Gänswein ist weg – na und? (1 von 2)

Sehnsucht nach einem Machtkampf

In den katholischen Medien wird die Entlassung Erzbischofs Georg Gänsweins von der Stelle des Präfekten des Päpstlichen Hauses kommentiert und beklagt. Man sehnt sich nach einem „Machtkampf im Vatikan“ zwischen den Guten – Ratzingerianern – und den Bösen – Bergoglianern. Man klammert sich an die Hoffnung, dass es im Vatikan einen Widerstand gegen Bergoglio gibt, sogar nach sieben Jahren. All diese Sehnsüchte und Hoffnungen sind aber unbegründet, denn wir beobachten ein Gesamtschauspiel mit wechselnden Darstellern und Statisten.

  • Ratzinger war als Präfekt der Glaubenskongregation zu schwach und zu unorthodox, um wirklich gegen Häresien, Skandale und den Zerfall der Kirche vorzugehen, vorausgesetzt, dass er es überhaupt wollte.
  • Ratzinger war zu schwach die Papstwahl 2005 abzulehnen.
  • Benedikt war in seiner Amtszeit zu schwach, um wirklich zu regieren.
  • Benedikt war erpressbar, sodass er zu seinem Rücktritt gezwungen wurde.
  • Benedikt trat zurück, aber doch nicht ganz, sodass er uns zugleich Bergoglio bescherte und selbst im Amt blieb.
  • Benedikt ist zu schwach und zu uninteressiert, um gegen Bergoglio etwas zu unternehmen.
  • Benedikt ist zu feige zuzugeben, dass er wirklich an dem Sarah-Buch mitarbeitete.

Benedikt hatte schon als Glaubenspräfekt eine Schwäche für den schönen Georg, welcher, so Viganò, wenigstens im Jahre 2011 Dokumente vor ihm geheim hielt. Sollte die Aussage von Viganò stimmen und es ist wahrscheinlich, dass es so ist, dann hätte Benedikt schon 2011, im Kontext der Vatileaks-Affäre, gute Gründe sich Gänsweins zu entledigen. Dass er dies nicht tat, zeugt davon, dass die Gesellschaft Gänsweins im wichtiger war als das Wohl der Kirche. Wenn jemand nicht versteht, welches Geheimnis Ratzinger mit Gänswein verbindet, dann ist er recht naiv und geht von einer falschen Prämisse aus. Wir sind alle hier erwachsen, jeder soll seine eigenen Schlüsse ziehen.

Wer ist der Präfekt des Päpstlichen Hauses?

Interessanterweise ist die Position des Präfekten des Päpstlichen Hauses ein weiterer Beweis für das fortlaufende Papsttum von Benedikt oder „das geteilte Papsttum“, wie Gänswein an der Gregoriana ausdrückte. Da es theologisch gesehen kein geteiltes oder doppeltes Papsttum geben kann, sondern einen Papst und einen Gegenpapst, so ist es auch nicht verwunderlich, dass der eigentliche Papst oder der Noch-Papst die päpstlichen Ämter vergibt. Denn die Stellung, welche Georg Gänswein bis vor kurzem noch bekleidete, ist eine recht wichtige.

Die Millenari, 20 römische Prälaten, die den Untergang der Kirche am Ende des Pontifikats von Johannes Paul II beklagten, schreiben mit viel Einblick und Hintergrundwissen darüber wie folgt:

Die Präfektur des Päpstlichen Hauses zum Beispiel ist eine Position, die sich kein halbwegs umsichtiger Clan-Führer entgehen ließe. Hinsichtlich der Machtfülle folgt sie direkt auf die des Staatssekretärs, wenn der Präfekt des Päpstlichen Hauses klug ist, kann er den Papst ganz nach seinem Wunsch lenken, ihn wie ein Pferd an den Zügeln hierhin und dorthin führen.

