Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (7) Schwächere Zensuren (ii).

ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

AL 298: „[…] Die Kirche weiß um Situationen, in denen » die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können « [Fußnote 329].[1] Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, » nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden [kann]. «[2] {N.B. Der letzte Satz in doppelten Anführungszeichen wird hier irreführenderweise für geschiedene und wiederverheiratete Paare angewendet, eine Stellungnahme des II. Vatikanischen Konzils, Gaudium et Spes, 51, die sich nur für gültig verheiratete Paare gilt.}

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass Behauptungen befürwortet werden, dass geschiedene und zivil wiederverheiratete Paare eine Verpflichtung zur sexuellen Treue zueinander haben, statt vielmehr zu ihren wahren Ehepartnern, oder dass ihr Leben  „als Bruder und Schwester“ entweder eine schuldhafte Gelegenheit zur Sünde gegenüber der vorausgesetzten Verpflichtung zur sexuellen Treue oder eine schuldhafte Ursache für eine Schädigung der Kinder darstellt:
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Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (6) Schwächere Zensuren (i).

ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

B. Aussagen, die unter eine schwächere Zensur fallen

12).

AL 295: „Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II. das sogenannte » Gesetz der Gradualität « vor, denn er wusste: Der Mensch » kennt, liebt und vollbringt […] das sittlich Gute […] in einem stufenweisen Wachsen «.[323] Es ist keine „Gradualität des Gesetzes“, sondern eine Gradualität in der angemessenen Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass freie Handlungen, welche die objektiven Anforderungen des Göttlichen Gesetzes nicht ganz erfüllen, moralisch gut sein können:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Erronea in fide.

ii). Scandalosa, prava.

1 Joh 3,4: „Wer sündigt, übertritt das Gesetz; denn die Sünde besteht in der Übertretung des Gesetzes.“

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Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (5). Zensuren: Häretische Sätze (iii).

ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

9).

AL 303: „ […] Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass das Gewissen wahrhaft beurteilen kann, dass Handlungen, die vom Evangelium verurteilt werden, und im Besonderen sexuelle Akte zwischen Katholiken, die nach einer Scheidung zivil wiederverheiratet sind, manchmal moralisch richtig oder von Gott befohlen sein können:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Scandalosa, prava, perversa, perniciosa, impia, blasphema. Weiterlesen

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (4). Zensuren: Häretische Sätze (ii).

ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

5)

AL 297; „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass kein menschliches Wesen je zur ewigen Strafe in der Hölle verdammt werden kann oder verdammt wird:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Scandalosa, perniciosa.

Mt 25,46: „Diese werden eingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.“

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Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (3) Zensuren: Häretische Sätze (i).

ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

Theologische  Zensuren der Sätze der Apostolischen Exhortation Amoris laetitia entnommen

 

A). Häretische Sätze

1).

AL 83; „[…] die Kirche […] lehnt [auch] nachdrücklich die Todesstrafe ab.“

Wenn es in diesem Sinne verstanden wird, dass es bedeutet, dass die Todesstrafe immer und überall ungerecht in sich selbst ist und daher nicht rechtmäßig von Staat verhängt werden kann:

[dann verdient diese Aussage die Zensur]

i). Haeretica, sacrae Scripturae contraria.

ii). Perniciosa. Weiterlesen

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (2). Die Gefahren von AL.

ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

 

Die Gefahren von Amoris laetitia

Die folgende Analyse negiert nicht den persönlichen Glauben von Papst Franziskus und stellt ihn auch nicht in Frage. Es ist nicht gerechtfertigt oder rechtmäßig, den Glauben irgendeines Autors auf der Grundlage eines einzigen Textes zu negieren, und dies ist besonders der Fall des Papstes im Fall. Es gibt weitere Gründe, warum der Text von Amoris laetitia nicht als ausreichender Grund verwendet werden kann zu behaupten, dass der Papst in Häresie gefallen sei. Das Dokument ist außerordentlich lang, und es ist wahrscheinlich, dass ein Großteil seines Originaltextes von einem Autor oder Autoren produziert wurde, die nicht Papst Franziskus sind, wie es bei den päpstlichen Dokumenten normal ist. Diese Stellungnahmen in [Amoris laetitia], die anscheinend dem Glauben widersprechen, könnten vielmehr ganz einfach auf einem Fehler von Papst Franziskus zurückzuführen werden als auf eine freiwillige Zurückweisung des Glaubens.

