Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (13 von 21)

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Die Reue läutert, die Sühne auch. Zu der letzteren ist man im Fegefeuer nicht mehr fähig, weil man dort völlig passiv ist. Nützen wir jede Gelegenheit Sühne zu tun, auch im Alltag, bei all dem was das Leben bringt. Vor etwas Unangenehmen erwecken wir die Intention: „Als Sühne für meines Sünden …“ und es wirkt, Sie werden geläutert und erlangen ein immer tiefer gehendes Wissen über Ihre eigentlichen Sünden. Durch eine kluge Investition in Sühne spart man sich viel Fegefeuer. Es ist möglich, dass wenn wir ins Fegefeuer kommen, so Gott es will, es keine Katholiken mehr geben wird, weil sie sich alle in die Einheitsreligion, ohne Fegefeuer, aufgelöst haben werden. Was Sie also selbst für Ihr Heil auf Erden tun, dass ist Ihnen sicher.

XIII. Kapitel
Wenn die Seelen mittels der Reue sich läutern und reinigen könnten, so würden sie in einem einzigen Augenblick von all ihrer Sündenschuld gereinigt; solche Glut der Reue entstünde in ihnen durch jene Erkenntnis, die sie von der Bedeutung jenes Widerstandes haben, der sie noch nicht mit ihrem letzten Ziel, mit Gott, der die Liebe ist, eins werden läßt. Und das sollst du als gewiß annehmen: Von der Abzahlung der Schuld wird jenen Seelen auch nicht die kleinste Kleinigkeit erlassen, da es so von der göttlichen Gerechtigkeit verfügt worden ist. So sieht dies von seiten Gottes her aus. Von seiten der Seele aber ist es so, daß sie keine freie Willensentscheidung mehr treffen kann und daß sie nichts anderes mehr sehen kann als nur das, was Gott will; sie möchte auch gar nichts anderes mehr sehen, denn sie ist so festgelegt.

Und wenn den Seelen von jenen Menschen, die noch in der Welt sind, ein Almosen gemacht würde, um ihre Zeit (der Läuterung) abzukürzen, so können sie sich nicht mehr mit Affekt umwenden, um das zu sehen, sondern sie überlassen es Gott, was auf seine Art bezahlt wird. Wenn sie sich dem noch zuwenden könnten, so wäre das ein Eigensein, das ihnen die Sicht auf das göttliche Wollen entziehen würde; das aber wäre die Hölle.

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Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (12 von 21)

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Worum geht es hier? Dass man selbst von sich selbst freiwerden muss. 

[…] wenn eine Tätigkeit vollkommen sein soll, muß sie gewirkt werden in uns ohne uns,“

Und wann gelingt es? Durch die Reinigung Gottes, spätestens im Fegefeuer. Und daher ist die sog. „subjekttheoretische Wende“ in der Theologie, die wir dem deutschen Idealismus und Rahner verdanken solch ein Unsinn. Weil der Mensch permanent um sich selbst kreist (Wie geht es mir denn heute?) und so niemals von sich selbst frei werden kann. Er denkt noch dies sei religiös und Gott gewollt. Nochmals zum Mitschreiben: in der Religion geht es um Gott, im Novus Ordo geht es um den Menschen. Der Teufel ist ein guter Verführer. Er schmeichelt zuerst dem Menschen sehr, um ihn dann später zu verderben. Seien wir klüger, werden wir frei von uns selbst.

XII. Kapitel

Wisse, daß das, was der Mensch in sich für Vollkommenheit hält, vor Gott ein Mangel (Defekt) ist. Mit all dem, was der Mensch unter dem Schein der Vollkommenheit tut, wie immer er es sieht, hört, versteht, will oder im Gedächtnis hat, in all dem befleckt er sich. Denn wenn eine Tätigkeit vollkommen sein soll, muß sie gewirkt werden in uns ohne uns, was den innersten Beweggrund betrifft; und die Tätigkeit Gottes muß in Gott ohne den Menschen sein.

