Tradition und Glauben

E.B.E., Die Pathologie Escrivás: Warum man sich für das Opus Dei schämen muss (2 von 4)

Darüber, warum Opus Dei einen psychopatischen Gründer hatte.
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Lüge als System, Lüge als Lebensentwurf. Dort, wo ständig gelogen wird, da steht der „Vater der Lüge“ dahinter. Er scheut die Wahrheit und das Licht.

Das zerstörte Innenleben

Warum hat Escrivá so gehandelt? War das eine Strategie? Das Problem Escrivás und seines  Opus Dei besteht darin, dass seine Strategien in pathologischen Verhaltensweisen münden; es handelt sich nicht um Notlügen, sondern um ein Verhaltensmuster. Es gibt nicht einem einmaligen Verlangen nach, es frönt hier einem Laster. Ein normaler Mensch mit gesunden Kriterien begeht solche Betrügereien einfach nicht, auch nicht aus Bosheit: Wenn er etwas Schlimmes tun will, dann handelt er rational, vielleicht sogar leidenschaftlich, aber nicht pathologisch; und hier kommt noch eine Qualität hinzu. Psychopathen (der entsprechende Artikel auf Wikipedia ist  höchst empfehlenswert) richten Schaden an, und das ist auch ein moralisches Moral), dazu kommt dann noch der psychiatrische Aspekt.

Aber abgesehen davon, dass er die Realität durcheinander bringt um andere zu schädigen und sich zu bereichern, oder um sich an fremdem Schaden zu bereichern, musste Escrivá die Wirklichkeit manipulieren, um  sie seinem Verständnis der Dinge anzupassen. Es verhält sich wie mit dem Selbstporträt des großartigen Künstlers namens Francis Bacon, das oben abgebildet ist: Er wollte keine fotorealistische Abbildung der Wirklichkeit zeigen, sondern seine Interpretation liefern. Man sieht dieses Gesicht und ahnt, dass sich hinter dieser Oberfläche eine ganze, sehr komplexe Welt verbergen muss.

Das Opus Dei ist das Selbstporträt Escrivás: Es ist die Interpretation, dass er „gemacht hat, was er gesehen hat“ (wenn man an den übernatürlichen Ursprung des Werkes glaubt), aber auch, notwendigerweise die Schlussfolgerung aus dem, was auch immer er da gesehen hat. Wenn man das Opus Dei studiert, gewinnt man einen tiefen Einblick in die Psyche Escrivás, und eben das war der Grund, warum Escrivá nicht wollte, dass man offen über das Opus Dei redet: Es wäre genauso gewesen, wie wenn man über ihn gesprochen hätte, und er wollte sich ja „verbergen und verschwinden“.

***

Ebenso hat Escrivá als laikal deklariert, was typisch für die Ordensleute ist (und dabei hat er die Tatsachen verdreht und seinen Gefolgsleuten eine echte Phobie vor den Ordensleuten eingeimpft, damit bloß keine Kontakte entstehen und über dieses Thema auch nicht im entferntesten gesprochen werden soll). Es ist die gleiche Vorgangsweise wie immer – er bringt die Dinge und die Wörter durcheinander. Einmal kann das nett sein, wenn man das öfter macht, riecht es nach einem taktischen Manöver, aber wenn es zu oft passiert, wird es haarsträubend.

Escrivá hatte vollkommen verkehrte Denkkategorien, und er verpflichtete uns, die Dinge mit einem Decknamen zu benennen, und so machte er uns weis, dass wir keine Geweihten oder Ordensleute seien, sondern Laien wie die anderen. Das ist allerdings problematisch für die Psyche, über den taktischen Schwindel hinaus. Uns war der Zugang zur Realität buchstäblich verboten, wir hatten in einer „psychotischen Atmosphäre“ zu leben. Vor den Augen der Welt sperrte uns Escrivá den Zugang zur Welt – ein Zaubertrick. Man konnte ihm nicht einmal irgendwelche Vorwürfe machen, es spielte sich ja „vor aller Augen“ ab; den Trick konnte ihm niemand nachweisen.

