Das vatikanische Sodo-Staatssekretariat oder wie fing es an? Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. (2 von 3)

Der nächste Papst, welcher den Abstieg der Kurie ins Bodenlose möglich machte, war Johannes Paul II. Sicherlich werden innerhalb der nächsten Jahre und Jahrzehnte noch sehr viele Informationen über dieses Pontifikat ans Licht kommen, weil man zuerst Skandale produzierte, erlaubte, sie im Verborgenen hielt, um irgendwann mal sie offenbar zu machen und dadurch viele Seelen zu verderben. Durch die unberechtigte Heiligsprechung wurde vorerst der Deckel auf dieses Pontifikat getan, aber man hätte doch nicht eine solche blitzschnelle Kanonisation betrieben, um nichts dadurch zu gewinnen. Mit den Ausdrücken „man“ meinen wir alle jene Prälaten, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Kirche von innen heraus zu zerstören.

War Johannes Paul II. ein guter Papst?

Nein. Er war ein guter PR-Agent für das Vatikanum II. und ein guter Frontman der Novus Ordo Kirche. Er hat hier sein Leben darauf verwendet herumzureisen und die vermeintlichen Errungenschaften Zweiten Vatikanischen Konzils zu preisen, von denen wir jetzt nichts sehen. Seine eigentliche Aufgabe zu regieren und durch zu regieren, hat er schmählich vernachlässigt. Ann Barnhardt meint, dass wir einen Papst brauchen, den sie Pope-Son-of-the-Bitch-I nennt, was wir mit „Papst der harte Hund I.“ Übersetzen wollen. Jemanden also, der wirklich entlässt, durchregiert und die Köpfe vorerst metaphorisch rollen lässt, weil er von nichts und niemanden Angst hat, weil ihm Christus und seine Kirche am Herzen liegen und weil er nicht erpressbar ist. Dieses Bedürfnis eines harten Papstes erkannten schon am Ende der 1990-ger Jahre die Verfasser des Buches I Millenari, welches wir hier schon vorstellten und woraus wir schon Auszüge veröffentlichten. Bei den Verfassern handelte es sich Kurienmitarbeiter unter Johannes Paul II., welche die Hoffnung aufgegeben haben, dass unter ihm sich noch etwas zum Guten wendet. So widmeten sie ihr Werk dem nächsten Papst, der damit, wie sie hofften, etwas anzufangen wusste. Ironischerweise wurde ein langjähriger Kurienmitarbeiter – Kardinal Joseph Ratzinger – zum nächsten Papst gewählt, der mindestens so gut wie die Millenari über die vatikanischen Interna Bescheid wusste. Er gab auf und lief vor dem Feind davon. Die Konsequenzen davon tragen wir alle. Wir fügen hier die Ausführungen von den Millenari deswegen an, weil sie eine dermaßen brillante Analyse des Pontifikats von Johannes Paul II. darlegen, wie es gar nicht besser geht. Um es kurz auf den Punkt zu bringen, lautet sie wie folgt: Johannes Paul II. hat aufgrund seines extrovertierten Pontifikats innerhalb der Kurie ein Machtvakuum entstehen lassen, welches sich schnell mit den absolut schlechtesten Typen und Eigenschaften füllte. Er wusste was vor sich ging, tat aber nichts dagegen. Er war sicherlich zu schwach, zu uninteressiert, vielleicht aber auch erpressbar. Sicherlich war er in den 1990-gern aufgrund seines exzessiven Lebenswandels nicht mehr körperlich in der Lage die Kirche effizient zu leiten. Aber in dieser Lage hat er sich doch selbst gebracht, denn man kann ihm doch nicht vorwerfen, dass er zu all den vielen Auslandsreisen und Events durch schwere Prügelstrafe gezwungen wurde. Er wollte Publikum und Action und seiner Meinung nach war das seine päpstliche Aufgabe. Er irrte darin und es sind wieder wir, die wir die Konsequenzen davontragen. Lesen wir dazu die Ausführungen der Millenari:

„Der größte Papst der Zukunft wird derjenige sein, der die Kühnheit besitzt, alle in Purpur gekleideten Schneiderpuppen, die zur Zeit den Saal des Kardinalskollegiums schmücken, aus dem Atelier der Kirche zu entfernen – vorausgesetzt, er ist wachsam, denn sonst ist es wahrscheinlich, dass der Satan ihn eher als jene aus dem Kollegium vertreibt versteht er sich doch mit einigen von ihnen ganz ausgezeichnet.“ […][1]

Man muss dazu leider sagen, dass kein Papst das Kardinalskollegium dermaßen anwachsen ließ wie Johannes Paul II. Wozu eigentlich? Wohl deswegen, um die global- nachkonziliare Entwicklung zu belohnen und bei den Bischöfen und Kardinälen beliebt zu sein. Will man effizient regieren, so muss man sich das Beliebt-Sein-Wollen gründlich abschminken. Das wusste schon Machiavelli, dass es für einen Fürsten viel sicherer ist ständig gehasst als mal geliebt und mal gehasst zu werden.