Das ist jene Tätigkeit, die Gott in jenem letzten Stadium der Einwirkung auf die Seele durch die reine, lautere Liebe aus sich allein wirkt. Diese Einwirkung Gottes auf die Seele ist so durchdringend und glühend, daß der Leib, der die Seele umschließt,

zu vergehen scheint; es ist, wie wenn die Seele in einem gewaltigen Feuer stünde und bis zum Tod nie mehr Ruhe bekäme. Die Liebe Gottes, die in die Seele über-strömt, gibt ihr aber (nach dem, wie ich es sehe) eine solche Zufriedenheit ein, wie man dies gar nicht schildern kann. Diese Zufriedenheit aber nimmt den Seelen, die im Fegfeuer sind, nicht einen Funken der schmerzlichen Pein. Gerade dadurch, daß die Liebe in ihnen noch behindert ist, entsteht ja in ihnen die schmerzliche Pein. Und diese Pein ist um so schmerzlicher, je vollkommener die Liebe ist, zu der Gott die Seele fähig macht. So haben die Seelen in der Läuterung des Fegfeuers zugleich allergrößte Zufriedenheit (und Freude) und allergrößte Pein, und das eine hebt das andere nicht auf.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (11 von 21)

Xl. Kapitel

Die Seele ist mit der Bestimmung zu all jener Vollkommenheit erschaffen worden, deren sie fähig war. Sie hätte dahin kommen müssen durch eine Lebensführung, wie sie ihr aufgetragen war, ohne sich mit Sünde zu beflecken. Aber als sie sich dann mit der Erbsünde befleckt hatte und auch noch durch persönliche Tatsünden, da verlor die Seele ihre (außernatürlichen und übernatürlichen) Gnadengaben und war nun tot und konnte jetzt nur noch durch Gott wieder zum Leben erweckt werden.

Als die Seele dann mittels der Taufe wieder zum Leben erweckt worden war, blieb in ihr die Neigung zum Bösen zurück, die zur persönlichen Tatsünde geneigt macht und zu ihr hinführt, wenn nicht Widerstand geleistet wird. Durch die persönliche Tatsünde aber verfällt die Seele auf’s neue dem Tod.

Dann aber erweckt Gott sie noch einmal zum Leben durch eine ganz besondere weitere Gnade. Die Seele bliebe nämlich jetzt so besudelt und in sich gekehrt, daß nun, um sie zu ihrem ersten Zustand zu-rückzubringen, all jene göttlichen Tätigkeiten notwendig sind, ohne die die Seele nie mehr zu jenem ersten Zustand zurückkehren könnte, in welchem Gott sie geschaffen hat.

Wenn sich nun die Seele auf dem Weg befindet, zu jenem ersten Zustand zurückzukehren, so ist der glühende Drang, sich in Gott zu verwandeln, in ihr so groß, daß das ihre Läuterung bewirkt. Nicht als ob die Seele die Läuterung als Läuterung ins Auge fassen könnte, aber jener Drang in ihr, der ungemein glühend und doch zugleich behindert ist, bildet eben ihre Läuterung.

Dieser letzte Akt der Liebe ist es, der dieses Werk ohne die Mitwirkung des Menschen vollbringt. Denn der Mensch fände in der Seele so viele verborgene Unvollkommenheiten vor, daß er, wenn er sie se-hen könnte, in Verzweiflung geriete. Dieser letzte Akt der Liebe aber verzehrt alle Unvollkommenheiten. Und erst dann, wenn sie verzehrt sind, zeigt sie Gott der Seele, damit sie das göttliche Wirken erkenne, das in ihr jenes göttliche Feuer entzündet, durch das all jene Unvollkommenheiten verzehrt werden, die noch zu verzehren sind.

 

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (10 von 21)

X. Kapitel

Ich sehe auch, daß von jener göttlichen Liebe zur Seele hin gewisse Strahlen und Blitze ausgehen, die so feurig und durchdringend sind, daß es scheint, sie müßten nicht nur den Leib, sondern auch die Seele, wenn das möglich wäre, vernichten.

Diese Strahlen bringen zwei Wirkungen in der Seele hervor: Die eine besteht darin, daß sie reinigt, die andere, das sie vernichtet.

