Tradition und Glauben

FSSP sicher oder doch nur Hagan lio?

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Wortlaut

Wie man neuerdings überall nachlesen kann, erlaubte Franziskus der Petrusbruderschaft (FSSP) das weitere Fortwirken ungeachtet Traditionis Custodes. Das Dekret lautet im lateinischen Original wie folgt:

Sanctus Pater Franciscus, omnibus et singulis sodalibus Instituti vitae consecratae “Fraternitas Sancti Petri » nuncupati, die 18 iulii 1988 erecti et a Sancta Sede pontificii iuris declarati, facultatem concedit celebrandi sacrificium Missae, sacramentorum necnon alios sacros ritus, sicut et persolvendi Officium divinum, iuxta editiones typicas librorum liturgicorum, scilicet Missalis, Ritualis, Pontificalis et Breviarii, anno 1962 vigentium.

Qua facultate uti poterunt in ecclesiis vel oratoriis propriis, alibi vero nonnisi de consensu Ordinarii loci, excepta Missae privatae celebratione.

Quibus rite servatis, Sanctus Pater etiam suadet ut sedulo cogitetur, quantum fieri potest, de statutis in litteris apostolicis motu proprio datis Traditionis Custodes.

Datum Romae, Sancti Petri, die XI mensis Februarii, in memoria Beatae Mariae Virginis de Lourdes, anno MMXXII, Pontificatus Nostri nono.

Franciscus

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Die deutsche Übersetzung lautet wie folgt:

Der Heilige Vater Franziskus gewährt allen und jedem Mitglied der Gesellschaft apostolischen Lebens ‚Bruderschaft St. Petrus‘, die am 18. Juli 1988 gegründet und vom Heiligen Stuhl als ‚päpstlichen Rechts‘ erklärt wurde, die Befugnis, das Messopfer zu feiern, die Sakramente und andere heilige Riten zu spenden und das Offizium zu verrichten, gemäß der jeweiligen Editio typica der liturgischen Bücher, die im Jahr 1962 in Kraft waren, d. h. dem Missale, dem Rituale, dem Pontifikale und dem Brevier.

Sie können von dieser Befugnis in ihren eigenen Kirchen und Oratorien Gebrauch machen; an anderen Orten jedoch nur mit Zustimmung des Ortsordinarius, außer für die privat gefeierte Messe.

Ungeachtet dessen empfiehlt der Heilige Vater, so weit wie möglich auch die Bestimmungen des Motu proprio Traditionis Custodes zu berücksichtigen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 11. Februar, dem Fest Unserer Lieben Frau von Lourdes, im Jahr 2022, dem neunten Jahr meines Pontifikats.

Franziskus

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Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass jedes Mal, wenn die FSSP ihr eigenes Territorium verlässt, sie unter die Bestimmungen von Traditionis Custodes fällt. Denn sie Petrusbruderschaft darf nur nach 1962 zelebrieren, wenn diese Zelebration an folgenden Orten stattfindet:

  1. in ihren eigenen Kirchen,
  2. in ihren eigenen Oratorien,
  3. bei Privatmessen außerhalb 1. und 2.

Es ist in etwas so, als würde ihnen Honecker, Hitler, Stalin oder ein anderer Diktator erlauben in ihrem eigenen Wohnzimmer das zu tragen, was sie wollen, sind sie aber aus der Haustür raus, dann unterliegen Sie anderen Bestimmungen.

Da die Bischöfe sicherlich nicht gerne der Petrusbruderschaft die Erlaubnis für die Zelebration nach 1962 erteilen werden, so ist der Wirkungsradius von FSSP stark beschnitten. Wohnen Sie nicht vis a vis eine FSSP-Kirche oder Kapelle, dann haben Sie Pech.

Bergoglios Gesichtsausdruck spricht Bände

Was passiert aber, wenn in einer Diözese, wie z.B. in Rom, ein Zelebrationsverbot des Triduums nach 1962 herrscht? Unterliegen dann die Kirchen und Oratorien diesem diözesanen Verbot oder sind sie quasi exterritorial wie ausländische Botschaften? Nach dem Buchstaben dieses Dekrets darf man alles, auch das Triduum,nach 1962 zelebrieren, was natürlich eine wundersame Situation der sog. Exemption schafft, wo auf der Petrusbruderschaftsinsel ein anderes Kirchenrecht gilt als woanders in der jeweiligen Diözese.

Kirchenrecht?

Kirchenrechtlich ist die Formulierung concedit facultatem interessant. Die Facultas ist eine kirchenrechtliche Ermächtigung etwas tun zu dürfen, wozu man an sich geeignet ist. So muss jemand zu Priester geweiht sein, um zum Beispiel die Beichtfakultät (facultas confessionem audiendi) von seinem Ortsbischof zu erhalten, mehr dazu hier. Man braucht demnach nur dann die Facultas, wenn man sie vorher nicht hat. Sie brauchen den Führerschein zu machen, wenn sie keinen haben.

Wenn aber Franziskus in diesem Dekret von der Facultas spricht, so würde das kirchenrechtlich bedeutet, dass die FSSP keine Facultas hat und diese ihr von Bergoglio erteilt werden muss. Dies würde wiederum bedeuten, dass Traditionis Custodes allen die Facultas zur Zelebration nach 1962 entzogen hat und jeder beim Franze darum ersuchen muss, indem er vorher viel schleimt. Diese Leseweise erlaubt der letzte Artikel von Traditionis Custodes, wo es heißt:

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Art. 8. Frühere Normen, Anweisungen, Genehmigungen und Gebräuche, die den Bestimmungen dieses Motu Proprio nicht entsprechen, werden aufgehoben.

