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Die Sehnsucht nach dem Protestantismus oder über die Quellen der ökumenischen Bewegung

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Wenn man sich die Quellen der liturgischen Bewegung und der, Gott sei‘s geklagt, ökumenischen Bewegung anschaut, dann entdeckt man meistens deutsche Priester und Theologen, die irgendwie vom Protestantismus fasziniert gewesen sein müssten. Das folgende Denkschema kommt dort zum Tragen.

  1. Weil Protestantismus etwas Gutes und Erstrebenswertes ist,
  2. daher sollte man in der katholischen Theologie und Liturgie alles vermeiden, was die Protestanten eventuell stören könnte (also beinahe alles),
  3. und den Katholizismus so umformen, dass er als ein Protestantismus 2.0
  4. mit dem ursprünglichen Protestantismus verschmelzen kann.

Der Punkt 4. wurde doch tatsächlich beim Pontifikat von Bergoglio und den beklagenswerten Feiern zum Lutherjahr erreicht.

Warum ist aber der Protestantismus so erstrebenswert?

DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) kann diese Faszination überhaupt nicht nachvollziehen. Er hatte zwar selbst in seiner Jugendzeit sehr intensive Kontakte mit einer freikirchlich-charismatisch-protestantischen Gemeinde, sodass er zu dieser Zeit viel mehr Protestanten als Katholiken kannte, aber er selbst hatte niemals nur im Entferntesten darüber gedacht zum Protestantismus zu konvertieren oder überhaupt den Protestantismus ernst zu nehmen. Denkt man gründlich über die Religion nach, dann findet man beim Protestantismus lauter Sackgassen, die man entweder durch Fideismus („Glauben als irrationales Vertrauen auf Gott“) oder durch Rationalismus und Naturalismus („Es gibt bloß die menschliche Vernunft und die natürliche Ordnung“) zu umschiffen, denn nicht zu lösen, hat. Die Protestanten setzen kein Philosophiestudium voraus, sie lehnen die natürliche Theologie ab und letztendlich verneinen sie auch den freien Willen aufgrund der Verdorbenheit der menschlichen Natur durch die Erbsünde. Je mehr man liest, je gründlicher man sich die protestantischen Autoren anschaut, insbesondere Luther (»Will die Frau nicht, so komm‘ die Magd!« (Luther, WA X2 290)), desto abstoßender wird der Protestantismus selbst. DSDZ hat aber dennoch wirklich fromme und bibeltreue Protestanten, voll guten Willens kennengelernt, welche sie redlich bemühten, aus dem Bisschen, was ihnen im Protestantismus (Bibel, Predigt, Gebet) zur Verfügung stand, das Beste zu machen. Die jetzige Kirche, unter Bergoglio, kann kaum jemanden zur Konversion bewegen, da die Unterschiede zwischen Katholizismus und Protestantismus fast gänzlich abgetragen wurden.

Wir sprechen aber hier einer Zeit von den 1920-gern aufwärts, wo es wirklich noch richtigen Katholizismus gab.

Was fanden aber die Jesuiten Kattner, Jungmann oder Rahner so am Protestantismus anziehend?

Da man, laut dem Axiom der Fernsehproduzenten „den Publikumsgeschmack nicht tief genug einzuschätzen hat“, so ist es sehr wahrscheinlich, dass die Anziehung des Protestantismus von den niedrigsten Beweggründen genährt wurde und immer noch wird. Es handelt sich um:

  • Sex und
  • Geld

Da protestantische Pastoren Prediger sind, d. h. getaufte Laien, die von ihrer Gemeinde für den Predigerdienst ordiniert wurden, da Luther, wie man weiß, die Priesterweihe als Sakrament abgeschafft hatte, so steht einer Ehe, samt Ehepflichten, eines predigenden Laien nichts im Wege. Dass sich manche protestantische Pastoren sehr salbungsvoll und klerikal geben, so kann, insbesondere bei ihren katholischen „Amtsbrüdern“ der Eindruck entstehen, dass es sich um verheiratete Priester handelt.

Die haben ehelichen Sex, wir nicht, wie unfair!

dachte sich manch ein katholischer Geistlicher nach dem „Feierabend“. Daher dieses jahrzehntelange Betreiben der Auflösung des Zölibats, statt Konsequenzen zu ziehen und sich in die Laienstand versetzen zu lassen, wo man heiraten kann, wie oft und wen (Männlein, Weiblein) man will.

Der andere Grund könnte einfach das Geld sein. Vielleicht denken sich viele, dass man die katholische und evangelische Kirchensteuer zusammenlegen könnte und dadurch die Besoldung eines katholischen Pfarrers um das Doppelte steigen würde. Der Staat würde da wahrscheinlich mitmachen, weil eine einheitliche Staatsreligion besser ist als zwei konkurrierende.

Und von dieser Sehnsucht beseelt wird der sogenannte Ökumenismus seit mindestens 80 Jahren gepredigt und am Leben erhalten. Es ist aber immer die Anziehung des Protestantismus auf die katholischen Theologen, meistens Ordensleute, niemals die Anziehung des Katholizismus auf die protestantischen Laienprediger mit Weib und Kind. Es ist wirklich mehr als paradox, dass ausgerechnet in Deutschland, dem Land der Reformation und des grauenvollen 30-jährigen Krieges, dieses Faible für den Protestantismus bei fast allen katholischen Geistlichen vorhanden ist. Die Wahrheitsfrage („Was ist die wahre Religion?“) spielt keine Rolle, der Seeleneifer („Wie kann ich die protestantischen Seelen vor dem Höllenfeuer retten und dem wahren Glauben zu führen?“) spielt genauso wenig eine Rolle. Seit Vatikanum Secundum haben wir eine unentwegte Prozession von ökumenischen Tagungen, Kongressen, Prozessen und ähnlichen Exzessen, vom unentwegten Kaffeetrinken und Daherreden vom Steuerzahler oder Kirchenbesucher finanziert. Dabei ist nur das herausgekommen, dass man den wahren katholischen Glauben immer weiter relativierte bis zur Auflösung in der Einheitsreligion von Abu Dhabi. Aber die Deutschen haben leider damit angefangen und betrieben die selbstzerstörerische „Ökumenitis“ von der unerklärlichen Sehnsucht nach dem Protestantismus beflügelt.

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