Fehlende päpstliche Unfehlbarkeit oder wer war der schlimmste Papst aller Zeiten? (1 von 2)

Roberto de Mattei schrieb auf Rorate Caeli einen Aufsatz Wer war der schlimmste Papst der Kirchengeschichte?, den man auf Deutsch hier nachlesen kann. Roberto de Mattei wählte als den worst pope ever Johannes XII., obwohl sich im saeculum obscurum, das man 882 bis 1046 ansetzt, sich auch weitere würdige-unwürdige Kandidaten gefunden hätten. Auch später war es nicht immer besser, da beispielsweise Innozenz VIII (1484-1492), der nicht nur acht Kinder zeugte, sondern wegen seiner großer Verschwendungssucht, manche schreiben von der Hochzeit eines Sohnes, sogar die päpstliche Mitra und Tiara verpfändete. Nach welchem Kriterium soll man die Schlechtigkeit eines Papstes bewerten? Nach seinem persönlichen Moralleben? Da lag sicherlich Johannes XII. ganz vorne, aber er konnte nicht mit den negativen geopolitischen Auswirkungen der Ehen der Papstkinder in der Renaissance mithalten. Wir wollen vorerst hier kein Ranking der schlechtesten Päpste vorlegen, da wir uns dem Narrativ der Bergoglio-Verteidiger nicht anschließen wollen.

Wie lautet dieses Narrativ?

Franziskus ist Papst. Es hat vor ihm schon schlimmere gegeben. So ist halt das Leben!

Gehört Roberto de Mattei diesem Narrativ an? Wir wissen es nicht, aber sein letzter Aufsatz lässt sich sicherlich dahingehend deuten. Er ruft den rettenden Kaiser Otto I. in den Sinn, aber diese Analogie mit unserer Zeit ist verfehlt, weil es keine Entsprechung zu Otto I. gibt. Wer sollte es denn sein? Trump? Putin? Der italienische Premierminister, die so schnell wechseln, dass man sich lieber nicht auf den Namen festsetzen möchte? Wer soll den jetzt den Vatikan stürmen und den Papst absetzen? Jetzt erst, unter Franziskus, wird uns der Sinn der mittelalterlichen Lösung, welche die Verantwortung für die Christenheit unter den Kaiser – Imperium – und den Papst – Sacerdotium – teilte, klar. Obwohl die päpstliche Macht höher stand, so diente auch die weltliche Macht dazu unwürdige Päpste abzusetzen oder die Gegenpäpste zu vertreiben. Es passierte zwar selten, aber es passierte. Gott sei Dank, muss man hierzu anfügen. Die Französische Revolution und ihre Nachwirkungen fegten die katholischen Monarchen hinweg, sodass wir keine Monarchen mehr haben, die einen Gegenpapst – Bergoglio – absetzen könnten. Hätten wir zurzeit irgendwelche katholischen Kardinäle, die den Gegenpapst absetzen wollten, so würde ihnen das militärische Druckmittel fehlen. Da wir keine haben, haben wir das Problem auch nicht.

DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) versteht immer noch nicht, wie man theoretisch am Papsttum Bergoglios festhalten kann. Er glaubt mit Ann Barnhardt, dass dieses Festhalten an der falschen Prämisse nur noch zu mehr Fehl- und Trugschlüssen führen kann. Es geht nämlich folgenderweise:

  1. Bergoglio ist Papst und mit dem Charisma der Unfehlbarkeit ausgestattet.
  2. Amoris Laetitia und andere Aussagen sind häretisch

Also:

Das Charisma der Unfehlbarkeit wurde an sich überbewertet. Er würde nur in Häresie fallen, wenn er eine Häresie ex cathedra verkündigen würde, was er bisher nicht tat.

  1. Bergoglio ist Papst und mit der Assistentia negativa ausgestattet.
  2. Amoris Laetitia und andere Aussagen sind häretisch

Also:

 Assistentia negativa gilt an sich nicht und ist eine übertriebene Theologenmeinung.

  1. Bergoglio ist Papst und mit dem Primat und der Aufgabe die Brüder zu stärken ausgestattet
  2. Amoris Laetitia und andere Aussagen sind häretisch, er zerstört nachweislich die Kirche

Also:

Die Rolle des Papstes wurde bis Franziskus maßlos übertrieben. Das Primat und die Aufgabe die Brüder zu stärken bedeuten gar nichts.

Man könnte diese Fehlschlüsse noch beliebig fortspinnen, denn das Festhalten am Papsttum Bergoglios muss, wie man sieht, die gesamte kirchliche Lehre über die Bedeutung des Papstamtes in Frage stellen, damit es auf Bergoglio passt.

