Fatima

Fatima is over oder warum Gott nicht intervenieren wird (3 von 3)

Die eigentliche Botschaft von Fatima

Wenn wir uns die im vorigen Teil vorgestellten Grundsätze der katholischen Glaubenslehre vor Augen führen, so ist es völlig unrealistisch zu erwarten, dass Gott nicht nur für ein Individuum alles richtet, sondern es auch für die ganze, derzeitige irdische Kirche tut. Dies ist aber die Erwartung der Fatima-Anhänger, Kardinal Burke und Weihbischof Athanasius Schneider eingerechnet, dass „Gott selbst eingreifen und das Unbefleckte Herz Mariens triumphieren wird“.

Warum wird Gott es nicht tun?

Weil er es bisher niemals getan hat und den Menschen nur durch Strafen dazu verholfen hat sich zu bessern. Fatima ist eine wunderbare Entschuldigung – und eine fromme noch dazu – nichts zu tun, sondern auf Hilfe von oben zu warten. Denn bei Lichte gesehen, ist die Zeit von Fatima um. Diese Privatoffenbarung, die 1917 stattfand (das dritte Geheimnis lassen wir jetzt außen vor), funktionierte, wie alle Prophezeiungen, nach dem Motto: „wenn-dann“. Wenn sich die Menschen bessern, wird Gott nicht strafen. Die Menschen haben sich nicht gebessert, die Fatima-Auflagen wurden nicht erfüllt, Gott hat gestrafft und die Botschaft von Fatima ist vorüber. Lesen wir doch das zweite Geheimnis von Fatima durch:

„Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XI. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wisst, dass dies das große Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“

Wir lesen also:

„Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen.“

Das sagte Maria 1917 und man tat nicht, was sie sagte, der erste Weltkrieg endete nicht, ein zweiter folgte und Russland hat seine Irrtümer überall verbreitet. Angeblich ist das zweite Geheimnis erst 1941 veröffentlicht worden, sodass die Seherin einfach manches falsch miteinander verbunden haben kann. Denn die Geheimnisse von Fatima sind Privatoffenbarungen und kein drittes Testament. Irrtümer sind möglich. Vielleicht ist dieser Satz wie folgt zu lesen:

Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein […] am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.

Das Unbefleckte Herz wird triumphieren oder es hätte triumphiert, wenn man auf Marias Wünsche: Andacht zum Unbefleckten Herzen und die Russland Weihe vor 1939 und gleich nach 1917 gehört hätte. Da wir in Fatima nicht dabei waren, nicht wissen, was im Kopf der echten Schwester Lucia bei der Niederschrift, wann auch immer, stattgefunden hat, so können wir uns nur an den äußeren Fakten orientieren: zwei Weltkriege, Verbreitung des Kommunismus, Glaubensabfall, Verfolgung der Kirche. Da die negativen Konsequenzen eingetreten sind, so ist davon auszugehen, dass die positiven Konsequenzen mit der Nichteinhaltung der Auflagen Mariens zusammenhängen und daher nie wieder eintreten werden. Dies bedeutet es wird keinen Triumph des Unbefleckten Herzens geben. Nein, auch wenn es eine schöne Vorstellung ist, nicht.

Privatoffenbarungen sind zeitlich begrenzt

Alle Prophezeiungen und Privatoffenbarungen sind zeitlich begrenzt. Die hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1690) bat Ludwig XIV (1638-1715) Frankreich dem Heiligsten Herzen Jesu zu weihen und im Wappen seines Königreiches das Bild des Herzen Jesu einzufügen. Diese Weihe fand nicht statt und die Französische Revolution (1789-1799) folgte einige Jahrzehnte später. Es lag also an Ludwig XIV. etwas zu tun, was er unterließ und danach war es schon zu spät. Interessanterweise gibt es heutzutage weder in Frankreich noch außerhalb eine Was-Wäre-Wenn-Bewegung, welche immer noch ergründet, was erfolgt wäre, wenn Ludwig XIV diese Weihe durchführt hätte. Zwar war die Botschaft der hl. Margareta Maria Alacoque an den französischen König keine Marienerscheinung, sodass ihr Rang ein wenig niedriger war, aber es gibt auch viele kirchlich anerkannte Marienerscheinungen, deren Botschaft auch zeitlich begrenzt war. So begab es sich im Jahre 1580 in Ziteil in der Schweiz, dass Maria einem Mädchen mit einer Drohbotschaft erschienen ist. Das Volk tat Buße, die angedrohte Strafe trat nicht ein und in Ziteil wurde aus Dankbarkeit eine Wallfahrtskirche erbaut.[1] Im Jahre 1909 hatte ein Pater Lamy in Gray in Frankreich eine Marienerscheinung und erhielt die Anleitung zur Gründung einer neuen Kongregation und Prophezeiungen über den kommenden Weltkrieg.[2] Wenn man die Fülle der Marienrerscheinungen liest wie sie Gottfried Hierzenberger und Otto Nedomansky zusammengetragen haben,[3] so wird daraus deutlich, dass über 90 % aller Erscheinungen an Privatpersonen zu ihren privaten Problemen ergingen, wenige Erscheinungen waren an größere Gruppen gerichtet und es kaum Erscheinungen mit allgemeinen Botschaften an die gesamte Kirche gegeben hat. Und all diese Botschaften waren zeitlich begrenzt und nicht heilsnotwendig. Wird irgendwo der Jahrestag einer Marienerscheinung in einer Wallfahrtskirche begangen, so freut man sich doch deswegen, weil dieser Ort einer Erscheinung würdig gewesen ist und man feiert nicht die ständige Aktualität dieser Botschaft.

