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Predigten der Kirchenväter – Festtage- Fronleichnam

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Vierte Lesung

Die unermeßlichen Wohltaten, die von der Freigebigkeit Gottes dem christlichen Volke gewährt werden, verschaffen ihm eine unschätzbare Würde. Denn „es gibt und es hat niemals ein so vornehmes Volk gegeben, das die Gottheit so nahe bei sich hätte, als unser Gott bei uns ist“. Der eingeborne Gottessohn hat ja doch, da er uns an seiner Gottheit teilnehmen lassen wollte, unsere Natur angenommen, um die Menschen zu Trägern göttlichen Wesens zu machen, indem er Mensch wurde. Und zudem hat er das, was er von den Unsrigen angenommen hat, ganz zu unserem Heile verwendet. Denn seinen Leib hat er, um uns als Gotteskinder wieder herzustellen, auf dem Altar des Kreuzes als Opfergabe dem göttlichen Vater dargebracht; sein Blut hat er vergossen, damit es sowohl ein Zahlungspreis für uns sei, als auch ein Bad, auf daß wir, losgekauft von der jammervollen Knechtschaft, von allen Sünden gereinigt würden. Damit aber das Andenken an eine solche Wohltat ständig unter uns bleibe, hat er seinen Leib als Speise und sein Blut als Trank zum Empfang unter der Gestalt von Brot und Wein den Gläubigen zurückgelassen.

Fünfte Lesung

O wertvolles und staunenswertes und heilwirkendes und aller Süßigkeit volles Mahl! Was kann es nämlich Wertvolleres geben als dieses Mahl, in dem nicht das Fleisch von Kälbern und Böcken, wie einst im Alten Bunde, sondern Christus, der wahre Gott, zum Genusse gereicht wird? Was gibt es Staunenswerteres als dieses Sakrament? In diesem wird doch Brot und Wein dem Wesen nach in den Leib und in das Blut Christi verwandelt; und deshalb ist Christus ganz als Gott und ganz als Mensch unter der Gestalt von einem kleinen Stück Brot und etwas Wein enthalten. Er wird also von den Gläubigen genossen, aber in keiner Weise in Teile zerlegt; im Gegenteil, wenn die heilige Hülle geteilt wird, bleibt er unter jedem dadurch geschaffenen Teil unversehrt gegenwärtig. Die Gestalten aber bleiben dabei ohne Daseinsgrundlage bestehen, und so hat der Glaube eine Möglichkeit der Betätigung, insofern als das, was in sich sichtbar ist, auf unsichtbare Weise genossen wird, weil es unter einer fremden Gestalt verborgen ist; und so werden auch die Sinne vor Täuschung bewahrt, die ja ihr Urteil nur über die ihnen bekannten Gestalten abgeben.

Sechste Lesung

Es gibt auch kein segensreicheres Sakrament als dieses, weil dadurch die Sünden abgewaschen, die Tugenden vermehrt werden und die Seele mit der Fülle aller geistigen Auszeichnungen gelabt wird. Es wird in der Kirche für die Lebenden und für die Verstorbenen dargebracht, damit für alle nützlich sei, was zum Heile aller eingesetzt ist. Die Lieblichkeit dieses Sakramentes schließlich kann keiner darstellen, da ja auf Grund desselben die geistige Süßigkeit an ihrer Quelle verkostet wird, und weil das Andenken an jene alles überragende Liebe begangen wird, die Christus bei seinem leidensvollen Tod gezeigt hat. Darum hat er, damit die Unermeßlichkeit dieser Liebe den Herzen der Gläubigen besser eingeprägt würde, beim letzten Abendmahl, als er nach der Feier des Paschamahles mit den Jüngern von dieser Welt zum Vater hinübergehen wollte, dieses Sakrament eingesetzt als eine ständige Erinnerung an seinen leidensvollen Tod, als die Erfüllung der alten Vorbilder, als das größte der von ihm gewirkten Wunder, und so hat er den über seinen Weggang trauernden Jüngern einen ganz eigenartigen Trost zurückgelassen.

