Tradition und Glauben

Eines tut Not – das geistliche Leben. Eine Einleitung in das Werk von A. Poulain SJ. (6 von 7): Das geistliche Leben tut Not, besonders bei fehlender Anleitung

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Das geistliche Leben tut Not, besonders bei fehlender Anleitung

Wie sagt doch ein Choral von Johann H. Schröder aus dem Jahre 1697 (so viel Ökumenismus darf auf dieser Seite sein), Eins ist not, ach Herr, dies eine

Eins ist not, ach Herr, dies eine
Lehre mich erkennen doch!
Alles andre, wie’s auch scheine,
Ist ja nur ein schweres Joch,
Darunter das Herze sich naget und plaget
Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget.
Erlang‘ ich dies eine, das alles ersetzt,
So werd‘ ich mit einem in allem ergötzt.[1]

Tatsächlich weiß jeder, dass „das Herze sich naget und plaget“, wenn man das tägliche Gebetspensum nicht einhält. Der Schreiber dieser Zeilen hat vor über 20 Jahren aufgehört mit Geistlichen geistliche Gespräche führen zu wollen, denn, um es mit A. A. Milne’s Winnie Puh der Bär zu formulieren: „je mehr man nachschaut, desto weniger ist drin.“ Die panisch- ängstlich-aggressiven Reaktionen der Befragten machten einem immer klar, dass man nach etwas Unangenehmen, denn Nicht-Vorhandenen fragt. So ungefähr als würde man ein Kind fragen: „Hast du schon die Hausaufgaben gemacht? Vokabeln gelernt? Dich auf die Matheklausur vorbereitet?“ Die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens eine Antwort darauf „Nein“ lautet, ist groß. Es stellt sich wirklich die Frage, wie jemand ohne ein regelmäßiges Gebetsleben auskommen kann. Man kann es nicht. Denn die Theologie, die er betreibt oder der Priesterdienst, den er leistet, sieht dann auch entsprechend nach gar nichts aus. Man hofft dann, dass es keiner merkt. Man merkt es aber doch. Die Frage bleibt dennoch bestehen, wie man über Gott lehren, schreiben, unterrichten und predigen kann, ohne mit der Person Gottes in irgendeiner, wenn dieser Ausdruck gestattet sein möge, „Liebesbeziehung“ zu stehen. Denn das ist eigentlich das Gebetsleben. Die Antwort ist recht einfach: man steht in keiner Beziehung und man redet auch nicht über Gott, sondern über irgendwelche politisch- korrekten Konstrukte oder über rein gar nichts.

[1] Die restlichen Strophen finden sich hier http://www.lutheran-hymnal.com/german/tlh366g.htm

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