Denn bei genauerem Hinsehen ist er es, der Dauer und Umstände der Unterredungen des Papstes mit Laien oder Kurienkardinälen festlegt. Wie viele Kardinäle müssen monatelang warten, weil der Präfekt die Anweisungen gegeben hat, sie auf keinen Fall vorzulassen. Ganz im Gegensatz zu den Kardinälen und Prälaten des eigenen Clans, die sofort vom Papst empfangen werden, manchmal sogar ohne das Wissen des Staatssekretärs, wenn dieser aus einem anderen Nest kommt. Sobald der Clan also die Möglichkeit hat, den Vorsteher des Päpstlichen Hauses aus den eigenen Reihen zu stellen, wird er immer den richtigen Mann einsetzen, der schnell und unauffällig einige entscheidende Konstellationen zurechtrückt.“[1]

Kurz und gut: im Vatikan ist es wie nach jeder gewonnenen Wahl. Man verleiht die Schlüsselpositionen an seine eigenen Clan-Leute, die ihre Gegner vom Papst und einflussreichen Stellen fernhalten. Sicherlich wird auf diese Art und Weise jeder Papst zur Geisel seiner eigenen Umgebung, was wohl das Fatum eines jeden Herrschers ist. Man erhält nur eine Art der Informationen, da der Präfekt des Päpstlichen Hauses den Informationsfluss durch den Zufluss des Besucherstroms geschickt kontrollieren kann. Benedikt wollte nach seinem versuchten Rücktritt Gänswein eine schöne Stelle geben, „damit der Junge auch was hat“. Mit einem Bischofssitz in Deutschland hat es nicht geklappt, für ein Kardinalat ist Gänswein noch zu jung. Aber fast alle Präfekten des päpstlichen Hauses der letzten Jahrzehnte wurden Kardinäle: Jacques-Paul Martin (1969-1986), Dino Monduzzi (1986-1998), James Michael Harvey (1998-2012). Wie wir sehen, sind die Amtszeiten der jeweiligen Präfekten recht lang und gehen über mehrere Pontifikate hindurch, wie im Falle von Martin, der die Pontifikate von Paul VI., Johannes Paul I. und Johannes Paul II. durchlebte und Harvey, der unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Dienst tat.  

[1] I Millenari, Wir klagen an. 20 römische Prälaten über die dunklen Seiten des Vatikans, Berlin 20012, 130-132.

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14 Gedanken zu „Gänswein ist weg – na und? (1 von 2)

  1. Nur ein kurzen Hinweis: Wer die Vita Gänsweins und die zugehörigen Umstände kennt, ist fassungslos, daß eine solche Person mit einflußreichen Ämtern betraut wird. Und den Mythos des ahnungslosen Ratzinger stelle ich zunehmend zur Disposition. Wer im Bistum Mainz lebt, weiß unter welchem Bischof er jahrelang gelebt hat und woher er kam. Dort war auch Gänswein, genügt das? Genügt es, zu erwähnen, daß Gänswein nur etwa vier Jahre seines priesterlichen Lebens mit Seelsorge im eigentlichen Sinne betraut war? Genügt es zu erwähnen, daß S. E. Oskar Saier mit kalten Füßen 1984 die Ereignisse in Mainz (Affäre Domkapellmeister Hain- bis heute weitgehend verschwiegen trotz 8cm-Bild-Schlagzeilen!) verfolgt hat und ihn so schnell wie möglich “entsorgen”wollte, wegkomplimentieren, zum Aufbaustudium wegschicken, bloß nicht bei Kindern und Jugendlichen? Gänswein (das ist ausnahmsweise zu loben) war einsichtig und war sich der weltlich strafrechtlichen Konsequenzen bewußt, wenn er auch nur einmal zulangt! Also spielt man weiter die Rolle des aufstrebenden Theologen, studiert weiter etc..

    1994 holte ihn Saier zurück, in der Hoffnung die Tendenzen hätten sich gelegt und machte ihn zum Liturgieverantwortlichen am Freiburger Münster. Aber dem war nicht so! Knapp zwei Jahre Eiertanz, da sich in Freiburg eine der größten Domsingschulen Deutschlands beindet, dann war das Spiel vorbei und Saier mußte sich entscheiden: Verwaltung und Hochschulkarriere in Freiburg oder einen Posten in Rom. Schließlich dann doch der Anruf in Rom. “Ich habe hier einen jungen begabten Theologen mit ‘Tendenzen’!” Und was passiert: Ratzinger – genau der Ratzinger, der den Oberrheinischen Bischöfen beim “Schein” als Panzerkardinal begegnet war – hat diesen ins “Konservative” neigenden Theologen und Priester dankbar aufgenommen, trotz der Akte der Kleruskongregation, die ihm aus Freiburg gefolgt war (!!).

