Tradition und Glauben

Die schiefe Ebene der „aktiven Teilnahme“ des Volkes

Warum die "aktive Teilnahme" der schiefen Ebene gleicht? Weil es eine ist.
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DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] muss schweren Herzens anerkennen, dass all die Priester, PastoralassistentInnen (bürstenschnittig oder auch nicht), Theologen oder Laien, die er im Laufe seines Lebens angeschrien und zur Schnecke gemacht hat, wenn er sich mit ihnen über Liturgisches unterhielt, recht hatten und er nicht.

Denn wenn man das Axiom der „aktiven Teilnahme“ der Laien in der Liturgie annimmt, dann öffnet dies nicht nur der Gleichwertigkeit von Laien und Priestern Tor und Tür, sondern es stellt, wie richtigerweise Carol Byrne anmerkt, die Laien über die Priester, da die ersteren mit ihrem ‚Amen‘ das Tun des Priesters „ratifizieren“ sollen.

Ja, so steht es wirklich in der Allgemeinen Einführung zum Römischen Meßbuch (Dritte Ausgabe) in der lateinischen Originalfassung geschrieben:

Doxologia finalis: qua glorificatio Dei exprimitur, quaeque acclamatione: Amen populi, confirmatur et concluditur. (Nr. 79)

In der deutschen Fassung heißt es hingegen:

h) Schlußdoxologie: Sie bringt die preisende Verherrlichung Gottes zum Ausdruck und wird durch die Akklamation der Gemeinde bekräftigt und abgeschlossen.[1] (Nr. 55 h)

Man könnte zwar einwenden, dass „bekräftigt und abgeschlossen“ (confirmatur et concluditur) immer noch nicht „ratifiziert“ lautet, wenn es aber nichts bedeutet und zu nichts nützlich ist, warum steht es denn überhaupt in den Rubriken als verpflichtend?

Wenn die Teilnahme „aktiv“ sein soll, dann muss sie doch gleichberechtigt oder ebenbürtig sein, sonst wäre sie ja „passiv“. Wenn aber Laien dem Priester ebenbürtig sind, wozu dann noch Priester? Damit Sie, liebe Leser und Leserinnen, eine gute Verwendung für Ihre Kirchensteuer haben? Scherz beiseite.

Aus der protestantischen Sicht ist dieses unselige „Miteinander“ nachvollziehbar, da Luther praktisch alle Sakramente außer der Taufe abgeschafft hat und der protestantische „Gottesdienst“ eine Versammlung von getauften Laien ist, mit einem Prediger als Vorsteher. Dieser hat nur eine andere Funktion, ist aber ontisch gesehen ein Laie. Bei den Protestanten, da es keine Priester gibt, gibt es auch keine Realpräsenz, sondern der Gottesdienst ist eine „Erinnerungsfeier“, wo die Gemeinde mit ihrem ‚Amen‘ bestätigt, dass sie daran glaubt.

Und was ist der Unterschied zur Novus Ordo?

Praktisch kein mehr. Wobei der Novus Ordo Katholik, insbesondere der konservative, die Quadratur des Kreises zu lösen hat, wie man das sakramentale Weihepriestertum mit der „aktiven Teilnahme“ der Laien und dem allgemeinen Taufpriestertum zu lösen hat. Seit Vat. II werden Tonnen von Papier, ohne sichtbaren Erfolg, dazu geschrieben. Dieses Dilemma ist aber nicht lösbar, wie manche mathematische Aufgaben auch. Entweder „aktive Teilnahme“ oder Weihepriestertum. Beides geht nicht.

Wenn aber das Volk das Opfer des Priesters „ratifizieren“ soll, und zwar durch seine lautstarke Akklamation, dann steht es über dem Priester und es wurde an die Stelle Gottes gesetzt. Bei Novus Ordo feiert nicht nur die Gemeinde sich selbst, sondern die Gemeinde wird an Gottes statt gefeiert, weil der Priester zum Volk hin zelebriert. Es bringt also dem Volk, nicht Gott, das Opfer dar, welches das Volk gnädig annimmt. Novus Ordo ist wirklich Menschenkult in reinster Form. Nicht nur als die narzisstische Selbstdarstellung des Priesters oder anderer Akteure der „liturgischen Aktion“, sondern als Kult der Gemeinde an der Gemeinde für die Gemeinde. Eine zirkuläre Selbstbeweihräucherung und Selbstinszenierung.

Und wo ist Gott in alldem?

Sehr am Rande und weit entfernt.

Die Annahme der „aktiven Teilnahme“ erinnert an eine Schlittenfahrt von einem sehr steilen Hang, wo man, nachdem man die Fahrt aufgenommen hat, nicht mehr in der Lage zu bremsen, ist. Man hat nur zwei Möglichkeiten:

  1. unten am Fuße des Berges stehenzubleiben oder
  2. unterwegs zu verunfallen.

Den Abhang runter

Das Ankommen unten am Hang kann man mit der Selbstauflösung des Katholizismus im Einheitsbrei der Allreligion mit Pachamama an der Spitzer vergleichen. Den Unfall mit einem völligen Glaubensverlust und der damit einhergehenden Orientierungslosigkeit. Sie werden in Ihrem Umfeld sicherlich einen Priester der Art „Einheitsreligion“, meist Althippie mit Vollbart, Jutesack und Birkenstocksandalen finden oder einen Priester der Art „verbitterter Atheist“ meistens Säufer mit mehreren Konkubinen oder schlimmer antreffen. Denn dazu führt leider konsequenterweise Novus Ordo mit dem Axiom der „aktiven Teilnahme“. Zur Selbstauflösung des Katholizismus und des Priestertums. Die „Hermeneutik der Kontinuität“ hat ja in Februar 2013 angeblich abgedankt, nennt sich Papa emeritus, sitzt im Vatikan und redet Unsinn, indem sie immer noch, in einem Brief an die skandalerschütterte franziskanische Universität Steubenville, das Vat. II lobt. Unbelehrbar und unbeirrbar, wie Honecker nach dem Mauerfall.

Wenn aber die Kirche diese Messe tatsächlich wollte, dann wollte sie auch den Massenabfall der Gläubigen und ihre Selbstauflösung, deren Zeugen wir alle jetzt sind. Das wäre gegen den Satz vom Widerspruch und gegen das Dogma von der Indefektibilität der Kirche. Entweder akzeptiert man das Vat. II und seine Konsequenzen oder man verwirft es als Ganzes, wie wir es tun. Dann stellt sich aber die Frage, wo Gott war, dass er erlaubte seiner Kirche so präzedenzlos zu irren. Aber mit der „aktiven Teilnahme“ der Gläubigen fing es an, die sich nicht Laien, sondern Priester ausgedacht haben. Omne malum ab clero.


[1] Die Messfeier – Dokumentensammlung. Auswahl für die Praxis (Arbeitshilfen Nr. 77, 11. Auflage, Bonn 2009), 29.

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