Christine Niles, Wand des Schweigens

Sich weigern, Fragen zu beantworten

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei dem Blogger und Gläubigen der Piusbruderschaft und Kirchfahrter Archangelus bedanken. Ohne seine Kommentare und Inspiration (Tertium non datur) wäre die Thematik der Piusbruderschaft auf unserem Blog nicht zur der richtigen Geltung gekommen. Vergelt’s Gott!

Dank der ausführlichen Recherche von Church Militant gehen uns die Piusbruderschaft-Beiträge nicht so schnell aus. Würde jemand ein Drehbuch mit einem ähnlichen Inhalt schreiben, so würde es ihm als „zu wirklichkeitsfremd“, „zu zynisch“ und „zu unglaubwürdig“ abgelehnt werden, weil „die Zuschauer es nicht glauben würden, dass der gute Bischof Fellay Sexualstraftäter dorthin versetzt, wo sie noch weiteren Missbrauch verüben würden“. Ja, Drehbücher müssen differenziert sein, Helden und Antihelden vermitteln und eine Moral haben. Ganz anders also als das Leben. Wer ist denn hauptsächlich an diesem Zustand der Missbrauchsbehandlung in der FSSPX schuld? Bischof Fellay, weil er 24 Jahre lang der Generalobere war und sich solche Distriktobere wählte, die mitmachten. Obwohl es kaum glaubhaft erscheint, so steht Bischof Fellay bei manchen der Piusanhängern tatsächlich im Rufe der Heiligkeit. Aber welche Moral muss man haben, um einen durch das eigene Tribunal verurteilten Sexualstraftäter in ein Jungeninternat zu versetzen? Es ist wirklich diabolisch oder auch eine Art der Belohnung, denn es gibt doch wohl noch ausreichend FSSPX-Pastoralstellen ohne die Notwendigkeit mit den Jungen unter einem Dach zu schlafen. Jedem das geben, was er möchte, um sich seine Loyalität zu sichern. Einfach furchtbar: schweigen, die Missetäter versetzen und die Sache aussitzen, wie in der viel geschmähten „Konzilskirche“. Und worin ist die FSSPX besser?

Die Gesellschaft des hl. Pius X. weigert sich, Fragen zu ihrer Mitschuld am sexuellen Missbrauch zu beantworten. 

Bischof Fellay – 24 Jahre lange der Generalobere der FSSPX

In einer Erklärung, die vor zwei Wochen veröffentlicht wurde (aber seitdem von der FSSPX-Website herunternommen wurde), versprach die FSSPX „Transparenz“ angesichts dokumentierter Fälle von Missbrauch und Vertuschung, die in der Spotlight-  Untersuchung von Church Militant am 22. April gemeldet wurden.

Entgegen diesem Versprechen hat die FSSPX angesichts mehrerer Medienanfragen nur Stillschweigen geboten.

Pater Frédéric Abbet, FSSPX, wegen Missbrauchs von Jungen an der FSSPX-Akademie in Brüssel schuldig befunden und zum Gefängnis verurteilt 

Am 30. April schrieb Church Militant an Bp. Bernard Fellay, der 24 Jahre lang Generaloberer der SSPX (1994–2018) war und einer Reihe der Missbrauchsfälle, die in unserem Exposé hervorgehobenen wurden, vorstand.

Church Militant stellte ihm Fragen insbesondere zum Fall des SSPX-Priesters P. Frédéric Abbet, einem verurteilten Pädophilen, der von einem belgischen Gericht wegen Missbrauchs von Jungen an einer SSPX-Akademie in Brüssel zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. 

Brief von Pater Christian Thouvenot, dem Generalsekretär der FSSPX, 
Einzelheiten zu den Maßnahmen von 2006 für gegen Pater Frédéric Abbet

Abbet hätte niemals Jungen in Brüssel missbrauchen können, wenn Fellay ihn nicht beauftragt hätte, unter demselben Dach wie Jungen an der L’École de Notre Dame zu schlafen – trotz Fellays Kenntnis früherer Missbrauchsvorwürfe im Wallis, Schweiz.

