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Predigten der Kirchenväter – Festtage – Innerhalb der Oktav des Fronleichnamsfestes – Sonntag

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Vierte Lesung

Predigt vom heiligen Johannes Chrysostomus. Weil er, der das Wort ist, sagt: „das ist mein Leib“, wollen wir zustimmen und glauben und es mit geistigen Augen anschauen. Christus hat uns nämlich nichts Sinnfälliges übergeben, sondern etwas unter sinnfälligen Dingen, aber alles übersinnlich. So ist es auch bei der Taufe. Durch ein sinnfälliges Ding, nämlich, durch das Wasser, wird uns ein Geschenk gewährt; das Übersinnliche, was bewirkt wird, ist die Geburt zum Gnadenleben und die Erneuerung. Wenn du nämlich körperlos wärest, hätte er dir unverhüllte und körperlose Gaben gegeben; aber weil die Seele mit dem Leib zusammengefügt ist, reicht er dir unter dem Sinnfälligen das Übersinnliche. Wie viele sagen jetzt: Ich möchte gern seine Gestalt sehen, seine Form, seine Kleider, seine Schuhe. Wohlan, du siehst ihn, du berührst ihn, du ißt ihn. Und du willst seine Kleider sehen? Er gewährt dir das Glück, nicht bloß ihn zu sehen, sondern auch ihn zu essen, und zu berühren und in dich hineinzunehmen.

Fünfte Lesung

Niemand trete also mit Widerwillen hinzu, niemand nachlässig, alle feurig, alle glühend und begeistert. Denn wenn die Juden im Stehen und mit Schuhen an den Füßen und mit Stöcken in den Händen das Lamm in Eile genossen, mußt du um so geschäftiger sein. Denn jene waren im Begriff, nach Palästina aufzubrechen, und deshalb hatten sie an sich das Äußere von Reisenden; du aber sollst in den Himmel wandern. Darum mußt du in allem wachsam sein; denn keine geringe Strafe wird den unwürdig Empfangenden vorgehalten. Überlege, wie du gegen den Verräter aufgebracht bist und gegen jene, die ihn ans Kreuz geschlagen haben; darum siehe zu, daß du dich nicht selbst am Leibe und Blute Christi vergehst. Jene haben den heiligsten Leib getötet, du aber empfängst ihn mit unreiner Seele nach so vielen Wohltaten. Es ist ihm doch nicht genug gewesen, Mensch zu werden, ins Gesicht geschlagen zu werden, sondern er fügt sich selbst in uns ein; und er macht uns nicht nur dem Glauben nach, sondern auch in Wirklichkeit zu seinem Leibe.

Sechste Lesung

Was also müssen wir nicht an Reinheit übertreffen, wenn wir eines so heiligen Werkes Nutznießer sind? Über welchen Sonnenstrahl hinaus muß nicht die Hand leuchtend sein, die diesen Leib austeilt? Der Mund, der mit geistigem Feuer gefüllt wird, die Zunge, die von dem uns gar sehr zum Zittern anregenden Blute gerötet wird? Überlege, mit welcher Ehre du ausgezeichnet bist, an welchem Tische du teilnimmst. Wovor die Engel beim Anblick erschauern, und was sie ohne Scheu nicht anzublicken wagen wegen des von dort schimmernden Glanzes, mit dem werden wir genährt, mit dem werden wir vereint, und so sind wir mit Christus ein Ganzes und ein Leib geworden. „Wer kann darstellen die machtvollen Werke des Herrn, künden alles, was er an Lob verdient?“ Welcher Hirt nährt seine Schaffe mit eigenem Blut? Und was sage ich: Welcher Hirt? Es gibt viele Mütter, die nach den Wehen der Geburt die Kinder anderen zur Ernährung übergeben. Das aber brachte er nicht über sich, sondern er speist uns mit dem eigenen Blute und fügt uns vollständig mit sich zusammen.

Siebte Lesung

Lesung aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (14, 16 – 24).

Jesus sprach: Ein Mensch bereitete ein großes Abendmahl, und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, um den Geladenen zu sagen, sie möchten kommen, weil schon alles bereit sei. Es fingen aber alle insgesammt an, sich zu entschuldigen. Der erstes sprach zu ihm: Ich habe ein Landgut gekauft, und bin genöthigt, es anzusehen; ich bitte dich, erachte mich für entschuldigt.

