Der Wille Gottes Teil 10

Wir müssen ganz besonders die Ergebung in Gottes heiligen Willen in den Krankheiten und körperlichen Schwächen üben; denn wir müssen sie gerne annehmen, so wie Gott sie will und wie lange Er sie will. Ohne Zweifel dürfen wir die gewöhnlichen Heilmittel gebrauchen; denn das ist auch der Wille Gottes. Aber, wenn uns die Heilmittel nichts nützen, vereinigen wir uns mit dem Willen Gottes, der uns viel mehr nützen wird als die Gesundheit. „Herr“, so werden wir dann sagen, „ich will weder gesund werden, noch krank bleiben: Ich will einzig und allein, was Du willst.“

Sicher ist es eine große Tugend, sich in seiner Krankheit nicht über die Leiden zu beschweren; doch, wenn diese Leiden groß und niederdrückend sind, so wäre es keine Unvollkommenheit, dies den Freunden bekannt zu machen, noch wäre es eine Unvollkommenheit, den Herrn zu bitten, uns davon zu befreien. Ich spreche von den großen Leiden. Dagegen ist es ein sehr beträchtlicher Fehler, wenn man, wie gewisse Leute, wünscht, daß alle Welt uns bei den geringsten Schmerzen und den kleinsten Übeln ihr Mitleid bezeugen soll.

Übrigens hat unser Herr selbst, als Er sich am Anfang Seiner bitteren Passion sah, Seine Qualen Seinen Jüngern geoffenbart: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod … „und Er bat Seinen Vater, dieses äußere Leiden von Ihm zu entfernen: „Mein Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an Mir vorübergehen!“ Aber derselbe Jesus hat uns auch gelehrt, was wir nach einem solchen Gebet zu tun haben: uns sofort in den göttlichen Willen zu ergeben, indem Er hinzufügt: „aber nicht, wie Ich will, sondern wie Du willst.“

Es gibt Leute, die wollen die Gesundheit haben; aber, so sagen sie, nicht deshalb, um nicht zu leiden, sondern, um Gott besser dienen zu können. Wenn es ihnen gut geht, dann könnten sie die Regel beobachten, sich der Gemeinschaft nützlich machen, in die Kirche gehen, zur hl. Kommunion gehen, Buße tun, sich dem Studium widmen, am Heil der Seelen arbeiten durch Beichthören und Predigen. Diese Leute irren sich aber schwer. Dem, der so spricht, antworte ich: „Liebe Seele, sage mir, warum möchtest du alle diese Dinge tun? Um Gott zu gefallen? Warum suchst du dir noch etwas aus, wenn du doch weißt, wo für dich der Wille Gottes liegt? Er ist nicht in den Kommunionen, den Bußen, den Studien und Predigten, sondern hier: im geduldigen Ertragen der Krankheiten und Schmerzen, die Gott dir schickt. Also denn, vereinige deine Leiden mit den Leiden Jesu Christi!“ —

Aber, was mir Kummer macht, das ist, daß ich mit dieser Krankheit unnütz bin für die Aufgabe in der Gemeinschaft und in meiner Familie.“ — Dann ergebt euch eurerseits in den Willen Gottes, und glaubt, daß eure Eltern und eure Oberen sich gleichfalls in den Willen Gottes ergeben. Sie sehen sehr wohl, daß es nicht eure Faulheit ist, sondern der Wille Gottes, der dem Haus diese Bürde auflädt. Kurzum, diese Wünsche und Klagen kommen nicht von der Liebe zu Gott, sondern von der Eigenliebe, welche der Vorwand ist, um euch dem Willen Gottes zu entziehen.

Wollen wir Gott gefallen — dann richten wir an Ihn, wenn wir ans Bett gefesselt sind, dies einzige Wort: „Dein Wille geschehe!“ Wiederholen wir dieses Wort ohne Unterlaß hundertmal, tausendmal! Durch dieses einzige Wort werden wir Gott mehr zufriedenstellen als durch alle möglichen Abtötungen und Andachtsübungen. Es gibt kein besseres Mittel Gott zu dienen, als freudig Seinen heiligen Willen zu umfassen.

