Der Wille Gottes Teil 5

III. Die Vereinigung mit dem Willen Gottes erfüllt die Seele mit Glück und Frieden

Wer so handelt, der wird gewiß ein Heiliger. Darüber hinaus aber erfreut er sich eines unveränderlichen Friedens. Eines Tages fragte man den König von Aragon, Alfons V., welches seiner Meinung nach der glücklichste Mensch auf Erden sei. „Das ist“, antwortete der König sehr weise, „derjenige, der sich dem Willen Gottes überläßt und alles aus der Hand Gottes empfängt, die Übel ebenso wie die Güter.“

Alle Dinge gereichen denen zum Besten, die Gott lieben“ (Röm 7, 28). Die wahren Freunde Gottes sind immer zufrieden, denn bis hinein in die Widerwärtigkeiten begegnen sie ihrer einzigen Freude, die darin besteht, den göttlichen Willen zu erfüllen. Selbst die Prüfungen werden für sie zu Genugtuungen; denn sie nehmen sie an in dem Gedanken, daß sie damit das Herz ihres vielgeliebten Herrn erfreuen: „Bei allem, was ihm zustößt, ist für den Gerechten nichts ein Gegenstand der Betrübnis“ (Spr 12, 28).

In der Tat, kannst du dir eine vollkommenere Zufriedenheit vorstellen als die eines Menschen, der sieht, daß alles nach seinem Wunsche geschieht? Nun, dieses Glück findet sich bei dem Menschen, der nur will, was Gott will, da nichts in der Welt geschieht, die Sünde ausgenommen, als das, was Gott will (= zuläßt).

Für die gottergebenen Seelen gilt das Wort Salviens: „Sind sie in der Demütigung, so ist die Armut ihre Wonne! Wie soll man sie nicht schon hier unten glücklich preisen! Mag kommen Kälte, Wärme, Regen oder Wind; derjenige, der dem Willen Gottes geeint ist, wird sagen: Ich will, daß es kalt ist, daß es warm ist, daß es regnet, daß es windig ist, weil Gott es ebenso will. Mag kommen Armut, Verfolgung, Krankheit, selbst der Tod, so wird er immer noch sagen: Ich will arm sein, verfolgt, krank, ich will sterben, weil Gott es so will.“

Das ist die strahlende Freiheit, deren die Kinder Gottes sich erfreuen und die sie über alle Herren und Könige der Erde erhebt. Das ist dieser tiefe Friede, den die Heiligen verkosten, „der alles Begreifen übersteigt“ (Phil 4, 7). Was sind dagegen die Sinnesfreuden, die Feste, die Bankette, die Ehren, in einem Wort: die Befriedigung, die die Welt bieten kann, diese weltlichen Freuden, die ebenso leer wie hinfällig sind! Denn sie hinterlassen letztlich nur Betrübnis in den Tiefen der Seele, wenn sie auch kurze Zeit der Sinnlichkeit schmeicheln. Der wahre Sitz der Zufriedenheit ist in den Tiefen der Seele und nicht in den Sinnen. So sagt Salomon, nachdem er alle Freuden der Erde erschöpft hatte, seine Langeweile aus: „Alles dies ist nur Eitelkeit und Betrübnis des Geistes.“

Der Törichte“, sagt der Heilige Geist, „wechselt wie der Mond, während der Gerechte in seiner Weisheit fest bleibt, sich selbst gleich wie die Sonne.“ Der Törichte, d. h. der Sünder, wechselt wie der Mond, der heute zunimmt und morgen abnimmt; heute seht ihr ihn lachen und morgen weint er; heute ist er die Sanftmut in Person, morgen wird er ein Tiger an Wut sein. Warum dies? Weil seine Ruhe von den jeweiligen Ereignissen abhängt, die aufeinanderfolgen, die bald angenehm, bald ärgerlich sind. Die Wechselfälle des Lebens ziehen ihn in diese Veränderungen hinein. Der Gerechte dagegen gleicht der Sonne: Ihr findet bei ihm immer eine gleichbleibende Freundlichkeit, was immer ihm auch zustößt. Und dies ist deshalb so, weil er seine Zufriedenheit darin findet, sich mit dem göttlichen Willen zu vereinigen, und von daher erfreut er sich eines Friedens, den nichts trüben kann.

Die Engel haben es den Hirten verkündet: „Und auf Erden Frieden den Menschen, die guten Willens sind.“ Nun, welches sind diese Menschen, die guten Willens sind, wenn nicht die, die sich immer vereint halten mit dem Willen Gottes, welcher gut ist und höchst vollkommen? Ja, „was der Wille Gottes ist, was gut, was wohlgefällig, was vollkommen ist“ (Röm 12, 2); denn nichts kann von einer hervorragenderen Güte und Vollkommenheit sein, als das, was von Gott gewollt ist!

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