Der Wille Gottes Teil 12

Es gibt keine bessere Zeit, um unsere Ergebenheit in den Willen Gottes zu üben, als in diesen Zeiten der Trockenheit. Ich verlange von euch nicht, daß der Verlust der fühlbaren Gegenwart eures Gottes euch keine Pein verursache. Über eine solche Art von Schmerzen muß man Pein empfinden, und man darf darüber klagen, da doch unser Erlöser selbst sich am Kreuz beklagte: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?“ Aber in ihrem Schmerz muß sich die Seele ohne Vorbehalt in den Willen des göttlichen Herrn ergeben.

Es gibt keinen Heiligen, der nicht diese Trostlosigkeiten und diese geistige Verlassenheit erlitten hätte. „Wie ist mein Herz ausgetrocknet und hart!“ sagte der hl. Bernhard. „Ich habe weder Lust zu lesen, noch fällt es mir leicht zu betrachten, noch habe ich Freude am Gebet.“

Diese Trockenheiten waren das gewöhnliche Los der Heiligen und nicht die Tröstungen. Diese gewährt Gott nur selten und vorzugsweise, vielleicht für die Seelen, die dieser Hilfe bedürfen, damit sie ihren Weg im geistlichen Leben fortsetzen können. Die Wonnen, die eine Belohnung sind, bewahrt uns Gott auf für das Paradies. Die Erde ist ein Ort des Verdienstes, und zwar des Verdienstes durch das Leiden. Ebenso arbeiten die Heiligen auf dieser Erde nicht mit der fühlbaren Glut der Süßigkeiten, sondern mit der Glut des Willens inmitten der Leiden.

Besser“, sagt der hl. Johannes von Avila, „tausendmal in Leiden und Mühen, in Trockenheiten und Versuchungen nach dem Willen Gottes zu sein, als die himmlische Süßigkeit zu verkosten außerhalb des Willens Gottes.“

Ihr werdet mir sagen: „Wenn ich wüßte, daß diese Trostlosigkeit von Gott kommt, so wäre ich im Frieden. Aber, was mich betrübt und beunruhigt, das ist die Furcht, daß diese Trostlosigkeit eine Folge und eine Strafe meiner Fehler und meiner Lauheit ist.“ Nun, bessere diese Lauheit und belebe neu den Eifer, dann ist es ja gut; aber, weil du in der Dunkelheit bist, überläßt du dich der Verwirrung, unterläßt das Gebet und verdoppelst so dein Übel.

Nehmen wir einmal an, es ist, wie du versicherst: der Zustand der Trockenheit ist eine Strafe für Lauheit usw. Ist es denn dann nicht Gott, der dir diese Strafe schickt? Nehme sie also an: Erkenne, daß du sie verdient hast und beruhige dich im Willen Gottes. Protestierst du da nicht dagegen, daß du die Hölle verdient hast? Wie könntest du dann zugleich behaupten, daß du eine Tröstung von Gott verdient hast? Worüber beklagst du dich also? Laßt euch doch von Gott so behandeln, wie Er es versteht; seid treu im Gebet, verfolgt euren Weg, und habt von nun an keinen Zweifel mehr, daß diese eure Leiden nur von zu geringer Demut herkommen und von eurer mangelhaften Ergebung in den Willen Gottes.

Wenn man sich zum Gebet anschickt, welches ist der größte Nutzen, den man daraus ziehen kann? Es ist der, sich mit dem Willen Gottes zu vereinigen. Bringt deshalb eure Ergebung zum Ausdruck, indem ihr sagt: „Herr, ich nehme diese Pein aus Deiner Hand an und ich nehme sie an, solange es Dir gefallen wird.“ Dieses Gebet wird euch mehr Gutes bringen als die süßesten Tröstungen.

Man darf nicht vergessen, daß die Trockenheit nicht immer eine Strafe ist: Manchmal ist sie eine Anordnung der göttlichen Vorsehung, damit wir Fortschritte machen und um uns in der Demut zu halten. Gott wollte nicht, daß Paulus die Gnaden vergeblich empfangen hätte: Zu diesem Zweck erlaubte Er, daß er von sinnlichen Versuchungen gequält würde. „Aus Furcht, daß mich die Erhabenheit der Offenbarungen stolz machte, wurde mir ein Stachel in mein Fleisch gegeben, ein Engel Gottes, der mich schlug“ (2 Kor 12, 7).

Beten, wenn man darin Wonne findet, da hat man nichts Großartiges vollbracht. „Der Freund, der am Tische sitzt, wird nicht bleiben, wenn du in Not bist“ (Sir 6, 10). Ihr würdet nicht den für euren wahren Freund halten, der euch nur bei Tisch Freundschaft bezeugt, sondern den, der auch in schweren Stunden, und wenn er nichts davon hat, bei euch bleibt. Wenn Gott die Seelen in Finsternis und Trostlosigkeit taucht, dann deshalb, weil Er dann weiß, wer Seine wahren Freunde sind.

Palladus fand in seinen schönen Gebeten nur Langeweile. Er teilte diese seine seelischen Leiden dem hl. Macarius mit, der ihm sagte: „Wenn deine Gedanken dich dazu bringen wollen, das Gebet aufzugeben, so antworte ihnen: ,Um der Liebe zu Jesus willen bleibe ich gerne hier, um die Mauern meiner Zelle zu hüten.“’ Das ist die Antwort, die ich euch gebe, wenn ihr versucht seid, das Gebet aufzugeben, weil es euch als Zeitverlust erscheint. Sagt einfach: „Ich bleibe hier, um Gott Freude zu machen.“

Wenn du beim Beten nichts anderes tust, als die Zerstreuungen und Versuchungen zu vertreiben, die dich niederhalten wollen, dann ist dein Gebet nach dem Urteil des hl. Franz von Sales sehr gut.

Tauler versichert sogar, daß, wer trotz Trockenheit im Gebet verharrt, von Gott zu einer größeren Vollkommenheit erhoben wird als bei den Gebeten, die lange sind und voll fühlbarer Frömmigkeit.

Pater Rodriguez berichtet, daß ein Ordensmann während 40 Jahren Gebet niemals eine Tröstung empfunden habe; aber an den Tagen, an denen er seinem Gebet treu war, fühlte er sich mit Kraft erfüllt, um die Tugenden zu üben, und wenn er es unterließ, fühlte er sich ganz schwach und unfähig zu irgend etwas Gutem.

Der hl. Bonaventura und Jean Gerson meinen, daß viele Seelen nicht jene Sammlung erreichen bei ihren Gebeten, die sie gerne hätten; aber diese machen dann um so mehr Anstrengungen, um Gott zu dienen und sind dadurch auch demütiger. Wenn es anders wäre, so würden sie sich von der Lauheit oder Eitelkeit einnehmen lassen, indem sie denken würden, sie hätten das Ziel ihrer Wünsche erreicht.

Was von der Trockenheit gesagt wurde, gilt auch für die Versuchungen. Sicher müssen wir die geeigneten Mittel ergreifen, um die Versuchungen zu meiden. Aber, wenn Gott will oder zuläßt, daß wir versucht werden — sei es gegen den Glauben, die Reinheit oder eine andere Tugend — so dürfen wir nicht darüber klagen, sondern uns auch da noch in den Willen Gottes ergeben.

 

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