Tradition und Glauben

Eine ernsthafte Erwiderung auf den Leserbrief des Monats

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Nach der witzig-polemischen Antwort auf den gestrigen „Lesebrief“ des Monats wollen wir uns seiner meritorisch annehmen.

War es denn richtig ihn zu veröffentlichen?

Warum nicht? Man wurde um keine Diskretion gebeten und dort stehen auch keine persönlichen Bekenntnisse, die vertraulich behandelt werden sollten. Jemand schreibt etwas „von der Leber weg“ in einem recht ultimativ-belehrenden Ton, doch in einem hat er recht:

Kurz formulierte Pauschalurteile und Informationen führen in der jetzigen Verwirrung zur mehr Verwirrung.

Dies stimmt zwar, aber kurz formulierte Pauschalurteile sind auf einem populär-gehaltenen theologischen Blog unvermeidbar, da 99,9% unserer Leser über kein Theologiestudium verfügt, sowie sich darüber nicht im Klaren ist, dass in der Theologie, wie in der Jurisprudenz, jeder Begriff einen fest umschriebenen Begriffsrahmen besitzt. Es ist wirklich wie in der Physik: jeder Satz gleicht der Formel:

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Jemand, der Physik studiert hat, weiß etwas mit diesen „Hieroglyphen“ anzufangen, einem Nichtstudierten z.B. die Maxwell-Gleichungen nicht-physikalisch zu erklären, ist immer mit einer Vereinfachung verbunden, bei denen viele Inhalte zu kurz kommen. Obwohl sich die Theologie der Sprache und nicht der mathematischen Symbole bedient, so gleicht der Satz:

„Die Sakramente sind gültig, aber nicht rechtmäßig“

ebenfalls der Maxwell-Gleichung. Denn das Wort „gültig“ und „rechtmäßig“ wird in der Theologie anders als in der Umgangssprache definiert. Theologie ist ein axiomatisches System. Dies bedeutet, dass bestimmte Grundsätze ungefragt und ungeprüft angenommen werden, deren Wahrheitsgehalt sich im weiteren Verlauf des Systems bewahrheitet. Wikipedia stellt das Axiomensystem wie folgt dar:

Ein Axiomensystem (auch: Axiomatisches System) ist ein System von grundlegenden Aussagen, Axiomen, die ohne Beweis angenommen und aus denen alle Sätze (Theoreme) des Systems logisch abgeleitet werden.[1] Die Ableitung erfolgt dabei durch die Regeln eines formalen logischen Kalküls. Eine Theorie besteht aus einem Axiomensystem und all seinen daraus abgeleiteten Theoremen. Mathematische Theorien werden in der Regel als Elementare Sprache (auch: Sprache erster Stufe mit Symbolmenge) im Rahmen der Prädikatenlogik erster Stufe axiomatisiert.[2]

Anders formuliert: um die Beweisführung im Schritt 137 verstehen zu können, muss man wirklich bei 1 anfangen oder bei Adam und Eva. DSDZ ist durchaus in der Lage die ganze Beweisführung sowohl akademisch darzulegen als auch umgangssprachlich zu vereinfachen, da er dies schon auf seinem polnischen Blog mehrmals getan hat, indem er:

  1. Lateinische theologische Werke selbständig übersetzt hat,
  2. Diese akademisch-theologisch ausgewertet hat,
  3. Diese umgangssprachlich zusammengefasst hat,
  4. Die Inhalte praktisch angewandt hat.

Dies ist möglich, ist aber zeitaufwendig, da es sehr gründlich durchgeführt werden muss. DSDZ arbeitet Vollzeit bis 15.08, danach wird er arbeitslos werden, um einen Gründerzuschuss für seine Selbständigkeit zu erhalten und die ungewisse Zukunft als kommerzieller, katholischer Blogger/Unternehmer anzufangen, sodass er später mehr Zeit haben wird. Er wird sicherlich einen Teil seines Wissen kommerzialisieren müssen, denn das Schreiben von theologischen Traktaten, die dem Seelenheil dienen sollen und wirklich harte Arbeit und außer ihm wird es kaum jemand tun, weil er es bereits nicht tut. Zurzeit schreibt er zwischen Tür und Angel, ist sehr überarbeitet und unausgeschlafen, weiß jedoch, dass hinter jeder Frage, die an ihn gerichtet wird, eine persönliche Krise stehen kann und steht.

Soll er also den Leser auf einen Beitrag vertrösten, der vielleicht in einigen Jahren entstehen wird oder gleich und verkürzt antworten?

Er wählt das Letztere, obwohl er sich dadurch angreifbar macht. Eine akademische, theologisch-korrekte Darstellung werden vielleicht 2% bis 5% der Leser dieses Blogs verstehen und zu schätzen wissen, den anderen wird diese Argumentation verschlossen bleiben.