Das würde bedeuten ALLES vor TC ist aufgehoben: Summorum Pontificum, Ecclesia Dei Afflicta (die u.a. die Petrusbruderschaft möglich machte), Quam Primum von hl. Pius V etc. Alles, wirklich alles. Wäre diese Leseweise zutreffend und Franziskus wirklich Papst, was wir bezweifeln, dann wäre jeder nach TC in der Lage der Piusbruderschaft (FSSPX) und er würde die Altes Messe und die Sakramente nach 1962 unrechtmäßig (illicite) zelebrieren.

Warum denn dieser Konjunktivgebrauch, der doch sonst DSDZ fremd ist?

Weil die ganze kirchliche Rechtsprechung unter Bergoglio so diffus ist, dass man wirklich jede Leseweise anwenden kann. Der Satz vom Widerspruch gilt ja nicht mehr. Denn wenn Quam Primum wirklich dogmatisch ist, dann ist sowohl Novus Ordo unrechtmäßig, als auch Traditionis Custodes. Ein Papst kann ja nicht durch ein Motu proprio die ganze Tradition, deren Wächter (Custos) er ist außer Kraft setzen. Franze sagt uns, dass es dennoch geht und titelt sein Dokument Traditionis Custodes – „Wächter der Tradition“. Witzig, witzig. Es geht einfach darum, dass man weder die Kirche, noch das Kirchenrecht noch die Logik an sich unter Bergoglio ernst nehmen kann und soll.

Doppelstandard?

Nun ja, einerseits ist es eine gute Nachricht, denn die FSSP ist noch nicht aufgelöst und gerettet, andererseits betrifft dieses Zugeständnis nur die FSSP und nicht andere Ecclesia Dei Institute, die, wie man so liest, am Aschermittwoch der Finalschlag treffen soll. Diese Vorgehensweise Bergoglios ist höchst widersprüchlich, denn warum etwas am Leben lassen, was man zerstören möchte? Die Antwort ist einfach:

Um mehr zu quälen!

Das Opfer schöpft Hoffnung, schnappt nach Luft, denkt, dass es doch davonkommen wird, um dann den endgültigen Todesstoß zu empfangen. Bergoglio spielt mit uns wie die Katze mit der Maus, denn er möchte, dass wir uns ständig die Frage stellen, ob doch irgendwelche Logik dahinter steckt und ob er selbst doch besser ist als wir gedacht haben.

Nein, er ist es nicht und schon vor Jahren verglich Hilary White die Foltermethode von Franziskus mit dem Vorgehen in Orwells 1984. Bei der Folter zählt nicht das Resultat, sondern der Prozess. Um in etwas gut zu werden, müssen sie den Prozess selbst lieben und weniger an das Endresultat denken. Franziskus hasst die Kirche und die Alte Messe und natürlich hätte er die letztere viel früher und effizienter zerstören können.

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Die guten Schachspieler, die ihre Gegner in fünf Zügen Matt setzen, werden genauso gehasst wie gefürchtet, denn sie geben ihren Gegnern nicht einmal den Anschein der Ebenbürtigkeit. Warum sollte andererseits ein gute Schachspieler bei einem miesen Spiel seine Zeit vergeuden?

Er vergeudet keine Zeit, wenn es ihm ums Spiel geht. Denn kann er mit niemanden auf Augenhöhe spielen, so macht das Spiel keinen Spaß und man kann sich die Zeit besser vertreiben. Er vergeudet jedoch bei einem Spiel mit einem minderwertigen Gegner keine Zeit, wenn es ihm nicht um das Schachspielen geht, sondern darum jemanden zu erniedrigen und zu quälen, wozu das Schachspiel nur das Mittel ist. So ist es auch in anderen Bereichen. Wenn es Ihrem Gegenüber ausschließlich darum geht Sie zu demütigen und zu quälen, dann haben Sie schlechte Karten und jede Rationalität ist da fehl am Platze. Er wird solange mit Ihnen spielen bis das Maß seiner Genugtuung erreicht ist. Denn er liebt den Weg, nicht das Ziel.

Vor dem Endschlag

DSDZ traut dem Ganzen nicht und glaubt, dass es den Finalschlag doch geben wird, für die FSSP auch. Franziskus ist nur scheinbar widersprüchlich, sein Ziel ist die Verwirrung und Zerstörung. Er riet ja der Jugend:

Hagan lio – macht Unordnung, schafft Chaos!

Franziskus

Man kann aber kein Chaos systematisch und durchdacht schaffen, denn Chaos ist ein Selbstzweck. Vielleicht werden die anderen Ecclesia Dei Institute aufgelöst und die Priester zu FSSP exportiert? Vielleicht wird danach FSSP aufgelöst werden? Vielleicht werden alle zu der kanonisch irregulären FSSPX outgesourct werden, damit sie in Todsünde leben? Vielleicht wird dann noch zusätzlich die FSSPX exkommuniziert werden, d.h. alle Priester und Gläubigen? Es gibt alle möglichen Endlösungen und die Unsicherheit ist natürlich der quälende Faktor. Wir werden ja sehen.

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