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Erzbischof Vigano: Kommentar zu Traditionis Custodes (3 von 6). Reduktive Vision

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Erzbischof Vigano zeichnet vor unseren Augen das Schreckensgespenst eines jeden Priester: Anzeige beim Ordinariat und Versetzung in eine Dorfpfarrei in den Bergen. Ja, liebe Leserinnen und Leser, so hart kann es kommen. Keine Folter, kein Tod, kein KZ, kein Gefängnis, keine Arbeitslosigkeit, kein notwendiger Broterwerb in einem fernen Beruf. Eine Dorfpfarrer – und davor haben sie Angst, unsere lieben Geistlichen. Aber eine Religion ist nur so gut, wie ihre Vertreter, die entweder für sie leiden und sterben wollen oder halt nicht. Wann haben Sie denn persönlich einen wirklich notleidenden und hungernden Priester gesehen? Nein, nicht im Film, in Wirklichkeit? Deren gibt es nicht. Und wenn man nicht wenigstens dafür bereit ist, dann verwirkt man alle bisherigen Standesgnaden und verschließt sich den neuen. DSDZ kann wirklich ein Lied davon singen, dass je mehr er leidet und gelitten hat, desto mehr ist sein Verständnis der geistigen Wirklichkeit gewachsen. Der Zorn zwar auch, aber die Verbitterung hält sich dennoch in Grenzen. Denn was sollte er jetzt unterrichten? Die Reinterpretation des Katholizismus im Lichte von Amoris Laetitia unter dem Patronat der Pachamama gleichzeitig die Homo-Ehe segnend? Dann bleibt er, wo er ist und der Rabe ernährt ihn. Ihr seid nur feige, liebe Priester, gibt es noch endlich zu. Ihr wollt nicht leiden!

Die reduktive Vision der Liberalisierung der Messe

Deshalb finde ich es äußerst unangenehm, in Traditionis Custodes lesen zu müssen,  dass der Grund, warum Franziskus glaubt, dass das Motu Proprio  Summorum Pontificum  vor vierzehn Jahren verkündet wurde, nur in dem Wunsch lag, das sogenannte Schisma von Erzbischof Lefebvre zu heilen. Natürlich mag das „politische“ Kalkül vor allem zur Zeit von Johannes Paul II. Gewicht gehabt haben, auch wenn die Zahl der Gläubigen der Pius-X.-Gesellschaft damals gering war. Aber die Bitte, der Messe, die zwei Jahrtausende lang die Heiligkeit der Gläubigen genährt und der christlichen Zivilisation den Lebenssaft gegeben hat, wieder das Bürgerrecht verleihen zu können, kann nicht auf eine zufällige Tatsache reduziert werden.

Mit seinem Motu Proprio gab Benedikt XVI. der Kirche die römisch-apostolische Messe zurück und erklärte, sie sei nie abgeschafft worden. Indirekt räumte er einen Missbrauch von Paul VI. ein, als er, um seinem Ritus Autorität zu verleihen, die Feier der traditionellen Liturgie rücksichtslos verbot. Und selbst wenn in diesem Dokument einige inkongruente Elemente enthalten sein mögen, wie die Koexistenz der beiden Formen desselben Ritus, können wir glauben, dass diese dazu beigetragen haben, die außergewöhnliche Form zu verbreiten, ohne die gewöhnliche zu beeinträchtigen. Zu anderen Zeiten wäre es unverständlich gewesen, eine von Missverständnissen und Auslassungen durchdrungene Messe feiern zu lassen, während die Autorität des Papstes einfach den alten Ritus hätte wiederherstellen können. Aber heute, mit der schweren Last des Zweiten Vatikanischen Konzils und der inzwischen weit verbreiteten säkularisierten Mentalität, selbst die bloße Rechtmäßigkeit [Lizeität], die tridentinische Messe ohne Erlaubnis zu feiern, kann als unbestreitbares Gut angesehen werden – ein Gut, das aufgrund der reichen Früchte, die es den Gemeinden bringt, in denen es gefeiert wird, für alle sichtbar ist. Und wir können auch glauben, dass es nur noch mehr Früchte gebracht hätte, wäre Summorum Pontificum in allen seinen Punkten und im Geiste echter kirchlicher Gemeinschaft angewandt worden.