Das Gold wird, je mehr man es einschmilzt, umso edler; du könntest es so lange schmelzen, bis in ihm gar jede Unvollkommenheit vernichtet wäre. Das Feuer ist jene Kraft, die in den materiellen Dingen diese Wirkung hervorbringt. Aber die Seele kann man nicht in Gold vernichten, sondern nur in sich selbst; und je mehr du sie reinigst, desto mehr wird sie in sich selbst vernichtet; und in Gott bleibt die Seele gereinigt.

Wenn das Gold bis zu 24 Karat gereinigt ist, wird es durch das Feuer nicht mehr weiter verzehrt, so sehr du es auch steigern magst, denn das Feuer kann das Gold nicht mehr verzehren, nur die Unvollkommenheit des Goldes verzehrt es.

So macht es auch das göttliche Feuer in der Seele. Gott hält sie so lange in das läuternde Feuer, bis dieses jede Unvollkommenheit in ihr aufgezehrt und sie zur Vollkommenheit geführt hat, jede Seele nach ihrer Weise.

Und wenn die Seele so geläutert ist, bleibt sie ganz in Gott, ohne irgendetwas noch weiter für sich selbst zu sein, denn die Läuterung der Seele besteht in der Entäußerung von uns in uns; unser wahres Sein ist ja Gott, der die Seele zur Läuterung von 24 Karat führt. Von da an ist die Seele dann leidensunfähig, weil es in ihr nichts mehr gibt, das aufgezehrt werden könnte. Selbst wenn die geläuterte Seele weiter in das Feuer hineingehalten würde, so wäre das für sie nicht mehr schmerzlich, es wäre vielmehr nur noch das Feuer der göttlichen Liebe, das für die Seele nichts anderes mehr bedeutet als das ewige Leben. Die Seele wäre nun frei von jeder Gegensätzlichkeit, wie das bei den zur Heiligkeit gelangten Seelen der Fall ist, und zwar schon im diesseitigen Leben, sofern es in diesem Zustand überhaupt noch möglich wäre, im Leibe zu verbleiben. Ich glaube nämlich nicht, daß Gott solche Seelen noch auf Erden belassen würde; nur durch ganz große göttliche Einwirkung wäre dies möglich.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (9 von 21)

Was ist das Ziel des geistlichen Lebens? Gleichförmig mit Gott zu werden auch gleichförmig, was den Verstand anbelangt. Die griechischen Kirchenväter nannten es homónoia katà ton nóon. Und wo erfährt man es? Im Fegefeuer spätestens, falls man es dorthin schafft. Da ist man gar nicht in der Lage anders zu denken, als Gott denkt und anders zu urteilen als Gott urteilt. Da fällt endlich der Schleier von unserer Seele, womit wir uns ein X für ein U vormachen. Nein, nicht nur uns gegenüber, um sich zu entschuldigen, sondern um auch andere zu entschuldigen, damit das Leben überhaupt erträglich ist.

Unsere guten Priester, die sooo fromm sind und es sooo schwer haben ..

Die guten konservativen Päpste Johannes XIII., Paul VI, Johannes Paul II, Benedikt XVI, sie sooo viel  Gutes für die Kirche taten ….

Der gute, arme Benedikt….der will gaaanz anders, aber die lassen ihn nicht ….

Erkennen Sie diese Argumentation? So argumentieren die Frommen. Sie biegen sich die Wirklichkeit zurecht, z.B. Bergoglio ist ein guter Papst, welche dadurch absolut unverständlich wird, weil sie von der falschen Prämisse ausgehen. Ist es Lüge? Nicht unbedingt. Es ist mehr Selbstschutz. Aber spätestens im Fegefeuer werden die Schuppen vor Augen fallen und wird werden für alle Notlügen zur Rechenschaft gezogen. Ja, es ist schwierig wirklich in der Wirklichkeit zu leben.

