Georg Ratzinger ist tot – Was folgt daraus? Und wieder einmal vom Benedikts Rücktritt. (3 von 6)

Wenden wir uns der zweiten These zu.

These 2:  Benedikt sollte mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Georg Ratzinger erpresst werden

An dieser These könnte etwas dran sein, obwohl wir nicht glauben, dass dieser Grund ausreichend gewesen sein würde.

Was wissen wir eigentlich über Georg Ratzinger?

Er trat zwar schon im Jahre 1935 in das Erzbischöfliche Kleine Seminar in Traunstein ein, aber erst 1946, im gleichen Jahr wie sein drei Jahre jüngerer Bruder, trat er in das Priesterseminar von München und Freising ein. Dieser Entschluss ist wohl dem Krieg geschuldet, da Georg Ratzinger 1942 mit 18 eingezogen wurde und wir wissen nicht, ob dies auch der Fall gewesen wäre, wenn er vorher ins Priesterseminar gegangen wäre. Vielleicht hatte also Georg Ratzinger eilig seine Priester Berufung zu realisieren und der Krieg trat dazwischen oder er hatte es doch nicht so eilig. Der Eintritt von zwei Brüdern, die drei Jahre auseinander liegen in ein und dasselbe Priesterseminar ist doch recht ungewöhnlich. Sowohl für die Eintretenden als auch für die Aufnehmenden. Manche Orden oder Priesterseminare erlauben das nicht, weil sie wissen, dass solch eine Machtballung einer einzigen Familie zu Konflikten führen kann.

Dies ist auch deswegen recht ungewöhnlich, weil drei Jahre innerhalb der Geschwisterreihenfolge schon sehr viel ausmachen und drei Jahre innerhalb der Priesterausbildung oder des Theologiestudiums eine kleine Epoche bilden. Während nämlich der Erstsemester noch nicht weiß, wo oben und unten ist, hat derjenige, der im sechsten Studiensemester ist die Anfänge der Theologie und als Priesteramtskandidat die niederen Weihen. Wenn Georg Ratzinger tatsächlich eine starke Priesterberufung gehabt hätte, warum ist er nicht gleich ins Priesterseminar eingetreten, anstatt ganze drei Jahre auf seinen jüngeren Bruder zu warten? War es nur der Krieg? Drei Jahre im Alter zwischen 18 und 21 gleichen wirklich einer ganzen Epoche. Man ist in diesem Alter sehr ungeduldig, man möchte alles sofort haben, man will nicht warten. Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. schreibt über seine eigene Priesterberufung wie folgt:

„Seewald: Über Ihren Anfang an der Hochschule meinte Sie einmal »Als ich anfing, Theologie zu studieren, begann ich mich auch für die intellektuellen Probleme zu interessieren, und dies, weil sie das Drama meines Lebens und vor allem das Geheimnis der Wahrheit enthüllten.« Wir haben in Salz der Erde bereits darüber gesprochen, und Sie meinten damals, das wäre ein bisschen hochgestochen ausgedrückt gewesen. Um hier noch einmal ganz direkt nachzufragen: Was war denn das »Drama Ihres Lebens«?

Benedikt: Nun ja, was ich mit dem Leben anfangen kann. Soll ich Priester werden oder nicht? Werde ich dazu geeignet sein oder nicht? Und überhaupt: Wozu bin ich? Was ist mit mir los? Wer bin ich?“[1]

Fassen wir also zusammen: ein verlorener junger Mensch, voll Fragen an seine Identität, voll innerer Zerrissenheit, geht in Seminar, da er sich für „Probleme“ interessiert. Das hört sich aber gar nicht nach einer festen Priesterberufung an. Es ist ein Intellektueller, ein Schöngeist, ein verkappter Literat, der sich im Priestertum eine Zufluchtsstätte sucht, um vor sich selbst und seinen nicht näher genannten Problemen zu fliehen.

Vielleicht ist es genauso bei Georg Ratzinger gewesen?

Vielleicht floh er vor demselben, wovor sein jüngerer Bruder geflohen ist? Denn weder Georg noch Joseph Ratzinger haben den eigentlichen Priesterberuf ausgelebt. Der eine war Musiker, der andere Literat/nachkonziliare Theologe. Ist jemand Laie und Musiker oder Theologe, dann hat der große finanzielle Probleme in diesem Beruf über die Runden zu kommen. Das Priestertum insbesondere in dem abgesicherten, deutschen Kirchensteuerreich bietet da ein festes Fundament, um manch ein intellektuell-artistisches Steckenpferd zu reiten, indem man dem priesterlichen Brotberuf nachgeht.


[1] Benedikt XVI., Letzte Gespräche mit Peter Seewald, Droemer: München 2016, 100.

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