Tradition und Glauben

Ein Confiteor mehr oder weniger – was macht das schon aus?

Über die Bedeutung der Confiteor und über den würdigen Kommunionempfang.
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Als DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] seine Reise mit der Tridentinischen Messe anfing, wunderte er sich, dass das zweite Confiteor von den Gläubigen gebetet wird, obwohl es nicht in seinem Missale vermerkt wurde. Der wenig an menschlicher Kommunikation oder pastoralen Aufgaben interessierte Pius-Priester, den er danach fragte, erklärte ihm kurz, dass „es vor Johannes XXIII anders war, aber dieser es abgeschafft hätte“, womit DSDZ genauso wenig wusste wie vorher.

Erst die Reihe von Carol Byrne macht deutlich, was es mit dem zweiten Confiteor auf sich hat. Das Messbuch ist für den Priester, der immer kommunizieren muss. Das Volk muss es nicht. Daher ist das zweite Confiteor nicht in dem Priestermessbuch vermerkt, sondern nur im Rituale romanum,    in einem Ritus der Kommunionspendung außerhalb der Messe, wo man wirklich davon ausgehen kann, dass die Gläubigen kommunizieren.

Bei einer gewöhnlichen Messe war es zumindest vor den Reformen des Pius X so, dass nur dann, wenn kommunizierende Gläubige anwesend waren, sie selbst das dritte Confiteor rezitierten. Das zweite aber rezitierte der Ministrant, wie hier bereits dargelegt. Als das zweite Confiteor wegfiel, war es für jedermann sichtbar, dass sich etwas geändert hat, ohne dass er zuerst sagen konnte, warum.

Diese Auslassung war also ein Schritt in die Richtung die Messe zur einem „Mahlgottesdienst“ zu machen, wo der Kommunionempfang für alle quasi verpflichtend ist.

Aber warum?

Damit alle, die in schwerer Sünde Kommunion empfangen in kurzer Zeit den Glauben verlieren. Genau das soll angeblich Voltaire einem jungen Mann geraten haben, der noch glaubte.

Jedes Confiteor bewirkt tatsächlich und objektiv den Nachlass der lässlichen Sünden vor dem Kommunionempfang. Wenn also das Confiteor dreimal gebetet wird, beziehungsweise, wenn der Gläubige es selbst tut, so bereitet er sich besser vor, als wenn er dies unterlässt. Das kirchlich verordnete Ausbleiben des zweiten und des dritten Confiteor ließ ganz einfach den Gläubigen ihre lässlichen Sünden. Viele lässliche Sünden machen zwar noch keine Todsünde aus,[1] sie disponieren aber dazu.[2]

Bei Novus Ordo gehen ja alle zur Kommunion, meistens ohne davor gebeichtet zu haben. Seit Desiderio desideravi wird neuerdings überhaupt kein Gnadenstand mehr verlangt, sodass man absolut sicher sein kann und seit Amoris Laetitia man es auch ist, dass Menschen in Todsünde kommunizieren, damit ein Sakrileg begehen und darüber den Glauben verlieren, wenn Voltaires Rezept stimmt, was der Fall zu sein scheint.

Denn nachkonziliare die „Kommunion für alle“, neuerdings auch für Ehebrecher und in Deutschland für Protestanten hat den Glaubensverfall nicht einmal beschleunigt, sondern schlichtweg verursacht. Warum?

Weil das Spirituelle genauso objektive Gesetze hat wie die Physik!

Wenn Sie A machen, dann folgt B, gleich, ob sie „daran glauben, oder nicht“. Gott ist nicht nur wirklich, sondern die Wirklichkeit schlechthin und seine spirituellen Gesetze sind es auch. Als die Geistlichen noch aufgrund der vorhandenen Askese, des Gebetslebens und der fehlenden Todsünde ein Gespür für diese Dinge hatten, wussten sie es auch.

