Tradition und Glauben

Father Ripperger, Warum verhüllen wir etwas? Die Theologie des Verhüllens (2 von 7)

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Sogar die Heilige Hostie, die wir bei der Heiligen Kommunion empfangen ist eine Verhüllung. Im Tantum ergo lehrt uns der Heilige Thomas von Aquin, dass die Gegenwart Gottes in der Erscheinungsform von Brot und Wein verhüllt ist. Unsere Sinne versagen, wenn sie diese Wahrheit, auch nur im Geringsten zu erfassen. Wir sprechen davon, wie unser Herr Jesus Christus sich auf diese Weise verbirgt, verhüllt. Es erscheint den meisten Menschen, als sei das wirklich Brot und Wein. So ist also auch die Heilige Hostie eine „Hülle‟. Eine Hülle der heiligen Gegenwart Gottes. Man kann dem nicht entfliehen, es ist Gottes Anordnung: „Meine heilige Gegenwart wird verhüllt sein.‟ Und es ist schön, dass auch die heilige Hostie uns daran erinnert. Auch die heilige Hostie ist eine Verhüllung. Und deshalb können wir sagen: „Mein Herr und mein Gott!‟, wie der heilige Thomas von Aquin erklärt: Dies ist wirklich Gott, verborgen in den Gestalten von Brot und Wein.

Die Anerkennung der Inkarnation [Fleischwerdung des Sohnes Gottes] ist ein Geheimnis, das auf der Verhüllung basiert, und bezüglich der heiligen Eucharistie, gewissermaßen einer Ausdehnung der Fleischwerdung Christi über Raum und Zeit hinaus, ist auch eine Verhüllung. Aber warum sind diese Dinge hier verhüllt? Solange wir hier auf  Erden leben und eine Anhänglichkeit an die Sünde haben, und wir noch immer nicht vollkommen sind, KÖNNEN wir Gott in seiner vollen himmlischen Herrlichkeit nicht sehen. Sollte Gott irgendjemandem von uns in seiner vollen himmlischen Herrlichkeit erscheinen, … könnten wir das nicht ertragen, das wäre zu viel. Wir bekommen über die Heiligen eine kleine Ahnung der Herrlichkeit Gottes. Selbst Mose konnte die Herrlichkeit Gottes nicht ertragen, sondern er musste sein Gesicht verhüllen, als Gott vorüberzog. Die Anschauung Gottes bedeutet, dass man all seine Schätze im Himmel hat. Sie müssen in den Himmel kommen, wenn Sie Gott von Angesicht zu Angesicht sehen möchten. Gott MUSS auf dieser Erde verhüllt bleiben, weil Er so furchterregend, unglaublich heilig ist, dass wir Ihn einfach nicht sehen können. Gott MUSS verhüllt sein. Er verhüllt sich aus Liebe zu uns, und um uns zu schützen. WEIL Er uns liebt, daher sind diese Dinge verhüllt. Aber noch einmal: DARUM geht es hier, wie ehrwürdig und heilig Gott ist.

Jeder, der also denkt, dass Verhüllung eine Art der Unterdrückung ist, hat möglicherweise nicht die geringste Ahnung, wozu das Verhüllen dient.

Die Bundeslade war am nähesten an der heiligen Gegenwart Gottes. Sie hatte eine Reihe von Vorhängen, die seine Heiligkeit unterstrichen und es vom Profanen entfernten.

Seit der Zeit des Neuen Testamentes haben wir nun die wahre Gegenwart Gottes. Er „tabernakelte‟ sich unter uns. Und in der heiligen Liturgie sehen wir eine Folge von Verhüllungen, die Seine Heiligkeit enthüllen. Die Ikonostase, der Leib des Priesters, seine Kleider, verhüllen alle die heilige Handlung. Die Stille, der Gebrauch der lateinischen Sprache, das Velum über Kelch und Tabernakel, sogar die zeichenhafte Gegenwart von Brot und Wein [tun dies].

