Nr. 5: Was lehrt die römisch-katholische Kirche lehramtlich über die Juden? Rating:*

 

Frage von Christian:

Was lehrt die römisch-katholische Kirche lehramtlich über die Juden?

Zeittabelle oder Verlauf des Podcasts

00:01.35 Keine Aussage des Lehramtes
00:02:30 Neue Fragestellung
00:02:45 Definition Antisemitismus – Antijudaismus
00:03:45 Literatur
00:05:10 Erläuterungen
00:05:45 Aussagen der Kirchenväter
00:06:20 Grund für die Ablehnung des Judentums
00:07:10 Literatur
00:07:50 Literatur
00:09:00 Das Naturgesetz gab es vor den 10 Geboten
00:09:50 Forderung: Bekehrung der Juden und Heiden, Differenzen Juden – Christen
00:11:00 Lehramtliche Aussagen bezüglich der Juden
00:12:05 Missionierung der Juden
00:12:50 Literatur/Zitate
00:13:30 Literatur/Zitate
00:14:40 Literatur/Zitate
00:18:00 Taufe der Kinder von Juden gegen den Willen der Eltern?
00:18:30 Literatur/Zitate
00:20:15 Die Situation in der nachkonziliaren Kirche
00:20:40 Zusammenfassung
00:21:00 Vergleich jüdische und katholische Liturgie

Länge: 23:06

Literatur und Ergänzungen:

Die heutige Frage betrifft die lehramtlichen Aussagen über die Juden, deren Auswahl wir hier im Nachfolgenden darstellen:

Lehramt

Synode von Rom, i. J. 382

(23.) Wer in bezug auf den Vater und den Sohn richtig denkt, in bezug auf den Heiligen Geist aber nicht richtig denkt, der ist ein Häretiker; denn alle Häretiker, die in bezug auf den Sohn [Gottes] und den [Heiligen] Geist eine falsche Meinung haben, befinden sich in der Gottlosigkeit der Juden und Heiden. (Denzinger-Hünnermann 175)

(24.) Wer aber, wenn er den Vater Gott  und seinen Sohn Gott und den Heiligen Geist Gott nennt, duldet, daß sie Götter genannt werden und nicht Gott wegen der e i n e n Gottheit und Gewalt, von der wir glauben und wissen, daß sie dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist eigen ist, vielmehr den Sohn oder den Heiligen Geist herabsetzt und dementsprechend meint, nur der Vater werde Gott genannt, oder auf diese Weise an e i n e n Gott glaubt, der ist in allem ein Häretiker, ja sogar ein Jude; denn der Name »Götter « wurde von Gott auch den Engeln und allen Heiligen beigelegt und geschenkt, vom Vater aber und Sohn und Heiligen Geist wird uns wegen der einen und gleichen Gottheit nicht der Name »Götter«, sondern »Gott« zu glauben dargeboten und verkündet, weil wir nur auf den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist getauft werden und nicht auf die Namen der Erzengel und Engel, wie dies Häretiker oder Juden oder auch Heiden in ihrem Wahnsinn tun. (Denzinger-Hünermann 176)

Pseudo-cölestinische Kapitel bzw. »Indiculus« (442)

Wenn nämlich die Vorsteher der heiligen Völker den ihnen anvertrauten Auftrag erfüllen, vertreten sie vor der göttlichen Güte die Sache des Menschengeschlechtes und bitten und flehen unter Einstimmung der ganzen Kirche, daß den Ungläubigen der Glaube geschenkt werde, daß die Götzenanbeter von den Irrtümern ihrer Gottlosigkeit befreit werden, daß den Juden der Schleier des Herzens weggenommen werde und das Licht der Wahrheit aufscheine, daß die Häretiker durch die Annahme des katholischen Glaubens wieder zur Vernunft kommen, daß die Schismatiker den Geist neubelebter Liebe empfangen, daß den Gefallenen die Heilmittel der Buße zugewendet werden, daß schließlich den Katechumenen, die zu den Sakramenten der Wiedergeburt geführt werden, der Tempel himmlischer Barmherzigkeit erschlossen werde. (DH 246)