Der sel. Johannes von Avila schrieb einem kranken Priester: „Mein Freund, macht euch nicht damit müde, euch vorzustellen, was ihr tun würdet, wenn ihr gesund wäret. Begnügt euch damit krank zu sein, solange es Gott gefallen wird. Wenn ihr den Willen Gottes sucht, dann ist die Gesundheit für euch nicht von größerem Interesse als die Krankheit.“

Man kann es nicht besser sagen; denn Gott zieht Seinen Ruhm nicht aus unseren Werken, sondern aus der Ergebung und Gleichförmigkeit mit Seinem göttlichen Willen. Daher ist auch das Wort des hl. Franz von Sales verständlich, „. . . daß man Gott mehr und heiliger dient im Leiden als im Handeln.“

Oft werden uns die Ärzte und die Medizin fehlen, oder der Arzt wird unsere Krankheit nicht finden. Auch da müssen wir uns noch mit dem göttlichen Willen vereinigen, der es so verfügt hat zu unserem Besten.

Man erzählt, daß ein Kranker, der ein Verehrer des hl. Thomas von Canterbury war, sich zum Grabe des Heiligen begab, um seine Heilung zu erbitten, die er auch erlangte. Als er heimgekommen war, begann er darüber nachzudenken: „Wenn diese Krankheit vielleicht für meine Seele nützlicher gewesen wäre, welchen Vorteil verschafft mir da die Gesundheit?“ Von diesem Gedanken gequält, wiederholte er die Wallfahrt und bat den Heiligen, ihm von Gott zu erflehen, was für sein Seelenheil das Nützlichste wäre. Sofort fiel er in seine Krankheit zurück, und er war sehr glücklich darüber, ganz glücklich darüber, daß Er für ihn so am besten sorgte.

Surius erzählt einen ähnlichen Fall: Ein Blinder war durch die Fürbitte des hl. Vaast geheilt worden; aber er zögerte nicht, den heiligen Bischof darum zu bitten, ihm seine Blindheit wieder zu geben, wenn das seiner Seele von Nutzen sei. Kaum hatte er so gebetet, da wurde er wieder blind.

Wenn wir krank sind, so sollen wir weder Gesundheit noch Krankheit bevorzugen, sondern uns nur in die Hände Gottes geben, damit Er über uns verfügt, wie es Ihm wohlgefällt. Wenn wir jedoch für die Heilung beten wollen, tun wir es zumindest mit einem Herzen, das im voraus ergeben ist, und tun wir es unter der Bedingung, daß wir die Gesundheit erbitten, wenn sie nicht unserem Seelenheil abträglich ist. Wenn wir nicht so bitten würden, dann wäre unser Gebet fehlerhaft, und es würde nichts erreichen; denn Gott erhört nicht jene Gebete, bei denen die Ergebung in Seinen heiligen Willen fehlt.

Die Zeit der Krankheit nenne ich den Prüfstein des geistlichen Lebens; denn sie deckt auf, von welcher Beschaffenheit die Tugend ist, die eine Seele besitzt. Das gilt auch für seelische Bedrängnis. Wenn diese Person sich nicht beklagt, nicht ungeduldig ist, nichts unnötig erbittet, sondern den Ärzten gehorcht und den Oberen, wenn sie dabei Ruhe behält, ganz ergeben in den Willen Gottes, dann ist dies ein Zeichen, daß sie eine fest begründete Tugend besitzt. Im Gegenteil, was soll man von einem Kranken denken, der sich unaufhörlich beklagt, bald darüber, daß man sich kaum mit ihm beschäftigt, bald über seine Leiden, die unerträglich seien, bald über die Medizin, die zu nichts nütze wäre oder über den Arzt, der ein Ignorant wäre, zuweilen selbst über den lieben Gott, der ihn zu sehr schlage?

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