Tradition und Glauben

Christoph A. Ferrara, Die Heiligsprechungskrise (1 von 8)

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Um auf eine konkrete Frage zu antworten, wie etwa:

 

„Was halten Sie von der Kanonisation von Paul VI ?“

muss man zuvor etwas sehr Gründliches schreiben. Dies hat bereits Christopher Ferrara von The Remnant getan, sodass wir es selbst nicht zu tun brauchen, sondern wieder einmal in der vorzüglichen Übersetzung von davilatollkuehn wiedergeben. Das Fazit zuvor: Eine Heiligsprechung wurde von den meisten Theologen als unfehlbar gesehen, wenn der Heiligsprechungsprozess, wie er bis 1983 vorgeschrieben war, tatsächlich durchgeführt wurde. Da aufgrund der apostolischen Konstitution Divinus Perfectionis Magister (25. Januar 1983) von Johannes Paul II. die Bestimmungen zur Heiligkeitsfindung dermaßen verändert wurden, so wissen wir seitdem wirklich nicht, ob es sich bei den Menschen die aufgrund dieser Bestimmungen selig- oder heilig gesprochen wurden, wirklich um Heilige handelt. Kein Prozess – keine Unfehlbarkeit. So einfach ist es. Schauen Sie sich doch die Liste der katholischen Heiligen des XX. Jahrhunderts an. Insbesondere derjenigen, die von Johannes Paul II. heiliggesprochen wurden. Sagen diese Namen Ihnen irgendetwas? Der Papst aus Polen hat sage und schreibe 482 Menschen heilig gesprochen. Dies ist mehr als alle Päpste zusammengenommen davor, seit ein Heiligkeitsprozess eingeführt wurde.

 

Wie ist es möglich?

Durch die Änderung des Beweisfindungsprozesses.

Warum hat man das getan?

Um zu zeigen, dass die Heiligkeit jedem zugänglich ist.

Ist sie dann etwas wert?

Nein. Wir sollten jede Vorbilder der Transzendenz verlieren, sowie jeglichen Tugendgrad. Das macht es Ihrem Novus Ordo Pfarrer leicht zu predigen: 

 

Aber eine alleinerziehende Mutter, die von H-IV lebt und einen Lebensabschnittsgefährten als Vater ihrer Kinder nach dem anderen wechselt, ist doch viel heiliger. Ein muslimischer Flüchtling auch. Wir sind alle Heilige, wir wissen es nur nicht.

Der Novus Ordo ist eine andere Religion. Mit anderen Dogmen (Klimaerwärmung, Migration, Miteinander), anderer Liturgie und anderen Heiligen. So einfach ist es. 

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Wird die Bergoglianische Dampfwalze die Rechtssicherheit der Unfehlbarkeit der Heiligsprechungen untergraben, indem sie Paul VI. zu Ehren der Altäre erhebt?

Geschrieben von Christopher A. Ferrara

Einführung:  Eine im Untergrund schwelende Debatte wurde wieder entfacht.

Die Hochgeschwindigkeits-Heiligsprechungen Papst Bergoglio`s von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. haben verständlicherweise dazu beigetragen, dass bei den Gläubigen die Besorgnis über die Zuverlässigkeit der „Heiligenfabrik“, die während der Herrschaft von Johannes Paul II. in Betrieb genommen wurde, wächst.  Johannes Paul kanonisierte mehr Heilige, einschließlich großer (Gruppen- (Anm. d. Übers.)) Heiligsprechungen, als die vorhergehenden siebzehn Päpste zusammen bis zurück zum Jahr 1588, als Sixtus V. die Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse gründete. Während Benedikt XVI. sich bemüht hat, die Produktion der Fabrik zurückzufahren, wurde die Herstellungen unter Bergoglio wieder angekurbelt, der in fünf Jahren 885 Heilige, darunter eine Gruppe von 800 italienischen Märtyrern wie am Fließband produzierte, im Vergleich zu 483 Heiligen während der gesamten 27-jährigen Regierungszeit von Johannes Paulus.  Fünf dieser bergoglianischen Neuzugänge wurden ohne dass ihnen auch nur ein einziges bestätigtes Wunder zugeordnet wurde, zu Heiligen erklärt.