Fatima als Entschuldigung des Nichtstuns

Warum also immer noch an Fatima festhalten?

Weil es so herrlich bequem ist. Man schiebt die Verantwortung auf die anderen und wartet, dass Gott selbst alles richtet und einrichtet. Es ist eine Weltflucht, es ist ein Spiritualismus, es ist ein Niederlegen der geistlichen Waffen. Kardinal Burke oder Weihbischof Schneider brauchen den häretischen Anti-Papst nicht öffentlich und brüderlich zu ermahnen oder des Amtes zu entheben, da Fatima alles richten wird, wenn die Gläubigen nur ausreichend viele Rosenkränze beten werden. Der Schreiber dieser Zeilen versteht nicht, wie man noch nach 100 Jahren glauben kann, dass die Botschaft von Fatima noch nicht vorüber sei. Denn wer behauptete es? Benedikt, der Papa Emeritus, der feige vor den Wölfen davongelaufen ist.

Am 13. Mai 2010 als Papst Benedikt XVI. hat er in Fatima betont: „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet ist, der irrt sich.“

Wie glaubwürdig ist jetzt Benedikt nach all dem was wir von ihm wissen? Gar nicht. Wenn er doch von der prophetischen Mission Fatimas überzeugt gewesen wäre, dann hätte er doch die Russlandweihe vollzogen, was er nicht tat. Es war also eine Augenwischerei, um die frommen Seelen zu besänftigen. Das dritte Geheimnis ist ja auch nachweislich nicht ganz veröffentlicht worden, denn es fehlt die Erklärung zur Vision. Dafür sind Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger verantwortlich, die beide die Aktualität von Fatima betonten. Ihre Taten widersprechen aber ihren Worten. Das Problem mit einer Spiritualität, die nicht von Gott kommt, besteht darin, dass die geforderten Praktiken niemals enden und durch nichts messbar sind. Maria sagte: „der Krieg wird enden“. Das war etwas Nachvollziehbares. Wie man sich aber den Triumph des Unbefleckten Herzens vorzustellen habe, das bleibt jedem offen. Man weiß auch nicht, wofür all diese Millionen von Rosenkränzen gut sein sollen.  Es wird jetzt von Jahr zu Jahr immer schlimmer, aber eigentlich von 1917 aufwärts. DSDZ weiß wirklich nicht, warum so viele Traditionalisten und Konservative an Fatima hängen, wo schon ein Blick aus dem virtuellen Fenster genügt, z. B. die Segnung der Homo-Ehen in Deutschland, um zu sehen, dass die Zeit von Fatima abgelaufen ist.

Wer war Father Gruner?

