Tradition und Glauben

Don Pietro Leone: DIE NEUE RELIGION – Gnosis und die Korruption des Glaubens (1 von 6)

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Einführung

Nun, der Inhalt des Glaubens ist unveränderlich und unfehlbar, und er kann sich, wie das Erste Vatikanum lehrt, durch die Jahrhunderte nur in der Klarheit und Tiefe seiner Ausdrücke entwickeln. In den letzten Jahren jedoch haben wir beobachtet, wie Ideen in das Lehramt eingeflossen sind, welche weder eine Klärung noch eine Vertiefung des Verständnisses des Glaubens begründen, sondern neue Lehren sind: häretisch entweder aktuell oder tendentiell, in ihrem Chrakter, übereinstimmend mit der tödlichen Agenda des Modernismus.

Die Frage, die wir nun in Bezug auf diese Lehren aufwerfen wollen, ist, ob es sich nur um bloße Verzerrungen und Verfälschungen der jeweiligen Glaubensartikel handelt, oder vielmehr, ob es sich zusammen mit dem Neuen Messritus, dem Neuen Ritus aller Sakramente, dem Neuen Kodex des Kirchenrechtes, dem Neuen Brevier, dem Neuen Katechismus, der Neuevangelisation, der Neuen Moral und Spiritualität, die vom Klerus gepredigt und gelebt wird, der Neuen entspannten Kirchendisziplin (in den Ordensregeln und der Kleiderordnung für den Klerus) im Ganzen um eine Neue Religion handelt.

In unserer Diskussion über die neue Familien- und Ehelehre des kirchlichen Lehramtes in unserer Arbeit: „Familie unter Beschuss“ schlugen wir eine Antwort auf diese Frage bezüglich der Gnosis vor. Das Ziel dieses Essays ist die nähere Erläuterung dieser Antwort in folgenden Teilen:

I        Gnosis am Beginn der Zeit

II       Gnosis in der pervertierten Kabbala

III     Gnosis als die Neue Religion

Postskriptum über die Gnosis in der heutigen Welt

I.     Gnosis am Beginn der Zeit

Der große argentinische Theologe Don Julio Meinvielle schreibt: „Im Verlauf der menschlichen Geschichte gab es zwei grundlegende Denk- und Lebenswege: einer ist der Katholische, das ist die Tradition, die von Gott durch Adam, Moses und Jesus Christus empfangen wurde: Der andere ist der gnostische und kabbalistische Weg, der den Irrtum aller Völker im Heidentum und im Glaubensabfall zuerst im Judaismus, dann im Christentum selbst nährt.“

Das erste dieser großen Systeme des Denkens und Lebens ist der Katholische Glaube (einschließlich seiner vorchristlichen Phase), und das zweite ist die Gnosis. Ersteres ist der einzig wahre Glaube und die einzig wahre Religion. Letzteres, insofern es ein kohärentes  Lehrgebäude und weit verbreitet ist und insoweit es in seiner letztendlichen Analyse atheistisch und in seinem Wesen im Gegensatz zu der einen wahren Religion steht, kann als eine Anti-Religion, oder als die Anti-.Religion par excellence beschrieben werden.

Wie sollen wir Gnosis definieren? Das Wort „Gnosis“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Wissen“. Wie wir später sehen werden, wird dieses Wissen als eine Form von geheimen Wissen in Richtung der Selbst-Vergöttlichung des Menschen verstanden.

Die Gnosis, der ständige Rivale des Katholischen Glaubens, manifestierte sich erstmals in der Menschheit in dem Ereignis, das wir den Sündenfall nennen. Wir fahren damit fort, dieses Ursprungs-Ereignis anhand des Buches Genesis zu meditieren:

„Die Schlange aber war listiger als alle Tiere der Erde, die Gott der Herr gemacht hatte. Diese sprach zu dem Weibe: Warum hat Euch Gott geboten, ihr sollt nicht von allen Bäumen des Paradieses essen? Da antwortete das Weib derselben: Von den Früchten der Bäume, die im Paradiese sind, dürfen wir essen, aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Paradieses ist, gebot uns Gott, nicht zu essen, und ihn auch nicht zu berühren, damit wir nicht sterben. Die Schlange aber sprach zum Weibe: Keineswegs werdet ihr sterben, Denn Gott weiß, daß welchen Tages ihr davon esset, eure Augen sich auftun und ihr wie Götter sein werdet, Gutes und Böses erkennend. Da sah das Weib, daß der Baum gut davon zu essen, und lieblich den Augen und angenehm anzuschauen sei, und sie nahm von einer Frucht und aß, und gab ihrem Manne, und er aß. Da wurden beider Augen aufgetan, und da sie erkannten, daß sie nackt seien, flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen.“ (nach Allioli)

Das hier beschriebene Ereignis, das des Sündenfalles, wurde von der Heiligen Mutter Kirche stets als ein reales Erlebnis des ersten Menschenpaares, Adam und Eva verstanden und gelehrt. Es war eine Sünde des Stolzes und des Ungehorsams gegen Gott, durch die Versuchung des Teufels in der Gestalt einer Schlange verursacht: eine Handlung, welche, insoweit sie von den Repräsentanten der ganzen Menschheit vollbracht wurde, nicht nur ihnen Schaden zufügte, sondern auch der ganzen Menschheit. Dieses Ereignis stellt gleichzeitig das Paradigma der Gnosis dar.

Zuerst stellen wir fest, dass die Gnosis auf der Negation der göttlichen Offenbarung beruht, auf der Negation des Wortes Gottes, namentlich, dass der Tod die Konsequenz des Essens der verbotenen Frucht sei. Aus diesem Grund kann es als häretisch beschrieben werden, obwohl es nicht im typischen und formalen Sinne der Leugnung eines Dogmas häretisch ist.

Lassen Sie uns damit fortfahren, das gnostische System im Licht des Katholischen Glaubens zu untersuchen: zuerst in seiner Theologie, dann in dem Wissen, das es dem Menschen zu bieten scheint, und zuletzt in seiner Moral.

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