„Es ist eine Vetternwirtschaft nach allen Regeln der Kunst, die der Papst ganz genau kennt, doch fehlt ihm der Mut, die Peitsche zu schwingen, um die Ränkeschmiede aus der Kurie zu verjagen. Er hat verstanden, dass das Spiel ihn aus der zitternden Hand gleitet, der es an Festigkeit fehlt, um diese Hemmungslosen zu entfernen, die er selbst mit so viel purpurner Macht ausgestattet hat. Obwohl er sie sehr gut kennt, tut er als rechter Duckmäuser so, als erachte er sie für etwas, was sie nicht sind. »Was soll ich denn tun?« Vertraute sich Johannes Paul II. einer ihm nahestehenden polnischen Person an. »Zu viele sind beschuldigt, und sie stehen zu weit oben; ich kann sie nicht alle und in so kurzer Zeit entmachten. Die Presse würde überhaupt nicht mehr aufhören, darüber zu schreiben.« Sicher! Die Geschichte kann warten. Hauptsache, die Skandalchronik bekommt keinen Stoff.“[2]

Wir sehen also, dass nicht nur Benedikt zu schwach war. Johannes Paul II. war es auch. Ihn kümmerte das Urteil der weltlichen Presse, denn er war um seine PR besorgt. Deswegen liebte er den einfacheren Weg und seine Gäste, hauptsächlich aus der Heimat. Jugendfreunde, Weggefährten, wen auch immer, Hauptsache sie boten Zerstreuung von den schweren Amtspflichten. Half alles nichts, so wurde die nächste Papstreise nach Timbuktu vorbereitet, welche mit Vor- und Nachbereitung auch viel Zeit in Anspruch nahm. Und im Innenraum des Vatikans regierten diejenigen, die regieren wollten, zum Nachteil der Kirche und mit der Duldung des reisenden Papstes. Aber in solch einem maroden System, welches wirklich von oben nach unten, denn hierarchisch gemacht wird, da das Desinteresse vom Papst kommt, überleben nur die Stromlinienförmigen, die Bösen oder jene, denen alles gleich ist. Alle anderen suchen das Weite! Dann hat man gar keine guten und integren Männer mehr, mit denen man sich hätte umgeben können. Denn zur Integrität gehört auch der Mut die Wahrheit zu sagen.

„Aus dem päpstlichen Jahrbuch schreibt der Papst sich heute die Namen jener Clique intriganter Kardinäle und Würdenträger heraus, die in allen Kongregationen der Kurie präsent sind: Achille Silvestrini, Pio Langhi, Vincenzo Fagiolo, Luigi Poggi, Carlo Furno, Gilberto Agustoni, Dino Monduzzi, Giorgio Mejia uws., Welche die einstige Macht Baggios und Casarolis geerbt haben und weiterhin ausüben. Aufgrund solcher Konkurrenzsysteme und -kompromisse befinden sich unter den gegenwärtigen Exzellenzen und Eminenzen Elemente von niedrigem kulturellem Niveau und geringer geistiger Essenz.“ [3]

„Schön und gut, sagen einige Vatikanforscher, aber all diejenigen, die sich heute auf den höchsten Ebenen befinden, sind vom gegenwärtigen Papst [Johannes Paul II.] während seines langen, mehr als 20-jährigen Pontifikats gewollt und zu Kardinälen und Bischöfen gemacht worden es wäre einfacher gewesen, sie nicht zu ernennen, statt sie jetzt abzusetzen. […]

Wenn die Kardinalpräfekten der Kurienkongregationen gebildet und stark sind, kann der Papst sich den Luxus erlauben, schwach zu sein. Wenn die Leiter der Kongregationen dagegen schwach sind und gewisse Machenschaften ihrer Untergebenen stillschweigend dulden, dann muss der Papst stark sein, gegebenenfalls bis hin zum extremen Mittel der Entfernung.“ [4]

Das ist sehr gut beobachtet, dass man nur dann schwach sein kann, wenn man exzellente Mitarbeiter hat, welche einem die Verantwortung tatsächlich abnehmen und diese Verantwortung nicht zum Nachteil des Vorgesetzten einsetzen. Aber wer hat wirklich solche Mitarbeiter?

