Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (4 von 5)

Der Papst – ipse dixit

Aber kommen wir an den Anfang unserer Überlegungen zurück.

  1. Die Überzeugung, dass der Papst die Lehre der Kirche ausmacht.
  2. Kommt von der Überzeugung, dass alles wandelbar ist (Mobilismus).
  3. Welche von Prozesstheologie und letztendlich von Hegel herrührt.

Wenn es heutzutage überhaupt ein weltliches Dogma gibt, dass ist es dieses, dass „die Zeiten sich ändern“ und „alles den Bedürfnissen des heutigen Menschen angepasst werden muss, der ganz anders als der gestrige Mensch war“. Punkt. Als Beweis gilt, dass man mindestens alle zwei Jahre ein neues Handy kaufen und ein neues Betriebssystem laden muss. Wenn das kein Argument ist, dann gibt es keine! Romano Amerio schreibt im Jahre 1985 dazu:

Die Vorstellung, dass Wandelbarkeit etwas Positives sei, dem man sich öffnen müsse, ist aber auch in die Kirche eingedrungen und hat sich dort verbreitet, hat überwunden, was man mit Stabilität und Unerschütterlichkeit verband, obwohl die Glaubensvorschrift klar ist: „Seid standhaft und unerschütterlich“ (1 Kor 15,58). So stellte der Bischof von Metz fest: „Der Stand der Zivilisation, den wir miterleben, bringt Veränderungen nicht nur in unserem äußeren Verhalten, sondern in dem Begriff selbst mit sich, den wir uns von der Schöpfung machen wie auch von dem Heil, das Jesus Christus uns gebracht hat.“ Am 18. August 1976 erklärte dieser Bischof am Mikrophon von France-Inter: „Die vorkonziliare Theologie, die Theologie von Trient, ist nunmehr vorbei.“ Dass „die Kirche sich einbezogen hat in den Gang der Geschichte, die sich fortentwickelt und verändert“ (Osservatore Romano, 29. September 1971) vertrat übrigens sogar Paul VI., was nicht im Einklang mit seinen energischen Erklärungen über die Unwandelbarkeit der Kirche steht.

Bergoglio setzt also jetzt konsequent Häresien aus den 1970-gern um. Jedoch hatte die Zivilisation niemals die Kirche verändert, sondern die Kirche die Zivilisation. Die Barbarenhorden, die in das Imperium Romanum einfielen, wurden missioniert und zivilisiert. Man empfand die Zerstörung der Hunnen und Vandalen nicht als „Kulturbereicherung“ (sorry, Frau Merkel!), sondern als das, was es war: als Barbarei. Die Kirche hat die Völker gewandelt, nicht die Völker die Kirche und das, was die Bergoglianer „Primat der Kultur“ nennen, hat es niemals gegeben.

Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn

» die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «.[3] (Amoris Laetitia 3)

Die Unterschiede zwischen einem Katholiken in Finnland anno 1320 und einem Indianer in den Jesuitenreduktionen im Jahre 1713 waren kaum feststellbar. Sie glaubten dasselbe und hatten dieselbe, lateinische Liturgie. Jeder hätte sich in der Welt des Anderen, vom Sprachunterschied abgesehen, wiedergefunden, so nahmen die beiden an der Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes teil durch die Ewigkeit und Unveränderlichkeit der Lehre und der Liturgie seiner Kirche. Weil leider durch das Konzil die Wandelbarkeit als die Grundprämisse akzeptiert wurde, natürlich unter den üblichen „Jedoch-aber-Wenn“-Einschränkungen, so gab es kein unwandelbares Maß der katholischen Lehre, wie sie im Denzinger steht, sondern man hörte darauf, was der jeweilige Papst sagte.

DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) hat sein Theologiestudium in der Höhe des Pontifikats von Johannes Paul II und dazu noch in Polen absolviert. Der Satz:

Der Papst Johannes Paul II hat gesagt….

klingt DSDZ immer noch in den Ohren und provoziert einen Anfall von Übelkeit und Langeweile. Die Professoren von DSDZ, fast allesamt Priester, hatten keinen andren locus theologicus, eine theologische Quelle, als:

  1. „Die Heilige Schrift spricht“.

  2. „Johannes Paul II hat gesagt“.

Kann man wirklich die ganze Theologie damit abdecken und betreiben?

Ja, in Polen schon. Wenn etwas nicht passt, dann lässt man es aus oder verändert dementsprechend, dass es passt.

DSDZ hielt seine Theologieprofessoren für das, was sie größtenteils waren: extrem faul, keine Fremdsprachen kennend und ungebildet. Es war für sie viel einfacher ihre Vorlesungen nicht vorzubereiten und live aus der Bibel und der letzten päpstlichen Enzyklika laut vorzulesen, worin der Großteil der theologischen Vorlesungen leider bestand.  Die besseren unter den Dozenten pflegten zu sagen:

Bisher wurde festgestellt […] , aber Johannes Paul II., unser großer Landmann, in seiner genialen Eingebung sagt uns, dass… Nein, nein, wie genial ist das denn? Wunderbar, einfach wunderbar!

DSDZ denkt sich das nicht aus. Das sind wirkliche Zitate. DSDZ kam es schon damals verdächtig vor, dass sich zwischen dem Neuen Testament und Johannes Paul II. beziehungsweise dem letzten Konzil nichts ereignet haben soll, was für Theologie von Belang war. Er schob aber all diese klerikale Johannes-Paul-II-Begeisterung auf das Cave hominem unius libri – „Hüte dich vor dem Menschen eines einzigen Buches“, darauf also, dass seine Dozenten, die meistens in den 30-gern waren einfach nichts anderes gelesen haben. Außerdem kam dazu noch ihr Wunsch eine kirchliche Karriere zu machen, was einem Polen, der Johannes Paul II. lobt eher gelang, als einem Nicht-Polen, der den Papst nicht lobte. DSDZ war also von Menschen umgeben, welche die überlieferte Lehre der Kirche nicht kannten und über den Tellerrand ihrer priesterlichen Karriere nicht hinausblickten. Aber woanders, wohl hauptsächlich in Nordamerika, denn Hilary White stellte sich solche Fragen, pflegte man anscheinend die Unterschiede zwischen vorkonziliar und nachkonziliar dadurch aufzulösen, dass die letzten Aussagen des amtierenden Papstes als das Non-Plus-Ultra des Katholizismus angesehen wurden. An den deutschsprachigen Ländern ist diese päpstliche Begeisterung wohl weitgehend unbeachtet vorübergegangen, da man hier, von ein paar gloria.tv und kath.net Lesern abgesehen, immer antikatholisch und antipäpstlich ist. Aber in den USA konnten man wirklich in der JP2-Ära sagen:

Johannes Paul II. ist Gott und George Weigel ist sein Prophet!

Und jetzt sitzen die amerikanischen Neukonservativen, auch Generation JP2 genannt, vor dem Scherbenhaufen ihres Katholizismus, denn wenn ein amtierender (angeblicher) Papst Franziskus eine Häresie nach der anderen heraushaut, dann liegt der Gedanke doch nahe, dass seine Vorgänger auch nicht 100% katholisch waren und das Festmachen des eigenen Katholizismus an den Aussagen des amtierenden Papstes ein gefährliches Unterfangen ist. Natürlich liegt hier die sedisvakantistische Lösung nahe:

Jeder Papst, dessen ordentliches Lehramt vom vorkonziliaren Lehramt abweicht ist ein Häretiker!

Aber diese Lösung geht zu weit, weil ein richtiger Papst nur in sehr eingegrenzten Sonderfällen unfehlbar ist.

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