Das Opus Dei weist eine psychotische Atmosphäre, eine Aura des Realitätsverlusts auf. Und obendrein versicherte Escrivá, so als wollte er die Pathologie vervollkommnen:

Aber die Ideen sind klar, das Bewusstsein ebenfalls. Was wir nicht machen können, ist, schlimme Dinge zu tun und zu behaupten, dass sie heilig sind“ (Escrivá, Betrachtungen III, S. 715).

Escrivá schuf sich seine eigene Realität, und zugleich leugnete er alles andere ab; er hatte bereits alle Möglichkeiten studiert, alles sicher gemacht. Das, was Escrivá gemacht hat, war ein gewaltiger Knoten, den so leicht niemand mehr entwirren konnte.

Er nahm alle Arten von Kritik vorweg, die irgendwie auftauchen konnten, und ließ uns dadurch wissen, dass sie kommen werden. In Wahrheit sind diese Kritikpunkte alle, durch die Bank, berechtigt und von Anfang an plausibel: Heimlichtuerei, Zwang, Betrug, Manipulation, übersteigertes, elitäres Selbstbewusstsein…, aber wir waren uns dessen nicht bewusst, denn Escrivá hatte sie uns ja ausdrücklich geleugnet. Escrivá sagte uns, dass die Menschen, wenn sie davon erfahren, uns verleumden würden – was er doch für eine Prophetengabe hatte! Nun klar, er war von Gott erleuchtet du  sah die Zukunft voraus, dachten wir einfältig. Im Opus Dei – fuhr Escrivá fort – gibt es eine außerordentliche Freiheit, und deshalb sage ich euch voraus, dass es Verleumdungen geben wird, Lügen, groß wie ein Elefant, die vom Teufel kommen – indem sie sagen werden, dass es keine Freiheit im Opus Dei gibt, und ihr werdet wissen, dass es sich um  Verleumdungen handelt. Was Escrivá gemacht hat, hat er mit vollem Bewusstsein gemacht, und das ist unentschuldbar. Er hat alles kaltblütig geplant und vorausberechnet.

Indem er das Gegenteil leugnete (den Mangel an Freiheit, den Mangel an Säkularität), leugnete er, dass es außerhalb seines Gewissens noch eine andere Wirklichkeit gab, und er stellte seine Fiktion als Realität hin. Ein anderes schlimmes Bild ist das von Schraube und Mutter, das sich in psychiatrischer Analogie auf Escrivá anwenden lässt. Er erzeugte Verwirrung und hielt eine Lobrede auf die Klarheit. Das ist viel mehr als ein bloßes Intrigenspiel; umso etwa gut machen zu können, muss man ein schlechter Mensch sein.

„Conceder sin ceder, con ánimo de recuperar“ – nachgeben, ohne wirkliche Zugeständnisse zu machen, und mit der Intention, das verlorene Terrain wiederzugewinnen. Das pathologische Problem Escrivás war es zu glauben (oder glauben zu lassen), dass seine Vorgangsweise nicht pathologisch sei, sondern eine simple Taktik. Er kam sich wie ein Schlaukopf vor, aber da war noch etwas. Escrivá nannte es eine Taktik (es gibt ein ganzes Kapitel im „Weg“, das so heißt), aber tatsächlich war das eine Pathologie. Er konnte nicht anders handeln als verworren, wenn er uns auch gleichzeitig das Gegenteil versicherte:

 „Mit Starrheit erreicht man gar nichts; man verliert die Spontaneität und die Initiative, und das Ergebnis sind komplexbeladene Seelen, die gegen ihr Gewissen  handeln und richtige Sünden begehen, die wir barock, kompliziert, unnatürlich nennen könnten. Freiheit, meine Kinder, Freiheit ist der Angelpunkt jener laikalen Mentalität, die wir alle im Opus Dei haben“. (Escrivá, Brief, 29-IX-1957, Nr. 55., zit. in Betrachtungen IV, S. 272-273).