Konzil von Chalkedon (451) 7. (15.) Sitzung: Kanones

Kan. 14. Da es in einigen Provinzen Lektoren und Sängern erlaubt ist, zu heiraten, beschloß das heilige Konzil, daß es niemandem von diesen erlaubt sein soll, eine irrgläubige Frau zu nehmen. Die aber aus einer solchen Ehe schon Kinder gezeugt haben, sollen, wenn sie die aus ihnen Geborenen zuvor bei den Häretikern taufen ließen, diese der Gemeinschaft der katholischen Kirche zuführen; nicht getaufte aber können sie nicht mehr bei den Häretikern taufen lassen; sie dürfen sie aber auch nicht mit einem Häretiker, Juden oder Heiden zur Ehe verbinden, es sei denn, die mit dem Rechtgläubigen zu verbindende Person verspräche, zum rechten Glauben überzuwechseln. Wer aber diese Bestimmung des heiligen Konzils übertritt, soll der kanonischen Strafe unterliegen. (DH 305)

Gregor I. Brief »Qui sincera« an Bischof Paschasius von Neapel, Nov. 602

Wer in aufrichtiger Absicht Außenstehende zur christlichen Religion, zum rechten Glauben führen möchte, muß sich mit einnehmenden, nicht mit harten Worten darum bemühen, daß nicht die, deren Geist die Angabe einer klaren Begründung hätte herbeirufen können, Feindseligkeit weit fort treibt. Denn alle, die anders handeln und sie unter diesem Deckmantel von der gewohnten Pflege ihres Ritus abbringen wollen, von denen wird deutlich, daß sie mehr ihre eigenen Sachen als die Gottes betreiben. Es haben sich nämlich Juden, die in Neapel wohnen, bei Uns beklagt und behauptet, daß einige sich unvernünftigerweise darum bemühten, sie an bestimmten Feiern ihrer Feste zu hindern und es ihnen ja nicht zu erlauben, die Feiern ihrer Festlichkeiten so zu begehen, wie es ihnen bis jetzt und ihren Vorfahren vor langen Zeiten erlaubt war, sie zu beachten oder zu begehen. Wenn es sich aber in Wahrheit so verhält, so scheinen sie ihre Mühe auf etwas Überflüssiges zu verwenden. Denn was bringt es für einen Nutzen, wenn es, auch wenn man es ihnen entgegen langdauernder Gewohnheit verbietet, ihnen für den Glauben und die Bekehrung nichts nützt? Oder warum setzen wir für die Juden Regeln fest, wie sie ihre Feierlichkeiten begehen sollen, wenn wir sie dadurch nicht gewinnen können? (DH 480)

Alexander II. Brief »Licet ex« an Fürst Landulf von Benevent, i. J.(1065)

Auch wenn Wir nicht daran zweifeln, daß aus dem Eifer der Frömmigkeit hervorgeht, daß Euer Hochwohlgeboren anordnet, die Juden zum Kult der Christenheit hinzuführen, hielten Wir es dennoch, weil Du dies in ungebührlichem Eifer zu betreiben scheinst, für notwendig, Dir zur Ermahnung Unseren Brief zu senden. Unser Herr Jesus Christus hat nämlich, wie man liest, keinen gewaltsam zu seinem Dienst gezwungen, sondern durch demütige Ermahnung – wobei einem jeden die Freiheit der eigenen Entscheidung vorbehalten blieb – alle, die er zum ewigen Leben vorherbestimmte, nicht durch Richten, sondern durch Vergießen seines eigenen Blutes vom Irrtum zurückgerufen.… Desgleichen untersagt der selige Gregor in einem seiner Briefe, daß ebendieses Volk mit Gewalt zum Glauben gezerrt werde. (DH 698)