Cézanne,_Alte_Frau_mit_Rosenkranz
Unsere treue Leserin

DSDZ hat immer ein modernes „Rosenkranzmütterchen“ vor Augen, die gerade die Wäsche eingeholt hat, bald den Hasen spicken wird und in der Zwischenzeit auf den Blog schaut, um Ihr Problem zu lösen, ob, da sie die sakramentale Wirkung nicht spürt, sie oder der Priester sich nicht in Gnadenstand befindet. Zwischen der Wäsche und dem Hasen, sozusagen, wird kein ausgearbeiteter theologischer Traktat gewürdigt werden. So lautet jetzt die praktische Antwort auf eben gestellte Frage:

  1. Es ist möglich, dass das Sakrament überhaupt nicht stattfindet.
  2. Es ist möglich, dass der Priester nicht im Gnadenstand ist.
  3. Wenn Sie aber ständig im Gnadenstand sind und sich um Tugendakte bemühen, so können Sie Ihrem geistlichen Gespür vertrauen, siehe Kardinal Bona.
  4. Gehen Sie einfach woanders hin.
  5. Müssen Sie zu diesem kanonisch regulären Priester hingehen und haben keine konkreten Gegenbeweise (Konkubine wohnt bei ihm, er leugnet öffentlich die Realpräsenz und will nicht das tun, was die Kirche mit diesem Ritus tut), dann gehen Sie weiterhin hin, opfern es Gott auf, denn es ist „Not“ und Sie haben keine Wahl.
  6. Haben Sie konkrete Gegenbeweise, dann informieren Sie den Bischof und gehen nicht mehr hin.

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Die eigentliche Frage, die dieser Leserbrief stellt, lautet aber:

Ist Gnade spürbar?

Die Antwort lautet: ja.

Und wenn man Sie nicht spürt?

Dann entweder sind Sie nicht im Gnadenstand und spüren es deswegen nicht oder es findet kein Ausströmen der Gnade statt. Vor vielen Jahren, als DSDZ noch ganz schüchtern schrieb, dass die Tridentinische Messe irgendwie „gnadenreicher“ ist, wurde er von einem recht bekannten polnischen Jesuiten brutal angegriffen, welche meinte es gibt keinen „Gnaden-Meter“. Er hat Unrecht, denn diesen gibt es wirklich und unsere Reihe über die Gültigkeit, Rechtmäßigkeit und Würdigkeit der Sakramente wird es offenbaren. Der Grund aber, warum dieser Jesuit so aggressiv reagierte war psychologischer Natur. Er dachte, wenn es stimmt, dass diese Dinge an sich spürbar sind, dann spüren die Menschen welche Sündenwolke von mir ausgeht. Wenn der Schreiber des Leserbriefs sich über diese Spürbarkeits-Thematik so aufregt, dann betrifft sie ihn persönlich, wie viele andere auch, dass er keine Gnadenwirkung dort spürt, wo er hingeht, was ihn natürlich beunruhigt. Deswegen ist es besser die ganze erste These:

Gnade ist spürbar

zu kippen, um mit sich selbst, was natürlich das Wichtigste ist (Ironie aus!) im Reinen zu bleiben.

Welche theologische Disziplin sagt etwas über die „Spürbarkeit der Gnade“ aus?

Ausschließlich die Aszetik oder die spirituelle Theologie, also solche Werke wie Kardinal Bona, Adolphe Tanquerey oder Pater Poulain SJ. Aszetik bedient sich aber der Grundsätze der Dogmatik unter der Vermittlung der Moraltheologie. Dennoch sind sehr wenige Grundsätze der Aszetik Dogmen. Man kann höchstens die Beweisführung anbringen:

  1. Dieses Phänomen X, z.B. Geistesunterscheidung oder Spürbarkeit der Gnade, trat bei diesem Heiligen auf,
  2. Was die Heiligsprechungsakte in den Acta Bollandiana belegt,
  3. Das Phänomen X ist mit dem Grundsatz F der Moraltheologie vereinbar,
  4. Welcher mit dem Grundsatz K der Dogmatik konsistent ist.

Darauf kann man erwidern:

„Ja, solche Phänomene oder Gaben gibt es, aber nur bei Heiligen.“

Darauf erwidern wir:

„Bei den Heiligen im heroischen Tugendgrad also in 100%, bei allen anderen in verschiedenen Prozentsatz.“

Unser Problem besteht darin, siehe die McCarrick-Affäre, dass fast unser gesamter Klerus vor allem aber das Episkopat:

a. ungläubig,

b. im Konkubinat lebend

c. sodomitisch,

d. oder kanonisch irregulär ist.

Das bedeutet, dass die Geistlichen, die unsere Beichten hören, uns die Sakramente spenden und uns unterweisen eines jeglichen geistlichen Gespürs bar sind, weil sie in Todsünde leben. Dies betrifft auch, Punkt d., die FSSPX, da das Verbleiben in einer kanonischen Irregularität [Fachbegriff] für einen Kleriker ebenfalls Todsünde ist, wenn er dies bewusst und wissentlich tut. Dazu werden wir noch einiges schreiben. Da es so wenige Priester gibt, auf die die Punkte a. bis d. nicht zutreffen, deswegen haben so wenige Priester ein geistliches Gespür. Das Freisein von a. bis d. aber bedeutet noch keine Heiligkeit, sondern stellt die Mindestvoraussetzung dar, ein geistliches Gespür überhaupt entwickeln zu können. Haben Sie keine Beine oder sitzen im Rollstuhl, dann werden Sie kein Marathonläufer, haben Sie gesunde Beine, dann müssen Sie trainieren, trainieren und trainieren.

Kurz und gut: es ist gut, dass sich Leser über uns aufregen, was bedeutet, dass wir sie erreicht haben.

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