Tradition und Glauben

Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (2 von 5)

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Die Gnadenbestimmung Gottes

Die Thematik der Anzahl der Erwählten oder der Verworfenen wird deswegen kaum theoretisch oder pastoral erörtert, damit die Menschen nicht (1) übermütig werden, weil sie zu glauben anfangen, dass sie erwählt wurden und nichts zu machen brauchen oder aber, dass sie nicht (2) in Verzweiflung fallen, falls sie annehmen sollten, dass sie verworfen wurden. Obwohl die Frage der Vorherbestimmung Gottes zum ewigen Heil oder der Prädestination sehr alt ist und schon der hl. Augustinus sich darüber Gedanken machte, so kam dieses Thema das letzte Mal intensiv im Jansenismus (XVII bis XVIII Jhdt.) und vorher bei Calvin auf. Weil Gott allwissend ist, deswegen weiß er alles, auch das, was von uns aus gesehen in der Zukunft passieren wird, weil die Zeit für den zeitlosen Gott nicht existiert. Da Gott gut ist, so möchte er von sich aus, dass alle Menschen gerettet werden. Da Menschen einen freien Willen haben, so wollen manche und wohl die meisten partout nicht gerettet werden und leben dementsprechend. Die Allgemeinheit des göttlichen Heilswillens ist ein Dogma, welches da lautet:

Der Wille Gottes, die Menschen selig zu machen, ist allgemein. Gott schließt niemanden von vornherein von der Himmelsseligkeit aus. (De fide)[1]

Diese Lehre wurde lehramtlich mehrmals verkündet (DH 623, 1567, 2012). Das erste Mal auf der Synode von Quiercy im Jahre 853 gegen Gottschalk, wo eigentlich das Meiste bereits gesagt wurde:

Der freie Wille des Menschen und die Vorherbestimmung

Kap. 1. Der allmächtige Gott schuf den Menschen ohne Sünde rechtschaffen mit freiem Willen und stellte ihn ins Paradies; er wollte, daß er in der Heiligkeit der Gerechtigkeit verbleibe. Der Mensch aber, der den freien Willen schlecht gebrauchte, sündigte und fiel, und er wurde zur »Masse des Verderbens« (massa damnata)[2] des ganzen Menschengeschlechts. Der gute und gerechte Gott aber erwählte aus ebendieser Masse des Verderbens gemäß seinem Vorherwissen die, welche er aus Gnade zum Leben vorherbestimmte [Röm 8,29f; Eph 1,11], und bestimmte für sie das ewige Leben vorher; von den übrigen aber, die er nach dem Ratschluß seiner Gerechtigkeit in der Masse des Verderbens zurückließ, wußte er im Voraus, daß sie zugrunde gehen würden, aber er bestimmte nicht vorher, daß sie zugrunde gehen sollten: er bestimmte diesen aber, weil er gerecht ist, die ewige Strafe vorher. Und deshalb reden wir lediglich von e i n e r Vorherbestimmung Gottes, die sich entweder auf das Geschenk der Gnade erstreckt oder auf die Vergeltung in Gerechtigkeit. (DH 621)

Kap. 2. Die Freiheit des Willens haben wir im ersten Menschen verloren und sie durch unseren Herrn Jesus Christus wieder empfangen; einerseits haben wir den freien Willen zum Guten, dem die Gnade vorausgeht und hilft, andererseits haben wir den freien Willen zum Bösen, der von der Gnade verlassen ist. Wir haben aber den freien Willen, weil er durch die Gnade von der Verderbnis geheilt wurde. (DH 622)

Kap. 3. Der allmächtige Gott »will, daß alle Menschen« ohne Ausnahme »gerettet werden« [1 Tim 2,4]; gleichwohl werden nicht alle gerettet. Daß aber manche gerettet werden, ist das Geschenk dessen, der rettet; daß aber manche zugrunde gehen, ist die Schuld derer, die zugrunde gehen. (DH 623)

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Kap. 4. So wie es keinen Menschen gibt, gegeben hat oder geben wird, dessen Natur nicht in unserem Herrn Jesus Christus angenommen war, so gibt es keinen Menschen, hat es keinen gegeben und wird es keinen geben, für den er nicht gelitten hat; gleichwohl werden nicht alle durch das Geheimnis seines Leidens erlöst. Daß aber nicht alle durch das Geheimnis seines Leidens erlöst werden, bezieht sich nicht auf die Größe und Fülle des Lösegeldes, sondern bezieht sich auf den Anteil der Ungläubigen und derer, die nicht mit dem Glauben glauben, »der durch die Liebe wirkt« [Gal 5,6]; denn der Kelch des menschlichen Heiles, der durch unsere Schwachheit und die göttliche Kraft bereitet wurde, hat es zwar in sich, daß er allen nützt; wenn er aber nicht getrunken wird, heilt er nicht. (DH 624)

Wie sind diese Lehrsätze zusammenzufassen? Dass Gott wollen kann, wenn der Mensch aber nicht will und die Erlösung in Christus, von der niemand von vornherein ausgeschlossen ist, nicht annimmt, dann wird es nichts mit der Erlösung des Menschen, der frei ist. Gott zwingt niemanden zu irgendetwas, weil Gott in seiner Allmacht den Raum für den freien Willen der Engel und der Menschen lässt.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will: Alverna 2011, 219-222.

[2] Vgl. Augustinus, Brief 190, Kap. 3, Nr. 9 (CSEL 57,144 / PL 33,859f); De dono perseverantiae 14, n. 35 (PL 45,1014).

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