 

IX. Kapitel

Alle diese Dinge, von denen bisher die Rede war, sind so, wie ich ihrer in meinem Geiste versichert worden bin, soweit ich es in diesem Leben verstehen kann, so überwältigend, daß jede Sicht dieses Lebens, jedes Wort, jedes Gefühl, jede Vorstellung, jede Gerechtigkeit, jede Wahrheit mir mehr Lüge als Wahrheit zu sein scheint. Ich bin von den Worten darüber, an deren Stelle ich keine kräftigeren finde, eher verwirrt als befriedigt und sage darum lieber nichts weiter mehr.

Alle diese Dinge, von denen ich gesprochen habe, sind im Vergleich zu dem, was ich in meinem Geist fühle, nichts, weil ich eine so große Gleichförmigkeit Gottes mit der Seele sehe, daß er ihr, wenn er sie in jener Reinheit sieht, in der er sie geschaffen hat, eine bestimmte Anziehungskraft verleiht, und einen solch verbindenden Liebesblick auf sie wirft und sie an sich bindet und an sich zieht in einem solchen Feuer der Liebe, das genügen würde, die Seele, die doch unsterblich ist, aufzulösen. Und diese göttliche Anziehungs-kraft bewirkt, daß die Seele so in ihren Gott umgestaltet wird, daß man meinen könnte, sie sei überhaupt nichts anderes als Gott. Er zieht sie beständig an sich und entflammt sie immer mehr und läßt darin nicht nach, bis er sie zu jenem Seinszustand gebracht hat, von dem sie ihren Ausgang genommen hat, das heißt zu jener lauteren Reinheit, in der sie geschaffen worden ist. Wenn die Seele kraft der inneren Schau sich von Gott durch ein so großes Feuer der Liebe angezogen fühlt, so zerfließt sie ganz in der Glut dieser feurigen Liebe ihres süßen Gottes, die sie in ihren Geist einströmen fühlt. Wenn sie dann in jenem göttlichen Licht sieht, wie Gott nie aufhört, sie an sich zu ziehen und sie liebevoll zu ihrer totalen Vollendung zu führen, und zwar mit so viel Sorge und Umsicht, und das alles nur aus lauter Liebe, wenn also die Seele das sieht und ihr Gott in seinem Lichte zeigt, daß sie sich in jenem Hindernis befindet, auf Grund dessen sie noch nicht dieser Anziehungskraft der einigenden Liebe Gottes, die er ihr zuwendet, folgen kann; und wenn die Seele dann auch noch einsieht, was es für sie bedeutet, noch zurückgehalten zu werden und das göttliche Licht noch nicht schauen zu können; und wenn dazu noch jener Drang in der Seele kommt, die ohne Hindernis sein möchte, um sich von dieser einigenden Liebe anziehen zu lassen, so sage ich, daß die Erkenntnis all dieser vorhin genannten Dinge das ist, was jene schmerzliche Qual erzeugt, die die Seelen im Fegfeuer erleiden.

Nicht als ob diese Seelen ihrer schmerzlichen Strafe, auch wenn sie überaus groß ist, besonderes Gewicht beimessen würden, es hat für sie viel mehr zu bedeuten, daß sie in sich noch jene Gegensätzlichkeit zum Willen Gottes vorfinden, den sie doch ganz klar von jener äußersten lauteren Liebe gegen sie entflammt sehen, die sie so stark mit jenem verbindenden Liebesblick anzieht, als habe sie überhaupt nichts anderes zu tun.

Darum würde die Seele, wenn sie noch ein weiteres Fegfeuer über diesem vorfände, in welchem sie noch schneller von diesem Hindernis befreit werden könnte sich sogleich mit dem Ungestüm jener Liebe, die zwischen Gott und der Seele Gleichförmigkeit herstellt, da hineinstürzen.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (8 von 21)

Was ist die wahre Barmherzigkeit? Die Qual des Fegefeuers. Stellen Sie sich vor: Es gäbe nur den Himmel mit seinen objektiven Anforderungen und darunter die Hölle. Die meisten von uns würden wohl in der Hölle landen. Wo erlebt man die reine Objektivität? Ebenfalls im Fegefeuer, denn die Seele sieht selbst:

„Ich bin noch nicht rein, ich bin noch nicht würdig, ich gehe nicht rein“.