    Die Karriere von Gänswein dann ist ja bekannt. Das paßt alles zusammen, die Meßkirchner Gespräche (mit Bergoglio und der gesamten Konzilsmafia – einschließlich Ratzingers!), der Rücktritt des Ratzinger, die Nichtahndung dieser schismatischen Tat, die Wahl Bergoglios! Ahnt man denn nicht, auf welcher Spur wir uns befinden? Gänswein ist weg, er soll sich angeblich um den bald sterbenden Ratzinger/Benedikt XVI kümmern, hört sich doch menschlich an, oder? Der wiederum wird angeblich Opfer eines Verlags. Es war niemand anderes als Gänswein, der die Kurie weitgehend vor dem Apostolischen Haus isoliert hat und die Einflußposition des Scalfari gestärkt hat. Opus Dei, die Salesianer wissen es, sie kennen die Tendenzen Gänsweins, Bertone kannte sie, Begoglio auch, und dann soll Ratzinger nichts gewußt haben? Hätte er nicht selbst 2001 nach “Sacramentatorum sanctitatis tutela” sofort entlassen müssen? Aber über allem der dunkle Mantel des Schweigens? Und nun reicht es dem Dorfpfarrer Bergoglio und schmeißt seinen Hausmeister raus! Aber nicht weil der “Hausmeister” IHM geschadet hätte, sondern genau: Weil er den Dienst so verrichtet hat, wie es sein sollte, als Band zwischen den Päpsten als Beauty-Kleber eines von den Gläubigen angenommenen Schismas, was nie existiert hat. Das, was sich im Moment in der Konzilskirche ereignet, erinnert an die Zustände des Weißen Hauses in der Endzeit der Präsidentschaft Nixons, der CDU in Deutschland und der DBK. So langsam geht das Spiel “Konzilskirche” zu Ende!

    1. @Christoph Rhein

      Das sind wirklich interessante Anspielungen. Aber wir alle haben Ihr Hintergrundwissen nicht und Sie täten gut daran klarer zu schreiben, anstatt bloß sich mit Anspielungen zu begnügen. Auch irgendwelche Links und Verweise täten gut Ihre Thesen zu untermauern.

      Wenn Sie recht haben, da liege auch ich mit meinen Vermutungen über Gänswein richtig, aber Sie liefern keine Beweise, um sich damit stärker auseinander zu setzen.

      Kurz und gut: Wenn Gänswein “Tendenzen” hat, dann hat Benedikt auch welche. Diese “Tendenzen” halten diese beiden zusammen und haben zur Benedikts Rücktritt – Erpressung- Starke Furcht- Ungültig – geführt. Er ist also weiterhin Papst, weil sein Rücktritt, da nicht frei und freiwillig, ungültig von Rechts wegen war.

  2. Die Beweise liegen in den Bischöflichen Archiven, zu denen ich im Zuge der kanonistischen Aufarbeitung der Affäre “Domkapellmeister” in eigener Person und als Student der katholischen Theologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz sub sigilio (natürlich) Zugang hatte. Im Kirchlichen Bereich ist man mit Akten eben nicht so heikel wie man in den Kreisen der Community, also der staatlichen Ermitttler ist. Da liegt schon einmal etwas stundenlang offen herum, ein Mitarbeiter ist gerade weg…Da geht man eben so vor wie ein Journalist an einer Story. Natürlich gibt davon leider keine Kopien, nur Notizen. Und dann verschwindet auf einmal eine Akte komplett, wie in Limburg die Akte Hain, in Köln die Akte Groß etc…Das hat tatsächlich kriminelle Züge, was die Konzilskirche da betreibt, das geht direkt gegen da staatliche Strafrecht. Leider kann man auf offiziellem Wege da nichts machen, da geht schnell die Unterlassungsklage ein, die Anklage wegen uneidlicher Falschaussage etc.., die Konzilskirchler sind da nicht zimperlich.
    Dann habe ich auch Ohren, die zuweilen sehr empfindlich sind. Da bekommt man das eine oder andere Gespräch mit (Beichtgeheimnis???). Und die “Tendenzen”, ja Gänswein ist homosexuell, das hat mir die Schwägerin des verstorbenen Bischofs von St. Pölten bestätigt. Eine weitere Quelle habe ich, die erst 40 Jahre nach dem Ende des Pontifikats Bergoglio geöffnet wird, die Akte “Gigi” über die “rosa Tradition”.

