Tradition und Glauben

Gott als Schönheit oder warum sind sie so ungepflegt?

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Wann hat es angefangen? Wann begann man das Hässliche, Ungepflegte, Proletenhafte, Stümperhafte und Billige zu etwas Gutem zu stilisieren? Wann wurden die ungewaschenen Massen zu eigentlichen Helden und zwar aufgrund ihrer Beliebigkeit? Eigentlich wollten und wollen sich alle Diener wie die Herren kleiden, sodass im Spätmittelalter das Tragen von nicht standesgemäßer Kleidung bestraft wurde. Wahrscheinlich auch aus dem Grund, damit sich die Menschen für die Kleidung nicht ruinieren. Manch eine kreditkartenverschuldete junge Frau, die sich selbst als Fashion Victim sieht, würde solche Gesetze zu schätzen wissen. Aber irgendwann begann das Hässliche und Beliebige als das Gute und Schöne durchzugehen. Wann begannen denn die Künstler, die ja Handwerker des Schönen sind, ex definitione abgeschabt und abgewrackt zu gehen? Und zwar nicht aus Armut, sondern aus Prinzip. War es die französische l’art pour l’art Bewegung? Waren es die absinthverklebten Tische, wo langhaarigen Jünglinge über Dadaismus diskutierten? Es begann wohl schon am Ende des XIX Jahrhunderts, als sich die meisten Menschen noch für die eigene Stillosigkeit schämten. Denn der Dandy Oskar Wilde, der ungefähr in dieser Zeit lebte, war wirklich nicht abgeschabt. Eher das Gegenteil, wenigstens am Anfang. Vielleicht war es der Erste Krieg, die Jugendbewegung, welche dazu beitrugen, aber sicherlich geht es ästhetisch gesehen seit den 1968 alles den Bach runter. Die Menschen sind seitdem zur ewigen Jugendlichkeit aber auch Nonchalance verdammt, nicht zur ewigen Jugend. 60 Jährige kleiden sich wie 20 Jährige und wenn sie sogar die Figur dazu haben. Das macht sie aber schrecklich alt und verkleidet. Dieses aufgezwungene Dynamische und gezwungen Lebensfrohe. Diese Farbenpracht, die auf sich aufmerksam machen möchte. Bei der Jugend ist es verständlich, aber später doch nur lächerlich.

Woher kommt es? Durch den Niedergang der Liturgie. Die Menschen haben einfach keine Vorbilder mehr. Sie richten sich nach dem Fernsehen, welches sich nach ihnen richtet. Ebenso tun es die Modezeitschriften. Und der Teufelskreis schließt sich. Lassen wir an dieser Stelle Marin Mosebach, in seiner Häresie der Formlosigkeit zur Wort kommen:

„Ich bekenne mich offen zu der naiven Schar, die aus der Oberfläche, der äußeren Erscheinung auf die innere Beschaffenheit und womöglich Wahrheit oder Verlogenheit einer Sache schließt. Die Lehre von den »inneren Werten«, die sich in schmutziger, verkommener Schale verbergen, kommt mir nicht geheuer vor. Dass die Seele dem Körper die Form und das Gesicht, seine Oberfläche verleiht, glaubte ich schon, als noch nicht wusste, dass dieser Satz eine Definition des kirchlichen Lehramtes war. Mit mediterraner Primitivität glaube ich, dass eine unwahre, verlogene, gefühllose Sprache keinen Gedanken von Wert enthalten kann. Was für die Kunst gilt, muss in noch viel höherem Maß jedoch das öffentlich Gebet der Kirche treffen; wo das Hässliche sonst nur auf das Unwahre schließen lässt, bedeutet es im Bereich der Religion die Anwesenheit des Satanischen“.[1]

Der Schreiber dieser Zeilen glaubt dies auch und vertritt es energischer als Martin Mosebach es wohl tut. Warum denn um die Schönheit verlegen sein? Warum um die Wahrheit? Warum sich dafür entschuldigen, dass man keinen Schmutz und keine Ungepflegtheit duldet? Es gibt leider keine Ästhetik mehr in der Kirche. Diese Pferdedecken (früher auch Ornat genannt), diese ad populum Altäre, dieser Kitsch wirklich aller päpstlichen Reisen. Wozu soll es gut sein? Um die Menschen von der Religion abzuschrecken. Warum diese abgeschabten „Krawattenpriester“, die sich für ihr Priestersein schämen, sonst würden sie wohl eine Sutane tragen? Warum diese ewig 1968, langhaarigen Soziologie- und Theologieprofessoren? Dieses Aussehen ist doch ein Statement. Ebenso wie die schwarzen Schuhe von Papst Franziskus. Der Mensch reagiert zuerst mit Gefühl, auch mit einem ästhetischen Gefühl, wovon die Kleidungsvorschriften für ein Vorstellungsgespräch zeugen, bevor er etwas mit Verstand und Willen aufnehmen kann. Bin ich von etwas verstört oder angewidert, dann bleibe ich fern.

The Baldachin Altar - Bronze & Gold Altar in St. Peter's Cathedral located directly above the tomb of St. Peter - it was built between 1624 & 1633
The Baldachin Altar – Bronze & Gold Altar in St. Peter’s Cathedral located directly above the tomb of St. Peter – it was built between 1624 & 1633

Da leider die jetzige Liturgie keine Schönheit verströmt, daher können wir an keiner Schönheit an sich, die es ja gibt, Anteil haben. Wir begegnen dem Alltag überall auch in der Kirche. Interessanterweise ist die reichste Kirche der Welt, d.h. die deutsche Kirche, am wenigsten um die Schönheit der Gotteshäuser oder gar der katholischen Bildungsstätten bemüht. Von der Schönheit der Liturgie ganz zu schweigen. Aber bei Atheisten am Altar ist es so. Hauptsache man bringt es schnell hinter sich und ist dann „ganz Mensch“. Die früheren vorkonziliaren Moraltheologien geben tatsächlich an, dass man sich zum Kommunionempfang und zum Kirchenbesuch gut oder bei den Armen wenigstens reinlich zu kleiden hat. Ein gutes Kleidungsstück hatte wirklich jeder. So entschwand man dem Alltag, es war Sonntag, man ging elegant in die Kirche, man war wer und fühlte sich besser. Wenigstens an einem Tag. Die Straßen wurden schöner. Jetzt gibt es in der Wohnstätte des Schreibers dieser Zeilen keine Sonntagseleganz mehr, im Alltag leider auch nicht, vielleicht weil er in ehemals protestantischen Gebieten wohnt, wo es lange schon keine Sonntagspflicht gab. Die einzig Eleganten sind die ausländischen Touristen, aus den Mittelmeerländern. Also aus den ehemals katholischen Gebieten.

Lange hat die Kirche, die Lehrmeisterin der Völker, die Menschen zur Schönheit erzogen. Dann kam das Konzil und seitdem ist es nicht mehr so. Denn je unwohler, auch ästhetisch unwohl, sich die Menschen in den hässlichen Kirchen fühlen werden, umso weniger werde sie diese aufsuchen. Die Rechnung ging auf. Leider.

[1] Martin Mosebach, Häresie der Formlosigkeit, München 2012, 9.

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