Der angebliche „instrumentelle Gebrauch“ des römischen Missale

Franziskus weiß gut, dass die Umfrage unter Bischöfen auf der ganzen Welt keine negativen Ergebnisse brachte, obwohl die Formulierung der Fragen deutlich machte, welche Antworten er erhalten wollte. Diese Konsultation war ein Vorwand, um den Menschen glauben zu machen, dass seine Entscheidung unvermeidlich und das Ergebnis einer gemeinschaftliche Anfrage des Episkopats war. Wir alle wissen, dass Bergoglio, wenn er ein Ergebnis erzielen will, nicht zögert, zu Gewalt, Lügen und Taschenspielertricks zu greifen: Die Ereignisse der letzten Synoden haben dies ohne jeden begründeten Zweifel bewiesen, sogar das Nachsynodale Schreiben wurde verfasst vor der Abstimmung über das Instrumentum Laboris. Auch in diesem Fall war also die Abschaffung der tridentinischen Messe und die Prophasis [in der griech. Mythologie die personifizierte Entschuldigung] ist der  vorerwähnte Zweck, also die scheinbare Entschuldigung, musste der vermeintliche „instrumentelle Gebrauch des Römischen Messbuchs von 1962, oft gekennzeichnet durch eine Ablehnung nicht nur der liturgischen Reform, sondern des II. Vatikanischen Konzils selbst“ (hier) sein. Um ehrlich zu sein, kann man der Piusbruderschaft diesen instrumentellen Gebrauch vielleicht vorwerfen, die das das Recht hat zu bestätigen, was jeder von uns gut weiß, dass die Messe des heiligen Pius V. mit der nachkonziliaren Ekklesiologie und Lehre unvereinbar ist. Aber die FSSPX ist nicht von der Motu Proprio betroffen, und hat immer mit dem Missale von 1962 zelebriert genau aufgrund dieser unveräußerliches Rechts, das Benedikt XVI anerkannt, das nicht erst ex nihilo im Jahr 2007 gegeben wurde.  

Der Diözesanpriester, der in der ihm vom Bischof zugewiesenen Kirche die Messe feiert und der jede Woche den dritten Grad durch die Anschuldigungen [Art der Anschuldigungen im amerikanischen Recht] eifrig fortschrittlicher Katholiken durchlaufen muss, nur weil er es gewagt hat, das Confiteor  zu rezitieren,  bevor er den Gläubigen die Kommunion austeilt, weiß sehr gut, dass er nicht schlecht über den Novus Ordo sprechen kann oder über das Vatikanum II, weil er schon bei der ersten Silbe in die Kurie [das Ordinariat] gerufen wird und in eine in den Bergen verlorene Pfarrkirche geschickt werden würde. Dieses Schweigen, das immer schmerzlich ist und fast immer von allen als beredter als viele Worte empfunden wird, ist der Preis, den er zahlen muss, um die Möglichkeit zu haben, die Heilige Messe aller Zeiten zu feiern, um den Gläubigen die Gnade nicht vorzuenthalten, die sich auf die Kirche und die Welt ergießt. Und was noch absurder ist, ist, dass, obwohl wir ungestraft sagen hören, dass die tridentinische Messe abgeschafft werden sollte, weil sie mit der Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums unvereinbar ist, sobald wir dasselbe sagen – d ist mit der katholischen Ekklesiologie unvereinbar – wir werden sofort zum Objekt der Verurteilung gemacht, 

Ich frage mich, welche Art von geistlicher Krankheit die Hirten in den letzten Jahrzehnten befallen haben könnte, um sie dazu zu bringen, nicht liebevolle Väter zu werden, sondern rücksichtslose Zensoren ihrer Priester, Beamte, die ständig beobachten und bereit sind, alle Rechte aufgrund einer Erpressung zu widerrufen, dass sie nicht einmal versuchen zu verbergen. Dieses Klima des Misstrauens trägt nicht im Geringsten zur Gelassenheit vieler guter Priester bei, wenn das Gute, das sie tun, immer unter die Linse von Funktionären gestellt wird, die die Gläubigen, die mit der Tradition verbunden sind, als Gefahr betrachten, als lästige Präsenz, die es zu tolerieren gilt, solange es nicht zu sehr auffällt. Aber wie kann man sich überhaupt eine Kirche vorstellen, in der das Gute systematisch behindert wird und wer es tut, wird misstrauisch beäugt und unter Kontrolle gehalten? Ich verstehe daher den Skandal vieler Katholiken, der Gläubigen, wenn nicht weniger Priester angesichts dessen, das „der Hirte, der seine Schafe, anstatt sie zu riechen, wütend auf sie mit einem Stock schlägt “(hier). 

Das Missverständnis, ein Recht als gnädiges Zugeständnis genießen zu können, findet sich auch in öffentlichen Angelegenheiten, wo sich der Staat erlaubt, Reisen, Schulunterricht, die Aufnahme von Tätigkeiten und die Ausübung von Arbeiten zu genehmigen, solange man sich der Impfung mit dem experimentellen genetischen Serum unterzieht. So wie die „außerordentliche Form“ unter der Bedingung der Annahme des Konzils und der reformierten Messe gewährt wird, werden auch im bürgerlichen Bereich die Rechte der Bürger unter der Bedingung der Annahme des Pandemie-Narrativs, der Impfung und des Tracking-Systems gewährt. Es ist nicht verwunderlich, dass in vielen Fällen gerade Priester und Bischöfe – und Bergoglio selbst – die Impfung für den Zugang zu den Sakramenten verlangen – die perfekte Synchronität des Handelns auf beiden Seiten ist gelinde gesagt beunruhigend. 

Aber wo bleibt dieser instrumentale Gebrauch des Missale Romanum? Sollten wir nicht eher vom instrumentalen Gebrauch des Messbuches von Paul VI. sprechen, das – um Bergoglios Worte zu paraphrasieren – immer mehr von einer wachsenden Ablehnung nicht nur der vorkonziliaren liturgischen Tradition, sondern aller Ökumenischen Konzile vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt ist? Ist es andererseits nicht gerade Franziskus, der die einfache Tatsache, dass eine Messe gefeiert werden kann, die alle Lehrabweichungen des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt und verurteilt, als Bedrohung für das Konzil betrachtet?

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