Was bedeutete es nun in Bezug auf die Liturgie, als wir begannen, das Verhüllen zunehmend zu unterlassen? Als man sagte: nimm den Schleier vom Tabernakel! Nimm das Velum vom Kelch! Nimm das Velum vom Ziborium [Speisekelch]! Selbst der Priester mag heute die Heilige Messe nicht mehr in liturgischer Kleidung feiern. „Ach‟, sagt er, „ich trage meine Hose und meinen Pullover.‟ Was bedeutet das? Wir denken, wir seien Gott gleich! Wir denken, wir brauchen keinen Schleier mehr, um uns von Gott abzusondern. Wir seien genauso ehrwürdig und heilig wie Gott. Hier kommt die große anthropozentrische Lüge, welche der gesamten modernistischen Bewegung in der Liturgie zugrundeliegt, wenn man sich selbst an die Stelle Gottes setzt. „Ich bin genauso heilig wie Gott, also brauche ich keinen Schleier, um mich von Ihm abzusondern. Ich bin genauso heilig, warum sollte ich also nicht in Seiner vollen Gegenwart sein?“

Die tiefste Wurzel des Problems ist, dass wir denken, wir seien genauso heilig wie Gott. DAS ist es, was Adam und Eva dachten. Daher sündigten sie, denn sie kannten keine Scham. Und um sie für die Zukunft vor dieser Sünde zu schützen, gab Gott ihnen eine Verhüllung. WEIL sie dachten, sie seien wie Gott, gab Gott ihnen diese Hülle – heute unsere Kleidung -, um sie vor dieser Sünde zu schützen.

Weiterhin nehmen wir mit dem Schleier – dem Velum, die Heiligkeit weg. Wenn wir etwas verhüllen zeigen wir damit, dass es heilig ist. Wir zeigen, dass die göttliche Gegenwart anwesend ist. Nimmt man also den Schleier weg sagt  man damit, dass nichts Heiliges anwesend ist, Gott ist nicht hier. Ich nehme das Heilige weg.

Was um alles in der Welt ist geschehen? Ich gehe doch nicht zur Messe, wenn da nichts Heiliges ist wenn Gott nicht anwesend ist! Und das ist unsere einzige Möglichkeit zu versuchen, uns Gott gleich zu machen: Da wir nicht so heilig sind, können wir nicht nach dort oben gelangen, also packen wir Gott und ziehen in herunter zu uns. Wir sagen, hier sei nichts Heiliges. Und auf diese Weise können wir versuchen Gott gleich zu werden, indem wir alle (Zeichen der) Heiligkeit zerstören.

Wir wollen also gar nicht mehr in der Gegenwart des Heiligen sein. Wir wollen nicht mehr vor der Gegenwart Gottes stehen. Das ist es was geschieht, wenn wir unsere Verhüllungen abnehmen. Wir sagen, wir seien nicht in Gottes Gegenwart. Hier geschieht nichts Heiliges. Und dann sehen unsere Gottesdienste aus wie ein protestantischer Gebetsgottesdienst. So nennen sie das wohl, denn da gibt es nichts Heiliges in all diesen falschen Gottesdienstformen dieser falschen Religion. Sie haben nicht die Gegenwart Gottes. Sie brauchen keine Verhüllungen.

Wir aber haben die Gegenwart Gottes, daher betrügen wir uns selbst, wenn wir die Schleier loswerden; das ist eine SEHR traurige Sache, wenn sogar Kirchenmänner die Verhüllungen wegnehmen. Das verkündigen sogar Bischöfe und Priester: Es gibt nichts Heiliges in unserer Liturgie, Gott ist nicht gegenwärtig, dieses gemeinsame heilkräftige Mahl ist doch nichts weiter als das, was die Protestanten tun. Also nehmen wir die Hüllen weg. Das ist eine Negierung des katholischen Glaubens, des wahren Glaubens.

Während des II. Vatikanums wurden die Fenster so weit geöffnet, dass alles Profane eindringen und den heiligen Tempel Gottes entweihen konnte. Es ist schlimm genug, dass dies in der säkularen, profanen, Welt existiert, was wirklich traurig ist und nun ist das in unsere heilige Kirche eingedrungen; wenigstens hier sollte doch die Heiligkeit Gottes bewahrt bleiben. So ist das mit dem Schleier.

Wenn wir also die Theologie des Verhüllens in der Kirche verstehen, das im Alten Testament wurzelt, und auch, wie wir in der Kirche und der Liturgie leben, können wir nun beginnen, über die Mantilla zu sprechen.

 

 

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