Georg Ratzinger ist tot – Was folgt daraus? Und wieder einmal vom Benedikts Rücktritt. (5 von 6)

DSDZ hatte in seiner Jugend bis ungefähr Anfang 20 auch eine Phase, als er sich selbst noch nicht zu schreiben traute und sich hinter bestimmten Zitaten und Geschichten versteckte. Wenn er also etwas über sich oder von sich aus sagen wollte, so verwendete er dazu die Werke der anderen. Er weiß also, dass für den Fall, dass man in einem öffentlichen Buch ein bestimmtes Zitat wählt wirklich nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen bleibt. Ratzinger wählte dieses Bild, weil es seine eigene Situation und die seines Bruders exakt darstellt. Joseph Ratzinger erlebt also seine Zwangsanbindung ans Kreuz. Ist das die Metapher seines Priesterlebens? Dass ihn der äußere Schein davor bewahrt gänzlich in den Abgrund zu stürzen? Denn „es brodelt unter ihm“. Was brodelt denn? Hat Ratzinger keinen freien Willen? Wurde er an das Kreuz – Priestertum – mit Gewalt gefesselt? Im Claudel-Buch waren es ja die Seeräuber, welche die Missionare an das Kreuz banden. Das Kreuz ist also stärker als das Nichts. Hmm.. Interessant.

Wir lesen weiter, denn es wird noch dramatischer und ein wenig kitschig.

Ans Kreuz geheftet – das Kreuz aber an Nichts, treibend über dem Abgrund. Die Situation des Glaubenden von heute könnte man kaum eindringlicher und genauer beschreiben, als es hier geschieht. Nur ein über dem Nichts schwankender, loser Balken scheint ihn zu halten, und es sieht aus, als müsse man den Augenblick rechnen können, indem er versinken muss. Nur ein loser Balken knüpft ihn an Gott, aber freilich: er knüpft ihn unausweichlich, und am Ende weiß er, dass dieses Holz stärker ist als das Nichts, dass unter ihm brodelt, dass aber dennoch die drohende, eigentliche Macht seiner Gegenwart bleibt.[1]

Ratzinger ist also anders Kreuz/Priestertum/Katholizismus zwangsgebunden und treibt über dem Abgrund. Kein freier Wille, keine Entscheidungsgewalt. Dieser Text ist auch in sich widersprüchlich, denn gerade der Kreuzesbalken verhindert das Versinken des Missionars in den Wogen. Die Seeräuber haben es mit ihm also gut gemeint, denn solange wie er auf dem Holz treibt, solange hätte er doch nie und nimmer schwimmen können. Warum aber knüpft „ein loser Balken“ den Missionar an Gott? Wenn er stirbt, dann ist er Gott viel näher als zu Lebzeiten? Lesen wir aber die Kodeworte richtig „Kreuz“ bedeutet Priestertum, „Nichts“ bedeutet das Verlassen des Priestertums und der Kirchensteuer, sodass man vor dem Nichts steht und das „Brodeln“ bedeutet die ungestümen, nicht näher genannten Leidenschaften, so wirkt diese Passage viel weniger mysteriös als zuerst gedacht.  Man weiß aber nicht, was die „eigentliche Macht seiner Gegenwart bleibt“?  Etwas also, was den Helden – Ratzinger – von außen bestimmt und ihm die Freiheit nimmt:

  • Ist es das „Holz“ sprich das Priestertum?
  • Ist es das „brodelnde Nichts“ sprich die Leidenschaften?

Es ist sicherlich eine psychologische Binsenweisheit zu sagen, dass Literatur und insbesondere die Dichtung dazu dienen die inneren Konflikte des Schreibers darzustellen und zu lösen. Wissenschaftliches Schreiben ist da ganz anders, weil man zwangsläufig bemüht ist objektiv zu sein und von seiner Subjektivität Abstand zu nehmen. Aber Ratzingers Theologie ist Literatur und keine Wissenschaft, wie man ganz leicht aus diesen Zeilen ersehen kann. Im folgenden Fragment kommt der Bruder, wahrscheinlich Georg Ratzinger, ins Spiel.