Zwar lehrt die Kirche nicht, dass ein Papst immer unfehlbar ist, sondern nur dann, wenn er ex cathedra spricht. Aber zwischen der Unfehlbarkeit eines Kathedralurteils und der Möglichkeit als Papst eine Häresie nach der anderen auszustoßen liegen doch Welten. Denn die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit bedeutet nicht, dass außerhalb des Kathedralurteils ein Papst ständig Häresien von sich zu geben hat. Es ist doch unmöglich, dass ein wirklicher Papst in jedem und allem irren kann (Unsterblichkeit der Seele, Hölle, Göttlichkeit Christi, Auferstehung Christi, Trinität, Homosexualität, eucharistische Realpräsenz etc. etc.) und eine Häresie nach der anderen von sich geben kann.

Warum?

Weil es keiner vor ihm tat. Und wäre etwas an sich möglich, so wäre es immer möglich und würde stattfinden.

Die Unfehlbarkeit eines päpstlichen Kathedralurteils ist gleichsam die Krönung der Unfehlbarkeit der Kirche, welche sich durch das ordentliche und außerordentliche Lehramt ausdrückt. Es ist die Aufgabe des Papstes als des letzten Wächters der Lehre, über die Reinheit derselben zu wachen. Die Gründe dazu gibt uns Ludwig Ott in seiner Dogmatik.

„Christus hat Petrus zum Fundament seiner Kirche gemacht, d. h. zum Garanten der Einheit und unerschütterlichen Festigkeit, und hat ihr unvergängliche Dauer versprochen (Mt 16,18). Die Einheit und Festigkeit der Kirche ist aber nicht möglich ohne den rechten Glauben. Petrus ist darum auch der oberste Glaubenslehrer der Kirche. Als solcher muss er in der amtlichen Glaubensverkündigung in seiner eigenen Person und in seinen Nachfolgern unfehlbar sein, wenn die Kirche so, wie sie von Christus gestiftet wurde, für alle Zeiten fortbestehen soll. Ferner hat Christus dem Petrus (und seinen Nachfolgern) eine umfassende Binde- und Lösegewalt verliehen. Da man im rabbinischen Sprachgebrauch unter Binden und Lösen auch die authentische Gesetzeserklärung verstand, so ist darin auch die Gewalt enthalten, das Gesetz des Neuen Bundes, das Evangelium, authentisch zu erklären. Gott im Himmel wird sein Urteil bestätigen. Dies setzt voraus, dass er als oberster Glaubenslehrer vom Irrtum bewahrt bleibt.“[1]

Halten wir hier inne. Es ist selbstverständlich, dass in jeder Organisation, insbesondere dann, wenn sie hierarchisch geordnet ist, jemand die letzte Entscheidung treffen muss. Dieser jemand muss an Kompetenz, Autorität und Würde den anderen überlegen sein. Wenn Christus als Gott in alle Ewigkeit seine göttliche und heilsbringende Lehre schützen und ungetrübt weitergeben wollte, so musste er den Mann an der Spitze seiner Kirche mit besonderen geistlichen Vorrechten ausstatten. So wurde das päpstliche Primat seit Anfang der Kirche gesehen.

„Christus hat Petrus (und seine Nachfolger) zum obersten Hirten über seine gesamte Herde eingesetzt (Joh 21,15-17). Zur Aufgabe des obersten Hirten gehört die Belehrung in der christlichen Wahrheit und der Schutz vor Irrtum. Diese Aufgabe könnte er nicht erfüllen, wenn er in der Ausübung seines obersten Lehramtes selbst dem Irrtum unterworfen wäre.“[2]

Natürlich gehört zum Hirtenamt die Freiheit vom Irrtum, da der Papst als der oberste Hirte der Hirte aller anderen Hirten ist und eine Häresie des Papstes, wie unter Bergoglio, die Häresie aller von ihm abhängigen Hirten auslösen würde und es tut.

„Christus hat für Petrus um Glaubensstärke gebetet und hat ihn beauftragt, seine Brüder zu stärken. Luk 22,31f. […] Der Grund, warum Jesus für Petrus besonders betete, lag darin, dass er nach seiner eigenen Bekehrung den übrigen Jüngern Halt im Glauben bieten sollte, was deutlich auf seine Stellung als Haupt der Apostel hinweist. […] So ist die Verbindung mit Mat 16,18f. auch auf diejenigen zu beziehen, in denen Petrus als Haupt der Kirche fortlebt; denn die Gefährdung des Glaubens, die zu allen Zeiten besteht, macht die Stärkung im Glauben immer zu einer vordringlichen Aufgabe des Hauptes der Kirche. Zur wirksamen Erfüllung derselben ist die Unfehlbarkeit in Sachen des Glaubens und der Sitten erforderlich.“[3]  

Natürlich ist es die Aufgabe Petri die Brüder im Bischofsamt zu stärken und nicht diese durch Häresien zu verderben, um andere in der Wahrheit zu stärken, muss man aber selbst in der Wahrheit bleiben und darf keinem Irrtum unterliegen.

[1] Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 2010, 406.

[2] Ebd., 406-407.

[3] Ebd., 407.

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