Ist das nicht schön? Weil wir die objektive Wahrheit spätestens in unserer Todesstunde erleben werden, daher sollen wir uns darauf vorbereiten und das hilft kein Franziskus und keine Amoris Laetitia. Objektiv ist objektiv, Sünde ist Sünde und die Hölle ist sehr heiß.

VIII. Kapitel

Ich behaupte auch noch dies: Ich sehe, wie vonseiten Gottes das Paradies kein verschlossenes Tor mehr hat, denn wer eintreten will, der tritt auch wirklich ein, Gott ist ja lauter Barmherzigkeit und steht mit seinen uns entgegengestreckten Armen da, um uns in seine Herrlichkeit aufzunehmen.

Aber ich sehe auch, daß die göttliche Wesenheit von solcher Reinheit und Lauterkeit ist, und zwar weit mehr, als sich der Mensch überhaupt vorstellen kann, so daß die Seele, die eine so minimale Unvollkommenheit an sich hätte, als der kleinwinzigste Splitter groß ist, sich so schnell als möglich in tausend Höllen stürzen würde, um ja nicht mit diesem ganz minimalen Makel in seiner Gegenwart zu erscheinen.

Da sie aber sieht, daß das Fegfeuer dazu bestimmt ist, diese Makel zu beheben, so stürzt sie sich da hinein und es scheint ihr, große Barmherzigkeit darin anzutreffen, sich von dem in ihr vorhandenen Hindernis auf diese Weise befreien zu können. Von welcher Bedeutung die Läuterung im Fegfeuer ist, kann eigentlich keine Zunge schildern und kein Herz erfassen außer der Tatsache, daß das Fegfeuer eine ähnlich schmerzliche Strafe ist wie die Hölle; und doch sehe ich zugleich, das die Seele, die in sich eine solche Makel verspürt, die Qual des Fegfeuers als Barmherzigkeit Gottes entgegennehmen würde im Vergleich zu jener Makel, die sie in ihrer Liebe behindert.

Es scheint mir auch, daß die schmerzliche Strafe jener die im Fegfeuer sind, eigentlich mehr darin besteht, zu sehen, daß die Seele noch etwas an sich hat, das Gott mißfällt und das sie freiwillig gegen eine so große Güte Gottes begangen hat, als in irgendeinem anderen Schmerz, den sie im Fegfeuer zu erleiden hat. Und das kommt, wie ich sage, daher, daß die Seele im Gnadenstand ist und die wahre Bedeutung erkennt, die dem Hindernis zukommt, das sie noch nicht Gott nahekommen läßt.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (7 von 21)

VII. Kapitel

Außerdem sehe ich auch dies noch ganz klar: wie die reine Geistseele keinen anderen Ort für Ruhe findet als nur in Gott, das sie ja dafür geschaffen worden ist, so gibt es für jene Seele, die im Zustand der Sünde ist, keinen anderen Ort als nur die Hölle, weil Gott diesen Ort für sie bestimmt hat. Darum geht die Seele in jenem Augenblick, da sie vom Leib getretrennt worden ist, an den für sie bestimmten Ort, und zwar ohne einen anderen Führer zu haben als nur die Natur der Sünde; das ergibt sich für die Seele, die sich für die Seele, die sich im Augenblick ihrer Trennung vom Leib im Zustand der Todsünde befindet.

Und ich sage so: Wenn eine solche Seele bei jenem Schritt (aus dem Diesseits ins Jenseits) nicht von dieser göttlichen Anordnung getroffen würde, die aus Gottes Gerechtigkeit kommt, so würde sie in eine noch viel schmerzlichere Hölle geraten, denn sie würde sich dann außerhalb jener Anordnung befinden, die an der Barmherzigkeit Gottes Anteil hat, durch die verfügt wird, daß die Seele keine so schmerzliche Strafe erleidet, als sie tatsächlich verdienen würde. Da diese Seelen demnach keinen passenderen und keinen für sie weniger schmerzlichen Ort finden, stürzen sie sich gemäß der Anordnung Gottes, wie schon gesagt worden ist, dort hinab als an den für sie verfügten Ort.