Wie oft haben wir uns gefragt, warum die Dinge nicht einfacher und offener ablaufen konnten? Es gab verschiedene Gründe dafür (Klugheit, Diskretion etc.), aber das Ergebnis war dasselbe: immer kompliziert. Und es ist unvermeidlich, dass man sich für so etwas schämt.

Die Widersprüche im Opus Dei waren derart, dass man sich irgendeine Stütze suchen musste, um psychisch gesund zu bleiben und dass Gefühl zu haben, „auf dem richtigen Weg zu sein“ (ein anderes Bild, das Escrivá gebrauchte). Man kann nicht leben, wenn ständig die Spannung des Widerspruchs in sich selbst aushalten muss.

So versicherte man sich, indem man nicht daran zu zweifeln wagte, dass Escrivá psychisch gesund war. Das Verhalten, das er an den Tag legte, bedeutete nicht so viel, wenn nur die „Grundsätze“, die er gab, stimmig waren.

Aber wenn es dem Gewissen verboten war, die Wirklichkeit zu hinterfragen, waren sehr oft psychosomatische Reaktionen die Folge: Depressionen und Angstzustände wollten uns vermitteln, dass etwas mit der „Welt Escrivás“ nicht stimmte; es war eine Auflehnung gegen den Krampf, den Zwang, die Selbstaufopferung:

„Man muss es lernen sich aufzulösen, sich selbst zu zerstören, auf sich selbst zu vergessen; man muss vor Gott brennen, aus Liebe zu den Menschen und aus Liebe zu Gott, genau wie jene Kerzen, die sich vor einem Altar verzehren, bis von ihnen nichts mehr übrig ist“ (Escrivá, Meditación, 16-II-1964).

Es gibt keine andere Form, sich an die Welt Escrivás anzupassen, denn sonst hätten wir so verrückt sein müssen wie er selbst, und das waren wir nicht. Genau deshalb mussten wir uns allerdings, als wir aus dem Opus Dei weggingen, uns notwendigerweise an die Welt anpassen, an die wirkliche Welt, in der wir jetzt leben, nicht die Welt Escrivás. Und der Grund dafür ist nicht, weil wir „wie die Ordensleute gelebt haben“: Wir haben außerdem in einer Verkehrung der Worte und Dinge gelebt. Wir mussten lernen, mit unseren Augen zu sehen, nicht mit den verzerrten Linsen, die uns Escrivá aufgedrängt hatte. Die Verbindung zum Opus Dei hatte einen einzigen Sinn: Jeder einzige musste sich an Escrivá anpassen, während das Opus Dei selbst niemals auf die Umstände eines einzelnen Menschen  Rücksicht nahm. Deshalb war die Unterwerfung von geradezu „strategischer“ Bedeutung.

Die Aufopferung des eigenen Selbst – hier zeigt sich die Perversion Escrivás, der Schaden, den er angerichtet hat, mit besonderer Intensität; er wollte, dass wir so werden wie er, die Kontrolle über uns verlieren, uns vernichten, zerstören, den Wirklichkeitssinn verlieren und ebenso unser Urteil, bis wir rettungslos verstrickt und krank geworden wären, ohne einen Weg zurück, ein Holocaust, ein Ganzopfer. Er wollte, dass wir so werden wie er, ihm in seiner Psychose Gesellschaft leisten. 

„Ich werde zulassen, dass man mich besser kennenlernt, besser führen lassen, mich schleifen, herrichten lassen! […] Ich will nicht mein eigenes Kriterium in den Vordergrund stellen, denn niemand kann sich da sicher sein, niemand ist ein guter Richter in eigener Sache, sondern ich will mich dem Urteil der Direktoren unterwerfen“ (Escrivá, Betrachtungen III, S. 225)

Es klingt alles so schön, was er gesagt hat. Das Problem liegt darin, wie es ausgegangen ist. Es wollte, dass sich unsere Seelen wie das Eisen in den Händen des Schmiedes formen lässt. Wenn wir das zugelassen hätten, hätten wir uns völlig ruiniert, und nicht wenige im Opus Dei sind so geendet. Deshalb ist die Kontrolle über die Gewissen so grundlegend: um sie aus der Wirklichkeit herauszuziehen und sie völlig in der Welt Escrivás aufgehen zu lassen.