Was das Dokument selbst betrifft, so gibt es jedoch keinen Zweifel darüber, dass es eine ernsthafte Gefährdung für den katholischen Glauben und die katholische Moral darstellt. Es enthält viele Stellungnahmen, deren Unklarheit oder Zweideutigkeit Interpretationen erlauben, die gegen den Glauben oder die Moral sind, oder die einen Behauptung andeuten, die gegen den Glauben und die Moral ist, ohne dass sie es ausdrücklich festzustellen. Das Dokument enthält auch Stellungnahmen, deren natürliche Bedeutung Glauben und Moral entgegengesetzt scheinen. Weiterlesen

Unsere Erklärung zum Brief der 45. (2) Gesunden Menschenverstand ausschalten?

Champagne Gebet

Das Fragment des Briefes der 45 über die Gefahren von Amoris Laetitia enthält eine wertvolle Passage, welche man sowohl auf die Konzilsdokumente als solche als auch auf die gesamte nachkonziliare Theologie anwenden kann. Wenn Sie einem normalen Menschen, der mit einem gesunden Menschenverstand ausgestattet ist, eine vorkonziliare Dogmatik, Enzyklika oder ein anderes lehramtliches oder theologisches Schreiben vorlegen, so wird er zwar nicht alles verstehen, aber eine innere Logik dahinter feststellen und wenn es ein Mathematiker, Logiker oder Jurist ist, so wird er das logisch-juristische Machwerk oder das Know how dahinter zu schätzen wissen. Klar, kommunikativ, deutlich. So gut hatte es die Menschheit bis zum Jahre 1962 als die ersten Vat. II Dokumente herauskamen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte schon in seiner Jugend die Widersprüchlichkeit und ihre Mehrdeutigkeit beklagt, bekam aber zu hören, dass er:

  1. zu dumm,
  2. bösartig,
  3. theologisch ungebildet sei.

Er hatte das mit 15 oder 16 tatsächlich geglaubt, obwohl es bis auf 3. nicht stimmte. Aber diesselbe Argumente hörte er während seines Theologiestudiums und bei der Erwerbung der späteren akademischen Grade. Es war wirklich wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleider:

„Nein, der Kaiser ist nicht nackt. Denn nur die guten Beamten und die intelligenten Menschen können sie sehen. Wenn ihr sie nicht seht, dann seid ihr weder das Eine noch das Andere.“

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Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (1) Autorität von AL.

ZURBARÁN, Francisco de (Fuente de Cantos

Die Apostolische Exhortation Amoris laetitia: eine theologische Kritik

Die apostolische Exhortation Amoris laetitia, von Papst Franziskus am 19.März 2016 veröffentlicht und an Bischöfe, Priester, Diakone, geweihte Personen, verheiratete Christen und alle gläubigen Laien gerichtet, hat vielen Katholiken Leid und Verwirrung gebracht aufgrund ihrer offensichtlichen Nichtübereinstimmung mit einer Anzahl von Lehren der Katholischen Kirche über Glauben und Moral. Diese Situation stellt eine ernsthafte Gefahr für die Seelen dar. Denn, wie der Heilige Thomas Aquinas lehrt, Untergebene sind verpflichtet, ihre Oberen öffentlich zu korrigieren, wenn es eine drohende Gefahr für den Glauben gibt (Summa Theologiae, IIa IIae q. 33 a. 4 ad 2; a. 7 co.), und die katholischen Gläubigen haben das Recht und zuweilen die Pflicht, in Übereinstimmung mit ihrem Wissen, ihrer Kompetenz und Position, ihre Ansichten über Angelegenheit öffentlich zu machen, welche das Gut der Kirche betreffen (Kodex der Kirchenrechts, Kan. 212, §3), [und] katholische Theologen haben die strenge Verpflichtung, gegen die offensichtlichen Fehler im Dokument zu sprechen. Diese Stellungnahme zu Amoris laetitia ist dazu gedacht, diese Pflicht zu erfüllen und die Hierarchie der Kirche zu unterstützen, diese Situation anzusprechen. Weiterlesen