    1. @Christoph Rhein
      Sie kennen sich aber aus. Ich glauben, dass Sie wirklich recht haben, denn es passt zu allem, was ich über GG gelesen oder gehört habe. Trotzdem ich sehr niedergeschlagen von all den Nachrichten. Ich habe doch tatsächlich gerade eben die Bußpsalmen als Sühne für GG gebetet und auch für sein Seelenheil. Noch ist er nicht tot. Das empfehle auch allen, die diese Kommentare lesen sollten. So haben wir wenigstens etwas für ihn und die Kirche getan. Was er damit macht, bleibt bei ihm. Auch schweren Sündern gibt Gott ausreichend viel Gnade zur Umkehr.

  3. Ich schieße noch etwas nach: Kurt Krenn hat sich mehrfach über das Verhalten von Lehmann an der Gregoriana geäußert. Auch hier; ‘Tendenzen’! Ohne, daß es gleich zum Brennpunkt Hain gekommen wäre, wäre im Mainzer Priesterseminar der damalige Regens nicht aufgeklärt worden und es hätte noch mehr Fälle von Mißbrauch gegeben. Lehmann wußte, daß er da verdammt vorsichtig sein mußte und seine inneren Kenntnisse ohne Preisgabe der Person anwenden muß. Er kannte sich selbst und er wußte, was das angesichts des Skandals Hain bedeutet – Augen auf und zusammenreißen, sich mit Arbeit überhäufen und unattraktiv machen, sozusagen in irgendeiner Weise den Körper ruinieren. Ähnliches ist auch bei Gänswein zu beobachten. Sein strahlend weißes Lächeln ist einem Anblick gelblicher Zähne gewichen (so kommt man nicht mehr auf die Titelseite des “Vanity Fair” und als Anzeigenmodel im “GQ”).

    1. @Christoph Rhein
      Wenn Kurt Krenn sich selbst so gut auskannte, wie konnte es denn zu diesem Homo-Seminar in St. Pölten kommen?

      Gänswein hat sich nicht unattraktiv gemacht und bei Vanity Fair und GQ arbeitet man mit Photoshop 🙂 Niemand sieht in Wirklichkeit so gut aus, wie auf diesen Bildern.

      1. Hier kommt leider ein dunkler Zug (im wahrsten Sinne des Wortes!) hinzu. Kurt Krenn hat zuviel getrunken und sich allzusehr auch in den Medien bewegt, war ständig unterwegs zu Priesterweihen im “Engelwerk” und bei den SJM, da hat er leider die Übersicht im eigenen Bistum vernachlässigt. Und dann kam noch eines Hinzu: Die Priesteramtskandidaten, die damals angefangen haben und lange involviert waren, kamen alle aus dem Erzbischöflichen Seminar von Krakau. Dziwisz hat sie in boshafter Manier nach St. Pölten geschickt, um Krenn zu desavouieren, da Krenn aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge von S. Em. Hermann Gröer gewesen war.

      2. Ich kenne einen Priester, der damals in St. Pölten studiert hat, persönlich, und auf einem Heimaturlaub durfte er auch mal predigen.
        Was er gepredigt hat, hört man in einem “herkömmlichen Seminar” nicht, daher halte ich Krenn für jemanden, dem man etwas untergeschoben hat, was nicht wahr ist.

      3. @Eugenie Roth
        Das eine muss das andere nicht ausschließen. Dass jemand gut predigt bedeutet noch lange nicht, dass kein Homo-Sumpf in einem Seminar existiert. Es gibt immer Ausnahmen, ferner können Predigt und das eigene Leben auseinanderfallen.

  4. Ja, dafür sollen wir stellvertretend im Gebet so weit wir es können und soweit uns die Gnadenmittel gegeben sind, Sühne leisten. Ich denke wir haben jetzt genug Arbeit vor uns.

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