat, erkennt und darum weiß, daß dieses Hindernis nur mittels des Fegfeuers behoben werden kann, so-gleich freiwillig dort hinein.

Und wenn sie diese göttliche Anordnung nicht vorfände, die bewirkt, jenes Hindernis in ihr zu besei-tigen, so würde für diese Seele in jenem Augenblick eine Hölle entstehen, die viel schlimmer wäre als dieses Fegfeuer, da sie sehen müßte, daß sie ihr Ziel, das Gott selber ist, wegen des vorhandenen Hindernisses nie erreichen kann, wo doch dieses Ziel so viel bedeutet, daß im Vergleich dazu das Fegfeuer, wenngleich es, wie gesagt, der Hölle ähnlich ist, dennoch wie ein Nichts wäre.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (6 von 21)

Was beschreibt die hl. Katharina hier? Die Sehnsucht, die absolute, alles verzehrende Sehnsucht, welche das Absolute und Unverfügbare sieht und es nicht habe kann. Wir alle waren doch schon in dieser Situation, dass wir uns nach etwas oder nach jemand verzehrt haben. Alles hing davon ab und es war unverfügbar. Sie standen mehrere Stunden in einer Schlage an und man hat ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Sie kommen nicht rein. Und dort drin findet es statt, alle sind da, die Anderen haben es, Sie jedoch nicht. Dieser Erlebnisse extrapoliert und zu n-ten Potenz gesteigert, geben die Sehnsucht im Fegefeuer wieder, welcher so starkt ist, dass sie weh tut.  Die Seelen wissen um den anwesenden, aber in der beseeligenden Anschauung unverfügbaren Gott, sie wissen um ihre Unwürdigkeit und sie verzehren sich nach Ihm. Aber Sie haben jetzt Einfluß auf Ihr Fegefeuer. Jetzt hindert Sie nichts Gott mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu opfern, denn nach dem Tod gibt es nur Gott und zwar für die Ewigkeit und dann werden Sie sehen, wie unsinnig Sie ihr Leben verbracht haben, indem Sie sich um unnütze Dinge kümmerten, welche Sie nur verunreinigt haben. Weiterlesen