Und ein anderer sprach: Ich habe ein Weib genommen, und darum kann ich nicht kommen.

Und der Knecht kam zurück, und berichtete dies seinem Herrn. Da ward der Hausvater zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe eilends hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führe die Armen, Schwachen, Blinden und Lahmen hier herein! Und der Knecht sprach: Herr! Es ist alles geschehen, wie du befohlen hast; aber es ist noch Platz übrig.

Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe hinaus an die Wege und Zäune, und nöthige sie hereinzukommen, damit mein Haus voll werde!

Ich sage euch aber: Keiner von jenen Männern, die geladen waren, wird mein Abendmahl verkosten!

Auslegung vom heiligen Papste Gregor. Zwischen den Genüssen des Körpers und denen des Herzens pflegt der Unterschied zu sein, daß die körperlichen Genüsse, wenn man sie nicht hat, eine starke Sehnsucht im Menschen anfachen, daß sie aber, wenn sie gierig aufgenommen werden, den, der sie genießt, alsbald zum Überdruß an ihnen auf Grund der Sättigung bringen. Im Gegensatz dazu erregen die geistigen Genüsse, wenn man sie nicht hat, Abneigung, wenn man sie hat, Sehnsucht; und sie werden von dem, der sie aufnimmt, um so mehr ersehnt, je mehr sie vom Verlangenden aufgenommen werden. Bei jenen macht das Verlangen Freude, das Verkosten Mißbehagen; bei diesen ist das Verlangen gering und das Verkosten steigert das Gefallen daran. In jenen bewirkt das Verlangen Sättigung und die Sättigung Überdruß; in diesen aber schafft das Verlangen Sättigung und die Sättigung verlangen.

Achte Lesung

Also ist es das Geistige, was Leben schafft; denn der Geist macht die Glieder lebendig. Und doch macht Die geistigen Genüsse nämlich vermehren das Verlangen in der Seele, indem sie satt machen; denn je mehr deren lieblicher Geschmack empfunden wird, umso mehr wird erkannt, was mit größerem Verlangen geliebt werden soll; und deshalb können sie, wenn man sie nicht hat, nicht geliebt werden, weil ihr lieblicher Geschmack unbekannt ist. Wer sollte nämlich lieben, was er nicht kennt? Darum mahnt uns der Psalmist mit den Worten: „Verkostet es und seht, wie lieblich der Herr ist“. Als ob er offenkundig sagen wollte: „Seine Lieblichkeit kennt ihr nicht, wenn ihr sie nicht verkostet; aber berührt nur die Speise des Lebens mit dem Gaumen des Geistes, damit ihr deren Süßigkeit ausprobt und sie lieben könnt! Diese Lieblichkeit hat aber verloren der Mensch, als er im Paradies sündigte; er ging von dort hinaus, als er den Mund gegenüber der Speise der ewigen Süßigkeit verschloß.

Neunte Lesung

Deshalb kamen wir, die wir in den Beschwerden dieser Wanderung geboren sind, nur mit Überdruß hierher und wissen nicht, was wir zu ersehnen haben. Und um so mehr macht sich die Krankheit unseres Überdrusses bemerkbar, je mehr sich der Geist von dem Genuß dieser Süßigkeit fern hält. Und um so mehr unterläßt er das Verlangen nach den inneren Lieblichkeiten, je mehr und je länger er sich den Genuß derselben abgewöhnt. Also verlieren wir wegen unseres Überdrusses die Frische und ermüden wegen des wie eine Pest wirkenden langen Hungerns. Und weil wir im Innern die bereit gehaltene Süßigkeit nicht verkosten wollen, lieben wir nach außen im Elend unseren Hunger.

Kirchengebet

Laß uns, o Herr, gegenüber deiner heiligen Majestät ständige Ehrfurcht und ebenso ständige Liebe zeigen, weil du ja niemals diejenigen ohne Fürsorge läßt, die du in die rechte und richtige Liebe zu dir einführst. Durch unsern Herrn. Amen.

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablass, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gewährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

Quelle: Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet Teil II, S. 434 ff.

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