Innozenz III. Konstitution »Licet perfidia Iudaeorum«, 15. Sept. 1199

Zwar ist die Treulosigkeit der Juden vielfach zu verwerfen; weil jedoch durch sie unser Glaube wahrhaft bestätigt wird, dürfen sie von den Gläubigen nicht schwer unterdrückt werden … Wie es also den Juden nicht erlaubt sein darf, sich in ihren Synagogen über das hinaus, was gesetzlich erlaubt ist, etwas herauszunehmen, so dürfen sie in dem, was ihnen zugestanden ist, keinen Schaden erleiden. Wenn sie also auch lieber in ihrer Verhärtung verharren wollen als die Weissagungen der Propheten und die Geheimnisse des Gesetzes erkennen und zur Kenntnis des christlichen Glaubens gelangen, so treten Wir, da sie dennoch die Hilfe Unserer Verteidigung erbitten, aufgrund der Sanftmut der christlichen Frömmigkeit in die Fußstapfen Unserer Vorgänger seligen Angedenkens, der Römischen Bischöfe Calixtus [II.], Eugen [III.], Alexander [III.], Clemens [III.] und Cölestin [III.], schenken ihrem Gesuch Gehör und gewähren ihnen den Schild Unseres Schutzes. Wir ordnen nämlich an, daß kein Christ sie mit Gewalt nötige, widerstrebend oder gegen ihren Willen zur Taufe zu kommen; wenn aber einer von ihnen freiwillig um des  Glaubens willen seine Zuflucht zu den Christen nimmt, so soll er, nachdem sein Wille eröffnet worden ist, ohne jede Schmähung Christ werden. Denn man glaubt nicht, daß jener den wahren Glauben der Christenheit hat, von dem man weiß, daß er nicht aus eigenem Willen, sondern widerwillig zur Taufe der Christen kommt. Auch soll sich kein Christ unterstehen, ohne ein landesherrliches Urteil ihre Personen leichtfertig zu verletzen oder ihre Sachen gewaltsam fortzuschaffen oder die guten Bräuche zu verändern, die sie bisher in der Gegend, in der sie wohnen, hatten. Außerdem soll sie keiner in irgendeiner Hinsicht bei der Feier ihrer Feste mit Knüppeln oder Steinen stören, und keiner soll von ihnen ungeschuldete Dienste einzufordern oder zu erpressen versuchen außer jenen, die sie selbst in der Vergangenheit zu tun pflegten. Zudem bestimmen Wir, um der Schlechtigkeit und Habgier böser Menschen zu begegnen, daß keiner es wage, einen Judenfriedhof zu schänden oder herabzusetzen oder, um zu Geld zu kommen, schon beerdigte Leiber auszugraben. … [Es werden diejenigen  exkommuniziert, die dieses Dekret verletzen.] Wir wollen aber, daß lediglich diejenigen durch die Deckung dieses Schutzes gesichert werden, die sich nicht unterstehen, irgendwelche Ränke zum Umsturz des christlichen Glaubens zu schmieden. (DH 772-773)

Konzil v. Florenz: Bulle »Cantate Domino«: Dekret für die Jakobiten 

Sie glaubt fest, bekennt und verkündet, daß  niemand, der sich außerhalb d e r   k a t h o l i s c h e n  K i r c h e  b e f i n d e t , nicht nur keinei Heiden«1, sondern auch keine Juden oder Häretiker und Schismatiker, des ewigen Lebens teilhaft werden können, sondern daß sie in das ewige Feuer wandern werden, »das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist« [Mt 25,41], wenn sie sich nicht vor dem Lebensende ihr angeschlossen haben, und daß die Einheit mit dem Leib der Kirche eine solch große Bedeutung hat, daß nur denen, die in ihr verharren, die Sakramente der Kirche zum Heil gereichen und Fasten, Almosen und die übrigen Werke der Frömmigkeit und Übungen des christlichen Kriegsdienstes ewige Belohnungen zeitigen. »Und niemand kann, wenn er auch noch so viele Almosen gibt und für den Namen Christi sein Blut vergießt, gerettet werden, wenn er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt«. (DH 1351)

Benedikt XIV. Instruktion »Postremo mense«, 28. Febr. 1747

4. Wenn vom ersten Kapitel des ersten Teiles die Rede ist, ob nämlich hebräische Kinder g e g e n   d e n  W i l l e n   d e r   E l t e r n getauft werden dürfen, so sagen wir offen, daß dies schon vom heiligen Thomas an drei Stellen festgelegt wurde, nämlich in den Quodlibeta II, a. 7; in [der Summa theologiae] II-II, q. 10, a. 12, wo er die in den Quodlibeta vorgelegte Frage: »Dürfen Kinder von Juden und anderen Ungläubigen gegen den Willen der Eltern getauft werden?« wiederum einer Prüfung unterzieht und folgendermaßen beantwortet: »Ich antworte: Es ist zu sagen, daß die Gewohnheit der Kirche größte Autorität hat; sie ist stets in allem nachzuahmen, usw. Der Brauch der Kirche ließ es aber niemals zu, daß Kinder von Juden gegen den Willen der Eltern getauft wurden…«; und in III, q. 68, a. 10 sagt er folgendermaßen: »Ich antworte: Es ist zu sagen, daß die Kinder der Ungläubigen …, wenn sie noch nicht über den Gebrauch des freien Willens verfügen, nach dem natürlichen Recht unter der Fürsorge der Eltern stehen, solange sie nicht selbst für sich sorgen können …; und deshalb wäre es gegen die natürliche Gerechtigkeit, wenn solche Kinder gegen den Willen der Eltern getauft würden, ebenso wie wenn einer, der seine Vernunft gebrauchen kann, gegen seinen Willen getauft würde. Es wäre auch gefährlich …« (DH 2552)

Encyclopaedia Judaica

Ferner interessant:

Encyclopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart, t. 2, Berlin 1928, Kol. 956:

„Das Fremdwort Antisemitismus ist anscheinend zuerst 1879 von Wilhelm Marr aufgebracht worden, um die Judenfeindschaft mit der Zugehörigkeit der Juden zur semitischen Rasse und Völkerfamilie zu begründen und ihr das Gepräge einer auf letzte Ursachen zurückgehenden wissenschaftlichen Lehre zu geben. Der Ausdruck ist indessen unzutreffend, da das semitische Wesen keine Einheit ist und in Wahrheit nur die Juden damit gemeint sind. Da ferner das Moment der Rasse erst in neuerer Zeit hervortritt, kann von einem früheren A. nur insoweit gesprochen werden, als man darunter überhaupt feindselige Gesinnungen oder Handlungen gegen Juden und Judentum, aus welchen Gründen auch immer sie entspringen mögen (religiösen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen), versteht, welch irriger Sprachgebrauch in neuerer Zeit allerdings in Aufnahme gekommen ist“.

Literaturhinweise

http://www.etf.cuni.cz/~prudky/zbl-lit.html. P. Richardson, Israel in the Apostolic Church, Cambridge 1969; S. Sandmel, The First Christian century in Judaism and Christianity, New York 1969; M. Stern, Greek and Latin Authors on Jews and Judaism, t.1-2, Jerusalem 1974 / 1980; D. P. Efroymson, The Patristic Connection, w: Alan T. Davies (wyd.), Antisemitism and the Foundations of Christianity, New York/Ramsey/Toronto 1979, 98-117; P. Sanders, Jewish and Christian self-definition, t.1. The Shaping of Chris-tia-nity in the Second and Third Centuries, Philadelphia 1980; E. P. Sanders & A. I. Baumgartner (wyd.), Jewish and Christian Self-Definition, Vol. 2. Aspects of Judaism in the Graeco-Roman Period, Philadelphia 1981, s.115-156; P. Richardson & D. M. Granskou, Anti-Judaism in early Christianity, Waterloo, Ont. 1986; H. Schreckenberg, Die christliche Adversus-Judaeos-Texte. und ihr literarisches und historisches Umfeld (1. -11. Jh.), Frankfurt 19902; C. A. Evans (e.a.), Anti-semitism and early Christianity. Issues of polemic and faith, Minneapolis 1993; H. Buchinger, Ex 12,11.27.48 LXX bei Origenes: Textkritik und Antijudaismus, Studia Patristica 34(2001)285-293.

Über die jüdische Verfolgung der Christen:

J. W. Parkes, The Conflict of Church and the Synagogue, London 1934.

W. Parkes, The Conflict of Church and the Synagogue. A study in the origins of antisemitism, New York 19748, S. 149: “The period which immediately followed the Apostolic age and the fall of Jerusalem was marked on the Jewish side by the official determination to oust the Christian from the shelter of the Synagogue. On the Christian side it was a period in which a doctrine of the position of the Jews in the scheme of salvation was being evolved which was so offensive to Jewish feelings that violent hostility inevitably marked its proclamation. The offence was the greater for the bitter and unsympathetic attitude adopted towards the national tragedies in Palestine, ad because of the determination of the Christians to rob the Jews of the one hope left to the, the promises made to them in the Old Testament. In this period we find in the documents considerable evidence of the bloodshed which such a situation provoked”.

Ebd., S. 132: „Acta attributed to the first century number at most a few hundred among the thousands of individual records. In them we find a very high proportion of stories ascribing definite hostility to the Jews, culminating sometimes in the death of the saint”.

Als Quellen, welche die Christenverfolgung seitens der Juden belegen, gibt Parkes (S. 123-124): Acta Sanctorum, Acta Maryrum Orientalium et Occidentalium, Analecta Bollandiana, The Martyrs of Palestine, Greek Acts of the Persian Martyrs  under Shapur II, Le Synaxaire Arabe Jacobite, Le Synaxaire Armenin de Ter Israel, Synaxarium Ecclesiae Constantinopolitanae, Le Synaxaire Ethiopien.

Tertulian, Scorpiace adversus Gnosticos, Patrologia Latina 2, Kol. 143A:

“[…] et synagogas Judaeorum, fontes persecutionum […]”.

“ […] und die Synagogen der Juden sind die Quellen der Verfolgungen“.

Lektüre der Kirchenväter:

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  1. Onepeterfive
  2. Fisheaters
  3. FSSPX USA
  4. Tradition in Action

Hörenswert:

Ann Barnhardt

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