Das Opus Dei hat nicht nur einen eigenen Codex Iuris Particularis, es hat sogar eine eigene Psychologie, und es wäre höchst notwendig, dass sie einmal von Spezialisten beschrieben würde.

***

Escrivá verkündete die „theoretische Freiheit“ und leugnete zugleich, dass sie in Wirklichkeit gar nicht existierte; er hielt uns „im Netz seines Bootes“ fest. Deshalb ist das Opus Dei auch „vollkommen und ohne Makel“: Escrivá wollte nur einen Teil der Wirklichkeit wahrhaben, nämlich den, den er als real definierte, seine mentale Innenwelt. Nur in der Theorie gab es die Freiheit, die er dekretierte, und damit auch die Abwesenheit von Zwang (das ist dasselbe, nur negativ formuliert) – er akzeptierte einfach nicht, dass es eine Wirklichkeit außerhalb seiner Welt, seines Kopfes geben sollte. Es gibt keinen Zwang, es kann ihn nicht geben, hat ihn nie gegeben, wird ihn nie geben – das sind typische apodiktische Behauptungen Escrivás, der sich als Prophet, als Messias ausgab. Es war eine vollkommene Welt, die er erschaffen hatte.

Escrivá interagierte mit der Außenwelt, aber ohne seinen Bereich zu verlassen; er bewohnte eine Höhle. Was sind Villa Tevere oder Cavabianca schließlich anderes? Es sind vollkommen abgeschottete Welten, und so war auch das Opus Dei eine Höhle. Wie sollte es einem nicht peinlich sein zu behaupten, man wäre von der Welt, wenn man zugleich in seiner Höhle verharrt? Es ist lächerlich; man müsste, um so etwas zu vertreten, eine Maske aufsetzen oder sich hinter einem erlogenen Enthusiasmus verbergen.

Dass es uns peinlich war, ist ein heilsames Symptom dafür, dass wir nicht in die Struktur der Pathologie hineingeraten sind und dass wir noch einen Bezug zur Wirklichkeit hatten. Andererseits zeigte uns Escrivá unter dem Motto der „heiligen Unverschämtheit“ vor aller Augen, wie ein Zauberer, seine Pathologie, seine Schamlosigkeit und ließ sie als Tugend erscheinen. Er hatte kein Problem, die Realität zu leugnen, denn er hatte sich eine für ihn günstige Umwelt geschaffen: den Mikrokosmos des Opus Dei, ein präpariertes Szenario, wo er seine Zauberkunststücke vorführen konnte und wo er sein eingeschworenes Publikum hatte. Escrivá verließ seine Welt nicht – er hatte sich sein Theater geschaffen, in dem er auftreten konnte – und alle, die ihn umgaben, bestärkten ihn in seiner Vision, sie hatten Teil an ihr, weil er es so befahl.

Er wollte, dass wir in Furcht geraten sollten, wenn wir einmal das Opus Dei verließen  – deshalb die Drohungen, unser Leben würde bitter wie Rizinus etc. Vermutlich war eben dies die Beklemmung, die er fühlte, wenn er seine fiktive Welt verließ: Er drohte denen, die sein „Theater“ verließen, bevor er seine Rolle fertiggespielt hatte – die die Heiligsprechung einschloss – denn ohne sein Publikum war das Theater nichts, Escrivá würde einsam zurückbleiben, in jener existenziellen Bedrängnis, die ihn das Opus Dei erfinden ließ. Er brauchte die Bestätigung, die Bewunderung der anderen, sein großes Publikum. Das Opus Dei zu verlassen wäre ein persönlicher Affront gegenüber Escrivá; er nahm es wie einen Angriff auf seine Person, auf seine tiefsten Seelenschichten.

Deshalb waren unsere Tage von Anfang an gezählt; es war unmöglich, die Pathologie dieser Berufung mit mentaler Gesundheit vereinbar zu machen. Es war nicht denkbar, diese Spannung beständig auszuhalten – auch wenn einige Jahrzehnte gebraucht haben, um  sich loszureißen.

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