[…] Denn dieser Schiffbrüchiger Jesuit ist nicht allein, sondern in ihm wird gleichsam vorgeblendet auf das Schicksal seines Bruders; in ihm ist das Geschick des Bruders mit anwesend, des [im Original hervorgehoben] Bruders, der sich für ungläubig hält, der Gott den Rücken gekehrt hat, weil er als seine Sache nicht das Warten ansieht, sondern »das Besitzen des Erreichlichen …, als könnte er anderswo sein, als Du bist«.[2]

Nun ja, Joseph Ratzinger hat hier einen Bruder, wahrscheinlich den Bruder, der zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen aus „Einführung in das Christentum“ 43 oder 44 Jahre alt ist. Georg Ratzinger, so lesen wir in der Wikipedia:

[…] war unter anderem als Musikpräfekt im Erzbischöflichen Knabenseminar Freising tätig, studierte Kirchenmusik an der Musikhochschule in München und schloss dort 1957 die Meisterklasse ab. Anschließend wurde er in Traunstein zunächst Chordirektor, kurz darauf Chorregent an der dortigen Stadtpfarrkirche St. Oswald und Musikpräfekt am Erzbischöflichen Studienseminar. Während seines Musikstudiums war er seelsorgerisch tätig, unter anderem als Kaplan in der Pfarrei St. Ludwig in München und Wallfahrtskurat in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Maria Dorfen bei München.

Am 1. Februar 1964 wurde er der Nachfolger von Theobald Schrems als Domkapellmeister am Regensburger Dom und Leiter der Regensburger Domspatzen. 1967 wurde er durch Papst Paul VI. zum Päpstlichen Ehrenkaplan (Monsignore) ernannt, 1976 erfolgte die Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Mit dem 70. Geburtstag Georg Ratzingers sowie dem Jubiläum 30 Jahre Domkapellmeister trat er 1994 als Leiter der Regensburger Domspatzen zurück. Sein Nachfolger wurde Roland Büchner.

Dies bedeutet Georg Ratzinger ist in der Zeit als Joseph Ratzinger sein Buch niederschreibt der Domkapellmeister am Regensburger Dom und hat seit Jahrzehnten Zugang zu jungen Knaben. Der Bruder des Jesuiten aus dem Claudel’schem Buch ist jemand, der:

als seine Sache nicht das Warten ansieht, sondern »das Besitzen des Erreichlichen …,

Denkt man diesen Gedanken weiter, dass der hier besagte Bruder für Georg Ratzinger steht, dann tun sich wirklich Abgründe auf. Denn wir lesen weiter:

Wir brauchen hier nicht Verschlingungen der Claudel‘schen Konzeption nachzugehen, wie das Ineinander der scheinbar gegensätzlichen Geschicke als Leitfaden behält, bis zu dem Punkt hin, wo am Ende Rodrigos Geschick dasjenige seines Bruders berührt […].[3]

Verknüpfung der Geschicke? Erpressungsgrund? Es lässt sich zumindest nicht leugnen, dass der Name von Georg Ratzinger zumindest im Zusammenhang des Missbrauchsskandals bei den Domspatzen gefallen ist. Wie wir in der Wikipedia lesen:

In seinem am 18. Juli 2017 vorgestellten Abschlussbericht nennt Weber 547 Misshandlungs- und Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen. 500 Jungen waren Opfer körperlicher Gewalt und 67 Opfer sexueller Gewalt; einige erlitten beides. [36][37] 

Und wie hängt Georg Ratzinger damit zusammen? Er war der oberste Chef der Regensburger Domspatzen, somit ist zu mutmaßen, dass er entweder alles wusste oder wissen sollte. Aber lesen wir den Wikipedia-Bericht samt Quellen weiter:

Vorwürfe und Stellungnahmen zu Missbrauchsthemen

Nachdem im Jahr 2010 Fälle von körperlichen Misshandlungen und sexuellem Missbrauch bei den Domspatzen publik geworden waren, geriet auch Ratzingers Erziehungs- und Führungsstil in die Kritik. Er selber räumte ein, gemäß dem in der damaligen Zeit allgemein üblichen Erziehungsstil Fehlverhalten gelegentlich mit Ohrfeigen bestraft zu haben.[14][15] Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Der Spiegel bezeichneten ehemalige Sänger der Regensburger Domspatzen Ratzinger als „extrem cholerisch und jähzornig“.[16] Andere ehemalige Domspatzen, die sich kurz darauf an die Mittelbayerische Zeitung wandten, nahmen Ratzinger in Schutz und betonten, es habe zu ihrer Zeit keine derartigen Gewaltanwendungen gegen Sänger gegeben.[17]

Laut Abschlussbericht (Juli 2017) des vom Bistum mit umfangreichen Untersuchungen über die Vorfälle bei den Domspatzen in ihrer Gesamtheit beauftragten Rechtsanwaltes Ulrich Weber hatte Ratzinger keine Kenntnis über sexuelle Gewalt bei den Domspatzen, habe aber in Fällen körperlicher Gewalt trotz Kenntnis nicht eingegriffen.[18][19]

Eine vom Bistum Regensburg in Auftrag gegebene Aufarbeitungs-Studie kam 2019 zu dem Ergebnis, dass Domkapellmeister Ratzinger „den ihm übertragenen Erziehungs- und Fürsorgeauftrag aus kriminologischer Sicht gegenüber zahlreichen ehemaligen Schülern der Domspatzen aufgrund seines Gewaltverhaltens nicht erfüllt“ habe. Er habe den betroffenen Schülern sowohl „in Form der Vernachlässigung zuvorderst im Hinblick auf seine diesbezüglich nicht wahrgenommenen Aufgaben als Vorsitzender des Direktoriums der Stiftung der Regensburger Domspatzen und Kuratoriumsmitglied in Etterzhausen – wie direkt – in Form ausgeübter physischer und psychischer Gewalt – schweres Leid zugefügt“. Typologisch habe Ratzinger im Untersuchungszeitraum „zur physisch-expressiven Gewalt“ tendiert, es sei „über die Jahrzehnte hinweg gemessen am Verhalten kein Wille erkennbar, an der eigenen Unbeherrschtheit und damit verbundenen spontan-reaktiven Gewaltausübung etwas verändern zu wollen“.[20]

Das Bistum beauftragte also einen Anwalt, der bekannt gab, bei körperlicher Gewalt hat Georg Ratzinger nicht eingegriffen, von der sexuellen Gewalt will er nichts gewusst haben. So, so. Schauen wir uns aber den zeitlichen Rahmen an. Die ersten Vorwürfe gegen Georg Ratzinger stammen aus dem Jahre 2010, genauere Vorwürfe aus dem Jahre 2017 und die letzten Berichte aus dem Jahre 2020. Womit hätte man denn Benedikt 2013 erpressen können, wenn die Vorwürfe gegen seinen Bruder, obwohl nicht in vollem Umfang, seit 2010 publik geworden sind? Doch mit gar nichts. Hätte Georg Ratzinger auch selbst den sexuellen Missbrauch verübt, so wäre dieser doch im Jahre 2013 verjährt gewesen und er selbst aufgrund seines Alters wäre doch kaum ins Gefängnis gewandert.

Frommes Mütterchen: Dann wäre aber ein Makel an Benedikt haften geblieben!

DSDZ: Sie meinen im Gegensatz zum Weglaufen vor den Wölfen? Na und? Niemand haftete doch für seine Familie.


[1] Ratzinger, Joseph, Einführung in das Christentum, Weltbild 2000 [Erstveröffentlichung München: Kösel 1968], 36-37.

[2] Ebd. 38.

[3] Ebd. 38.

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