So ist es nun auch bezüglich des Fegfeuers: Die vom Leib getrennte Seele, die sich noch nicht in jener Reinheit befindet, in der sie erschaffen worden war, stürzt sich, da sie das Hindernis, das sie in sich hat, erkennt und darum weiß, daß dieses Hindernis nur mittels des Fegfeuers behoben werden kann, so-gleich freiwillig dort hinein.

Und wenn sie diese göttliche Anordnung nicht vorfände, die bewirkt, jenes Hindernis in ihr zu besei-tigen, so würde für diese Seele in jenem Augenblick eine Hölle entstehen, die viel schlimmer wäre als dieses Fegfeuer, da sie sehen müßte, daß sie ihr Ziel, das Gott selber ist, wegen des vorhandenen Hindernisses nie erreichen kann, wo doch dieses Ziel so viel bedeutet, daß im Vergleich dazu das Fegfeuer, wenngleich es, wie gesagt, der Hölle ähnlich ist, dennoch wie ein Nichts wäre.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (6 von 21)

Was beschreibt die hl. Katharina hier? Die Sehnsucht, die absolute, alles verzehrende Sehnsucht, welche das Absolute und Unverfügbare sieht und es nicht habe kann. Wir alle waren doch schon in dieser Situation, dass wir uns nach etwas oder nach jemand verzehrt haben. Alles hing davon ab und es war unverfügbar. Sie standen mehrere Stunden in einer Schlage an und man hat ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Sie kommen nicht rein. Und dort drin findet es statt, alle sind da, die Anderen haben es, Sie jedoch nicht. Dieser Erlebnisse extrapoliert und zu n-ten Potenz gesteigert, geben die Sehnsucht im Fegefeuer wieder, welcher so starkt ist, dass sie weh tut.  Die Seelen wissen um den anwesenden, aber in der beseeligenden Anschauung unverfügbaren Gott, sie wissen um ihre Unwürdigkeit und sie verzehren sich nach Ihm. Aber Sie haben jetzt Einfluß auf Ihr Fegefeuer. Jetzt hindert Sie nichts Gott mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu opfern, denn nach dem Tod gibt es nur Gott und zwar für die Ewigkeit und dann werden Sie sehen, wie unsinnig Sie ihr Leben verbracht haben, indem Sie sich um unnütze Dinge kümmerten, welche Sie nur verunreinigt haben.

 

Vl. Kapitel

Trotzdem will ich ein Gleichnis anführen, das sich meinem Geist dargeboten hat: Wenn es auf der ganzen Welt nur ein einziges Brot gäbe, das allen Geschöpfen den Hunger stillen müßte, und wenn die Geschöpfe schon durch den bloßen Anblick dieses Brotes satt würden, und wenn der Mensch, der, solange er gesund ist, den Drang zum Essen hat, durch das Nicht-Essen weder krank würde noch sterben müßte, es würde dennoch in ihm der Hunger nach diesem Brot immer mehr wachsen, weil eben dieser Drang in ihm da ist; und wenn er weiß, daß nur jenes Brot ihn sättigen kann, und daß in ihm, wenn er dieses Brot nicht hat, der Hunger nicht gestillt werden kann, so würde er in einer unerträglichen Qual verbleiben. Je näher aber der Mensch diesem Brot käme, ohne es jedoch sehen zu können, desto mehr würde das natürliche Verlangen danach in ihm entbrennen, das ja durch seinen Drang ganz und gar auf dieses Brot hingerichtet ist und in welchem seine einzige Befriedigung bestünde; und wenn er die Gewißheit hätte, niemals dieses Brot sehen zu dürfen, so hätte er in diesem Augenblick die vollendete Hölle. Diese vollendete Hölle haben nun die verdammten Seelen, die jeder Hoffnung beraubt sind, je das wahre Brot, Gott, den wahren Heiland, zu schauen.