Natürlich ist es unbestreitbar, dass die Kirche in jedem Zeitalter unzählige Heilige hervorbringt, auch Märtyrer, und dass die reichlichen Früchte der Gnaden, die sie zur Erhebung der Seelen zur Vollkommenheit vermittelt, anerkannt werden sollten, um die Gläubigen zu erbauen und zu ermutigen. Die Heiligsprechung ist jedoch traditionell solch einzigartigen Fällen der Heiligkeit vorbehalten, welche nach sorgfältiger Prüfung aufgrund des besonderen Beispiels, das jedes dieser bemerkenswerten Leben bietet, als Vorbilder für die Verehrung in der universalen Kirche gelten sollen. Nicht nur traditionalistische Kommentatoren stellen fest, dass durch die schiere Zahl der kürzlich promulgierten Heiligen dem eigentlichen Konzept der kanonisierten Heiligkeit eine radikale Abwertung droht. Sogar Kardinal Ratzinger schlug bereits 1989 vor, als er feststellte, dass viele von denen, die Johannes Paul II. selig gesprochen hatte, „der großen Menge der Gläubigen nicht viel zu sagen hatte“, dass denjenigen Vorrang gegeben werden sollte, die „wirklich eine Botschaft über eine bestimmte Gruppe hinaus vermitteln“.

Aber jetzt hat die scheinbar bevorstehende Heiligsprechung von Paul VI. nach der Approbation zweier angeblicher Wunder, die aufgrund der veröffentlichten Informationen entschieden weniger als ein Wunder erscheinen (was in Teil II dieser Serie diskutiert werden soll), eine weit verbreitete Ungläubigkeit über den Heiligsprechungsprozess selbst hervorgerufen, die sogar über die Skepsis hinausgeht, die die Heiligsprechungen von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. umfing.  Wie konnte derselbe Papst, der das entfesselte, was er selbst als „Geist der Selbstzerstörung“ in der Kirche zu schwach und zu spät beklagte, einschließlich einer „liturgischen Reform“, die zu dem führte, was Kardinal Ratzinger „den Zusammenbruch der Liturgie“ nannte, derselbe Papst, der sich fragte, wie „der Rauch des Satans“[1] während seiner turbulenten Herrschaft in die Kirche eingedrungen war, (Wie konnte derselbe Papst) als Vorbild für die katholische Tugend der Verehrung und als Nachahmung durch alle Gläubigen zu Ehren der Altäre erhoben werden?

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Um die Washington Post zu zitieren:

 

„Aber auf Gedeih und Verderb erzeugt Franziskus‘ Tendenz, die normalen Kanäle zur Bestätigung von Wundern zu umgehen, Unstimmigkeiten innerhalb der alten vatikanischen Mauern, während sie eine uralte Debatte über die Natur der katholischen Heiligen wieder in Gang setzt“[2]

Diese uralte Debatte umfasst zwei Fragen, die vom Lehramt noch nicht endgültig beantwortet wurden:  Erstens, ist die Unfehlbarkeit der päpstlichen Kanonisierungen de fide oder nur eine wahrscheinliche Meinung? Zweitens, wenn Heiligsprechungen unfehlbar de fide sind, unter welchen Umständen sind sie es dann, wenn man bedenkt, welch strenge Bedingungen für die päpstliche Unfehlbarkeit vom Ersten Vatikanischen Konzil unter Beobachtung dogmatischer Definitionen und nicht bestimmter historischer Umstände festgelegt wurden?

Die beiden Fragen können als eine zusammengefasst werden: Müssen wir glauben, dass jemand einfach und nur deshalb ein Heiliger ist, weil der Papst ihn durch die Rezitation der Heiligsprechungsformel für heilig erklärt hat, oder muss der Papst seine Entscheidung auf die vorherige Untersuchung nachprüfbarer Tatsachen stützen, so wie dogmatische Definitionen auf die Überprüfung der ständigen Lehre der Kirche vor der Definition gestützt werden

[1]   Im Gegensatz zur Verhöhnung neokatholischer Kommentatoren, die sich mit ernsthafter Forschung nie beschäftigt haben, ist dieser Hinweis nicht „apokryph“. Hier wurde von niemand weniger als Monsignore Guido Pozzo, Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, zitiert und findet sich in Paul VI., Insegnamenti, Ed Vaticana, Band X, 1972, S. 707.

[2] Anthony Faiola, „Als zwei weitere Päpste heiliggesprochen werden, stellt sich eine Frage: Wie wundersam sollten Heilige sein?“, Washington Post, 25. April 2014; zugänglich am 17. Februar 2018 unter https://www.washingtonpost.com.

Ursprünglich erschienen in The Remnant.

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