„[…] Die Kurienkardinäle wissen, welche Karten sie ausspielen müssen. Um ein Machtvakuum im Inneren zu schaffen, bereiten Sie den Papst, dessen Schwäche sie erraten darauf vor, sich in den Strudel der immer zahlreicheren apostolischen Reisen ziehen zu lassen, und im Gefolge schicken sie seine beiden nächsten Mitarbeiter, den Staatssekretär und den Stellvertreter, mit, damit auch sie sich nicht mehr in Angelegenheiten der Kurie einmischen können. Sie bedrängen den Papst obsessiv mit den Außenbeziehungen, um sich selbst die Verwaltung der Beziehungen im Innern der Kurie vorzubehalten und die Kirche stellvertretend zu leiten.“ [5]

Gut und präzise beobachtet, aber Johannes Paul II. war doch kein Opfer seiner Umgebung. Er hatte die Amtsgnade, jede mögliche aktuelle Gnade von Gott her und so viele Menschen, die den Hasen spickten oder auch nicht, haben für ihn gebetet.

„Nach diesem Modell werden die Begegnungen zwischen Massen und Papst vorbereitet: Millionen tanzender Jugendlicher, im Rampenlicht stehende VIPs, die aus allen Himmelsrichtungen herbeieilen, herzzerreißende Musik jeder Richtung. Doch wenn die Vorsehung dann mit ihrer Hand schreiben will, wird sie einen Weg finden, das launenhafte des Augenblicks auszulöschen.“[6]

Sicherlich war Johannes Paul II. von sehr intelligenten Menschen umgeben, welche genau wussten, wie er zu handhaben ist, damit er letztendlich ihnen gehorcht. Man brauchte wirklich nichts Besonderes zu tun als ihn seinen Neigungen zum Bühnenauftritt nachgehen zu lassen. Vielleicht ist er auch deswegen zum Papst gewählt worden.

„Oh, welche Ekstase hat der Augenblick der großen Menschenmengen, der Aufmarsch auf den Plätzen der Triumphzüge, die diejenigen, die sie vorbereiten, und die vorbeiziehende umjubelte Person in Entzücken versetzen, zu jeglicher Zeit ausgelöst! Alle Regime haben davon profitiert, selbst um Repression und Gewalttätigkeit zu rechtfertigen. Jüngere Beispiele liegen erst wenige Jahrzehnte zurück, und es ist unzulässig diese bittere Lektion zu vergessen.“

Der Vergleich mit totalitären Regimen ist durchaus zulässig und gelungen. Es hat ja deswegen solche Aufmärsche gegeben, weil man die triste und gewalttätige Wirklichkeit schönreden wollte. Wenn etwas gut und wunderbar ist, dann brauchte man es nicht als solches zu zelebrieren. Deswegen finden immer noch die größten und schönsten Paraden in Nordkorea statt. Vatikanum II. war eine Revolution und diese Revolution wurde hauptsächlich unter Johannes Paul II. in einer absolut sozialistischen Manier zelebriert. Dieselben Menschenaufläufe, dieselben Plakate, dieselbe Massenbeglückung, dasselbe Miteinander der Volksgemeinschaft. Das hat es doch tatsächlich in der Kirche bis in die 1920-er Jahre, als die katholische Aktion als Gegenmittel zu den totalitären Bewegungen aus dem Boden gestampft wurde, nicht gegeben. Die Kirche hatte ihre Riten und ihre Prozessionen, aber doch nicht ausschließlich und nicht rund um die Uhr. Als die Riten durch die Liturgierevolution wegfielen, brauchte man einen Ersatz, um sich wichtig und priesterlich zu fühlen. Statt des aufwändigen Zeremonials der päpstlichen Liturgie, der Vetus Ordo natürlich, kamen die päpstlichen Reisen und die päpstlichen Tage von irgendwas. Die Menschen waren danach müde, der Papst auch.