Die Seelen im Fegfeuer aber haben diesen Hunger, weil sie dieses Brot, durch das allein sie gesättigt werden können, noch nicht sehen, aber sie haben die Hoffnung, es einmal zu sehen und von ihm ganz und gar gesättigt zu werden. Darum sind sie, solange der Hunger nach diesem Brot in ihnen noch nicht gestillt ist, in der schmerzlichen Qual und Pein.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (5 von 21)

Was ist das Ziel des geistlichen Leben, was den Willen anbelangt? Eine Gleichförmigkeit des eigenen Willen mit dem Willen Gottes zu erreichen. Denn falls Sie es nicht zu Lebzeiten schaffen, haben Sie dafür das Fegefeuer, wo es um Wesentliches schmerzhafter sein wird. Sie sitzen dann in einem Feuerofen, bildlich gesprochen, und ihr „Rost“ wird gereinigt, ohne eine Möglicheit der Ablenkung, wie in diesem Leben. Gott bringt dort die Seelen auf seine „Betriebstemperatur“ oder genauer gesprochen, auf die Betreibstemperatur, die Gott für eine jede Seele vorausgesehen  und vorausbestimmt hat. Es ist diese Gleichförmigkeit, welche die Seele, wie einen Taucher, nach oben zieht. In diesem Leben auch und so kann man sich ein hartes Fegefeuer ersparen.

V. Kapitel

Die Seelen im Fegfeuer aber haben in allem ihren Willen dem Willen Gottes gleichförmig. Darum wirkt Gott auf ihren mit seiner Güte gleichförmigen Willen entsprechend ein. Und darum sind sie, was ihren Willen betrifft, zufrieden, da dieser ihr Wille (was die Sündenschuld angeht) gereinigt ist, sowohl von der Erbsünde als auch von persönlicher aktueller Sünde.

Was die Sündenschuld angeht, sind diese Seelen so gereinigt, daß sie rein sind wie damals, als Gott sie erschuf, denn sie sind mit Reue über alle ihre begangenen Sünden und mit dem Willen, nicht mehr zu sündigen, hinübergegangen. Auf Grund dieser Reue vergab Gott sofort die Sündenschuld. So verblieb ihnen nur der Rost und die Häßlichkeit, wie sie durch die Sünde in der Seele verursacht wurden. Davon aber wer-den sie nun gereinigt im Feuer der jenseitigen Läuterung.

Und da diese Seelen ganz und gar von jeder Sündenschuld gereinigt und dem Willen nach mit Gott geeint sind, sehen sie Gott klar gemäß dem Grad des Erkennens, den Gott ihnen gewährt; und sie sehen, was es Bedeutsames um den Genuß Gottes ist und daß die Seele gerade dazu erschaffen worden ist. So finden sie sich in einer ganz innig verbindenden Gleichförmigkeit mit ihrem Gott. Auf Grund dieser Gleichförmigkeit zieht sie der Drang, den die Seele zu Gott hin hat, so sehr zu Ihm hin, daß man keine Ausdrücke, Bilder oder Vergleiche aufzeigen kann, die fähig wären, diese ganze Angelegenheit so zu erklären, wie der Geist es tatsächlich fühlt und im inneren Gefühl begreift.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (4 von 21)

„Wie das Leben, so auch der Tod, wie der Tod, so auch die Ewigkeit“, sagt man. Warum? Weil der freie Wille im Moment des Todes „eingefroren“ wird und man ihn nicht mehr ändern kann. Man nimmt das mit, wie man zu Erdenzeiten gelebt hat. Deswegen ist die Möglicheit der Bekehrung auf dem Todesbett so trügerisch und unrealistisch. Mit jeder Entscheidung Ihres Lebens, mit jeder Sekunde kommen Sie entweder der ewigen Verdammnis oder dem Himmel, über das Fegefeuer, näher. Und in der Ewigkeit tragen Sie die ewigen Konsequenzen des Zeitlichen und werden denken, wie dumm Sie doch gewesen sind, sich um diesen Tand so zu kümmern. Und deswegen landen so viele Seelen durch dieses nachkonziliare Gerede in der Hölle, welches da lautet:

  • Schwamm drüber!
  • Gott wird doch nicht so sein!
  • Unbesiegbare Ignoranz!
  • Barmherzigkeit!
  • Die Hölle ist leer!
  • Wir werden schon alle, alle in den Himmel kommen!