Tatsächlich verhängte ein FSSPX-Tribunal im Jahr 2006 ein 10-jähriges Verbot für Abbet, sich unbeaufsichtigt in der Nähe der Kinder aufzuhalten – ein Verbot, das fast sofort von Fellay selbst nur zwei Monate nach Erlass dieses Verbots verletzt wurde, der Abbets Verlegung in das Brüsseler Priorat Christi des Königs ankündigte, [und ihn] unter dasselbe Dach [versetzte] wie die Schlafsäle der Jungen.

Church Militant erhielt 2006 eine Kopie des Briefes über Abbets Einschränkungen, der auszugsweise wie folgt lautet:

„Trotzdem hielt es der Richter aus Vorsicht und angesichts des Verbrechensverdachts für notwendig, das künftige Apostolat von Pater Dr. Frédéric Abbet mit den folgenden Maßnahmen [zu versehen], die per Dekret am 6. Juni 2006 erlassen und der interessierten Partei am 27. Juli 2006 mitgeteilt wurden.“

Zu den Einschränkungen gehörten ein 10-jähriges Verbot der Internetnutzung, das Fellay aufgehoben hatte, sowie ein 10-jähriges Verbot, unbeaufsichtigt sich in der Nähe der Kinder aufzuhalten, wogegen das Fellay ebenfalls innerhalb von zwei Monaten verstieß.

Fellay war mehrere Male im demselben Priorat [d.h. Christkönigs in Brüssel], daher war ihm klar, dass jeder Priester dort Tag und Nacht direkten und einfachen Zugang zu den Schlafsälen der Jungen hat. Es wäre eine unmögliche Aufgabe gewesen die Bewegungen von Abbet zu überwachen.

Auf der zweiten Seite des Briefes (siehe unten) wird darauf hingewiesen, dass Fellay – ohne Erklärung – Abbets Verbot der Internetnutzung aufgehoben hat. Über die Sanktionen heißt es dort auch:

„Diese Maßnahmen wurden sowohl der interessierten Partei [d.h. Abbet] als auch seinen Vorgesetzten, Pater [Jürgen] Wegner [ehemaliger Bezirksoberer der Region BeNeLux] und dann [Pater Benoît] Wailliez, mitgeteilt. Ich selbst habe die schriftliche Liste dieser Maßnahmen am 21. Januar 2009 an Pater Benoît Wailliez, seinen Vorgesetzten weitergeleitet, und ich hatte die Gelegenheit, sie ihm am 1. Juli 2010 mitzuteilen.“

Seite 2 des Schreibens von Generalsekretär Fr. Christian Thouvenot macht klar, dass
die Maßnahmen gegen Pater Abbet Pater Jürgen Wegner und Pater Benoit Wailliez mitgeteilt wurden.

Trotz des Wissens über die Einschränkungen und über Abbets Erfolgsbilanz [in Sachen sexueller Missbrauch] in der Schweiz haben weder Wegner noch Wailliez Abbet beaufsichtigt. Wie die Familie des Opfers Church Militant mitteilte, hätten beide Männer beunruhigt sein müssen, dass Abbet in ihr Priorat verlegt wurde. Sie hätten ihre Bedenken äußern und den Auftrag ablehnen sollen, um die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder in ihrer Obhut zu gewährleisten. Weder taten sie dies, noch übten sie eine angemessene Aufsicht über Abbet aus (eine unmögliche Aufgabe, wie bereits erwähnt).