Father Nicholas Gruner (1942-2015) der Begründer der Fatima Bewegung wurde nachweislich 1989 suspendiert, was er persönlich stets abgestritten hatte, was aber sicher seiner Geistesunterscheidung nicht gut tat. Aber ein solches Festhalten an einer Privatoffenbarung hat noch niemandem geholfen und Father Gruners Tätigkeiten, der eines jähen und unerwarteten Todes gestorben ist (Herzinfarkt), sind insgesamt zumindest fragwürdig zu nennen. Man kann niemals seine katholische Weltanschauung an einer einzigen Privatoffenbarung ausrichten. Privatoffenbarungen sind so zu behandeln als hätte es sie niemals gegeben. Denn sie sind privat und nicht verbindlich. DSDZ glaubt zwar, dass die Fatima-Erscheinungen von Gott kamen, aber ihr Einsatz war zeitlich begrenzt. Sie waren für die Katholiken zwischen 1917 und 1939 bestimmt, welche das kommende Unheil hätten abwenden können, insbesondere aber für die Päpste, welche die Russlandweihe gleich nach 1917 nicht vollzogen hatten. Wenn DSDZ mit seiner Theorie der zeitlichen Begrenztheit recht hat, dann ist diese ganze Fatima-Bewegung, ähnlich wie Medjugorje, nicht göttlichen Ursprungs, denn man kann auch im Guten übertreiben. Da alle Strafen, die zwischen 1917-1939, wegen der Nichtbefolgung der Anweisungen Marias, eingetreten sind, so gibt es nichts mehr, was man in diesem Kontext mehr unternehmen könnte. Game over. All diese Fatimatreffen dienen doch dazu, dass Menschen eines bestimmten Alters und einer bestimmten Orientierung zusammenkommen, sich in ihren Ansichten gegenseitig bestärken und das zweite Stück Kuchen, diesmal nicht im Kaninchenzuchtverein, zu sich nehmen. Sie fühlen sich entschuldigt irgendeine wirklich konkrete Aktionen zu unternehmen. Ihre Priester ebenso. Es ist ein Quietismus und Spiritualismus, die sich da auftun und das ist nicht katholisch. Da diese Menschen aber an ihrer sentimental-übernatürlichen Weltsicht hängen, wo alles ohne ihr Zutun sich von selbst richtet, deswegen werden sie jeden bekämpfen, der diese Weltsicht infrage stellt. Ja, Privatoffenbarungen können Damen mittleren Alters wirklich süchtig machen und die haben dann mit extremen Entzugserscheinungen zu kämpfen, sollten Sie sich auch davon freimachen wollen. Warum sollen wir denn 2019 immer noch an Fatima hängen und nicht an den Prophezeiungen der hl. Margarete Alacoque (1647-1690), der hl. Brigitta von Schweden (1303-1373) oder der hl. Katharina von Siena (1347-1380), welche ebenso historisch begrenzt waren. Gott hat uns allen seine eigentliche Offenbarung, die Heilige Schrift, gegeben, in der alles steht, was wir, im Lichte der Tradition und der Lehre der Kirche, zu glauben brauchen. Nur diese Offenbarung ist fehlerlos und zeitlich unbegrenzt. Alles andere ist zeitlich begrenzt, wie es auch die Prophezeiungen des Alten Testaments gewesen sind. Aktuell bleibt nur ihr spiritueller Gehalt, nicht der historische. So ist Christus geboren, wie prophezeit wurde, und diese historische Tatsache ist nicht wiederholbar. Er kann aber im Herzen eines jeden Gläubigen geboren werden. Diese metaphorische Art der Geburt ist spirituell immer möglich.

 

 

[1] Hierzenberger G., Nedomansky, O., Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria. Vollständige Dokumentation durch zwei Jahrtausende, Augsburg 2005,137

[2] Ebd., 246-247.

[3] Siehe Fußnote 9.

(2) Comments

  1. Maria Magdalena says:

    Alles sehr einleuchtend!
    Aber bedeutet das, dass es für die Menschen “heutzutage” sinnlos oder nutzlos ist, z. B. die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu praktizieren? (Selbiges habe ich vor einigen Jahren getan). Geht der Wert dieser Frömmigkeitsübungen verloren? Ganz einfach, weil die Zeit dafür abgelaufen ist? Aber vor Gott ist doch kein frommer Akt – im Stand der Gnade verrichtet – vergebens, oder?

    1. Traditio et Fides says:

      @ Maria Magdalena
      Ja, ich finde es sinnlos, genauso wie das Wohlergehen des dritten Kreuzzuges zu beten oder den Sieg bei Lepanto.

      Der “Wert” der Frömmigkeitsübung hängt von der Intention und Heiligkeitsgrad des Gläubigen ab und vom Willen Gottes ab. Attila der Hunne war die Geißel Roms und deswegen hat kein Gebet etwas genützt, weil Gott geißeln wollte.

      Stellen Sie sich vor jemand sagt, wenn Sie sehr viel in einem Fitnessstudio den Ergometer oder das Rad benutzen, kann können Sie die ganze Stadt mit Energie versorgen. Da geht natürlich nicht und die Stadt wir nicht erleuchtet, gleicht wie Sie sich abstrampeln. Sie werden immer mehr entmutigt, weil Sie keine Ergebnisse sehen. Aber:
      a. Sie werden schlanker
      b. ausdauernder
      c. das Fitnessstudio verdient mit
      d. die Räder werden abgenutzt

      aber das Ziel bleibt unerreicht, weil er unerreichbar ist.

      Doch, ein im Gnadenstand verrichteter frommer Akt kann auch vergebens sein, weil wir keine Wirkungen auf Gott ausüben können, sonst wäre es Pelagianismus. Gnade bleibt immer völlig frei. Ich glaube darüber geschrieben zu haben.

      Der Pharisäer und der Zöllner verrichteten dieselben äußeren Taten, Kain und Abel auch. Sie hatten keine Wirkung auf Gott.

      Fromme Akte können auch vergebens sein und der Teufel treibt die Menschen auch zur Frömmigkeit, die er früher oder später umkehrt. Und solche Aktionen, die niemals enden, sind immer sehr verdächtig, zumal sie nicht notwendig sind.

      Denn:
      a. Man will Gott zu etwas zwingen, was nicht geht
      b. Man will andere “erlösen” ohne ihren Willen zu berücksichtigen sowie die Prädestination und Reprobation.

      Und das hört man von unseren lieben Geistlichen: “Ihr seid schuld. Ihr habe zu wenig gebetet”.

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