Tradition und Glauben

Der Wille Gottes Teil 14

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Ein letzter Punkt noch: Wir müssen alles, was die Ehre Gottes betrifft, hochschätzen, aber höher noch Seinen heiligen Willen. Wir müssen wünschen, Gott mit noch größerer Glut zu lieben als die Seraphim, und trotzdem müssen wir wünschen, keinen anderen Grad der Liebe zu erreichen als den, den uns Gott geben will.

Ich glaube nicht“, sagt der sel. Johannes von Avila „daß es unter den Heiligen einen gegeben hat, der nicht gewünscht hätte, besser zu sein, als er war.“ Aber sie verloren darüber nicht den Frieden der Seele; denn ihre Wünsche kamen nicht von einem persönlichen Ehrgeiz her, sondern aus der Liebe zu Gott: Sie lobten Gott in der Austeilung Seiner Gnaden und begnügten sich mit dem, was Gott ihnen gab, und sie bezeugten ihre größere Liebe zu Gott darin, daß sie eher zufrieden waren mit dem, was Gott ihnen gab, als daß sie wünschten viel zu haben.

Dies kommt, wie Pater Rodriguez erklärt, von diesen beiden Dingen: Auf der einen Seite müssen wir uns mühen und alle Anstrengungen machen, um zur Vollkommenheit zu gelangen; hüten wir uns davor wie manche, unsere Lauheit und unsere Faulheit selbst als Entschuldigung vorzuschieben, unter dem frommen Anschein: „An Gott liegt es, mir dies oder jenes zu geben; ich vermag nichts mehr.“

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht den Frieden verlieren, wenn uns irgendeine Schwäche überkommt, noch dürfen wir die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes verlieren, der diese Schwäche zugelassen hat, noch dürfen wir mutlos werden. Erheben wir uns alsbald durch eine Reue, die ganz durchdrungen ist von der Demut; bitten wir Gott um eine mächtige Hilfe, und machen wir uns wieder auf den Weg. Auch können wir sicher wünschen, in den Himmel aufzusteigen bis zum Chor der Seraphim, nicht um für uns mehr Ruhm zu gewinnen, sondern um Gott mehr Ehre zu verschaffen und um Gott mehr zu lieben.

Was die übernatürlichen Gaben betrifft, wie Ekstasen, Visionen, Offenbarungen, so wäre es ein ganz schwerwiegender Fehler, diese zu wünschen. Gott gibt diese nach Seinem freien Willen, wem Er will und wann Er will. Viele haben die Vollkommenheit erreicht ohne die Hilfe solch außerordentlicher Gnaden; denn allein die Tugenden lassen eine Seele aufsteigen zur Heiligkeit: die Tugenden und hauptsächlich die Vereinigung des Willens mit dem Willen Gottes (= höchste Stufe der Liebe).

Also, selbst wenn Gott uns nicht erheben wollte zu einem erhabenen Grad der Glorie und der Vollkommenheit, machen wir uns ohne Rückhalt dem heiligen Willen Gottes gleichförmig, indem wir Ihn bitten, Er möge uns durch Seine Barmherzigkeit retten. Wenn wir so handeln, wird die Belohnung nicht klein sein; denn Gott in Seiner Freigebigkeit wird uns all unser Gut gewähren, denn Er liebt jene Seelen über alles, die ergeben sind.

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