Pater Jürgen Wegner, ehemaliger Distriktsoberer
der BeNeLux-Region, jetzt Distriktoberer in den USA

Church Militant stellte Fellay mehrere gezielte Fragen, darunter:

  • Warum haben Sie das Verbot für P. Frédéric Abbet ignoriert, der sich 10 Jahre lang nicht in der Nähe von Kindern aufhalten sollte und ihn sofort in das Brüsseler Priorat versetzt, wo er unter demselben Dach leben würde wie Jungen, die er in der Zukunft missbrauchen würde?
  • Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihren Beitrag zur Gefährdung von Kindern in dieser Angelegenheit?
  • Haben Sie sich jemals bei den Opfern und ihren Familien entschuldigt, die durch den Missbrauch, den Abbet an ihnen begangen hat, am Boden zerstört sind?
  • Haben Sie entweder Pater [Jürgen] Wegner wegen der Versäumnis diszipliniert Pater Dr. Abbet, wie Sie es ihm befohlen haben, zu beaufsichtigen oder P. [Benoît Wailliez], weil er einen Mann, von dem er vermutete, dass er ein sexueller Raubtier ist, für den Schlafsaal der Jungen verantwortlich gemacht und belastende Beweise gegen Pater Dr. Abbet sechs Jahre lang zurückgehalten hatte?
  • Wo ist Fr. Abbet jetzt? 

Fellay hat nie geantwortet. 

Pater Benoît Wailliez, ehemaliger Prior der Brüsseler Kapelle

Zehn Tage später schickte Church Militant eine Folge-E-Mail mit weiteren Fragen:

An Bischof Fellay,

Es ist nun 10 Tage her, dass ich Ihnen geschrieben habe und noch keine Antwort erhalten habe. Ist dies die Art von „Transparenz“, die die Öffentlichkeit von der FSSPX erwarten kann?

Ich habe aus Gesprächen mit den Familien der Opfer erfahren, dass P. Abbet frei in der Schweiz herumstreift und keine Zeit im Gefängnis verbracht zu haben scheint.

Ich verstehe, dass die FSSPX Pater Dr. Abbet aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen hat.

Wird die Piusbruderschaft der Familie des Opfers helfen, den aktuellen Aufenthaltsort von Pater Dr. Abbet aufzuspüren? Da Sie in der Schweiz sind und viele Verbindungen haben, können Sie ihn sicherlich leicht finden und den Opfern diese Hilfe leisten.

Kritiker sagen, dass Sie vor allem am Missbrauch dieser jungen Opfer schuld sind, weil Sie es sind, die gegen das Verbot verstoßen haben, indem Sie Pater Dr. Abbet in ein Priorat mit direktem Zugang zu Jungen versetzten, wohl wissend, dass es unmöglich sein würde, jede seiner Bewegungen zu überwachen.

Sind Sie bereit, Verantwortung zu übernehmen, sich öffentlich bei den Opfern für das zu entschuldigen, was einige für Ihre kriminelle Fahrlässigkeit halten, und zurückzutreten?

Stört es Ihr Gewissen, dass Jungen von Pater Dr. Philippe Peignot, dessen Verbot [des Umgangs mit Kindern] Sie ebenfalls aufgehoben haben und dem Sie den Kontakt mit Jungen und das Führen von Pfadfinderlagern erlaubten?

Sind Sie bereit, Verantwortung zuzugeben, sich öffentlich bei den Opfern zu entschuldigen und dessentwegen zurückzutreten, was einige für Ihre kriminelle Fahrlässigkeit halten?

Warum haben Sie Pater Dr. Pierre Duverger in die USA versetzt nach seinem Sexskandal, in den in Frankreich eine Frau involviert war?

Warum haben Sie die Polizei nicht benachrichtigt, sobald Sie von den Vergewaltigungen durch Pater Dr. Christophe Roisnel hötren? Wie Sie wissen, verstößt die Nichtmeldung [von Verbrechen] gegen das französische Recht.

Wird die FSSPX eine Liste aller glaubwürdig beschuldigten Geistlichen, aktuell oder in der Vergangenheit, in einem Akt der Transparenz veröffentlichen?

Wir kennen viele andere Priester, die in Sexskandale verwickelt sind und die Sie in ein anderes Apostolat versetzt haben. Halten Sie es für richtig, beschuldigte sexuelle Raubtiere an neue Orte zu verlegen und ihnen neue [pastorale Aufgaben] zuzuweisen, wo sie häufig erneut Missbrauch verüben? Ist dies die akzeptierte Vorgehensweise innerhalb der FSSPX? 

Church Militant wartet auf Antworten auf diese Fragen.

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