"Antiliturgische Häresie" Spiritualität Unser Archiv:

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 6 von 8. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre

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Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

 

Kommentar 3.4

6. „Für viele“ und die Konkomitanzlehre

Für die Gültigkeit der Novus Ordo Messe auch beim fehlerhaften Blutwort spricht auch die scholastische Konkomitanzlehre. Laut der Konkomitanzlehre ist durch die Wandlungsworte in jeder heiligen Gestalt der ganze Christus enthalten. Dies bedeutet Jesus Christus von Nazareth, Gott und Mensch, ist mit Leib und Seele, Menschheit und Gottheit sowohl im Wein als auch im Brot wesenhaft unter sakramentalen Gestalten enthalten. Deswegen ist es zulässig nur unter einer Gestalt zu kommunizieren, weil man dadurch die gesamte sakramentale Fülle Christi zu sich nimmt und durch die eine sakramentale Gestalt nichts „verpasst“. So spricht das Konzil von Florenz (1439) im Dekret für die Armenier:

„Die Form dieses Sakrament des sind die Worte des Erlösers, mit denen er dieses Sakrament vollzog; der Priester vollzieht dieses Sakrament nämlich, in dem er in der Person Christi spricht. Denn Kraft der Worte selbst wird die Substanz des Brotes in den Leib Christi und die Substanz des Weines in das Blut verwandelt, jedoch so, dass Christus in der Gestalt des Brotes ganz enthalten ist und ganz in der Gestalt des Weines. Auch in jedem beliebigen Teil der konsekrierten Hostie und des konsekrierten Weines ist nach der Teilung Christus ganz.“ (DH 1321)

Mit „Teilung“ ist hier die Brotbrechung und die Mischung der Heiligen Gestalten, wie sie in jeder Messe stattfindet, gemeint. Auf dem Konzil von Florenz fußend, kann das Konzil von Trient feststellen:

„Kann. 3 Wer leugnet, dass im ehrwürdigen Sakrament der Eucharistie unter jeder der beiden Gestalten und – nach erfolgter Trennung – unter den einzelnen Teilen jeder Gestalt der ganze Christus enthalten ist: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 1653)

„Deswegen ist es ganz wahr, dass ebenso viel unter einer der beiden Gestalten wie unter beiden enthalten ist. Ganz und unversehrt ist nämlich Christus unter der Gestalt des Brotes und unter jedwedem Teil ebendieser Gestalt, ganz ebenso unter der Gestalt des Weines und unter seinen Teilen“. (DH 1641)

Kurz und gut: nach der erfolgten Konsekration des Brotes und des Weines ist der ganze Christus sowohl im Wein als auch im Brot enthalten.

Man könnte aber fragen: Nach welcher Konsekration konkret? Ist damit:

  • die Konsekration des Brotes?
  • die Konsekration des Weines?
  • oder aber die Konsekration des Brotes und des Weines gemeint?

Anders formuliert, lässt sich fragen, ob das Sakrament der Eucharistie erst dann stattfindet, wenn sowohl die Konsekration des Brotes als auch die des Weines ohne jegliche Mängel erfolgt ist. Anders gefragt, würde ein Priester nur das Brot ohne den Wein konsekrieren, wäre dann das Sakrament gültig? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Denn erstens behaupten zwar alle Autoren, dass die Vollkommenheit, Vollendung oder Verwirklichung (perfectio) dieses Sakraments in der Konsekration der beiden (utraque) Gestalten besteht.[1] Die Kirche hat immer angenommen, dass zur Gültigkeit des Sakraments die Konsekration der Materie des Sakraments, in diesem Falle von Brot und Wein, erforderlich ist.

Es scheint aber, dass der Konsekration des Brotes eine größere Bedeutung als der Konsekration des Weines beigemessen wird. So schreibt der Aquinate (Summ. Theol. III, q. 74, a.1 ad 2.)

„Es darf aber nicht das eine ohne das andere konsekriert werden; sonst wäre das Sakrament nicht vollendet (non esset perfectum sacramentum).“[2]

Bedeutet aber die Vollendung (perfectio) des Sakraments dasselbe wie seine Gültigkeit? Vielleicht kann ein Thomas-Kenner unter unseren Lesern weiterhelfen. Anders gefragt, angenommen, dass ein Priester nach der Konsekration des Brotes vom Blitz getroffen wird und augenblicklich stirbt, ohne den Wein konsekriert zu haben. Ist dann das Brot der Leib Christi? Unserer Meinung nach schon, da die Konsekration augenblicklich erfolgt und das konsekrierte Brot, als der Leib Christi, gleich nach seiner Wandlung und vor Wandlung des Blutes angebetet wird, ohne das die Konsekration des Blutes nicht abgewartet wird. Nach Thomas (Summ. Theol., III, q. 75 a.7) erfolgt die Wandlung, wie sein Text im nächsten Beitrag beweist, ja augenblicklich und nicht erst sukzessiv.

[1] https://books.google.de/books?id=vEA_AAAAYAAJ&pg=PA336&lpg=PA336&dq=perfectio+sacramenti&source=bl&ots=F637KQh2ZK&sig=aKCFQvGVsiBwwW0rdMD2kmittas&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=perfectio%20sacramenti&f=false

[2] http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel780-1.htm

 

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