Siebte Lesung

Lesung aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (6, 56 – 59). Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir, und ich in ihm. Gleichwie mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich ißt, leben um meinetwillen. Dies ist das Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, nicht so, wie eure Väter das Manna gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brod ißt, wird ewig leben.

Auslegung vom heiligen Bischof Augustin. Da die Menschen beim Essen und Trinken die Absicht haben, daß sie weder Hunger noch Durst leiden, so hat diesen Erfolg im wahren Sinne einzig jene Speise und jener Trank, die diejenigen, von denen er genossen wird, unsterblich und unverweslich macht. Und das ist die Gemeinschaft der Heiligen selbst, in der ein voller und einseitiger Friede und Eintracht herrschen wird. Daher hat, wie es auch schon vor uns die Gottesmänner beachtet haben, Jesus Christus, unser Herr, seinen Leib und sein Blut unter solchen Dingen angeboten, die aus vielen Bestandteilen zu einer Einheit zusammengebracht werden; denn das eine wird aus vielen Körnern zu einer Einheit hergestellt, das andere fließt aus vielen Beeren zu einer Einheit zusammen. Alsdann erklärt er, wie das geschehen soll, wovon er spricht, und was das heißt, seinen Leib zur Speise und sein Blut zum Tranke zu haben.

Achte Lesung

„Wer meinen Leib zur Speise und mein Blut zum Tranke hat, der bleibt in mir und in dem bleibe ich.“ Das heißt also: jenes Brot zur Speise und jenes Blut zum Tranke haben, in Christus bleiben und ihn als Bleibenden in sich haben. Und infolgedessen hat derjenige, der nicht in Christus bleibt und in dem nicht Christus bleibt, zweifellos keinen geistigen Genuß seines Leibes und keinen geistigen Trank seines Blutes, auch wenn er leiblich und sichtbar mit den Zähnen die heilige Hülle des Leibes und Blutes Jesu Christi drückt; vielmehr nimmt er das Essen und Trinken eines so großen Heiligtums vor zur Verurteilung seiner selbst, weil er als Unreiner es wagt, zu den Sakramenten Christi hinzutreten, die keiner würdig empfängt, der nicht so rein ist, daß von ihm gesagt werden kann: „Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden sich an Gott laben.“

Neunte Lesung

„Wie mich, so sagt er, der lebendige Vater gesandt hat, und ich dem Vater gemäß lebe, so wird auch derjenige, der mich zur Nahrung hat, mir gemäß leben.“ Es ist, als ob er sagen wollte: daß ich dem Vater gemäß lebe, d. h. daß ich nach ihm als den Größeren mein ganzes Leben einrichte, das hat mein Niedrigkeitszustand bewirkt, in dem er mich gesandt hat. Damit aber einer mir gemäß lebe, das bewirkt die Teilnahme an mir, in der er sich von mir nährt. Also ich lebe in meiner Erniedrigung dem Vater gemäß; er lebt ein seiner Erhöhung mir gemäß. Wenn aber so gesagt ist: „Ich lebe dem Vater gemäß“, so ist das, weil er vom Vater und nicht der Vater von ihm stammt, gesagt, ohne die Gleichheit zu beeinträchtigen. Und doch hat er nicht, wenn er sagte: „So wird derjenige, der sich von mir nährt, auch mir gemäß leben“ etwas bezeichnet, was bei ihm und bei uns gleich wäre, sondern er hat seine gnadenspendende Stellung als Mittler dargestellt.

Kirchengebet

O Gott, der du in dem an Wundern so reichen Sakrament ein Andenken an dein Leiden zurückgelassen hast, gewähre uns, wir bitten dich, die Gnade, deines Leibes und Blutes heiligen und hocherhabenen Werte also zu verehren, daß wir die Früchte deiner Erlöserarbeit stetig in uns fühlbar haben. Der du lebst. Amen.

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablass, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gewährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

Quelle: Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet Teil II, S. 423 – 428

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