Nein, das werden wir sicherlich nicht. Die meisten werden es nicht einmal ins Fegefeuer schaffen. Und was ist mit der unbesiegbaren Ignoranz? Wenn ich schon weiß, dass ich ignorant bin, dann ist meine Ignoranz doch nicht unbesiegbar, sondern ich mache mir etwas vor, wie damals in der Schule.  Der Schreiber dieser Zeilen schreibt diesen Kommentar am 10.11.2017, mitten in seinen anwaltlich-gerichtlichen Angelegenheiten. Er versucht sich wirklich gut zu informieren, um nicht unterzugehen und nicht über den Tisch gezogen zu werden. Und dabei ist es bloß „ein weltlich Ding“ und nicht die Ewigkeit. Wir alle sind doch so um das Irdische bemüht, wollen uns aber im Ewigen mit der unbesiegbaren Ignoranz herauswinden. Nein, so einfach wird es nicht gehen! Man wird jede Konsequenz einer jeden Tat tragen. Noch sind Sie am Leben, noch können Sie umkehren.

IV. Kapitel

Daraus ersieht man, was offenkundig ist, daß der gegen den Willen Gottes gerichtete verkehrte Wille das ist, was die Sündenschuld ausmacht. So lange dieser (in seiner Verkehrtheit) böse Wille andauert, dauert die Sündenschuld an. Und da jene, die in der Hölle sind, mit einem solchen bösen Willen aus diesem Erdenleben ins Jenseits hinübergegangen sind, ist ihre Schuld nicht nachgelassen, sie kann auch gar nicht nachgelassen werden, weil sie ja ihren Willen nicht mehr ändern können, mit dem sie aus diesem Erdenleben geschieden sind, nämlich mit einem solchen bösen Willen.

Jener Schritt (des Hinübergangs aus dem Diesseits ins Jenseits) verfestigt nämlich die Seele entweder im Guten oder im Bösen, je nachdem worin sie sich nach ihrem überlegten Willen befindet, wie geschrieben steht: „Wo Ich dich antreffe“, nämlich in der Todesstunde, im Willen zur Sünde oder in der Reue über die Sünde, „da werde Ich dich richten.“ Bei diesem Gericht gibt es keine Vergebung mehr, denn nach dem Tod ist der freie Wille nicht mehr wandelbar; er ist in dem fixiert, worin er sich im Augenblick des Todes befand.

Jene Seelen, die sich in der Hölle befinden, sind im Augenblick des Todes mit dem Willen zu sündigen angetroffen worden; so tragen sie nun endlos Schuld und Strafe in sich. Dabei ist die Strafe nicht einmal so groß, wie sie es verdient hätten, dennoch ist die Strafe, die sie abzubüßen haben, endlos.

Die Seelen im Fegfeuer aber haben an sich nur die Strafe, nicht aber die Sündenschuld, die ja in ihnen durch die Reue getilgt worden ist. Darum ist ihre Strafe nicht endlos, sondern begrenzt und endlich und wird, was die Zeit betrifft, wie gesagt, immer geringer. O Elend über alles Elend, das um so größer ist, je weniger es von der menschlichen Blindheit beachtet wird! Ich sage, daß die Strafe der Verdammten der Schwere nach nicht unendlich ist, weil die süße Güte Gottes die Strahlen ihrer Barmherzigkeit auch noch in die Hölle hineinsendet; der Mensch, der in der Todsünde stirbt, verdient an sich eine unendliche Strafe, die unendlich lange dauert. Aber Gott hat in seiner Barmherzigkeit nur die Dauer der Strafe unendlich gemacht, die Schwere der Strafe aber begrenzt. Gerechterweise hätte Gott eine viel schwerere Strafe verhängen können, als er wirklich verhängt hat.

Siehe, wie gefährlich die Sünde, die aus Bosheit geschieht, ist! Der Mensch bereut sie nämlich nur ganz schwer; und wenn er sie nicht bereut, bleibt die Sündenschuld für immer und sie dauert so lange, als der Mensch im Willen zur begangenen oder zur begehenden Sünde verbleibt.