Das Kommunizieren in der Todsünde war dermaßen verboten, dass es nicht einmal denkbar war. Man kommunizierte selten, mehrmals im Jahr, nachdem man sich gründlich vorbereitet hat. Gleich nach der Beichte, um nicht einmal zwischendurch leicht sündigen zu können.

DSDZ ist sich sicher niemals in schwerer Sünde kommuniziert zu haben, aber die Kommunion „gerade aus der Beichte raus“ fühlt sich wirklich anders an als solche, wo die Beichte schon länger zurücklegt.

Wir häufen einfach lässliche Sünden an, wie die Möbel den Staub. Man kann zwar die lässlichen Sünden anders als in der Beichte tilgen (durch Verwendung der Sakramentalien: Kreuzzeichen, Almosen, Gebete, Weihwasser etc.),[3]  aber sakramentale Beichte tilgt wenigstens einen Teil der Sündenstrafen,[4] für die man im Fegefeuer büßen muss, was die Sakramentalien nicht tun.

Die sakramentale Beichte verleiht nämlich die heiligmachende Gnade (gratia habitualis),[5] während die Sakramentalien nur aktuelle Gnaden (gratia actualis) verleihen.[6] Deswegen fühlt man sich nach der Beichte leichter, lichter, heller, freudiger, reiner etc. Weil in der Beichte objektiv etwas passiert und beim Kommunionempfang natürlich auch.

Und damit noch hier der letzte Zweifel geklärt wird. Todsünde ist etwas Objektives. Sie ist es, gleich, ob man etwas für eine Todsünde hält oder nicht hält. Lebt man in der Todsünde schon länger, so ist, man wie hier gezeigt, dermaßen verstockt und verblendet, dass man sich selbst für heilig hält. Das gilt nicht nur für sterbende Päpste, sondern für uns alle.

Und leider hat Pius X mit seinen Dekreten über die häufige Kommunion diese Talfahrt des unwürdigen Kommunionempfangs eingeleitet. Es ist doch unmöglich, dass man sich genauso gut auf etwas vorbereitet, was man häufig tut, wie darauf, was man selten tun. 

Schauen wir uns diese schiefe Ebene an:

  1. Pius X – Häufige Kommunion, Senkung des Erstkommunionalters (1905-1910).
  2. Pius XII – Weglassen des zweiten Confiteors am Gründonnerstag bei der Karwochereform (1956).
  3. Johannes XIII – Weglassen des zweiten Confiteors überhaupt (1962).
  4. Paul VI – Novus Ordo – kein Confiteor (1970).
  5. Johannes Paul II – Nach Familiaris consortio Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, wenn Sie keusch leben (1981).
  6. Franziskus – Nach Amoris Laetitia Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, auch wenn sie Sex haben (2016).
  7. Franziskus – Nach Desiderio desideravi wird Gnadenstand beim Kommunionempfang nicht mehr gefordert (2022).

Ja, Sie haben es richtig gesehen. Es gibt diesen Abstieg seit Pius X, den die armen Piusanhänger, für das Vorbild schlechthin halten, was leider zeigt, wie wenig Erzbischof Lefebvre wirklich von der Liturgie verstand als er gerade diesen Papst zu seinem Patron wählte.

Das zweite Confiteor oder das dritte Confiteor ist nicht unnütz, wie nichts in der traditionellen Liturgie unnütz ist. Die „Reformatoren“ haben es auch gewusst und genau verstanden, was sie uns wegnehmen sollen, damit wir beim jetzigen Zustand der Kirche verenden. Die Dämonen haben sie geleitet, denn so spirituell sensitiv und vorausschauend ist kein Mensch. Amen.


[1] Summ. Theol, 1.2. q. 88 a. 4 c., Tridentinische Konzil, Sitzung XIV, Cap. 5.

[2] Müller, Theologia moralis, Bd. I, Wien 1895, 475-476.

[3] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will 2012, 1051.

[4] Ebd., 1014-1015.

[5] Ebd., 1052; Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 2010, 462; 370-372.

[6] Ott, 362.

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