Die katholische Sehnsucht nach einem geistlichen Vater

Dr. Taylor Marshall sagte einmal in einem seiner Gespräche mit Timothy Gordon, dass wir als Katholiken an einem dermaßen starken Vaterkomplex und Vaterwunsch leiden, wie es die Kinder im Waisenhaus tun. Wenn man sie besucht, so Marshall, dann fassen sie jeden Mann bei der Hand und fragen traurig:

Bist Du mein Daddy?

DSDZ war noch in keinem Waisenhaus, weiß aber von einem Theologen, der als Erzieher, d.h. männliche Kindergärtnerin, gejobbt hatte, dass die Kinder solch ein starkes Bedürfnis nach einem Vater hatten, dass sie ihn ständig umringten und niemals von ihm genug haben konnten. DSDZ hat auch von Menschen gehört, welche in Tierheimen waren und völlig unerwartet mit einem Hund nach Hause kamen, weil sie diesen bittend-traurigen Anblick nicht ertragen konnten.

Was hat das mit uns zu tun?

Dass wir uns nach einem geistlichen Vater verzehren und sehnen, dass wir jeden, der irgendwie vom Weiten nur diesen Eindruck zu erwecken scheint, zum “wahren katholischen Priester” hochstilisieren. In strengen Hierarchien, wie Militär, Polizei oder der Kirche macht die Hierarchie und die Unterordnung nur dann Sinn, wenn die Oberen wirklich das sind, was sie vorgeben zu sein. Der Offizier muss einfach besser und im Militärischen geübter sein als der einfacher Soldat, weil ihm sonst der einfache Soldat irgendwann nicht gehorchen, sondern ihm schließlich hinterrücks in den Rücken schießen wird. Daher ist die Erwartung der katholischen Laien, dass die Geistlichen endlich etwas gegen Bergoglio unternehmen sollen völlig legitim und nachvollziehbar. Denn es ist ihr Job! Ihre Aufgabe! Sie sind geweiht, der weltlichen Sorgen fern, sie leben von unserem Geld respektive der Kirchensteuer, sie belehren uns und geben uns Bußen auf. Sie sind unsere Väter und wir sollen uns ihnen unterordnen im Herrn. Sie sind nicht Menschen, wie andere auch, denn sie sind ein alter Christus – ein anderer Christus. Und daher verursachen sie, wie Pater Dreher FSSP solch ein Ärgernis, wenn sie nicht einmal eine fertige Petition unterschreiben können. Wenn es den Bischöfen und den Priestern wurscht ist, warum sollte es uns Laien kümmern? Während man von den Novus Ordo Priestern nichts besseres gewohnt ist, so repräsentierten die FSSP, die anderen Ecclesia Dei-Gemeinschaften und die FSSPX nach ihren eigenen Aussagen “das wahre katholische Priestertum”. Und wo sind sie? Nirgends. Während die Amerikaner von der FFSP noch unterschreiben, tun es die Deutschen und die Europäer nicht. Die FSSPX auch nicht.

Man sollte an einer Unterschriftenaktion nicht alles aufhängen?

Wirklich, aber es ist nicht die einzige. Es gab auch welche zuvor. Man kann ja eine eigene Aktion, die was kostet starten und nicht die Gläubigen zur Sühne für Bergoglio und die Unterlassungssünden der Geistlichen aufrufen, wie es Bischof Schneider tut. Jetzt hat Bergoglio eine Götzenverehrung eingeleitet, durchgeführt und begünstigt. Legen wir die Latte wieder zu hoch? Was soll da noch kommen? Erinnern wir uns:

  • Die Existenz der Hölle – verleugnet (Scalfari-Interview)
  • Eucharistische Realpräsenz – verleugnet (Telefonat mit einer Frau in Argentina: “Ein bisschen Brot und Wein schadet nicht”)
  • Göttlichkeit Christi – verleugnet (Scalfari-Interview)
  • Leibliche Auferstehung Christi – verleugnet (Scalfari-Interview)

Die Existenz Gottes indirekt verleugnet (“Es gibt keinen Gott, nur Vater, Sohn und Geist”), also weg vom Monotheismus zum Tritheismus hin? Was bleibt da noch übrig? “Der Papst ist nicht so wichtig”, sagen sie, “mein Einkommen ist mir wichtiger”, meinen sie und ohne Posten kein Einkommen. Sollte ein Priester a divinis suspendiert werden, dann muss er sich einen Brotberuf suchen. Interessanterweise haben diejenigen Priester kein Problem damit, die das Priestertum wegen “der Liebe zu einer Frau/Mann” verlassen. Dafür haben ihre Ordinariate und ihre Gläubigen das vollste Verständnis. Aber etwas für den Glauben und Christus zu riskieren, das geht natürlich zu weit. Nicht jeder ist zum Helden geboren. Dies stimmt, aber mit viel Übung kann man zu einem Helden werden.

Wir hegen die Sehnsucht nach den Vätern im Glauben, weil wir keine haben. Wir werden unsere Hände nach weiteren “Männern Gottes” ausstrecken, um immer wieder enttäuscht zu werden. Alle sind umgefallen, alle verließen Christus  … wie damals im Ölgarten.

 

 

 

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