Brief der 45 – die Namensliste der Unterzeichner

francisco_de_zurbaran_-_the_prayer_of_st-_bonaventura_about_the_selection_of_the_new_pope_-_google_art_project

Anbei der Begleitbrief zu den theologischen Zensuren der 45 Theologen. Seien wir ihnen dankbar und beten für sie.

[An Kardinal Angelo Sodano, Dekan des Kardinalskollegiums]

  1. Juni 2016

Eure Eminenz,

als katholische Theologen und Philosophen, Kirchenhistoriker und Seelsorger schreiben wir Ihnen in Ihrer Eigenschaft als Dekan des Kardinalskollegiums, um Sie [darum] zu bitten, dass das Kardinalskollegium und die Patriarchen der katholischen Kirche gemeinsam tätig werden, um auf die Gefahren für den katholischen Glauben und Moral zu antworten, die von der Apostolischen Exhortation Amoris laetitia, erlassen von Papst Franziskus am 19 März 2016, ausgehen. Diese Apostolische Exhortation beinhaltet eine Anzahl von Aussagen, die in einem Sinn verstanden werden können, der sich gegen katholischen Glauben und Moral richtet. Wir haben die Natur und den Grad der Irrtümer aufgelistet, die Amoris laetitia zugeschrieben werden könnten. Wir fordern die Kardinäle und Patriarchen dazu auf, den Heiligen Vater zu bitten, die in dem Dokument aufgelisteten Irrtümer auf definitive und abschließende Weise zu verurteilen, und autoritativ festzustellen, dass Amoris laetitia nicht verlangt irgendeinen diesen Irrtümer zu glauben oder sie als möglicherweise wahr zu betrachten. Um der Bequemlichkeit der Patriarchen und der Mitglieder des Kardinalskollegiums willen, werden wir jedem von ihnen eine Kopie dieses Briefes und das Dokument, welchem er beigefügt wurde, zusenden. Weiterlesen

Unsere Erklärung zum Brief der 45. Die Ausgangslage.

Champagne Gebet

Wie die englischsprachigen Medien berichten, haben sich endlich 45 Theologen und Philosophen, eher weniger bekannt, dazu aufgerafft, den Papst zu zensurieren und die Zensuren mit eigenen Namen zu unterschreiben. Den Text selbst finden Sie hier, die Namensliste hier. Wir sind über diese Schreiben sehr froh und stellen wohl als die ersten eine deutschsprachige Übersetzung des Briefes der 45 ins Netz (in der Printversion ist sie in der Kirchlichen Umschau von September 2016 nachzulesen), obwohl die englische Sprache in den deutschsprachigen Landen wirklich nicht unbekannt ist. Warum tut es denn im Netz keiner außer uns? Weil man wohl Angst hat sich gegen den Papst zu stellen oder es einem egal ist. Uns ist es nicht egal und wir fürchten uns nicht, weil wir wenig zu verlieren haben.

Wie dem auch sei, wir versuchen uns bei unserer Übersetzung in die Lage eines sog. einfachen Lesers zu versetzen, der vielleicht überhaupt nicht studiert ist und schon gar nicht Theologie oder Kirchenrecht studiert hatte. Wir fragen uns also:

 „Wie viel wird er oder sie von diesem Schreiben verstehen?“

Und wir antworten uns selbst:

„Recht wenig.“

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