Der Wille Gottes Teil 2

So hat uns auch Jesus Christus gelehrt, in unserem Gebet die Gnade zu erflehen, den Willen Gottes auf Erden zu erfüllen, so wie ihn die Heiligen im Himmel erfüllen: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden.“

Der Herr nennt David einen Mann nach Seinem Herzen, weil er den göttlichen Willen ausführte: „Ich habe David als einen Mann nach meinem Herzen erfunden, der all meinen Willen vollführen wird.“ David hielt sich gegenüber dem göttlichen Willen zur Verfügung und er beweist es durch manche Aussprüche: „Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit“ (Ps 56, 8; 107, 2). Sein einziges Gebet war dieses: „Herr, lehre mich Deinen Willen tun!“ (Ps 122, 10). Ein Akt der vollkommenen Unterwerfung und der Vereinigung mit dem göttlichen Willen genügt, um einen Heiligen zu machen.

Saulus war auf dem Wege, um die Kirche zu verfolgen. Jesus Christus erleuchtet und bekehrt ihn. Was macht Saulus, was sagt er? Nur ein Wort: „Herr, was willst Du, das ich tun soll?“ Und siehe da, der Herr beruft ihn zum auserwählten Gefäß, d. h. zum Werkzeug nach Seiner Wahl und zum Apostel der Heiden: „Dieser Mann ist mir ein Werkzeug, das Ich auserwählt habe, um den Heidenvölkern Meinen Namen zu verkünden.“

Ja, weil dieser Gott seinen Willen gibt, schenkt er Ihm alles. Denn durch Almosen gibt man Ihm seinen Besitz, durch die Geißelung sein Blut, durch Fasten seine Nahrung und damit gibt man Ihm nur einen Teil von dem, was man hat. Aber Ihm seinen Willen geben, das heißt, Ihm alles geben, sich selbst geben. Von da an hat man das Recht zu sagen: „Herr, ich bin arm, aber ich gebe Dir alles, was ich kann: Mein Wille gehört Dir, ich kann Dir nicht mehr geben.“

Das ist genau dieses „Alles“, was Gott von einem jeden von uns verlangt: „Kind, gib Mir dein Herz“ (Spr 23, 26), d. h. gib Mir deinen Willen.

Zu Recht sagt Augustinus: „Nein, nein, wir können kein angenehmeres Opfer bringen, das Seinem Herzen teurer wäre, als wenn wir zu Ihm sagen: ,Besitze uns, Herr. Wir überlassen Dir unseren Willen; lasse uns wissen, was Du von uns erwartest und wir werden es ausführen.’“

Wenn wir also das Herz Gottes vollkommen zufriedenstellen wollen, so müssen wir dahin kommen, uns in allem dem Willen Gottes gleichförmig zu machen. Oder noch besser gesagt: Wir müssen unseren Willen mit allem vereinen, was Gott verfügt. Die Gleichförmigkeit schließt in sich den Gedanken, daß wir unseren Willen in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes bringen. Aber diese Vereinigung des Willens geht noch weiter: Sie bedeutet, daß wir aus dem Willen Gottes und unserem Willen nur noch einen einzigen Willen machen, derart und so gut, daß wir nichts wollen, wenn Gott es nicht will, und so der Wille Gottes allein zu unserem Willen wird. Das ist der Gipfel der Vollkommenheit. Das ist das Ziel, zu dem alle unsere Wünsche, unsere Werke, unsere Betrachtungen, unsere Gebete hinstreben müssen.

 

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