Tradition und Glauben

Crashkurs – Fegefeuer (1 von 3)

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Warum Fegefeuer?

Da wir alle aufgrund der angeblichen Corona-Krise wohl nicht an Allerseelen die Kirche gehen werden, so bleibt uns die nicht vorhandene Predigt über das Fegefeuer und die Armen Seelen erspart. Weil man weder im Religionsunterricht noch in der nicht vorhandenen Verkündigung etwas über das Fegefeuer hört, so bleibt diese Lehre den meisten Katholiken unbekannt oder sie wird in die Mummenschatz-Legendenabteilung verwiesen und mit dem „bösen, mittelalterlichen Ablasshandel“ verbunden. Daher unser Crashkurs zum Thema Fegefeuer, welcher, wie wir sehen werden, verschiedene Bereiche umschließt. Das Fegefeuer ist eine eschatologisch-metaphysische Tatsache, die wohl alle erleben werden, die nicht in der Hölle landen werden, denn direkt in den Himmel zu kommen ist besonders heutzutage extrem schwierig.

Warum?

Weil Gott die reinste Objektivität ist und von uns das Leben nach seinen objektiven Maßstäben fordert.

Und wenn wir diese nicht kennen?

Dann haben wir Pech, denn als vernünftige mit freiem Willen ausgestattete Leibwesen sind wir zur Wahrheitsfindung, was unser ewiges Heil angelangt, verpflichtet. Wenn Sie einen neuen Staubsauger brauchen, liebe Leserinnen und Leser, dann sind Sie ja allen Sonderangeboten hinterher. Das ewige Leben ist aber doch viel wichtiger als alles Zeitliche, das ja vergeht. Es gibt Möglichkeiten sich über den Glauben zu informieren, durch das Internet kann man wirklich an alle möglichen Informationen kommen, es gibt ja auch diesen Blog. Daher greift auch im Falle Fegefeuer die unbesiegbare Ignoranz nicht, auf die sich unsere lieben Geistlichen immer berufen, denn Faulheit und unbesiegbare Ignoranz sind nicht immer deckungsgleich.

Dogma vom Fegefeuer, Schuld und Sündenstrafen

Die Lehre vom Fegefeuer ist kein Volksglauben-Beiwerk, sondern ein Dogma, das folgendermaßen lautet:

Die Seelen, die im Gnadenstand aus diesem Leben scheiden, aber noch zeitliche Sündenstrafen abzubüßen haben, werden dem Fegefeuer, das ist einem vorübergehenden Zustand der Strafe und Läuterung überwiesen, bis sie für den Eintritt in den Himmel geeignet sind. De Fide[1]

Die Ablehnung des Fegefeuers resultierte daraus, dass man sich (1) entweder für so heilig hält wie Gott selbst ist oder (2) man der Meinung ist, dass „eine gute Beichte“ alle zeitlichen Sündenstrafen tilgt. Die erste Idee verwerfen wir sogleich und wenden uns der zweiten zu. Bei den Konsequenzen der Sünde hat man nämlich zwischen der Schuld (culpa) und der Strafe (poena) zu unterscheiden. Als Konsequenzen einer Todsünde oder einer zeitlichen Sünde bleiben in der Seele (a) der Zustand der Schuld (reatus culpae) und (b) der Zustand der Strafe (reatus poena) zurück. Denn sowohl die Todsünde als auch die lässliche Sünde ziehen eine (a) Schuld (culpa) als auch (b) eine Strafe (poena) nach sich, im Falle der Todsünde ist dies ewige Strafe (poena aeterna) in der Hölle, im Falle der lässlichen Sünde ist es die zeitliche Strafe (poena temporalis), die entweder hier auf Erden oder später im Fegefeuer abzubüßen ist. In der Beichte wird zwar die Schuld (culpa) und die ewige Strafe (poena aeterna), im Falle der Todsünde, getilgt, aber nicht die zeitlichen Sündenstrafen (poena temporalis), denn diese bleiben bestehen.[2]

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Warum?

Weil jede Sünde die Seele so verformt, dass in ihr die Konsequenzen der Sünden als Zustand der Schuld (reatus culpae) und der Zustand der Strafe (reatus poena) übrigbleiben. Der Schmutz der Sündenkonsequenzen bleibt so in der Seele haften, wie die Schmutzpartikel im Stoff. Man brauchte dann, wie uns die Waschmittelwerbung klarmacht, viele Waschvorgänge in einer heißen Temperatur, um das berühmte Laken aus der Werbung wirklich rein, nicht nur sauber, zu bekommen. Weil jede Tat für den Sünder, die Welt, andere Menschen und das spirituelle Gleichgewicht an sich Konsequenzen hat, so erlässt Gott die zeitlichen Sündenstrafen oft nicht. Er erlässt zwar nach Reue und Beichte die Schuld (culpa), aber ihre Konsequenzen und zeitliche Strafen (poena temporalis) bleibt für den Sünder bleiben bestehen. Wenn man jemanden mit einem Auto anfährt, dann bleibt der Angefahrene ein Krüppel. Auch Reue, Beichte und Entschuldigung ändert nichts an diesem Zustand, denn das Geschehene kann man nicht dadurch ungeschehen machen. Soviel zu Konsequenzen jeder Tat. Mit der zeitlichen Strafe meint man aber nicht nur die natürlichen Konsequenzen einer Tat, sondern von Gott eigens verhängte Strafen, die nicht auf das natürliche Ursache-Wirkung- Verhältnis zurückzuführen sind.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 1195.

[2] Beringer, Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch. Handbuch für Geistliche und Laien, Münster 1893, 2-3.

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