Der Wille Gottes Teil 3

II. Man muss mit dem Willen Gottes übereinstimmen, sowohl im Guten als auch im Schlechten

Beispiele der Heiligen

 

Und um dies zu erreichen, müssen wir die Hilfe unserer heiligen Patrone, unserer Schutzengel und vor allem die Hilfe der Gottesmutter anflehen; denn sie war die vollkommenste unter allen Heiligen und zwar aus dem Grunde, weil sie immer und mit einer unvergleichlichen Vollkommenheit den Willen Gottes umfaßt hat.

Die Schwierigkeit liegt darin, daß man in allen Schwierigkeiten den Willen Gottes gut annimmt, ob diese Ereignisse unseren natürlichen Wünschen entsprechen oder ob sie ihnen entgegengesetzt sind. In den glücklichen Ereignissen können es selbst Sünder fertigbringen, keinen anderen Willen zu haben als den Willen Gottes. Die Heiligen aber bringen dies fertig (keinen anderen Willen zu haben als den Willen Gottes) gleichermaßen auch in jenen Dingen, die sich uns widersetzen und unserer Eigenliebe mißfallen. Und gerade darin kann man die Vollkommenheit unserer Liebe zu Gott erkennen.

Gemäß einem Wort des sel. Johannes von Avila „hat ein einziges ,Gott sei gepriesen’, in Widerwärtigkeiten ausgesprochen, mehr Wert als tausend Danksagungen in den Stunden, wo uns alles gelingt.“

Übrigens müssen wir unseren Willen mit dem göttlichen Willen nicht nur in den Widerwärtigkeiten vereinen, die uns direkt von Gott her kommen, wie z.B. Krankheiten, geistliche Trostlosigkeit, Armut, Trauerfälle und andere ähnliche Dinge; sondern auch in den Übeln, die uns von den Menschen her zukommen wie z. B. Verachtung, Verleumdung, Ungerechtigkeiten, Diebstahl und schlechtes Vorgehen aller Art.

Hierbei muß man verstehen, daß Gott nicht die Sünde dessen will, der unserem Ruf schadet, unserer Ehre, unseren Gütern; Gott will aber unsere Verdemütigung, unsere Armut, unsere Abtötung. Es ist gewiß, daß alles, was in der Welt geschieht, nur geschieht durch den Willen Gottes (= der Zulassung Gottes). „Ich bin der Herr, Ich forme das Licht und Ich schaffe die Finsternis; Ich bringe den Frieden und schaffe die Übel“ (Is 45, 6 7).

Von Gott kommt alles Gute und kommen alle Übel; die Übel, d. h. die Dinge, die uns widerwärtig sind, und die wir Übel nennen — aber zu Unrecht — denn in Wirklichkeit sind es für uns Güter, wenn wir sie aus der Hand Gottes annehmen. „Gibt es ein Übel in der Stadt, ohne daß der Herr es hervorgebracht?“ fragt der Prophet Amos. Und der Weise hat es schon vor ihm gesagt: „Die Güter und die Übel, das Leben und der Tod kommen von Gott“ (Weish 11, 14).

Es ist wahr, wie ich es schon gesagt habe, daß, wenn ein Mensch uns ungerecht angreift, Gott nicht die Sünde will, die dieser begeht, und daß Gott Seine Mithilfe nicht zur Bosheit Seines Willens leiht. Aber Gott wirkt mit durch Seine allgemeine Mitwirkung an der materiellen Handlung dessen, der euch schlägt, euch bestiehlt, euch Unrecht tut; und dabei ist dies gewiß so, daß Er will, daß ihr Unrecht erleidet und daß Seine Hand es euch schickt.

So erklärte der Herr David, daß Er (materiell) der Urheber der Beleidigungen war, mit denen Absalom ihn beleidigen wollte — dieser ging sogar so weit, sein Haus unter seinen Augen zu entehren — und dies zur Strafe für die Sünden Davids. Ebenso kündigte Gott den Israeliten an, daß Er ihnen, zur Strafe ihrer Bosheiten, die Assyrer schicken würde, um sie auszuplündern und sie zu ruinieren: „Assur ist die Zuchtrute Meines Zornes.“

Die Grausamkeit der Assyrer war“, gemäß der Erklärung, die Augustinus gab, „die Racheaxt in den Händen des Herrn, das Instrument, dessen Er sich bediente, um Israel zu züchtigen.“

Christus selber sagte zum hl. Petrus, daß Sein Leiden und Sein Tod weniger das Werk der bösen Menschen waren als das des Vaters: „Soll Ich den Kelch nicht trinken, den Mir der Vater gegeben hat?“

Als ein Bote kam — man sagt, es sei der Teufel selber gewesen —, um Job anzukündigen, daß die Sabbäer ihm alle Herden weggenommen hatten, und daß seine Söhne umgekommen waren, was antwortete da der heilige Mann? Er sagte: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen.“ Er sagt nicht: Der Herr hat mir Söhne und Güter gegeben, die Sabbäer haben mich ruiniert, und ein unvorhergesehener Unfall hat mich meiner Kinder beraubt, sondern er sagte: „Der Herr, der mir alles gegeben hat, hat mir alles genommen“, weil er verstand, daß sein Unglück vom Herrn gewollt war. So fügt er denn auch hinzu: „Wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es gekommen; der Name des Herrn sei gebenedeit“ (Job 1, 21).

Man darf also die Übel, die uns bedrücken, nicht für einfache Wirkungen des Zufalls halten, noch für einfache Wirkungen des schlechten Willens der Menschen. Zögern wir nicht, darin Seinen göttlichen Willen zu erkennen.

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