„Sie sind dann zurück, benommen von ihrer triumphalen Kraftprobe, benommen von dem Bad in der Menge, die Hosiannarufe der begeisterten Völker noch in den Ohren, dann ist es Ihnen physisch unmöglich, die Hofintrigen zu entdecken, denn selbst wenn sie von ihnen ahnen, sind sie ihnen doch nichts im Vergleich zu der Apotheose durch die jubelnden Massen die sich wie eine Flut von Regenwasser in einer sich niemals füllenden Regenrinne über sie ergießt. Sollen die Missbräuche also ruhig durchgehen, soll sich die römische Kurie doch allein arrangieren, ich gehe zu zur Kirche der Völker.“[7]

Wie missachtet, verachtet und überflüssig mussten sich doch die Kurienmitarbeiter unter Johannes Paul II. vorgekommen haben. Das eigentliche war nicht ihre trockene und benediktinische Arbeit. Das eigentliche war die Show. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) sah einmal eine Dokumentation über die CIA, wo sich die verschiedenen, hochgestellten CIA-Agenten darüber beschwerten, dass die wenigsten amerikanischen Präsidenten sich für ihre Arbeit interessierten oder gar diese zu schätzen wussten. Die schwierige Aufgabe des jeweiligen CIA-Chefs bestand darin dem jeweiligen Präsidenten irgendetwas zu vermitteln, was dieser interessant finden konnte. Diese Erfahrung musste auch manch einer Kurienmitarbeiter unter Johannes Paul II. gemacht haben. Es muss extrem frustrierend gewesen sein.

„Die systematische Veranstaltung von Aufmärschen nach Altersgruppen und sonstigen Kriterien – der Tag der Kinder, der Jugendlichen, der Kranken, der Arbeiter (der Arbeitslosen nicht), der Familien usw. – nur um die Plätze das ganze Jahr über zu füllen, zeigt nicht das wahre Gesicht der Kirche Christi. Es ist eine geschminkte Fassade, welche die Falten des Verfalls verbirgt, genau wie die plumpe Materno-Fassade der heiligen Peterskirche die trotz aller Nachbesserungen doch niemals deren mächtigen Bau verbergen wird.

Unterdessen aber werden die Pfarrer von jenem Haufen gewählt. […] Von dem Machtvakuum im Inneren profitierend, gelingt es den Kurienkardinälen, stapelweise Aktenvorgänge zu den unglaublichsten Projekten und Vorschlägen vorzubereiten, diese sodann dem Papst zu unterbreiten sind. Kehrt dieser ruhmbekleckert, aber müde und zerstreut mitsamt seinem Gefolge zurück, so unterzeichnet er sie, ohne sich der tückischen Machenschaften bewusst zu werden. Sie wissen genau das ist im alten Papst physisch unmöglich ist, die auf dem Vermerk zum Aktenvermerk genannten Namen auch nur zu überfliegen.“[8]

Ja, liebe Leserinnen und Leser. Dafür, dass ihr jetziger Pfarrer nichts taugt, ist langfristig Johannes Paul II. verantwortlich. Denn er hat solche Bischöfe bestimmt, welche Ihren Pfarrer ausbilden und weihen ließen. Und wir sind es wieder, die diese Suppe auslöffeln müssen. Die oben angeführte Passage erklärt auch die grottenschlechten Ernennungen des johanneo-paulinischen Pontifikats. Er hat schlichtweg die Akten nicht gelesen, sondern gleich unterschrieben, weil er zu müde oder zu gelangweilt davon war. Da wartete doch schon die nächste Pilgergruppe, das nächste Mittag- oder Abendessen mit Freunden, die nächste singende Jugendgruppe vor dem Palastfenster. Wer wird dann noch die Akten lesen wollen? Man machte sich auf über den österreichischen Kaiser Franz Joseph II lustig, welcher von morgens bis abends die Akten durcharbeitete und der höchste Beamte seines Staates war. Wenigstens so viel konnte er und zu seinen Lebzeiten ist die Monarchie nicht untergegangen.

Aber kommen wir jetzt zu der Beantwortung der Ausgangsfrage zurück wie sich im Jahre 2019 im vatikanischen Staatssekretariat die Homomafia einnisten konnte? Weil sie dort mindestens seit der Regierungszeit von Paul VI. vorhanden war und durch das sehr lange Pontifikat von Johannes Paul II. ihren Einfluss ausbauen konnte.

[1] I Millenari, Wir klagen an, Berlin 20012, 72-73.

[2] Ebd., 73

[3] Ebd., 73.

[4] Ebd., 74

[5] Ebd., 75.

[6] Ebd., 75.

[7] Ebd., 75-76.

[8] Ebd.,, 76

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